Erstes Kapitel
[1] Dieselben sind in den beiden vorhergehenden Büchern enthalten.
[2] Genauer: „Die Arbeit wird wie ein Schiff ohne Steuermann hin und her schwanken.” Der Sinn ist demnach, daß, wie das Schiff den Steuermann nötig hat, so bedarf der Lernende des durch die Lektüre dargebotenen Vorbildes guter Schriftsteller.
[3] Eigentlich „wird wie über verschlossenen Schätzen brüten”. Ähnlich heißt es bei Vergil, Äneide VI, 610:
Oder welche für sich auf erworbenen Schätzen gebrütet; Horaz, Satiren I, 1, 70:
Du liegst voll Gier auf den Säcken, Die du zusammengerafft.
[4] Nicht eigentlich der Redner, sondern derjenige, welcher ein Redner werden will.
[5] S. VIII, Vorwort 24; 5, 9; VII, Vorwort 1.
[6] Das sind Verfasser von Spottgedichten; der berühmteste, Archilochus, wird weiter unten charakterisiert.
[7] Aristophanes, Eupolis, Kratinus.
[8] Dies bezieht sich wohl mit einigen Abweichungen auf die zuerst von Herodot (II, 2) mitgeteilte Überlieferung, auf welche Weise der ägyptische König Psammetich zu erfahren versucht habe, welches Volk das älteste sei.
[9] Oder „Käse”, wie Vergil, Eklogen 1, 81.
[10] Im Gegensatz zu dem toten Buchstaben.
[11] Die Reden um den Kranz.
[12] Servius Sulpicius Rufus war der berühmteste Rechtsgelehrte zur Zeit Ciceros. Er wird als Verfasser von drei Reden genannt. In dem nicht weiter bekannten Prozesse der Aufidia wird er IV, 2, 106 als Verteidiger derselben bezeichnet; Messalla ist dann also der Ankläger. Doch ist nichts Näheres über den Fall bekannt. Über Messalla, Pollio und Cassius s. weiter unten.
[13] Cajus Nonius Asprenas, ein Freund des Augustus, wurde von Cassius angeklagt, weil bei einem von ihm gegebenen Gastmahl 130 Personen vergiftet worden waren. Der Prozeß endigte mit seiner Freisprechung.
[14] Die entsprechenden Reden Ciceros sind die für Ligarius und gegen Verres. Ligarius, der nach der Schlacht bei Thapsus in die Gewalt Cäsars gekommen und in die Verbannung geschickt war, wurde, als seine Brüder seine Begnadigung und Zurückberufung betrieben, von Tubero wegen seines Verhaltens in Afrika angeklagt.
[15] Freund und Zeitgenosse Ciceros.
[16] Cornelius Celsus, zur Zeit des Tiberius, ein Mann von umfassender Gelehrsamkeit, hatte über Rhetorik, Jurisprudenz, Landwirtschaft, Medizin, Kriegskunst und Philosophie geschrieben; erhalten ist nur seine Schrift ≈de medicina≈.
[17] Er war aus Nemausus in Gallien.
[18] Crispus Passienus der Jüngere, Stiefvater des Kaisers Nero, gestorben 49 n. Chr.
[19] Vielleicht Lälius Balbus unter Tiberius.
[20] Der Fall ist nicht näher bekannt.
[21] Wo Cicero dies gesagt hat, ist unbekannt; die Stelle des Horaz steht ≈ars poetica≈ 359.
[22] In seinem Buche über die Rhetorik.
[23] Rede für den Dichter Archias 12.
[24] Das ist die antike Auffassung der Geschichtschreibung, welche sich von der modernen wesentlich unterscheidet.
[25] IV, 2, 45.
[26] Der Redner 39; 62.
[27] Hiermit sind offenbar die auch uns zum Teil erhaltenen Schriften des Plato, Xenophon und Äschines Socraticus gemeint.
[28] Brutus 248.
[29] In einer nicht auf uns gekommenen rhetorischen Anweisung.
[30] Aratus lebte um 270 v. Chr. am Hofe des Königs Antigonus Gonatas von Mazedonien. Seine Phänomena beginnen mit den Worten: Ἑκ Διὸϛ ἀρχώμεσθα (mit Zeus wollen wir anfangen). Dieses Werk bespricht Quintilian weiter unten.
[31] Ilias XXI, 196.
[32] Antilochus, Ilias XVIII, 18 ff.
[33] Phönix, Ilias IX, 529 ff.
[34] Ilias XXIV, 486 ff.
[35] Um 800 v. Chr., Verfasser des didaktischen Gedichtes „Werke und Tage”, einer „Theogonie” und eines Gedichtes „Der Schild des Herakles”.
[36] Der Stil, welcher in der Mitte steht zwischen dem schlichten attischen und dem überladenen asiatischen.
[37] Epischer Dichter aus Kolophon, lebte gegen das Ende des Peloponnesischen Krieges. Sein Hauptwerk war das Epos Thebaïs.
[38] Aus Halikarnaß, um 480 v. Chr., Oheim Herodots, Verfasser eines epischen Gedichtes Herakleia in 14 Büchern.
[39] Geboren zu Alexandria, aber als rhodischer Bürger gewöhnlich „der Rhodier” genannt, Vorsteher der Bibliothek in Alexandria um 190 v. Chr., Verfasser des noch erhaltenen Gedichtes „Argonautika”.
[40] Die alexandrinischen Kritiker, besonders Aristophanes aus Byzanz und sein Schüler Aristarch, veranstalteten im 2. Jahrhundert v. Chr. ein Verzeichnis der mustergültigen Dichter und Schriftsteller, das auch in späterer Zeit gewöhnlich als maßgebend anerkannt wurde.
[41] S. Anm. 30.
[42] Der berühmte Idyllendichter aus Syrakus, um 275 v. Chr.
[43] Aus Kamirus auf Rhodos, um 640 v. Chr., Verfasser einer „Herakleia”.
[44] Nikander, wahrscheinlich aus Kolophon, lebte um 450 v. Chr. zum Teil am Hofe des Königs Attalus III. von Pergamus und schrieb außer vielen didaktischen Werken „Alexipharmaka” und „Theriaka” über Bisse giftiger Tiere.
[45] Ämilius Macer aus Verona, gestorben 16 v. Chr., schrieb „Ornithogonia” und „Theriaka”.
[46] Quintilian scheint, durch die Gleichheit des Titels veranlaßt, an die Georgika Vergils gedacht zu haben. Doch läßt sich nicht nachweisen, daß bei Abfassung dieses Gedichtes die Georgika des Nikander als Vorbild gedient haben. Des letzteren Lehrgedicht über die Bienen (Melissurgika) kann vielleicht Vergil benutzt haben.
[47] Euphorion aus Chalkis auf Euböa, geb. um 276 v. Chr., lebte in Athen, dann seit 220 in Antiochia als Vorsteher der Bibliothek. Seine epischen Gedichte und Elegien wurden wegen ihres mythologischen und antiquarischen Stoffes fleißig gelesen und von Cornelius Gallus nachgebildet.
[48] Eklogen 10, 50.
[49] In der ≈ars poetica≈ 401.
[50] Tyrtäus, um 685-668 v. Chr., aus Aphideä in Attika, berühmt durch seine Marsch– und Schlachtlieder, durch die er im Zweiten Messenischen Kriege die Spartaner zum Kampfe begeistert haben sollte.
[51] Kallimachus aus Kyrene, um 260 v. Chr., lebte in Alexandria. Er erlangte hohen Ruhm durch seine Elegien, die von den römischen Dichtern Catull, Properz und Ovid nachgeahmt wurden.
[52] Philetas aus Kos, Freund des Theokrit, Lehrer des Ptolemäus II. Philadelphus, um 280 v. Chr., von Properz und Ovid nachgeahmt.
[53] Die beiden hier nicht Genannten sind Simonides aus Samos, um 660 v. Chr., und Hipponax aus Ephesus, um 540 v. Chr., ein scharfer Satiriker.
[54] Nicht angeführt sind Alkman aus Sardes, um 620 v. Chr., Sappho aus Lesbos, um 600 v. Chr., Ibykus aus Regium, um 540 v. Chr., Anakreon aus Teos, später am Hofe des Polykrates von Samos, Bakchylides aus Kos, um 465 v. Chr. – Pindar, geb. 522 v. Chr. in Kynoskephalä bei Theben, hochgeachtet von Fürsten und freien Bürgern im Leben und nach seinem Tode 441 v. Chr.
[55] Oden IV, 2:
Wer sich erkühnt, dem Pindar nachzusingen, Der hebt, Jullus, sich mit tollem Mut Auf Dädalus' mit Wachs gefügten Schwingen Und gibt den Namen der kristallnen Flut. Wie von den Regengüssen angeschwollen, Aus den gewohnten Ufern tritt der Fluß, So stürzt hervor mit allgewalt'gem Rollen Aus ungemeß'ner Tiefe Pindarus.
[56] Stesichorus aus Himera auf Sizilien, geb. um 630 v. Chr., der berühmteste Dichter Siziliens, starb hochbetagt in Catana. Vgl. über ihn Horaz (Oden IV, 9, 4 ff.):
Zwar glänzt Homer als erster in Sängerreih'n, Doch schweigt darum die Muse des Pindar nicht, Noch Ceas Lied, Alcäus' Schlachtruf, Oder Stesichorus' ernste Dichtung.
[57] Aus Mytilene auf Lesbos, 611-580 v. Chr.
[58] Gemeint sind die Gedichte des Alcäus, welche den zehnjährigen Bürgerkampf seines Vaterlandes behandeln.
[59] Myrsilus und Pittakus.
[60] Simonides aus Julis auf Kos (556-486 v. Chr.), lebte teils in Athen am Hofe des Hipparch, teils an dem des Hiero in Syrakus. Mit ersterem war er befreundet, ebenso mit Themistokles, Pausanias, Anakreon u. a. Er besaß weltmännische und wissenschaftliche Bildung und war mit einem vorzüglichen Gedächtnis ausgestattet.
[61] Aristophanes aus Athen, zur Zeit des Peloponnesischen Krieges, trat schon früh mit Komödien auf. Er lebte noch 386 v. Chr. – Eupolis dichtete angeblich schon im 17. Jahre Komödien, mit Aristophanes befreundet, dann entzweit. – Kratinus aus Athen, ebenfalls Zeitgenosse des Aristophanes, durch persönliche Satire gefürchtet, schuf den komischen Stil.
[62] Äschylus, geboren in dem attischen Demos Eleusis 525 v. Chr., führte in großer Zeit ein bewegtes Leben und übte auf die Gestaltung der Tragödie nicht geringen Einfluß, gestorben 456 v. Chr. Von 70 Tragödien sind uns noch 7 erhalten.
[63] Uns ist nichts von einer Verbesserung seiner Stücke oder von der Erlaubnis zur Aufführung seitens der Athener bekannt.
[64] Sophokles, geb. 496 v. Chr. in dem attischen Demos Kolonos, der größte Tragödiendichter des Altertums, gest. 406. Von 86 Tragödien sind 7 erhalten, von denen einige auch heute noch aufgeführt werden. – Euripides, geb. in Salamis 480 v. Chr., trat früh als Dichter auf, gest. 406 in Pella, hochgeehrt von dem König Archelaus.
[65] Menander aus Athen, 342-290 v. Chr. Von seinen mehr als 100 Komödien haben wir nur noch Bruchstücke, zum Teil allerdings ziemlich umfangreiche (so gerade in den hier genannten Epitrepontes), dagegen Nachbildungen in mehreren Stücken des Terenz.
[66] Ein athenischer Redner, Zeitgenosse des Demosthenes.
[67] Aus Soli oder Syrakus, gest. 262 zu Athen, fast 100 Jahre alt. Von seinen mehr als 90 Komödien ist nur wenig übrig. Zwei Stücke von ihm hat Plautus frei nachgebildet.
[68] Thukydides aus Athen, 471-396 v. Chr.
[69] Herodot aus Halikarnaß, 484 bis gegen 410 v. Chr.
[70] Theopomp aus Chios, geb. um 378 v. Chr., schrieb auf Veranlassung seines Lehrers Isokrates Hellenika, als Fortsetzung des Thukydides, und 58 Bücher Philippika, eine allgemeine Geschichte seiner Zeit. Beide Werke sind verlorengegangen.
[71] Philistus aus Syrakus, Zeitgenosse der beiden Dionysios', 356 v. Chr. in hohem Alter getötet. Er verfaßte sizilische Geschichten.
[72] Ephorus, aus dem äolischen Kyme, Verfasser einer Geschichte Griechenlands von Anfang an bis zum Jahre 340 v. Chr.
[73] Clitarch aus Megara, Geschichtschreiber Alexanders d. Gr.
[74] Timagenes aus Alexandria, Freund des Asinius Pollio, schrieb ebenfalls eine Geschichte Alexanders d. Gr.
[75] S. weiter unten.
[76] Außer den fünf genannten: Antiphon, Andocides, Isäus, Lycurgus und Dinarchus.
[77] Aus dem Demos Päania, 384-322 v. Chr.
[78] Äschines aus Athen, 389-314 v. Chr., Gegner des Demosthenes.
[79] Hyperides aus Athen, geb. 390 v. Chr., wie Demosthenes tätig im Kampfe gegen Philipp von Mazedonien, in Ägina auf Befehl des Antipater 322 hingerichtet.
[80] Lysias, geb. in Athen um 435 v. Chr., berühmter Lehrer der Beredsamkeit, starb in hohem Alter 353 v. Chr.
[81] Isokrates, geb. in Athen 436 v. Chr., ein Schüler des Sokrates, ebenfalls berühmt als Lehrer der Beredsamkeit. Er starb 94 Jahre alt wenige Tage nach der Schlacht bei Chäronea 338 v. Chr. eines freiwilligen Todes.
[82] Demetrius von Phaleron, 317-307 v. Chr. fast unumschränkter Statthalter in Athen; darauf gestürzt, fand er in Ägypten freundliche Aufnahme. Er starb in Oberägypten 283 in der Verbannung an dem Bisse einer Schlange.
[83] Plato, geb. 427 v. Chr., gest. 347, der größte Schüler des Sokrates.
[84] Xenophon, aus dem attischen Demos Erchia, geb. um 434 v. Chr., Schüler des Sokrates, bekannt durch seine Teilnahme an dem Zuge des jüngeren Kyros, wegen seiner Vorliebe für Sparta 399 verbannt, lebte dann in Skillus bei Elis, darauf in Korinth, gest. 355.
[85] Aristoteles, geb. 384 v. Chr. zu Stagira in Mazedonien, Lehrer Alexanders d. Gr., berühmtester und gelehrtester Philosoph des Altertums, starb in Chalkis 322.
[86] Theophrast war zu Eresos auf Lesbos 371 v. Chr. geboren, wurde 322 Nachfolger des Aristoteles als Lehrer der peripatetischen Schule zu Athen und starb 287. Er soll ursprünglich Tyrtamos geheißen und erst von Aristoteles den Namen Theophrast erhalten haben.
[87] Publius Vergilius Maro (geb. 15. Oktober 70 v. Chr., gest. 19. September 19 v. Chr.) ist im Altertum und im Mittelalter überschätzt, später unterschätzt worden. Erst in neuerer Zeit ist ihm die ihm gebührende Wertschätzung wieder zuteil geworden.
[88] Ein berühmter, von Quintilian oft genannter Redner.
[89] S. Anm. 45.
[90] Titus Lucretius Carus lebte von 98-55 v. Chr., schrieb das noch erhaltene Lehrgedicht „Von der Natur der Dinge”.
[91] Publius Terentius Varro Atacinus, 82-36 v. Chr., aus Atax in Gallia Narbonensis, verfaßte eine freie Nachbildung der Argonautika des Apollonius, schrieb ein episches Gedicht „Der Sequanerkrieg” und versuchte sich auch in der Satire.
[92] Quintus Ennius, geboren zu Rudiä in Kalabrien 239 v. Chr., berühmt durch die uns noch in Bruchstücken erhaltenen Annalen, ein historisches Epos in Hexametern; auch dichtete er Tragödien und Komödien. Er starb 169.
[93] Publius Ovidius Naso, 43 v. Chr. bis 17 n. Chr. -- Unter seinen „epischen Gedichten” sind die Metamorphosen zu verstehen.
[94] Freund des Ovid.
[95] Kann wegen des folgenden Lobes nicht im geringschätzigen Sinne genommen werden.
[96] Der Name Serranus beruht nur auf Konjektur.
[97] Von Valerius Flaccus, gest. um 88 n. Chr., haben wir noch sein Gedicht Argonautika.
[98] Saleius Bassus, Zeitgenosse Vespasians; über seine Schriften ist nichts Näheres bekannt.
[99] Beide Zeitgenossen Ovids.
[100] Marcus Annäus Lucanus aus Corduba, lebte 39-65 n. Chr., verfaßte ein Epos Pharsalia, das sich durch rhetorisches Pathos auszeichnet.
[101] Gemeint ist Domitian, der nach der Besiegung der Chatten den Titel Germanicus annahm.
[102] Eklogen 8, 13.
[103] Albius Tibullus, römischer Ritter, etwa 59-18 v. Chr.
[104] Sextus Aurelius Propertius, um 54-15 v. Chr., Altersgenosse Tibulls.
[105] Cajus Cornelius Gallus, aus Forum Julii, ein vertrauter Freund Vergils (1. Ekloge 10), endete durch Selbstmord 26 v. Chr.
[106] Caius Lucilius aus Suessa Auruncorum, römischer Ritter, 180 bis 102 v. Chr., Freund des jüngeren Scipio Africanus und Lälius.
[107] Quintus Horatius Flaccus, 65-8 v. Chr.
[108] Aulus Persius Flaccus aus Volaterrä, römischer Ritter, lebte 34-62 n. Chr., Verfasser von sechs noch erhaltenen Satiren.
[109] Marcus Terentius Varro aus Reate, 116-27 v. Chr. Von seinen zahlreichen Schriften sind nur erhalten drei Bücher von der Landwirtschaft, sowie Bruchstücke eines größeren Werkes Über die lateinische Sprache und der etwa 96 Satiren.
[110] Quintus Valerius Catullus, geb. zu Verona 86 v. Chr., gest. 54 v. Chr. „#Der größte Dichter, den Rom gehabt hat, ist Catullus#” (B. G. Niebuhr).
[111] Furius Bibaculus, geb. 102 v. Chr. zu Cremona, von Horaz (Satiren II, 5, 41) verspottet.
[112] Über dieses Urteil Quintilians vgl. #K. E. Güthling# in der Zeitschrift für das Gymnasialwesen 1869, S. 886, wo derselbe mit Recht sagt: „Aber es ist zum Erschrecken, wenn es bald nachher heißt: ≈Lyricorum Horatius fere solus legi dignus≈. Ich bekenne offen, daß mir Lachmanns Urteil, das er im philologischen Seminar mehr als einmal ausgesprochen hat, des Horatius Oden seien glatt wie Marmor, aber auch kalt wie Marmor, und zwei bis drei beliebige Episteln des Horatius seien ihm mehr wert, als alle Oden zusammengenommen, eine ganz gerechte Schätzung des Lyrikers Horatius zu enthalten scheint, sosehr mich dies Urteil anfangs frappierte. Sprache und Versbau sind unübertrefflich vollendet; das ist aber auch das beste, was man von diesen Oden sagen kann. Diejenigen von ihnen, die aus der Stellung des Dichters zum Hofe hervorgingen, haben alle ein gemachtes, hohles Pathos, sind arm an fruchtbaren Gedanken, und ich will es gern unentschieden lassen, ob sie der Vorwurf unwürdiger Schmeichelei treffe oder nicht. Die übrigen bewegen sich in einem sehr engen Gedankenkreise, den sie allerdings mit Geschick variieren, so daß der nicht sehr aufmerksame Leser über der schönen Form und einem zahllose Male in anderm Gewande wiederkehrenden Gemeinplatz die Armut des Inhalts übersieht. Den meisten, ja fast allen den fehlt die jugendliche Frische, die Leidenschaft und Glut der Empfindung, welche den Leser hinreißt. Das ist auch natürlich; war doch der Dichter ein Vierziger, als er zur Leier griff, und daß die Beschäftigung mit der Satire keine besondere Vorbereitung für die Lyrik abgegeben hat, versteht sich wohl von selbst. Um Quintilians Urteil über Horatius zu verstehen und zu würdigen, mag das Gesagte genügen; dem Lyriker Horatius stellen wir getrost den Catullus entgegen, nein, wir stellen ihn aus voller Überzeugung über Horatius. Wenn Quintilian den Catullus nur als Jambographen anführt, so ist das nicht zu bewundern; er gehört ja zu den „Alten”, nicht zu den Kunstpoeten, als deren Repräsentant und Verfechter in der Augusteischen Zeit Horatius, wie das seine Polemik gegen ältere Dichter zeigt, vorzugsweise zu betrachten ist. Niebuhrs Urteil über Catullus (vgl. Catullus, übersetzt von Stromberg, Vorrede) ist bekannt; vor fünfundzwanzig Jahren habe ich es auf Niebuhrs Namen angenommen, jetzt unterschreibe ich es aus eigener Überzeugung. Es sei zum Schutze des von unserm Rhetor totgeschwiegenen Lyrikers hiermit an dasselbe erinnert.”
[113] Cäsius Bassus, Freund des Persius, kam angeblich 79 bei dem Ausbruche des Vesuvs um.
[114] Lucius Attius, von 170 bis etwa 90 v. Chr. -- Marcus Pacuvius aus Brundusium, geb. um 220 v. Chr., starb in einem Alter von 90 Jahren.
[115] Lucius Varius Rufus, 74-14 v. Chr., Epiker und Tragiker, Freund des Vergil und Horaz. Vgl. Horaz, Oden I, 6, 1; Satiren I, 10, 44; Episteln II, 1, 247; 3, 55.
[116] Publius Pomponius Secundus lebte unter den vier ersten Kaisern nach Augustus; gest. um 60 n. Chr.
[117] Lucius Älius Stilo, Rhetor und Altertumsforscher, Lehrer des Cicero und Varro.
[118] Titus Maccius Plautus, um 254-184 v. Chr.
[119] Cäcilius Statius aus Insubrien, Zeitgenosse des Ennius, um 219-166 v. Chr.
[120] Publius Terentius Afer, um 194-159 v. Chr., kam aus Afrika in früher Jugend als Sklave nach Rom, wo er erzogen und freigelassen wurde.
[121] Lucius Afranius, Zeitgenosse des Terenz, um 150 v. Chr.
[122] Cajus Sallustus Crispus, 87-34 v. Chr.
[123] Titus Livius, 59 v. Chr. bis 17 n. Chr.
[124] Servilius Nonianus, Konsul 35 n. Chr., gest. 60 oder 61 n. Chr. Er war ein tüchtiger gerichtlicher Redner und wandte sich sodann dem Studium der Geschichte zu. Er beschrieb die Zeit des Untergangs der Republik und die Gründung der Monarchie.
[125] Aufidius Bassus lebte unter Tiberius. Er schrieb Geschichtswerke über die erste Kaiserzeit sowie über den Germanischen Krieg und starb unter Nero.
[126] Quintilian meint vielleicht Cornelius Tacitus.
[127] Cajus Cremutius Cordus, freimütiger Geschichtschreiber zur Zeit des Tiberius.
[128] Marcus Tullius Cicero war geboren 106 v. Chr., ermordet 43 bei Cajeta.
[129] Bezieht sich in dieser Allgemeinheit nur auf die gerichtlichen Reden vor dem Areopag.
[130] Die sechs unter dem Namen des Demosthenes überlieferten Briefe sind unecht.
[131] Bezieht sich auf die meisten philosophischen Schriften Ciceros, ebenso auf „Brutus” und „vom Redner”.
[132] In den vorhandenen Gedichten Pindars ist diese Äußerung nicht zu finden.
[133] Cajus Asinius Pollio, 76 v. Chr. bis 5 n. Chr., der bedeutendste Redner nach Cicero und zur Zeit des Augustus. Quintilian erwähnt ihn oft, Horaz hat ihn Oden II, 1 verherrlicht.
[134] Marcus Valerius Corvinus Messalla, 64 v. Chr. bis 8 n. Chr., Staatsmann und Feldherr, besonders aber auch Redner. Vgl. Horaz, Oden III, 21.
[135] Cajus Julius Cäsar, 100-44 v. Chr.
[136] Marcus Cälius Rufus, 88-48 v. Chr., Freund Ciceros.
[137] Cajus Licinius Calvus, 82 bis etwa 47 v. Chr., Freund des Catull und selbst Dichter.
[138] Servius Rufus, der berühmteste Rechtsgelehrte zur Zeit Ciceros.
[139] Cassius Severus, geb. 44 v. Chr., wegen seiner scharfen Zunge nach der Felseninsel Seriphos verbannt, wo er um 30 n. Chr. starb.
[140] Domitius Afer aus Nemausus (Nismes), gest. 59 n. Chr. -- Julius Africanus aus Gallien, blühte unter Nero.
[141] Marcus Galerius Trachalus, Konsul 68 n. Chr., der dem Kaiser Otho seine Reden verfaßt haben sollte.
[142] Quintus Vibius Crispus, unter Nero als Denunziant (≈delator≈) von trauriger Berühmtheit, lebte noch als Greis unter Domitian.
[143] Er lebte unter Vespasian; er gehört auch zu den in Tacitus' Gespräch über die Redner teilnehmenden Personen.
[144] Nach Tacitus (Gespräch über die Redner) und Plinius (Briefe): Aper, Marcellus, Maternus, Messalla u. a.
[145] Vater und Sohn, Zeitgenossen des Cäsar und Augustus, Anhänger der pythagoreischen Lehre. – Über Cornelius Celsus siehe Anmerkung 16.
[146] Nicht näher bekannt; vielleicht ist der Name falsch überliefert.
[147] Von Geburt ein Insubrer, Zeitgenosse Ciceros.
[148] Lucius Annäus Seneca, Sohn des Rhetors gleichen Namens, geboren zu Corduba in Spanien um 2 n. Chr., gestorben 65.