Part 2
Das Leben kommt und geht wie’s will, Und schlägt’s dir noch so tiefe Wunde, Trag’s still! Du wirst einst selber still, Kommt über dich die letzte Stunde.
Schicksal.
Hoch über irdischer Bedrängnis Thront streng wie kalte Winternacht Und ewig wie der Gottheit Macht Ein finstres, allgewaltiges Verhängnis... Das fragt nach Wünschen nicht und Zielen, Nach Glück der Erdenkinder nicht; Oft scheint’s mit Herzen nur zu spielen Und fragt nicht, ob eins zuckend bricht. Es drängt sich zwischen Menschenpaare Und macht mit seinem Schicksalszwang Unglücklich sie für viele Jahre, Oft für ein ganzes Leben lang.
Der größte Schmerz.
Von allen Erdenschmerzen Muß das der größte sein: Zu stehn mit vollem Herzen In weiter Welt allein. Müd sich nach Liebe suchen, Um die die Sehnsucht weint, Und seinem Leben fluchen, Für das kein Glück mehr scheint.
Viel bittrer noch als Sterben Ist Lebenmüssen oft, Wenn’s Herz, glückarm geworden, Nichts glaubt mehr und nichts hofft;
Wenn ihm sein Lenz entblättert, Eh er noch recht erblüht, Und was es einst vergöttert, Im Staube liegen sieht.
Liebe.
Was echte, rechte Liebe ist, Kommt fröhlich nicht gegangen, Kommt auch mit hellem Lachen nicht Und nicht mit Sonnschein im Gesicht Und Rosen auf den Wangen.
Was echte, rechte Liebe ist, Kommt ernst wie Kirchhoffrieden, Wie Schicksal, das uns zugedacht, Wie hohe, heil’ge Gottesmacht, Um Herz an Herz zu schmieden.
Gleichnis.
Die Sonnenblume wendet Ihr gelbes Blütengesicht Dem Licht der Sonne entgegen Und blüht ohne Sonne nicht. Sie ist eine Tochter des Tages, Sie fühlt sich fremd in der Nacht Unterm frostkalten Funkeln der Sterne Und seufzt nach der Sonnenpracht.
So ist das Herz der Menschen Von der Sonnenblume ein Stück: Es knüpft sein Sehnen an Liebe Und kennt ohne Liebe kein Glück. Es glüht nur im Licht seiner Sonne, Im Dunkel erschauerts voll Not Und wünscht sich, um Liebe weinend, Tiefinnerlich selbst den Tod...
Die Wahrheit.
Die Wahrheit hat goldene Schuhe Und wandert durch den Tag, Sie lebt in der ewigen Ruhe Hoch überm Sternenhag.
Die Wahrheit ist der Frieden, Vor dem das Leid zerschellt, Ihr Reich ist nicht hienieden, Ist nicht von dieser Welt.
Die Wahrheit ist das Schöne, Das uns zur Andacht zwingt Und mit der Macht der Töne Ein Lied des Ewigen singt.
Guter Rat.
Nimm vom Tag, was er dir gibt, Laß dir nie das Herz beschweren! Was dir heut’ den Sinn betrübt, Kann sich morgen wieder klären!
Besser lebt, wer aus der Stund’ Schöpft das Beste immer wieder — Weint das Herz, so lacht der Mund Und aus Tränen werden Lieder!
Hoch das Haupt in Sturm und Nacht Mußt du tragen, willst du siegen: Glaube an sich selbst ist Macht Und nur Zweifelnde erliegen!
Widerlegung.
Ich hab einst irgendwo das schöne Wort gelesen: »Was einmal war, ist so, als wär’ es nie gewesen.«
Mir aber scheint dies Wort nicht tief genug und kar — Wie wirkte sonst noch fort in uns, was einmal war!
Was wär’ denn dann das Glück, das einmal wir erlebt, Blieb keine Spur zurück in uns, wenn es entschwebt!
Was wär’ der Liebe Glanz und alles Weltgeschehn, Wenn wär’ vergessen ganz, was schwand, um zu vergehn!
Nein — was einst war, das ist und wenn’s auch zehnmal schwand! Ein Blick, der dich gegrüßt, ein Druck von lieber Hand,
Von dem träumt oft noch spät des Menschen tiefst Gemüt, Solang sein Leben geht und die Erinn’rung blüht.
Alte Weisheit.
Es reißt kein Pflug so breite Ackerfurchen Als der, den führt die ungeübte Hand; Kein Sturm braust rauher talwärts von den Bergen Als der, den schickt der junge Lenz ins Land; Kein Himmel prahlt mit so viel hellen Sternen Als der, den tiefstes Nachtgedunkel trübt; So kränkt am meisten, was ein Mensch gesprochen Wenn’s einer sprach, der weh tut, weil er liebt.
Der Glaube versetzt selbst Berge Und schöpft auf den Grund das Meer; Die Hoffnung grünt noch auf Gräbern Und wird nicht des Hoffens leer; Doch alle Gewalt der Erde Vor der Macht des Größten zerstiebt: Denn was sind Gräber und Berge und Meere Gegen Liebe, die glaubt und hofft und liebt!
Ein altes Lied.
Es legt sich gern auf Rosen Der bleiche Winterschnee — Die Menschen, die sich lieben, Tun sich am meisten weh!
Kein Finkenschlag weckt wieder Die Rosen, die verschneit... Kein Harm so groß auf Erden, Daß Liebe ihn nicht verzeiht!
Trost.
Wer wundgedrückt durchs harte Leben ging, Doch Liebe trug und nichts als Liebe gab, Wenngleich er Lieb’ von andern nie empfing Auf seiner langen Wanderfahrt zum Grab, Der drück’ getrost die müden Augen ein, Er wird erwachen unterm Sternenblühn Und Gott wird ihm ein milder Richter sein: Wer viel geliebt hat, dem wird viel verziehn!
Vorwurf.
Was störst du meine Kreise? Laß mich in Einsamkeit, In die ich müd und leise Vergrub mein altes Leid, Mein Leid, das ich schon trage Um dich ein Leben fast In stummgewordner Klage Als eine liebe Last!
Laß ab von mir, dem Müden, Der einst ein Glück ersann, Und gönn’ mir doch den Frieden, Den ich mir schwer gewann! Laß mich aus Harm und Wunden, Erlöst, befreit, verschönt, Einkehren in lichte Stunden, Durch die kein Seufzer tönt!
Mir steht kein Himmel offen, Kein Weg führt mich ans Land, Was soll ich denn noch hoffen? Wer führt mich an der Hand? Und wer gibt mir zu Eigen In jauchzender Liebe sich? Mir klingts wie weinende Geigen Durchs Herz, denk ich an dich...
Blick in die Sterne.
In schweren Stunden blick’ empor Aus deines Lebens Qual und Enge Zum Himmel, wo durchs offne Tor Die Sterne wandeln im Gedränge.
Sie wandeln hin im Silberschein, Der wie der Tau im Mondlicht funkelt, Und blicken umso heitrer drein, Je mehr die Nacht den Weg verdunkelt.
Und sieh! so sollst auch du es tun Und gleich den ewig jungen Sternen, Die in der Hand Gott Vaters ruhn, Selbst übers Unglück lächeln lernen.
Sollst größer als dein Schicksal sein Und über alles Niedre dich erheben Und immer heiter blicken drein, Als lebtest du ein Sternenleben!
Du weißt es nicht.
Ein Bächlein rinnt und weiß es nicht, Wohin sein eilig Wandern geht. Der Garten blüht und weiß es nicht, Daß er in tausend Blüten steht.
Der Lenzwind weht und weiß es nicht, Wohin des Wegs ihn führt die Bahn — Du sprachst zu mir und weißt es nicht, Wie weh dein Wort mir hat getan!
Zünd eine Totenkerze an!
An ferne Tage mahnst du mich, Da du und ich ein Glück geheckt? O laß und rühr nicht an dem Dorn, Der dir und mir im Herzen steckt!
Red nicht vom Lenz, der uns verblüht, Von Liebe, die um Liebe warb! Denk lieber, was an Schmerz uns blieb, Seit unsre Liebe weinend starb!
Sei still und laß, was tot ist, ruhn Und such nicht alter Wege Spur! Trag stolz den Gram — es bricht kein Herz, Langsam muß es verbluten nur!
Denk dir: ich wäre längst schon tot Und läg im Grabe klaftertief Und hörte nicht mehr, daß dein Herz Mich wieder ruft, wie einst es rief!
Zünd eine Tokenkerze an Und bet für mich mit feuchtem Blick, Wie ich für dich oft heimlich bet, So wie man betet um ein Glück!
Und denk dir, wenn die Qual dich sticht, Wildbrennend wie ein letzter Kuß: Daß jeder Frühling einmal welkt Und jede Liebe sterben muß!
Erinnerung.
In der Erinnrung liegt ein stilles Glück, Das aus der Ferne kommt zu uns zurück, Um uns in alter Liebe neu zu segnen. O halt sie warm, wie eine Mutter hegt ihr Kind, Und laß einst alle, die dir je begegnet sind, Im Geist noch einmal dir begegnen!
Ein Schicksalswort.
Tausend Stürme und Wetterschlag Können so schwer eine Welt nicht erschüttern, Als es im Herzen ein Wort vermag Und vor dem alle Liebenden zittern, Wenn es zwei Lippen sprechen, das Wort, Das oft tändelnd und lind Wie ein Rosenblatt im Wind Weht vom Mund leicht gesprochen fort — Aber ein Herz macht es arm oft und leer, Dieses kleine, doch schicksalsgewaltige Wort: Geh — ich liebe dich nicht mehr!
Einsam.
Einsam geht der Mond, der bleiche, Durch die Nacht, die schlafensmüd; Einsam träumt der Schwan am Teiche Und sein Sterben wird zum Lied.
Einsam wandle durch die Tage Still auch ich und nur mein Leid, Das ich heimlich um dich trage, Folgt mir in die Einsamkeit.
Zweifel.
Von der Wiege bis zur Bahre, Durch die vielen langen Jahre Wirkt die Qual auf unser Wissen, Das wir einmal sterben müssen. Und des Zweifels bange Frage, Ob nach einem letzten Tage, Wenn verlöscht des Lebens Licht, Wir vor einem Weltgericht Stehn einst werden angstbeklommen, Läßt uns nicht zur Ruhe kommen.
Es gibt im Leben.
Es gibt im Leben soviel Leid, Daß es nur der Mensch glücklich überwindet, Der alles Schöne, das ihn freut, Aus ganzer Seele nachempfindet.
Ein blauer Himmel, ein Maientag Und Veilchen auf der Heide, Ein Vogellied im stillen Hag, — Schafft das nicht jedem Freude?
Wer solches Glück, das ihn umgibt, Läßt gern vom Lenz sich schenken, Der hat, was auch sein Herz betrübt, Nicht Zeit, ins Leid sich zu versenken.
In ein Stammbuch.
Bei allem Tun des Tags Hab’ zu der Frag den Mut: Ob’s recht war und ob drin Ein Glück für Menschen ruht. Sagt Ja dein Herz, An das die Frage du gericht’t, Dann tu’s getrost und froh — Wenn Nein, dann tu es nicht! Leicht irrt der Sinn und leicht Wird selbst der Weiseste betört, Nie aber irrt der Mensch, Der auf die Stimme seines Herzens hört.
Das Menschenherz.
Es ist ums Herz der Menschen Ein wundersames Ding, Und meinst du’s zu ergründen, Denkst du davon gering.
Tief birgt’s in seiner Enge Der Mächte mancherlei: Die Sehnsucht und die Liebe Und manchmal auch die Treu.
Es trägt in einem Raume Die Freude und das Leid, Das Hoffen und das Hassen Und auch den blassen Neid.
Der Wunder größtes aber, Das in ein Herz gelegt, Viel größer als der Himmel, Der tausend Sterne trägt,
Ist: daß ein Mensch dem andern, Oft flüchtig nur geschaut, Aufschließt die Brust und drinnen Ihm eine Heimat baut...
Tröstung.
Siehst du nicht die grauen Fäden, Fragst du oft, die trägt mein Haar? Laß doch Liebste solche Reden, Ich bin auch nicht zwanzig Jahr!
Laß dein Haar vom Schnee durchziehen, Wenn nurs Herz noch fröhlich schlägt Und dir Aug und Wangen glühen Wie ein Strauch, der Rosen trägt!
Schau ins Spieglein ohne Leide, Ob dein Haar sich leicht auch trübt, Denk vielmehr: Gott, welche Freude, Daß mich spät ein Herz noch liebt!
Es müßte jeder Mutter Sohn...
An keinem Bettler blick vorbei, der wegverstaubt Am Straßenrand dich im Vorbeigehn flehend grüßt! Ist’s seine Schuld, daß keine Krone trägt sein Haupt Und statt der Lumpen ihn nicht Hermelin umfließt?
Er ist nur das, wozu ihn sein Geschick erkor, Der Götter Stiefkind eins, das tappt im Irrlichtschein, Vor dem die Freude schloß ihr goldnes Himmelstor Und dem als Los gesetzt ward, ohne Glück zu sein.
Denn ging’s nach Der, die ihn als Kind oft heiß geküßt, Ihm tausend Wünsche gab ins Leben mit hinein Und als ihr Liebstes hegte, das auf Erden ist: Es müßte jeder Mutter Sohn ein König sein!
Goldene Worte.
Laß ungetröstet keine Menschenseele, Die leidbeschwert, von deines Hauses Schwelle gehn, Hab’ niemals Spott für deines Nächsten Fehle, Tu’ so, als hättest du sie nicht gesehn!
Sei wie die Biene, die von Blüt’ zu Blüte Holt eines Frühlings Duft und Süße ein, Und sammle Liebe, wo sie dir erglühte, Dann wird dein Sterbetag noch voller Rosen sein!
Kein Glanz gleicht dem, den trägt die große Stunde, Da du vergißt, wie weh ein Mensch dir hat getan, Und deckst mit Blüten zu des Grolls glutheiße Wunde: Der Siege schönste feiert, wer verzeihen kann!
Heut’ ist der Tag der Toten...
Heut’ ist der Tag der Toten, Wo einmal wir im Jahr Die letzten Blumen der Gärten Und Tränen bringen dar.
Wo ihrer wir gedenken, Verstört und tiefbetrübt, Wie gut und treu sie waren, Wie sehr wir sie geliebt.
Heut’ prangt gleich einem Garten Der Friedhof und darin Gehn viele stille Gäste Und weinen vor sich hin.
O laßt, laßt ab, ihr Leute, Von eurem Traurigtun! Die Toten laßt den Toten In ihren engen Truhn.
Es hat auf eure Tränen Das Leben nur ein Recht — Was frommts, wenn ihr um Tote Die Herzen euch zerbrecht?
Was dort liegt in den Gräbern Sind unsre Toten nicht; Wir tragen unverlöschlich Im Herzen ihr Gesicht.
Für uns schläft keiner im Tode, Der für die Welt entschlief, Solang ihn hält unsre Liebe Und ruft wie er uns rief.
Drum wandert nicht zu Gräbern, Draus niemand zu euch spricht, Und spart euch Blumen und Tränen, Die Toten wissen es nicht!
Protektion.
Zwei Sünder wollten einst unter die Frommen Zum Herrgott hinauf in den Himmel kommen. Sie wandten drum sich mit Bitten dreist An Josef, den man den Nährvater heißt, Der, weil er selbst durch Jesu Christ Im Himmel hoffähig geworden ist, Als rettender Hort und helfend Schild Für alle lustigen Schelme gilt. Sankt Josef versprach, nicht zu rasten und ruhn Und alles was möglich für sie zu tun. Er bat auch den lieben Gott nach Kräften, Doch der wollt’ nichts wissen von solchen Geschäften. Und weil Gott Vater durchaus nicht wollte, Ward Josef böse und schalt und grollte Und drohte, geärgert über die Maßen, Er werde den Himmel sofort verlassen. Drauf meinte der Herrgott in brüsker Weise: »Leb wohl, ich wünsch dir viel Glück auf die Reise!« Da wandte flugs Sankt Josef ein: »_Bon_, aber ich gehe nicht allein! Ich nehm meine Frau und den Sohn mit mir Und such für uns Drei ein anderes Quartier!« Er sprach’s und nahm sein Weib an der Hand, Das horchend in der Nähe stand. Da war die Verlegenheit groß im Himmel; Doch war das Ende von dem Getümmel, Das sich die Sache friedlich klärte Und Gott dem Josef die Bitte gewährte. — So sind hinauf zu den Frömmsten der Frommen Einst auch zwei Taugenichtse gekommen, Welch’ Beispiel lehrt, daß es immer nützt, Wenn man auch im Himmel Protektion besitzt.
Meinem toten Vater.
(An seinem Namenstage.)
Vor einem Jahr noch hab den Tisch Mit Rosen ich dir reich geschmückt, Ein Wort, ein liebes, dir gesagt Und warm dabei die Hand gedrückt.
Da war ich reich noch durch das Glück, Daß deine Liebe ich besaß, Und nun (o Gott, kaum faß ichs ganz!) Schläfst du schon unterm Kirchhofgras.
Wie hast das Leben du geliebt, Du großes Kind im grauen Haar, Das scherzend alles Leid verwand Und gern mit Frohen fröhlich war!
Und nun ist deiner Augen Licht Erloschen längst — Gott weiß warum! Dein Mund, der nie ein Böses sprach, Verstummt und bleibt für ewig stumm.
Ein Haufen Erde deckt dich zu, Die Nacht des Todes hüllt dich ein Und alles, was uns von dir blieb, Ist nur der Schmerz um dich allein!
Leer bleibt dein Platz an unsrem Tisch Und keine Sehnsucht ruft dich her, — Die Rosen duften schwül wie sonst, Du aber siehst’s und fühlst’s nicht mehr!
Und meiner Wünsche weher Klang Dringt nimmer an dein taubes Ohr... O Gott, wie traurig stimmt ein Tag, Der mahnt an das, was man verlor!
Ich bin eine Stufe.
Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor, Aus blankem Marmor gehauen, Auf mir steigen nieder und steigen empor Viel Männer und schöne Frauen. Die Männer treten mit schweren Schuhn, Mit leichten Füßchen die Weiber, Als wollten sie mir nicht wehe tun Mit der Last ihrer schönen Leiber.
Von drinnen dringt der Weihrauchqualm Zu mir heraus ins Freie Und Glockengebimmel und Lied und Psalm Aus frommer Beter Reihe. Ich hör es und sinn dem Wunder nach, Dem Gott in hoher Wolke, Der unterm niederen Kirchendach Anbeten sich läßt vom Volke.
Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor Und möcht mich vor Wollust strecken, Wenn über mich schreiten viel Frauen empor In rauschenden Seidenröcken, Wenn duftige Höschen und Spitzenflor Die niedlichsten Dinge mir zeigen — Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor Und muß, was ich weiß, verschweigen...
Jahre, die vorübergleiten...
Jahre, die vorübergleiten, Heilen jede Seelenpein, Selbst die Tränen um die Toten Werden still und trocknen ein.
Gleich den Rosen, die im Frühling Brechen heimlich auf am Strauch, Sprossen aus dem bangsten Herzen Blüten neuen Lebens auch.
Blumen kommen, Früchte reifen Und die Seele, weh und wund, Die am Glück einst schon verzweifelt, Lernt vergessen, wird gesund.
Wird gesund, eh sie ermessen, Wie viel Zeit indes verweht Und um wie viel Schritte näher Selbst sie ihrem Grabe steht.
Gebot.
Von all den Blumen, die erblühn Auf deinen rauhen Erdenwegen, Pflück was du kannst im Weiterziehn Wie’s Schnitter tun im Sonnenglühn beim Erntesegen. Die Blumen, sie alle sammle mit Fleiß Wie leuchtenden Herbstes Frucht und Gaben Und opfre freudig und heimlich-leis Sie dem, für den dir zu hoch kein Preis, Weil lieb ihn dein Herz muß haben.
* * * * *
Was je des Schicksals Spruch mir schickte, Mich gütig suchend oder scheu mich mied, Was je mich drückte und beglückte, Ich wob’s in Worte und es ward zum Lied.
Inhaltsverzeichnis.
Donauland 3 Mödling 4 Am Frauenstein 5 Eine alte Stadt 6 An den Frühling 7 Ich ging durch die Felder 8 In sternenarmen Nächten 9 Das erste Schneeglöckchen 9 Osterglocken 10 März 11 Ich will vergessen 12 Stummes Scheiden 12 Die letzten Rosen 13 Hochsommernacht 14 Einsames Wachen 14 Es geht mit leisem Wehen 15 September 16 Mittagsstille 16 In der Fremde 17 Es gibt ein Land 17 Glück 18 Heimweh 19 Heilige Nacht 20 Menschen und Sterne 20 Das weiß nur Gott allein 21 Stephan Milow 22 An Franz Keim 24 Geh lieb mit allen Menschen um 26 Eins ist, was bitter stimmt 26 Trag’s still 27 Schicksal 27 Der größte Schmerz 28 Liebe 28 Gleichnis 29 Die Wahrheit 29 Guter Rat 30 Widerlegung 30 Alte Weisheit 31 Ein altes Lied 31 Trost 32 Vorwurf 32 Blick in die Sterne 33 Du weißt es nicht 33 Zünd eine Totenkerze an 34 Erinnerung 34 Ein Schicksalswort 35 Einsam 35 Zweifel 35 Es gibt im Leben 36 In ein Stammbuch 36 Das Menschenherz 36 Tröstung 37 Es müßte jeder Mutter Sohn 38 Goldene Worte 38 Heut’ ist der Tag der Toten 39 Protektion 40 Meinem toten Vater 41 Ich bin eine Stufe 42 Jahre, die vorübergleiten 42 Gebot 43
[Illustration]