Chapter 4 of 6 · 4173 words · ~21 min read

II.

Der oben erwähnte _Dr._ =Jung= erzählt folgende Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen:

Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes:

=Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem Tode gemißbraucht werde.=

Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin _N. N._) nach meiner Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme, und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am 2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur, gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei? Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben.

=Ich=: Wie heißest Du? =Antwort=: Nenne mich Immanuel! – Von nun an erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7, Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche Bewegungen.

Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der *** zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl. Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum =ich= ihn nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu bestimmt, so etwas zu sehen.

Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren, die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes, den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann; allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den Kirchhof =illuminirt=.

So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu:

1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte. Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.

2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und =Stubendecke= hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr.

3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich ausdrücken können, weiß ich nicht.

Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:

Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet, einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß die Klinke weit wegflog.

Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst Niemand. So weit die Frau Pastorin.

Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze wegen übergehe u. s. w.

******* Pfarrer zu ***** den 21ten August 1807.

Herr _Dr._ =Jung= glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern: Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse über das Geisterreich giebt; daß es keine leere =Vision= sei, was die Frau Pfarrerin sieht, =sondern daß sie wirklich Wesen aus dem Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt=. Auch das Wegspringen der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl, sind =Beweise= für das =wirkliche Dasein= des unglücklichen Geistes eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt. Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen Punkt kommt vieles an: =denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe, so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre Richtigkeit=. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste ihres Erlösers und Seligmachers im =Hades=. –

Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert etwas Tolleres schreiben!

Wenn kein =Betrug= dabei Statt gefunden haben mag, da so viele Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes:

Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte.

Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder plötzlich, und man weiß nicht warum?

Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch gestoßen haben.

Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht!

In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!

So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der freilich liegen bleibt.

Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern =heilige Feste feiern=, und =Illumination anstellen=, welches Herr _Dr._ Jung glaubt, weil die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem =Auferstehungskeim= überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht über alle menschlichen Begriffe!

So ist das ganze Buch voll, und Herr _Dr._ =Jung= sagt noch: Es ist fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen, daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben, sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank geworden sind.

=Geistige Geschwüre= erhält auch der Leser, wenn er durch den =schwarzen Geist seines Buches= geht!!!

=Die Necromantisten.=

Herr L. =Fischer= erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig 1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte:

Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären? Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise: wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein. Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte, daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen, ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür, schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch 18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme: Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb, bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich, wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause. – Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger, daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er 3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal, dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne, die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie verlaufene Barbiergesellen wären.

Schwedenborg’s Betrügerei.

Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772) seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes, als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte Graf F... die Sache.

Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war; denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde.

Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr _Dr._ Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt.

=Die Hexe.=

=Remigius=[29] in seiner =Dämonolatrie= erzählt folgendes Faktum aus Inquisitions-Akten:

[29] Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe.

Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz. Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen =ohne Salz= aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich gereicht wurde.

Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt.

Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.

Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu, und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr, da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt.

Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren, sondern blos ihre =Rache= ausübten.

In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein Inquisitor in Sicilien, _Ludovico a Parama_, bezeuget.

=Hexen-Prozeß.=

=Frommann= in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt:

Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften, oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher doch Eure Meinung.

Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag mit Sicherheit zufahren. –

Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater _pro_ und _contra_ gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft, Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget.

Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung und Stillschweigen entgegen setzen.

=Der Hexenmeister.=

_Dr._ =Hauber= in seiner _Biblioth. magic._ XV. St. S. 215 erzählt:

Ein Mathematikus zu =Aix= in der Provence stellte im Jahr 1664 ein Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin, und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene, die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber wurde von der Kammer _de la Tournelle_ als ein Zauberer angesehen, und mit dem Skelete verbrannt!

=Die gerettete Hexe.=

Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich folgende Anekdote zu:

Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie =weinen= wollten, wenn sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen, den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. – Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein – Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war.

=Die Hexenwage.=

Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu =Oudewater= in Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.«

=Die Behexte.=

In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen, und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare, Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum eine Menge krummer Nadeln =ohne Köpfe= heraus zu nehmen beschäftigt war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an, und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien. Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete sie: =daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen, Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen wollen=!

Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert?

Bezauberung des Viehes.

Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich selbst ausgesogen haben.

Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres 1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte.

Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen, daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden, als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen auspreßt.

=Wind machen.=