Chapter 2 of 4 · 3987 words · ~20 min read

Part 2

GRETEL.

Was für ein wunderlich Gesicht Macht er soeben--siehst Du's nicht?

HÄNSEL (_sehr laut_).

Ich mach' dir 'ne Nase, hörst du's, Wicht?

GRETEL (_ängstlich_).

Da, sieh', das Lichtchen--es kommt immer näh'r!

HÄNSEL.

Irrlichtchen hüpfet wohl hin und her! Gretel, Du musst beherzter sein-- wart, ich will einmal tüchtig schrein!

(_Ruft durch die hohlen Hände._)

Wer da?

ECHO.

Er da!

(_Die Kinder schmiegen sich erschreckt aneinander._)

GRETEL (_zaghaft_).

Ist jemand da?

ECHO (_leise_).

Ja!

(_Die Kinder schaudern zusammen._)

GRETEL.

Hast Du's gehört? 's rief leise: Ja! Hänsel, sicher ist jemand nah'! (_weinend_:) Ich fürcht' mich, ich fürcht' mich!--O wär' ich zu Haus! Wie sieht der Wald so gespenstig aus!

HÄNSEL.

Gretelchen, drücke Dich fest an mich! Ich halte Dich, ich schütze Dich!

(_Ein dichter Nebel steigt auf und verhüllt den Hintergrund gänzlich._)

GRETEL.

Da kommen weisse Nebelfrauen, sieh', wie sie winken und drohend schauen. Sie schweben heran! Sie fassen uns an! (_schreiend_:) Vater! Mutter!

(_Eilt entsetzt unter die Tanne und verbirgt sich, auf die Kniee stürzend, hinter Hänsel. In diesem Augenblicke zerreisst links der Nebel; ein kleines graues Männchen, mit einem Säckchen auf dem Rücken, wird sichtbar._)

HÄNSEL.

Sieh' dort das Männchen, Schwesterlein! Was mag das für ein Männchen sein?

Zweite Scene.

SANDMÄNNCHEN (_nähert sich mit freundlichen Gebärden den Kindern, die sich allmählich beruhigen, und wirft ihnen während des Folgenden Sand in die Augen_).

Der kleine Sandmann bin ich -- s-t! und gar nichts Arges sinn ich -- s-t! Euch Kleinen lieb ich innig -- s-t! bin euch gesinnt gar minnig -- s-t! Aus diesem Sack zwei Körnelein euch Müden in die Äugelein; die fallen dann von selber zu, damit ihr schlaft in sanfter Ruh. Und seid ihr fein geschlafen ein, dann wachen auf die Sterne, und nieder steigen Engelein aus hoher Himmelsferne und bringen holde Träume. Drum träume, Kindchen, träume!

(_Verschwindet. Völlige Dunkelheit._)

HÄNSEL (_schlaftrunken_).

Sandmann war da!

GRETEL (_ebenso_).

Lass uns den Abendsegen beten!

(_Sie kauern nieder und falten die Hände._)

BEIDE.

Abends, will ich schlafen gehn, vierzehn Engel um mich stehn, zwei zu meinen Häupten, zwei zu meinen Füssen, zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken, zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, zweie, die mich weisen zu Himmelsparadeisen.

(_Sie sinken aufs Moos zurück und schlummern Arm in Arm verschlungen alsbald ein._)

Dritte Scene.

(_Plötzlich dringt von obenher ein heller Schein durch den Nebel, der sich wolkenförmig zusammenballt und die Gestalt einer in die Mitte der Bühne hinabführenden Treppe annimmt. Vierzehn Engel, die kleinsten voran, die grössten zuletzt, schreiten paarweise, während das Licht an Helligkeit zunimmt, in Zwischenräumen die Wolkentreppe hinab und stellen sich, der Reihenfolge des Abendsegens entsprechend, um die schlafenden Kinder auf, das erste Paar zu Häupten, das zweite zu Füssen, das dritte rechts, das vierte links; dann verteilen sich das fünfte und sechste Paar zwischen die übrigen Paare, so dass der Kreis der Engel vollständig geschlossen wird. Zuletzt tritt das siebente Paar in den Kreis und nimmt als »Schutzengel« zu beiden Seiten der Kinder Platz, während die übrigen sich die Hände reichen und einen feierlichen Reigen um die Gruppe aufführen. Indem sie sich zu einem malerischen Schlussbilde ordnen, schliesst sich langsam der Vorhang._)

DRITTES BILD.

DAS KNUSPERHÄUSCHEN.

Erste Scene.

(_Scene wie vorhin. Der Hintergrund noch von Nebel verhüllt, der sich während des Folgenden langsam verzieht. Die Engel sind verschwunden._)

(_Früher Morgen. Taumännchen tritt auf und schüttelt aus einer Glockenblume Tautropfen auf die schlafenden Kinder; diese beginnen sich zu regen._)

TAUMÄNNCHEN.

Der kleine Tau-Mann heiss' ich--kling! Mit Mutter Sonne reis' ich--klang! Von Ost bis Westen weiss ich--kling! Wer faul ist und wer fleissig--klang! Ich komm mit lichtem Sonnenschein und strahl in eure Äugelein, und weck mit kühlem Taue, was schläft auf Flur und Aue. Dann springet auf, wer fleissig zur frühen Morgenstunde, denn sie hat Gold im Munde. Drum, Schläfer, auf, erwachet, der lichte Tag schon lachet!

(_Ab._)

GRETEL

(_öffnet die Augen, richtet sich halb auf und blickt verwundert um sich, während Hänsel sich auf die andere Seite legt, um weiter zu schlafen_).

Wo bin ich? Wach ich? Ist es ein Traum? Hier lieg' ich unterm Tannenbaum. Hoch in den Zweigen lispelt es leise, Vöglein singen so süsse Weise. Wohl früh schon waren sie aufgewacht und haben ihr Morgenlied dargebracht. Guten Morgen, liebe Vöglein, guten Morgen! (_Sie erblickt Hänsel._) Sieh da, der faule Siebenschläfer! Wart nur, Dich weck' ich! (_Sie bückt sich zu ihm nieder und singt ihm ins Ohr._) Tirelireli, 's ist nicht mehr früh! Die Lerche hat's gesungen und hoch sich aufgeschwungen. (_Aufspringend._) Tirelireli!

HÄNSEL

(_der während des Liedes erwacht ist, reibt sich die Augen, gähnt, dehnt sich und stimmt, gleichfalls aufspringend, munter in Gretels Weise ein_).

Kikeriki! 's ist noch früh! Ja, hab's wohl vernommen, der Morgen ist gekommen, Kikeriki! Mir ist so wohl, ich weiss nicht wie; so gut wie heute schlief ich nie.

GRETEL.

Doch höre nur! Hier unter dem Baum, da hatt' ich einen wunderschönen Traum.

HÄNSEL.

Richtig! Auch mir träumte so was!

GRETEL.

Mir träumt' ich hört' ein Rauschen und Klingen, wie Chöre der Engel ein himmlisches Singen; lichte Wölkchen im rosigen Schein wallten und wogten ins Dunkel herein. Siehe, hell ward's mit einem Male, lichtdurchflossen vom Himmelsstrahle; eine goldene Leiter sah ich sich neigen, Englein zu mir herniedersteigen, Engel mit goldenen Flügelein--

HÄNSEL

(_der ihrer Erzählung mit Zeichen lebhafter Zustimmung gefolgt ist_).

Vierzehn müssen's gewesen sein!

GRETEL (_erstaunt_).

Hast Du denn alles das auch gesehn?

HÄNSEL.

Freilich! 's war halt wunderschön-- Und dort hinaus sah ich sie gehn!

(_Er wendet sich nach dem Hintergrunde. In diesem Augenblick zerreisst der letzte Nebelschleier. An Stelle des Tannengehölzes erscheint glitzernd im Strahl der aufgehenden Sonne das »Knusperhäuschen« am Ilsenstein. Links davon in einiger Entfernung befindet sich ein Backofen, diesem rechts gegenüber ein grosser Käfig, beide mit dem Knusperhäuschen durch einen Zaun von Kuchenmännern verbunden._)

Zweite Scene.

GRETEL (_hält Hänsel betroffen zurück_).

Bleib stehn! Bleib stehn!

HÄNSEL

(_eine Weile sprachlos vor Staunen_).

Himmel, welch Wunder ist hier geschehn! Nein, so was hab ich mein Tag nicht gesehn!

GRETEL

(_gewinnt allmählich die Fassung wieder_).

Wie duftet's von dorten, O schau nur die Pracht! Von Kuchen und Torten Ein Häuslein gemacht! Mit Fladen, mit Torten ist's hoch überdacht! Die Fenster wahrhaftig wie Zucker so blank, Rosinen gar saftig den Giebel entlang! Und--traun! Rings zu schaun gar ein Lebkuchen-Zaun!

BEIDE.

O herrliches Schlösschen, so schmuck du und fein, welch Waldes-Prinzesschen mag drinnen wohl sein? Ach möchte zu Hause die Waldprinzess sein! Bei leckerem Schmause mit Kuchen und Wein sie lüde zur Klause uns beide wohl ein!

HÄNSEL (_nach einer Pause_).

Alles bleibt still. Nichts regt sich da drinnen. Komm lass uns hineingehn!

GRETEL

(_erschrocken ihn zurückhaltend_).

Bist du bei Sinnen? Junge, wie magst du so dreist nur sein? Wer weiss, wer da drin wohl im Häuschen fein?

HÄNSEL.

O sieh nur, wie das Häuschen uns lacht! (_Begeistert._) Die Englein haben's uns hergebracht!

GRETEL (_sinnend_).

Die Englein?--Ei, so wird es wohl sein!

HÄNSEL.

Ja, Gretel, sie laden freundlich uns ein! Komm, wir knuspern ein wenig vom Häuschen!

BEIDE.

Ja, knuspern wir, wie zwei Nagemäuschen!

(_Sie hüpfen Hand in Hand nach dem Hintergrunde, bleiben wiederum stehen und schleichen dann vorsichtig auf den Fussspitzen bis an das Häuschen heran. Nach einigem Zögern bricht Hänsel an der rechten Kante ein Stückchen Kuchen heraus._)

Dritte Scene.

STIMME AUS DEM HÄUSCHEN.

Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?

HÄNSEL (_lässt erschrocken das Stück zu Boden fallen_).

GRETEL (_zaghaft_).

Der Wind!

HÄNSEL (_ebenso_).

Der Wind!

BEIDE.

Das himmlische Kind.

GRETEL

(_hebt das Stück wieder auf und versucht es_).

Hm!

HÄNSEL (_Gretel begehrlich anschauend_).

Wie schmeckt das?

GRETEL (_ihn beissen lassend_).

Da hast du auch was!

HÄNSEL

(_legt entzückt die Hand auf die Brust_).

Hei!

GRETEL (_ebenso_).

Hei!

BEIDE.

O köstlicher Kuchen, Wie schmeckst du nach mehr! Mir ist ja, als wenn ich im Himmel schon wär!

HÄNSEL.

Hei, wie das schmeckt! 's ist gar zu lecker!

GRETEL.

Vielleicht gar wohnt hier ein Zuckerbäcker!

Hänsel (_ruft_).

He, Zuckerbäcker, nimm dich in acht, Ein Loch wird dir jetzt vom Mäuslein gemacht!

(_Bricht ein grosses Stück aus der Wand heraus._)

STIMME AUS DEM HÄUSCHEN.

Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?

HÄNSEL UND GRETEL.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!

(_Der obere Teil der Hausthüre öffnet sich leise, und der Kopf der Knusperhexe wird sichtbar. Die Kinder bemerken sie nicht und schmausen lustig weiter._)

GRETEL.

Wart, du näschiges Mäuschen, gleich kommt die Katz' aus dem Häuschen!

HÄNSEL.

Knuspre nur zu und lass mich in Ruh!

GRETEL

(_entreisst ihm ein Stück Kuchen_).

Nicht so geschwind, Herr Wind, Herr Wind!

HÄNSEL (_nimmt es ihr wieder ab_).

Himmlisches Kind, ich nehm, was ich find!

(_Sie lachen beide hell auf. Während des letzten Gespräches ist die Thüre des Häuschens aufgegangen, und die Hexe tritt, von den Kindern nicht bemerkt, daraus hervor, behutsam auf diese zuschleichend. Rasch wirft sie dem ahnungslosen Hänsel einen Strick um den Hals, eben in dem Augenblick, als die Kinder lachen._)

HEXE (_kichernd_).

Hihi, hihi, hihihi!

(_Die Kinder blicken sich erschrocken um._)

HÄNSEL (_entsetzt_).

Lass los!--Wer bist du?

HEXE (_Gretel übers Gesicht streichelnd_).

Engelchen! Und du, mein Zuckerbengelchen! Ihr kommt mich besuchen?--Das ist nett! Liebe Kinder!--So rund und fett!

HÄNSEL.

Wer bist du, Garstige?--Lass mich los!

HEXE.

Na, Herzchen, zier dich nicht erst gross! Wisst denn, dass euch vor mir nicht graul: Ich bin _Rosina Leckermaul_, höchst menschenfreundlich stets gesinnt, unschuldig wie ein kleines Kind. Drum hab ich die kleinen Kinder so lieb, So lieb--ach zum Aufessen lieb!

(_Sie streichelt die Kinder wieder._)

HÄNSEL (_barsch abwehrend_).

Geh!--bleib mir doch aus dem Gesicht! Hörst du? Ich mag dich nicht!

HEXE.

Hihihi! Was seid ihr für leckere Teufelsbrätchen, besonders du, mein herzig Mädchen!

(_Lockend._)

Kommt, kleine Mäuslein, kommt in mein Häuslein! Sollt es gut bei mir haben, Will drinnen köstlich euch laben. Schokolade, Torten, Marzipan, Kuchen, gefüllt mit süsser Sahn', Johannisbrot und Jungfernleder und Reisbrei--auf dem Ofen steht er-- Rosinen, Mandeln und Feigen, 's ist alles im Häuschen eur eigen!

HÄNSEL.

Ich geh nicht mit dir, garstige Frau!-- Du bist gar zu freundlich.

HEXE.

Schau, schau, wie schlau, Ihr Kinder, ich mein's doch so gut mit euch, seid ja bei mir wie im Himmelreich! Kommt, kleine Mäuslein! kommt in mein Häuslein! Sollt es gut bei mir haben, will drinnen köstlich euch laben!

(_Sie will Hänsel fortziehen._)

GRETEL.

Was willst du meinem Bruder thun?

HEXE.

Gutes, mein Kind, sehr Gutes! I nun, mit allerhand vortrefflichen Sachen will ich ihn zart und wohlschmeckend machen und ist er dann recht zahm und brav, geduldig und fügsam wie ein Schaf, dann--höre, Hänsel, ich sag dir's ins Ohr: dir steht eine grosse Freude bevor!

HÄNSEL.

So sag's doch laut und nicht ins Ohr! Welche Freude steht mir bevor?

HEXE.

Ach, liebe Püppchen, Hören und Sehn wird euch bei diesem Vergnügen vergehn!

HÄNSEL.

Ei, meine Augen und Ohren sind gut, haben wohl acht, was Schaden mir thut. Gretel, trau nicht dem gleissenden Wort.

(_Leise._)

Schwesterchen, komm, wir laufen fort!

(_Er hat sich allmählich von der Schlinge befreit und will mit Gretel fortlaufen; sie werden aber von der Hexe zurückgehalten, die gebieterisch ihren Stab gegen die beiden erhebt._)

HEXE.

Halt!

(_Macht mit dem Stabe die Gebärde des Hexenbannes. Die Bühne verfinstert sich._)

Hocus pocus, Hexenschuss! Rühr dich, und dich beisst der Fluss! Nicht mehr vorwärts, nicht zurück, bann dich mit dem bösen Blick; Kopf steh starr dir im Genick!

(_Neue Gebärde; die Spitze des Stabes fängt an zu leuchten._)

Hocus pocus, nun kommt Jocus! Kinder, schaut den Zauberknopf! Äuglein, stehet still im Kopf!-- Nun zum Stall hinein, du Tropf! Hocus pocus, bonus jocus, Malus locus, hocus pocus!

(_Leitet den starr auf den Knopf blickenden Hänsel zum Stalle und schliesst hinter ihm die Gitterthüre, während Gretel regungslos dasteht. Die Bühne erhellt sich wieder._)

HEXE (_vergnügt zu Gretel_).

Nun, Gretelchen, sei vernünftig und nett! Der Hänsel wird nun balde fett. Wir wollen ihn, so ist's am besten, mit Mandeln und Rosinen mästen. Ich geh ins Haus und hol sie schnell-- Du rühre dich nicht von der Stell!

(_Hinkt ins Haus._)

GRETEL (_starr und unbeweglich_).

Hu--Wie mir vor der Hexe graut!

HÄNSEL.

Gretel! Pst! sprich nicht so laut! Sei hübsch gescheit und gieb fein acht auf jedes, was die Hexe macht. Zum Schein thu alles, was sie will-- da kommt sie schon zurück--Pst! still!

HEXE

(_dem Hänsel aus einem Korbe Mandeln und Rosinen hinstreuend_).

Nun, Jüngelchen, ergötze dein Züngelchen! Friss, Vogel, oder stirb-- Kuchen-Heil dir erwirb!

(_Wendet sich zu Gretel und entzaubert sie mit einem Wachholderbusch._)

Hocus pocus, Holderbusch! Schwinde, Gliederstarre, husch! Nun wieder kregel, süsses Kleinchen, rühr mir geschwind die runden Beinchen! Geh, Zuckerpüppchen, flink und frisch und decke drinnen hübsch den Tisch! Schüsselchen, Tellerchen, Messerchen, Gäbelchen, Serviettchen für mein Schnäbelchen; und mach nur alles recht hurtig und fein, sonst sperr ich auch dich in den Stall hinein!

(_Sie droht kichernd; Gretel geht ins Haus._)

HEXE

(_zu dem sich schlafend stellenden Hänsel_).

Der Lümmel schläft ja nun--sieh mal an, wie doch die Jugend schlafen kann! Na, schlaf nur brav, du gutes Schaf, bald schläfst du deinen ewigen Schlaf. Doch erst muss mir die Gretel dran; mit dir, mein Liebchen, fang ich an, bist so niedlich, zart und rund, wie gemacht für Hexen-Mund!

(_Sie öffnet die Backofenthür und riecht hinein._)

Der Teig ist gar, wir können voran machen. Hei, wie im Ofen die Scheite krachen!

(_Schiebt noch ein paar Holzscheite unter und reibt sich dann schmunzelnd die Hände._)

Ja, Gretelchen, wirst bald ein Brätelchen! Schau, schau, wie ich schlau bin, so schlau! Sollst gleich im Backofen hucken und nach dem Lebkuchen gucken. Und bist du dann drin--schwaps, geht die Thür--klaps! Dann ist fein Gretelchen mein Brätelchen! Das Brätelchen soll sich verwandeln in Kuchen mit Zucker und Mandeln! Im Zauberofen mein wirst du ein Lebkuchen fein!

(_In wilder Freude ergreift sie einen Besenstiel und reitet ausgelassen auf ihm ums Haus. Gretel steht lauschend am kleinen Fenster._)

Hurr, hopp, hopp, hopp! Galopp, Galopp! mein Besengaul, hurr, hopp, nit faul!

Sowie ich's mag am lichten Tag spring kreuz und quer um Häuschen her!

Bei dunkler Nacht, wann niemand wacht, zum Hexenschmaus am Schornstein raus!

Aus fünf und sechs, so sagt die Hex, mach sieb und acht, so ist's vollbracht; und neun ist eins, und zehn ist keins, und viel ist nichts, die Hexe spricht's.

So reitet sie bis morgens früh-- Prr! Besen! hüh!

(_Vom Besen steigend hinkt die Hexe zu Hänsel und kitzelt ihn mit einem Besenreis wach._)

Auf, auf, mein Jüngelchen! Zeig mir dein Züngelchen!

(_Hänsel streckt die Zunge heraus._)

(_Schnalzend._)

Schlicker, schlecker, lecker, lecker! Kleines leckres Schlingerchen, Zeige mir dein Fingerchen! (_Hänsel streckt ein Stöckchen heraus._) Jemine, je! Wie ein Stöckchen, o weh! Bübchen, deine Fingerchen sind elende Dingerchen!

(_Ruft._)

Mädel! Gretel!

(_Gretel zeigt sich an der Thür._)

Bring Rosinen und Mandeln her; Hänsel meint, es schmeckt nach "mehr!"

(_Gretel bringt in einem Korbe Rosinen und Mandeln; sie stellt sich, während die Hexe sie dem Hänsel reicht, hinter sie und macht gegen Hänsel die Entzauberungsgebärde mit dem Wachholderbusch._)

GRETEL (_leise_).

Hocus pocus, Holderbusch! Schwinde, Gliederstarre--husch!

HEXE (_sich rasch umwendend_).

Was sagtest du, mein Gänselchen!

GRETEL.

Meint' nur: wohl bekomm's, mein Hänselchen!

HEXE.

Hihihi! Mein gutes Tröpfchen, da--steck dir was ins Kröpfchen! Friss, Vogel, und stirb-- Kuchen-Heil dir erwirb!

(_Sie öffnet die Backofenthür; Hänsel giebt Gretel lebhafte Zeichen._)

HÄNSEL (_leise die Stallthür öffnend_).

Schwesterlein, hüt dich fein!

HEXE (_Gretel gierig betrachtend_).

Wie wässert mir das Mündchen nach diesem süssen Kindchen! Komm, Gretelchen! Zuckermädelchen! Sollst in den Backofen hucken und nach den Lebkuchen gucken, sorgfältig schaun--ja, ob sie schon braun da, oder ob's zu früh-- 's ist kleine Müh!

HÄNSEL (_aus dem Stall schleichend_).

Schwesterlein, hüt dich fein!

GRETEL (_sich ungeschickt stellend_).

Ei, wie fang ich's an, dass ich komme dran?

HEXE.

Musst dich nur eben ein bisschen heben, Kopf vorgebeugt-- 's ist kinderleicht!

HÄNSEL (_immer näher den beiden_).

Schwesterlein, hüt dich fein!

GRETEL (_schüchtern_).

Bin gar so dumm, nimm mir's nicht krumm; drum zeige mir eben, wie soll ich mich heben?

HEXE

(_macht eine ungeduldige Bewegung_).

Kopf vorgebeugt! 's ist kinderleicht!

(_Indem sie sich vorbeugt und mit halbem Leibe hineinkriecht, geben ihr Hänsel und Gretel von hinten einen derben Stoss, sodass sie vollends hineinfliegt, und schlagen dann rasch die Thür zu._)

HÄNSEL UND GRETEL.

Und bist du dann drin--schwaps! Geht die Thür--klaps! Du bist dann statt Gretelchen ein Brätelchen!

(_Hänsel und Gretel fallen sich jubelnd in die Arme, fassen sich bei der Hand und tanzen._)

Juchhei! Nun ist die Hexe tot, mausetot! Nun ist geschwunden Angst und Not!

Juchhei! Nun ist die Hexe still, mäuschenstill, Und Kuchen giebt's die Hüll und Füll!

Juchhei! Nun ist zu End der Graus, Hexengraus! Und böser Zauberspuk ist aus!

Drum lasst uns fröhlich sein, tanzen im Feuerschein, halten im Knusperhaus herrlichsten Freudenschmaus! Juchhei, juchhei!

(_Sie umfassen sich und walzen zum Knusperhaus, wo sie alle Herrlichkeiten in Besitz nehmen. Im Hexenofen knistert es gewaltig und die Flamme schlägt hoch empor; dann erfolgt ein starker Krach, und der Ofen stürzt zusammen. Hänsel und Gretel eilen herbei, und stehen erstaunt da. Ihre Verwunderung steigt aufs höchste, als sie die Kinder gewahr werden, deren Kuchenhülle inzwischen abgefallen ist._)

Vierte Scene.

GRETEL (_nach einer Weile_).

Da, sieh nur die artigen Kinderlein, wo mögen die hergekommen sein?

DIE KUCHENKINDER (_ganz leise_).

Erlöst--befreit für alle Zeit!

GRETEL.

Geschlossen sind ihre Äugelein; sie schlafen und singen doch so fein!

KUCHENKINDER (_leise_).

O rühre mich an, dass ich erwachen kann!

HÄNSEL (_verlegen_).

Rühr du sie doch an--ich traue mir's nicht.

GRETEL.

Ja, streicheln will ich dies hübsches Gesicht!

(_Sie streichelt das nächste Kind; dieses öffnet die Augen und lächelt._)

ANDRE KUCHENKINDER.

O rühre auch mich--auch mich rühr' an, dass ich die Äuglein öffnen kann.

(_Gretel geht streichelnd zu den übrigen Kindern, die lächelnd die Augen öffnen, ohne sich zu rühren; endlich ergreift Hänsel den Wachholder._)

HÄNSEL.

Hocus pocus, Holderbusch! Schwinde, Gliederstarre--husch!

DIE KUCHENKINDER

(_springen auf, schliessen sich zu einem Ringelreigen um Hänsel und Gretel und verbeugen sich zierlich_).

Habt Dank, habt Dank euer Leben lang! Juchhei! Die Hexerei ist nun vorbei; nun singen und springen wir froh und frei! Kommt, Kinderlein, zum Ringelreihn, reicht allzumal die Händchen fein! Drum singt und springt, drum tanzt und singt, dass laut der Jubelruf durchdringt den Wald, und rings erschallt von Lust der Wald.

HÄNSEL UND GRETEL.

Die Englein haben's im Traum gesagt in stiller Nacht, was nun so herrlich uns der Tag hat wahr gemacht. Ihr Englein, die uns so treu bewacht bei Tag und Nacht, habt Lob und Dank für all die Pracht, die uns hier lacht.

DIE KUCHENKINDER.

Habt Dank, habt Dank euer Leben lang!

Letzte Scene.

(_Aus dem Hintergrund ertönt die Stimme des Vaters._)

VATER.

Rallalala, rallalala, wären doch unsre Kinder da! Rallalala, rallalala.--

(_Er erblickt Hänsel und Gretel._)

Juch--! Ei, da sind sie ja!

HÄNSEL UND GRETEL

(_den Eltern entgegen eilend_).

Vater! Mutter!

MUTTER.

Kinderchen!

VATER.

Da sind ja die armen Sünderchen!

(_Frohe Umarmung; unterdes haben zwei Knaben die Hexe als grossen Lebkuchen aus den Trümmern des Zauberofens gezogen. Der Vater stellt dieselbe vor sich hin._)

VATER.

Kinder, schaut das Wunder an, wie solch Hexlein hexen kann, Wie sie hart, knusperhart selber nun zum Kuchen ward!

Merkt des Himmels Strafgericht: böse Werke dauern nicht! Wenn die Not aufs höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht!

ALLE.

Wenn die Not aufs höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht!

(_Indem die Kinder einen lustigen Reigen um die Gruppe tanzen, fällt der Vorhang._)

ENDE.

HÄNSEL AND GRETEL.

ACT I.

AT HOME.

Scene I.

(_Small, poorly furnished room. In the background a door, a small window near it with a view into the forest. On the left a fireplace, with chimney above it. On the walls many brooms of various sizes. Hänsel sits near the door, making brooms, and Gretel opposite him by the fireplace, knitting a stocking._)

GRETEL.

Susy, little Susy, pray what is the news? The geese are running barefoot, because they've no shoes! The cobbler has leather, and plenty to spare, why can't he make the poor goose a new pair?

HÄNSEL.

Then they'll have to go barefoot! Eia-popeia, pray what's to be done? Who'll give me milk and sugar, for bread I have none? I'll go back to bed and I'll lie there all day; where there's nought to eat, then there's nothing to pay!

GRETEL.

Then we'll have to go hungry!

HÄNSEL.

If mother would only come home again! Yes, I am so hungry, I don't know what to do! For weeks I've eaten nought but bread-- It's very hard, it is indeed!

GRETEL.

Hush, Hänsel, don't forget what father said, when mother, too, wished she were dead: "When past bearing is our grief, Then 'tis Heaven will send relief!"

HÄNSEL.

Yes, yes, that sounds all very fine, but you know off maxims we cannot dine! O Gret, it would be such a treat if we had something nice to eat! Eggs and butter and suet paste, I've almost forgotten how they taste.

(_Nearly crying._)

O Gretel, I wish--

GRETEL.

Hush, don't give way to grumps; have patience awhile, no doleful dumps! This woful face, whew! what a sight! Looks like a horrid old crosspatch fright! Crosspatch, away! Leave me, I pray! Just let me reach you, quickly I'll teach you how to make trouble, soon mount to double! Crosspatch, crosspatch, what is the use, growling and grumbling, full of abuse? Off with you, out with you, shame on you, goose!

HÄNSEL.

Crosspatch, away! Hard lines, I say.

{HÄNSEL. { { When I am hungry, { surely I can say so, { cannot allay so, { can't chase away so! { {GRETEL. { { If I am hungry, { I'll never say so, { will not give way so, { chase it away so!

GRETEL.

That's right. Now, if you leave off complaining, I'll tell you a most delightful secret!

HÄNSEL.

O delightful! it must be something nice!

GRETEL.

Well, listen, brotherkin--won't you be glad! Look here in the jug, here is fresh milk, 'twas given to-day by our neighbour, and mother, when she comes back home, will certainly make us a rice-blancmange.

HÄNSEL

(_joyfully dances round the room_).

Rice-blancmange! When blancmange is anywhere near, then Hänsel, Hänsel, Hänsel, is there! How thick is the cream on the milk; let's taste it! O Gemini! wouldn't I like to drink it!

(_Tasting it._)

GRETEL.

What, Hänsel, tasting? Aren't you ashamed? Out with your fingers quick, greedy boy!

(_Gives him a rap on the fingers._)

Get back to your work again, be quick, that we may both have done in time! If mother comes and we haven't done right, then badly it will fare with us to-night!

HÄNSEL.

Work again? No, not for me! That's not my idea at all; it doesn't suit me! It's such a bore! Dancing is jollier far, I'm sure!

GRETEL (_delighted_).

Dancing, dancing! O yes, that's better far; and sing a song to keep us in time! One that our grandmother used to sing us: sing then, and dance in time to the singing!

(_Claps her hands_.)

Brother, come and dance with me, both my hands I offer thee; right foot first, left foot then, round about and back again!

HÄNSEL (_tries to do it, but awkwardly_).

I would dance, but don't know how, when to jump, and when to bow; show me what I ought to do, so that I may dance like you.

GRETEL.

With your foot you tap, tap, tap; with your hands you clap, clap, clap; right foot first, left foot then, round about and back again!

HÄNSEL.

With your hands you clap, clap, clap; with your foot you tap, tap, tap; right foot first, left foot then, round about and back again!

GRETEL.

That was very good indeed, O, I'm sure you'll soon succeed! Try again, and I can see Hänsel soon will dance like me!

(_Claps her hands._)

With your head you nick, nick, nick; with your fingers you click, click, click; right foot first, left foot then, round about and back again.

HÄNSEL.

With your head you nick, nick, nick; with your fingers you click, click, click; right foot first, left foot then, round about and back again!

GRETEL.