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Kapitel 25.

Schluß.

Die Stadt war in ihrem ganzen Umkreise ein Schlachtfeld, und die peruanischen Abtheilungen rückten, Tod und Verderben hinter sich her reißend, überall siegreich vor. Ohne sich von der Spitze der Bataillone zu entfernen, siegte Almagro, jedoch die Truppe zügelnd und die Mannszucht bewahrend, und er warf durchdringende Blicke rings umher, den Statthalter, seinen Gegner zu entdecken, um mit ihm Körper an Körper die Waffen zu messen, und Coya, stets an seiner Seite, entflammte die Tapferkeit der Peruaner, und flößte ihnen Muth und Todesverachtung ein, um Siegeslieder und Freiheitsgesänge anzustimmen. Obschon den Befehlen Almagros gehorsam, obschon von edler großmüthiger Seele, führte, eine Division von verschiedenen Flanken anführend, Huascar hinter seinen Fußstapfen das Verderben nach, und ließ genugsam erkennen, daß er künftighin den Krieg bis auf den Tod führen würde; und in Mitten so vielen Greuels nahm die Nacht ihren schwarzen Schleier zusammen, das Licht des neuen Tages begann den Horizont zu erhellen und glänzend brach die Morgenröthe der Freiheit Perus an.

Gar bald aber gelangte die Nachricht von der Ermordung Pizarros, den er unter den Kämpfenden glaubte, an Almagro, und da zeigte der junge Kriegsheld seinen ganzen Seelenadel: Er beweinte den Tod seines Feindes, und schwermüthig warf er den Degen weg, den seine Rechte schwang. Huascar, inzwischen siegreich vorrückend, bemächtigte sich des Palastes des Statthalters, der früheren Wohnstätte der Inkas, und in starrer Betäubung betrachtete er den Leichnam des kühnen und ruhmvollen Spaniers, der das kolossale Reich in Staub versenkt hatte, als auch Almagro herzutrat; und Ocollo ermüdet, und mit schwerem und ängstlichem Athem in tiefer Ohnmacht dalag. »Inka«, sagte der Spanier zu ihm, »bereits bewohnst du die Stätte deiner Vorfahren; hier hast du meinen Degen; ich werde nicht mehr an deiner Seite kämpfen; ich habe keinen Feind mehr zu besiegen; dieser kalte Leichnam hat meine Rechte entwaffnet.« »Wie, tapferer Almagro, ich konnte dich beleidigen!« »Nein, Huascar, nein, du bist edel und großmüthig, aber mein tadel- und fleckenloser Name wird mit Schmach bedeckt werden, wenn ich fortfahre, gegen meine Brüder zu kämpfen. Pizarros Stolz und Luques Fanatismus, die Unduldsamkeit und die Gewaltherrschaft der beiden, brachten mich in dein Lager, und die persönlichen Beleidigungen des Statthalters forderten einzig meine Rache heraus. Die entfernten Geschlechter werden vielleicht glauben, daß aus dem Blute Pizarros die Freiheit Perus hervorquoll, weil seine Ermordung uns den Sieg verliehen hätte; die peruanischen Waffen würden sich, den Eroberer überwindend, mit Ruhm bedeckt haben, nun aber sind sie befleckt, und ich muß mich, von dem Schauplatz des Krieges abtretend, vor der Schmach retten.« »Ocollo rächte den Schatten Atahulpas; sieh, wie sie zuckend in tiefer Ohnmacht versunken ist.« Da fing Ocollo an, ihre Schlafsucht abzuschütteln, und sich von den Armen der sie umstehenden Peruaner losmachend, wollte sie erschreckt entfliehen, und schrie krampfhaft: »Nein, Unmensch, niemals, der Schatten Atahulpas.« Mit großer Mühe konnten sie sie in ein gesondertes, ruhiges Zimmer bringen, wo sie, nachdem man ihr die eifrigste Sorgfalt angedeihen ließ, bald wieder stille wurde und in ihrem Geiste entsetzliche Erinnerungen vorüberziehen sah.

»Nein, Huascar,« wiederholte Almagro, »ich beschuldige Ocollo nicht; ihre Rache und ihre Ehre erforderten ihre Tollkühnheit, doch Pizarro ist todt, und es ist bereits meine Pflicht, die Waffen abzulegen. Ich habe dich schon zum Siege vorbereitet, Benalcazar und andere berühmte Kapitäne verstärken deine Reihen; du hast bereits gelernt, die europäischen Waffen nicht zu fürchten; das Reich jauchzt dir als seinem Herrscher zu, und du bemeisterst den Sieg schon. Lebe wohl, großmüthiger Huascar; lebe wohl, Heer der Peruaner, lebe wohl. -- Im Osten geboren, kam ich, um euer Glück zu stören; der barmherzige Gott wollte mich mit weniger Ehrgeiz, oder mit mehr Empfindsamkeit, als meine Gefährten ausstatten, und ich trachtete, in eurem gemeinsamen Unglück eure Stütze und euer Trost zu sein. Die Undankbarkeit und der Stolz Pizarros, die Liebe Coyas, die Einflüsterungen meines Herzens brachten mich in euer Lager; ich kämpfte für eure Freiheit, und habe euch vielleicht zum Siege verholfen. Wenn ihr mir etwas schuldet, wenn ich würdig wäre, nach eurer Erkenntlichkeit zu trachten, so verzeiht die Verbrechen meiner Gefährten, flucht ihrem Andenken nicht.... Ihre Verbrechen sind Verbrechen ihres Jahrhunderts gewesen.«

Reichliche Thränen vergossen die einfachen Gemüther; eine tiefe Stille herrschte unter den berühmten Personen, und die Blut- und Greuelscenen, welche die neue Welt entsetzten, fingen an, sich in Scenen der Rührung und der Freude zu verwandeln. Coya, die an den Blicken Almagros ihr reines Herz entflammte, hing immerwährend an seinen Lippen; der Wille, die Launen ihres Geliebten waren für die Schöne heilige und unverletzliche Gebote, und wenn sie an der Seite ihres Almagros stand, hielt sie ihre ganze glückliche Zukunft und ihre goldenen Träume verwirklicht. Huascar, welcher in dem herzhaften jungen Manne keinen Nebenbuhler, sondern einen Freund, eine unüberwindliche Stütze sah, erschöpfte alle möglichen Hülfsquellen, damit er nicht die Waffen ablegte, doch der herzhafte Spanier konnte nicht einem Feldzuge folgen, worin sein mächtiger Nebenbuhler ermordet worden war. Es war alles umsonst; Almagro hatte unwiderruflich seinen Entschluß gefaßt, und er wandte sich endlich an Huascar: »Du weißt es,« sagte er zu ihm, »Sklave der Schönheit und der Reize Coyas, ist die ganze Glückseligkeit, nach der ich mich sehne, sie als Gattin zu besitzen, da ich schon vor so langer Zeit ihr Herz besitze. Gewähre mir, als Herrscher von Peru, als Oberhaupt der Familie der Inkas, diese Gabe, und meine geringen Dienste für die Sache des Reiches, werden höchlich belohnt sein.« Huascars größte Ehre war, Almagro unter die Familie der Inkas zu zählen, und bald vermählte sie, indeß in dem ganzen ausgedehnten Reiche die Vermählung unter Lustbarkeiten und herrlichem Gepränge gefeiert wurde, der ehrwürdige Priester Las-Casas, mit allen kirchlichen Bräuchen, im Tempel von Cuzco; und nach den gleichzeitigen Chroniken lebten die beiden Gatten noch lange Jahre froh und glücklich in dem prächtigen Palaste Coyas, den unsere Leser bereits kennen.

Der tugendhafte Las-Casas blieb als Oberhaupt und Generalverweser der christlichen Priester des Reiches ebenfalls in Cuzco und predigte unermüdlich von der Zärtlichkeit und dem balsamischen Troste der hehren Religion des Gekreuzigten; er ertheilte den neuen Priestern die heiligen Befehle, er war der Schutzengel der Unglücklichen, und er ließ in seinen Tugenden das wahrhaftige Bildniß eines allmächtigen und anbetungswürdigen Gottes wiederstrahlen. Ocollo, die Tugenden des frommen Dieners bewundernd, und durch die Bekehrung Huascars angespornt, haßte die Christen nicht; sie hätte vielleicht sogar bereitwillig das Wasser der Taufe empfangen, aber die Liebe Atahulpas lebte unauslöschlich in ihrer Brust, und niemals wollte sie den Glauben ihres angebeteten Inkas aufgeben, und in stiller Einsamkeit sah sie ihr von herrlichen Erinnerungen kontrastirtes Leben dahinziehen; und bald stellte sich der blutige Schatten Atahulpas ihrer beunruhigten Einbildungskraft vor, bald ließ ein rächender in eine anmaßende Brust gestoßener Dolch ihre Seele lächeln.

Wie irrende Kometen gingen die Helden Perus dem Ende ihrer Laufbahn und ihrem Untergange entgegen; doch knüpfen wir, um ihre Seiten abzuschließen, wieder an die Erzählung unserer Geschichte an.

Trotz des vollständigen Sieges der Peruaner konnten doch noch einige Spanier aus Cuzco und dem Tode entrinnen, welche auf die Befehle des Kapitäns Soto eiligst nach Cajamalca flohen. Die Beharrlichkeit und die Tapferkeit waren bereits vergebens, die Revolution Perus war bereits ausgebrochen, um nicht wieder zurückzugehen; die Peruaner hatten bereits mörderische Waffen, sie waren tugendhaft und kämpften für ihre Freiheit, das ist es, was die Völker zum Siege führt, und schwächere und ohnmächtigere Streitkräfte würden sich dem reißenden Strome widersetzen können. Der fanatische und blutdürstige Luque rettete sich ebenfalls vor dem Gemetzel von Cuzco, und floh, wenngleich er nicht mehr auf jene zauberhafte und unwiderstehliche Gewalt rechnete, die ihm der Aberglaube in den ersten Augenblicken verlieh, weil sein düsterer Fanatismus sogar die Fanatiker ermüdet hatte, mit den Ueberresten des besiegten Heeres.

Der herzhafte Huascar schlief nicht unter den Lorbeeren seiner ersten Triumphe ein, und Sieger über die Mauern von Cuzco, war er noch immer nicht Sieger über das Reich der Inkas. Die Eindringlinge beherrschten viele Provinzen, und sie mußten sich von Neuem vorbereiten, zu kämpfen und zu siegen. Die Kundschafter Huascars und der Freiheit durchzogen das Land nach allen Theilen, das Mangels an Garnisonen nur aus einer eingebildeten Furcht seinen Hals der Gewaltherrschaft bog, und mit Leichtigkeit erhoben sich die Provinzen und gaben, auf den geringen Schutz, den ihnen eine Division Huascars anbot, den Ruf der Freiheit und Unabhängigkeit. Einzig von Cajamalca nach San Mateo breitete die Herrschaft ihren Schrecken aus, weil es der Punkt war, wo die geringe feindliche Macht, welche immer noch die neue Welt besetzte, zusammengezogen war.

Jeden Tag rief eine Provinz ihre Freiheit und Unabhängigkeit aus; im ganzen Reiche brannte ein heftiges, unterirdisches Feuer der Revolution; mit bewunderungswürdiger Thätigkeit war Huascar allerorts zugegen; die Eindringlinge waren, schon auf einen kurzen Raum beschränkt, und zu Tausenden strömten die Peruaner nach Cuzco, das Heer der Freiheit zu vergrößern. Huascar konnte nicht mehr länger dulden, daß Cajamalca und San Mateo unter fremder Herrschaft fortfuhren, und an der Spitze eines mächtigen und wohlorganisirten Heeres brach er auf, jenen köstlichen Gegenden die Freiheit zu geben, und der Thron von Madrid und der Vatikan erbebten bei den Schritten des Befreiers der neuen Welt. Auch in dieser Provinz loderte das Feuer des Aufruhrs; vergebens strengten sich die Eindringlinge an, um es zu ersticken, und Huascar zog eilig daher, und sie mußten sich zum Kampfe vorbereiten. Eine kurze, entmuthigte, besiegte, von der Metropole verlassene Division, konnte ohne Hülfsquellen, und auf dem Boden, den sie betrat, mit Wuth befeindet, nicht gut dem Siege trauen; aber Soto und seine Soldaten waren tapfer und kriegerisch, sie konnten nicht einmal den Schimpf ertragen, besiegt zu werden, und sie würden nicht vom Platze weichen, ohne mit Anstrengung die Waffen zu messen.

Gleichwie ein reichhaltiger Strom, der seine Dämme durchbrechend sich dahin stürzt und sich majestätisch über die Fluren ergießt, so dehnte und breitete Huascar seine Kriegsmacht auf den Feldern von Cajamalca aus, und schickte sich an, der Anmaßung der Eindringlinge den Todesstoß zu versetzen. Soto hatte seine Kriegsmacht ebenfalls zusammengezogen, und rüstete sich kühnen Muthes zur Schlacht, und die alte und neue Welt erwarteten mit Begierde den Schlag, der ihre moralische und politische Zukunft so sehr beeinflussen sollte.

Wie wir schon angezeigt haben, erfreute sich Luque weder einer so großen Macht, noch eines so großen Ansehens; sein Fanatismus beherrschte nicht mehr ausschließlich die Gewissen, und es fing an, eine Umgebung von Vorurtheilslosigkeit zu herrschen, welche den Seelen eine ziemlich deutliche Stimmung verlieh. In jenen Gegenden waren ebenfalls die beiden Culte vorherrschend, das Christenthum und die Sonnenanbetung, welche in vielen Peruanerherzen geweihte Tempel hatte; die Glaubensunduldsamkeit und die militärische Gewaltherrschaft fuhren fort, mit mehr oder weniger Rohheit ihre Schrecken zu verbreiten, und die Peruaner würden einen ruhmvollen Tod vorziehen, als die Fesseln der Sklaverei weiter schleppen. Die Nachrichten von der Annäherung Huascars entflammten die Gemüther, und in Cajamalca heulte ebenfalls eine fürchterliche Revolution.

Aufbrausend und anmaßend zog Soto bei den Neuigkeiten von der Ankunft Huascars hinaus auf’s Feld, und von seiner tollen Heißblütigkeit getrieben, schickte er sich an, einen verwegenen Zusammenstoß zu wagen. Luque konnte nicht begreifen, wie der Gott der Schlachten, die Waffen der Nazarener verlassend, den Sieg einem von ihm mit dem Kirchenbann belegten Heere verlieh, und in seinem barbarischen Fanatismus sah er die Kehrseiten ihres Lagers als eine sichtbare Strafe der Sünder und als einen schwierigen Beweis dessen an, wozu der gerechte Gott die Christen aussetzte, und inbrünstig eröffnete er öffentliche Bußpredigten, belegte das Reichsheer und die abtrünnigen Christen, welche ihm nachfolgten, von Neuem mit dem Kirchenbann, und feierte, so den Muth der Besiegten in etwas aufrecht haltend, tägliche Gebete.

Huascar verdankte Almagro eine kluge Tapferkeit und eine strenge Mannszucht, und er zweifelte nicht daran, den Kampf, wozu ihn Soto herausforderte, anzunehmen, weil er kaltblütig seine gewaltigen Vortheile erwog und überdachte. Gar bald entspann sich angesichts Cajamalcas der hartnäckige Kampf; der so muthige und todesverachtende Soto hatte nicht das Ansehen wie Pizarro, noch dessen Takt und militärische Kenntnisse; die kriegerischsten Soldaten und die erfahrensten Anführer waren in den Anden und in Cuzco umgekommen, und bald sahen sich die Eindringlinge umzingelt und in die Flucht geschlagen, und sie mußten den Rückzug antreten.

Unglücklicherweise hatte sich in Cajamalca zugetragen, was Soto hätte voraussehen sollen. In dem Augenblick, in welchem er seine ganze Kriegsmacht auf das Feld hinausnahm, um Huascar eine Schlacht zu liefern, platzte in der Stadt der Vulkan los, der im Verborgenen glühte; die geknechteten Bewohner liefen mit viel früher ausgedachter Absicht zu den Waffen; bemächtigten sich der Mauern und der wichtigsten Punkte, überraschten und hieben die geringe Wache nieder, womit man die Ruhe gesichert glaubte, und nicht ein einziger Eindringling konnte sich von dem Tode befreien. Die Sklaven tödteten mit äußerster Erbitterung, aber sie sehnten sich darnach, ihre ganze Wuth an dem barbarischen Luque auszulassen.

Pizarro’s Verweser hatte einen unauslöschlichen Haß auf sein Haupt zugezogen, weil er, so sehr der Fanatismus seines Jahrhunderts seine Grausamkeit und seine Mordthaten für die kommenden Geschlechter bedeckt, wie wir gesehen haben, in Mitten eines See’s von Blut gelebt hatte. Umsonst suchte ihn wüthend das empörte Volk durch die Stadt und an den verborgensten Orten, da Luque sich angesichts der Gefahr in den Tempel flüchtete, den er für eine unverletzliche Freistätte hielt und sich in inbrünstigem Gebete vor dem Altare niederwarf; aber die Aufrührer hatten es bald erfahren, und sie fielen über den Tempel her, sprengten dessen Thüren ein, warfen sich wie hungrige Wölfe über den Fanatiker her und zerfleischten ihn wüthend an demselben Altare, an welchem er betete. Ihre Wuth war noch immer nicht gesättigt; sie schleiften seine zuckenden Glieder durch die Stadt, und verbrannten sie endlich unter Jubel und Freudengeschrei auf einem fürchterlichen Scheiterhaufen. Luque starb, wie er so viele Unglückliche hatte sterben lassen, die neue Welt verweigerte ihm sogar einige Fuß Erde, wo dessen sterbliche Ueberreste ausruhten, seine Asche wurde in den Wind gestreut, wie er diejenige Atahulpas und tausend anderer Märtyrer seines barbarischen und blutgierigen Fanatismus gestreut hatte. Inzwischen veranstaltete Almagro im Gegentheil für den unsterblichen Eroberer des Inkareiches ein prächtiges und königliches Leichenbegängniß.

Zwar besiegt und in die Flucht geschlagen, erfuhr Soto die Empörung und die Schrecknisse von Cajamalca; ohnmächtige Verzweiflung war seine Qual, aber der Strom war bereits durchaus unwiderstehlich. Ohne Hülfsquellen irgend welcher Art, von der Metropole, wo sie sich umsonst auf Verstärkungen und Beistand beriefen, verlassen, konnten die Eindringlinge dem Andrange eines mächtigen, siegreichen Heeres, nicht gut die Stirne bieten, da es ihnen sogar an befestigten Punkten, um sich darin zu wehren, fehlte. Unter tausend heldenmüthigen Anstrengungen erreichte Soto, die Eindringlinge auf San Mateo zurückzuwerfen, wo es ebenso wenig möglich war, daß er bestünde, und sie mußten sich an Bord schwacher und zerstörter spanischer Schiffe flüchten, welche die Bucht durchfuhren.

Die spanischen Priester verschwanden ebenfalls in dem rasenden Strudel, aber die christliche Religion blieb gesichert und triumphirend an den Gestaden des südlichen Meeres, und die süße Moral des Evangeliums verbreitete in dem Reiche der Inkas die Sanftmuth und den Trost, welche die göttlichen Lippen des Gekreuzigten auf der Erde kosteten. Der ehrwürdige Las-Casas war das Oberhaupt der Kirche jener entlegenen Gestade; unter seinem wohlthätigen Schatten erwuchs dem Lande ein menschenfreundliches Priesterthum, und voller Zärtlichkeit, und kaum konnten die entfernten Geschlechter nachher begreifen, daß auch Luque sich ein Priester des Christenthums genannt hatte.

Peru athmete frei auf von seinen Bedrückern, die Unterthanen der Inkas warfen die Söhne vom Osten wieder über die Meere zurück, und wenn auch bei den hartnäckigen Kriegen die Kampfplätze des Reiches mit Blut bespritzt wurden, lernten die Peruaner doch das Vorhandensein anderer Gestade, anderer Festländer und anderer Welten kennen, welche sich ihnen in Zukunft beim Handel und Verkehr eröffnen würden. Sie schüttelten ihre Vorurtheile, ihre Inkas wie Götter anzusehen, ab; dieses göttliche Recht verschwand noch früher aus jenen Gestaden, als aus der alten Welt, und sie erreichten es, den Baum ihrer Freiheit aufzupflanzen, obschon sie ihn, wie in allen Ländern, mit Blut begießen mußten. Von der allersüßesten Wehmuth der nazarenischen Religion begeistert, begriffen ihre Gemüther endlich, daß sie ihren Cultus einem Theile der Schöpfung, dieser strahlenden Leuchte des Tages zollten, die so prächtig und erhaben sie über den Welten thront, der kräftige Verstand des Menschen bis zu ihren empirischen Regionen gelangt ist, ihr in ihrem Laufe gefolgt ist und ihre Natur erkannt hat, indem er sie wohl, wie alle Mittelpunkte der Planetensysteme, für eines der großen Werke des höchsten Schöpfers hielt, ihr aber den Vorrang der Welten versagte, welchen Manco Capac ihr gewährt haben würde. Das Reich der Inkas wurde mit Blut geröthet, aber es verdankte den Spaniern seine politische Bedeutung in der Zukunft der Welt.

Der Hof von Castilien inzwischen zerfiel schmachtend in seiner eigenen Größe; als Rückfracht der Schätze der neuen Welt schickte er seine mit spanischem Blute beladenen Galeeren, das fruchtlos an den neuen Gestaden vergossen wurde. Das spanische Volk war es, das dieses Blut hergab, die Schätze aber, wofür es sich verkaufte, waren nur für Philipp und Karl und deren Höflinge, für die römische Curie und deren Abgeordnete in Europa. Um Ströme Blutes des spanischen Volkes wurden mit den Schätzen von den Gestaden des südlichen Meeres diese hoffärtigen Festungsschlösser der Könige von Castilien, diese üppigen Gärten, diese Porphyr- und Marmorobelisken, diese riesigen Kirchthürme, diese dem Gotte Luques geweihten orientalischen Tempel errichtet; und das spanische Volk zerfiel, und die Enkel Karls V. bluteten sich zwischen unfruchtbaren Bergen von Gold verächtlich zu Tode.

Niemals hätten die berühmte Isabella I. und der kühne Columbus ein so trauriges Vermächtniß der spanischen Nation erdacht: Der Fanatismus und die Dummheit des sechszehnten Jahrhunderts tauschten den größten Erfolg der Zeiten, und worauf sich die Glückseligkeit beider Welten erheben sollte, in eine öffentliche Calamität um. Das Schicksal aber des Bösen, welches der Erde vorzustehen, und sie zu beherrschen scheint, bedeckte den unsterblichen Augenblick, in dem eine Welt die andere kennen lernte, mit Blut und Trauer; den Augenblick, in dem der kühne Mann, diese ungeheuren Meereseinöden beherrschend, diese unübersteigliche Vormauer übersprang, womit die Natur die einen von den andern Brüdern trennte; den Augenblick, in welchem die Natur den Anstrengungen des Menschen nachzugeben schien, und sich besiegt vor dessen Füße niederwarf.

Das war die Geschichte der Inkas und der Söhne vom Osten im sechszehnten Jahrhundert, gemäß den glaubwürdigsten Quipos und peruanischen Handschriften, welche uns vor Augen gelegen und deren Uebertragung wir sorgfältig durch die genaueste Wiedergabe angestrebt haben. Glücklicherweise begrub die Zeit das sechszehnte Jahrhundert, und mit ihm die Erinnerungen und den Groll der ursprünglichen Zeiten der Eroberung von Peru und der übrigen Festländer der neuen Welt in ihren unergründlichen Abgrund; und nach großen Ereignissen und großen Trübsalen ist bereits der ersehnte Augenblick gekommen, in dem wir, die damals kämpfenden Völker, Brüder seien, und unter ihnen die Brüderlichkeit und die Liebe regierte, welche niemals getrübt werden durfte. Wir vermachen ihnen unsere Religion, unsere Sprache, unsere Sitten und Gebräuche; es sind unsere Söhne, es sind unsere Brüder, und wenn die blutigen Schicksale, welche den Nationen vorzustehen scheinen, für jetzt die neue Welt dazu verdammen, ihr Blut in den Kämpfen und in den Bürgerkriegen zu vergießen, wie auch wir Unglückliche es vergießen, so wird ein Tag leuchten, da der Genius des Guten der Welt vorsteht, und alsdann werden die Spanier von diesseits und jenseits der Meere freudig ihre Arme ausbreiten, werden einander Brüder nennen und werden den Schatten Columbus segnen.

Ende.

[Illustration]

Verlag von Eduard Moos,

Zürich, Erfurt, Leipzig.

Vom Zürichsee!

Gedichte von Robert Speich.

In der knappen, ansprechenden Form und im einfachen Ausdruck ist der junge schweizer Dichter ganz Realist, in seinen Gedanken und Gefühlen aber begeisterter Idealist. Da duftet uns wirklich frisches Leben entgegen gegenüber den matten, herbstlichen Gefilden der zu Ende gehenden naturalistischen Schule. Die Wahrheit siegt über die Lüge, -- Freunde der Litteratur werden in dem Bändchen eine eigenartige Neuheit begrüßen.

Eleganter Einband mit Goldschnitt Mark 2.--, brochirt Mark 1.50.

Unterhaltungen eines Gefangenen.

Roman von ***

Aus dem Französischen übersetzt von Adolf Knabenhans.

Es ist dem Autor gelungen, die eigenartige Sprache des Originals voll und ganz wiederzugeben, sodaß denen, welche nicht der französischen Sprache mächtig sind, Gelegenheit wird, die Eleganz des französischen Ausdrucks zugleich mit dem Genuß eines spannend geschriebenen Romans kennen zu lernen.

In elegantem Calico-Einband Mark 2.50

Us Thüringen!

Schnurren un Schtimmen in Poesie und Prosa

von Hermann Töppe, Hauptlehrer.

Die Presse beurtheilte das Buch sehr günstig; u. a. schreibt das »Deutsche Tagebl.« darüber: »Die köstlich anschauliche und naive Weise, in welcher der Verfasser uns mit seinen Landsleuten bekannt macht, läßt in ihm ein außergewöhnliches Talent erkennen. Die Fülle herzerfrischenden, urwüchsigen Humors, gepaart mit einem Zuge gemüthvollen Ernstes, den der Dichter im rechten Augenblick walten läßt, wird dem ›wilden Thüringer Röslein‹ im Rosengarten der deutschen Dichteraue gewiß ein Plätzchen zu verschaffen im Stande sein. Besonders auch der außerhalb seiner Heimath lebende Thüringer wird das Büchlein mit seinen lebendigen Bildern gewiß mit Freuden als einen guten Kameraden begrüßen.«

Band 1 und 2 in hochelegantem Geschenkband mit Goldschnitt à Mark 3.--, brochirt Mark 2.25.

Erste Veilchen.

Gedichte von Franz Litterscheid.

In eleganter Form werden von dem Autor Stimmungen und philosophische Gedanken producirt, welche, an sich originell, weit über das Maß des alltäglichen hinausragen. Die edle dezente Sprache wie die Art des Inhalts empfehlen das elegant ausgestattete Buch als Geschenk für jedes Alter.

Eleganter Einband mit Goldschnitt Mark 2.50, brochirt Mark 1.75.

Anmerkungen des Bearbeiters

Alte Schreibweisen von Wörtern (vor der deutschen Rechtschreibreform) werden in ihrer gedruckten Form belassen und nicht auf die moderne deutsche Rechtschreibung aktualisiert.

Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

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Seite

3 »Córtes« wurde korrigiert zu »Cortés«: Die gesetzgebende Gewalt lag in den Cortés...

44 »nnterstützten« wurde korrigiert zu »unterstützten«: ...wohlthätigen Einfluß unterstützten, die Huldigung der Peruaner.

50 »Angen« korrigiert zu »Augen«: ...des sechszehnten Jahrhunderts so vor den Augen ihres Gottes...

50 »Blnt« korrigiert zu »Blut«: ...deren Schweiß und Blut Karls V. mächtiger Thron...

58 »hohlen« korrigiert zu »hohen«: ...das dumpfe Getöse des zwischen den hohen Klippen der Anden...

61 »Leiches« korrigiert zu »Leichtes«: Es wäre Pizarro ein Leichtes gewesen, von dem Inka den Eintritt...

80 »Geberden« korrigiert zu »Gebärden«: Obwohl unter sanften Vorstellungen und Gebärden,...

84 »Gleichgiltigkeit« korrigiert zu »Gleichgültigkeit«: Pizarro sah die Schönheit und Reize Ocollos nicht mit Gleichgültigkeit;... ↩

87 »Lebensmiteln« korrigiert zu »Lebensmitteln«: ...daß das Lager Pizarros mit Lebensmitteln zu versehen war...

87 »Guito« korrigiert zu »Quito«: ...Boten nach Cuzco, Quito, Tititaka und andern...

87 »Tititaca« korrigiert zu »Tititaka«: ...Boten nach Cuzco, Quito, Tititaka und andern...

99 »Gleichgiltigkeit« korrigiert zu »Gleichgültigkeit«: Pizarro sah die Schönheit und Reize Ocollos nicht mit Gleichgültigkeit;... ↩

115 »seit« korrigiert zu »seid«: ...sagte sie zu ihm, seid Söhne des Verbrechens.

122 »Ruchlosigleit« korrigiert zu »Ruchlosigkeit«: ...eine feierliche Messe, um die Früchte der Ruchlosigkeit zu verheilen.

163 »nnglückliche« korrigiert zu »unglückliche«: Viertausend unglückliche Sklaven...

209 »mitznwirken« korrigiert zu »mitzuwirken«: ...bei der Zerstörung der neuen Welt mitzuwirken,...

282 »Isabelle« korrigiert zu »Isabella«: Niemals hätte die berühmte Isabelle I. und der Kühne Columbus...

Fußnote 2: Fehlendes »=« Zeichen, hinzugefügter: Peso (Piaster) = 5 Frcs.