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FÜNFTES KAPITEL

DIE FORMENWELT DES WIRTSCHAFTSLEBENS

DAS GELD

1

Der Standpunkt, von dem aus die Wirtschaftsgeschichte der hohen Kulturen verstanden werden kann, darf auf dem Boden der Wirtschaft selbst nicht gesucht werden. Wirtschaftliches Denken und Handeln ist eine +Seite+ des Lebens, die in falsche Beleuchtung rückt, sobald man sie als eine selbständige +Art+ von Leben betrachtet. Am allerwenigsten findet man ihn auf dem Boden der heutigen Weltwirtschaft, die seit 150 Jahren einen phantastischen, gefährlichen, zuletzt fast verzweifelten Aufstieg genommen hat, der ausschließlich abendländisch und dynamisch ist und nichts weniger als allgemein menschlich.

Was wir heute Nationalökonomie nennen, ist aufgebaut aus lauter spezifisch englischen Voraussetzungen. Die allen andern Kulturen ganz unbekannte Maschinenindustrie steht in der Mitte, als ob das selbstverständlich wäre, und beherrscht durchaus die Begriffsbildung und die Ableitung sogenannter Gesetze, ohne daß man sich dessen bewußt wird. Das Kreditgeld in der besondern Gestalt, welche sich aus dem englischen Verhältnis von Welthandel und Exportindustrie in einem bauernlosen Lande ergeben hat, dient als Unterlage von Definitionen der Worte Kapital, Wert, Preis, Vermögen, die dann ohne weiteres auf andere Kulturstufen und Lebenskreise angewandt werden. Die Insellage Englands hat in allen ökonomischen Theorien die Auffassung der Politik und ihrer Beziehung zur Wirtschaft bestimmt. Die Schöpfer dieses Wirtschafts+bildes+ sind David Hume[587] und Adam Smith.[588] Was seitdem über sie hinaus und gegen sie geschrieben worden ist, setzt immer die kritische Anlage und Methode ihrer Systeme unbewußt voraus. Das gilt von Carey und List so gut wie von Fourier und Lassalle. Und was den größten Gegner von Adam Smith, Marx betrifft, so macht es wenig aus, ob man, ganz in der Vorstellungswelt des englischen Kapitalismus befangen, laut gegen ihn protestiert: man erkennt ihn eben damit an und will nur durch eine andre Art von Verrechnung dessen Objekten den Vorteil der Subjekte zuwenden.

Es handelt sich von Smith bis Marx um die bloße Selbstanalyse des wirtschaftlichen Denkens einer einzigen Kultur und zwar auf einer einzigen Stufe. Sie ist rationalistisch durch und durch und geht also vom +Stoff+ aus und seinen Bedingungen, Nöten und Reizen, statt von der +Seele+ der Geschlechter, Stände, Völker und ihrer Gestaltungskraft. Sie betrachtet den Menschen als Zubehör der Lage und weiß nichts von der großen Persönlichkeit und dem geschichtsbildenden Willen einzelner und ganzer Scharen, der in den wirtschaftlichen Tatsachen Mittel und nicht Zwecke sieht. Sie hält das Wirtschaftsleben für etwas, das man ohne Rest aus sichtbaren Ursachen und Wirkungen erklären kann, das ganz mechanisch angelegt und völlig in sich abgeschlossen ist, und das endlich zu den ebenfalls für sich gedachten Kreisen der Politik und Religion in einem irgendwie kausalen Verhältnis steht. Weil diese Betrachtungsweise systematisch und nicht geschichtlich ist, so glaubt sie an die zeitlose Gültigkeit ihrer Begriffe und Regeln und hat den Ehrgeiz, die allein richtige Methode „der“ Wirtschaftsführung aufstellen zu wollen. Deshalb hat sie überall, wo ihre Wahrheiten mit den Tatsachen zusammentrafen, ein vollkommenes Fiasko erlebt, wie es mit den Voraussagen für den Ausbruch des Weltkriegs durch bürgerliche[589] und mit der Einrichtung der Sowjetwirtschaft durch proletarische Theoretiker der Fall war.

Es gibt also noch keine Nationalökonomie, insofern man darunter eine Morphologie der Wirtschafts+seite+ des Lebens versteht und zwar des Lebens der hohen Kulturen mit ihrer nach Stufe, Tempo und Dauer gleichartigen Ausbildung eines wirtschaftlichen +Stils+. Denn die Wirtschaft besitzt kein System, sondern eine Physiognomie. Um das Geheimnis ihrer inneren Form, ihrer +Seele+ zu ergründen, bedarf es des physiognomischen Taktes. Um in ihr Erfolg zu haben, muß man Kenner sein, so wie man Menschenkenner und Pferdekenner ist, und braucht kein „Wissen“, so wenig der Reiter etwas von Zoologie zu „wissen“ braucht. Aber diese Kennerschaft kann geweckt werden und zwar durch einen mitfühlenden Blick auf die Geschichte, der eine Ahnung von den geheimen Rassetrieben gibt, die auch in wirtschaftlich tätigen Wesen am Werke sind, um die äußere Lage -- den ökonomischen „Stoff“, die Not -- nach dem eignen Innern sinnbildlich zu gestalten. +Jedes Wirtschaftsleben ist Ausdruck eines Seelenlebens.+

Das ist eine neue, eine deutsche Wirtschaftsauffassung, jenseits von Kapitalismus +und+ Sozialismus, die beide aus der nüchtern bürgerlichen Verständigkeit des 18. Jahrhunderts hervorgegangen sind und die nichts sein wollten als eine stoffliche Analyse -- und daraufhin eine Konstruktion -- der wirtschaftlichen Oberfläche. Was bis jetzt gelehrt worden ist, bereitet nur vor. Das Wirtschaftsdenken steht wie das Rechtsdenken noch vor seiner eigentlichen Entfaltung,[590] die heute wie in hellenistisch-römischer Zeit erst dort einsetzt, wo Kunst und Philosophie unwiderruflich Vergangenheit geworden sind.

Der folgende Versuch will nichts sein als ein flüchtiger Blick auf die hier vorhandenen Möglichkeiten.

Wirtschaft und Politik sind Seiten des +einen+ lebendig dahinströmenden Daseins, nicht des Wachseins, des Geistes.[591] In beiden offenbart sich der Takt kosmischer Flutungen, die in Geschlechterfolgen von Einzelwesen eingefangen sind. Sie +haben+ nicht etwa, sondern sie +sind+ Geschichte. Die nichtumkehrbare Zeit, das Wann regiert in ihnen. Sie gehören beide zur Rasse und nicht zur Sprache mit ihren raumhaft-kausalen Spannungen wie Religion und Wissenschaft; sie richten sich beide auf Tatsachen und nicht auf Wahrheiten. Es gibt politische und wirtschaftliche +Schicksale+, so wie es in allen religiösen und wissenschaftlichen Lehren einen zeitlosen +Zusammenhang von Ursache und Wirkung+ gibt.

Das Leben besitzt also eine politische und eine wirtschaftliche Art, für die Geschichte „in Form“ zu sein. Sie überlagern, stützen oder bekämpfen sich, aber die politische ist unbedingt die erste. Das Leben will sich erhalten +und+ durchsetzen oder vielmehr, es will sich stärker machen, um sich durchzusetzen. In wirtschaftlicher Verfassung befinden sich die Daseinsströme nur für sich selbst, in politischer für ihr Verhältnis zu den andern. Daran ändert sich nichts von den einfachsten einzelligen Pflanzen bis zu den Schwärmen und Völkern der höchsten frei im Raume beweglichen Wesen. Sich ernähren und sich bekämpfen: den Rangunterschied beider Lebensseiten läßt ihr Verhältnis zum Tode erkennen. Es gibt keinen tieferen Gegensatz als den von +Hungertod und Heldentod+. Wirtschaftlich wird das Leben bedroht, entwürdigt, +erniedrigt+ durch den Hunger im weitesten Sinne; auch die Unmöglichkeit, seine Kräfte zur vollen Entwicklung zu bringen, gehört dazu, die Enge im Lebensraum, die Dunkelheit, der Druck, nicht nur die unmittelbare Gefahr. Ganze Völker haben durch die zehrende Kümmerlichkeit ihrer Lebenshaltung die Spannkraft der Rasse verloren. Hier stirbt man an etwas, nicht für etwas. Die Politik opfert Menschen für ein Ziel; sie fallen für eine Idee; die Wirtschaft läßt sie nur verderben. +Der Krieg ist der Schöpfer, der Hunger der Vernichter aller großen Dinge.+ Dort wird das Leben durch den Tod gehoben, oft bis zu jener unwiderstehlichen Kraft, deren bloßes Vorhandensein schon den Sieg bedeutet; hier weckt der Hunger jene häßliche, gemeine, ganz unmetaphysische Art von Lebensangst, unter welcher die höhere Formenwelt einer Kultur jäh zusammenbricht, und der nackte Daseinskampf menschlicher Bestien beginnt.

Es war schon die Rede von dem Doppelsinn aller Geschichte, wie er im Gegensatz von Mann und Weib zutage tritt.[592] Es gibt eine private Geschichte, die als Zeugungsfolge der Generationen das „Leben im Raume“ +darstellt+, und eine öffentliche, die es als politisches In-Form-sein +verteidigt und sichert+: die „Spindelhälfte“ und die „Schwertseite“ des Daseins. Sie finden ihren Ausdruck in den Ideen der Familie und des Staates, aber auch in der Urgestalt des Hauses,[593] in dem die guten Geister des Ehebetts -- der Genius und die Juno jeder altrömischen Wohnstätte -- von der Tür, dem Janus, geschützt werden. Der +privaten+ Geschichte des Geschlechts tritt nun die der Wirtschaft zur Seite. Von der Dauer eines blühenden Lebens kann seine Kraft, vom Geheimnis der Zeugung und Empfängnis die Ernährung nicht getrennt werden. Am reinsten erscheint der Zusammenhang im Dasein rassestarker Bauerngeschlechter, die gesund und fruchtbar in ihrer Scholle wurzeln. Und wie im Bilde des Leibes das Geschlechtsorgan mit dem des Kreislaufs verbunden ist,[594] so bildet die Mitte des Hauses im +andern+ Sinne der heilige Herd, die Vesta.

Eben deshalb bedeutet Wirtschaftsgeschichte etwas ganz anderes als politische Geschichte. Hier stehen die großen einmaligen Schicksale im Vordergrund, die sich zwar in den bindenden Formen der Epoche vollziehen, aber jedes für sich streng persönlich sind. Dort handelt es sich wie in der Geschichte der Familie um den Entwicklungsgang der Formen+sprache+, und alles Einmalige und Persönliche ist wenig bedeutendes Privatschicksal. Nur die Grundform von Millionen Fällen kommt in Betracht. Aber die Wirtschaft ist doch nur die Unterlage alles irgendwie sinnvollen Daseins. Es kommt nicht eigentlich darauf an, +daß+ man in Verfassung, gut genährt und fruchtbar ist, als Einzelner oder als Volk, sondern wofür man es ist, und je höher der Mensch geschichtlich steigt, desto weiter überragt sein politisches und religiöses Wollen an Innerlichkeit der Symbolik und Gewalt des Ausdrucks alles, was das Wirtschaftsleben als solches an Form und Tiefe besitzt. Erst wenn mit der Heraufkunft einer Zivilisation die Ebbe der gesamten Formenwelt beginnt, treten die Umrisse der bloßen Lebenshaltung nackt und aufdringlich hervor: das ist denn die Zeit, wo der platte Spruch von „Hunger und Liebe“ als den Triebkräften des Daseins aufhört, schamlos zu sein, wo nicht das Starkwerden für eine Aufgabe, sondern das Glück der Meisten, Behagen und Bequemlichkeit, „_panem et circenses_“ den Sinn des Lebens bilden und an Stelle der großen Politik die Wirtschaftspolitik als Selbstzweck tritt.

Weil die Wirtschaft zur Rasseseite des Lebens gehört, so besitzt sie wie die Politik eine Sitte und keine Moral,[595] denn das unterscheidet Adel und Priestertum, Tatsachen und Wahrheiten. Jede Berufsklasse hat wie jeder Stand ein +selbstverständliches+ Gefühl nicht für Gut und Böse, sondern für Gut und Schlecht. Wer es nicht besitzt, ist unehrenhaft und gemein. Denn die Ehre steht auch hier im Mittelpunkt und trennt das Fein+gefühl+ für das, was sich schickt, das Takt+gefühl+ wirtschaftlich tätiger Menschen von der religiösen Welt+betrachtung+ und ihrem Grundbegriff der Sünde. Es gibt eine sehr bestimmte Berufsehre unter Kaufleuten, Handwerkern, Bauern mit feinen und doch nicht weniger bestimmten Abstufungen für den Ladenbesitzer, Exportkaufmann, Bankier, Unternehmer, für Bergleute, Matrosen, Ingenieure, sogar, wie jeder weiß, für Räuber und Bettler, insofern sie sich als Berufsgenossen fühlen. Niemand hat diese Sitten gesetzt oder aufgeschrieben, aber sie sind da; sie sind wie alle Standessitten überall und zu allen Zeiten anders und jedesmal nur innerhalb des Kreises der Zugehörigen verbindlich. Neben den adligen Tugenden der Treue, Tapferkeit, Ritterlichkeit, Kameradschaft, die keiner Berufsgenossenschaft fremd sind, erscheinen scharf ausgeprägte Anschauungen über den ethischen Wert des Fleißes, des Erfolges, der Arbeit und ein erstaunliches Distanzgefühl. Dergleichen hat man, ohne viel darum zu wissen -- erst der Verstoß bringt die Sitte zum Bewußtsein, -- im Gegensatz zu religiösen Geboten, die zeitlos und allgemeingültig sind, aber als nie verwirklichte Ideale, und die man lernen muß, um sie zu wissen und befolgen zu können.

Die religiös-asketischen Grundbegriffe wie „selbstlos“ und „sündlos“ sind innerhalb des Wirtschaftslebens ohne Sinn. Für den wahren Heiligen ist die Wirtschaft überhaupt Sünde,[596] nicht nur das Zinsnehmen und die Freude am Reichtum oder der Neid der Armen darauf. Das Wort von den Lilien auf dem Felde ist für tief religiöse -- und philosophische -- Naturen unbedingt wahr. Sie stehen mit dem ganzen Schwergewicht ihres Wesens außerhalb der Wirtschaft und Politik und aller andern Tatsachen „dieser Welt“. Das lehrt die Zeit Jesu ebenso wie die des heiligen Bernhard und das Grundgefühl im heutigen Russentum, und ebenso die Lebensführung eines Diogenes oder Kant. Deshalb wählt man freiwillige Armut und Wanderschaft und flüchtet sich in Mönchszellen und Gelehrtenstuben. Wirtschaftlich betätigt sich nie eine Religion oder Philosophie, sondern immer nur der politische Organismus einer +Kirche+ oder der soziale einer theoretisierenden Genossenschaft. Es ist immer ein Kompromiß mit „dieser Welt“ und ein Zeichen des Willens zur Macht.[597]

2

Was man das Wirtschaftsleben einer Pflanze nennen darf, vollzieht sich an und in ihr, ohne daß sie selbst etwas andres wäre als der Schauplatz und willenlose Gegenstand eines Naturvorgangs.[598] Dies pflanzenhafte, traumhafte Element liegt unverändert der „Wirtschaft“ auch noch des menschlichen Leibes zugrunde, wo es in Gestalt der Kreislauforgane sein fremdartiges und willenloses Dasein führt. Mit dem frei im Raum beweglichen Leibe des Tieres aber tritt zum Dasein das Wachsein, das verstehende Empfinden und damit der Zwang, für die Erhaltung des Lebens selbständig zu +sorgen+. Hier beginnt die Lebens+angst+ und führt zu einem Tasten, Wittern, Spähen, Horchen mit immer schärferen Sinnen und daraufhin zu Bewegungen im Raume, zum Suchen, Sammeln, Verfolgen, Überlisten, Rauben, das sich bei manchen Arten wie den Bibern, Ameisen, Bienen, vielen Vögeln und Raubtieren bis zu den Anfängen einer wirtschaftlichen Technik steigert, welche Überlegung, das heißt eine gewisse Ablösung des Verstehens vom Empfinden voraussetzt. Der Mensch ist eigentlich Mensch in dem Grade, als sich sein Verstehen vom Empfinden befreit hat und als Denken in die Beziehungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos schöpferisch eingreift.[599] Ganz tierhaft ist noch die Frauenlist dem Manne gegenüber und jene Bauernschlauheit im Erobern kleiner Vorteile, die sich beide von der Schlauheit des Fuchses in nichts unterscheiden und mit +einem+ verstehenden Blick das ganze Geheimnis ihres Opfers durchdringen; aber darüber erhebt sich nun das Wirtschafts+denken+, das den Acker bestellt, das Vieh zähmt, die Dinge verwandelt, veredelt, tauscht und tausend Mittel und Methoden erfindet, um die Lebenshaltung zu erhöhen und die Abhängigkeit von der Umwelt in eine Herrschaft über sie zu verwandeln. Dies ist die Unterlage aller Kulturen. Die Rasse bedient sich eines Wirtschaftsdenkens, das so mächtig werden kann, daß es sich von seinen Zwecken löst, abstrakte Theorien aufbaut und sich in utopische Weiten verliert.

Alles höhere Wirtschaftsleben entwickelt sich an und über einem Bauerntum. Nur das Bauerntum selbst setzt nichts andres voraus.[600] Es ist gewissermaßen die Rasse an sich, pflanzenhaft und geschichtslos[601], ganz für sich erzeugend und verbrauchend, mit einem Blick auf die Welt, vor dem sich alles andre Wirtschaftswesen beiläufig und verächtlich ausnimmt. Dieser +erzeugenden+ tritt nun eine +erobernde+ Art von Wirtschaft entgegen, die sich der ersten als eines Objekts bedient, sich von ihr nähren läßt, sie tributpflichtig macht oder beraubt. Politik und Handel sind in den Anfängen durchaus untrennbar, beide herrenmäßig, persönlich, kriegerisch, mit einem Hunger nach Macht und Beute, der einen ganz andern Blick auf die Welt mit sich führt -- nicht aus einem Winkel auf sie hinaus, sondern auf ihr Gewimmel herab -- wie er sich in der Wahl des Löwen, Bären, Geiers, Falken zu Wappentieren deutlich genug ausspricht. Der Urkrieg ist immer auch Raubkrieg, der Urhandel mit Plünderung und Piraterie aufs engste verwandt. Die isländischen Sagas erzählen, wie die Wikinger oft mit der Bevölkerung einen Marktfrieden von zwei Wochen verabreden, um Handel zu treiben, worauf man zu den Waffen greift und das Beutemachen beginnt.

Politik und Handel in entwickelter Form -- die Kunst, durch geistige Überlegenheit Sacherfolge über den Gegner zu erzielen -- sind beide ein Ersatz des Krieges durch andere Mittel. Jede Art Diplomatie ist geschäftlicher, jedes Geschäft diplomatischer Natur, und beide beruhen auf eindringender Menschenkenntnis und physiognomischem Takt. Der Unternehmungsgeist großer Seefahrer, wie wir sie unter den Phönikern, Etruskern, Normannen, Venezianern, Hanseaten finden, kluger Bankherren wie der Fugger und Medici, mächtiger Geldleute wie Crassus und die Minen- und Trustmagnaten unserer Tage erfordert die strategische Begabung von +Feldherrn+, wenn die Operationen glücken sollen. Der Stolz auf das Stammhaus, das väterliche Erbe, die Familientradition bilden sich hier wie dort in gleicher Weise heraus; die „großen Vermögen“ sind wie Königreiche und haben ihre Geschichte;[602] und Polykrates, Solon, Lorenzo de’ Medici, Jürgen Wullenweber sind durchaus nicht die einzigen Beispiele von politischem Ehrgeiz, der sich aus kaufmännischem entwickelt hat.

Aber der echte Fürst und Staatsmann will herrschen, der echte Geschäftsmann will nur reich sein; hier trennt sich die erobernde Wirtschaft als Mittel und als Zweck.[603] Man kann die Beute um der Macht und die Macht um der Beute willen suchen. Auch der große Herrscher wie Hoangti, Tiberius oder Friedrich II. will „reich an Land und Leuten“ sein, aber mit dem Bewußtsein einer vornehmen Verpflichtung. Man nimmt mit gutem Gewissen und als etwas Selbstverständliches die Schätze der ganzen Welt in Anspruch und kann ein Leben in strahlendem Glanz und selbst in Verschwendung führen, wenn man sich nur als Träger einer Sendung fühlt wie Napoleon, Cecil Rhodes und auch der römische Senat des 3. Jahrhunderts, und deshalb den Begriff des Privatbesitzes in bezug auf sich selbst kaum kennt.

Wer auf bloße Wirtschaftsvorteile aus ist wie zur Römerzeit die Karthager und heute in noch viel höherem Grade die Amerikaner, der vermag auch nicht rein politisch zu +denken+. Er wird bei den Entscheidungen der hohen Politik immer ausgenützt und betrogen sein, wie das Beispiel Wilsons zeigt, zumal wenn der Mangel an staatsmännischem Instinkt durch moralische Stimmungen ersetzt ist. Deshalb häufen die großen Wirtschaftsverbände der Gegenwart wie Unternehmertum und Arbeiterschaft einen politischen Mißerfolg auf den andern, wenn sie nicht einen echten Politiker als Führer finden, der -- sich ihrer bedient. Wirtschaftliches und politisches Denken sind bei hoher Übereinstimmung der Form in der Richtung und damit in allen taktischen Einzelheiten grundverschieden. Große geschäftliche Erfolge[604] wecken ein schrankenloses Gefühl von +öffentlicher+ Macht. Man wird diesen Unterton im Worte „Kapital“ nicht verkennen. Aber nur bei einzelnen ändert sich damit Farbe und Richtung ihres Wollens und ihr Maßstab für die Lagen und Dinge. Erst wenn man wirklich aufgehört hat, sein Unternehmen als Privatsache zu empfinden und als dessen Ziel die bloße Anhäufung von Besitz, besteht die Möglichkeit, aus einem Unternehmer ein Staatsmann zu werden. Das war der Fall von Cecil Rhodes. Aber umgekehrt besteht für Menschen der politischen Welt die Gefahr, daß ihr Wollen und Denken von geschichtlichen Aufgaben zur bloßen Sorge für die private Lebenshaltung herabsinkt. Dann wird aus dem Adel ein Raubrittertum; es erscheinen die bekannten Fürsten, Minister, Volksmänner und Revolutionshelden, deren Eifer sich in einem Schlaraffenleben und dem Sammeln gewaltiger Reichtümer erschöpft -- zwischen Versailles und dem Jakobinerklub, Unternehmern und Arbeiterführern, russischen Gouverneuren und Bolschewisten besteht da kaum ein Unterschied --, und in der reifgewordenen Demokratie ist die Politik der „Arrivierten“ nicht nur mit Geschäft, sondern mit den schmutzigsten Arten großstädtischer Spekulationsgeschäfte identisch.

Gerade darin aber offenbart sich der geheime Gang einer hohen Kultur. Am Anfang erscheinen die Urstände Adel und Priestertum mit ihrer Symbolik von Zeit und Raum. Damit haben, in einer wohlgeordneten Gesellschaft,[605] das politische Leben wie das religiöse Erleben ihren festen Platz, ihre berufenen Träger und ihre für Tatsachen wie für Wahrheiten schlechthin gegebenen Ziele, und in der Tiefe bewegt sich das Wirtschaftsleben in einer unbewußten sicheren Bahn. Der Strom des Daseins verfängt sich im steinernen Gehäuse der Stadt und von hier aus übernehmen Geld und Geist die geschichtliche Führung. Das Heldenhafte und Heilige mit der sinnbildlichen Wucht ihrer frühen Erscheinung werden selten und ziehen sich in enge Kreise zurück. Eine kühle bürgerliche Klarheit tritt an ihre Stelle. Im Grunde erfordern ein Systemabschluß und ein Geschäftsabschluß ein und dieselbe Art von fachmännischer Intelligenz. Durch den symbolischen Rang kaum noch getrennt dringen politisches und wirtschaftliches Leben, religiöse und wissenschaftliche Erkenntnis aufeinander ein, berühren und mischen sich. Der Strom des Daseins verliert die strenge und reiche Form im Treiben der großen Städte. Elementare Wirtschaftszüge treten an die Oberfläche und treiben mit den Resten formvoller Politik ihr Spiel, wie gleichzeitig die souveräne Wissenschaft die Religion unter ihre Objekte aufnimmt. Ueber ein Leben von wirtschaftspolitischem Selbstgenügen breitet sich eine kritisch-erbauliche Weltstimmung. Aber aus ihm treten endlich an Stelle der zerfallenen Stände einzelne Lebensläufe von echt politischer und religiöser Gewalt hervor, die für das Ganze zum Schicksal werden.

Daraus ergibt sich die Morphologie der Wirtschaftsgeschichte. Es gibt eine +Urwirtschaft+ „des“ Menschen, die ebenso wie die der Pflanze und des Tiers ihre Form in biologischen Zeiträumen[606] verändert. Sie beherrscht das primitive Zeitalter vollkommen und bewegt sich zwischen und in den hohen Kulturen ohne erkennbare Regel unendlich langsam und verworren fort. Tiere und Pflanzen werden herangezogen und durch Zähmung, Züchtung, Veredlung, Aussaat umgeschaffen, das Feuer und die Metalle ausgenützt, die Eigenschaften der unlebendigen Natur durch technische Verfahren in den Dienst der Lebenshaltung gestellt. Alles das ist durchdrungen von politisch-religiöser Sitte und Bedeutung, ohne daß _totem_ und _tabu_, Hunger, Seelenangst, Geschlechtsliebe, Kunst, Krieg, Opferbrauch, Glaube und Erfahrung deutlich zu trennen wären.

Etwas ganz anderes nach Begriff und Entwicklung ist die strenggeformte und in Tempo und Dauer scharf begrenzte +Wirtschaftsgeschichte der hohen Kulturen+, von denen jede einzelne einen eignen Wirtschaftsstil besitzt. Zum Lehnswesen gehört die Wirtschaft des stadtlosen Landes. Mit dem von Städten aus regierten Staat erscheint die Stadtwirtschaft des Geldes, die sich mit dem Anbruch jeder Zivilisation zur Diktatur des Geldes erhebt, gleichzeitig mit dem Sieg der weltstädtischen Demokratie. Jede Kultur besitzt ihre selbständig entwickelte Formenwelt. Das körperhafte Geld apollinischen Stils -- die geprägte Münze -- steht dem faustisch-dynamischen Beziehungsgelde -- der Buchung von Krediteinheiten -- ebenso fern wie die Polis dem Staate Karls V. Aber das wirtschaftliche Leben bildet sich ganz wie das gesellschaftliche zu einer Pyramide aus.[607] Im dörflichen Untergrunde hält sich eine völlig primitive, kaum von der Kultur berührte Lage. Die späte Stadtwirtschaft, bereits das Tun einer entschiedenen Minderheit, sieht beständig auf eine frühzeitliche Landwirtschaft herab, die rings umher ihr Wesen weiter treibt und voll Argwohn und Haß auf den durchgeistigten Stil innerhalb der Mauern blickt. Zuletzt führt die Weltstadt eine -- zivilisierte -- Weltwirtschaft herauf, die von ganz engen Kreisen weniger Mittelpunkte ausstrahlt und den Rest als Provinzwirtschaft sich unterwirft, während in entlegenen Landschaften oft noch durchaus die primitive -- „patriarchalische“ -- Sitte herrscht. Mit dem Wachstum der Städte wird die Lebenshaltung immer künstlicher, feiner, verwickelter. Der Großstadtarbeiter im cäsarischen Rom, im Bagdad Harun al Raschids und im heutigen Berlin empfindet vieles als selbstverständlich, was dem reichen Bauern fern im Lande als wahnwitziger Luxus erscheint, aber dieses Selbstverständliche ist schwer zu erreichen und schwer zu behaupten; das Arbeitsquantum aller Kulturen wächst in ungeheurem Maße, und so entwickelt sich am Anfang jeder Zivilisation eine Intensität des Wirtschaftslebens, die in ihrer Spannung übertrieben und stets gefährdet ist und nirgends lange aufrecht erhalten werden kann. Zuletzt bildet sich ein starrer und dauerhafter Zustand heraus mit einem seltsamen Gemisch raffiniert durchgeistigter und ganz primitiver Züge, wie ihn die Griechen in Ägypten und wir im heutigen Indien und China kennen lernen, wenn er nicht vor dem unterirdischen Nachdrängen einer jungen Kultur dahinschwindet wie der antike zur Zeit Diokletians.

Dieser Wirtschaftsbewegung gegenüber sind die Menschen als Wirtschafts+klasse+ in Form, wie sie es der Weltgeschichte gegenüber als politischer +Stand+ sind. Jeder einzelne hat eine wirtschaftliche Stellung +innerhalb der ökonomischen Gliederung+ so, wie er irgend einen Rang innerhalb der +Gesellschaft+ einnimmt. Beide Arten von Zugehörigkeit nehmen gleichzeitig sein Fühlen, Denken und Sichverhalten in Anspruch. Ein Leben will da sein und darüber hinaus noch etwas bedeuten; und die Verwirrung unserer Begriffe ist endlich noch dadurch gesteigert worden, daß politische Parteien, heute wie in hellenistischer Zeit, gewisse wirtschaftliche Gruppen, deren Lebenshaltung sie glücklicher gestalten wollten, durch Erhebung in einen politischen Stand gewissermaßen adelten, wie es Marx mit der Klasse der Fabrikarbeiter getan hat.

Denn der erste und echte Stand ist der Adel. Von ihm leitet sich der Offizier und Richter ab und alles, was zu den hohen Regierungs- und Verwaltungsämtern gehört. Es sind standesartige Gebilde, die etwas +bedeuten+. Ebenso gehört zum Priestertum die Gelehrtenschaft[608] mit einer sehr ausgeprägten Art von ständischer Abgeschlossenseit. Aber mit Burg und Dom ist die große Symbolik zu Ende. Der _tiers_ ist bereits der Nichtstand, der Rest, eine bunte und vielfältige Sammlung, die als solche wenig bedeutet außer in Augenblicken des politischen Protestes, und die sich deshalb Bedeutung +gibt+, indem sie Partei ergreift. Man fühlt sich, nicht als Bürger, sondern weil man „liberal ist“, und also eine große Sache zwar nicht durch seine Person +repräsentiert+, aber ihr durch seine Überzeugung +angehört+. Infolge der Schwäche dieses gesellschaftlichen Geformtseins tritt das wirtschaftliche in „bürgerlichen“ Berufen, Gilden und Verbänden um so sichtbarer hervor. In den Städten wenigstens ist ein Mensch zuerst durch das bezeichnet, wovon er lebt.

Wirtschaftlich ist das erste und ursprünglich fast das einzige das Bauerntum,[609] die schlechthin +erzeugende+ Art von Leben, die jede andre erst möglich macht. Auch die Urstände gründen ihre Lebenshaltung in früher Zeit durchaus auf Jagd, Viehhaltung und Ackerbesitz, und noch für Adel und Geistlichkeit der Spätzeiten ist es die einzig vornehme Möglichkeit, „begütert“ zu sein. Ihr steht die +vermittelnde+, erbeutende Lebensart des Handels[610] gegenüber, im Verhältnis zur kleinen Zahl von gewaltiger Macht und schon ganz früh unentbehrlich, ein feiner Parasitismus, vollkommen unproduktiv und deshalb landfremd und schweifend, „frei“, auch seelisch unbeschwert von Sitten und Bräuchen der Erde, ein Leben, das von anderem Leben sich nährt. Dazwischen wächst nun eine dritte Art von Wirtschaft heran, die +verarbeitende der Technik+ in zahllosen Handwerken, Gewerben und Berufen, welche ein Nachdenken über die Natur zur schöpferischen Anwendung bringen und deren Ehre und Gewissen an der Leistung haftet.[611] Ihre älteste, bis in die Urzeit zurückreichende Zunft und zugleich ihr Urbild mit einer Fülle dunkler Sagen, Bräuche und Anschauungen sind die Schmiede, die infolge ihrer stolzen Absonderung vom Bauerntum und der um sie verbreiteten Scheu, die zwischen Achtung und Ächtung wechselt, oft zu wirklichen Volksstämmen eigner Rasse geworden sind wie die Falascha in Abessinien.[612]

Im erzeugenden, verarbeitenden und vermittelnden Wirtschaftswesen gibt es wie in allem, was zur Politik und überhaupt zum Leben gehört, +Subjekte und Objekte der Leitung+ und also ganze Gruppen, die anordnen, entscheiden, organisieren, erfinden, und andere, denen lediglich die Ausführung zusteht. Der Rangunterschied kann schroff oder kaum fühlbar,[613] der Aufstieg unmöglich oder selbstverständlich, die Würde der Tätigkeit fast dieselbe mit langsamen Übergängen oder ganz verschieden sein. Tradition und Gesetz, Begabung und Besitz, Volkszahl, Kulturstufe und Wirtschaftslage beherrschen den Gegensatz, aber er ist da und zwar mit dem Leben selbst gegeben +und unabänderlich+. Trotzdem gibt es +wirtschaftlich keine „Arbeiterklasse“+; das ist eine Erfindung von Theoretikern, welche die Lage der Fabrikarbeiter in England, einem fast bauernlosen Industrielande, gerade in einer Übergangszeit vor Augen hatten und das Schema auf alle Kulturen zu allen Zeiten ausdehnten, bis es von Politikern zum Mittel von Parteigründungen erhoben wurde. In Wirklichkeit gibt es eine unabsehbare Zahl von Tätigkeiten rein dienender Art in Werkstatt und Kontor, Schreibstube und Schiffsraum, auf Landstraßen, in Schächten und in Wiese und Feld. Diesem Rechnen, Tragen, Laufen, Hämmern, Nähen, Aufpassen fehlt oft genug, was dem Leben über seine bloße Erhaltung hinaus Würde und Reiz gibt, wie es mit den standesgemäßen Aufgaben des Offiziers und Gelehrten oder den persönlichen Erfolgen des Ingenieurs, Verwalters und Kaufmanns der Fall ist, aber unter sich ist das alles ganz und gar nicht vergleichbar. Geist und Schwere der Arbeit, ihr Ort in Dorf oder Großstadt, Umfang und Gespanntheit des Betriebes lassen den Bauernknecht, Bankbeamten, Heizer und Schneidergesellen in ganz verschiedenen Welten der Wirtschaft leben und erst, ich wiederhole es, die Parteipolitik sehr später Zustände hat sie durch Schlagworte in eine Verbindung des Protestes gesetzt, um sich ihrer Masse zu bedienen. Dagegen ist der antike Sklave ein staatsrechtlicher Begriff, nämlich für den politischen Körper der antiken Polis +nicht vorhanden+,[614] während er wirtschaftlich Bauer, Handwerker, selbst Direktor und Großkaufmann mit gewaltigem Vermögen (_peculium_), mit Palästen und Villen und einer Schar von Untergebenen, auch „freien“, sein kann. Was er abgesehen davon in spätrömischer Zeit +noch+ ist, wird sich weiter unten zeigen.

3

Mit dem Anbruch jeder Frühzeit beginnt ein Wirtschaftsleben in fester Form.[615] Die Bevölkerung lebt durchaus bäuerlich im freien Lande. Das Erlebnis der Stadt ist für sie nicht vorhanden. Was sich vom Dorfe, von Burg, Pfalz, Kloster, Tempelbezirk abhebt, ist nicht eine Stadt, sondern ein +Markt+, ein bloßer Treffpunkt bäuerlicher Interessen, der gleichzeitig und selbstverständlich eine gewisse religiöse und politische Bedeutung besitzt, ohne daß von einem Sonderleben die Rede sein kann. Die Einwohner, auch wenn sie Handwerker oder Kaufleute sind, +empfinden+ doch als Bauern und werden irgendwie auch als solche tätig sein.

Was sich von einem Leben absondert, in dem jeder erzeugt und verbraucht, sind +Güter+, und Güterumlauf ist das Wort für jeden frühzeitlichen Verkehr, mag das Einzelne aus weiter Ferne herankommen oder nur innerhalb des Dorfes oder selbst des Hofes wandern. Ein Gut ist, was mit leisen Fäden seines Wesens, seiner +Seele+ an dem Leben haftet, das es hervorgebracht hat oder braucht. Ein Bauer treibt „seine“ Kuh zu Markte, eine Frau bewahrt „ihren“ Schmuck in der Truhe. Man ist „begütert“, und das Wort Be-sitz führt bis in den pflanzenhaften Ursprung des Eigentums zurück, mit dem gerade dieses eine und kein anderes Dasein wurzelhaft verwachsen ist.[616] Tausch ist in dieser Zeit ein Vorgang, durch den Güter aus einem Lebenskreise in einen andern übergehen. Sie werden +vom Leben+ gewertet, nach einem gleitenden, +gefühlten+ Maße des Augenblicks. Es gibt weder einen Wertbegriff noch ein allgemein messendes Gut. Auch Gold und Münzen sind nichts als Güter, deren seltene und unzerstörbare Art sie wertvoll macht.[617]

In den Takt und Gang dieses Güterumlaufs greift der Händler nur als +Mittler+ ein.[618] Auf dem Markt stoßen die erobernde und die erzeugende Wirtschaft zusammen, aber selbst dort, wo Flotten landen und Karawanen eintreffen, entwickelt sich der Handel nur als +Organ+ des ländlichen Verkehrs.[619] Es ist die „ewige“ Form der Wirtschaft, die sich heute noch mit der ganz urzeitlichen Figur des Hausierers in stadtarmen Landschaften hält, selbst in abgelegenen Vorstadtgassen, wo sich kleine Umlaufskreise bilden, und im Privathaushalt von Gelehrten, Beamten und überhaupt von Menschen, die dem großstädtischen Wirtschaftsleben nicht tätig eingegliedert sind.

Eine ganz andere Art von Leben erwacht mit der Seele der Stadt.[620] Sobald der Markt zur Stadt geworden ist, gibt es nicht mehr bloße Schwerpunkte des Güterstroms, der durch eine rein bäuerliche Landschaft geht, sondern eine zweite Welt innerhalb der Mauern, für die das schlechthin erzeugende Leben „da draußen“ nichts ist als Mittel und Objekt, und aus der heraus ein anderer Strom zu kreisen beginnt. Das ist das Entscheidende: der echte Städter ist +nicht+ erzeugend im ursprünglich erdhaften Sinne. Ihm fehlt die innere Verbundenheit mit dem Boden wie mit dem Gut, das durch seine Hände geht. Er lebt nicht mit ihm, sondern er betrachtet es von außen und nur in bezug auf seinen Lebensunterhalt.

Damit wird das Gut zur Ware, der Tausch zum Umsatz, und an Stelle +des Denkens in Gütern tritt das Denken in Geld+.

Damit wird ein rein ausgedehntes Etwas, eine Form der Grenzsetzung, von den sichtbaren Wirtschaftsdingen abgezogen, ganz wie das mathematische Denken von der mechanisch aufgefaßten Umwelt etwas abzieht, und das Abstraktum Geld entspricht durchaus dem Abstraktum Zahl.[621] Beides ist vollkommen anorganisch. Das Wirtschaftsbild wird ausschließlich auf Quantitäten zurückgeführt, unter Absehen von der Qualität, die gerade das wesentliche Merkmal des Gutes bildet. Für den frühzeitlichen Bauern ist „seine“ Kuh zuerst gerade dieses eine Wesen und dann erst Tauschgut; für den Wirtschaftsblick eines echten Städters gibt es nur einen abstrakten Geldwert in der zufälligen Gestalt einer Kuh, der jederzeit in die Gestalt etwa einer Banknote umgesetzt werden kann. Ebenso erblickt der echte Techniker in einem berühmten Wasserfall nicht ein einzigartiges Naturschauspiel, sondern ein reines Quantum unverwerteter Energie.

Es ist ein Fehler aller modernen Geldtheorien, daß sie von den Wertzeichen oder sogar vom Stoff der Zahlungsmittel statt von der Form des wirtschaftlichen Denkens ausgehen.[622] Aber Geld ist wie Zahl und Recht +eine Kategorie des Denkens+. Es gibt ein Gelddenken so wie es ein juristisches, mathematisches, technisches Denken der Umwelt gibt. Von dem Sinnenerlebnis eines Hauses wird ganz verschiedenes abgezogen, je nachdem man es als Händler, Richter oder Ingenieur im Geiste prüft und in bezug auf eine Bilanz, einen Rechtsstreit oder eine Einsturzgefahr hin wertet. Am nächsten aber steht dem Denken in Geld die Mathematik. Geschäftlich denken heißt rechnen. Der Geldwert ist ein Zahlenwert, der an einer Rechnungseinheit gemessen wird.[623] Diesen exakten „Wert an sich“ hat, wie die Zahl an sich, erst das Denken des Städters, des wurzellosen Menschen hervorgebracht. Für den Bauern gibt es nur flüchtige, gefühlte Werte in bezug auf ihn, die er im Tausch von Fall zu Fall geltend macht. Was er nicht braucht oder besitzen will, hat für ihn „keinen Wert“. Erst im Wirtschaftsbilde des echten Städters gibt es objektive Werte und Wertarten, die als Elemente des Denkens unabhängig von seinem privaten Bedarf bestehen und der Idee nach allgemeingültig sind, obwohl in Wirklichkeit jeder einzelne sein eignes Wertsystem und seine eigne Fülle der verschiedensten Wertarten besitzt und von ihnen aus die geltenden Wertansätze (Preise) des Marktes als teuer oder billig empfindet.[624]

Während der frühe Mensch Güter +vergleicht+, und nicht nur mit dem Verstande, +berechnet+ der späte den Wert der Ware, und zwar nach einem starren qualitätslosen Maß. Jetzt wird nicht mehr das Gold an der Kuh, sondern die Kuh am Gelde gemessen und das Ergebnis durch eine abstrakte Zahl, den Preis, ausgedrückt. Ob und in welcher Weise dieses Wertmaß in einem Wert+zeichen+ sinnbildlichen Ausdruck findet -- so wie das geschriebene, gesprochene, vorgestellte Zahlzeichen Sinnbild einer Zahlenart ist -- das hängt vom Wirtschaftsstil der einzelnen Kulturen ab, die jedesmal eine andre Art von Geld hervorbringen. Diese Geldart ist vorhanden nur infolge des Vorhandenseins einer städtischen Bevölkerung, die in ihr wirtschaftlich denkt, und sie bestimmt weiterhin, ob das Wertzeichen zugleich als Zahlungsmittel dient wie die antike Münze aus Edelmetall und +vielleicht+ die babylonischen Silbergewichte. Dagegen ist der ägyptische _deben_, das nach Pfunden abgewogene Rohkupfer, ein Tauschmaß, aber weder Zeichen noch Zahlungsmittel, die abendländische und die „gleichzeitige“ chinesische Banknote[625] ein Mittel, aber kein Maß und über die Rolle, welche Münzen aus Edelmetall in +unserer+ Art von Wirtschaft spielen, pflegen wir uns vollkommen zu täuschen: sie sind eine in Nachahmung der antiken Sitte hergestellte +Ware+ und besitzen deshalb, am Buchwert des Kreditgeldes gemessen, einen +Kurs+.

Aus dieser Art von Denken heraus wird der mit dem Leben und dem Boden verbundene +Besitz+ zum +Vermögen+, das dem Wesen nach beweglich und qualitativ unbestimmt ist: es +besteht+ nicht in Gütern, sondern es wird in solchen „+angelegt+“. An sich betrachtet ist es ein rein zahlenmäßiges Quantum von Geldwert.[626]

Als Sitz dieses Denkens wird die Stadt zum Geldmarkt (Geldplatz) und Wertmittelpunkt, und ein Strom von Geldwerten beginnt den Güterstrom zu durchdringen, zu durchgeistigen und zu beherrschen. +Aber damit erhebt sich der Händler vom Organ zum Herrn des Wirtschaftslebens.+ Denken in Geld ist immer irgendwie kaufmännisches, „+geschäftliches+“ Denken. Es setzt die erzeugende Wirtschaft des Landes voraus und ist deshalb zunächst immer erobernd, denn es gibt nichts Drittes. Die Worte Erwerb, Gewinn, Spekulation deuten auf einen Vorteil, welcher den zum Verbraucher wandernden Dingen unterwegs abgelistet wird, auf +intellektuelle Beute+, und sind deshalb auf das frühe Bauerntum nicht anwendbar. Man muß sich ganz in den Geist und Wirtschaftsblick des echten Städters versetzen. Er arbeitet nicht für den Bedarf, sondern für den Verkauf, „für Geld“. Die geschäftliche Auffassung durchdringt allmählich jede Art von Tätigkeit. Mit dem Güterverkehr innerlich verbunden war der ländliche Mensch Geber und Nehmer zugleich; auch der Händler auf dem frühen Markte macht kaum eine Ausnahme. Mit dem Geldverkehr erscheint zwischen Erzeuger und Verbraucher wie zwischen zwei getrennten Welten „+der Dritte+“, dessen Denken das Geschäftsleben alsbald beherrscht. Er zwingt den ersten zum Angebot, den zweiten zur Nachfrage an ihn; er erhebt die Vermittlung zum Monopol und dann zur Hauptsache im Wirtschaftsleben, und zwingt die beiden andern, in seinem Interesse in Form zu sein, die Ware nach +seiner+ Berechnung herzustellen und unter dem Druck +seiner+ Angebote abzunehmen.

Wer dieses Denken beherrscht, ist Meister des Geldes.[627] Die Entwicklung geht in allen Kulturen diesen Weg. Lysias stellt in seiner Rede gegen die Getreidehändler fest, daß die Spekulanten im Piräus manchmal das Gerücht verbreiteten, eine Getreideflotte sei gescheitert oder ein Krieg ausgebrochen, um eine Panik hervorzurufen. In hellenistisch-römischer Zeit war es eine verbreitete Sitte, auf Verabredung den Anbau zu beschränken oder die Einfuhr stocken zu lassen, um die Preise hinaufzutreiben. In Ägypten machte das dem abendländischen Bankverkehr vollkommen ebenbürtige Girowesen des Neuen Reiches[628] Getreidecorner amerikanischen Stils möglich. Kleomenes, der Finanzverwalter Alexanders des Großen für Ägypten, konnte durch Buchkäufe den gesamten Getreidevorrat in seine Hand bringen, was eine Hungersnot weithin in Griechenland hervorrief und ungeheuren Gewinn abwarf. Wer wirtschaftlich anders denkt, sinkt damit zum bloßen Objekt großstädtischer Geldwirkungen herab. Dieser Stil ergreift bald das Wachsein der gesamten Stadtbevölkerung und damit aller, welche für die Lenkung der Wirtschaftsgeschichte ernsthaft in Betracht kommen. Bauer und Bürger bedeutet nicht nur den Unterschied von Land und Stadt, sondern auch den von Gut und Geld. Die prunkvolle Kultur der homerischen und provençalischen Fürstenhöfe ist etwas, das mit dem Menschen gewachsen und verwachsen ist wie heute noch vielfach das Leben auf den Landsitzen alter Familien; die feinere Kultur des Bürgertums, der „Komfort“, ist etwas von außen Kommendes, das +bezahlt+ werden kann.[629] Alle hochentwickelte Wirtschaft ist Stadtwirtschaft. Die Weltwirtschaft, diejenige aller Zivilisationen, sollte man Weltstadtwirtschaft nennen. Die Schicksale auch der Wirtschaft entscheiden sich nur noch an wenigen Punkten, den Geldplätzen[630], in Babylon, Theben, Rom, in Byzanz und Bagdad, in London, New York, Berlin und Paris. Der Rest ist Provinzwirtschaft, die ihre Kreise dürftig im Kleinen zieht, ohne sich des vollen Umfangs ihrer Abhängigkeit bewußt zu sein. Geld ist zuletzt die Form von geistiger Energie, in welcher der Herrscherwille, die politische, soziale, technische, gedankliche Gestaltungskraft, die Sehnsucht nach einem Leben von großem Zuschnitt zusammengefaßt sind. Shaw hat vollkommen recht: „Die allgemeine Achtung vor dem Gelde ist die einzige hoffnungsvolle Tatsache in unserer Zivilisation ... Geld und Leben sind unzertrennlich ... Geld ist das Leben.“[631] Zivilisation bezeichnet also die Stufe einer Kultur, auf welcher Tradition und Persönlichkeit ihre unmittelbare Geltung verloren haben und jede Idee zunächst in Geld umgedacht werden muß, um verwirklicht zu werden. Am Anfang war man begütert, weil man mächtig war. Jetzt ist man mächtig, weil man Geld hat. Erst das Geld erhebt den Geist auf den Thron. Demokratie ist die vollendete Gleichsetzung von Geld und politischer Macht.

Es geht ein Verzweiflungskampf durch die Wirtschaftsgeschichte jeder Kultur, den die im Boden wurzelnde Tradition einer Rasse, ihre +Seele+, gegen den Geist des Geldes führt. Die Bauernkriege zu Beginn einer Spätzeit -- in der Antike 700-500, bei uns 1450-1650, in Ägypten am Ausgang des Alten Reiches -- sind die erste Auflehnung des Blutes gegen das Geld, das von den mächtig werdenden Städten her seine Hand nach dem Boden ausstreckt.[632] Die Warnung des Freiherrn vom Stein: „Wer den Boden mobilisiert, löst ihn in Staub auf,“ deutet auf eine Gefahr +jeder+ Kultur; kann das Geld den Besitz nicht angreifen, so dringt es in das bäuerliche und adlige Denken selbst ein; der ererbte, mit dem Geschlecht verwachsene Besitz erscheint dann als Vermögen, das in Grund und Boden nur angelegt und an und für sich beweglich ist.[633] Das Geld erstrebt die Mobilisierung +aller+ Dinge. Weltwirtschaft ist die zur Tatsache gewordene Wirtschaft in abstrakten, vom Boden völlig fortgedachten, verflüssigten Werten.[634] Das antike Gelddenken hat seit den Tagen Hannibals ganze Städte in Münze, ganze Völkerschaften in Sklaven verwandelt und damit in Geld, das sich von allen Seiten nach Rom bewegt, um dort als Macht zu wirken. Das faustische Gelddenken „erschließt“ ganze Kontinente, die Wasserkräfte riesenhafter Stromgebiete, die Muskelkraft der Bevölkerung weiter Landschaften, Kohlenlager, Urwälder, Naturgesetze und wandelt sie in finanzielle Energie um, die irgendwo in Gestalt der Presse, der Wahlen, der Budgets und Heere angesetzt wird, um Herrscherpläne zu verwirklichen. Immer neue Werte werden aus dem geschäftlich noch indifferenten Weltbestand abgezogen, „des Goldes schlummernde Geister“, wie John Gabriel Borkman sagt; was die Dinge abgesehen davon noch sind, kommt wirtschaftlich nicht in Betracht.

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Jede Kultur besitzt, wie ihre eigne Art in Geld zu denken, so auch ihr eignes Symbol des Geldes, durch das sie ihr Prinzip der Wertung im Wirtschaftsbilde sichtbar zum Ausdruck bringt. Dies Etwas, eine Versinnlichung des Gedachten, steht den für Ohr und Auge gesprochnen, geschriebenen, gezeichneten Ziffern, Figuren und andern Symbolen der Mathematik an Bedeutung völlig gleich, ein tiefes und reiches Gebiet, das noch fast unerforscht daliegt. Nicht einmal die Grundfragen sind richtig gestellt worden. Es ist deshalb heute noch ganz unmöglich, die Geldidee zu umschreiben, welche dem ägyptischen Naturalien- und Geldgiroverkehr, dem babylonischen Bankwesen, der chinesischen Buchführung und dem Kapitalismus der Juden, Parsen, Griechen, Araber seit Harun al Raschid zugrunde liegt. Möglich ist nur eine Gegenüberstellung des apollinischen und faustischen Geldes: des +Geldes als Größe+ und des +Geldes als Funktion+.[635]

Dem antiken Menschen erscheint auch wirtschaftlich die Umwelt als Summe von Körpern, die ihren Ort wechseln, wandern, sich drängen, stoßen, vernichten, so wie es Demokrit von der Natur beschreibt. Der Mensch ist Körper unter Körpern. Die Polis ist als Summe davon ein Körper höherer Ordnung. Der gesamte Lebensbedarf besteht aus körperlichen Größen. Also stellt auch ein Körper das Geld dar, so wie eine Apollostatue die Gottheit darstellt. Um 650 ist, gleichzeitig mit dem Steinkörper des dorischen Tempels und der allseitig frei durchgebildeten Statue auch die +Münze+ entstanden, ein Metallgewicht von schön geprägter Form. Der +Wert als Größe+ war längst vorhanden und ist so alt wie diese Kultur überhaupt. Bei Homer wird unter Talent eine kleine Menge goldener Geräte und Schmucksachen von bestimmtem Gesamtgewicht verstanden. Auf dem Schilde des Achill sind „zwei Talente“ abgebildet, und noch zur Römerzeit war die Gewichtsangabe auf Silber- und Goldgefäßen allgemein üblich.[636]

Die Erfindung des klassisch geformten Geldkörpers aber ist so außerordentlich, daß wir seine tiefe, rein antike Bedeutung noch gar nicht begriffen haben. Wir halten ihn für eine jener berühmten „Errungenschaften der Menschheit“. Allenthalben werden seitdem Münzen geprägt, so wie überall Statuen auf Straßen und Plätzen herumstehen. Soweit reicht unsere Macht. Wir können die Gestalt nachahmen, aber ihr die gleiche wirtschaftliche Bedeutung geben können wir nicht. Die Münze +als Geld+ ist eine rein antike Erscheinung und nur in einer ganz euklidisch gedachten Umgebung möglich; hier hat sie aber auch das gesamte Wirtschaftsleben gestaltend beherrscht. Begriffe wie Einkommen, Vermögen, Schuld, Kapital bedeuten in antiken Städten etwas ganz anderes als bei uns, weil nicht wirtschaftliche Energie damit gemeint ist, die von einem Punkte ausstrahlt, sondern eine Summe von Wertgegenständen, die sich in einer Hand befinden. Vermögen ist immer ein beweglicher +Barvorrat+, der durch Addition und Subtraktion von Wertsachen verändert wird und mit Grundbesitz gar nichts zu tun hat. Beide sind im antiken Denken völlig getrennt. Kredit besteht im Leihen von Bargeld in der Erwartung, daß es als solches wieder zurückgegeben werden kann. Katilina war arm, weil er trotz seiner großen Güter[637] niemand fand, der ihm zu politischen Zwecken Bargeld anvertraute, und die ungeheuren Schulden römischer Politiker[638] haben nicht einen entsprechenden Grundbesitz zur Unterlage, sondern die bestimmte Aussicht auf eine Provinz, deren bewegliche Sachwerte ausgebeutet werden konnten.[639] Erst das Denken in +körperlichem+ Geld macht eine Reihe von Erscheinungen begreiflich: die Massenhinrichtung von Reichen unter der zweiten Tyrannis und die römischen Proskriptionen, um einen größeren Teil der umlaufenden Bargeldmasse in die Hand zu bekommen, das Einschmelzen der delphischen Tempelschätze durch die Phokier im heiligen Kriege, der Kunstschätze von Korinth durch Mummius, der letzten römischen Weihgeschenke durch Cäsar, der griechischen durch Sulla, der kleinasiatischen durch Brutus und Cassius, ohne Rücksicht auf den Kunstwert, weil man die edlen Stoffe, Metalle und Elfenbein, brauchte.[640] Was bei den Triumphen an Statuen und Gefäßen aufgeführt wurde, war in den Augen der Zuschauer bares Geld, und Mommsen konnte den Versuch machen,[641] den Ort der Varusschlacht nach Münzfunden zu bestimmen, weil der römische Veteran sein ganzes Vermögen in Edelmetall auf dem Körper trug. Antiker Reichtum ist kein Guthaben, sondern ein Geldhaufen; ein antiker Geldplatz ist nicht ein Mittelpunkt des Kredits wie die heutigen Börsenplätze und das ägyptische Theben, sondern eine Stadt, in welcher sich ein erheblicher Teil des Bargeldbestandes der Welt gesammelt hat. Man darf annehmen, daß zur Zeit Cäsars weit über die Hälfte des antiken Goldes sich jederzeit in Rom befand.

Aber als diese Welt in das Zeitalter der unbedingten Geldherrschaft getreten war, etwa seit Hannibal, reichte die natürlich begrenzte Masse von Edelmetall und stofflich wertvollen Kunstwerken innerhalb ihres Machtgebiets bei weitem nicht mehr aus, um den Bedarf an Barmitteln zu decken, und es entstand ein wahrer Heißhunger nach neuen geldfähigen Körpern. Da fiel der Blick auf den Sklaven, der eine andere Art von Körper, aber nicht Person, sondern Sache war[642] und deshalb als Geld gedacht werden konnte. Erst von da an wird der antike Sklave etwas Einzigartiges in der gesamten Wirtschaftsgeschichte. Die Eigenschaften der Münze haben sich auf lebendige Objekte ausgedehnt, und damit tritt neben den Metallbestand der durch die Plünderungen von Statthaltern und Steuerpächtern wirtschaftlich „erschlossenen“ Gebiete deren Menschenbestand. Es entwickelt sich eine bizarre Art von Doppelwährung. Der Sklave hat einen Kurs, was vom Grund und Boden nicht gilt. Er dient zur Anhäufung großer Barvermögen, und erst infolge davon erscheinen jene ungeheuren Sklavenmassen der Römerzeit, die aus einem andern Bedarf gar nicht zu erklären sind. Solange man nur soviel Sklaven hielt, als man gewerblich brauchte, war ihre Zahl gering und aus Kriegsbeute und Schuldknechtschaft leicht zu decken.[643] Erst im sechsten Jahrhundert hat Chios mit der Einfuhr gekaufter Sklaven (Argyroneten) den Anfang gemacht. Ihr Unterschied gegen die viel zahlreicheren Lohnarbeiter war zunächst politisch-rechtlicher und nicht wirtschaftlicher Natur. Da die antike Wirtschaft statisch und nicht dynamisch ist und die planmäßige Erschließung von Energiequellen nicht kennt, so waren die Sklaven der Römerzeit nicht da, um ausgebeutet zu werden, sondern sie wurden beschäftigt, so gut es ging, um in möglichst großer Zahl gehalten werden zu können. Man bevorzugte Prunksklaven, die sich auf irgend etwas verstanden, weil sie bei gleichem Unterhalt einen höheren Wert darstellten; man vermietete sie, wie man bares Geld auslieh; man ließ sie Geschäfte auf eigene Rechnung treiben, so daß sie reich werden konnten;[644] man unterbot mit ihnen die freie Arbeit, alles nur, um wenigstens die Erhaltungskosten dieses Kapitals zu decken.[645] Die Mehrzahl konnte gar nicht voll beschäftigt werden. Sie erfüllten ihren Zweck, indem sie einfach da waren, als ein Geldvorrat, den man zur Hand hatte und dessen Umfang nicht an die natürlichen Grenzen der damals vorhandenen Goldmenge gebunden war. Und damit stieg allerdings der Sklavenbedarf ins Ungemessene und führte über Kriege, die nur der Sklavenbeute wegen unternommen wurden, hinaus zu Sklavenjagden von Privatunternehmern längs aller Küsten des Mittelmeeres, die von Rom geduldet wurden, und zu einer neuen Art, Vermögen zu machen, indem man als Statthalter die Bevölkerung ganzer Landstriche aussog und dann in die Schuldknechtschaft verkaufte. Auf dem Markt von Delos sollen an einem Tage zehntausend Sklaven verkauft worden sein. Als Cäsar nach Britannien ging, wurde die Enttäuschung in Rom über die Goldarmut des Volkes durch die Aussicht auf reiche Sklavenbeute aufgewogen. Für antikes Denken war es ein und dieselbe Operation, wenn etwa bei der Zerstörung von Korinth die Statuen ausgemünzt und die Einwohner auf den Sklavenmarkt gebracht wurden: in beiden Fällen hatte man körperliche Gegenstände in Geld verwandelt.

Den äußersten Gegensatz dazu bildet das Symbol des faustischen Geldes, des Geldes als Funktion, als Kraft, dessen Wert in seiner Wirkung, nicht in seinem bloßen Dasein liegt. Der neue Stil dieses Wirtschaftsdenkens erscheint schon in der Art, wie die Normannen um 1000 ihre Beute an Land und Leuten +zu einer wirtschaftlichen Macht organisierten+.[646] Man vergleiche den reinen Buchwert im Rechnungswesen ihrer Herzöge, aus dem die Worte Scheck, Konto und Kontrolle stammen,[647] mit den gleichzeitigen „Talenten Goldes“ der Ilias, und man erhält gleich am Anfang den Begriff des modernen Kredits, der aus dem Vertrauen auf die Kraft und Dauer einer Wirtschaftsführung hervorgeht und mit der Idee unseres Geldes beinahe identisch ist. Diese durch Roger II. auf das sizilische Normannenreich übertragene Finanzmethode hat der Hohenstaufe Friedrich II. um 1230 zu einem gewaltigen System ausgebaut, das in seiner Dynamik weit über das Vorbild hinausging und ihn „zur ersten Kapitalkraft der Welt“[648] machte. Und während diese Verschwisterung von mathematischer Denkkraft und königlichem Machtwillen von der Normandie nach Frankreich eindrang und 1066 auf das erbeutete England in großartigem Maßstabe angewandt wurde -- der englische Boden ist heute noch dem Namen nach königliche Domäne --, wurde sie in Sizilien von den italienischen Städterepubliken nachgeahmt, deren regierende Patrizier sie bald vom Gemeindehaushalt auf ihre eignen Handelsbücher und damit auf das kaufmännische Denken und Rechnen der ganzen abendländischen Welt übertrugen. Wenig später wurde die sizilische Praxis auch vom Deutschritterorden und der aragonischen Dynastie übernommen, worauf sich vielleicht das mustergültige Rechnungswesen Spaniens unter Philipp II. und Preußens unter Friedrich Wilhelm I. zurückführen läßt.

Entscheidend aber wurde, „gleichzeitig“ mit der Erfindung der antiken Münze um 650, die der doppelten Buchführung durch Fra Luca Pacioli (1494). „Es ist eine der schönsten Erfindungen des menschlichen Geistes“, heißt es in Goethes Wilhelm Meister. In der Tat darf sich ihr Urheber seinen Zeitgenossen Kolumbus und Kopernikus ohne Scheu zur Seite stellen. Den Normannen verdanken wir die Kontenrechnung, den Lombarden diese Buchführung. Es sind die germanischen Stämme, welche die +beiden+ verheißungsvollsten Rechtswerke der frühen Gotik geschaffen haben[649] und von deren Sehnsucht nach fernen Meeren die +beiden+ Entdeckungen Amerikas ihren Anstoß erhielten. „Die doppelte Buchhaltung ist aus demselben Geiste geboren wie die Systeme Galileis und Newtons .... Mit denselben Mitteln wie diese ordnet sie die Erscheinungen zu einem kunstvollen System, und man kann sie als den ersten auf dem Grundsatz des mechanischen Denkens aufgebauten Kosmos bezeichnen. Die doppelte Buchhaltung erschließt uns den Kosmos der wirtschaftlichen Welt nach derselben Methode, wie später die großen Naturforscher den Kosmos der Sternenwelt .... Die doppelte Buchhaltung ruht auf dem folgerichtig durchgeführten Grundgedanken, alle Erscheinungen nur als Quantitäten zu erfassen.“[650]

+Die doppelte Buchführung ist eine reine Analysis des Wertraums, bezogen auf ein Koordinatensystem, dessen Anfangspunkt „die Firma“ ist.+ Die antike Münze hatte nur ein arithmetisches Rechnen mit Wert+größen+ gestattet. Wiederum stehen sich Pythagoras und Descartes gegenüber. Man darf von der Integration eines Unternehmens sprechen, und die graphische Kurve ist in der Wirtschaft wie der Wissenschaft das gleiche optische Hilfsmittel. Die antike Wirtschaftswelt gliedert sich wie der Kosmos Demokrits nach +Stoff und Form+. Ein Stoff in der Form der Münze ist Träger der wirtschaftlichen Bewegung und drängt die Bedarfsgrößen von gleichem Wertquantum an den Ort ihrer Verwendung. +Unsere+ Wirtschaftswelt gliedert sich nach +Kraft und Masse+. Ein Kraftfeld von Geldspannungen liegt im Raume und erteilt jedem Objekt, unter Absehen von dessen besonderer Art, einen positiven oder negativen Wirkungswert,[651] der durch einen Bucheintrag dargestellt wird. „_Quod non est in libris, non est in mundo._“ Aber das Sinnbild des hier gedachten funktionalen Geldes, das was +allein+ mit der antiken Münze verglichen werden darf, ist nicht der Buchvermerk und auch nicht der Wechsel, Scheck oder die Banknote, +sondern der Akt, durch welchen die Funktion schriftlich vollzogen wird+ und als dessen bloßes +geschichtliches Zeugnis+ das Wertpapier im weitesten Sinne zu gelten hat.

Aber daneben hat das Abendland in starrer Bewunderung der Antike Münzen geprägt, nicht nur als Hoheitszeichen, sondern in dem Glauben, daß das bewiesenes Geld sei, dem Wirtschaftsdenken wirklich entsprechendes Geld. Ganz ebenso ist schon in gotischer Zeit das römische Recht übernommen worden mit seiner Gleichsetzung von Sache und körperlicher Größe, und die euklidische Mathematik, die auf dem Begriff der Zahl als Größe aufgebaut war. So kam es, daß die Entwicklung dieser drei geistigen Formenwelten sich nicht wie die der faustischen Musik in rein aufblühender Entfaltung vollzog, sondern in Gestalt +einer fortschreitenden Emanzipation vom Größenbegriff+. Die Mathematik ist bereits mit dem Ausgang des Barock zum Ziele gelangt.[652] Die Rechtswissenschaft hat ihre eigentliche Aufgabe bis jetzt noch nicht einmal erkannt,[653] aber sie ist diesem Jahrhundert gestellt und zwar fordert sie, was für den römischen Juristen selbstverständlich war, die innere Kongruenz von Wirtschaftsdenken und Rechtsdenken und die gleiche Vertrautheit mit beiden. Der durch die Münze symbolisierte Geldbegriff deckt sich vollkommen mit dem Geist des antiken Sachenrechts; für uns ist das nicht im entferntesten der Fall. Unser gesamtes Leben ist dynamisch angelegt, nicht statisch und stoisch; deshalb sind Kräfte, Leistungen, Beziehungen, Fähigkeiten -- Organisationstalent, Erfindergeist, Kredit, Ideen, Methoden, Energiequellen -- das wesentliche, und nicht das bloße Dasein körperlicher Sachen. Das „römische“ Sachdenken unsrer Juristen ist deshalb ebenso lebensfremd wie eine Geldtheorie, die bewußt oder unbewußt vom Geldstück ausgeht. Der gewaltige Münzbestand, der in Nachahmung der Antike bis zum Ausbruch des Weltkriegs stets vermehrt worden ist, hat sich zwar eine Rolle abseits vom Wege geschaffen, aber mit der inneren Form der modernen Wirtschaft, ihren Aufgaben und Zielen hat er +nichts+ zu tun, und sollte er infolge des Krieges endgültig aus dem Verkehr verschwinden, so würde damit nichts verändert sein.[654]

Unglücklicherweise entstand die moderne Nationalökonomie im Zeitalter des Klassizismus, wo nicht nur Statuen, Vasen und steife Dramen als die allein wahre Kunst galten, sondern auch schön geprägte Münzen als das allein wahre Geld. Was Wedgwood seit 1768 mit seinen zartgetönten Reliefs und Tassen, das erstrebte im Grunde Adam Smith eben damals mit seiner Werttheorie: die reine Gegenwart greifbarer Größen. Denn es entspricht durchaus der Verwechslung von Geld und Geldstück, wenn der Wert einer Sache an der Größe einer Arbeitsmenge gemessen wird. Da ist „Arbeit“ nicht mehr ein +Wirken+ innerhalb einer Welt von Wirkungen, +das Arbeiten+, das dem inneren Range, der Intensität und der Tragweite nach unendlich verschieden ist, in immer weiteren Kreisen fortwirkt und wie ein elektrisches Kraftfeld gemessen, aber nicht abgegrenzt werden kann, sondern das ganz stofflich vorgestellte +Resultat davon+, +das Gearbeitete+, ein greifbares Etwas, an dem nichts bemerkenswert erscheint als eben der Umfang.

Aber die Wirtschaft der europäisch-amerikanischen Zivilisation ist ganz im Gegenteil auf einer Arbeit aufgebaut, die einzig durch ihren inneren Rang gekennzeichnet ist, mehr als jemals in China und Ägypten, um von der Antike zu schweigen. Wir leben nicht umsonst in einer Welt wirtschaftlicher Dynamik: die Arbeit der Einzelnen wird nicht euklidisch addiert, sondern steht in funktionaler Beziehung zueinander. Die lediglich +ausführende+ Arbeit, von der Marx allein Kenntnis nimmt, ist nichts als die Funktion einer erfindenden, anordnenden, organisierenden Arbeit, die der andern erst Sinn, relativen Wert und die Möglichkeit gibt, überhaupt getan zu werden. Die ganze Weltwirtschaft seit Erfindung der Dampfmaschine ist die Schöpfung einer ganz kleinen Zahl überlegener Köpfe, ohne deren hochwertige Arbeit alles andere nicht da wäre, aber diese Leistung ist schöpferisches Denken und kein „Quantum“[655], und ihr Gegenwert besteht also auch nicht in einer Anzahl von Geldstücken, sondern sie +ist+ Geld, faustisches Geld nämlich, das nicht geprägt, sondern +als Wirkungszentrum gedacht+ wird aus einem Leben heraus, dessen innerer Rang den Gedanken zur Bedeutung einer Tatsache erhebt. +Denken in Geld erzeugt Geld+: das ist das Geheimnis der Weltwirtschaft. Wenn ein Organisator großen Stils eine Million auf ein Papier schreibt, so ist sie da, denn seine Persönlichkeit als Wirtschaftszentrum bürgt für eine entsprechende Erhöhung der Wirtschaftsenergie seines Gebietes. Das und nichts anderes bedeutet für uns das Wort Kredit. Aber alle Goldstücke der Welt würden nicht ausreichen, der Tätigkeit des Handarbeiters einen Sinn und damit Geldwert zu geben, wenn mit der berühmten „Expropriation der Expropriateure“ die überlegenen Fähigkeiten aus ihren Schöpfungen beseitigt und diese damit entseelt, willenlos, zu leeren Gehäusen würden. Darin ist Marx Klassizist wie Adam Smith und ein echtes Produkt des römischen Rechtsdenkens: er sieht nur die fertige Größe, nicht die Funktion. Er möchte die Produktionsmittel von denen trennen, deren Geist durch Erfindung von Methoden, Organisation von leistungsfähigen Betrieben, Eroberung von Absatzgebieten aus einem Haufen Stahl und Mauerwerk erst eine Fabrik macht, und die ausbleiben, wenn ihre Kraft keinen Spielraum findet.[656]

Wer eine Theorie der modernen Arbeit geben will, der denke an diesen Grundzug alles Lebens; es gibt Subjekte und Objekte jeder Art von Lebensführung, und der Unterschied ist um so ausgeprägter, je bedeutender, je formvoller das Leben ist. Jeder Strom von Dasein besteht aus einer Minderheit von Führern und einer gewaltigen Mehrheit von Geführten, +jede Art von Wirtschaft also aus Führerarbeit und ausführender Arbeit+. Aus der Froschperspektive von Marx und den sozialethischen Ideologen überhaupt wird nur die letzte, kleine, massenhafte sichtbar, aber sie ist nur vermöge der ersten da, und der Geist dieser Welt von Arbeit kann nur von den höchsten Möglichkeiten aus erfaßt werden. Der Erfinder der Dampfmaschine ist maßgebend, nicht der Heizer. Auf das +Denken+ kommt es an.

Und ebenso gibt es Subjekte und Objekte des Denkens in Geld: solche, die es kraft ihrer Persönlichkeit erzeugen und lenken und solche, die von ihm erhalten werden. Das Geld faustischen Stils ist die aus der Wirtschaftsdynamik faustischen Stils abgezogene +Kraft+, und es gehört zum Schicksal des Einzelnen -- zur Wirtschaftsseite seines Lebensschicksals --, ob er durch den inneren Rang seiner Persönlichkeit einen Teil dieser Kraft darstellt oder ihr gegenüber nichts als Masse ist.

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Das Wort Kapital bezeichnet den Mittelpunkt dieses Denkens, nicht den Inbegriff der Werte, sondern das, was sie als solche +in Bewegung hält+. Kapitalismus gibt es erst mit dem weltstädtischen Dasein einer Zivilisation, und er beschränkt sich auf den ganz kleinen Kreis derer, welche dies Dasein durch ihre Person und Intelligenz darstellen. Der Gegensatz dazu ist Provinzwirtschaft. Erst die unbedingte Herrschaft der Geldmünze über das antike Leben, auch dessen politische Seite, erzeugt das statische Kapital, die ἀφορμή, den „Ausgangspunkt“, der durch sein Vorhandensein immer neue Massen von Dingen mit einer Art von Magnetismus an sich zieht. Erst die Herrschaft der Buchwerte, deren abstraktes System durch die doppelte Buchführung von der Persönlichkeit gleichsam abgelöst ist und mit eigener innerer Dynamik fortarbeitet, hat das moderne Kapital hervorgebracht, dessen Kraftfeld die Erde umspannt.[657]

Unter der Einwirkung des antiken Kapitals nimmt das Wirtschaftsleben die Form eines Goldstroms an, der von den Provinzen nach Rom und zurück fließt und der immer neue Gebiete sucht, deren Bestände an verarbeitetem Gold noch nicht „erschlossen“ sind. Brutus und Cassius führten das Gold der kleinasiatischen Tempel in langen Maultierkolonnen auf das Schlachtfeld von Philippi -- man begreift, was für eine Wirtschaftsoperation die Plünderung eines Lagers nach der Schlacht sein konnte -- und schon C. Gracchus wies darauf hin, daß die mit Wein gefüllten Amphoren, die von Rom in die Provinzen gingen, mit Gold gefüllt zurückkehrten. Dieser Zug nach dem Goldbesitz fremder Völker entspricht durchaus dem heutigen Zug zur Kohle, die im tieferen Sinn keine „Sache“, sondern ein Schatz von Energie ist.

Es entspricht aber auch dem antiken Hang zur Nähe und Gegenwart, wenn zum Ideal der Polis das +Wirtschaftsideal der Autarkeia+ tritt. Der politischen Atomisierung der antiken Welt sollte die wirtschaftliche entsprechen. Jede dieser winzigen Lebenseinheiten wollte einen eignen und ganz in sich geschlossenen Wirtschaftsstrom haben, der unabhängig von allen andern und zwar +in Sehweite+ kreiste. Den äußersten Gegensatz dazu bildet der abendländische Begriff der +Firma+, ein ganz unpersönlich und unkörperlich gedachtes Kraftzentrum, dessen Wirkung nach allen Seiten ins Unendliche ausstrahlt und das der „Inhaber“ durch seine Fähigkeit, in Geld zu denken, nicht darstellt, sondern wie einen kleinen Kosmos +besitzt+ und +leitet+, das heißt in seiner Gewalt hat. Diese Zweiheit von Firma und Inhaber wäre dem antiken Denken gänzlich unvorstellbar gewesen.[658]

Deshalb bedeuten die abendländische und die antike Kultur ein Maximum und Minimum von +Organisation+, die dem antiken Menschen selbst als Begriff vollkommen gefehlt hat. Seine Finanzwirtschaft ist das zur Regel erhobene Provisorium: da werden reiche Bürger in Athen und Rom mit der Ausrüstung von Kriegsschiffen belastet; die politische Macht des römischen Ädils und seine Schulden beruhen darauf, daß er Spiele, Straßen und Gebäude nicht nur ausführt, sondern auch bezahlt, und sich später allerdings durch die Plünderung seiner Provinz wieder bezahlt machen durfte. An Einnahmequellen dachte man erst, wenn man sie brauchte, und man nahm sie ohne jedes Vorausdenken so in Anspruch, wie es der augenblickliche Bedarf forderte, auch wenn sie dadurch zerstört werden mußten. Plünderung der eignen Tempelschätze, Seeraub an Schiffen der eignen Stadt, Konfiskation von Vermögen der eignen Mitbürger waren alltägliche Finanzmethoden. Waren Überschüsse vorhanden, so wurden sie an die Bürger verteilt, ein Verfahren, dem z.B. Eubulos in Athen seinen Ruf verdankte.[659] Es gab weder einen Etat noch etwas wie Wirtschaftspolitik. Die „Bewirtschaftung“ der römischen Provinzen war ein öffentlicher und privater Raubbau, der von Senatoren und Geldleuten betrieben wurde ohne Rücksicht darauf, ob und wie die abgeführten Werte wieder ergänzt werden konnten. Der antike Mensch hat nie an eine planmäßige Steigerung des Wirtschaftslebens gedacht, nur an das augenblickliche Ergebnis, das erreichbare Quantum von barem Geld. Ohne das alte Ägypten wäre das kaiserliche Rom verloren gewesen: hier lag zum Glück eine Zivilisation, die seit einem Jahrtausend an +nichts+ gedacht hatte als an die Organisation ihrer Wirtschaft. Der Römer verstand weder diesen Lebensstil noch konnte er ihn nachahmen,[660] aber der Zufall, daß hier eine unerschöpfliche Quelle von Geld für den floß, welcher die politische Macht über diese Fellachenwelt besaß, hat die Erhebung der Proskriptionen zu einer +Sitte+ unnötig gemacht. Die letzte dieser Finanzoperationen in Gestalt einer Schlächterei war die vom Jahre 43,[661] kurze Zeit vor der Einverleibung Ägyptens. Die Goldmasse, welche Brutus und Cassius damals aus Asien heranführten und die ein Heer und damit die Weltherrschaft bedeutete, machte die Ächtung der 2000 reichsten Bewohner Italiens nötig, deren Köpfe um der ausgesetzten Belohnung willen in Säcken auf das Forum geschleppt wurden. Man war nicht mehr in der Lage, die eignen Verwandten, Kinder und Greise, Leute, die sich nie mit Politik befaßt hatten, zu schonen, wenn sie einen Schatz an barem Gelde besaßen. Das Ergebnis wäre zu gering geworden.

Aber mit dem Hinschwinden des antiken Weltgefühls in der frühen Kaiserzeit erlischt auch diese Art des Denkens in Geld. +Die Geldmünzen werden wieder zu Gütern+, weil der Mensch wieder bäuerlich lebt,[662] und so erklärt sich das ungeheure Abströmen des Goldes seit Hadrian in den fernen Osten, für das man bis jetzt keine Erklärung fand. Das Wirtschaftsleben in Gestalt eines Goldstroms war unter dem Heraufdringen einer jungen Kultur erloschen und deshalb hat auch der Sklave aufgehört, Geld zu sein. Dem Abfluß des Goldes geht jene massenhafte Freilassung der Sklaven zur Seite, die durch keins der zahlreichen kaiserlichen Gesetze seit Augustus aufzuhalten war, und unter Diokletian, dessen berühmter Maximaltarif sich überhaupt nicht mehr auf eine Geldwirtschaft bezieht, sondern +eine Tauschordnung für Güter+ darstellt, ist der Typus des antiken Sklaven nicht mehr vorhanden.

[587] _Political discourses_, 1752.

[588] Der berühmte „_Inquiry_“, 1776.

[589] Die gelehrte Auffassung war allgemein, daß die wirtschaftlichen Folgen der Mobilmachung den Abbruch des Krieges in einigen Wochen erzwingen würden.

[590] S. 95.

[591] S. 1 ff. 413.

[592] S. 404 ff.

[593] S. 105. 141 ff.

[594] S. 6.

[595] S. 422.

[596] „_Negotium_ (damit ist jede Art von Erwerbstätigkeit gemeint; das Geschäft heißt _commercium_) _negat otium neque quaerit veram quietem, quae est deus_“, heißt es im Decretum Gratiani (vgl. S. 91).

[597] Die Frage des Pilatus stellt auch das Verhältnis von Wirtschaft und Wissenschaft fest. Der religiöse Mensch wird vergebens, den Katechismus in der Hand, das Treiben seiner politischen Umwelt zu bessern suchen. Sie geht ruhig ihres Weges und überläßt ihn seinen Gedanken. Der Heilige hat nur die Wahl, sich anzupassen -- dann wird er Kirchenpolitiker und gewissenlos -- oder sich aus der Welt zu flüchten, in die Einsiedelei, selbst ins Jenseits. Aber dasselbe wiederholt sich, nicht ohne Komik, innerhalb der städtischen Geistigkeit. Hier möchte der Philosoph, der ein ethisch-soziales System errichtet hat, das voll von abstrakter Tugend ist und allein richtig, wie sich versteht, das Wirtschaftsleben darüber aufklären, wie es sich zu verhalten und wohin es zu streben habe. Es ist immer das gleiche Schauspiel, sei das System liberal, anarchistisch oder sozialistisch und stamme es von Platon, Proudhon oder Marx. Aber auch die Wirtschaft geht unbekümmert weiter und überläßt dem Denker die Wahl, sich zurückzuziehen und seinen Jammer über diese Welt auf dem Papier auszuströmen, oder in sie als Wirtschaftspolitiker einzutreten, wo er sich entweder lächerlich macht oder alsbald seine Theorie zum Teufel schickt, um sich einen führenden Platz zu erkämpfen.

[598] S. 1 ff.

[599] S. 7.

[600] Es ist mit den Wanderscharen von Jägern und Viehzüchtern ganz ebenso, aber die wirtschaftliche Grundlage der hohen Kulturen bildet immer eine Menschenart, die fest am Boden haftet und die höheren Wirtschaftsformen ernährt und trägt.

[601] S. 408.

[602] Undershaft in Shaws „Major Barbara“ ist eine echte Herrschergestalt in diesem Reiche.

[603] S. 426. Als Mittel von Regierungen heißt sie +Finanzwirtschaft+. Die ganze Nation ist hier Objekt einer Tributerhebung in Gestalt von Steuern und Zöllen, deren Verwendung nicht etwa ihre Lebenshaltung bequemer gestalten, sondern ihre geschichtliche Lage sichern und ihre Macht erhöhen soll.

[604] Im weitesten Sinne, wozu auch der Aufstieg von Arbeitern, Journalisten, Gelehrten zu einer führenden Stellung gehört.

[605] S. 408.

[606] S. 38.

[607] S. 206. 344.

[608] Einschließlich der Ärzte, die in Urzeiten von Priestern und Zauberern nicht zu trennen sind.

[609] Hirten, Fischer und Jäger gehören dazu. Außerdem besteht eine seltsame und sehr tiefe Beziehung zum Bergbau, wie die Verwandtschaft der alten Sagen und Bräuche lehrt. Die Metalle werden dem Schacht nicht anders abgelockt wie das Korn der Erde und das Wild dem Forst. Aber für den Bergmann sind die Metalle auch etwas, das +lebt+ und +wächst+.

[610] Von der urzeitlichen Seefahrt bis zum weltstädtischen Börsengeschäft. Aller Verkehr auf Flüssen, Straßen, Bahnen gehört dazu.

[611] S. 431. Auch die Maschinenindustrie gehört hierher mit dem rein abendländischen Typus des Erfinders und Ingenieurs, und praktisch ein großer Teil der modernen Landwirtschaft, z. B. in Amerika.

[612] Auch heute noch wird die Hütten- und Metallindustrie als irgendwie vornehmer empfunden wie etwa die chemische und elektrische. Sie hat den ältesten Adel der Technik und ein Rest von kultischem Geheimnis liegt über ihr.

[613] Bis zur Hörigkeit und Sklaverei, obwohl gerade die Sklaverei sehr oft, z.B. im heutigen Orient und in Rom bei den _vernae_, wirtschaftlich nichts als eine Form des aufgezwungenen Arbeitsvertrages ist und abgesehen davon kaum fühlbar wird. Der freie Angestellte lebt oft in viel härterer Abhängigkeit und geringerer Achtung, und das formelle Kündigungsrecht ist in vielen Fällen praktisch ganz bedeutungslos.

[614] S. 69.

[615] Wir kennen es aus den ägyptischen und gotischen Anfängen genau, in China und der Antike in großen Zügen; und was die +wirtschaftliche Pseudomorphose+ der arabischen Kultur betrifft (S. 227 ff. 432), so erfolgt seit Hadrian ein innerer Abbau der hochzivilisierten antiken Geldwirtschaft bis zu einem frühzeitlichen Güterumlauf, der unter Diokletian erreicht ist, worauf im Osten der eigentlich magische Anstieg sichtbar wird.

[616] S. 425.

[617] Weder die Kupferstücke der italischen Villanovagräber aus frühhomerischer Zeit (Willers, Geschichte der römischen Kupferprägung, S. 18) noch die frühchinesischen Bronzemünzen in Gestalt von Frauengewändern (_pu_), Beilen, Ringen oder Messern (_tsien_, Conrady, China, S. 504) sind Geld, sondern deutlich genug als Symbole von Gütern bezeichnet; und auch die Münzen, welche die Regierungen der frühgotischen Zeit in Nachahmung der Antike als Hoheitszeichen schlagen ließen, treten in das Wirtschaftsleben nur als Güter ein: ein Stück Gold ist soviel wert wie eine Kuh, nicht umgekehrt.

[618] Deshalb geht er so oft nicht aus dem fest in sich geschlossenen Landleben hervor, sondern erscheint in ihm als Fremder, gleichgültig und voraussetzungslos. Das ist die Rolle der Phöniker in der frühesten Antike, der Römer im Osten zur Zeit des Mithridates, der Juden und daneben der Byzantiner, Perser, Armenier im gotischen Abendland, der Araber im Sudan, der Inder in Ostafrika, der Westeuropäer im heutigen Rußland.

[619] Und deshalb in sehr geringem Umfange. Weil der Fremdhandel damals abenteuerlich ist und die Phantasie beschäftigt, pflegt man ihn maßlos zu überschätzen. Die „großen“ Kaufherren Venedigs und der Hansa waren um 1300 den angeseheneren Handwerksmeistern kaum ebenbürtig. Die Umsätze selbst der Medici und Fugger entsprachen um 1400 etwa denen eines Ladengeschäfts in einer heutigen Kleinstadt. Die größten Handelsschiffe, an denen in der Regel eine Gruppe von Kaufleuten beteiligt war, standen hinter den Flußkähnen der Gegenwart weit zurück und machten jährlich vielleicht +eine+ größere Fahrt. Die berühmte englische Wollausfuhr, ein Hauptgegenstand des hansischen Handels, umfaßte um 1270 jährlich kaum die Ladung von zwei heutigen Güterzügen (Sombart, Der moderne Kapitalismus I, S. 280 ff.).

[620] S. 107.

[621] Zum folgenden vgl. Bd. I, Kap. I.

[622] Mark und Dollar sind so wenig „Geld“ wie Meter und Gramm Kräfte sind. +Geldstücke+ sind Sachwerte. Nur weil wir die antike Physik nicht kannten, haben wir Gravitation und Gewichtsstück nicht verwechselt, wie wir es auf Grund der antiken Mathematik mit Zahl und Größe und infolge der Nachahmung antiker Münzen mit Geld und Geldstück getan haben und noch tun.

[623] Deshalb könnte man umgekehrt das metrische (cm-g) System eine Währung nennen, und in der Tat gehen sämtliche Geldmaße von physikalischen Gewichtsätzen aus.

[624] Ebenso sind alle Werttheorien, obwohl sie objektiv sein sollen, aus einem subjektiven Prinzip entwickelt, und es kann auch gar nicht anders sein. Die von Marx z. B. definiert „den“ Wert so, wie es das Interesse des Handarbeiters fordert, so daß die Leistung des Erfinders und Organisators als wertlos erscheint. Aber es wäre verfehlt, sie als falsch zu bezeichnen. All diese Lehren sind richtig für ihre Anhänger und falsch für ihre Gegner, und ob man Anhänger oder Gegner +wird+, entscheiden nicht die Gründe, sondern das Leben.

[625] Jene in sehr bescheidenem Maße seit Ende des 18. Jahrh. durch die Bank von England eingeführt, diese zur Zeit der kämpfenden Staaten.

[626] Die „Höhe“ des Vermögens, was man mit dem „Umfang“ eines Güterbesitzes vergleiche.

[627] Bis zu den modernen Piraten des Geldmarktes, welche die Vermittlung vermitteln und mit der Ware „Geld“ ein Glücksspiel treiben, wie es Zola in seinem berühmten Roman beschrieben hat.

[628] Preisigke, Girowesen im griechischen Ägypten (1910); die damaligen Verkehrsformen standen schon unter der 18. Dynastie auf gleicher Höhe.

[629] Es steht mit dem bürgerlichen Ideal der Freiheit nicht anders. In der Theorie und also auch in Verfassungen mag man +grundsätzlich+ frei sein. Im wirklichen Privatleben der Städte ist man unabhängig nur durch das Geld.

[630] Die man auch in den übrigen Kulturen Börsenplätze nennen kann, wenn man unter Börse das +Denkorgan+ einer vollendeten Geldwirtschaft versteht.

[631] Vorwort zu „Major Barbara“.

[632] S. 425.

[633] Der „Farmer“ ist der Mensch, den nur noch eine +praktische+ Beziehung mit einem Stück Land verbindet.

[634] Die zunehmende Intensität dieses Denkens erscheint im Wirtschaftsbilde +als Wachstum der vorhandenen Geldmasse+, die als etwas ganz abstraktes und eingebildetes mit dem sichtbaren Vorrat von Gold als einer Ware gar nichts zu tun hat. Die „Versteifung des Geldmarkts“ z. B. ist ein rein geistiger Vorgang, der sich in den Köpfen einer ganz kleinen Zahl von Menschen abspielt. Die steigende Energie des Gelddenkens erweckt deshalb in allen Kulturen das Gefühl, daß der „Geldwert sinkt“, in gewaltigem Maße z. B. von Solon bis Alexander, nämlich im Verhältnis zur Rechnungseinheit. In Wirklichkeit sind die geschäftlichen Werteinheiten etwas künstliches geworden und mit den erlebten Urwerten der bäuerlichen Wirtschaft gar nicht mehr vergleichbar. Es ist zuletzt gleichgültig, mit was für Zahlen beim attischen Bundesschatz auf Delos (454), bei den karthagischen Friedensschlüssen (241, 201) und dann bei der Beute des Pompejus (64) gerechnet wird und ob wir in einigen Jahrzehnten von den um 1850 noch unbekannten und uns heute ganz geläufigen Milliarden zu Billionen übergehen werden. Es fehlt an jedem Maßstab, um etwa den Wert eines Talents in den Jahren 430 und 30 zu vergleichen, denn das Gold wie das Vieh und Getreide haben nicht nur ihren Ziffernwert, sondern auch ihre Bedeutung innerhalb der vorschreitenden Stadtwirtschaft fortgesetzt verändert. Es bleibt nur die Tatsache, daß die Geldmenge, welche mit dem Bestand an Wertzeichen und Zahlungsmitteln nicht verwechselt werden darf, ein _alter ego_ des Denkens ist.

[635] Zum folgenden vgl. Bd. I, Kap. I.

[636] Friedländer, Rom. Sittengesch. IV (1921), S. 301.

[637] Sallust, Catilina 35, 3.

[638] S. 574.

[639] Wie schwer es dem antiken Menschen war, sich den Umsatz einer körperlich nicht allseitig abgegrenzten Sache wie Grund und Boden in körperliches Geld vorzustellen, zeigen die Steinpfähle (ὅροι) auf griechischen Grundstücken, welche die Hypothek +darstellen+ sollten, und der römische Kauf _per aes et libram_, wobei gegen eine Münze eine Erdscholle vor Zeugen überreicht wurde. Einen wirklichen Güterhandel hat es infolgedessen nie gegeben, und ebensowenig etwas wie Tagespreise für Ackerland. Ein regelmäßiges Verhältnis zwischen Bodenwert und Geldwert ist im antiken Denken ebenso unmöglich wie ein solches zwischen Kunstwert und Geldwert. Geistige, also unkörperliche Erzeugnisse wie Dramen oder Fresken besaßen wirtschaftlich überhaupt keinen Wert. Über den antiken Rechtsbegriff der Sache vgl. S. 96.

[640] Schon zur Zeit des Augustus kann von den antiken Kunstwerken aus Edelmetall und Bronze nicht viel übrig gewesen sein. Selbst der gebildete Athener dachte viel zu unhistorisch, um eine Statue aus Gold und Elfenbein nur deshalb zu schonen, weil sie von Phidias war. Man erinnere sich, daß an dessen berühmter Athenefigur die Goldteile abnehmbar angefertigt waren und von Zeit zu Zeit nachgewogen wurden. Die wirtschaftliche Verwendung war also von vornherein ins Auge gefaßt.

[641] Ges. Schriften IV, 200 ff.

[642] S. 69.

[643] Der Glaube, daß die Sklaven selbst in Athen oder Ägina jemals auch nur ein Drittel der Bevölkerung ausgemacht hätten, ist vollkommen sinnlos. Die Revolutionen seit 400 (S. 506) setzen im Gegenteil eine gewaltige Überzahl der freien Armen voraus.

[644] S. 601.

[645] Das ist der Gegensatz zur Negersklaverei unserer Barockzeit, die eine +Vorstufe der Maschinenindustrie+ darstellt: eine Organisation von „lebendiger“ Energie, bei welcher man vom Menschen endlich zur Kohle überging, und das erste erst dann als unmoralisch empfand, als das zweite eingebürgert war. Von dieser Seite betrachtet bedeutet der Sieg des Nordens im amerikanischen Bürgerkrieg (1865) den wirtschaftlichen Sieg der konzentrierten Energie der Kohle über die einfache Energie der Muskeln.

[646] S. 460 f. Die Verwandtschaft mit der ägyptischen Verwaltung des Alten Reiches und der chinesischen der frühesten Dschouzeit ist unverkennbar.

[647] S. 461. Die _clerici_ in diesen Rechnungskammern sind das Urbild der modernen Bankbeamten.

[648] Hampe, Deutsche Kaisergeschichte, S. 246. Leonardo Pisano, dessen Liber Abaci (1202) für das kaufmännische Rechnen weit über die Renaissance hinaus maßgebend war, und der außer dem arabischen Ziffernsystem auch die negativen Zahlen als Debitum eingeführt hat, wurde von dem großen Hohenstaufen gefördert.

[649] S. 89.

[650] Sombart, Der moderne Kapitalismus II, S. 119.

[651] Eng verwandt mit unserm Bilde vom Wesen der Elektrizität ist der Vorgang des Clearing, bei dem der positive oder negative Geldstand mehrerer Firmen (Spannungszentren) untereinander durch einen reinen Denkakt ausgeglichen und der wahre Stand durch eine Buchung versinnbildlicht wird. Vgl. Bd. I, Kap. VI.

[652] Bd. I, Kap. I.

[653] S. 98.

[654] Der Kredit eines Landes beruht in unsrer Kultur auf seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und deren politischer Organisation, welche den Finanzoperationen und Buchungen den Charakter wirklicher Geldschöpfungen gibt, und nicht auf einer irgendwo eingelagerten Goldmenge. Erst der antikisierende Aberglaube erhebt die Goldreserve zum wirklichen Kreditmesser, weil ihre Höhe nun nicht mehr vom Wollen, sondern vom Können abhängt. Die umlaufenden Münzen aber sind eine +Ware+, die im Verhältnis zum Landeskredit einen Kurs besitzt -- je schlechter der Kredit, desto höher steht das Gold, bis zu dem Punkte, wo es unbezahlbar wird und aus dem Verkehr verschwindet, so daß man es nur noch gegen +andere+ Waren erhalten kann; das Gold wird also wie jede Ware an der buchmäßigen Rechnungseinheit gemessen, nicht umgekehrt, wie es das Wort Goldwährung andeutet -- und bei kleinen Zahlungen als Mittel dient, wie gelegentlich die Briefmarke auch. In Ägypten, dessen Gelddenken dem abendländischen erstaunlich ähnlich ist, hat es auch im Neuen Reiche nichts der Münze irgendwie ähnliches gegeben. Die schriftliche Überweisung genügte vollkommen, und von 650 an bis zur Hellenisierung durch die Gründung von Alexandria wurden die ins Land kommenden antiken Münzen in der Regel zerhackt und als Ware nach Gewicht verrechnet.

[655] Und für unser Sachenrecht also bis jetzt nicht vorhanden.

[656] Gesetzt den Fall, daß Arbeiter die Führung der Werke übernähmen, so würde damit nichts geändert. Entweder sie können nichts: dann geht alles zugrunde; oder sie können etwas: dann werden sie innerlich selbst Unternehmer und denken nur noch an die Behauptung ihrer Macht. Keine Theorie schafft diese Tatsache aus der Welt; so +ist+ das Leben.

[657] Erst seit 1770 also werden die Banken als Kreditmittelpunkte eine wirtschaftliche Macht, die auf dem Wiener Kongreß zum erstenmal in die Politik eingreift. Bis dahin besorgte der Bankier vorwiegend Wechselgeschäfte. Die chinesischen und selbst die ägyptischen Banken haben eine andere Bedeutung, und die antiken Banken auch im cäsarischen Rom sollte man besser +Kassen+ nennen. Sie sammelten Steuererträge in Bargeld ein und liehen Bargeld gegen Wiedererstattung aus; so werden die Tempel mit ihrem Metallvorrat an Weihgeschenken zu „Banken“. Der Tempel von Delos lieh jahrhundertelang zu 10% aus.

[658] Der Begriff der Firma war schon in spätgotischer Zeit als ratio oder negotiatio ausgebildet und läßt sich durch kein Wort einer antiken Sprache wiedergeben. Negotium bezeichnet für den Römer einen konkreten Vorgang („ein Geschäft machen“, nicht „haben“).

[659] Pöhlmann, Griech. Gesch. (1914), S. 216 f.

[660] Gercke-Norden, Einl. in die Altertumswiss. III, S. 291.

[661] Kromayer in Hartmanns Röm. Gesch. S. 150.

[662] Die Juden dieser Zeit waren die Römer (S. 392). Dagegen sind die Juden damals Bauern, Handwerker, kleine Gewerbetreibende (Parván, Die Nationalität der Kaufleute im römischen Kaiserreich, 1909; ebenso Mommsen, Röm. Gesch. V, S. 471), d.h. sie üben die Berufe aus, welche in gotischer Zeit das +Objekt+ ihrer Handelsgeschäfte geworden waren. In derselben Lage befinden sich heute „Europa“ gegenüber die Russen, deren ganz mystisches Innenleben das Denken in Geld +als Sünde+ empfindet. (Der Pilger in Gorkis Nachtasyl und die ganze Gedankenwelt Tolstois [S. 234. 340].) Hier liegen heute wie in Syrien zur Zeit Jesu zwei Wirtschaftswelten übereinander (S. 231 ff.), eine obere, fremde, zivilisierte, die von Westen eingedrungen ist und zu der als Hefe der ganz abendländische und unrussische Bolschewismus der ersten Jahre gehört, und eine stadtlose, nur unter Gütern lebende in der Tiefe, die nicht rechnet, sondern ihren unmittelbaren Bedarf eintauschen möchte. Man muß die Schlagworte der Oberfläche als eine Stimme auffassen, aus welcher der ganz mit seiner Seele beschäftigte einfache Russe den Willen Gottes heraushört. Der Marxismus unter Russen beruht auf einem inbrünstigen Mißverständnis. Man hat das höhere Wirtschaftsleben des Petrinismus ertragen, aber weder geschaffen noch anerkannt. Der Russe bekämpft das Kapital nicht, sondern er +begreift+ es nicht. Wer Dostojewski zu lesen versteht, wird hier eine junge Menschheit ahnen, für die es +noch gar kein Geld gibt+, nur Güter in bezug auf ein Leben, dessen Gewicht +nicht+ auf der Wirtschaftsseite liegt. Die „Angst vor dem Mehrwert“, die vor dem Kriege manchen bis zum Selbstmord getrieben hat, ist eine unverstandene literarische Verkleidung der Tatsache, daß der Gelderwerb durch Geld für das stadtlose Güterdenken ein Frevel ist, aus der werdenden russischen Religion heraus gedacht eine +Sünde+. So wie heute die Städte des Zarentums verfallen und der Mensch in ihnen wieder wie im Dorfe lebt, unter der Kruste des städtisch denkenden, rasch hinschwindenden Bolschewismus, so hat er sich von der westlichen Wirtschaft befreit. Der apokalyptische Haß -- der auch das einfache Judentum zur Zeit Jesu gegen Rom beherrschte -- richtete sich nicht nur gegen Petersburg als Stadt, als Sitz einer politischen Macht westlichen Stils, sondern auch als Mitte eines Denkens in westlichem Geld, was das ganze Leben vergiftet und in eine falsche Bahn gelenkt hat. Das Russentum der Tiefe läßt heute eine noch priesterlose, auf dem +Johannesevangelium+ aufgebaute dritte Art des Christentums entstehen, die der magischen unendlich viel näher steht als der faustischen, die deshalb auf einer neuen Symbolik der +Taufe+ beruht und, weit entfernt von Rom und Wittenberg, in einer Vorahnung künftiger Kreuzzüge über Byzanz hinweg nach Jerusalem blickt. Damit +allein+ beschäftigt, wird es sich die Wirtschaft des Westens wieder gefallen lassen, wie der Urchrist die römische, der gotische Christ die jüdische, aber es beteiligt sich innerlich nicht mehr an ihr. (Hierzu S. 231 ff. 277. 340. 360. 363).

DIE MASCHINE

6

Die Technik ist so alt wie das frei im Raum bewegliche Leben überhaupt. Nur die Pflanze ist, so wie wir die Natur sehen, der bloße Schauplatz technischer Vorgänge. Das Tier hat, da es sich bewegt, auch eine Technik der Bewegung, um sich zu erhalten und zu wehren.

Die ursprüngliche Beziehung zwischen einem wachen Mikrokosmos und seinem Makrokosmos -- der „+Natur+“ -- besteht in einem Abtasten durch die Sinne,[663] das sich vom bloßen +Eindruck+ der Sinne zum +Urteil+ der Sinne erhebt, und damit schon kritisch („scheidend“) oder was dasselbe ist, +kausal zerlegend+ wirkt.[664] Das Festgestellte wird zu einem möglichst vollständigen System ursprünglichster Erfahrungen -- „Kennzeichen“ -- ergänzt,[665] eine unwillkürliche Methode, durch die man sich in seiner Welt zu Hause fühlt, die bei vielen Tieren zu einer erstaunlichen Fülle von Erfahrungen geführt hat und über die kein menschliches Naturwissen hinausführt. Aber ursprüngliches Wachsein ist immer +tätiges+ Wachsein, fernab von aller bloßen „Theorie“, und so ist es die kleine Technik des Alltags, an welcher diese Erfahrungen ohne Absicht erworben werden, und zwar an Dingen, +insofern sie tot sind+.[666] Es ist der Unterschied von Kultus und Mythus,[667], denn auf dieser Stufe gibt es keine Grenze zwischen Religion und Profanem. Alles Wachsein +ist+ Religion.

Die entscheidende Wendung in der Geschichte des höheren Lebens erfolgt, wenn das Fest-stellen der Natur -- um sich danach zu richten -- in ein Fest-machen übergeht, durch das sie +absichtlich verändert+ wird. Damit wird die Technik gewissermaßen souverän, und die triebhafte Urerfahrung geht in ein +Urwissen+ über, dessen man sich deutlich „bewußt“ ist. Das Denken hat sich vom Empfinden emanzipiert. Erst die +Wortsprache+ hat diese Epoche heraufgeführt. Durch die Ablösung der Sprache vom Sprechen[668] ist für die Mitteilungssprachen ein Schatz von Zeichen entstanden, die mehr sind als Kennzeichen, nämlich mit einem Bedeutungsgefühl verbundene +Namen+, mit denen der Mensch das Geheimnis der Numina, seien es Gottheiten oder Naturkräfte, in seiner Gewalt hat, und +Zahlen+ (Formeln, Gesetze einfachster Art), durch welche die innere Form des Wirklichen vom Zufällig-Sinnlichen abgezogen wird.[669]

Damit entsteht aus dem System von Kennzeichen eine Theorie, ein +Bild+, das sich auf den Höhen zivilisierter Technik ebenso wie in ihren primitiven Anfängen aus der Technik des Tages +ablöst+, als ein Stück untätigen Wachseins, nicht umgekehrt sie hervorgebracht hat.[670] Man „weiß“, was man will, aber es muß vieles geschehen sein, um das Wissen zu haben und man täusche sich nicht über den Charakter dieses „Wissens“. Durch die zahlenmäßige Erfahrung kann der Mensch mit dem Geheimnis schalten, aber er hat es nicht enthüllt. Das Bild des modernen Zauberers: eine Schalttafel mit ihren Hebeln und Bezeichnungen, an welcher der Arbeiter durch einen Fingerdruck gewaltige Wirkungen ins Dasein ruft, ohne von ihrem Wesen eine Ahnung zu haben, ist das Symbol der menschlichen Technik überhaupt. Das Bild der Lichtwelt um uns, so wie wir es kritisch, zerlegend, als Theorie, als Bild entwickelt haben, ist nichts als eine solche Tafel, auf der gewisse Dinge so bezeichnet sind, daß auf eine Berührung hin gewisse Wirkungen mit Sicherheit erfolgen. Das Geheimnis bleibt nicht weniger drückend.[671] Aber durch diese Technik greift das Wachsein doch gewaltsam in die Tatsachenwelt; das Leben +bedient+ sich des Denkens wie eines Zauberschlüssels, und auf der Höhe mancher Zivilisation, in deren großen Städten, erscheint endlich der Augenblick, wo technische Kritik es müde ist, dem Leben zu dienen und sich zu seinem Tyrannen aufwirft. Eine Orgie dieses entfesselten Denkens von wahrhaft tragischen Maßen erlebt die abendländische Kultur eben jetzt.

Man hat den Gang der Natur belauscht und sich Zeichen gemerkt. Man beginnt sie nachzuahmen durch Mittel und Methoden, welche die Gesetze kosmischen Taktes sich zu nutze machen. Der Mensch wagt es, die Gottheit zu spielen und man begreift, daß die frühesten Verfertiger und Kenner dieser künstlichen Dinge -- denn hier ist +Kunst als Gegenbegriff von Natur+ entstanden --, vor allem die Hüter der Schmiedekunst von den andern als etwas ganz Seltsames betrachtet, scheu verehrt oder verabscheut wurden. Es gab einen immer wachsenden Schatz solcher Erfindungen, die oft gemacht, wieder vergessen, nachgeahmt, gemieden, verbessert wurden und die endlich doch für ganze Erdteile einen Bestand von +selbstverständlichen+ Mitteln ergaben, Feuer, Metallbehandlung, Werkzeuge, Waffen, Pflug und Boot, Hausbau, Tierzucht und Getreidesaat. Vor allem sind es die Metalle, an deren Ort ein unheimlich mystischer Zug den primitiven Menschen lockt. Uralte Handelsbahnen ziehen sich nach geheim gehaltenen Erzlagern durch das Leben des besiedelten Landes und über durchruderte Meere hin, auf denen dann später Kulte und Ornamente wandern; sagenhafte Namen wie Zinninseln und Goldland haften in der Phantasie. Der Urhandel ist Metallhandel: so dringt in die erzeugende und verarbeitende Wirtschaft eine dritte, fremde und abenteuerliche, frei durch die Länder schweifende ein.

Auf dieser Grundlage erhebt sich nun die Technik der hohen Kulturen, in deren Rang, Farbe und Leidenschaft sich die ganze Seele dieser großen Wesen ausspricht. Es versteht sich fast von selbst, daß der antike Mensch, euklidisch wie er sich in seiner Umwelt fühlt, schon dem Gedanken der Technik feindselig gegenübersteht. Meint man mit antiker Technik etwas, das sich mit entschiedenem Streben über die allverbreiteten Fertigkeiten der mykenischen Zeit erhebt, so gibt es keine antike Technik.[672] Diese Trieren sind vergrößerte Ruderboote, die Katapulte und Onager ersetzen Arme und Fäuste und können sich mit den assyrischen und chinesischen Kriegsmaschinen nicht messen, und was Heron und andere seines Schlages betrifft, so sind Einfälle keine Erfindungen. Es fehlt das innere Gewicht, das Schicksalvolle des Augenblicks, die tiefe Notwendigkeit. Man spielt hier und da mit Kenntnissen -- warum auch nicht --, die wohl aus dem Osten stammten, aber niemand achtet darauf und niemand denkt vor allem daran, sie ernstlich in die Lebensgestaltung einzuführen.

Etwas ganz anderes ist die faustische Technik, die mit dem vollen Pathos der dritten Dimension und zwar von den frühesten Tagen der Gotik an auf die Natur eindringt, um sie zu +beherrschen+. Hier und nur hier ist die Verbindung von Einsicht und Verwertung selbstverständlich.[673] Die Theorie ist von Anfang an +Arbeitshypothese+.[674] Der antike Grübler „schaut“ wie die Gottheit des Aristoteles, der arabische sucht als Alchymist nach dem Zaubermittel, dem Stein der Weisen, mit dem man die Schätze der Natur +mühelos+ in seinen Besitz bringt,[675] der abendländische will die Welt nach seinem Willen +lenken+.

Der faustische Erfinder und Entdecker ist etwas Einziges. Die Urgewalt seines Wollens, die Leuchtkraft seiner Visionen, die stählerne Energie seines praktischen Nachdenkens müssen jedem, der aus fremden Kulturen herüberblickt, unheimlich und unverständlich sein, aber sie liegen uns allen im Blute. Unsre ganze Kultur hat eine Entdeckerseele. Ent-decken, das was man +nicht+ sieht, in die Lichtwelt des inneren Auges ziehen, um sich seiner zu bemächtigen, das war vom ersten Tage an ihre hartnäckigste Leidenschaft. Alle ihre großen Erfindungen sind in der Tiefe langsam gereift, durch vorwegnehmende Geister verkündigt und versucht worden, um mit der Notwendigkeit eines Schicksals endlich hervorzubrechen. Sie waren alle schon dem seligen Grübeln frühgotischer Mönche ganz nahegerückt.[676] Wenn irgendwo, so offenbart sich hier der religiöse Ursprung alles technischen Denkens.[677] Diese inbrünstigen Erfinder in ihren Klosterzellen, die unter Beten und Fasten Gott sein Geheimnis +abrangen+, empfanden das als einen Gottesdienst. Hier ist die Gestalt Fausts entstanden, das große Sinnbild einer echten Erfinderkultur. Die _scientia +experimentalis+_, wie zuerst Roger Bacon die Naturforschung definiert hatte, die +gewaltsame+ Befragung der Natur mit Hebeln und Schrauben beginnt, was als Ergebnis in den mit Fabrikschloten und Fördertürmen übersäten Ebenen der Gegenwart vor unsern Augen liegt. Aber für sie alle bestand auch die eigentlich faustische Gefahr, daß der Teufel seine Hand im Spiele hatte,[678] um sie im Geist auf jenen Berg zu führen, wo er ihnen alle Macht der Erde versprach. Das bedeutet der Traum jener seltsamen Dominikaner wie Petrus Peregrinus vom _perpetuum mobile_, mit dem Gott seine Allmacht entrissen gewesen wäre. Sie erlagen diesem Ehrgeiz immer wieder; sie zwangen der Gottheit ihr Geheimnis ab, um selber Gott zu sein. Sie belauschten die Gesetze des kosmischen Taktes, um sie zu vergewaltigen, und sie schufen so die +Idee der Maschine+ als eines kleinen Kosmos, der nur noch dem Willen des Menschen gehorcht. Aber damit überschritten sie jene feine Grenze, wo für die anbetende Frömmigkeit der andern die Sünde begann, und daran gingen sie zugrunde, von Bacon bis Giordano Bruno. Die Maschine ist des Teufels: so hat der echte Glaube immer wieder empfunden.

Eine Leidenschaft im Erfinden zeigt schon die gotische Architektur -- die man mit der gewollten Formenarmut der dorischen vergleiche -- und unsre gesamte Musik. Es erscheinen der Buchdruck und die Fernwaffe.[679] Auf Kolumbus und Kopernikus folgen das Fernrohr, das Mikroskop, die chemischen Elemente und endlich die ungeheure Summe der technischen Verfahren des frühen Barock.

Dann aber folgt zugleich mit dem Rationalismus die Erfindung der +Dampfmaschine+, die alles umstürzt und das Wirtschaftsbild von Grund aus verwandelt. Bis dahin hatte die Natur Dienste geleistet, jetzt wird sie +als Sklavin+ ins Joch gespannt und ihre Arbeit wie zum Hohn nach Pferdekräften bemessen. Man ging von der Muskelkraft des Negers, die in organisierten Betrieben angesetzt wurde, zu den organischen Reserven der Erdrinde über, wo die Lebenskraft von Jahrtausenden als Kohle aufgespeichert liegt, und richtet heute den Blick auf die anorganische Natur, deren Wasserkräfte schon zur Unterstützung der Kohle herangezogen sind. Mit den Millionen und Milliarden Pferdekräften steigt die Bevölkerungszahl in einem Grade, wie keine andre Kultur es je für möglich gehalten hätte. Dieses Wachstum ist ein +Produkt der Maschine+, die bedient und gelenkt sein will und dafür die Kräfte jedes Einzelnen verhundertfacht. Um der Maschine willen wird das Menschenleben kostbar. +Arbeit+ wird das große Wort des ethischen Nachdenkens. Es verliert im 18. Jahrhundert in allen Sprachen seine geringschätzige Bedeutung. Die Maschine arbeitet und zwingt den Menschen zur Mitarbeit. Die ganze Kultur ist in einen Grad von Tätigkeit geraten, unter dem die Erde bebt.

Was sich nun im Laufe kaum eines Jahrhunderts entfaltet, ist ein Schauspiel von solcher Größe, daß den Menschen einer künftigen Kultur mit andrer Seele und andern Leidenschaften das Gefühl überkommen muß, als sei damals die Natur ins Wanken geraten. Auch sonst ist die Politik über Städte und Völker hinweggeschritten; menschliche Wirtschaft hat tief in die Schicksale der Tier- und Pflanzenwelt eingegriffen, aber das rührt nur an das Leben und verwischt sich wieder. Diese Technik aber wird die Spur ihrer Tage hinterlassen, wenn alles andere verschollen und versunken ist. Diese faustische Leidenschaft hat das Bild der Erdoberfläche verändert.

Es ist das hinaus- und hinaufdrängende und eben deshalb der Gotik tief verwandte Lebensgefühl, wie es in der Kindheit der Dampfmaschine durch die Monologe des Goetheschen Faust zum Ausdruck gelangte. Die trunkene Seele will Raum und Zeit überfliegen. Eine unnennbare Sehnsucht lockt in grenzenlose Fernen. Man möchte sich von der Erde lösen, im Unendlichen aufgehen, die Bande des Körpers verlassen und im Weltraum unter Sternen kreisen. Was am Anfang die glühend hinaufschwebende Inbrunst des heiligen Bernhard suchte, was Grünewald und Rembrandt in ihren Hintergründen und Beethoven in den erdfernen Klängen seiner letzten Quartette ersannen, das kehrt nun wieder in dem durchgeistigten Rausch dieser dichten Folge von Erfindungen. Deshalb entsteht dieser phantastische Verkehr, der Erdteile in wenigen Tagen kreuzt, der mit schwimmenden Städten über Ozeane setzt, Gebirge durchbohrt, in unterirdischen Labyrinthen rast, von der alten, in ihren Möglichkeiten längst erschöpften Dampfmaschine zur Gaskraftmaschine übergeht und von Straßen und Schienen sich endlich zum Flug in die Lüfte erhebt; deshalb wird das gesprochene Wort in einem Augenblick über alle Meere gesandt; deshalb bricht dieser Ehrgeiz der Rekorde und Dimensionen hervor, die Riesenhallen für Riesenmaschinen, ungeheure Schiffe und Brückenspannungen, wahnwitzige Bauten bis in die Wolken hinauf, fabelhafte Kräfte, die auf einen Punkt zusammengedrängt sind und dort der Hand eines Kindes gehorchen, stampfende, zitternde, dröhnende Werke aus Stahl und Glas, in denen sich der winzige Mensch als unumschränkter Herr bewegt und endlich die Natur unter sich fühlt.

Und diese Maschinen werden in ihrer Gestalt immer mehr entmenschlicht, immer asketischer, mystischer, esoterischer. Sie umspinnen die Erde mit einem unendlichen Gewebe feiner Kräfte, Ströme und Spannungen. Ihr Körper wird immer geistiger, immer verschwiegener. Diese Räder, Walzen und Hebel reden nicht mehr. Alles was entscheidend ist, zieht sich ins Innere zurück. Man hat die Maschine als teuflisch empfunden, und mit Recht. Sie bedeutet in den Augen eines Gläubigen die Absetzung Gottes. Sie liefert die heilige Kausalität dem Menschen aus und sie wird schweigend, unwiderstehlich, mit einer Art von vorausschauender Allwissenheit von ihm in Bewegung gesetzt.

7

Niemals hat sich ein Mikrokosmos dem Makrokosmos überlegener gefühlt. Hier gibt es kleine Lebewesen, die durch ihre geistige Kraft das Unlebendige von sich abhängig gemacht haben. Nichts scheint diesem Triumph zu gleichen, der nur +einer+ Kultur geglückt ist und vielleicht nur für eine kleine Zahl von Jahrhunderten.

Aber gerade damit ist der faustische Mensch +zum Sklaven seiner Schöpfung+ geworden. Seine Zahl und die Anlage seiner Lebenshaltung werden durch die Maschine auf eine Bahn gedrängt, auf der es keinen Stillstand und keinen Schritt rückwärts gibt. Der Bauer, der Handwerker, selbst der Kaufmann erscheinen plötzlich unwesentlich gegenüber den drei Gestalten, +welche sich die Maschine auf dem Weg ihrer Entwicklung herangezüchtet hat: dem Unternehmer, dem Ingenieur, dem Fabrikarbeiter+. Aus einem ganz kleinen Zweige des Handwerks, der verarbeitenden Wirtschaft, ist +in dieser einen Kultur und keiner andern+ der mächtige Baum aufgewachsen, welcher über alle sonstigen Berufe seinen Schatten wirft: +Die Wirtschaftswelt der Maschinenindustrie+.[680] Sie zwingt den Unternehmer wie den Fabrikarbeiter zum Gehorsam. +Beide+ sind Sklaven, nicht Herren der Maschine, die ihre teuflische geheime Macht erst jetzt entfaltet. Aber wenn die sozialistische Theorie der Gegenwart nur die Leistung des letzten hat sehen wollen und für sie allein das Wort Arbeit in Anspruch nahm, so ist diese doch nur durch die souveräne und entscheidende Leistung des ersten möglich. Das berühmte Wort von dem starken Arm, der alle Räder stillstehen läßt, ist falsch gedacht. Anhalten -- ja, aber dazu braucht man nicht Arbeiter zu sein. In Bewegung halten -- nein. Der Organisator und Verwalter bildet den Mittelpunkt in diesem künstlichen und komplizierten Reich der Maschine. Der Gedanke hält es zusammen, nicht die Hand. Aber gerade deshalb ist +eine+ Gestalt noch wichtiger, um diesen stets gefährdeten Bau zu erhalten, als die ganze Energie unternehmender Herrenmenschen, die Städte aus dem Boden wachsen lassen und das Bild der Landschaft verändern, eine Gestalt, die man im politischen Streit zu vergessen pflegt: der +Ingenieur+, der wissende Priester der Maschine. Nicht nur die Höhe, das +Dasein+ der Industrie hängt vom Dasein von hunderttausend begabten, streng geschulten Köpfen ab, welche die Technik beherrschen und immer weiter entwickeln. Der Ingenieur ist in aller Stille ihr eigentlicher Herr und ihr Schicksal. Sein Denken ist als Möglichkeit, was die Maschine als Wirklichkeit ist. Man hat, ganz materialistisch, die Erschöpfung der Kohlenlager gefürchtet. Aber solange es technische Pfadfinder von Rang gibt, gibt es keine Gefahren dieser Art. Erst wenn der Nachwuchs dieser Armee ausbleibt, deren Gedankenarbeit mit der Arbeit der Maschine eine innere Einheit bildet, muß die Industrie trotz Unternehmertum und Arbeiterschaft erlöschen. Gesetzt den Fall, daß das Heil der Seele den Begabtesten künftiger Generationen näher liegt als alle Macht in dieser Welt, daß unter dem Eindruck der Metaphysik und Mystik, die heute den Rationalismus ablösen, das wachsende Gefühl für den +Satanismus+ der Maschine gerade die Auslese des Geistes ergreift, auf die es ankommt -- es ist der Schritt von Roger Bacon zu Bernhard von Clairvaux --, so wird nichts das Ende dieses großen Schauspiels aufhalten, das ein Spiel der Geister ist, bei dem die Hände nur helfen dürfen.

Die abendländische Industrie hat die alten Handelsbahnen der übrigen Kulturen verlagert. Die Ströme des Wirtschaftslebens bewegen sich nach den Sitzen der „Königin Kohle“ und den großen Rohstoffgebieten hin; die Natur wird erschöpft, der Erdball dem faustischen Denken in Energien geopfert. Die +arbeitende+ Erde ist der faustische Aspekt; in ihrem Anblick stirbt der Faust des zweiten Teils, in dem die unternehmende Arbeit ihre höchste Verklärung erfahren hat. Nichts ist dem ruhend gesättigten Sein der antiken Kaiserzeit mehr entgegengesetzt. Der Ingenieur ist es, der dem römischen Rechtsdenken am fernsten steht, und er wird es durchsetzen, daß +seine+ Wirtschaft ihr eignes Recht erhält, in dem Kräfte und Leistungen die Stelle von Person und Sache einnehmen.

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Aber ebenso titanisch ist nun der Ansturm des Geldes auf diese geistige Macht. Auch die Industrie ist noch erdverbunden wie das Bauerntum. Sie hat ihren Standort und ihre dem Boden entströmenden Quellen der Stoffe. Nur die Hochfinanz ist +ganz+ frei, ganz ungreifbar. Die Banken und damit die Börsen haben sich seit 1789 am Kreditbedürfnis der ins Ungeheure wachsenden Industrie zur eigenen Macht entwickelt und sie wollen, wie das Geld in +allen+ Zivilisationen, die +einzige+ Macht sein. Das uralte Ringen zwischen erzeugender und erobernder Wirtschaft erhebt sich zu einem schweigenden Riesenkampf der Geister, der auf dem Boden der Weltstädte ausgefochten wird. Es ist der Verzweiflungskampf des technischen Denkens um seine Freiheit gegenüber dem Denken in Geld.[681]

Die Diktatur des Geldes schreitet vor und nähert sich einem natürlichen Höhepunkt, in der faustischen wie in jeder andern Zivilisation. Und nun geschieht etwas, das nur begreifen kann, wer in das Wesen des Geldes eingedrungen ist. Wäre es etwas Greifbares, so wäre sein Dasein ewig; da es eine Form des Denkens ist, +so erlischt es, sobald es die Wirtschaftswelt zu Ende gedacht hat+, und zwar aus Mangel an Stoff. Es drang in das Leben des bäuerlichen Landes ein und setzte den Boden in Bewegung; es hat jede Art von Handwerk geschäftlich umgedacht; es dringt heute siegreich auf die Industrie ein, um die erzeugende Arbeit von Unternehmern, Ingenieuren und Ausführenden gleichmäßig zu seiner Beute zu machen. Die Maschine mit ihrer menschlichen Gefolgschaft, die eigentliche Herrin des Jahrhunderts, ist in Gefahr, einer stärkeren Macht zu verfallen. Aber damit steht das Geld am Ende seiner Erfolge, und der letzte Kampf beginnt, in welchem die Zivilisation ihre abschließende Form erhält: der zwischen +Geld und Blut+.

Die Heraufkunft des Cäsarismus bricht die Diktatur des Geldes und ihrer politischen Waffe, der Demokratie. Nach einem langen Triumph der weltstädtischen Wirtschaft und ihrer Interessen über die politische Gestaltungskraft erweist sich die politische Seite des Lebens doch als stärker. Das Schwert siegt über das Geld, der Herrenwille unterwirft sich wieder den Willen zur Beute. Nennt man jene Mächte des Geldes Kapitalismus[682], und Sozialismus den Willen, über alle Klasseninteressen hinaus eine mächtige politisch-wirtschaftliche Ordnung ins Leben zu rufen, ein System der +vornehmen+ Sorge und Pflicht, die das Ganze für den Entscheidungskampf der Geschichte in fester Form hält, so ist das.zugleich ein Ringen zwischen +Geld und Recht+.[683] Die +privaten+ Mächte der Wirtschaft wollen freie Bahn für ihre Eroberung großer Vermögen. Keine Gesetzgebung soll ihnen im Wege stehen. Sie wollen die Gesetze machen, in ihrem Interesse, und sie bedienen sich dazu ihres selbstgeschaffenen Werkzeugs, der Demokratie, der bezahlten Partei. Das Recht bedarf, um diesen Ansturm abzuwehren, einer vornehmen Tradition, des Ehrgeizes starker Geschlechter, der nicht im Anhäufen von Reichtümern, sondern in den Aufgaben echten Herrschertums jenseits aller Geldvorteile Befriedigung findet. +Eine Macht läßt sich nur durch eine andere stürzen+, nicht durch ein Prinzip, und es gibt dem Geld gegenüber keine andere. Das Geld wird nur vom Blut überwältigt und aufgehoben. Das +Leben+ ist das erste und letzte, das kosmische Dahinströmen in mikrokosmischer Form. Es ist +die+ Tatsache innerhalb der Welt als Geschichte. Vor dem unwiderstehlichen Takt der Geschlechterfolgen schwindet zuletzt alles hin, was das Wachsein in seinen Geisteswelten aufgebaut hat. Es handelt sich in der Geschichte um das Leben und immer nur um das Leben, die Rasse, den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, Erfindungen oder Geld. +Die Weltgeschichte ist das Weltgericht+: Sie hat immer dem stärkeren, volleren, seiner selbst gewisseren Leben Recht gegeben, Recht nämlich auf das Dasein, gleichviel ob es vor dem Wachsein recht war, und sie hat immer die Wahrheit und Gerechtigkeit der Macht, der Rasse geopfert und die Menschen und Völker zum Tode verurteilt, denen die Wahrheit wichtiger war als Taten, und Gerechtigkeit wesentlicher als Macht. So schließt das Schauspiel einer hohen Kultur, diese ganze wundervolle Welt von Gottheiten, Künsten, Gedanken, Schlachten, Städten wieder mit den Urtatsachen des ewigen Blutes, das mit den ewig kreisenden kosmischen Fluten ein und dasselbe ist. Das helle, gestaltenreiche Wachsein taucht wieder in den schweigenden Dienst des Daseins hinab, wie es die chinesische und römische Kaiserzeit lehren; die Zeit siegt über den Raum, und die Zeit ist es, deren unerbittlicher Gang den flüchtigen Zufall Kultur auf diesem Planeten in den Zufall Mensch einbettet, eine Form, in welcher der Zufall Leben eine Zeitlang dahinströmt, während in der Lichtwelt unserer Augen sich dahinter die strömenden Horizonte der Erdgeschichte und Sternengeschichte auftun.

Für uns aber, die ein Schicksal in diese Kultur und diesen Augenblick ihres Werdens gestellt hat, in welchem das Geld seine letzten Siege feiert und sein Erbe, der Cäsarismus, leise und unaufhaltsam naht, ist damit in einem eng umschriebenen Kreise die Richtung des Wollens und Müssens gegeben, ohne das es sich nicht zu leben lohnt. Wir haben nicht die Freiheit, dies oder jenes zu erreichen, aber die, das Notwendige zu tun oder nichts. Und eine Aufgabe, welche die Notwendigkeit der Geschichte gestellt hat, +wird+ gelöst, mit dem einzelnen oder gegen ihn.

+Ducunt fata volentem, nolentem trahunt.+

+Ende.+

[663] S. 7.

[664] S. 11 f.

[665] S. 28.

[666] S. 27.

[667] S. 327.

[668] S. 160.

[669] S. 27 ff. 326 ff.

[670] S. 329.

[671] Die „Richtigkeit“ physikalischer Kenntnisse, d. h. ihre bis zum Augenblick durch keine Erscheinung widerlegte Anwendbarkeit +als „Deutung“+, ist ganz unabhängig von ihrem technischen Werte. Eine sicherlich falsche und in sich widerspruchsvolle Theorie kann für die Praxis wertvoller sein als eine „richtige“ und tiefe, und die Physik hütet sich längst, die Worte falsch und richtig im populären Sinne überhaupt auf ihre Bilder statt auf die bloßen Formeln anzuwenden.

[672] Was Diels, „Antike Technik“, zusammengetragen hat, ist ein umfangreiches Nichts. Zieht man ab, was noch der babylonischen Zivilisation angehört wie die Sonnen- und Wasseruhren, oder schon der arabischen Frühzeit wie die Chemie und die Wunderuhr von Gaza, oder was in jeder andren Kultur durch seine bloße Anführung beleidigen würde wie die Arten der Türverschlüsse, so bleibt kein Rest.

[673] Die chinesische Kultur hat fast alle abendländischen Erfindungen auch gemacht -- darunter Kompaß, Fernrohr, Buchdruck, Schießpulver, Papier, Porzellan -- aber der Chinese schmeichelt der Natur etwas ab, er vergewaltigt sie nicht. Er empfindet wohl den Vorteil seines Wissens und macht Gebrauch davon, aber er stürzt sich nicht darauf, um es auszubeuten.

[674] S. 370.

[675] Es ist derselbe Geist, der den Geschäftsbegriff der Juden, Parsen, Armenier, Griechen, Araber von dem der abendländischen Völker unterscheidet.

[676] S. 370. Albertus Magnus lebte in der Sage als der große Zauberer fort. Roger Bacon hat über Dampfmaschine, Dampfschiff und Flugzeug nachgedacht. (F. Strunz, Die Gesch. der Naturwiss. im Mittelalter [1910], S. 88.)

[677] S. 327.

[678] S. 354.

[679] Das griechische Feuer will nur erschrecken und zünden; hier aber wird die Spannkraft der Explosionsgase in Bewegungsenergie umgesetzt. Wer das ernsthaft vergleicht, der versteht den Geist abendländischer Technik nicht.

[680] Marx hat ganz recht: es ist eine und zwar die stolzeste Schöpfung des +Bürgertums+, aber er, der ganz im Banne des Schemas Altertum -- Mittelalter -- Neuzeit denkt, hat nicht bemerkt, daß es nur das Bürgertum einer einzigen Kultur ist, von dem +das Schicksal der Maschine abhängt+. Solange es die Erde beherrscht, versucht jeder Nichteuropäer das Geheimnis dieser furchtbaren Waffe zu ergründen, aber innerlich lehnt er sie trotzdem ab, der Japaner und Inder wie der Russe und Araber. Es ist tief im Wesen der magischen Seele begründet, daß der Jude als Unternehmer und Ingenieur der eigentlichen Schöpfung von Maschinen aus dem Wege geht und sich auf die geschäftliche Seite ihrer Herstellung legt. Aber ebenso blickt der Russe mit Furcht und Haß auf diese Tyrannei der Räder, Drähte und Schienen, und wenn er sich heute und morgen auch der Notwendigkeit fügt, so wird er einst +das alles aus seiner Erinnerung und seiner Umgebung streichen+ und eine ganz andere Welt um sich errichten, in der es nichts von dieser teuflischen Technik mehr gibt.

[681] Dies gewaltige Ringen einer sehr kleinen Zahl stahlharter Rassemenschen von ungeheurem Verstand, wovon der einfache Städter weder etwas sieht noch versteht, läßt, von fern betrachtet, welthistorisch also, den bloßen Interessenkampf zwischen Unternehmertum und Arbeitersozialismus zur flachen Bedeutungslosigkeit herabsinken. Die Arbeiterbewegung ist, was ihre Führer aus ihr +machen+, und der Haß gegen die Inhaber der industriellen Führerarbeit hat sie längst in den Dienst der Börse gestellt. Der praktische Kommunismus mit seinem „Klassenkampf“, einer heute längst veralteten und unecht gewordnen Phrase, ist nichts als ein zuverlässiger Diener des Großkapitals, das ihn wohl zu benützen weiß.

[682] Zu dem die Interessenpolitik der Arbeiterparteien auch gehört, denn sie wollen die Geldwerte nicht überwinden, sondern besitzen.

[683] S. 427.

OSWALD SPENGLER

Der Untergang des Abendlandes

Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte

Erster Band: Gestalt und Wirklichkeit

=33.–42.= Auflage (Endgültige Fassung) erscheint Ende 1922

An dem Grundgedanken des ersten Bandes hat der Verfasser in der Ausgabe endgültiger Fassung nichts geändert. Nur die gesamte Darstellung ist straffer geworden, die Formenwelt anderer Kulturen, z. B. der chinesischen, sowie neue wertvolle Tatsachen zur Stütze seiner These vom „Untergang des Abendlandes“ sind vom Verfasser hineingearbeitet.

„Das Spengler’sche Buch ist kein zufälliges Buch. Es ist selbst das Schicksalsbuch unseres ganzen Zeitalters. Wir werden uns immer mit ihm auseinanderzusetzen haben, ob wir nun seine Schlußfolgerungen anerkennen, oder ob wir sie bestreiten. Und wir werden es nicht wie mit einem Buche tun, das auch ungeschrieben hätte bleiben können, sondern wie mit einem Ereignis, das wir nicht zu umgehen vermögen. So sehr ist es die Erfüllung jenes Versprechens, das der zweite Unzeitgemäße gab, als er die Geschichte auf ihren Nutzen und ihren Nachteil untersuchte: nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen.“ +Moeller van den Bruck+ (Deutsche Rundschau).

Preußentum und Sozialismus

=56.–65.= Tausend. 96 Seiten gr. 8ᵒ.

Geheftet M 80.--, auf holzfreiem Papier in Pappbd. M 150.--

Der Inhalt dieser Schrift gehört in das Gedankengefüge des zweiten Bandes. Der Verfasser hatte ihn Ende 1919 erweitert als Broschüre veröffentlicht. Erst im Zusammenhang des Ganzen wird die Tragweite der Ideen Spenglers in dieser Schrift in größerem Maße sichtbar. Er hat im zweiten Bande auch selbst wiederholt auf „Preußentum und Sozialismus“ hingewiesen.

„Auf dies neueste Buch Spenglers möchte ich hinweisen, da ich es für ›aktueller‹ halte als die Enthüllungen, Prozesse, Steuerprojekte alle, die uns sonst beschäftigen müssen. Sie sind Papier, dies Buch ist Leben. Denn Spengler weist einen Weg aus der Wirrnis, die uns umdornt, den Weg, auf dem die stärksten Mächte unseres Volkstums, Preußentum und Sozialismus, sich finden könnten.“ +Fritz Endres+ (München-Augsburger Abendzeitung). -- „Preußentum und Sozialismus ist ein eminent +geschichtliches+ Buch; es ist mehr als Betrachtung. Auf einem großen und kühnen Durchblick durch die Geschichte beruhend, wirkt es als Aufruf, willensvoll und leidenschaftlich, ein politisches Buch von schwer übersehbarer Tragweite.“ +Gerhard Günther+ (Hochschule).

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Der Streit um Spengler

Kritik seiner Kritiker

Von =Manfred Schröter=

VIII, 168 Seiten. M 250.--. Soeben erschienen.

EIN DOKUMENT UNSERER ZEIT

Der Ertrag des erbitterten Streites um Spenglers I. Band, der eine Flut von Presseartikeln, Vorträgen, Aufsätzen, Gegenschriften hervorgerufen hat, wie sie in Deutschland seit langem nicht mehr beobachtet ist, wird hier von MANFRED SCHRÖTER, einem Freunde und Jünger WILH. DILTHEYS, in die Scheuer gebracht. Ohne Rücksicht auf SPENGLER oder auf Rang und Namen seiner Kritiker, in schönem inneren Gleichgewicht, hat er freimütig und völlig unabhängig, oft nicht ohne einen gütigen Humor das kritische Geschäft vollendet und uns ein Buch geschenkt, das Rang und Dauerwert hat, ein geistesgeschichtliches, wissenschaftskritisches und kulturphilosophisches Dokument, das die letzten philosophischen und metaphysischen Grundlagen und Tendenzen Spenglers aufdeckt. Das meisterhaft und fesselnd geschriebene Buch ist zugleich EIN ZUVERLÄSSIGES KOMPENDIUM DER SPENGLERLITERATUR.

Oswald Spengler und das Christentum

+Zwei kritische Aufsätze.+ Von =D. Karl Heim= und =D. Rich. H. Grützmacher=. M. 70.--

_+Inhalt+: Die religiöse Bedeutung des Schicksalsgedankens bei Oswald Spengler von KARL HEIM. -- Die christliche Weltanschauung und die Geschichtsphilosophie Oswald Spenglers von RICH. H. GRÜTZMACHER._

ERNST DROEM

Gesänge Mit einer Einführung von =OSWALD SPENGLER. 1920=

Ex Tenebris +Gedichte+. 1921

Guter Mond +Gedichte+. 1922.

Jeder Band gebunden M 180.--

Der Dichter +Droem+ ist im ersten Band von Spenglers „Untergang des Abendlandes“ wiederholt genannt und stets in Verbindung mit Dichtern einer späten Großstadtkultur. Die bis jetzt veröffentlichten drei Bände stellen drei verschiedene Stadien aus dem Schaffen dieses Dichters dar. „Ex Tenebris“ enthält die Gedichte der Frühzeit, um 1900 entstanden. „Gesänge“ wurde etwa acht Jahre später geschaffen. „Guter Mond“ bietet die Schöpfungen Droems aus den Jahren 1917-1920 dar.

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

FORSCHUNGS-INSTITUT FÜR KULTURMORPHOLOGIE

An der Spitze des Instituts stehen LEO FROBENIUS und OSWALD SPENGLER. Geschaffen ist es in 25jähriger zäher Arbeit von Leo Frobenius und knüpft seine Arbeit an das beste Gedankengut Goethes und Herders an. Im unterzeichneten Verlage sind folgende Werke erschienen oder im Erscheinen:

Erschienen ist +die Einführungsschrift in die Gedankenwelt+ von

LEO FROBENIUS

Paideuma

Umrisse einer Kultur- und Seelenlehre

VI, 125 Seiten 8ᵒ. M 150.--

„Das Buch gibt eine Fülle wertvoller Anregungen und erschließt ganz neue Gesichtspunkte für die Geschichte der Menschheitskultur. In gut gewählten Beispielen läßt uns der Verfasser Einblicke tun in die reichen Schätze seiner völkerkundlichen Beobachtungen, die er in langjährigen, mühevollen Forschungen namentlich in Afrika gesammelt hat. Sie lassen uns mit Spannung seinen weiteren Veröffentlichungen entgegensehen.“ +Literar. Zentralblatt.+

Ferner erscheint:

Atlas Africanus

Belege zur Morphologie der afrikanischen Kulturen

Herausgegeben von

=LEO FROBENIUS= und =RITTER v. WILM=

Das von Gelehrten wie Ankermann, Meinhoff, Obermayr, Sven v. Hedin, Stuhlmann, Frhr. v. Nordenskjöld gleich bei seinem Erscheinen begrüßte Werk erscheint in Lieferungen zu je 5-6 Karten. Es ist ein für die Arbeiten der Ethnographie, Prähistorie, Kulturgeschichte wichtiges Unternehmen, da es ganz neue Wege, die Einzelergebnisse dieser Wissenschaftszweige auszuwerten, einschlägt. Jährlich erscheinen 4 Lieferungen. 2 Lieferungen sind erschienen.

_Ein ausführlicher Prospekt kostenfrei._

Im Lauf des Herbstes 1922 wird erscheinen:

Das unbekannte Afrika

Aufhellung der Kultur eines mystischen Erdteils

185 Tafeln mit 10 Bogen Text in 4ᵒ

„Die Entwicklung der inneren afrikanischen Stämme wird für uns etwas immer Fremderes und Größeres, je mehr wir sie kennen lernen,“ so schrieb Geh.-Rat E. Troeltsch in einem Aufsatz in Schmollers Jahrbüchern 1920. Leo Frobenius wird mit diesem Afrikawerk den heute von den meisten noch geringschätzig und als bloße Kolonialdomäne behandelten Erdteil in einer Fülle prähistorischer, historischer, kultur- und kunstwissenschaftlicher Denkmäler und Zeugnisse zeigen, so daß das Wort von Troeltsch eine von diesem selbst kaum geahnte Bestätigung finden wird.

_Illustrierte Prospekte bei Erscheinen des Werkes._

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Von =Hermann L. Strack= und =Paul Billerbeck=

Erster Band: Das Evangelium nach Matthäus

Erläutert aus Talmud und Midrasch

VIII, 1055 Seiten Lex. 8ᵒ. Geheftet M 900.--, Ausland: 25 Schweizer Fr.[*]. Gebunden M 1300.--, Ausland: 30 Schweizer Fr.[*]. In Halbleder gebunden etwa M 2000.--, Ausland: etwa 40 Schweizer Fr.[*]. Soeben erschienen

Unser Verlag tritt hier mit dem 1. Bande eines monumentalen Werkes hervor, das mit Unterstützung opferwilliger Freunde in den neutralen Staaten, in England und den U.S.A. veröffentlicht werden kann. Seit 16 Jahren arbeiten die beiden Herausgeber daran, den gesamten der Erläuterung des Neuen Testaments dienenden Stoff aus dem Talmud, den Midraschim, dem Philo und Josephus, den Apokryphen und Pseudepigraphen zu sammeln und in zuverlässiger Übersetzung bequem zugänglich zu machen, ein Unternehmen, dem unter den lebenden Semitisten wohl nur H. L. Strack und P. Billerbeck gewachsen sind. Der Glaube, die Anschauungen und das Leben der Juden in der Zeit Jesu und der ältesten Christenheit werden hier objektiv dargelegt.

Das Werk wird in vier Bänden erscheinen, deren I. Band -- das Matthäus-Evangelium -- jetzt fertig ist. Band II wird Markus, Lukas, Johannes und die Apostelgeschichte umfassen, Band III die Briefe und die Offenbarung Johannis, Band IV bringt Abhandlungen zur neutestamentlichen Theologie und Archäologie. Der II. Band wird noch im Laufe dieses Sommers zum Druck befördert werden. Der Umfang von Band II-IV wird etwa je 40 Bogen nicht überschreiten. Ein ausführlicher Prospekt steht zur Verfügung.

Einleitung in Talmud und Midrasch

Von =DDr. Hermann L. Strack=

5., ganz neu bearbeitete Auflage der Einleitung in den Talmud XII, 233 Seiten gr. 8ᵒ. Geheftet M 84.--, gebunden M 160.--

Das Lebensgefühl des Paulus

Von =D. Otto Schmitz=

ord. Professor der ev. Theologie an der Universität Münster

Geheftet etwa M 200.--. Soeben erschienen

Dieses Buch ist eine Frucht an dem jungen Baume modernster intuitiver Psychologie. Der Beschauer versenkt sich in ein Seelentum und sucht es so zentral wie möglich an erfassen. Er will nichts erklären, sondern die Seele in ihrer Einzigartigkeit schauen und beschreiben. Von hier aus versteht er dann auch ihre Auswirkungen in der Welt. Unsere Gebildeten suchen Fühlung mit den großen Heiligen, wie Augustinus, Franziskus, Ignatius. Paulus ist größer als sie alle. Er war der erste historisch faßbare Christ von gewaltigstem Ausmaß. Mit ihm in Berührung zu kommen durch dieses kleine Meisterwerk moderner Seelenkunde, bedeutet einen Zuwachs an geistiger Kraft.

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Das Abendland als weltgeschichtliche Einheit

Von =Friedrich Leonhard Crome=

Geheftet M 200.--, in Pappbd. geb. M. 280.--, in Ganzleinen M 400.--

_+Inhalt+: Die Grundlegung Europas im römischen Kaiserreich -- Entstehung der römisch-germanischen Kulturwelt -- Das abendländische Universalreich -- Die Bildung der europäischen Nationen -- Der Aufstieg Europas zum hegemonischen Erdteil -- Europa im Weltstaatensystem -- Das 19. Jahrhundert_

Eine europäische Geschichte im Grundriß und nach ihren treibenden Kräften und Tendenzen. Fesselnd geschrieben und überaus aufschlußreich für Historiker, Politiker, Volkswirtschaftler, sowie für alle gebildeten Männer und Frauen. Das Buch hilft mit am Wiederaufstieg Deutschlands, indem es aus der Geschichte die Aufgaben zu erkennen sucht, die unserm Volke zugewiesen sind. Erscheinungen innerhalb dieser großartigen Gesamtschau, wie Völkerbund, Pazifismus, Sozialismus erhalten einen tieferen Sinn.

Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen

Von =Theodor Lessing=

3. Auflage. Gebunden M 260.--

_Das Werk wurde mit dem Strindbergpreis „für das freieste Geisteswerk von europäischer Bedeutung“ ausgezeichnet_

„Ein bedeutendes, tief schürfendes Buch, das auf die Fragen: Was ist eigentlich Geschichte? Wie kommt Geschichte zustande? Wozu bedarf der Mensch der Geschichte? vielfach neue und unerwartete Antworten gibt.“ +Psychische Studien.+ -- „Lessings Buch ist ein Buch, das uns vom Historismus befreien will.... Man muß das Buch als ein in der heutigen Zeit selten tapferes und selbständiges Werk begrüßen, mit dem es sich verlohnt, sich auseinanderzusetzen.“ +Walter Koch+ (Sozialistische Monatshefte).

Psychologie des deutschen Menschen und seiner Kultur

Ein volkscharakterologischer Versuch

Von =Richard Müller-Freienfels=

Gebunden M 220.--

„Ein wundervolles, tiefes und wertvolles Buch ist uns Deutschen hier gegeben, das nicht +einmal+, sondern wieder und wieder gelesen zu werden verdient, das man besitzen muß.... Mit reinster objektiver Wissenschaftlichkeit geht der Verfasser an sein Werk. Wir lesen und hören von ›Uns‹, wir sehen uns selbst wie in einem Spiegel, der unsere feinsten, verborgensten Züge aufs klarste zurückwirft.... Es ist eine hohe Kunst, das spezifische Deutsche in allen Lebensbetätigungen unseres Volkes, in Religion, Philosophie, Kunst, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft herauszufühlen, herauszufinden, herauszustellen ...“ Geh.Rat Dr. +M. Dreßler+ (Karlsruher Zeitung).

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

[*] Von der Außenhandelsnebenstelle lt. § 7 der Verkaufsordnung für Auslandlieferungen genehmigt. -- Umrechnung in die Währung der anderen Länder nach den von der Außenhandelsnebenstelle bekanntgegebenen Sätzen.

Schultheß’ Europäischer Geschichtskalender

Erscheint in jährlicher Folge seit 1860

_KRIEGSJAHRGÄNGE_

_Neue Folge. 30. Jahrgang 1914 (der ganzen Reihe LV. Band). Herausgegeben von WILHELM STAHL. In zwei Teilen. XXXII. 1248 S. gr. 8ᵒ. Geheftet M 700.--_

_Neue Folge. 31. Jahrgang 1915 (der ganzen Reihe LVI. Band). Herausgegeben von ERNST JÄCKH und KARL HÖNN. In zwei Teilen. 1919. LVII, 702 S. u. III, 752 S. gr. 8ᵒ. Geheftet M 700.--_

_Neue Folge. 32. Jahrgang 1916 (der ganzen Reihe LVII. Band). Herausgegeben von ERNST JÄCKH und KARL HÖNN. In zwei Teilen. 1921. XLVII, 646 S. u. IV, 680 S. gr. 8ᵒ. Geheftet M 700.--_

_Neue Folge. 33. Jahrgang 1917 (der ganzen Reihe LVIII. Band). Herausgegeben von WILHELM STAHL. In zwei Teilen. 1920. XXXVII, 2115 S. gr. 8ᵒ. Geheftet M 1000.--_

_Neue Folge. 34. Jahrgang 1918 (der ganzen Reihe LIX. Band). Herausgegeben von WILHELM STAHL. In zwei Teilen. Erscheint Ende 1922_

_Jahrgang 1919 erscheint 1923. (Sonderprospekt steht zur Verfügung.)_

Schultheß’ Europäischer Geschichtskalender, seit 1860 in jährlicher Folge erscheinend, bietet das ganze Ereignismaterial eines Jahres in ununterbrochener chronologischer Folge nach Ländern geordnet dar, so daß die politische Geschichte eines jeden Landes in jedem Jahre und fast an jedem Tage im Zusammenhang gelesen, verfolgt oder nachgeschlagen werden kann.

„Für jeden, der sich mit neuester Geschichte beschäftigt, ist Schultheß’ Kalender ein unentbehrliches Handbuch, ein zuverlässiger, von keinerlei parteipolitischen Rücksichten beeinflußter Ratgeber. Er legt ohne parteiische Voreingenommenheit und Zweckfolgerung die für die geschichtliche Entwicklung entscheidenden Dokumente und Tatsachen soweit als möglich in lückenloser Folge dar. Auch dieses schlichte Materialienwerk ist eines von jenen Büchern, auf die wir stolz sein können und die den Hochstand der deutschen Wissenschaft erweisen.“ +Hamburgischer Correspondent.+

Zum Verständnis der Weltlage

Zugleich eine Auseinandersetzung mit Fr. W. Foerster

Von =Karl von Wachter=, Oberst a. D.

VIII, 324 Seiten

Aus dieser Auseinandersetzung des Obersten von Wachter, eines echten Militärs und Lutheraners, spürt man in jeder Zeile, wie tief er über Fr. W. Foersters Schrift „Mein Kampf gegen das militaristische und nationalistische Deutschland“ empört ist. Er kennt das Politische und die Kriegsgeschichte der Gegenwart, die zeitgenössische Publizistik, auch die des Auslandes, und ist ein Mann, dessen Blick von jeder Verschleierung der harten Tatsachenwelt durch Utopien frei ist. Der Gedankenstrom des Verfassers reißt den Leser mit sich fort.

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Das Ostproblem

Seine Geschichte und Bedeutung

Von =Dr. Walther Harich=

Geheftet etwa M 250.--, gebunden etwa M 280.--

Der deutsche Osten in Gefahr! Aber was ist heute nicht in Gefahr? Wer kann auf jeden Notschrei hören, der von den Grenzmarken, von dem versinkenden Deutschland, von dem sterbenden Europa kommt? Zu viel Gefahren umbranden uns alle. Aber wenn sich zeigen ließe, daß hier mehr als Gefahr, daß hier auch der Weg zur Rettung ist, daß hier im deutschen Osten und seinen Nachbarländern, wo der europäische Knoten so unheilvoll sich schürzte, auch die Stelle ist, ihn aufzulösen? Nichts weniger als dies will die Schrift des Ostpreußen Walther Harich aufzeigen, der sich durch eine zweibändige Biographie E. T. A. Hoffmanns in der Literaturgeschichte bereits einen glänzenden Namen gemacht hat. Sie packt das Problem Europas im Ostproblem und in seiner Geschichte. Von vielem wird hier gesprochen: vom Ostseehandel, von Produktion und Bedürfnis, aber auch von Christus, von Rom und Byzanz. 1000 Jahre östliche Geschichte, die den meisten von uns Deutschen völlig unbekannt ist, werden hier ausgebreitet und auf das, was sie für die Gegenwart lehren, befragt. So wie ein lebender Körper jede kleinste Verletzung am +ganzen+ Leibe spürt, so müßte auch die Wunde, die der Versailler Friedensvertrag dem deutschen Reichskörper im Osten zugefügt hat, in allen Seelen des deutschen Volkes brennen und die Kräfte jedes einzelnen zur Abwehr aufrufen.

Russische Literaturgeschichte

in Einzelporträts

Von =Alexander Eliasberg=

Mit einem Vorwort von +Dmitrij Mereshkowskij+

Mit 16 Bildnissen. Auf holzfreiem Papier und in Leinen gebunden M 480.--

„... In seiner großen Fähigkeit der Zusammenfassung hat Eliasberg nur die wesentlichsten Erscheinungen, die prominenten Figuren in scharfen Charakteristiken nebeneinandergestellt: alles, was nur mitfördernd zwischen den Gewaltigen gewirkt hat, deutet er bloß mit kurzen Strichen an, so daß wir hier niemals eine langweilige Literaturhistorie haben, sondern lebendige Lebensbilder, die auf das glücklichste von ausgezeichneten Porträts der größten russischen Maler begleitet sind. Zum allerersten Male kann sich der Deutsche hier ein klares Bild der geistigen Aufeinanderfolge in der russischen Literatur machen und auch dem Vertrauten wird die ausgezeichnete Analyse, die bibliographischen Tabellen von ungemeinem Vorteil sein.“ +Stefan Zweig+ (Neues Wiener Journal).

Deutsche Literaturgeschichte

Von =Alfred Biese=

+Erster Band+: Von den Anfängen bis Herder. +Zweiter Band+: Von Goethe bis Mörike. +Dritter Band+: Von Hebbel bis zur Gegenwart. Drei Bände mit vielen Bildnissen. =19.= +Auflage+ (80.–84. Tausend). Jeder Band in Halbleinen gebunden M 560.--. 3 Bände in Halbfranz gebunden M 2880.--

„Eine so großzügige Darstellung der gesamten deutschen Literatur, so umsichtig in der Auswahl und modern in der Auffassung, zugleich von so reifem, sicherem Urteil, so klar in den Umrissen, warm in den Farben und verständlich in allen Teilen, so aus einem Guß und mit sicherer Gewalt über die Sprache geschrieben -- ist bisher in dieser Art schwerlich geboten worden.“ +Konservative Monatsschrift.+ -- „Ein ganz ausgezeichnetes Buch! erfrischend von der ersten bis zur letzten Seite, ein Werk von edler und gebildeter Volkstümlichkeit.“ +Neues Wiener Tagblatt.+

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Geschichte der deutschen Literatur

bis zum Ausgang des Mittelalters

Von =G. Ehrismann=

1. Teil: +Die althochdeutsche Literatur.+ Geh. M 420.--, geb. M 600.--

2. Teil: +Die frühmittelhochdeutsche Literatur.+ Geh. M 380.--, geb. M 500.--. Soeben erschienen

„... So wird das Werk nicht bloß eine grundlegende Geschichte der althochdeutschen Literatur, sondern geradezu eine Darstellung nationaler Kulturentwicklung deutscher Frühzeit. Sein Wert für uns Lehrer liegt nicht nur in der gelehrten Gründlichkeit, sondern auch in der ehrfürchtigen Liebe des Verfassers zur deutschen Vergangenheit, die wir in dem ganzen umfangreichen Werke überall verspüren.“ +Bayerische Zeitschrift für Realschulwesen.+

Deutsche Sprichwörterkunde

Von =Friedrich Seiler=

Geheftet M 420.--, gebunden M 580.--

„Der gelehrte Verfasser des vorliegenden Buches trachtet in seinem großen Werk danach, das Wachstum unserer Stoffsammlungen durch alle Jahrhunderte zu verfolgen und strebt nach einer erschöpfenden Bibliographie nach Art von Goedekes Grundriß. Er bemüht sich erfolgreich, dem wichtigen Forschungsgebiet, dem er dient, sein früheres Anrecht auf die Schule wieder zu erobern. Das tut er, indem er den Hauptteil seines Buches auf Wesen und Wert des Sprichworts verwendet, mit der Nebenabsicht, die tausendfachen Erscheinungsformen der Sprichwörter zu illustrieren, wo die sprichwörtlichen Redensarten mit in den Kreis der Betrachtung treten. Eine solche Einführung in Sinn und Geist, auch in die Form der Sprichwörter weiß er belebend zu gestalten. Aus liebevoller Vertiefung in den Gegenstand hervorgegangen, wendet er sich hauptsächlich an alle Lehrer, denen es einleuchtet, welch reicher Arbeitsstoff für die Schule im Sprichwort liegt.“ Prof. +Friedrich Kluge+ (Lit. Echo).

Deutsche Altertumskunde

Von =Fr. Kauffmann=

1. Hälfte: +Von der Urzeit bis zur Völkerwanderung.+ Geh. M 480.--, in Leinen geb. M 660.--. 2. Hälfte: +Von der Völkerwanderung bis zur Karolingerzeit.+ Erscheint Herbst 1922

„Der leitende Gedanke, welcher der Darstellung zugrunde gelegt wurde, ist eine zusammenhängende belebte Schilderung, die sich durch Form und Inhalt leicht einprägen läßt, und in reichlichen Anmerkungen die Literaturzitate und die nötigen Erläuterungen zu geben. Dem Verfasser ist es vorzüglich gelungen, durch seine von eingehendster Sachkenntnis und eigner Stellungnahme zeugende Darstellung zu fesseln, und es muß fast ein Genuß sein, sich durch solche Lektüre auf einen anregenden Unterricht vorzubereiten.“ +Neue Jahrbücher für das klassische Altertum.+

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Poseidonios

Von =Karl Reinhardt=

Mit einem Bildnis des Poseidonios. Gebunden M 580.--

Dieses Buch ist mehr als die Ausgrabung eines verschollenen Denkers, dessen Werke, wenn er auch für seine Zeit die Bedeutung eines Leibniz gehabt hat, für uns bis auf geringe Bruchstücke verloren gegangen sind. Es gibt die Geschichte der gesamten antiken Wissenschaft um das Jahr 100 v. Chr., denn Poseidonios war ein Denker, der das ganze Wissen seiner Zeit umfaßt und befruchtend auf Geographie, Physik, Astronomie, Geschichtsschreibung, Philosophie, Religion gewirkt hat.

„Gewohnt, die Wissenschaft mit wertvollen Funden zu bereichern und auch bestrebt, die Fachgenossen durch Entdeckungen zu überraschen, alte Anschauungen zu beseitigen, hat Reinhardt ein Werk geschaffen, dessen hohe Bedeutung gerade die würdigen müssen, deren Vorstellungen der Forscher bekämpft und durch ein neues Bild des Poseidonios ersetzen will.... In blendender Beleuchtung erscheint hier Poseidonios als der Schöpfer eines umfassenden Systems, dessen Glaubwürdigkeit mit ebenso scharfer philologischer Methode wie spekulativem Überblick verfochten wird. In der Tat, wir dürfen in diesem geistvollen und mit Überzeugungskraft geschriebenen Werke eine nachdrückliche Klärung des Problems dieser antiken Persönlichkeit sehen und anderseits auch an dieser Leistung die kraftvolle Anregung zu erneuten Studien über Poseidonios rühmen.“ Prof. +J. Geffcken+ (Hamburger Fremdenblatt).

Platon

Sein Leben, seine Schriften, seine Lehre

Von =Constantin Ritter=

+Erster Band+: Platons Leben und Persönlichkeit, Philosophie nach den Schriften der ersten sprachlichen Periode. In Ganzleinen gebunden M 560.--, in Halbpergament gebunden M 960.--

+Zweiter Band+: Platons Philosophie nach den Schriften der zweiten und dritten Periode. Erscheint Herbst 1922

„Das Buch ist in hervorragender Weise tauglich, allen Gebildeten die Bekanntschaft mit dem berühmten Philosophen zu vermitteln. Es führt den Leser tief hinein in die ganze Kulturwelt des Griechentums. Studierenden der Geschichte der Philosophie muß Ritters Buch von außerordentlichem Nutzen sein; aber auch der gereifte Mann wird es gern in seiner Bibliothek wissen.“ +Berner Bund.+

Dante

Seine Zeit, sein Leben, seine Werke

Von =Konrad Falke=

750 Seiten gr. 8ᵒ. Mit 64 Tafeln Abbildungen In Leinen gebunden M 600.--, in Halbpergament gebunden M 1000.--

„Falke will Dante als einen Geist von weltumspannender Größe in den weitesten Rahmen kulturgeschichtlicher Betrachtung hineinstellen, mit den Mitteln neuzeitlicher Psychologie sein persönliches Lebensproblem aufhellen, und die Notwendigkeit seiner Entwicklung aus Gesetzen heraus erklären, die im Allgemeinmenschlichen wurzeln.... Falke sieht in Dante den vollkommensten Ausdruck eines tausendjährigen Zeitalters, dessen Nachwirkung auch unsere Zeit trotz der gewaltigen Fortentwicklung immer noch verspürt.... Einen sehr willkommenen Schmuck und zugleich wertvollste Ergänzung des Textes bilden die 64 Tafeln sorgfältig ausgewählter Abbildungen, die ein ebenso anziehendes wie beredtes Anschauungsmaterial enthalten.... Wir dürfen Falkes Dante als eine der inhaltreichsten und schönsten Gaben ansprechen, die das Jubiläumsjahr des großen Florentiners uns beschert hat.“ +Friedrich Noack+ (Kölnische Zeitung).

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Schicksalstage deutscher Dichter

Herausgegeben von =Rudolf Krauß=

_+Inhalt+: Walther v. d. Vogelweide -- Friedrich von Logau -- Wieland -- Herder -- Schubart -- Goethe -- Matthias Claudius -- Hölderlin -- E.T.A. Hoffmann -- H. v. Kleist -- Ferdinand Raimund -- Ad. Stifter -- Annette v. Droste -- Grabbe -- Georg Büchner -- Gottfried Keller -- Louise von François_

382 Seiten. Gebunden M 350.--. Soeben erschienen

Zur dichterischen, novellistischen Darstellung der „Schicksalstage deutscher Dichter“ haben sich unter der Führung von +Rudolf Krauß+ eine Anzahl Autoren zusammengefunden, von denen hier nur +Ottomar Enking+, +Hermann Hefele+, +Will Vesper+, +Heinrich Lilienfein+, +Kurt Martens+, +Wilhelm Fischer-Graz+, +Karl Hans Strobl+ genannt seien. Diese Mitarbeiter haben sich solche Dichter gewählt, mit denen sie innere Verwandtschaft haben und mit deren Leben sie infolgedessen seit langem vertraut sind.

Dieser ersten Sammlung von Schicksalstagen deutscher Dichter soll gegen Ende des Jahres noch eine zweite Sammlung folgen. Wir sind gewiß, unserem Volke hier ein Novellenbuch von eigenartigem Reiz geboten zu haben.

Joseph von Eichendorff

Sein Leben und seine Werke

Von =Hans Brandenburg=

In Leinen geb. M 560.--, in Halbfranz geb. M 900.--. Soeben erschienen

Eichendorff ist in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts wahrhaft volkstümlich geworden. Den zahlreichen Herzensfreunden des Dichters, evangelischen und katholischen, wird die nähere Kenntnis dieses Dichterlebens eine Freude sein und ihnen den ganzen Gehalt seines Schaffens erst erschließen. Der Darstellungskraft Hans Brandenburgs gelingt es, in anziehenden romantischen Schilderungen das Geschehen der Zeit vor 100 Jahren, wie es sich im Leben und Schaffen Eichendorffs spiegelt, darzustellen und entzückende Bilder aus der Zeit des sterbenden Rokoko und der Biedermeierzeit zu malen.

Mozart

Sein Leben und seine Werke

Von =Ludwig Schiedermair=

Mit Titelbild in Lichtdruck, 22 ganzseitigen Einschaltbildern und 70 Notenbeispielen im Text. In Leinen geb. M 600.--, in Halbfranz geb. M 900.--

Der um Mozart seit langem verdiente Verfasser hat hier das Lebenswerk des genialen Künstlers nach dem Stande der gegenwärtigen und der eigenen Forschung zur Darstellung gebracht. Mozarts künstlerische Gesamterscheinung ist möglichst scharf herausgearbeitet und aus dem Geiste seiner Zeit begriffen. Klarheit der Darstellung und Anmut zeichnen diese Mozart-Biographie aus. Eine wertvolle Beigabe ist ein vollständig chronologisches und systematisches Verzeichnis aller Kompositionen Mozarts.

Shakespeares Königsdramen

Geschichtliche Einführung

Von =Alfred Steinitzer=

Mit 37 Vollbildern, 5 Kartenskizzen und 14 Stammtafeln

In Halbleinen geb. M 500.--, in Ganzleinen geb. M 550.--. Soeben erschienen

Das Wort von Gervinus, „man habe sich bei den Königsdramen Shakespeares durch eine schwierige Materie durchzuarbeiten, die den Flug des Dichters und unseren Nachschwung zu hemmen scheint, die gleichsam mit historischen Studien überwunden werden muß“, hat den Herausgeber veranlaßt, für den Leser der Königsdramen alles, die geschichtlichen Zusammenhänge betreffende Material bereitzustellen, damit er mit möglichst geringer Mühe die Schwierigkeiten überwinden kann. Zahlreiche Stammtafeln und Kartenskizzen erläutern die Ausführungen. Hinzu kommt eine Anzahl Porträts und eine Reihe von Nachbildungen zeitgenössischer Miniaturen, die einzelne Szenen, wie z. B. die Erdrosselung Glosters, darstellen.

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Hegels Aesthetik

unter einheitlichem Gesichtspunkte ausgewählt, eingeleitet und mit verbindendem Text versehen von =Alfred Baeumler=

Gebunden M 220.--.

„Baeumler reiht seine aus dem großen dreibändigen Werke Hegels sorgsam ausgewählten Stücke sinnvoll aneinander und verbindet sie an vielen Stellen durch erklärende und überleitende Einschübe so, daß sie ein neues Ganzes ausmachen. Dieses baut sich in vier Abteilungen auf: Von der Kunst, Von der Schönheit, Die sinnliche Entfaltung des Ideals, Die historische Entwicklung des Ideals; mit den Unterabschnitten: Die symbolische, Die klassische und Die romantische Kunstform. So erhalten wir einen reinen und großen Ueberblick über die Geschichte der Menschheit im Spiegel ihrer künstlerischen Entwicklung .... Was Hegel über die Kunst der orientalischen Völker, über die antike und die christlich-germanische Kunst im allgemeinen sagt, was er über die Einzelkünste offenbart, ist unveraltet, ja wird heute erst auf volles Verständnis und besondere Empfänglichkeit stoßen.“ Prof. +Karl Berger+ (Hess. Landeszeitung).

Der Kampf um das Christentum

Geschichte der Beziehungen zwischen dem evangelischen Christentum in Deutschland und dem allgemeinen Denken seit Schleiermacher und Hegel

Von =Werner Elert=

In Leinen gebunden M 580.--

Eine Geschichte des Geisteskampfes zwischen Kultur und Christentum im 19. und 20. Jahrhundert fehlte bislang. Den meisten unserer Gebildeten sind die Namen von Geisteskämpfern wie David Friedrich Strauß, Max Stirner und Ludwig Feuerbach, Friedrich Nietzsche, L. Büchner, Ernst Haeckel, Albert Kalthoff, A. Drews und C. Jatho bekannt, deren Stellung innerhalb der gesamten Kampfbeweguug ist jedoch vielen undeutlich. Ohne Einsicht in die historische Entwicklung des großen Ringens zwischen Christentum und Kultur ist aber weder dieser Streit noch das religiöse Problem der Gegenwart zu verstehen. Das Werk Elerts bietet eine erschöpfende Darstellung der einzelnen Etappen dieses großen Kampfes. Die große Fülle des Stoffes ist vom Verfasser nahezu dramatisch komponiert und dargestellt worden. Gerade in der Not der Gegenwart, in der die Anteilnahme am Religiösen die am Aesthetischen überwächst, wird dieses Buch sehr bedeutungsvoll werden.

Die Gefühlsgewißheit

Eine erkenntnistheoretische Untersuchung von =Johannes Volkelt=

Geheftet M 160.--, gebunden M 240.--. Soeben erschienen

Die Untersuchungen dieser Schrift bilden eine Ergänzung zu Volkelts Werke „Gewißheit und Wahrheit“. (587 S. gr. 8ᵒ. Geb. M 520.--.) Sie betreffen die von der Philosophie der Gegenwart so hoch geschätzte intuitive Gewißheit. Der Anteil dieser Gefühlsgewißheit an der wissenschaftlichen Arbeit wird hier abgegrenzt: Die Arten und Weisen, in denen sich die Gefühlsgewißheit mit Fug und Recht betätigen darf, werden genau umschrieben und umgrenzt, eine Reihe von Gefühlsgewißheitstypen ist das Ergebnis.

„Der Leser der Volkelt’schen Schriften wird immer wieder die weise, besonnene Klarheit aller Ausführungen bewundern, die Durchsichtigkeit und Folgerichtigkeit des Aufbaues, die geschmeidige Fügsamkeit der Sprache, die feinste seelische Verwebungen schaubar macht, vor allem auch die vollendete Beherrschung der Literatur, die sich bis auf die Jüngsten erstreckt. Ein Buch Volkelts braucht man Fachleuten nicht zu empfehlen; sie wissen sehr gut, daß sie es lesen müssen, und die Lektüre sich lohnt.“ +Zeitschrift für Aesthetik.+

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

Die frohe Botschaft

NACH MARKUS. Leicht geb. M 90.--, auf holzfreiem Papier in vornehmem Einband M 130.--. / NACH MATTHÄUS. (Soeben erschienen.) Leicht geb. M 100.--, auf holzfreiem Papier in vornehmem Einband M 140.--. NACH LUKAS und NACH JOHANNES erscheinen im Oktober. Aus der griechischen Urschrift übertragen von =Roman Woerner=.

Diese Evangelienübertragung in Versreihen ist der erste wohlgeglückte Versuch, den Evangelientext in seiner ursprünglichen Form wiederzugeben.

„Die Wirkung ist überraschend: in wunderbarer Kraft und Frische, herrlich wie am ersten Tag treten die alten Geschichten uns entgegen und halten uns fest. Es ist, wie wenn ein neuer Heliand uns erstände. Woerners Markusübersetzung wird unserm Luthertext keinen Abbruch tun. Aber sie wird neben ihm ihre Sendung haben an die Gebildeten unserer Tage. Das Bändchen ist eine wunderschöne Gabe.“ +Preußische Kirchenzeitung.+

Laotse · Tao Teh King

+Vom Geist und seiner Tugend.+ Übertragung von =H. Federmann=. 3. Auflage. Leicht geb. M 90.--, auf holzfreiem Papier und in Javapapier geb. M 130.--

„Es ist ein Verdienst H. Federmanns, die wundervollen Gedanken Laotsens in einer zierlichen, kleinen Ausgabe, und, was noch mehr bedeuten will -- in einer klaren, formvollendeten Übersetzung weiteren Kreisen erschlossen zu haben ...“ +Münchner Neueste Nachrichten+ (H. Taub).

Buddha · Die Erlösung vom Leiden

+Ausgewählte Reden des Buddha.+ Aus den ältesten Urkunden, dem Pali-Kanon, übersetzt und geordnet von =Kurt Schmidt=. 2. Auflage. I. Teil. =Aus dem Leben des Vollendeten.= -- II. Teil. =Der Weg zur Erlösung.= Leicht geb. je M 80.--, auf holzfreiem Papier und in Javapapier geb. je M 120.--

„In unserer traurigen, von Unrast und ziellosem Drang verwirrten Zeit werden diese kleinen Büchelchen Jedem Wegweiser und Trost sein, dessen Geist Ruhe und Verborgenheit sucht, um zu gesunden.“ +Münchner Post+ (Fiori).

Die Weisheit der Upanishaden

Aus dem Sanskrit neu übersetzt und erläutert von =Johannes Hertel=. Zurzeit vergriffen, neue Auflage erscheint Herbst 1922.

„Die Übersetzung verrät den Meister, sie ist flüssig, die Auswahl ergibt ein Gesamtbild dieser indischen Philosophie, die Einleitung und die Erklärungen sind knapp und unterrichtend. Der gelehrte Herausgeber hat sich mit dieser Ausgabe ein Verdienst erworben.“ +Allg. Ev. Luth. Kirchenzeitung.+

Meister Eckhart · Reden der Unterweisung

Übertragen und eingeleitet von =Joseph Bernhart=. Leicht geb. M 84.--, auf holzfr. Papier u. in Javapapier geb. M 120.--

Reden der Unterweisung -- „das sind die Reden, die Bruder Eckhart mit solchen geistlichen Kindern pflog, die ihn um viele Dinge fragten, als sie zu abendlichen Tischgesprächen beieinander saßen“. So lauten die ersten Zeilen der alten Handschrift. Diese Reden gehören zu den gesichertsten und schönsten Schriften des Meisters, deren Überlieferung im allgemeinen so mangelhaft ist. Bernhart hat den Urtext in zartester Weise in unsere heutige Sprachform umgegossen und in einer Einleitung dem Leser alles dargeboten, was er braucht, um diese Texte wirklich auszuschöpfen.

Sämtliche angegebenen Preise freibleibend

_C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck München_

C. H. Beck’sche Buchdruckerei in Nördlingen