Chapter 2 of 2 · 813 words · ~4 min read

Part 2

Carl war ein großer schöner Mann, von so gutem Aussehen, als es nur immer seine vielen Fasten gestatteten. Er hatte große blaue Augen, eine Adlernase, kastanienbraune Haare. Würde und Ernst waren über sein blasses Antlitz ausgegossen. In Kleidung und Hausgeräthen war er äußerst einfach. Strenge und sparsam gegen sich, war er sehr gastfrei und ein wahrhaft guter Hausvater der Seinigen. In seinen Diensten hatten sie keine Noth zu fürchten; ihr Alter und ihre Gebrechlichkeit machte sie ihm noch theuerer. Sehr leicht zugänglich, empfing er Jedermann mit Sanftmuth und Artigkeit, vorzüglich aber fromme arme Leute. Betrug er sich gegen die Großen voll Würde und Ernst, so nahm er dagegen einen armen Landschullehrer mit der rührendsten Leutseligkeit auf. Er kannte vollkommen, was der Anstand, die bürgerliche Rangordnung, und die feinste Lebensweise fordern, daß die ganze Welt darüber staunte, wie ein so großer Oberhirt, bei seinen zahlreichen und heiligen Beschäftigungen, so genau in Erfüllung der Pflichten des geselligen Lebens seyn könne.

Am 1. November 1640 wurde er von seiner Heiligkeit Paul +V.+ unter die Diener Gottes feierlich aufgenommen, welche Gott selbst durch wunderthätige Hilfeleistungen auf ihre Fürbitte als seine Freunde erklärt hat, und deren heiliger Wandel von der Kirche allen Gläubigen zur Nachahmung vorgestellt wird. Seine irdischen Überreste ruhen im Dome zu Mailand.

~Gebet.~

O Herr! bewahre deine Kirche unter dem beständigen Schutze deines heiligen Bekenners und Bischofes Carl, damit, wie seine Hirtensorgfalt ihn verherrlicht, seine Fürbitte uns immer mehr in deiner Liebe entzünde, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

=Gottesdienst-Ordnung,=

nach welcher

durch neun Tage in der k. k. Votiv- und Pfarrkirche zum heiligen Carl Borromäus in Wien

=das erste hundertjährige=

~Jubelfest der Einweihung~

gefeiert wird.

Sonnabend den 4. November, am Tage des heiligen Carl Borr., und am Vorabende der Feier seines Festes beginnt die Andacht um 4 Uhr Abends mit einer Eröffnungs-Predigt, worauf nach einer musikalischen Litanei der heil. Segen gegeben wird.

Sonntag den 5. November wird um 8 Uhr Morgens das hochwürdigste Altarssakrament zur Anbetung ausgesetzt, um 10 Uhr ist die Festpredigt, und um 11 Uhr das feierliche Hochamt. Abends um halb sechs Uhr ist abermals musikalische Litanei, und sie schließt mit dem heiligen Segen.

Die andern Tage dieser Festwoche, als am 6., 7., 8., 9., 10., 11. November, wird um 8 Uhr Morgens das allerheiligste Altarssakrament zur Anbetung ausgesetzt, um 11 Uhr ist ein Hochamt, und Nachmittag um halb 6 Uhr wird mit einer Litanei und dem heil. Segen geschlossen.

Sonntag den 12. November wird, wie am vorhergehenden Sonntage, um 8 Uhr Morgens das hochwürdigste Altarssakrament zur Anbetung ausgesetzt, um 10 Uhr ist die Fest-Predigt, um 11 Uhr das feierliche Hochamt.

Abends um vier Uhr ist die Dankpredigt, nach welcher eine musikalische Litanei und der Ambrosianische Lobgesang: »Herr Gott, Dich loben wir!« angestimmt, und zuletzt die festliche neuntägige Andacht mit dem heiligen Segen beschlossen wird.

Zu welcher Feierlichkeit die ganze löbliche Pfarrgemeinde im Herrn eingeladen wird.

Fußnoten:

[1] Geboren am 1. Oktober 1685 trat er die Regierung der Erblande nach dem Tode seines durchlauchtigsten Bruders, Kaisers Joseph +I.+, am 11. April 1711 an. Am 12. Oktober 1711 wurde er zum Kaiser erwählt und gekrönet. Er starb in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober 1740 in der Nachbarschaft der von ihm erbauten Kirche, im kaiserlichen Lustschloße Favorita, in welchem sich gegenwärtig die k. k. Theresianische Ritter-Akademie befindet.

[2] Seit Menschengedenken zum siebenzehnten Male.

[3] +Psalm 126. v. 2.+

[4] Siehe im Anhange die gedrängte Lebensbeschreibung dieses Heiligen.

[5] Die Zahl der Todten hat sicherlich im letztgenannten Jahre 50000 überstiegen. Genaue Zählungen waren unmöglich. Kaiser Leopold +I.+ ließ zur Danksagung die marmorene Dreieinigkeits-Säule auf dem Graben errichten.

[6] Leider, daß die nächste nach der größten gesprungen und unbrauchbar geworden ist, wodurch die Oktave, welche die acht Glocken bilden, unterbrochen wird.

[7] Dieser Orden, dessen Ursprung sich in das Dunkel der Kreuzzüge verliert, kam 1217 nach Böhmen, widmete sich dem Schutze und der Begleitung der Pilgrime in das heilige Land, der Pflege der armen hilfelosen Menschheit und der Seelensorge. Noch gegenwärtig besteht nach seinen Statuten an der hiesigen Wiener Commenda ein Armenspital. Das Ordenszeichen ist ein rothes Kreuz mit einem sechseckigten Sterne, das auf der linken Brustseite getragen wird.

[8] Alle in der Kirche vorkommenden Abbildungen des Heiligen sind treue Ebenbilder.

[9] Beinamen der Könige von Spanien und Ungarn.

[10] Ihre Einweihung siehe §. 3.

[11] Zwei Zeitgenossen, vertraute Freunde des Heiligen, Augenzeugen seines gottseligen Lebens, haben uns umständliche Beschreibungen desselben hinterlassen. Carl Basilicapetri, Mailand 1792, und vorzüglich Johann Peter +Glussiano+, Geheimschreiber des heiligen Bischofes, Mailand 1610. Herr Theodor Friedrich Klitsche, Major in päpstlichen Diensten, hat in einer guten Übersetzung, Augsburg 1836, Kollmann'sche Buchhandlung, dieselbe der deutschen Lesewelt zugänglich gemacht. Immer wird das Leben des heiligen Bischofes ein ermunterndes und begeisterndes Vorbild jedem frommen Christen, ein wahrer Tugendspiegel allen Priestern seyn, deren Obsorge Seelen anvertraut sind!