II.
HANDELSSCHIFFE
A) _Für die grosse Schiffahrt._
Das älteste Handelsschiff ist das «Koggeschiff», aus dem die «Hulken» und die «Krayers» entstanden sind. Diese Schiffe haben eine Beplankung mit Überlappung. Darauf baut man stärker gewölbte Schiffe. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erscheint die glatte Beplankung. Der sich daraus ergebende Typ heisst «Barge» (Barke) oder «Baertze».
Während dieser Zeit beginnt man, auf diesen Schiffen Aufbauten zu errichten, ganz wie bei den alten «Koggeschepen». Diese Aufbauten werden allmählich grösser, als man die spanischen, portugiesischen und genuesischen Schiffe nachbildet. Ein Typ mit Aufbauten von grossen Abmessungen nach den spanischen Karaks heisst «Kraak».
Dieses Schiff verschwindet jedoch in unserem Vaterlande im Laufe des 16. Jahrhunderts.
Am Ende des 16. Jahrhunderts tauchen die «Vlie-» oder «Vlietbooten» auf, die später «Fluiten» (Flüten) heissen.
Diese Schiffe unterscheiden sich von den vorhergehenden Typen dadurch, dass sie am oberen Teil des Rumpfes stark einspringen. Sie hatten also einen breiten Rumpf und ein schmales Deck. Diese «Fluiten» sind die hervorragendsten Handelsschiffe bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.
Am Ende des 16. Jahrhunderts war das «Spiegelschiff» erschienen, das als Handelsschiff nach dem Beispiel des Mittelmeeres diente. Am Anfang des 17. Jahrhunderts nannte man dies Schiff «Pinasschiff».
Man baute das «Pinasschiff» (Pinasse) stärker gewölbt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit vertikalerem Hintersteven und einem kleineren Galionsdeck, woraus sich das Oost-Indisch Compagnie-Schip (Schiff der Ostindischen Kompagnie) ergeben hat.
Neben diesen Typen bleibt das «Fluitschip» bestehen. Es erfährt indessen einige Abänderungen, die sich aus seiner Zweckbestimmung ergeben, und so entwickelt sich der «Noordvaerder» oder «Walvischvaerder» (Walfischfänger) und der «Oostvaerder» (Ostseeschiff).
Die kleinen «Spiegelschiffe», die übrigens eine weniger umfangreiche Takelung haben, erscheinen im 18. Jahrhundert unter dem Namen «Snauschepen».
Ferner werden zwei Type von Fischereifahrzeugen gebaut, mit grossen Abmessungen für die offene See; das sind die «Hoeker» (Huker) und die «Buys» (Büsen), die wir im Kapitel «Fischereifahrzeuge» wiederfinden.
Das Ausland gibt uns noch als Handelsschiff: die «Fregate» (Fregatte), während die «Kromstevens» oder «Boeiers» (Bujer) schon der französischen Marine nachgebildet sind.
Diese Schiffe erscheinen im 17. Jahrhundert infolge des Handelsverkehrs mit Rouen (~Witsen~, Seite 164, 2. Spalte).
Aus Verbindungen dieser Type unter sich und mit kleinen Typen entstehen neue Arten, die andere Namen tragen wie das «Boot» das nichts anderes ist, als eine kleine Fluit mit Hinterteil als «Draai-over-boord»; das «Hekboot» eine Verbindung der Pinasse und der Galiot; das «Katschip» gebaut nach dem «Bujer» und der «Fluit», und schliesslich der «Stokker», der ein Vorderteil wie ein Spiegelschiff und ein Hinterteil wie ein Huker hat.
Es ist natürlich schwer, eine genaue Trennung zwischen der grossen und kleinen Schiffahrt herzustellen, weil es viele Beispiele sogar von kleinen «Koffen» gibt, die nach Indien verfrachtet werden.
Indem wir die Grenze zwischen der grossen und kleinen Schiffahrt zogen, haben wir besonders die ursprüngliche Bestimmung der Schiffe im Auge gehabt.
B) _Für die kleine Schiffahrt._
Die grossen Type dieser Schiffe sind vertreten durch die «Galiot» und die «Galeasse» dann kommen das «Kuff» und die «Smak» (Schmack); zu der Familie der Schmacken gehören die «Damloopers» und die «Smalschepen» und die «Wijdschepen» sowie die «Friesche Turfschepen» (Torffahrzeuge von Friesland).
Sie stammen alle von demselben allgemeinen Typ ab und unterscheiden sich nur durch Einzelheiten, die eine Folge dieser oder jener örtlichen Notwendigkeit sind.
Die Familie der «Smakken» (Schmacken) hat die «Tjalken» entstehen lassen.
Die «Tjalken» findet man besonders in Friesland und Groningen. In der Provinz Holland nennt man sie infolge einiger kleiner Umänderungen «Schuiten» (Schuten). In Seeland, wo sie ein schmaleres Deck haben, nennt man sie «Poonen». In Nord-Holland führen sie den Namen «Jacht» (Yacht). Bei diesen ist entgegen den «Poonen» der Boden weniger breit als bei der «Tjalk».
Auf der belgischen Schelde sind sie etwas länger und heissen «Pleiten» während die kleineren dort «Otters» heissen. Ostfriesland zeigt uns dieselbe Familie: hier sind es die «Motten», die etwas an die «Kuffen» erinnern. Wir finden dort auch noch einen sehr alten Typ eines Handelsschiffs, das von den alten Fischerbarken abstammt; es heisst «Ever» und «Bremerkahn».
Daneben und unabhängig von der oben genannten Familie der «Tjalken» finden wir seit den ältesten Zeiten in Overyssel einen ganz allein stehenden Typ. Wenn man diese Schiffe im 17. Jahrhundert zur Zeit Witsens noch «Potten» und «Pujen» nennt, so findet man sie später und noch jetzt nach einigen kleinen Abänderungen unter dem Namen «Snijboon» (wörtlich Bohnen); daraus ist der «Praam» entstanden. Dieselbe Form, aber kleiner findet sich in dem «Somp» und der «Pegge».
Alle diese Schiffe unterscheiden sich von den «Schmacken» in baulicher Hinsicht dadurch, dass der Vorder- und Hintersteven spitz sind, während die «Schmacken» abgerundete Steven haben.
Auch hier fehlen die Kombinationen nicht. So gibt es «Koftjalken», «Praamaken» und «Aaktjalken».
Ferner sind zu erwähnen die «Boeiers» (Bujer), die indessen keine Aehnlichkeit mit den alten «Kromstevens» haben.
Endlich wollen wir noch die «Kraken» erwähnen, die jedoch nichts gemeinsames mit den spanischen «Karaken» haben. Es sind ganz einfach sehr feste «Tjalken», die etwas gradere Linien haben, d. h. die weniger Krümmung besitzen.