Chapter 24 of 24 · 984 words · ~5 min read

Part 24

Der Fuchs, wie er ihn sah, war mit einem Satz zum Loch draußen. Der Wolf wollte nach, aber er hatte sich so dick gefressen, daß er nicht mehr durch konnte, sondern stecken blieb. Da kam der Bauer mit einem Knüppel und schlug ihn tot. Der Fuchs aber sprang in den Wald und war froh, daß er den alten Nimmersatt los war. [Illustration] Das alte Mütterchen Es war in einer großen Stadt ein altes Mütterchen, das saß abends allein in seiner Kammer; es dachte so darüber nach, wie es erst den Mann, dann die beiden Kinder, nach und nach alle Verwandte, endlich auch heute noch den letzten Freund verloren hätte und nun ganz allein und verlassen wäre. Da ward es in tiefstem Herzen traurig, und vor allem schwer war ihm der Verlust der beiden Söhne, daß es in seinem Schmerz Gott darüber anklagte. So saß es still und in sich versunken, als es auf einmal zur Frühkirche läuten hörte. Es wunderte sich, daß es die ganze Nacht also in Leid durchwacht hätte, zündete seine Leuchte an und ging zur Kirche. Bei seiner Ankunft war sie schon erhellt, aber nicht, wie gewöhnlich, von Kerzen, sondern von einem dämmernden Licht.

Sie war auch schon angefüllt mit Menschen, und alle Plätze waren besetzt, und als das Mütterchen zu seinem gewöhnlichen Sitz kam, war er auch nicht mehr ledig, sondern die ganze Bank gedrängt voll. Und wie es die Leute ansah, so waren es lauter verstorbene Verwandte, die saßen da in ihren altmodischen Kleidern, aber mit blassem Angesicht. Sie sprachen auch nicht und sangen nicht, es ging aber ein leises Summen und Wehen durch die Kirche. Da stand eine Muhme auf, trat vor, und sprach zu dem Mütterlein: »Dort, sieh nach dem Altar, da wirst du deine Söhne sehen.« Die Alte blickte hin und sah ihre beiden Kinder, der eine hing am Galgen, der andere war auf das Rad geflochten. Da sprach die Muhme: »Siehst du, so wäre es ihnen ergangen, wären sie im Leben geblieben und hätte sie Gott nicht als unschuldige Kinder zu sich genommen.« Die Alte ging zitternd nach Haus und dankte Gott auf den Knien, daß er es besser mit ihr gemacht hätte, als sie hätte begreifen können; und am dritten Tag legte sie sich und starb. [Illustration] Des Herrn und des Teufels Getier Gott der Herr hatte alle Tiere erschaffen und sich die Wölfe zu seinen Hunden auserwählet; bloß der Geiß hatte er vergessen. Da richtete sich der Teufel an, wollte auch schaffen und machte die Geißen mit feinen, langen Schwänzen. Wenn sie nun zur Weide gingen, blieben sie gewöhnlich mit ihren Schwänzen in den Dornhecken hängen, da mußte der Teufel hineingehen und sie mit vieler Mühe losknüpfen. Das verdroß ihn zuletzt, war her und biß jeder Geiß den Schwanz ab, wie noch heut des Tags an den Stümpfen zu sehen ist.

Nun ließ er sie zwar allein weiden, aber es geschah, daß Gott der Herr zusah, wie sie bald einen fruchtbaren Baum benagten, bald die edlen Reben beschädigten, bald andere zarte Pflanzen verderbten. Das jammerte ihn, so daß er aus Güte und Gnaden seine Wölfe dran hetzte, welche die Geißen, die da gingen, bald zerrissen. Wie der Teufel das vernahm, trat er vor den Herrn und sprach: »Dein Geschöpf hat mir das meine zerrissen.« Der Herr antwortete: »Was hattest du es zu Schaden erschaffen!« Der Teufel sagte: »Ich mußte das; gleichwie selbst mein Sinn auf Schaden geht, konnte, was ich erschaffen, keine andere Natur haben, und mußt mir's teuer zahlen.« -- »Ich zahl dir's, sobald das Eichenlaub abfällt, dann komm, dein Geld ist schon gezählt.« Als das Eichenlaub abgefallen war, kam der Teufel und forderte seine Schuld. Der Herr aber sprach: »In der Kirche zu Konstantinopel steht eine hohe Eiche, die hat noch alles ihr Laub.« Mit Toben und Fluchen entwich der Teufel und wollte die Eiche suchen, irrte sechs Monate in der Wüstenei, ehe er sie fand, und als er wiederkam, waren derweil wieder alle anderen Eichen voll grüner Blätter. Da mußte er seine Schuld fahren lassen, stach im Zorn allen übrigen Geißen die Augen aus und setzte seine eigenen ein. Darum haben alle Geißen Teufelsaugen und abgebissene Schwänze, und er nimmt gern ihre Gestalt an. [Illustration] Inhalt Seite Aschenputtel 94 Brüderchen und Schwesterchen 88 Bruder Lustig 161 Das alte Mütterchen 275 Das Bürle im Himmel 134 Das tapfere Schneiderlein 43 Das Wasser des Lebens 245 Daumerlings Wanderschaft 57 Daumesdick 51 De drei Vügelkens 175 Der Bärenhäuter 83 Der Bauer und der Teufel 211 Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich 27 Der Fuchs und das Pferd 152 Der Fuchs und die Frau Gevatterin 267 Der Geist im Glas 223 Der Gevatter Tod 156 Der Grabhügel 204 Der Hase und der Igel 35 Der Hund und der Sperling 220 Der Schneider im Himmel 208 Der Sperling und seine vier Kinder 251 Der Stiefel von Büffelleder 269 Der Teufel mit den drei goldenen Haaren 189 Der treue Johannes 13 Der Wolf und der Fuchs 273 Der Wolf und die sieben jungen Geißlein 31 Der Zaunkönig und der Bär 135 Des Herrn und des Teufels Getier 277 Die Brautschau 203 Die Bremer Stadtmusikanten 39 Die drei Brüder 262 Die drei Feldscherer 149 Die drei Handwerksburschen 254 Die drei Männlein im Walde 22 Die faule Spinnerin 259 Die Geschenke des kleinen Volkes 146 Die Hochzeit der Frau Füchsin 122 Die kluge Bauerntochter 213 Die Lebenszeit 154 Die Rübe 200 Die Scholle 34 Die sieben Schwaben 264 Die Wichtelmänner 10 Dornröschen 118 Frau Holle 171 Hänsel und Gretel 102 Hans im Glück 240 Jorinde und Joringel 196 König Drosselbart 179 Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen 61 Marienkind 5 Rapunzel 70 Rotkäppchen 217 Rumpelstilzchen 228 Schneeweißchen und Rosenrot 232 Sechse kommen durch die ganze Welt 184 Sneewittchen 138 Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack 74 Vom Tode des Hühnchens 257 Von dem Fischer un syner Fru 110 Von dem Machandelboom 125