Chapter 4 of 4 · 3305 words · ~17 min read

Part 4

Die Pflegetochter Amilie Juliane, seit 1665 dem Grafen Albert Anton vermählt, nimmt eine ehrenvolle Stellung in der Geschichte des Kirchenliedes ein. Kaum wird sich ein evangelisches Gesangbuch finden, in dem nicht ihr Sterbelied: »Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!« enthalten ist. Mit der Friedensburg und ihren Bewohnerinnen steht sie in stetem Gedankenaustausch. Sie begleitet alle Ereignisse dort mit regem Anteil, gibt Aufträge an Künstler weiter, holt Ratschläge für die Apotheke ein und weiß in der Bevölkerung Bescheid. Der alte getreue Magister in Königsee steht hoch in Ehren, über die Fortschritte ihres Söhnchens müssen die Basen immer auf dem laufenden bleiben.

Malerei, Dichtkunst und Glaubensleben sind seltsam vereinigt auf den Bildern, zu denen sie ihre Maler begeistert.

Graf Albert Anton baut die letzten Räume vom Obergeschoß im Leutenberger Schloß noch aus, vermutlich entsprechend den Absichten der verstorbenen Mutter. Dann läßt er die Zimmer, die sie hauptsächlich benutzt hat, als Erinnerungsräume mit Wandgemälden ausstatten. Es sind biblische Vorgänge, für unser Gefühl manche eigenartig befremdend, andere wieder anziehend dargestellt. Auf alle Fälle sollten sie als ehrenwerte Zeugnisse des Barockgeschmacks geschont werden.

Von den Hofmalern dieser Zeit ist nur einer in der Überlieferung bekannt geblieben, nämlich Seyfarth Lammers, 1647–1711. Von ihm stammen unzweifelhaft die jüngeren Bilder, besonders die Szenen aus den Türkenkriegen mit der Jahresangabe 1698. Sie sind lebhaft in der Bewegung, reich in der Erfindung und wirkungsvoll in der Perspektive. Gute Bildnisse weisen die Szenen aus Davids Leben auf, David mit Jonathan und David mit dem Haupte des Goliath, sowie eine Freundschaftsgruppe bestehend aus zwei jugendlichen Gestalten. Sie alle spielen auf Ereignisse aus dem Leben Albert Antons an.

Von den Ölgemälden, die im Rudolstädter Schloß auf Lammers zurückzuführen sind, stellt eines die Kinder der Leutenberger Gräfin im Jünglings- und Jungfrauenalter dar. Ein anderes ist eine große Kreuzigungsgruppe, ein ideales Erinnerungsbild an das Leutenberger Jahr 1668. Am Fuße des Kreuzes sind alle die Personen vereinigt, die dem Grafen Albert Anton im Leben besonders nahestanden. Außer seinem Vater und seinem Lehrer Ahasverus Fritsch: seine Gattin mit zwei Kindern, seine Mutter und seine vier Schwestern.

Über das Schloß Leutenberg schweigen die Jahrzehnte. Nur vereinzelte Nachrichten sind erhalten über die Unternehmungen, die früher vom Schlosse aus verwaltet wurden. Das Schwefel-, Alaun- und Vitriolwerk in Leutenberg, das seit 1580 bestand, wird 1683 an eine Gewerkschaft verkauft. Über das Messingwerk Grünau schließt Albert Anton 1691 einen Vertrag mit Otto Wilhelm von Günderode auf Weitisberge.

Noch einmal wurde, von 1726 bis 1732, die Friedensburg Herrensitz, als Prinz Wilhelm Ludwig von Schwarzburg den Wunsch hegte, sein Leben in der Stille zuzubringen. Er hatte unter dem Prinzen Eugen an den Türkenkriegen in Ungarn teilgenommen und war dann Oberst eines sächsischen Infanterieregiments in Freiberg gewesen. In Leipzig verheiratete er sich mit Henriette Karoline Gebauer, mit der er die Familie von Brockenburg gründete. Als er den Wohnsitz in Leutenberg aufgab, bezog er seine Güter in Gräfinau, Bücheloh und Geilsdorf.

Ein großes Reiterbild im Schlosse Rudolstadt erinnert an ihn.

Auch aus dem achtzehnten Jahrhundert kommt nur geringe Kunde über das Schloß Leutenberg und seine Umgebung auf uns. Der Glockenturm der Stadtkirche wird 1716 erneuert, 1749 wird die Kaplanei erbaut. Das Erbbegräbnis der Grafen verursacht Ausbesserungsarbeiten, die Dächer auf der alten Kapelle und auf dem Vorhaus zu den herrschaftlichen Ständen läßt Fürst Johann Friedrich 1749 wiederherstellen.

* * * * *

Geistliche und weltliche Behörden erhalten von ihm den Auftrag, alles zu sammeln, was sich auf die Geschichte von Burg und Stadt bezieht. Daraufhin stellt der Amtmann Kriebel 1754 eine »Historische Nachricht von der Herrschaft Leutenberg« zusammen. »Da man von Leutenberger Nachrichten gar zu sehr bloß ist«, werden »die Kästen, in welchen archivische Nachrichten sein mögen«, aus der Kirche auf das Rathaus gebracht, es findet sich jedoch wenig Wertvolles darin. Kriebels Bericht faßt aber alles gewissenhaft zusammen.

Über den landwirtschaftlichen Betrieb der Güter kommen vereinzelte Angaben zum Vorschein, das Messingwerk Grünau verursacht 1755 Nachfrage, ob es weiterbetrieben oder als Hammerwerk eingerichtet werden soll.

Am 16. Juni 1760 holte der Kammerdiener und Hofmaler Johann Christoph Morgenstern »59 Porträts mit schwarzen Rahmen, 7 historische Stücke mit weiß und goldenen Rahmen, 6 Stücke Hunoische historische Gemälde, 6 dazu gehörige historische Tafeln, 3 einzelne historische Stücke, 1 Porträt in Lebensgröße und 4 Küchenstücke« aus Leutenberg nach Rudolstadt. Sie waren zum Teil zerbrochen und sollten wiederhergestellt werden. Sie sind, wenigstens eine Anzahl von ihnen, noch vorhanden, mehrere auch gut erhalten, andere gehen ihrer Deutung und Auffrischung entgegen. Sie besitzen als kultur- und heimatgeschichtliche Denkmäler hervorragende Bedeutung.

Über die Friedensburg erstattet der Landbaumeister Schellenschläger am 6. September 1763 ausführlichen Bericht. Sämtliche Fenster sind fast durchweg ruiniert, die Schieferbedachung ist aber noch ohne Hauptfehler, auch am Mauerwerk noch kein Schade. Es sei zu bedauern, wenn das Schloß verfallen sollte. Vom Dachboden bis unten hinaus muß der Schutt von Ofen, Kalk und Strohgeniste ausgeräumt werden. Der Schieferdecker Kaupert soll jährlich zweimal das Dach besteigen. Im Stallgebäude sind einige Kleibefelder herzustellen, Waschhaus und Reithaus sind abzutragen.

Die Schloßuhr aus dem Turm mit der Wendeltreppe wird 1783 an die Gemeinde Unterloquitz für 20 Taler verkauft.

Bei Stadtbränden 1726, 1734 und 1796 mag die Burg wiederum Zufluchtstätte für Obdachlose gewesen sein. In ganz großem Umfange wurde sie als solche in Benutzung genommen, als Leutenberg im Jahre 1800 vollständig niederbrannte.

Am 7. Mai brach ein Schadenfeuer aus und sprang von einem Schindeldach zum andern, bis in zwei Tagen fast alle Häuser in Asche gelegt waren. Nur zwei von ihnen blieben unversehrt. Entsetzlich war die Not der Bewohner, die auf den Dörfern Unterschlupf suchen mußten. Großes Verdienst erwarb sich der Amtmann North in der Fürsorge für die Obdachlosen. Damit die Behörden ihre Arbeit rasch wiederaufnehmen konnten, richtete er Diensträume im Schlosse ein. Er selbst, sein Sekretär Frosch und noch andere Beamte erhielten dort auch Notwohnung. Bis unter das Dach war das Schloß plötzlich wieder besetzt. Für das dritte Stockwerk mußte eine besondere Nottreppe angelegt werden. Zimmereinrichtungen ließ Fürst Ludwig Friedrich aus Schwarzburg und Paulinzelle kommen, bewegliche Gegenstände überwies er den Beamten als Eigentum, alles Niet- und Nagelfeste wurde in das Inventar Leutenberg überschrieben.

Am 2. Dezember trug er nach einem Besuche auf dem Schlosse in sein Tagebuch ein, es sei alles recht schön geworden. Er war Fürst im friderizianischen Geist, und in der Art, wie er das Leben anschaulich erfaßte und verarbeitete, Zeit- und Gesinnungsgenosse Goethes. Sein Skizzenbuch zeigt drei Landschaftsaufnahmen von Leutenberg und zwei kleine Zeichnungen nach Gestalten aus den Wandgemälden des Schlosses.

Ein und ein halbes Jahr dauerte der Notzustand auf der Burg. Dann war die Stadt neu erstanden mit breiter angelegter Hauptstraße.

Im neunzehnten Jahrhundert wurde es ganz still auf der Burg. In das Torwächterhäuschen zog der Schieferdecker Frech ein, er hatte die Aufgabe, die Dächer in gutem Stand zu halten. Sohn und Enkel von ihm führten familientreu diesen Dienst bis heute fort.

Blitzschläge trafen die Burg mehrmals, Schadenfeuer versetzten die Bürger noch öfter in Schrecken und Not, ein großer Brand verursachte 1865, daß der Markt und seine Umgebung neue Gestalt erhielten.

Die eingesessene Bevölkerung ging ihrem Gewerbe nach, stieg wohl gelegentlich zur Burg hinauf, erfuhr aber wenig von deren Vergangenheit. Rohe Hände richteten sinnlos Zerstörung an. Dann nahm der Rentamtmann Truppel, ein hochbegabter und selbstloser Heimatfreund, das Schloß in Schutz und Pflege. Er fertigte Zeichnungen und Pläne an, die er als Mappenwerk dem Fürsten Georg widmete.

In breiterer Öffentlichkeit wurde Stadt und Burg wieder genannt, als Fürst Friedrich Günther seinen Kindern Sizzo und Helene 1860 den Titel Prinz und Prinzessin von Leutenberg beilegte.

Fürst Günther und seine Gemahlin Anna Luise hielten und halten das Haus ihrer Ahnen hoch in Ehren.

Künstler wie Ernst Liebermann und Adolf Männchen begeisterten sich an dem eigenartigen Zauber, den die Burg ausströmt.

Seit einigen Jahrzehnten wird Leutenberg als Erholungsort immer mehr aufgesucht, und immer stärker erhebt sich die Frage nach geschichtlicher Auskunft über die Burg und ihre Bewohner. Die Friedensburg hat dabei das Schicksal anderer Burgen erfahren: was an Kenntnis der Vergangenheit fehlte, ersetzte man durch schwärmerische Gemütsdichtung. Das hängt uns heute noch an, und wir sollten diese Neigung uns durch nüchterne Prüfung ersetzen oder mindestens ergänzen. Der deutsche Burgherr im guten Mittelalter war Grundbesitzer. Deutsches Erwerbsleben beruhte auf der Landwirtschaft. Als dieser Betrieb für eine einzelne Familie zu groß wurde, entstand das Lehenswesen. Der Burgherr gewährte Schutz und empfing als Gegenleistung Naturalabgabe oder Dienst durch Arbeitskraft. Wer sich heute das Alltagsleben in einer Burg zu einem Gedankenbild aufbauen will, soll sich die Einzelzüge dazu auf einem großen Gutshof suchen.

Wer Freude empfindet am Sehen und Sinnen, dem tritt Menschenwerk und Natur in lieblichem Verein entgegen. Aus den launischen Schieferschichten sind die Platten gebrochen, die das trotzige Mauerwerk bilden, an jede Biegung des Untergrundes schmiegt es sich an. In dem Kalkverputz der Wände haben Wind und Wetter ein feines Spiel von silbernen und goldenen Tönen erzeugt. Regen hat klobiges Balkenwerk fahl verwaschen, Sonne hat zierliche Zimmermannskunst mit roter Glut überhaucht. Gelbe Algen und braune Moose wuchern auf dem blauen Schieferpanzer. Aus allen Ritzen und Fugen grünen und blühen Kräuter, Stachelbeerbüsche nicken im Lufthauch, über dunklen Holderbüschen flattert das lichte Gewand der Birke. Aus Tannendüster und Buchenlust hat der Wald einen Mantel um den jähen Berghang gewoben.

Graf Balthasar und seine Ahnen haben Ostmark geschützt. Gräfin Amilie Antonie hat treue Sitte gewahrt, als Europa in welsches Wesen versank. Deutsche Geschichte im engen Rahmen der Heimat!

Inhaltsverzeichnis

Vorwort Seite 5

Balthasar, 1453–1525 14

Johann Heinrich, 1496–1555 29

Philipp, 1540–1564 32

Das Schloß als Witwensitz 33

Elisabeth, 1568–1617 37

Amilie Antonie, 1614–1670 41

Zu den Bildern

1. Die Friedensburg von Südost. Waldgrünes Thüringland! (J. V. von Scheffel, Im Lager vor Akkon). – 2. Torwächterhäuschen. – 3. Burghof nach Westen. – 4. Burghof nach Osten. – 5. Kaufbrief 1326. – 6. Auf dem Wendel. – 7. Ausschnitt aus dem großen Wandbild. – 8. Lagerszene von S. Lanzmers (F. Freiligrath, Zelte, Posten, Werdarufer!).

Zwei Anlagen zu Seite 46 und zu Seite 8

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Zu Seite 46

~In monumenta generosorum comitum Schwarzburgensium et Leutenbergensium, patris, filii et nepotum, qui in familia fuerunt ultimi.~

~Hoc generosa loco comites Schwarzburgia condit Leutenbergiacae gentis alumna domus, Quos generis propiore sui sub fine supremos Ultimus ex ista stirpe creavit avus. Cognitus in Bavaros animosis Balthasar armis, Preses in Heidecca cum ditione fuit, Cujus consiliis usus Fridericus in aula est, E septem Sao providus ille viris. Quem moriens habuit comitem quoque mortis, agresti Rustica cum mota est seditione cohors. Natus Joannes Henricus filius illi, Nec patris consilio nec pietate minor. Sancta Palestinae juvenis qui regna secutus Auratae rediit nobilitatis eques. Saxonicae factus quoque consiliarius aulae, Fautor evangelii tunc orientis erat, Fautor et Aonidum, quarum se docta facetus Saepe jocabatur philtra bibisse senex. Junctus Anhaldino mediator foedera pacis Inter Mauricium Parthenopemque tulit. Arbiter Islebiae juvit simul acta Lutheri, Mutua lis comitum cum dirimenda fuit. Octo pater postquam natorum funera vidit, Extremum Glauchae clausit et ipse diem. Mortuus Henricus cum Balthasar atque Gerhardus Et cum Siggardo fratre Philippus erat. Moesta Rutenorum domus est miserata Brigittam, Margaridam Lunae castra professus Otho. E quibus Alberti nimium miserabile fatum Addictum studiis dum fera parca rapit. Jamque adeo matris spes una sed ampla Philippus, Qui genus assereret, prole superstes erat, Qui patris insistens vestigia justus in omnes Que pius in Christi templa scholasque fuit. Quod duce Stigelio musas cum fratre secutus Ornasset veris cor juvenile bonis, Cum celebri notus fama per castra, per aulas Facta tueretur gentis avita suae, Conjugium subiit dignatus principe sponsa Brunsviacae stirpis, quae Catharina fuit. Sed sine prole illum morientem Lipsia vidit, Lustra sub aetatis quinque peracta suae. Usque adeo nihil est generi durabile nostro, Sola dei bonitas fine paterna caret.~

Zum Gedächtnis der edeln Grafen von Schwarzburg und Leutenberg, des Vaters, des Sohnes und der Enkel, die in ihrer Familie die letzten waren.

Das edle Haus Schwarzburg in seiner Nebenlinie bestattet hier die Grafen, die vor dem nahenden Ende seines Geschlechtes der Urahn als die letzten seines Stammes erzeugte. Balthasar, bekannt durch seine mutvollen Waffentaten bei den Bayern, war Statthalter in Heideck mit Waffengewalt. Seinen Rat gebrauchte am Hofe Friedrich von Sachsen, jener weise Mann aus der Zahl der Sieben. Er starb mit ihm zusammen, als der Bauernstand durch den Bauernkrieg in Aufruhr war. Sein Sohn Johannes Heinrich stand dem Vater weder an Einsicht, noch an Frömmigkeit nach. Jung folgte er in der Regierung, und er kehrte aus dem Heiligen Lande als ein Ritter von vollendetem Adel zurück. Auch wurde er Rat am sächsischen Hofe, er war ein Beschützer des damals erwachenden Evangeliums und ein Freund der Musen, und oft scherzte der witzige Greis, er habe aus dem Becher ihrer Gelehrsamkeit getrunken. Zusammen mit dem Anhalter stiftete er als Vermittler Frieden zwischen Moritz und Magdeburg. Als Schiedsrichter unterstützte er in Eisleben Luther bei seiner Tätigkeit, als der beiderseitige Zwist der Grafen zu schlichten war. Acht Todesfälle mußte er als Vater erleben, seinen letzten Tag beschloß er selbst in Glauchau. Gestorben war Heinrich nebst Balthasar und Gebhard und mit dem Bruder Sighard auch Philipp. Das erhabene Haus der Reußen betrauerte die Brigitta, Otto der Bekenner in Lüneburg die Margareta. [?] Von diesen traf Albert ein überaus beklagenswertes Geschick: er hatte sich den Studien gewidmet, da entführte ihn die grausame Parze. Nunmehr war zur Weiterführung des Geschlechts von den Kindern nur noch Philipp am Leben, die einzige aber reiche Hoffnung der Mutter. Er trat in die Fußstapfen des Vaters und war gerecht gegen alle und fromm gegen Kirchen und Schulen. Weil er unter Anleitung Stiegels mit dem Bruder den Musen gefolgt war und sein junges Herz mit wahrem Gut bereichert hatte, und da er rühmlich bekannt in den Kriegesheeren und an den Fürstenhöfen die alten Ruhmestaten seines Geschlechtes mehrte, wurde er bei seiner Eheschließung einer fürstlichen Braut braunschweigischen Geschlechts für würdig erachtet. Sie hieß Katharina. Aber Leipzig sah ihn ohne Nachkommen sterben kurz vor Vollendung seines 25. Lebensjahres.

Für unser Geschlecht gibt es bis heute nichts von Dauer, nur Gottes Vatergüte hat kein Ende.

Zu Seite 8

Wir, Gunther, von Gotis gnadin Grefe von Swartzburg der elder, Herre czu Blankenburg, Bekennen offenlich an disme genwertigin Briefe offenlich unde tun kunt allen den, di in gesen unde horen lese, daz wir rechte unde redelich virkouft habin unse hus und di Stad czu Luthenberg unse rechte eigen den Ediln mannen grefin Heinriche unde grefin Gunther den gebrudirn, der Swartzburg ist, unsen liben vetern, unde irn Erbin mit alleme rechte mit allen den eren, alse wir is wider si habin gekouft, und alse wir iz nu selber han. Also bescheidelich, daz iz in gevalle und uffe si trete schal, und uffe ir Erbin nach unsem tode, wanne Gott ubir uns gebutet. Wir bekennen ouch, daz in gehuldit habin unse Voyte unde Huslute unde Guterhandelute unde Kouflute und alli di, di czu der vorgnantin vesten gehoren, eine rechte und eine ware Hulde von unseme geheize. Also bescheidelich, daz si in nach unseme tode der selbin Hulde phlictic si schullin unde sich an si halde schullin alse an ihre rechte herrin, unde wolde wir si irgin anders wise, do in schullin si sich nicht ane kere, sundirn an daz erste globede und an den erstin Eyt. Wir globin ouch, daz wir kein voyt nicht setze noch intsetze schullin wie on tuns mit irme rate und mit irme willen. Wir globin ouch, daz wir daz vorgnante Erbe czu Lutenberg schullen an allin stucken bessere und nicht ergere. Wir globin ouch, ob die vorgnante vestin verlorn werde, des Got nicht enwolle, daz wir in helfe schullen mit gantzen truwin unde si uns widir, daz wir ein recht darume truigen unde darume nicheine sune nemen, iz in si dan wol unser beidir wille. Ouch globe wir alle dise vorbeschriben rede mit gantzen truwin unde bi unser warheit stete unde gantz czu haldene an alle argelist. Des gebe wir den vorgnantin unsen liben vetirn czu eime rechtin orkunde mit unseme Insigele und mit der ediln mannen Grefin Heinrichs und Grefin Gunthers unses Brudir Sone unsir vetern Insigiln bevestent unde wir di vorgnanten grefin Heinrichs sone bekennen, daz wir czu eime geczucnisse und durch bede unser liben vetern, den Swartzburg ist, und durch unses liben vetern grefin Gunthers des eldirn unse Insigel gehenget habin an disen selbin Brief. Ouch sint geczuge allir dirre vorgnanten rede der edile Herre Grefe Gunther von Kevernburg, unser liber ome, und diese Erbarn Rete H Otte von Wechmar, H Fritsche von Witzeleybin, H Albrecht von Rochusin, H Borchart von Bulverstete, H Herman von Grizheim, H Fritsche von Ischstethe, H Albrecht von Hophgartin, H Thiczel von Elcheleybin, H Heinrich von Lengevelt, H Ditherich von Kircheim und dise frome Knechte Ditzel und Otte von deme Hofe und andere frome Lute. Dirre Brief ist gegebin czu Erforthe nach Gotis gebort Dritzenhundirt Jar in dem sechsundczweincigisten Jare an der nestin Mittewochen nach sente Jacofes tage – – –

(30. Juli 1326.)

Die drei Siegel:

1. Graf Günther XV. zu Pößneck, oberster Landrichter in Thüringen, gest. nach 1352, begraben in Stadtilm.

2. Graf Heinrich X. zu Arnstadt, geb. um 1296, gest. 1336.

3. Graf Günther XXI. zu Blankenburg, geb. 1304 in Blankenburg, gest. 14. Juni 1349 in Frankfurt a. Main als Deutscher König.

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