Chapter 12 of 23 · 3968 words · ~20 min read

Part 12

Auch die übrige Ausrüstung des Körpers ist dem unterirdischen Leben vortrefflich angepaßt. Das Fell besteht aus ganz kurzen, dichten, samtartigen Haaren, die beim Wühlen in der Erde ihre Lage nicht verändern und sich infolgedessen nicht abscheuern. Anstatt eines äußeren Ohres ist nur ein Gehörspalt vorhanden, der durch eine Hautfalte verschlossen werden kann, um ein Eindringen von Erde zu verhüten. Die Nasenlöcher liegen auf der Unterseite der rüsselartig verlängerten Oberlippe und sind hierdurch gegen eine Verunreinigung durch Sand geschützt. Die Oberlippe trägt eine besondere Hautfalte, welche die Unterlippe verschließt und so ein Eindringen von Erde in den Mund verhütet. Schließlich ist die walzenförmige Gestalt des ganzen Körpers zum Fortgleiten in der Erde außerordentlich geeignet.

So sehr der Maulwurf auch auf eine unterirdische Lebensweise angewiesen ist, so scheut er doch das Tageslicht nicht völlig. Wenn auch nicht oft, so begibt er sich doch hin und wieder ins Freie, sucht dann mit Vorliebe in Wagengleisen nach Nahrung oder genießt sogar für kurze Zeit die wohltuende Wärme der Sonne. Besonders junge Tiere kommen öfters ins Freie als alte. Man hat schon wiederholt junge Maulwürfe beobachtet, die an sonnigen Hängen zusammen spielten.

Noch einige Worte über den Nutzen und Schaden des Maulwurfs, worüber die Ansichten geteilt sind. Durch das Verzehren von Engerlingen und anderen schädlichen Insektenlarven ist der Maulwurf zweifellos sehr nützlich. Da er aber auch Regenwürmer sehr liebt und diese als „Erdarbeiter“ nützlich sind, weil sie die Bildung der wichtigen Humuserde befördern, so wird er hierdurch zum schädlichen Tier. Ferner macht er im Walde in jungen Kulturen und in Gärten durch seine Wühlarbeit manchen Schaden, indem er die Wurzeln der Pflanzen lockert. Auch tragen die Maulwurfshügel nicht gerade zur Verschönerung gepflegter Parkanlagen bei. Es geht mit dem Maulwurf wie mit so vielen Tieren, er ist eben beides, sowohl nützlich wie schädlich. Von Natur ist kein Tier nur schädlich oder nur nützlich. Jedes Tier hat vielmehr im Haushalte der Natur seine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Das Zusammenwirken aller Lebewesen erhält das Gleichgewicht in der Natur. Die Begriffe „schädlich“ und „nützlich“ sind erst durch die Kultur des Menschen geprägt worden, die leider über so viele Tiere das Todesurteil gefällt hat. Mit Recht hat es sich daher die moderne Naturschutzbewegung zur Aufgabe gemacht, die Tiere ohne Rücksicht auf ihre sogenannte Nützlichkeit und Schädlichkeit zu schützen und sie um ihrer selbst willen zu erhalten, um unsere Natur vor Verödung zu bewahren. --

[Sidenote: Goldmull]

Ein unterirdisches Leben wie der Maulwurf führen auch die afrikanischen Goldmulle und die zu den Nagetieren gehörende Blindmaus (~Spalax typhlus~). Die Augen dieser Tiere liegen nicht frei, sondern unterhalb der behaarten Kopfhaut und können daher zum Sehen überhaupt nicht mehr benutzt werden. Sie sind also blind. Trotzdem kommen auch diese Tiere ab und zu an das Tageslicht, um die Sonnenwärme zu genießen. Die Heimat der Blindmaus ist das südöstliche Europa, Westasien und Unterägypten. Ihre unterirdischen Gänge, die in geringer Tiefe laufen, führen sogar unter Flußläufen hindurch und an Berghängen entlang. Bei ihren Grabarbeiten benutzt die Blindmaus im Gegensatz zum Maulwurf mehr den Kopf als die Füße und besitzt hierfür eine ganz eigenartige Einrichtung. Von den Nasenlöchern bis zu den Augen zieht sich jederseits eine Reihe starrer, borstiger Haare. Mit dieser Bürste schiebt die Blindmaus durch Auf- und Abwärtsbewegen des Kopfes die Erde fort.

Die Goldmulle graben wie die Maulwürfe mit den Händen, benutzen sie aber in ganz anderer Weise. Bei den Goldmullen sind die Mittelfinger sehr groß und tragen einen starken Nagel. Die ganze Arbeit des Grabens wird mit diesem riesigen Mittelfinger geleistet, der hierbei als Spitzhacke verwendet wird. Er besitzt ferner eine tiefe Rille, in die die anderen, bedeutend kleineren Klauen, die keine Dienste beim Graben leisten, hineingelegt werden können.

Die Goldmullen führen ihren Namen nach dem schönen, grünlichen Metallglanz ihres Pelzes.

[Illustration:

Abbildung 18 James’ Preß Agency, London

Kreuzspinne

bei der Anfertigung des Netzes]

[Illustration:

Abbildung 19 A. Spaney phot.

Stabheuschrecken

Beispiel für Mimikry]

Ein Vogel, der ein völlig nächtliches Leben führt, ist der Guacharo oder Fettschwalk (~Steatornis caripensis~), den Alexander von Humboldt 1799 in der Felsenhöhle von Caripe in Venezuela entdeckte. Als der Forscher 150 ~m~ weit in die dunkle Höhle eingedrungen war, umschwirrten plötzlich geisterhafte Schatten den Schein der Fackeln. Es waren Vögel, die hier ihr Wesen trieben und mit ihrem lauten, krächzenden Geschrei einen gespensterhaften Spuk trieben.

[Sidenote: Guacharo]

Der Guacharo bewohnt die unterirdischen Höhlen der Anden, nistet hier in großen Kolonien und erzieht in völliger Finsternis seine Jungen. Nur zur Nachtzeit verlassen die Vögel ihr Felsenverlies, um im Waldesdunkel ihrer Nahrung, die aus Früchten besteht, nachzugehen. Noch vor Anbruch der Morgendämmerung sucht der Guacharo wieder sein unterirdisches Versteck auf.

Der Guacharo ist unserem Ziegenmelker nah verwandt, unterscheidet sich aber von ihm durch ein härteres Gefieder und seinen längeren, gekrümmten Schnabel, der an der Spitze einen Zahn trägt. Sein kastanienbraunes Federkleid ist gelblichweiß gefleckt. Er ist ein sehr gewandter Flieger, aber sehr unbeholfen zu Fuß. Er kann überhaupt nicht aufrecht gehen, sondern nur mühsam mit Unterstützung der Flügel kriechen. Der Körper des Fettschwalks hat eine ungeheure Fettschicht, die durch den Mangel an Bewegung und den ständigen Aufenthalt im Dunkeln hervorgerufen wird. Das Fett, ein dickflüssiges, helles Öl, wird von den Indianern als Speisemittel sehr begehrt. Sie fangen die Vögel, besonders die noch unflugfähigen Jungen, in den Nestern, in großen Mengen, lassen das Fett über dem Feuer aus und bewahren es in Tongefäßen auf, in denen es sich wegen seiner Reinheit jahrelang frisch und genießbar erhält.

Der Guacharo ist der einzige Vogel, der das Tageslicht völlig scheut und niemals die wohltuende Einwirkung der Sonne genießt.

[Sidenote: Ziegenmelker, Eulen, Kiwi]

Ein nächtliches Leben führen auch die Ziegenmelker und die Eulen, ohne jedoch das Tageslicht so zu verabscheuen wie der Guacharo. Die Eulen pflegen am Tage behaglich der Ruhe im Sonnenschein (Abbildung 14). Ihr eigentliches Leben und Treiben beschränken jedoch die meisten Arten auf die Dämmerungsstunden und die Nachtzeit. Infolgedessen sind die Augen der Eulen sehr groß, um möglichst viel Lichtstrahlen aufnehmen zu können und hierdurch auch bei schwachem Lichtschein ein Sehen zu ermöglichen. Bei weitem besser als das Gesicht ist das Gehör der Eule ausgebildet. Sie ist imstande, die leisesten Geräusche, die für uns völlig unhörbar sind, wahrzunehmen. Mein zahmer Waldkauz erwachte sofort aus tiefem Schlaf, wenn ich eine weiße Maus auf dem Teppich laufen ließ, was nach unseren Begriffen gar kein Geräusch verursacht. Bei ihren Raubzügen im Dunkel der Nacht verläßt sich die Eule ganz und gar auf das Gehör, denn sie kann die Maus, die im düsteren Waldesgrunde auf dem dunkeln Erdboden läuft, unmöglich sehen. Lediglich das Geräusch verrät ihr die Beute. Ihr Gehörsinn ist so fein ausgebildet, daß sie die Richtung und die Stelle, aus der das Geräusch kommt, sofort richtig erfaßt, wie ich mich an meinen gefangenen Eulen oft genug überzeugen konnte. Die Ohröffnung der Eulen ist sehr groß. Vermöge einer besonderen Hautfalte können die strahlenförmig angeordneten Gesichtsfedern, welche den sogenannten Schleier bilden, senkrecht vom Kopf abgestellt werden, wodurch die Ohröffnung freigelegt wird, so daß die Schallwellen ungehindert eindringen können. Ein Kranz kleiner steifer Federn umgibt den hinteren Rand der Ohröffnungen. Sie sind konkav gebogen und dienen ebenfalls dem Auffangen der Schallwellen. Durch diese Federn wird dieselbe Wirkung erzielt, die wir durch Anlegen der hohlen Hand ans Ohr hervorrufen, um besser hören zu können. Bei den Eulen ist die feine und sinnreiche Konstruktion des Gehörapparats eine ganz vortreffliche Anpassung an das nächtliche Leben und ein hervorragender Ersatz für die Beeinträchtigung des Gesichts in der Dunkelheit.

Eine nächtliche Lebensweise führt der australische Kiwi oder Schnepfenstrauß (~Apteryx australis~). Er gehört zu den merkwürdigsten Vogelgestalten. Ebenso wie den Straußen fehlt seinem Brustbein der Kiel. Die Flügel sind völlig verkümmert und nur noch durch kurze Stummel angedeutet. Das Gefieder besteht aus zerschlissenen, lose herabhängenden, haarartigen Federn. Eine besondere Merkwürdigkeit ist die Lage der Nasenlöcher. Während sich diese bei allen anderen Vögeln an der Wurzel des Schnabels befinden, sitzen sie beim Kiwi vorn an der Spitze des sehr langen, sanft gebogenen Schnabels. Im Gegensatz zu anderen Vögeln scheint beim Kiwi der Geruchssinn gut ausgebildet zu sein. Wenn er in der Nacht das trockene Laub und den Erdboden nach Insekten und Würmern durchsucht, so hört man ein schnüffelndes Geräusch, was auf eine intensive Nasenarbeit hindeutet. Ferner ist der Schnabel bis zur Spitze mit zahlreichen Nervenzügen durchsetzt, die dem Tastvermögen dienen, das beim Kiwi außerordentlich fein entwickelt ist. Die Augen sind nur klein und können daher in der Dunkelheit keine großen Dienste leisten. Der Mangel des Gesichts wird durch den Geruch und den Tastsinn ersetzt.

Der Kiwi hält sich am Tage unter Baumwurzeln und in selbstgescharrten Erdhöhlen versteckt und ist nur in der Dämmerung und in der Nacht rege. Leider gehört der Kiwi zu den im Aussterben begriffenen Tieren. Die Verfolgung durch die Eingeborenen und nicht zum mindesten durch die in seiner Heimat sehr zahlreichen, verwilderten Hauskatzen hat seinen Bestand so sehr gelichtet, daß nur noch wenige Überreste von diesem interessanten Vogel ihr Leben fristen (Abbildung 15).

[Sidenote: Koboldmaki]

Auf den Malaiischen Inseln lebt ein absonderliches Säugetier, der Koboldmaki oder das Gespensttier (~Tarsius tarsius~). Dies kleine, etwa eichhorngroße Wesen, das zu den Halbaffen gehört, bewohnt die dichten Waldungen, verbirgt sich am Tage in dunkeln Schlupfwinkeln und turnt des Nachts mit sehr gewandten, geräuschlosen Sprüngen in den Baumzweigen umher, um Kerbtiere zu jagen. Beim Koboldmaki sind die Augen dem nächtlichen Leben sehr angepaßt. Sie sind ungeheuer groß und nehmen den größten Teil des Kopfes ein. Die großen löffelartigen Ohren lassen auf ein gut ausgebildetes Gehör schließen. Im Gegensatz zu den kurzen Vorderfüßen stehen die auffallend langen Hinterbeine, die dem Tier eine große Sprungkraft verleihen. Die Fußwurzel der Hinterbeine ist sehr verlängert und bildet wie bei den Vögeln einen zwischen Fuß und Unterschenkel eingeschalteten „Tarsus“. Er ist mit haarloser Haut bekleidet. Die Finger und Zehen sind gleichfalls nackt und sehr lang. Die vordersten Glieder sind breite, platte Teller, die vermutlich wie Gummischeiben eine saugende Wirkung haben und ähnlich wie beim Laubfrosch zum Festhalten dienen. Auch andere Halbaffen besitzen diese erweiterten, platten vorderen Zehenglieder. Mein zahmer Mongoz (~Lemur mongoz~) kletterte an der Kante völlig glatter Schränke in die Höhe, indem er sich mit den Fingerscheiben festsaugte, wobei ein quietschendes Geräusch entstand.

Auch die ebenfalls zu den Halbaffen zählenden Zwergmakis, Loris und Galagos sind ausgesprochene Nachttiere, die im allgemeinen das Tageslicht scheuen.

[Sidenote: Olm]

In den Gewässern der unterirdischen Höhlen in Krain, Dalmatien und der Herzegowina lebt ein merkwürdiger Lurch, der erst vor 200 Jahren bekannt gewordene Olm. Er hat einen langen wurmartigen Körper mit vier sehr kleinen, dünnen Füßchen und einen hechtartigen Kopf. Seine Farbe ist gelblichweiß oder hell fleischfarben, die Büschelkiemen sind blutrot. Als ausgesprochenes Wassertier atmet der Olm während seines ganzen Lebens durch Kiemen, ohne wie die anderen Lurche eine Verwandlung durchzumachen. Die nur punktgroßen, zurückgebildeten Augen sind von der Kopfhaut überwachsen und vermögen nur Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen, aber keine Gegenstände zu erkennen. Die Lichtempfindlichkeit erstreckt sich sogar über die Haut des ganzen Körpers. Gefangene Olme meiden jeden Lichtstrahl und halten sich stets in der dunkelsten Ecke ihres Behälters auf. Die Finsternis ist ihr wahres Lebensbedürfnis. In seiner Heimat wird der Olm regelmäßig in größerer Menge für den Tierhandel gefangen. Er ist ein langweiliger Gesell, der seinem Pfleger wenig Freude, aber um so mehr Mühe macht. Zu seinem Gedeihen bedarf er eine beständige Wassertemperatur von 9-11°~C~, muß stets im Dunklen gehalten werden und an einem völlig ruhigen Ort stehen, da er Erschütterungen nicht verträgt. Das Futter besteht in Regenwürmern, kleinen Fischen und Fleischstückchen. In vielen Fällen verschmähen gefangene Olme jegliche Nahrung und gehen bald zugrunde.

[Sidenote: Blindwühlen]

Unter den Amphibien führen auch die Blindwühlen ein völlig unterirdisches Leben. Die Blindwühlen besitzen keine Füße und gleichen mit ihrem walzenförmigen, langen Körper den Schlangen, müssen jedoch wegen ihres inneren Körperbaues und ihrer Entwicklung aus metamorphosierenden Larven zu den Amphibien gezählt werden. Die Larven verbringen eine kurze Zeit im Wasser, wie die Kaulquappen der Frösche. Das fertig ausgebildete Tier lebt jedoch nach Art der Regenwürmer in der Erde. Die Augen fehlen entweder ganz, oder sie sind mit einer Haut überwachsen und zum Sehen untauglich. Die Ohren sind verkümmert. Die Wahrnehmung ist ganz auf das Tastgefühl beschränkt, das durch einen nervenreichen Fühler vermittelt wird, der vor den rudimentären Augen liegt und vorgestreckt und zurückgezogen werden kann.

Die Heimat der Blindwühlen ist das äquatoriale Afrika, Asien und Amerika. Einzelne Arten wohnen in den Erdhaufen der Ameisen, die ihnen neben Insektenlarven und Regenwürmern als Nahrung dienen.

[Sidenote: Ringelechsen]

Eine ähnliche Lebensweise wie die Blindwühlen führen unter den Reptilien die Ringelechsen, die in ihrer Gestalt einem Wurm gleichen. Ihre glatte, lederartige Haut, der walzenförmige Leib und die völlig zurückgebildeten Gliedmaßen, die bei einigen Arten nur noch als stummelhafte Vorderfüße auftreten, bei anderen äußerlich ganz fehlen, machen den Körper der Ringelechsen in hohem Maße zum Wühlen in der Erde geeignet. Die kleinen Augen sind von der Körperhaut überwachsen, die Ohren fehlen völlig. Die meisten Arten hausen in den Haufen der Termiten und Ameisen und leben von deren Larven. Sehr auffallend ist es, daß die Ameisen, die sonst wütend über fremde Tiere, die in ihren Bau eindringen, herfallen, die Ringelechsen ruhig dulden. Die Ringelechse folgt sogar den Ameisen, wenn diese ihren Bau verlassen und eine neue Wohnstätte errichten. --

[Sidenote: Blindschlangen]

Auch unter den Schlangen gibt es einige Arten, die wie die Regenwürmer in der Erde leben und auch ein wurmähnliches Aussehen haben. Die Blindschlangen (~Typhlopidae~) ähneln den Regenwürmern so sehr, daß nur bei genauer Betrachtung die schlängelnden Bewegungen und das charakteristische Züngeln ihre Schlangennatur verraten. Das sehr kleine, bei manchen Arten völlig verkümmerte Auge ist von den Kopfschilden überdeckt. Die Blindschlangen bewohnen die Tropenländer der Alten und Neuen Welt. Eine Art kommt auch in Griechenland und Kleinasien vor.

[Sidenote: Geckos]

Ausgesprochene Nachttiere sind die Geckos, welche in mehr als 200 Arten über die warmen Länder der ganzen Erde verbreitet sind und sowohl die Wälder wie die Wüstenregionen bewohnen (Abbildung 16). Viele Arten bevorzugen zu ihrem Aufenthalt sogar die menschlichen Wohnhäuser.

Die Geckos gehören zur Familie der Haftzeher, die an den Zehen blattartige Scheiben tragen, mit denen sie sich ansaugen und auch an völlig glatten Flächen festhalten können. Nach Art der Fliegen laufen die Geckos an Fensterscheiben, den Zimmerwänden, ja sogar an der Decke umher. Am Tage verbergen sie sich in den Ritzen und Spalten des Mauerwerks und werden erst am Abend rege, um in der Nacht bis zur Morgendämmerung ihr gespensterhaftes Wesen zu treiben. Ihre Nahrung besteht in Fliegen und anderen Insekten. Die Farbe der meisten Geckos ist ein unscheinbares Grau oder Braun, nur wenige Arten, die in Wäldern wohnen, sind grün oder bunt gefärbt.

Die frühere Annahme, daß das Ansaugen der Zehen durch einen klebrigen Stoff erfolge, ist durch neuere Untersuchungen widerlegt worden. Die Saugscheiben haften nur durch Luftdruck. Der Vorgang ist folgender. Das Tier preßt die Saugscheiben fest an einen Gegenstand an und verringert dann den Druck. Durch besondere Muskeln werden die Haftscheiben in der Mitte etwas hochgezogen, wodurch ein luftleerer Raum entsteht, dessen saugende Wirkung die Zehen an der Unterlage festhält.

Das Auge der Geckos ist ganz für das nächtliche Leben eingestellt. Es ist sehr groß und stark gewölbt, kann also sehr viel Lichtstrahlen aufnehmen. Die Pupille kann so sehr erweitert werden, daß die lebhaft, meist rötlichgelb gefärbte Iris dann nur noch als kleiner Kreis sichtbar ist.

Wie alle Eidechsen sind die Geckos ungeheuer lebhaft. Wenn sie am Abend ihre Schlupfwinkel verlassen haben, dann beginnt ihr neckisches Spiel. In hastigem Vorschießen ergreifen sie eine Fliege oder Spinne, in schlängelnden Bewegungen gleiten sie an den Wänden entlang, spielen und raufen miteinander.

Der unkundige Eingeborene verfolgt und tötet die harmlosen Geschöpfe, unbekümmert um den großen Nutzen, den sie durch Vertilgen der gerade in den Tropen so lästigen Insekten stiften. Man glaubt, daß in ihren Haftzehen ein gefährliches Gift enthalten sei, dessen Berührung dem Menschen den Tod bringt. In Dalmatien herrscht noch heute der Aberglaube, daß die Speisen oder Gefäße, über die ein Gecko gelaufen ist, vergiftet seien. Einen besseren Ruf genießt der Gecko in Siam. Hier lebt der Tokee (~Geco verticillatus~), der zu den größten Arten gehört und eine Körperlänge von 36 ~cm~ erreicht. Er wird als Glücksbringer geschätzt und daher sorgsam in den Häusern und Wohnungen behütet. Er macht sich durch ein eigenartiges Gegacker bemerkbar und läßt außerdem einen zweisilbigen Ruf hören, der wie die Silben „to--ke“ klingt, wonach der kleine Schelm seinen Namen erhalten hat. An seinen Ruf knüpfen sich allerhand Märchen und Sagen. Bringt der Gecko ihn mehrmals hintereinander hervor, so verheißt dies Glück und Segen, während seine Schweigsamkeit bei festlichen Anlässen als unheilvolles Orakel gedeutet wird. Sogar ein Spiel hat man für den Ruf des kleinen Hausfreundes ersonnen. Es gewinnt diejenige Losnummer, welche der Gecko bei der mehrmaligen Wiederholung seiner Stimme ausruft. --

[Sidenote: Tierleben der Tiefsee]

Ein gewaltiges und wundersames Tierleben herrscht in den dunkelen Tiefen des Meeres. Hier begegnen wir Tieren von den absonderlichsten Gestalten, die sich ihren Weg in der ewigen Finsternis mit Lampen erleuchten.

Die lichtarme Tiefsee beginnt in einer Tiefe von 400 ~m~ unter dem Meeresspiegel. Die Einflüsse der Jahreszeiten und der Witterung fehlen hier völlig. Das Wasser ist dauernd still und unbeweglich. Seine Temperatur ist sehr niedrig, häufig dem Gefrierpunkt nahe und stets gleichbleibend. Eine weitere Eigenschaft der Tiefsee ist die Lichtarmut. In größeren Tiefen unterhalb 1000 ~m~ herrscht sogar völlige Finsternis.

In der Tiefsee sind also die Lebensbedingungen völlig anders als im Flachwasser, und zwar handelt es sich nicht nur um geringfügige biologische Veränderungen, sondern um gewaltige, durchgreifende Faktoren. So ist es von vornherein klar, daß die Bewohner der Tiefsee gänzlich anders organisiert sein müssen als alle anderen Lebewesen. Mit Recht nennt +Dofflein+ die Tiefsee ein ungeheures Experiment der Natur, in dem die normalen Lebensbedingungen künstlich abgeändert, ja geradezu ausgeschaltet sind.

Mit Rücksicht auf die gleichmäßige Temperatur in der Tiefsee sind ihre Bewohner stenotherm, d. h. sie sind lediglich auf eine bestimmte Außentemperatur eingestellt und können keine Temperaturschwankungen ertragen.

Ferner ist der Körper aller Tiefseebewohner sehr zart. Er zerreißt und zerbricht sehr leicht. Das Skelett der Tiefseefische und die Schalen der Tiefseekrebse sind auffallend dünn im Vergleich zu den in höheren Wasserschichten lebenden Tieren. „Es ist ein sehr verblüffender Anblick,“ sagt +Dofflein+, „wenn man das freipräparierte und getrocknete Skelett eines Tiefseefisches vor sich liegen hat; denn es gleicht einem Häufchen dünner Papierblättchen und wiegt nur wenige Gramm.“

Der zarte Körperbau und die schwachen Knochenteile sind offenbar eine Folge der Unbeweglichkeit des Wassers in der Tiefe des Meeres. In dem ruhigen Element fehlen der Zug und Druck, die eine Bewegung des Wassers hervorrufen, und die einen starken, widerstandsfähigen Körperbau verlangen. Infolgedessen haben Tiere, die in bewegtem Wasser leben, und noch mehr solche Arten, welche der Brandungszone ausgesetzt sind, starke Muskulatur und feste Knochen, unter Umständen sogar besondere Einrichtungen, sich am Boden festzuklammern, oder an Gegenständen anzusaugen, wie die Aktinien. Alles dies fehlt dem Körper der Tiefseetiere.

Die Tiefseetiere leben beständig unter einem starken Wasserdruck, der aber infolge der absoluten Ruhe des Wassers stets gleichbleibt. Auch hierfür mag der weiche, zarte Körperbau sehr günstig sein.

Die meisten Tiefseetiere erleiden, wenn sie an die Oberfläche gebracht werden, starke Beschädigungen. Die Ursache liegt jedoch weniger in der Druckveränderung, wie der Laie meist annimmt, sondern in dem plötzlichen Temperaturwechsel und der Erschütterung des Körpers, der ja auf völlige Ruhe eingestellt ist.

Im Mittelmeer ist die Temperatur in der Tiefe wärmer als im Ozean, wo sie um den Nullpunkt liegt. Sie beträgt im Mittelmeer 12-13°~C~. Werden in einer Zeit, wo die Lufttemperatur über dem Mittelmeer ungefähr dieselbe Wärme hat, Tiefseetiere herausgefischt, so bleiben sie in gutem Zustande. Unter diesen Umständen gelang es +Dofflein+, Tiefseetiere aus dem Mittelmeer mehrere Tage am Leben zu erhalten.

Von großem Einfluß auf die Sinnesorgane der Tiefseetiere ist die Lichtarmut in den Tiefen des Meeres. Die Augen sind entweder ganz verkümmert, oder sie zeichnen sich durch gewaltige Größe und absonderliche Gestalt aus.

Da gibt es Fische mit Teleskopaugen, die weit aus dem Kopf herausragen. Sie sind röhrenförmig und unterscheiden sich von den Augen anderer Fische hauptsächlich durch ihre Stellung. Während die normalen Fischaugen an den Seiten des Kopfes liegen, so daß jedes Auge sein eigenes Gesichtsfeld hat und daher ein monokuläres Sehen erfolgt, liegen die Teleskopaugen dicht nebeneinander in einer Ebene, entweder nach oben oder nach vorn gerichtet. Beide Augen überblicken also ein und dasselbe Gesichtsfeld. Das Sehen ist binokulär. Die sehr große Linse hat einen weiten Abstand von der Netzhaut. Die Hornhaut ist stark gewölbt. Durch einen besonderen Muskelapparat kann die Linse der Netzhaut willkürlich genähert werden, wodurch eine Akkommodation des Auges ermöglicht wird als Ersatz für die Starrheit der Pupille, die die Fische nicht vergrößern und verkleinern können. Die Funktion des Teleskopauges gewährleistet eine bestmögliche Ausnutzung des geringen Lichtes in der Tiefsee und eine leichte Wahrnehmung von Bewegungen.

Das Vorhandensein von Augen bei den Tiefseefischen, die sogar eine äußerst sinnreiche Organisation erlangt haben, deutet von vornherein darauf hin, daß in der Tiefsee keine völlige Dunkelheit herrschen kann, wie man es früher angenommen hat, wenigstens nicht in jenen Tiefen, in denen diese Fische leben. Ein gewisser Lichtschein muß auch noch in die größeren Tiefen des Meeres eindringen. Daß dies tatsächlich der Fall ist, haben die Versuche erwiesen, die man in neuerer Zeit mit photographischen Platten gemacht hat. Hiernach ist die Lichtintensität der Farbenstrahlen sehr verschieden. Nach +Helland-Hansen+ ist die Einwirkung der roten Lichtstrahlen auf eine im Meer versenkte photographische Platte schon in einer Tiefe von 100 ~m~ sehr schwach, während die blauvioletten Strahlen bis zu 500 ~m~ Tiefe und die violetten und ultravioletten Strahlen sogar bis zu 1000 ~m~ eine Einwirkung erkennen ließen. Die meisten Tiefseefische steigen nicht tiefer als bis zu 500 ~m~ in das Meer hinab, und nur wenige Arten leben in größeren Tiefen, deren Grenze nach den heutigen Forschungen in etwa 1000 ~m~ liegt. So steht also den Tiefseefischen immer noch eine gewisse Lichtquelle zur Verfügung. Auch halten sich die Tiefseefische keineswegs ausschließlich in der Tiefsee auf, sondern dringen zeitweise auch in das Pelagial ein, d. h. in die oberhalb der Tiefsee gelegene Wasserschicht.

Die meisten Tiefseefische sind dunkel gefärbt, einige Arten rot und silberweiß. Die dunkeln Fische leben in den größten Tiefen von 1000 ~m~, die roten in geringeren Tiefen, deren obere Grenze 500 ~m~ beträgt, und die silberglänzenden Fische oberhalb 500 ~m~. In dieser Vertikalverteilung der Farben liegt ein vorzüglicher Schutz. Da die roten Lichtstrahlen in einer Tiefe von 500 ~m~ nicht mehr zur Geltung kommen, so sind die roten Fische hier unsichtbar. Die silberweißen Fische, welche in höheren Schichten leben und in das Pelagial bis zu einer Tiefe von 150 ~m~ heraufsteigen, sind wieder in ihrer hellen, glitzernden Farbe, die dem Wasser angepaßt ist, gut geschützt. --

[Sidenote: Leuchtorgane der Tiefseetiere]

Unter den in der Tiefsee vorkommenden Krebsen finden wir Formen mit riesenhaft großen Augen, die ein Zehntel, ja sogar fast ein Sechstel der Körpergröße erreichen. Ein kleiner, zu den Schizopoden gehörender Tiefseekrebs (~Stylocheiron mastigophorum~) hat Stielaugen von 1 ~mm~ Länge und ½ ~mm~ Breite bei einer Körpergröße von nur 6-8 ~mm~ Länge. Das sind Verhältnisse, wie sie unter den übrigen stieläugigen Krebsen nicht im entferntesten vorkommen. Das Auge der Tiefseekrebse ist ein überaus lichtstarkes optisches Instrument. Der Hintergrund des Auges ist stark glänzend, um das Licht der Leuchtorgane anderer Tiefseetiere, die den Krebsen zur Nahrung dienen, besser aufnehmen zu können.

Andere Tiefseekrebse haben völlig verkümmerte Augen, wie die japanische Tiefseekrabbe (~Cyclodorippe uncifera~). Dasselbe Tier kommt, wie sein Entdecker +Chun+ feststellte, auch im Flachwasser vor und hat hier wohlentwickelte Augen. Die Larven der blinden Tiefseeform sind zunächst nicht blind, sondern haben Augen, die erst in der Metamorphose verkümmern. Die Krebslarven sind sehr beweglich und durchschwimmen weite Räume im Meer. +Chun+ konnte nun feststellen, daß die Larven der Tiefseekrabbe sich viel schneller verwandeln als die Larven der im Flachwasser wohnenden Rasse. Diese abgekürzte Metamorphose verhindert, daß die Larve in höhere, hellere Regionen aufsteigt, in denen das Auge durch den Lichtreiz nicht verkümmern würde. Die Dunkelheit ist offenbar die Voraussetzung für die Bildung der rudimentären Augen der Tiefseeform.

Bei den blinden Tiefseekrabben sind als Ersatz für die verkümmerten Augen der Geruch und der Tastsinn sehr fein ausgebildet.