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Part 1

[Anmerkungen zur Transkription:

Diese Monographie wurde aus Linnaea, Bd. 35, 1867, entnommen und aufbereitet.

Im Original gesperrt gedruckter Text wurde in KAPITÄLCHEN geändert.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.]

Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets.

Hierzu Tafel IV-XXIII.

Von Dr. _=G. SCHWEINFURTH.=_

* * * * *

Als ich vor einigen Jahren nach Aegypten aufbrach, um eine grössere botanische Reise anzutreten, befand ich mich trotz aller durch Herbarien und Litteratur mir dargebotenen Vorbereitung in grosser Unklarheit über diejenigen Charakter-gewächse, welche, sei es durch ihre Individuenzahl, sei es durch ihre weite geographische Verbreitung, für die zu bereisenden Gebiete von besonderer Wichtigkeit erscheinen mussten. Belehrt durch diesen grossen Mangel in unseren wissenschaftlichen Hülfsmitteln, wurde ich zunächst auf eine genauere Beachtung alles Dessen hingewiesen, was mir in Florens Reich auf meinen Wanderstrassen eine bedeutende Rolle zu beanspruchen schien; ich studirte daher mit Vorliebe die grösseren holzbildenden Gewächse, welche man, namentlich in den dürreren Regionen, so selten in einem zur Erlangung von Herbarien- Exemplaren tauglichen Zustande antrifft, an denen sich aber trotzdem mancherlei unseren Blicken darbietet, worüber wir daheim unmöglich Auskunft zu erlangen vermögen.

Da waren es denn auch vorzugsweise die Acacien, welche als treue Begleiter auf allen seinen Wegen dem Reisenden bald sympathisch wurden, so wenig auch anfänglich ihr Aeusseres Einladendes zu besitzen schien. Indess es erging ihm hier wie mit den rohen Bewohnern jener Gegenden, welche, entsprechend dem allgemeinen Charakter ihrer heimathlichen Natur, bald abstossend durch Misstrauen und Fanatismus sich des Fremdlings erwehrten, wie die Dornen der Acacien, oder wie letztere da, wo sie gebogen und gekrümmt erscheinen, sich mit bettelhafter Zudringlichkeit an seine Fersen hefteten. Auch hier gab es noch Mittel, um sich, über die rauhe Aussenseite hinwegsetzend, mit den Vorzügen ihres besseren Ichs vertraut zu machen. Ein fortgesetzter Umgang mit ihren Dornen und Stacheln gab dem Reisenden solche an die Hand, Kratzwunden an Armen und Beinen lehrten denselben seine Gewandtheit verdoppeln, um sich ihren unsanften Umarmungen zu entwinden, zerrissenen Kleidern verdankten solche von starrem Leder ihre Entstehung, und zu den allen Attaquen hohnsprechenden Dornenkronen bahnte ihm schliesslich ein Taschenmesser den Weg, behutsam Dorn für Dorn mit demselben entfernend; kurz und gut, wie die Klaue der Katze nichts Gefährliches mehr an sich hat, wenn man sie nur richtig zu nehmen weiss, so wurden mit der Zeit auch die Acacien des Reisenden trauteste Freunde, spendeten ihm mit Hülfe eines über ihr blattloses Gestell gespannten Tuchs selbst Schatten inmitten der ödesten Wüste, oder vertheidigten an anderen Orten die Eingänge seines Lagers gegen die Zudringlichkeiten nächtlicher Räuber.

Die Acacien (in den Reisebeschreibungen schlechtweg Mimosen genannt) repräsentiren nicht nur in den regenlosen oder regenärmeren Gebieten Afrika’s den eigenthümlichen Charakter jener kümmerlichen Schöpfung, welcher ihrem dürren und starren Aussehen gleichsam aufgestempelt erscheint, sie spielen auch innerhalb der Gesammtregion der Tropenregen eine durch weite Verbreitung und oft bestandbildendes Auftreten hervorragende Rolle, und kennzeichnen daselbst durch das frische Grün ihrer Belaubung die schöpferische Fülle der sie umgebenden Florenwelt.

So bilden denn auch im Nilgebiete die Acacien, soweit wir den Ufern des grossen Flusses nach Süden zu folgen wollen, oder so fern von demselben wir uns auch seitwärts in die anstossenden Gebiete hineinwagen, mit den wichtigsten Bestandteil der Baumflora. Die Wüstenthäler entlang erreichen wir in ihrer steten Gesellschaft das Meer, oder ziehen durch die mit ihnen wie übersäeten Steppenwüsten, durchdringen ihre buschreichen Dickichte meilenweit innerhalb hochgrasiger Prairien und stossen schliesslich auf sie, eine ebenbürtige Zierde des Tropenwaldes, als Genossen von Tamarinden- und Feigenbäumen.

Die beifolgende Aufzählung weist für das gesammte Nilgebiet, die Küste des Rothen Meeres mit inbegriffen, 24 wildwachsende Acacien-Arten auf, also 5 mehr als jene in meinem Beitrage zur Flora Aethiopiens als Anhang gegebenen enthält.

Der vollständigsten Arbeit, welche wir über Acacien besitzen, der von BENTHAM im 1. Bande von HOOKER’s Lond. Journ. of bot. 1842 veröffentlichten, fehlen allein 13 Arten, welche unter den folgenden ausführlich beschrieben sind. Bei dieser Arbeit wurden ausser meiner eigenen auf der letzten Reise 1863-1866 gemachten Sammlung (20 Arten, die Nummern 1937-2505 derselben umfassend) noch die in A. BRAUN’s Herbar vollständig enthaltenen SCHIMPER’schen Acacien aus Abyssinien, ferner die des Berliner Herbariums und schliesslich die mir durch Prof. FENZL’s Güte zur Benutzung überlassenen des Wiener Museums berücksichtigt. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Acacien enthielt auch die von mir mit benutzte vom verstorbenen Dr. STEUDNER in Abyssinien zusammengebrachte Sammlung.

Als ein grosser Uebelstand bei vorliegender Arbeit erschien mir der Mangel an tauglichem Material vorderindischer Acacien, sowie grösserer Suiten solcher aus Senegambien, von denen viele mit mehreren meiner Aufzählung eine so grosse Verwandtschaft verriethen, dass ich nicht im Stande war, endgültig über ihre relative Selbständigkeit als Art zu entscheiden.

In Folgendem zähle ich diejenigen Arten auf, welche zunächst genauer mit einander zu confrontiren wären.

_A. spirocarpa_ mit _A. planifrons_ W. Arn.

— _arabica_ var. mit — _arabica_ W. β. _senegalensis_.

— _verugera_ mit — _Adansonii_ G. P. R.

Wie sehr indess habituell weit von einander verschiedene Acacien in vielen ihrer Merkmale sich einander nähern können, das werden die bei _A. spirocarpa_ und _A. tortilis_ einerseits und die bei _A. Seyal_ und _A. Ehrenbergiana_ andererseits gegebenen Notizen darthun. Ich habe daher mit Recht besonderes Gewicht auf die dem Stamme und seiner Verzweigung, der Rinde und den relativen Verschiedenheiten der einzelnen Astregionen entnommenen Merkmale gelegt. Hierüber aber mangeln uns in den meisten Beschreibungen alle Angaben, und eine Unmöglichkeit bleibt es daher, nach wenigen Herbarium-Exemplaren, welche sich selten als gleichwerthig herausstellen, zu einem Resultat zu gelangen.

Was aber die Gleichwerthigkeit der zu vergleichenden Handstücke anlangt, so wird man bei dem unter _A. spirocarpa_ und _A. nubica_ auseinandergesetzten Dualismus der Formen hinreichend erkennen, wie sehr es darauf ankommt bei einer genauen Beschreibung auf die meteorologisch- climatischen Bedingungen der Heimath auf der einen, sowie die betreffende Region des Baumes einer bestimmten Art auf der anderen Seite (in ihrem Gefolge die Jahreszeit der Einsammlung) besondere Rücksicht zu nehmen. Man sieht, wie in beiden genannten Fällen ein Baum oder Strauch, welcher an der dürren Küste des Rothen Meeres einen grossen Theil des Jahres hindurch entlaubt dastehend und vor dem Laube blühend nur in beschränkter Weise die Theilung seines Blattes differenzirt, im nahe daranstossenden, innerhalb der Region der Tropenregen belegenen Gebiete dagegen fast das ganze Jahr hindurch belaubt und an beblätterten Zweigen blühend, eine weit grössere Anzahl von Blattfiedern erzeugt, während Blätter, Blüthen, Dornen und zuletzt der ganze Wuchs grössere Dimensionen annehmen können, ohne dass auch nur ein einziges Merkmal von constantem Werth sich ausfindig machen liesse, um diese durch äussere Existenzbedingungen hervorgerufene Umwandlung mit der Entstehung einer neuen Art verwechseln zu müssen, es bleibt eben immer nur eine Andeutung oder der erste Schritt zu einer solchen auf Erblichkeit basirten Fortbildung.

Bis zu welchem Grade die wesentlichsten Merkmale der Exemplare je nach der Region des Astes, welchem sie entnommen wurden, abgeändert werden können, das zeigt uns beispielsweise das Auftreten zahlreicher Stacheln am Mittelnervstiel[1] der Blätter des Stockausschlages von _A. Catechu_, ein Fall, welcher sich an üppig entwickeltem Laube der _A. mellifera_ wiederholt. Ein ähnliches Beispiel liefern die oft fast nur mit gekrümmten, verkümmerten Dornen bedeckten blühenden Zweige der _A. tortilis_ oder _spirocarpa_, auch diejenigen der _A. glaucophylla_ und anderer, welche an solchen Zweigen oft alle Stacheln verlieren. Der unter dem Blattstiel sitzende dritte Stachel der Diacanthae fehlt oder erscheint, je nach der Art der Zweige, welche vorliegen, u.s.f.

Unter allen Acacien der Aufzählung befindet sich kaum eine einzige, von welcher sich mit Bestimmtheit sagen liesse, dass Dornen oder Stacheln an diesen oder jenen Trieben nicht mitunter gänzlich fehlen könnten. Da aber, wo sie auftreten, behalten sie meist die wesentlichen Merkmale ihrer Gestalt. So wird ein an der Basis kantiger Dorn nie völlig stielrund werden, wohl aber wird (wie bei _A. Catechu_) ein an jungen Trieben seitlich sehr zusammengedrückter Stachel an älteren Zweigen eine mehr stielrunde Gestalt annehmen können.

Ohne auf den Conflict näher eingehen zu wollen, in welcher die grösste Gleichheit einerseits der verschiedenen Dornen und Stachelgebilde bei den Acacien in functioneller Beziehung mit ihrer morphologischen Bedeutung gerathen[2], soll hier nur im Allgemeinen auf die grossen, bei den betreffenden Beschreibungen näher auseinandergesetzten Veränderlichkeiten dieser Gebilde hingewiesen werden.

Variabler noch als die Dornen und Stacheln der Acacien sind die Blätter in Bezug auf ihre Theilung sowohl, als auch auf die zu ihnen gehörenden Nebenorgane. Die Behaarung hat hier nur geringen Werth, und die Drüsen, welche sich an der Basis des Blattstiels oder unter dem untersten Fiederjoche und zwischen den oberen manchmal zwischen allen zugleich am Mittelnerv zeigen, können bei vielen Arten zugleich fehlen oder in bestimmter Anzahl vorhanden sein. Nachstehende Tabelle giebt sowohl einen Ueberblick über diese Merkmale, als auch über die Schwankungen, denen ihre Zahlenverhältnisse unterworfen sind.

----------------+-------------------+---------------------+------- | Anzahl der | Anzahl der Drüsen | | Fiederjoche | des Blattstiels | | | | |primäre| secundäre |an der | an den | | | | Basis |oberen Jochen| ----------------+-------+-----------+-------+-------------+------- A. abyssinica | 6-15 | 17-30 | 1 | 3-4 |Baum | | | | | — spirocarpa | 5-10 | 10-15 | 1 | — | — | | | | | — tortilis | 2-6 | 5-12 | — | 2-6 | — | | | | | — xiphocarpa | 7-30 | 20-40 | 1 | — | — | | | | | — etbaica | 3-6 | 15-30 | 1 | 1-3 | — | | | | | — nilotica | 4-8 | 15-27 | 1 | 1-2 | — | | | | | — arabica var.? | 4-18 | 10-33 | 1 | 1-2 | — | | | | | — nubica | 3-11 | 5-15 | 1 | 1 |Strauch | | | | | — verugera | 7-11 | 22-32 | 1 | 1-3 |Baum | | | | | — fistula | 3-4 | 12-18 | 1 | 1 | — | | | | | — Seyal | 1-6 | 8-12 | 1 | 1-2 | — | | | | | — Ehrenbergiana | 1-2 | 8-10 | 1 | 1 |Strauch | | | | | — stenocarpa | 3-11 | 15-20 | 1 | 1 |Baum | | | | | — albida | 4-8 | 8-15 | — | 4-8 | — | | | | | — Lahai | 6-13 | 12-20 | 1 | — | — | | | | | — amythetophylla| 20-30 | 30-40 | 1 | — | — | | | | | — hecatophylla | 12-20 | 25-45 | 1 | 1-3 | — | | | | | — Catechu | 15-30 | 30-50 | 1 | 4-10 | — | | | | | — sanguinea | 2-6 | 5-10 | 1 | — | — | | | | | — mellifera | 2 | 1 | 1 | — |Strauch | | | | | — laeta | 2-3 | 3-5 | 1 | — | — | | | | | — venosa | 4-7 | 7-12 | 1 | — | — | | | | | — glaucophylla | 3-6 | 12-20 | 1 | — |Baum | | | | | — Verek | 3-5 | 10-15 | 1 | 1 | —

An den Stielen der Blüthenköpfchen der Gummiferae tritt eine aus 2-4, nur selten von einander getrennten Hochblättern verwachsene Hülle auf, welche sich bei den meisten Arten in bestimmter Höhe zeigt, bei einigen indess hinsichtlich ihrer Insertion bedeutenden Schwankungen unterworfen ist. Constant hingegen bleibt das Merkmal, ob diese Hülle fest mit dem Stiele verwachsen erscheint, oder ob sich dieselbe von diesem loslöst und sich wie ein Kragen an ihm auf- und niederschieben lässt. Ich habe hierin ein gutes Merkmal zur Eintheilung dieser Gruppe gefunden.

Das Längenverhältniss der einzelnen Blüthentheile zu einander bleibt ziemlich constant, desgleichen auch so ziemlich die Anzahl der Blüthen, welche ein Köpfchen bilden, und die der Staubfäden. Sehr veränderlich dagegen ist die relative Länge des Griffels, eines Merkmals ohne alle Bedeutung. Von Werth erschienen auch Form und Länge der die Blüthen stützenden Deckblättchen, schmaler spathelförmiger Gebilde, welche eine löffelartig ausgehölte Spitze besitzen, und die von HAYNE irrthümlicherweise für die unvollkommene Blüthe gehalten und als trichter- oder tütenförmig abgebildet wurden, was sie indess nie sind. Gute Merkmale liefern auch Form und Anzahl der Samen, während die Gestalt der Hülsen grossen Schwankungen unterworfen sein kann.

In Betreff der einheimischen Nomenclatur verdient noch Folgendes bemerkt zu werden: In den von mir bereisten Gegenden Nubiens machte ich stets die Erfahrung, dass die Eingeborenen, welche als gute Naturbeobachter ein instinktmässiges Verständniss des Artbegriffs besitzen, sehr genau die verschiedenen Acacien ihrer Heimath zu benennen und zu unterscheiden wussten. Ihren Winken und Fingerzeigen habe ich bei dieser Arbeit hinreichend Rechnung getragen. Was aber die dem arabischen Sprachgebrauch entsprechenden Bezeichnungen für die einzelnen Arten anbelangt, so brauche ich nur auf den grossen Unterschied aufmerksam zu machen, welcher sich zwischen den von mir und den von FORSKÅL dieser oder jener Art zuertheilten arabischen Namen herausstellt. So wären beispielsweise:

nach FORSKÅL: nach SCHWEINFURTH:

Haras = A. tortilis. Harras = A. albida.

Smurr = A. mellifera. Ssāmmorr = A. spirocarpa.

Syllim = A. sp.? Selem = A. Ehrenbergiana.

Sejal = A. Ehrenbergiana Sejal = A. tortilis.

Je nach den Provinzen ändern sich Namen von Pflanzen und Thieren in allen Ländern (ich erinnere an Tanne und Fichte), und so auch namentlich in Arabien und Aegypten.

* * * * *

=Clavis Acaciarum Niloticarum.=

I. =Gummiferae.= (Acaciae stipulis spinescentibus.)

* Floribus capitatis

pedunculi bracteis persistentibus

pedunculis ipsa basi bracteatis, floribus albidis _A. abyssinica_

pedunculis medio vel infra medium bracteatis, floribus albidis

leguminibus spiraliter tortis, spinis rectis, cum abortivis recurvis alternantibus

leguminibus tomentosis _A. spirocarpa_

leguminibus glabris _A. tortilis_

leguminibus rectis, spinis aequalibus rectis

leguminibus coriaceo-membranaceis _A. xiphocarpa_

leguminibus coriaceis _A. etbaica_

pedunculis supra medium bracteatis

leguminibus rectis moniliformibus, floribus luteis

leguminibus glaberrimis _A. nilotica_

leguminibus tomentosis _A. arabica_

leguminibus rectis marginibus parallelis, floribus pallide flavis

spinis brevibus _A. nubica_

leg.?—spinis longissimis _A. verugera_

pedunculis infra medium caduco-bracteati, leguminibus falcatis

leguminibus inter semina constrictis

pinnis 3-5-jugis (arbores)

spinis saepissime monstrose inflatis, ramis cortice albo _A. fistula_

spinis sursum attenuatis, ramis cortice cinnamomeo _A. Seyal_

pinnis 1-2-jugis (frutex) _A. Ehrenbergiana_

leguminibus marginibus parallelis _A. stenocarpa_

** floribus spicatis albidis

petiolo communi inter singula pinnarum paria glanduloso, basi glandula nulla _A. albida_

petiolo comm. basi glandula instructo ceterum eglanduloso _A. Lahai_

II. =Vulgares.= (Acaciae stipulis non spinescentibus aculeatae.)

A. _Inermis_ _A. amythetophylla_

B. _Diacanthae_ aculeis infrastipularibus adjecto interdum infrafoliaceo.

leguminibus coriaceis linearibus aculeis geminis.

legum. crasse coriaceis foliolis majoribus _A. hecatophylla_

legum. coriaceis foliolis minoribus _A. Catechu_

leguminibus coriaceo-membranaceis.

aculeis geminis.

floribus roseis, pinnis 2-6-jugis _A. sanguinea_

floribus albidis pinnis semper 2-jugis _A. mellifera_

aculeis geminis infrastipularibus adjecto interdum infrafoliaceo

leguminibus oblongo-linearibus

pinnis 2-3-jugis _A. laeta_

pinnis 4-7-jugis _A. venosa_

aculeis semper ternatis

leguminibus linearibus, pinnis 3-6-jugis

spicis folium multo superantibus _A. Verek_

spicis folium non superantibus _A. glaucophylla_

* * * * *

1. =Acacia abyssinica= Hochst., Benth.

Arbor mediocris cortice pallide-flavescente in ramis dense hirto- villosissimo; spinis brevibus rectis latere 2-angulatis apice fuscis basi tomentosis; foliis bipollicaribus pubescentibus vel puberulis pinnis 10-15-, rarius 6-jugis; foliolis 20-30-, rarius 17-jugis parvulis linearibus obtusis longitudine latitudinem 5 superantibus petiolo communi 4-5ies glanduloso, inflorescentia coaetanea capitulis globosis albidis, pedunculis in axillis 3-5 aggregatis vel paniculam longam efoliatam formantibus 1-ad semipollicaribus ipsa basi bracteatis tomentosis, leguminibus? . . .

_Nomen vern._: Tsche’a.

_Habitat_: In Abyssiniae provincia Tigre, prope Adoam in monte Kubbi et prope Mendel.

Nach den Exemplaren zu urtheilen, welche mir vorlagen, gehören hierher sowohl die unter Nr. 1813 der dritten Section der SCHIMPER’schen Sammlung als _A. abyssinica_, als auch die unter Nr. 382 der ersten Section derselben Sammlung als _Mimosa Habbas_ vertheilten, trotz der gegentheiligen Ansicht BENTHAM’s, welcher unter letztgenannter Nummer in W. HOOKER’s Herbar eine ganz andere Pflanze gesehen haben will. Die Exemplare von Nr. 382, die ich sah, unterschieden sich von denen der Nr. 1813 nur durch 5-jochige Primär- und durch 17-jochige Secundär-Fiedern, trugen aber im Wesentlichen dieselbe Behaarung, die gleichen Dornen und Blüthen.

Diese Art erscheint auf den ersten Blick der _A. spirocarpa_, namentlich der var. β. _major_ ausserordentlich ähnlich, unterscheidet sich indess von derselben durch die gelbliche Farbe der Rinde an den Zweigen, sowie die mit mehr oder minder langen, unter der Pubescenz hervortretenden Borsten, durch die Dornen, welche meist verkümmert und nicht länger als ½ Zoll angetroffen wurden, aber stets gerade, nie mit hakig gekrümmten abwechselnd und an den Seiten mit zwei scharfen Kanten sich zeigten, am meisten aber durch den Mittelnervstiel, welcher nicht nur unmittelbar unter dem untersten Fiederjoche, sondern auch zwischen den 4 obersten Fiederpaaren ziemlich grosse, napfförmige Drüsen trägt. Bei _A. spirocarpa_ dagegen hat der Mittelnervstiel nur an seiner Basis und vom untersten Fiederjoche entfernt eine Drüse aufzuweisen.

Die Blüthen sind sehr ähnlich wie bei _A. spirocarpa_ gestaltet, die Stiele der Köpfchen indess erscheinen stets unmittelbar an ihrer Basis mit einem festen, 2-4-zähnigen Bracteenring besetzt, während bei _A. spirocarpa_ ein solcher im unteren Viertel oder Drittel ausnahmsweise auch in der Mitte desselben zu sitzen pflegt.

Kelch, Blumenkrone und Staubfäden sind wie bei _A. spirocarpa_, auch erscheint der der Blüthen beraubte Blüthenboden mit vielen spathelförmigen, an der Spitze breiten und stark gewimperten Deckblättchen besetzt.

A. RICHARD versetzte die beiden citirten Nummern der _A. abyssinica_ mit Unrecht unter die _A. arabica_ W., von welcher sie durch die meisten Merkmale abweicht.

BENTHAM vermuthete, dass zur _A. abyssinica_ die in der 2. Section unter Nr. 940 als _Inga Nefasia_ vertheilten Fruchtexemplare gehörten, wogegen jedoch sowohl das Aussehen der Blätter, als auch die Form der kleinen Stipular-Dornen zu sprechen scheint.

_Acacia tomentosa_ W., im Habitus dieser Art ähnlich, unterscheidet sich von ihr durch grössere Blätter und durch den in der Mitte oder an der Spitze mit einem Bracteenringe versehenen Stiel der Blüthenköpfe.

2. =Acacia spirocarpa= Hochst., A. Rich.

Arbor 1-50-pedalis trunco a basi ramoso ligno albido coma umbelliformi cortice griseo-albido in trunco vetusto rimoso, saepissime laevi, in ultimis ramis fusco-sub-purpurascente tomentoso; spinis valde variis horizontaliter patentibus albis subteretibus vel leviter canaliculatis, modo 1-2-pollicaribus rectissimis modo unguiformibus brevissimis hamato- recurvis alternantibus, omnibus brevissime dense-tomentosis; foliis hirsuto-tomentosis; pinnis 5-10-jugis foliolis 10-15-jugis, parvulis longitudine latitudinem 3-4 superantibus interdum glabratis acutiusculis, petiolo communi breviter canaliculato basi 1-glanduloso; inflorescentia praecoce vel coaetanea pedunculis in axillis 1-5 fasciculatis semipollicaribus hirsuto-tomentosis irregulariter plerumque infra medium bracteatis, capitulis globosis albidis; leguminibus inter semina constrictis inflatis striato-venosis dense tomentosis pallidis subcoriaceis varie contorto-flexuosis, explicatis 2-6-uncialibus, seminibus 4-12 fusco-olivaceis, crassis.

A. Var. α. _minor_.

Saepe frutescens 1-20-pedalis, spinis -1-pollicaribus, foliorum pinnis 5-jugis foliolis 10, inflorescentia praecoce, capitulis minutis, leguminibus 2-pollicaribus, 4-spermis coriaceo-membranaceis.

_Nomen vern._: arabice Ssāmmor, lingua Bega Ssanganēb, Ssāgga.

_Habitat_: Deserta Nubiae et Aegypti superioris, ad oras Maris Erythraei (in Arabia usque ad urbem Moïlah 27° 40′ lat. sept., in Aegypto usque ad Ras Mrehk 25° 44′ lat. sept.).

Aprili florens, Junio fructifera.

B. Var. β. _major_.

Arbor 20-50-pedalis, spinis -2½-pollicaribus, foliorum pinnis 5-10-jugis, inflorescentia coaetanea, capitulis majusculis leguminibus 4-6-pollicaribus coriaceis 8-spermis.

_Nom. vern._: Ssāmmor, interdum Sejal ab incolis vocatur.

_Habitat_: Convalles Abyssiniae, Nubiae australioris, provinciarum Taka, Sennaar et Kordofan.

Martio, Aprili florens. Aprili fructifera.

Diese Art ist fast stammlos, d.h. der Stamm ist unmittelbar an der Basis pseudo-dichotom getheilt, so dass die schirmförmige Krone auf 2-4 Aesten zu ruhen scheint. Die Rinde ist nur an den ältesten Aesten längsrissig aufgespalten. An den übrigen Aesten ist sie fest, von sehr heller, weisslicher Färbung, aber rauh und mit zahlreichen erhabenen, quergestellten Lenticellen dicht bedeckt, was den Aesten ein coniferenartiges Aussehen ertheilt. Die jüngeren Zweige sind röthlich braun und stets flaumhaarig, seltener kahl werdend.

Der Blattstiel trägt nur unter dem untersten Fiederjoche eine Drüse, welche oft fehlen kann.

Die Blüthen stehen bei der Var. α. _minor_ zu 25 in einem Köpfchen, das 5-6 Millim. im Durchmesser nicht übersteigt; bei der Var. β. _major_ zu 45 in einem Köpfchen, dessen Durchmesser 9-10 Millim. beträgt. Der Kelch ist breit trichterförmig, hat 5 rundliche, stark gewimperte, gelbliche Zähne und 10 gelbliche Nerven. Die noch einmal so lange Blumenkrone hat eiförmig-spitze, gelbliche Zipfel, die nicht ohne kurze Franzen sind. Die Staubfäden, doppelt so lang als die Blumenkrone, sind 35-40 an der Zahl und farblos weiss. Der Griffel ist etwas länger als die Staubfäden. Der Blüthenboden erscheint nach Abfall der Blüthen dicht mit spathelförmigen, an der Spitze löffelartig geformten, behaarten und langgewimperten Deckblättchen, welche so lang sind als der Kelch, besetzt. Der fest am Stiel angewachsene, bräunliche Bracteenring hat 2-4 Zähne und sitzt meist am unteren Viertel desselben.

Die Hülsen sind bei Var. β. _major_ an den Einschnürungen 4-5, über den Samen 7-8 Millim. breit; bei var. α. _minor_ an den Einschnürungen 2-3 und über den Samen 4 Millim. breit. Die elliptischen, dunkel- olivengrünen Samen sind bei Var. β. _major_ 7 Millim. lang, 4 Millim. breit und 2 Mill. dick; bei Var. α. _minor_ 5½ Mill. lang, 3 Mill. breit und ½ Mill. dick.

Obgleich sich beide Varietäten durch auffallende und anscheinend constante Merkmale unterscheiden, so erscheint doch kein Zweifel über ihre Zusammengehörigkeit zu einer Art zulässig, vielmehr geben sich bei Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse alle Unterschiede nur als die Folge derselben zu erkennen.

Innerhalb der Region der Tropenregen im südlichen Nubien, in Abyssinien u.s.w. entwickelt sich die Var. β. _major_ in den stets mit reichlicher Grundfeuchtigkeit versehenen Thälern und Niederungen der periodischen Wasserläufe (arabisch Chor genannt) zu einem ansehnlichen Baum, welcher fast das ganze Jahr hindurch mit reichlichem Laubschmucke geziert erscheint, eine schirmförmige, aber mehr abgerundete, etwas unregelmässigere Krone entfaltet, und durch längere Dornen, grössere, mehrjochige Blätter, grössere Blüthenköpfe und dickere, mehrsamige und längere Hülsen von der kleineren Spielart verschieden erscheint.

Letztere, die Var. α. _minor_, bewohnt die dürren Wüstenthäler Nubiens und Ober-Aegyptens bis zum 25° n.Br. ungefähr, und ist daselbst das allverbreitete Charakter-Gewächs dieser Flora. Sie wird selten höher als 20 Fuss, bildet oft nur kleine Sträucher, entwickelt aber stets eine durch täuschend regelmässige Dichotomie ihrer Verzweigung hervorgerufene, schirmförmige Krone, die oben wie geschoren eine Fläche darstellt, den grössten Theil des Jahres entlaubt dasteht und nur selten an Stellen reichlicher Grundfeuchtigkeit auch in den dürresten Monaten mit Blättern auftritt.

Ich würde keinen Anstand nehmen, die Var. _minor_ mit der indischen _A. planifrons_ W. Arn. zu identificiren, wenn mir von letzterer eine vollständige Suite von Exemplaren zu Gebote stände. Da ich die Frucht dieser Art nicht gesehen habe und die constant kahle Beschaffenheit aller Theile der _A. planifrons_ (bei der _A. spirocarpa_ H. fehlt ausnahmsweise nur an den Zweigen, aber selten vollständig die Behaarung) Unterschiede andeutet, so wage ich es vor der Hand nicht, hierüber ein Urtheil zu fällen. Erwähnung verdient noch, dass der schirmförmige Wuchs auch für die _A. planifrons_ genau so angegeben wird, als derselbe bei der _A. spirocarpa_ vorkommt. Die am entblätterten Zweige befindlichen Blüthen, die Dornen u.s.w. der Var. _minor_ weichen, abgesehen von der Behaarung, durch nichts von den mir zu Gebote stehenden Exemplaren aus Mysore ab.

Die Ssāmmor-Acacie ist nahe verwandt mit der _A. tortilis_ Hayne, von dieser aber leicht durch den stammlosen, schirmförmigen Wuchs, etwas hellere Rinde, kleinere Blättchen und die dichtflaumhaarige Bekleidung der Zweige, Dornen, Blätter und Hülsen zu unterscheiden. Aus dem sehr festen und zähen weisslichen Baste verfertigen sich die Eingeborenen die nöthigen Stricke und Bänder für ihren Hausrath. _A. gummifera_ Del. (Centurie de pl. rec. par. Cailliaud pag. 21, 22), ein Name, welcher übrigens bereits früher durch WILLDENOW vergehen wurde, scheint nach der allerdings sehr ungenügenden Beschreibung mit dieser Art identisch zu sein.

_Erklärung der Abbildungen._

Taf. IV. Var. α. _minor_. 1. Fruchttragender Zweig. 2. Blüthentragendes Zweigstück. 3. Hülsen (alle nat. Gr.). 4. Blüthe nebst Fruchtknoten. 5. Blüthenköpfchen nebst Stiel. 6. Vierzähniger Bracteenring. 7. Deckblättchen (vergr.)

Taf. V. Var. β. _major_. 1. Blühender Zweig. 2. u. 3. Hülsen. 4. Samen (alle nat. Gr.).

Taf. VI. Ein 15′ hohes Bäumchen, nebst kleineren im Hintergrunde, von Var. α. _minor_, von der nubischen Küste.

3. =Acacia tortilis= Hayne. (= _A. Raddiana_ C. Savi. = _A. fasciculata_ G. P. R.)