Part 3
Arbor trunco erecto horizontaliter ramoso cortice omnibus partibus laevi lacteo-albido viridiusculo in novellis sub epidermide mox evanescente dense farinoso; spinis validis eburneis rectissimis basi latere 2-angulatis vel saepissime monstrosis globoso-inflatis; foliis glabris viridibus pinnis 3-4-jugis spinas duplo superantibus, foliolis 12-18-jugis oblongo-linearibus majusculis basi obtusissimis mucronulatis latitudinem longitudine 3½-superantibus, petiolo communi biglanduloso; inflorescentia praecoce laxa basi 1-3-foliata panniculata, pedunculis 1-5-aggregatis glanduloso-puberulis infra medium bracteolatis, capitulis globosis luteo-aureis, leguminibus linearibus falcatis fusco-nitidis venosis subcoriaceis inter semina irregulariter leviterque constrictis 5-pollicaribus 10-spermis, seminibus ovalibus apice paullo latioribus subretusis olivaceis linea ovali pallidiore notatis.
_Nomen vern._: arabice Ssoffār (i.e. sibilare).
_Habitat_: Silvas formans in Nubiae meridionalis ditione Gedaref; in provincia Sennaar ad montem Gule.
Bildet Bäume von bis 40 Fuss Höhe, deren sehr verbreitete und lockere Krone eine horizontale Richtung der Aeste anstrebt und auf ziemlich hohem Stamme getragen wird. Wenigjährige Exemplare bilden einen Strauch, dessen Gipfeltrieb langen Weidenruthen gleich in die Höhe schiesst, während die primären Aeste senkrecht von dem Hauptstamme aus nach allen Richtungen aus einander starren. An älteren tritt in einer Höhe von 5-15, oft aber erst bei 25 Fuss, die für die Bildung der Acacien-Krone characteristische Pseudo-Dichotomie des Stammes auf. Der Stamm trägt an allen Theilen eine glatte, risslose Rinde, welche von milchigweisser, in’s Grünliche schimmernden Färbung, an den Zweigen unter einer sehr früh sich abstossenden, dünnen, hellen Oberhaut ein weissliches Pulver absondert, das gleich einer dicken Tünche bei der Berührung am Finger mehlartig haften bleibt.
Die Blätter haben meist 3, oft aber auch 2 und 4 primäre Fiederjoche, letztere 12-18 Blättchen-Paare. Der Mittelnervstiel ist 3-5 Ctm. lang, mit einer tiefen Rinne versehen, und trägt zwei napfförmige, ovale, 1 mm. lange Drüsen, die eine zwischen der Basis und dem untersten Joche, die andere zwischen dem obersten Fiederjoche, und läuft in eine häutige, 3 mm. lange Spitze aus. Die Fiedern sind 3 bis 4 Ctm., die Blättchen 5-6 mm. lang und 1½-2 mm. breit, mit undeutlichem Mittelnerv. Alle Blattstiele sind unregelmässig mit drüsigen Schuppen besetzt.
Die Stipular-Dornen stechen durch ein reines Elfenbeinweiss von der Rinde ab, erreichen an den Blattzweigen 3-6 Ctm. Länge, verkümmern aber an den Spitzen derselben, sowie an den die Blüthenstände tragenden Theilen der Aeste zu kleinen, kegelförmigen Gebilden. An allen Bäumen und oft vorherrschend an allen Zweigen werden dieselben monströs durch Insecten-Larven, welche eine Anschwellung an der Basis hervorrufen. Diese Monstrosität findet sich so constant an allen Individuen derselben Art wieder, dass sie mit zu den Species-Merkmalen gerechnet werden muss. Im normalen Zustande sind die Dornen an ihrer Basis mit zwei seitlichen Kanten versehen, so dass sie fast dreikantig erscheinen, sie sind gerade und laufen gleichmässig in eine feine Spitze aus; im monströsen dagegen bildet sich an ihrer Basis ein beide Dornen mit einander verbindender Hohlraum von 3-4 Ctm. im Durchmesser. Diese zwiebelförmige Anschwellung platzt auf der Oberseite der Dornbasis der Länge nach auf, oder wird von dem ausschlüpfenden Insect mit einer kleinen, kreisrunden Oeffnung durchbohrt, wodurch sich ein Resonanzboden herstellt, welcher im Spiele der Winde deutliche Flötentöne erzeugt, aus welchem Grunde die Eingebornen den „pfeifenden Baum“ Ssoffār genannt haben.
Die Blüthenstände (meist nicht beblätterte Aeste bildend) erreichen eine Länge von 10-15 Ctm., und tragen am unteren Theile 2-3 wenig entwickelte Blätter. Die 6-8 mm. im Durchmesser habenden Blüthenköpfe sitzen auf 2-2½ Centim. langen Stielen, welche im unteren Drittel oder Viertel einen häutigen, röthlichen Bracteenkragen mit 4 Zähnen tragen. Alle Stieltheile des Blüthenstandes sind mit zerstreuten Drüsen und Schüppchen besetzt. Die Blüthen, fast ausschliesslich zwitterig, stehen zu 75 in einem Köpfchen, je von einem Deckblatt gestützt, welches von spathelförmiger Gestalt, mit breiter und hohler Spitze, am Rande gewimpert und mit zerstreuten Haaren besetzt ist. Der Kelch, länger als die Deckblättchen, ist schwach 5-zähnig. Die Blumenkrone glockig verwachsen, mit 5 eiförmigen, crenulirten Zipfeln, doppelt so lang als der Kelch und, wie dieser, farblos. Die Staubfäden, 50-60 in jeder Blüthe, überragen um’s Doppelte die Blumenkrone und sind nebst den Antheren rein goldgelb. Die Hülsen sind, zu 5-10 geknäuelt, im reifen Zustande 12-15 Ctm. lang und 5-8 Mm. breit, hell röthlich-braun, glänzend, etwas lederartig, zu ⅓ Kreisbogen gekrümmt, zwischen den Samen schwach und unregelmässig eingeschnürt, ohne Pulpa, zugespitzt. Sie unterscheiden sich von denen der _A. Seyal_ und _A. Ehrenbergiana_ bedeutend durch Grösse und derbere Textur. Die Samen sind olivenfarbig, 7½ mm. lang, 5½ mm. breit, 2 mm. dick, an der Basis abgerundet, an der Spitze etwas ausgebuchtet und auf den Seiten mit einem helleren Ringe gezeichnet, gewöhnlich 10 an Zahl.
Diese ausgezeichnete Art unterscheidet sich leicht durch Wuchs, Rinde, Dornen und Blüthenstände von den bekannten derselben Gruppe.
Der Ssōffar liefert nebst dem Talch das Gummi von Gedaref, eine der kordofanischen weit nachstehende Sorte, da die oft faustgrossen Stücke nur sehr selten farblos, oft sehr unrein und meist bernsteinbraun von Farbe sind. Die Wälder südlich Gedaref, bis nach Derwisch zu auf der abyssinischen Strasse (bis an die Grenze von Gallabat), werden hauptsächlich von dieser Art und dem Talch gebildet. (Nördlich von Gedaref nur zerstreut als Strauch in der Steppe.)
Blüht ohne Laub im November. Die Früchte bleiben das ganze Jahr hindurch hängen und sind oft durch Gallwespen zu unförmigen Knäueln umgestaltet oder zusammengeballt zu filzigen Massen. Der entlaubte Wald hat ein eigenthümliches Aussehen, und die leuchtende Farbe der fremdartig verzweigten Stämme, deren Aeste mit den aufgeblasenen Stacheln bekleidet wie von Schneeflocken bedeckt erscheinen, dazu das Flöten und Pfeifen aus zahllosen Stimmen, erhöht den wunderbaren Zauber eines solchen Waldes von Ssōffar.
_Erklärung der Abbildungen._
Taf. XI. Ein beblätterter Zweig. (Nat. Grösse.)
Taf. XII. 1. Ein Blüthenzweig. (Nat. Gr.) 2. Zipfel der Blumenkrone. 3. Blüthe. 4. Blüthenköpfchen und Stiel. 5. Deckblättchen. (Alle vergr.)
Taf. XIII. 1. Fünf Hülsen. 2. Ein Paar monströse Stipular-Dornen mit der Insectenöffnung. (Nat. Gr.)
Taf. XIV. Wachsthumsformen der Bäume. 1. Ein junger 5-jähriger Strauch. 2. und 3. 15-jährige Stämme von 1½ Fuss im Durchmesser.
11. =Acacia Seyal= Del.
Arbor mediocris trunco erecto gracili cortice laevi cinnamomeo in ramis subepidermide caduca ferrugineo-farinoso in novellis firma fusca; spinis 2-pollicaribus gracilibus horizontaliter patentibus rectissimis vel basi parum recurvis basi obsolete 2-angulatis ceterum teretibus sensim attenuatis eburneis vel pallidis apice fuscis, rarissime abortivis; foliis spinas aequantibus pinnis 3-5, rarius 2, rarissime 1- vel 6-jugis, foliolis 8-12-jugis oblongo-linearibus acutiusculis glabris longitudine latitudinem 5-superantibus, petiolo communi 1-3-glanduloso; inflorescentia praecoce vel subcoaetanea capitulis globosis flavis pedunculis pollicaribus in axillis 3-5-aggregatis vel panniculam efoliatam formantibus glabris infra medium bracteatis; leguminibus linearibus falcatis torulosis utrinque attenuatis acutissime acuminatis inter semina constrictis longitudinaliter tenuiter venosis 4-6-pollicaribus 6-8-spermis seminibus ovalibus pallide olivaceis linea ovali pallidiore notatis.
_Nomen vern._: Apud Aegyptos arabice Sejal, in provinciis Sudanicis interdum Talch vocatur.
_Habitat_: Vallem niloticam a Leuconilo usque ad 26° lat. sept. In Nubiae australioris provincia Taka ad fluvium Gasch; in provincia Gedaref ad montem Arrang. In Abyssiniae septentrionalis ditionibus Bogos et Tigre. In Senegalia, in Nigritia etc. frequens.
Diese Art bildet aufrechte, schlanke Bäumchen von 10-30 Fuss Höhe und wird mitunter strauchartig. Die Aeste starren wagerecht nach allen Seiten auseinander. Die Rinde ist glatt und lebhaft zimmetbraun gefärbt, von welcher die weissen Dornen, mit denen die meist entlaubten Aeste überdeckt erscheinen, grell abstechen. Die dunkelbraune, dünne Oberhaut löst sich an den blühenden Zweigen in Gestalt kleiner Schüppchen (bei _A. stenocarpa_ in langen Stücken) ab, und lässt ein rostbraunes Pulver hervortreten, während sie an den jüngsten Zweigen fest haften bleibt.
Die Dornen werden 5-7 Ctm. lang, sind aber an der Basis kaum 2 mm. dick. Die ziemlich grossen Blüthen haben durchschnittlich 4-6 mm. Länge und 1⅓ mm. Breite. Der gemeinsame Blattstiel trägt dicht unter dem untersten Fiederjoche eine napfförmige Drüse, die indess häufig fehlt, auch kommen ähnliche zwischen dem letzten und seltener zwischen den letzten und vorletzten Fiederpaare vor. Die Blüthenstiele sind 3 Ctm. lang, ganz kahl, und tragen an ihrem untern Drittel oder Viertel einen häutigen, verschiebbaren und verhältnissmässig grossen Bracteenkragen mit 4 gewimperten Zähnen. Die Blüthenköpfe haben 10-13 mm. im Durchmesser und bestehen aus 40-50 Blüthen. Der Kelch hat kurze, rundliche und etwas gewimperte Zähne, 5, oft auch 6 und 7 an Zahl. Die Blumenkrone ist doppelt so lang als der Kelch und nur bis zum vierten Theil ihrer Länge in 5 eiförmig-spitze Zähne gespalten. Die 50 Staubfäden sind oft nur um ¼ länger als letztere, überragen dieselbe aber an anderen Exemplaren auch um ein Drittel oder um’s Doppelte. Die Deckblättchen sind gewöhnlich von der Länge der Blumenkrone, linear-spathelförmig, mit verbreiteter, löffelartig umgebogener und gewimperter Spitze. Die Hülsen, gewöhnlich zu 3-5 geknäuelt, werden bis 15 Ctm. lang, sind über den Samen 6 und an den Einschnürungsstellen bis 2 mm. breit und reif gelblich oder rothbraun. Die Samen sind 7 mm. lang, 3½ mm. breit und 1½ mm. dick.
Gesammelt wurde _A. Seyal_ Del. in Ober-Aegypten bei Farschiut, Keneh und Assuan, in Nubien bei Wady Halfa und Korehr von EHRENBERG; von STEUDNER am Gebel Arrang zwischen Gedaref und Abu Harrās, und auf dem Wege von Keren nach Adoa; von mir in der Gasch-Niederung bei Kassala, wo sie ausgedehnte Buschwaldungen bildet.
Blüht in Abyssinien im November, in Ober-Aegypten im April. Mit reifen Früchten im südlichen Nubien in April beobachtet.
Sejal ist ein arabischer Name, welcher von unkundigen Leuten nicht selten verschiedenen Arten zuertheilt zu werden pflegt, denen er nicht zukommt. Die Ababde, Bischarin und selbst die Bewohner des südnubischen Nilthals bezeichnen mit Sejal jedoch, nach meinen sorgfältigen Erkundigungen, ausschliesslich die _Acacia tortilis_. Dessen ungeachtet will ich nicht bezweifeln, dass in Ober-Aegypten auch die in Rede stehende Art so genannt werden möchte[3]; in Süd-Nubien führt sie gleichfalls nach STEUDNER’s Angabe den Namen Talch, welcher mir nur als der _A. stenocarpa_ zukommend in Erinnerung ist. Diese Acacie hat ebenfalls eine röthlich gefärbte Rinde und konnte daher leicht mit der _A. Seyal_ verwechselt werden. Der Talch- oder Talha-Baum wird übrigens von allen Reisenden des mittleren Sudans als ein daselbst sehr häufiger Gummibaum mit rostrother Rinde angegeben.
DELILE hat, während er Exemplare aus dem Nilthale in dem Atlas der Déscription de l’Egypte Taf. 52. abbilden liess, wahrscheinlich diese Art mit der nahe verwandten _Acacia Ehrenbergiana_ Hayne identificirt; darauf deutet u.a. die von ihm gegebene Angabe, dass dieselbe auch in den Wüsten zwischen dem Nil und dem rothen Meere vorkomme, womit offenbar der Selem (_A. Ehrenbergiana_) gemeint ist. Obgleich nun ferner die _Mimosa Seyal_ Forskål’s einer anderen Art als der _A. Seyal_ D. angehören mag, und obwohl der arabische Name Sejal hauptsächlich der _A. tortilis_ zukommt, so wage ich es dennoch nicht, den DELILE’schen Namen umzuändern, da die Abbildung auf Taf. 52. entschieden die von allen Reisenden im oberägyptischen Nilthale (EHRENBERG, SIEBER, RADDI, CIENKOWSKI, KOTSCHY u.A.) gefundene Art darstellt. Die von HAYNE beschriebene und abgebildete _A. Seyal_ D. ist mit der unsrigen völlig identisch.
Von den in der SIEBER’schen Sammlung enthaltenen und unter diesem Namen vertheilten Exemplaren sind nur die blüthentragenden Zweige hierher gehörig, die fruchttragenden dagegen _A. tortilis_ Hayne.
DE CANDOLLE und BENTHAM verkannten die von HAYNE gut auseinandergesetzten Artverschiedenheiten von _A. Seyal_ und _A. tortilis_, indem sie von der irrthümlichen Ansicht ausgingen, dass die Hülsen der ersteren Art sich im Reifezustande spiralig aufrollen könnten, was indess nie vorkommt, ebenso wenig wie die der letzteren jemals gerade gestreckt erscheinen.
Die von DE CANDOLLE und HAYNE beschriebene _Acacia vera_ ist auf solche Zweige der _A. Seyal_ Del. begründet, welche sich durch den Mangel oder die Verkümmerung der Dornen und durch stets 1-2-jochige Blattfiedern mit vorn abgerundeten Blättchen auszeichnen.
Auf der von HAYNE, Tafel 34, gegebenen Abbildung ist die Frucht offenbar einem Hülsenfragmente der _A. nilotica_ Del. entnommen worden. Mit letztgenannter Art aber ist die _A. vera_ W., trotz aller verwirrenden Citate, nicht zu identificiren, wie es ebenso unwahrscheinlich bleibt, dass darunter eine eigene Art genannt sein könnte. In WILLDENOW’s Herbarium sah ich unter diesem Namen nur Exemplare einer nicht in den Nilländern vorkommenden Acacie; ich hielt sie für wehrlose Zweige der _A. horrida_, die der _A. Seyal_ sehr nahe steht.
12. =Acacia Ehrenbergiana= Hayne.
Frutex ramis proceris gracilibus erectis cortice badio laevi nitido se exfoliante in novellis fusco interdum atro; spinis folio longioribus pollicaribus rectissimis horizontaliter patentibus gracilibus teretibus albo-nitidis vel griseis interdum subnullis; foliis minutis puberulis vel subglabris sordide-viridibus pinnis 1-2-jugis, foliolis 8-10-jugis, latitudinem longitudine 2½-3-superantibus, pedunculo petiolo communi biglanduloso; inflorescentia coaetanea pedunculis folio longioribus in axillis 1-8-fasciculatis medio vel infra medium bracteatis glabris, capitulis flavis, leguminibus anguste linearibus falcatis 3-pollicaribus acutis purpurascentibus inter 8 semina atra constrictis membranaceo- coriaceis.
_Nomen vern._: arabice Selem. Apud Dongolanos Samle vocatur.
_Habitat_: Per totam Nubiam proprie dictam usque ad 16° lat. sept. parte tam libyca quam arabica, in desertis Aegypti superioris; ad litora maris Rubri, ad oras Abyssiniae, Arabiae, Nubiae, Aegypti et in insulis.
Ein oft grosser Strauch, mit schlanken, aufrechten, langschössigen Aesten, der selten baumartig wird und dessen Stammtheile selten mehr als ⅓ Fuss Durchmesser aufweisen. Das Holz ist hell und schwer. Die Rinde trägt eine bleibende, etwas abblätternde, birkenartige Oberhaut von heller Kastanienfarbe, welche glänzend und mit länglichen, quergestellten Lenticellen bedeckt ist, hellfarbigen Kirschenzweigen nicht unähnlich. Die jüngeren Zweige tragen eine matte röthlichbraune, fein längsrissige, feste Rinde, welche oft eine schwarzgraue Färbung annimmt.
Die Blätter bleiben stets klein, sind hin und wieder mit zerstreuten Haaren spärlich besetzt und haben nie mehr als 2 Joche mit nie mehr als 10 Blättchenpaaren. Der Mittelnervstiel ist ½-1 Ctm. lang (fast nie länger), trägt an der Basis und zwischen dem obersten Fiederpaare eine kleine Drüse. Die Fiedern erreichen eine Länge von 5-10 mm. Die Blättchen werden 2-3 mm. lang, ½-1 mm. breit, sind ziemlich derb, ohne sichtbaren Mittelnerv und an der Spitze stumpf abgerundet.
Die Stipular-Dornen sind von wechselnder Länge und Färbung, sie sind paarweise von gleicher Länge, wagerecht von einander abstehend, stielrund und gegen die Spitze gleichmässig an Dicke abnehmend, werden selten länger als 3 Ctm. und nicht dicker als 1½ mm. Die Farbe ist bald glänzend elfenbeinweiss oder bräunlich, bald dunkelgrau und matt, wie die Zweige, zu denen sie gehören. An manchen Zweigen können sie gänzlich fehlen oder sie bilden nur kleine, verkümmerte Borsten.
Die runden Blüthenköpfe sitzen auf 1½-2½ Ctm. langen, bis zu 8 in den Blattachseln gebüschelten Stielen, welche ungefähr in der Mitte oder unter derselben einen verschiebbaren, häutigen, 3-4-zahnigen Bracteenkragen tragen, und haben 8-10 mm. im Durchmesser. Die Blüthen, 50-60 in einem Kopfe, sind monöcisch, männlich oder zwittrig. Der Kelch hat 5 rundlich eiförmige, gewimperte, angeschwollene, gelbe Zähne; die denselben um’s Doppelte überragende Blumenkrone hat 5 spitz-eiförmige, angeschwollene, gelbliche Zipfel. Die Staubfäden, um ¾ länger als die Blumenkrone, sind nebst den Antheren hellgelb. Der Griffel ist mit den Staubfäden von gleicher Länge. Der Fruchtknoten ist purpurn. Der Blüthenboden ist kahl und trägt keine unterscheidbaren Deckblättchen.
Die Hülsen werden bis 12 Ctm. lang, sind an den Einschnürungen bis 1, über den Samen bis 4 mm. breit, sichelförmig gebogen, oft einen Halbkreis darstellend, an beiden Enden meist sehr spitz, purpurn angelaufen, schwach längsnervig, beiderseits mit breiteren Nervensträngen berandet, -samig und von sehr dünnlederartiger, fast häutiger Beschaffenheit. Sie stehen oft zu 8-10 gebüschelt. Die Samen sind glänzend-schwarz, länglich, flach, 5 mm. lang und 2 mm. breit.
Die Selem-Acacie entwickelt sich selten zu stämmigen Bäumchen, sondern bildet vielmehr ausgedehnte Gebüsch-Dickichte. Das Holz ist sehr fest und schwer, und wird von den Eingebornen gern zu Stöcken und Hausgeräth verwandt, da sich von anderen Acacien nur selten gleich lange und gerade Aststücke schneiden lassen. Sie blüht mit dem Laube Mitte April bis Mai, und hatte reife Früchte Anfang Juni. Sie findet sich in den Wüstenthälern der arabischen Seite zwischen dem Nil und dem rothen Meere nördlich bis zum 25° n.Br., südlich bis zum 16° n.Br.; ferner auf der libyschen Seite, am Rande der Bejudah zwischen Chartum und Berber, im Dongolanischen bei Dubbe, el Korehr und in Dar Sukkot; hauptsächlich an den Ufern und den Inseln des Rothen Meeres, namentlich auf der Insel Dalak bei Massaua, auf den Korallenfelsen bei Suakin, am Ras Rauaï (21° n.Br.) und auf der Insel Macaur; auch im Soturba-Gebirge, bei Berenice troglodytica und in den Wüstenthälern Ober-Aegyptens; schliesslich wurde sie an der arabischen Küste bei Dschidda und in den Bergen bei Gunfuda gefunden.
Auf der EHRENBERG’schen Etiquette, welche dem von HAYNE benutzten Original-Exemplar beigefügt ist, befindet sich die Notiz: „fructus _Acaciae tortilis_ ut ferunt.“ HAYNE hatte also Unrecht, wenn er die Früchte der _Acacia Ehrenbergiana_ nach des Sammlers „Beobachtung“ denen der _Acacia tortilis_ gleich nennt.
Das Einsammeln von Gummi ist mir in den von mir bereisten Gegenden an den Exemplaren dieser Art nicht bekannt geworden. Jedenfalls spielt das Gummi derselben eine nur untergeordnete Rolle im Handel.
Einige wenige Exemplare der indischen _A. Jacquemontii_ Bth., die mir vorliegen, reichen nicht aus, hinreichende Unterschiede von der _A. Ehrenbergiana_ Hayne darzubieten. Da aber die Blätter nach BENTHAM bis 4-jochig gefiedert und die Hülsen bis 8 Linien breit werden können, so zweifele ich nicht daran, dass beide Arten zu trennen sein dürften. Die von BENTHAM angeführte Acacie aus der Wady Fatme (Fischer No. 37.) gehört gewiss zu der von ihm übersehenen _A. Ehrenbergiana_ Hayne.
_Erklärung der Abbildungen._
Taf. XV. 1. Ein blühender Zweig mit zwei einjochigen Blättern. 2. Desgl. mit 2-jochigen Blättern. (nat. Gr.) 3. Blüthe und Fruchtknoten. 4. Staubgefäss. 5. Blüthenköpfchen nebst Stiel.
Taf. XVI. 1. Ein fruchttragender, langdorniger Zweig. 2. Ein blühender Zweig mit verkümmerten Dornen. (Alle nat. Gr.)
13. =Acacia stenocarpa= Hochst., A. Rich.
Arbor trunco erecto ramis strictis cortice laevi modo ferrugineo modo dilute-olivaceo in ramis junioribus se ex epidermide badia nitida exfoliante albo-viridi striato farinoso; spinis crassis brevibus rectis eburneis interdum subconicis saepissime minutis subnullis; foliis viridibus glabris spinis multo longioribus pinnis 3-11-jugis, foliolis 15-20-jugis, acutiusculis latitudinem longitudine 4-5-superantibus petiolo communi biglanduloso; inflorescentia coaetanea; pedunculis in axillis 1-5-fasciculatis, rarius racemum brevem efoliatum exhibentibus glandulis inspersis infra medium bracteatis, capitulis globosis luteis leguminibus anguste-linearibus falcatis planis subcoriaceis non constrictis 4-pollicaribus 8-spermis.
_Nomen vern._: arabice Talch; lingua Bega: Kakūl.
_Habitat_: silvas formans in Nubiae australioris ditione Gedaref; in Abyssinia.
Bäume von schlankem Wuchs; hohem Stamm mit aufwärts strebenden Aesten. Die Rinde des Stammes ist risslos und variirt sehr nach der Jahreszeit, oft in verschiedenen Nuancen rostroth erscheinend, welche beim Abblättern eine neue, hell olivenfarbige, Platanen gleich gefärbte hervortreten lässt. Die Rinde der beblätterten, kantigen Zweige hat unter einer glänzenden, hellbraunen, sich schnell abblätternden Oberhaut ein weisslich-grünes Aussehen, ist gestreift und lässt ein Pulversecret hervortreten.
Die Blätter haben in der Regel 10 Joche, welche am Ende der Zweige sich oft bis auf 2 reduciren. Der Mittelnervstiel erreicht eine Länge von 5-8 Ctm., trägt an der Basis und zwischen dem obersten Fiederpaare eine flache Drüse, und läuft am Ende in eine 3 mm. lange Spitze aus. Die Fiedern, meist 2½ Ctm. lang, haben gewöhnlich 20 Paar etwas spitzliche Blättchen von 5 mm. Länge und 1 mm. Breite, welche selten hin und wieder mit einzelnen Härchen besetzt sind.
Die Stipular-Dornen fehlen an manchen Zweigen gänzlich oder verkümmern an den Spitzen zu kleinen Borsten; an anderen bilden sie gerade, elfenbeinweisse oder hellbräunliche, glänzende, wagerecht abstehende, 1½ Ctm. lange, starke, am Ende plötzlich zugespitzte Waffen; oft nehmen sie eine kegelförmige Gestalt an.
Die Blüthenköpfchen haben 1 Ctm. im Durchmesser, und bestehen aus über 100 Blüthen. Der Kelch hat 5 abgerundete, etwas gewimperte, gelbe Zähne. Die Blumenkrone ist bis über ein Drittel in 5 länglich-eiförmige, spitze, gelbe Zipfel gespalten und von doppelter Länge als der Kelch. Die Staubfäden, meist 60, sind nicht einmal ganz so lang als die Blumenkrone und nebst den Antheren rein gelb. Der Fruchtknoten ist kirschroth, der Griffel mit den Staubfäden von gleicher Länge. Der etwas längliche Blüthenboden trägt Deckblättchen von spathelförmiger Gestalt mit löffelartiger Spitze, die behaart und gewimpert sind, von der Länge des Kelches. Der verschiebbare Bracteenkragen befindet sich gewöhnlich im untern Viertel des 1½-2½ Ctm. langen Stiels, welcher mit kleinen Drüsen besetzt erscheint, und hat 2 kürzere und 2 längere (-2 mm.), gebräunte, häutige Zähne. Die Hülsen sind flach, dünn lederartig, etwas sichelförmig gebogen, fein längsnervig und beiderseits von stärkeren Nervensträngen berandet, nirgends eingeschnürt, bräunlich, an der Basis zugespitzt und am Ende gleichmässig in eine Spitze auslaufend oder seltener etwas stumpf. Die 8 Samen sind von länglicher Gestalt, 8 mm. lang, 3 mm. breit, dunkelolivengrün. Blühte im November zugleich mit dem Laube.
Diese Art bildet mit _A. fistula_ oft in eigenen Beständen ausgedehnte Waldungen in Gedaref, nördlich und südlich von Ssuk Abu Ssin, und liefert die Hauptmasse des von daher in den Handel gebrachten Gummi’s.
_Erklärung der Abbildungen._
Taf. XVII. 1. Ein blühender Zweig. 2. Ein Blatt mit stark entwickelten Stipular-Dornen. 3. Blüthe nebst Fruchtknoten. 4. Zipfel der Blumenkrone. 5. Deckblättchen.
Taf. XVIII. 1. Ein fruchttragender Zweig. 2. Ein Blüthenköpfchen mit Stiel und Bracteenkragen. 3. Baumschema.
14. =Acacia albida= Del.
Arbor ingens trunco erecto cortice laevi albicante in ramulis puberulo vel glaberrimo; spinis validis horizontaliter vel erecto-patentibus teretibus basi albis turgido-incrassatis apice flavescentibus ½-pollicaribus ad ramos floriferos saepissime abortivis vel nullis; foliis glabratis 2-pollicaribus glauco-viridibus, pinnis 4-6-, rarius 8-jugis, foliolis 8-15-jugis saepe remotis majusculis oblongis valde obliquis obtusis mucronulatis margine saepe ciliatis longitudine latitudinem 3-4-superantibus, petiolo communi inter singula pinnarum paria tot glandulas quot juga gerente basi glandula nulla; inflorescentia coaetanea; spicis in axillis singulis geminisve 3-pollicaribus folium superantibus; floribus subremotis, albis, leguminibus maturis subplanis crassis coriaceis pulposis torulosis 6-pollicaribus pollicem latis pallide ochraceis in spiram simplicem contortis, 8-spermis.
_Nomen vern._: arabice Harrās; lingua tigrensi: Māmmene.
_Habitat_: Vallem niloticam usque ad 27° lat. sept., praesertim in Aegypto superiore, in agro Dongolensi, ad Leuconilum, ad Nilum caeruleum silvas formans, in Nubiae australioris ditione Taka ad fluvium Gasch; in Abyssiniae ditione Tigre; in Senegalia.
Diese Art verlässt im speciellen Nilgebiete nirgends das vom Strome und seinen Nebenflüssen angeschwemmte Terrain, fehlt in den Wüsten und tritt nördlich von Keneh nur als niederes Gestrüpp hin und wieder vereinzelt auf, so z.B. am Gebel Magaier zwischen Girgeh und Siut. Sie erreicht in Nubien eine grössere Entwickelung, und bildet namentlich in Sennaar prächtige, oft 100 Fuss Höhe erreichende Bäume, welche mit ausgedehntem, dichtverwachsenem Buschwerke derselben Art oder in sich abgeschlossenen Bosquets abwechselnd den Hauptbestandtheil der Waldungen an den Ufern des blauen Nils ausmachen.
Ich beobachtete den Harrās namentlich in grosser Menge bei der Stadt Abu Harrās im Sennaar Ende December, wo die majestätischen, mit weissen Blüthenmassen bedeckten Bäume einen prächtigen Anblick gewährten. Die baumartig entwickelten Exemplare der weissen Acacie tragen auf einem aufrechten, ungetheilten Stamme von wechselnder Höhe eine cylindrische, häufig durch den dazwischen frei hervortretenden Stamm unterbrochene Krone.
15. =Acacia Lahai= St. Hochst., Benth.
Arbor erecta ramis cortice fusco-glabro, in junioribus anguloso-striato pallidiore; spinis validis interdum abortivis ½-2-pollicaribus rectissimis horizontaliter patentibus sensim attenuatis supra planis latere 2-angularibus pallidis rarius fuscescentibus; foliis puberulis saturate viridibus bipollicaribus, pinnis 6-13-jugis, foliolis 12-20-jugis parvulis acutiusculis apice paullo latioribus longitudine latitudinem 5-superantibus, petiolo communi basi 1-glanduloso; inflorescentia coaetanea, spicis in axillis 2-3-aggregatis vel solitariis, latis, 1-4-pollicaribus, flavis folium subaequantibus vel duplo superantibus, floribus subremotis, albidis (?), leguminibus longiuscule pedicellatis late-oblongis 2-pollicaribus obtusis mucronulatisve marginibus parallelis subcoriaceis planis fuscis nitidis irregulariter venosis paullo pulposis 6-12-spermis, seminibus olivaceis oblongis.
_Nomen vern._: lingua tigrensi: Lahai; amharice: Gerrar.
_Habitat_: In Abyssiniae centralis ditionibus Tigre, Semen, Amhara; ad fluvium Genduam ditionis Gallabat; in provincia Sennaar.
Diese Art ist nahe verwandt der indischen _A. latronum_ W., unterscheidet sich aber von derselben leicht durch die Gestalt der Dornen. Bei letzterer sind sie stielrund, bei _Lahai_ dagegen oben bis kurz vor der Spitze ganz flach und beiderseits mit zwei scharfen Kanten, welche an den weniger entwickelten undeutlicher werden, versehen. Auch sind dieselben hier gleichmässiger bis unter die Spitze an Dicke abnehmend. Die Grösse der Blättchen beträgt an blühenden Zweigen oft nur 1½ mm., von den fruchttragenden aber bis 4 mm. Länge. Sie sind fast immer am Ende etwas breiter als an der Basis, daher etwas spathelförmig von Gestalt. Der Kelch ist undeutlich mit 5 gewimperten Zähnen besetzt und sehr kurz, die viermal längere Blumenkrone kaum zum 4ten Theil in 5 eiförmige Zipfel getheilt; die Staubfäden, 50-60 an Zahl, überragen letztere um ¾ ihrer Länge.
Blüht Ende Mai.
Wurde von Q. DILLON bei Adoa, von SCHIMPER am Berge Scholoda und von STEUDNER bei Gondar und am Guang (Quellfluss des Atbara) gesammelt. Ich fand im Juni am linken Ufer der Gendua sterile Zweige des strauchartig wachsenden Wurzelausschlages dieser Art.
16. =Acacia amythetophylla= Steud., A. Rich.