Chapter 2 of 4 · 3982 words · ~20 min read

Part 2

Die Schwierigkeit für das Auffinden einer richtigen Leib- und Magencigarette beruht vor allen Dingen in der Gefahr der Geschmacksübermüdung. Je wertvoller die Tabake sind, desto charakteristischer sind sie in ihren Geschmackseigenarten, und es ist eine sehr schwere Aufgabe des Fabrikanten, die Geschmackseigenarten derart abzudämpfen, daß eine Geschmacksübermüdung bis zu einem gewissen Grade ausgeschaltet bleibt. Ganz und gar wird sich die Gefahr nicht beseitigen lassen, denn es dürfte wohl überhaupt kein menschliches Genußmittel geben, das nicht doch hin und wieder eine Abwechslung erfordert. So haben sich bereits viele Raucher daran gewöhnt, mit bestimmten gegeneinander abgeglichenen Cigaretten hin und wieder abzuwechseln, um sich die Lebendigkeit der Wirkung zu erhalten und eine Übermüdung zu vermeiden. Andererseits kann man sich allerdings auch an eine bestimmte Cigarette oder einen bestimmten Cigarettencharakter so gewöhnen, daß man kaum noch in der Lage ist, anderen Arten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Jede wirklich wertvolle und eigenartige Mischung verlangt auch ein gewisses Einleben, und man kann sich manchmal an eine anfangs abgelehnte Cigarette durch gewissenhaftes Nachprüfen so gewöhnen, daß man gegen diese wiederum keine andere eintauschen möchte. Man kann eben manchmal erst langsam auf den richtigen Geschmack kommen.

Die einzige Anforderung, die man bei Voraussetzung unterschiedlichster Arten an eine Cigarette immer stellen muß, ist die jeweilig ihrer Art entsprechende wirkliche Reinheit und Qualität. Wenn jemand an den Genuß reiner Orientcigaretten gewöhnt ist, wird er stets sofort auch den minimalsten Prozentsatz der Verwendung unedlerer Tabake feststellen können. Außerhalb reiner Qualitätsfragen ist ein Streit nicht möglich. De gustibus non est disputandum.

In erster Linie hängt der Charakter einer Cigarette von der Art der verwendeten Tabake ab. Aber mindestens ebenso wesentlich sind die Mischungsprobleme. Es ist heute noch wenig bekannt, daß auch der denkbar edelste Tabak (und zwar je edler, desto weniger) allein verarbeitet nicht rauchbar ist. Erst durch Mischung verschiedener Tabake nach bestimmten Gesichtspunkten entsteht das Tabakmaterial für eine Cigarette. Die Regeln und Rezepte für Mischungen sind sehr komplizierter und variabler Art, da jeder Tabak, der verwendet wird, seinen besonderen Eigenarten entsprechend gemischt werden muß. Es werden immer wieder neue Variationen erfunden, denen zahllose Experimente vorhergehen. Die Mischungsgeheimnisse d. h. wertvolle Mischungsrezepte sind ein sehr wesentliches Besitztum eines Fabrikanten.

Die Begründung der Unrauchbarkeit einzelner Tabaksorten für sich allein ist darin zu suchen, daß jeder Tabak von Charakter geschmacklich zu einseitig ist und seinen Charakter übermäßig aufdringlich zur Geltung bringt. Die Absicht des Mischers ist es nun, diejenigen Tabake gegeneinander abzuwägen, die sich gegenseitig ausgleichen und dadurch ihre jeweilige Geschmackseinseitigkeit verlieren, um dieses oder jenes feine Aroma oder diesen oder jenen feinen Geschmacksakkord den jeweiligen Anforderungen gemäß mehr oder weniger unaufdringlich auswirken zu lassen. Die Mischungsforderung ist ähnlich wie bei weitaus den meisten Speisen, die für sich genossen schal und leer schmecken würden und ihren Wert eigentlich erst durch entsprechende Gewürze wie Salz usw. offenbaren. Die Gewürze selbst wiederum können nicht allein genossen werden. Erst der fein abgewogene Zusammenklang und Ausgleich verschiedener Eigenarten ergibt die Genußmöglichkeit.

Deshalb unterscheidet man genau so wie bei vielen anderen gastronomischen Materialien Tabake, die als Gewürze verwendet werden und daher _Würztabake_ genannt werden können, und Tabake, die eine möglichst ruhige Basis ergeben, und auf denen sich die Mischungen von Würztabaken frei entwickeln können. Da es sich bei Tabaken nicht um Nahrungsmittel, sondern Genußmittel handelt, sind natürlich die Würztabake die wichtigsten und wertvollsten. Die zur Basis verwendeten Tabake kann man als _Fülltabake_ bezeichnen. Es sind dies vorzugsweise Tabake sehr ruhiger und unaufdringlicher Geschmacksarten, die auf Grund der Bezeichnung durchaus nicht mit Tabaken verwechselt werden dürfen, die man zu Zeiten der Zwangswirtschaft als Füllsel für Cigarettenhülsen unter teilweiser Beimischung echter Orienttabake verwendete. Wenn die Fülltabake auch durch den Wert der edelsten Würztabake übertroffen werden, so liegt doch gerade in der Auswahl, Verwertung und Dosierung von Fülltabaken der Kern des ganzen Mischungsproblems. Durch weitgehende Kenntnis, welche Fülltabake und Fülltabakmischungen diesen oder jenen Würztabaken oder Würztabakmischungen die harmonisch ausgleichende Basis geben können, kann ein Fabrikant allen mit ihm im Wettbewerb stehenden Unternehmungen qualitativ den Rang ablaufen. Die Geheimnisse der Fülltabake werden als persönlichste Erfahrungen ängstlich gehütet. Die Schwierigkeiten der Auswertung bestehen aber gerade darin, daß man jeweils nur unter den auf dem Markt zur Verfügung stehenden Tabaken die Auswahl hat und immer wieder neue Rezepte aufstellen muß, da gleichartig geratene Sorten nur selten wieder aufzutreiben sind. Eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Würztabaken und Fülltabaken steht für den Tabakmarkt nicht fest, da in dieser oder jener Mischung dieser oder jener Fülltabak auch als Würztabak dienen kann. Weiterhin gibt es auch sehr wertvolle Sorten, die eigentlich als Würztabake bezeichnet werden können, aber einen Geschmacksausgleich bereits untereinander finden, ohne daß ein gegensätzlicher Fülltabak benötigt wird.

Die Bauern der Ursprungsländer des Tabaks sind nicht so empfindlich gegen starke und sehr herbe Cigaretten wie die Europäer. Der türkische Bauer kann Mischungen rauchen, die nach unserem Empfinden sehr einseitig gewürzt sind. Aber trotz der gewissen Einseitigkeit der Mischungen für die Einwohner der Tabakländer, die sich aus der bevorzugten oder ausschließlichen Verwendung der örtlich vorhandenen Tabake ergibt, sind die dort verwendeten Rauchtabake doch immer wieder Mischungen, in denen ein Ausgleich wenigstens bis zu einem gewissen Grade gesucht wird.

Die Mischungsprobleme sind ganz außerordentlich diffizil und setzen eine Geschmackskritik voraus, die Nichtfachleuten geradezu märchenhaft erscheinen muß. Es gibt Orientalen, die beim Rauchen einer Cigarette sofort die zehn oder zwanzig maßgebenden Würztabake aufzählen, die in einer Mischung enthalten sind. Infolgedessen werden auch in den europäischen Fabriken von Rang die Mischungen fast ausschließlich von Orientalen ausgeführt oder zumindest angeregt. Es ist sehr eigenartig und charakteristisch, daß solche Mischer immer wieder die Tabaksorten ihrer engeren Heimat besonders vorziehen und in diesen Sorten allein genügend Differenzmaterial für Mischungen finden zu können glauben. Im allgemeinen werden jedoch zu Mischungen für Europäer so ziemlich alle Gebiete herangezogen, die als Ursprungsländer edler Tabake in Betracht kommen, um damit Differenzierungen zu schaffen, die den vielseitigen Anforderungen entsprechen können.

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Die Mischungsaufgaben ergeben sich aus den jeweils zur Verfügung stehenden Provenienzen, denn die Eigenarten verschiedener Tabake, denen entsprochen werden muß, sind unbegrenzt variabel. Für diese Geschmackseigenarten ist in erster Linie die Pflanzenart bestimmend. Dazu kommt die Bodenbeschaffenheit und die Lage der Anbaugebiete mit ihren jeweils eigentümlichen klimatischen Verhältnissen. Weiterhin spielt die Höhenlage und die Sonnenlage eine so große Rolle, daß schon geringe Höhenunterschiede angebauter Flächen und kleine Abweichungen in der Lage dieser Flächen zur Himmelsrichtung auch bei sonst gleichartigen Voraussetzungen deutlich bemerkbar werden. Selbstverständlich ist außerdem jeder Jahrgang, jede Ernte unterschiedlich, denn die verschiedene Zahl der Sonnentage, der Niederschläge, der Temperaturen usw. in verschiedenen Jahren ergibt sehr verschiedene Tabake.

Man kann also, abgesehen von öfteren weitgehenden Ähnlichkeiten verschiedener Tabakpartien, behaupten, daß genau ein und derselbe Tabak nie zweimal auf dem Markt erscheint.

Liegen die benötigten Tabake nach Einkauf, Verzollung usw. in den zur Fabrik gehörigen Lagerräumen zur Verfügung, und liegen die obig besprochenen Mischungsrezepte für die jeweils vorhandenen und zur Verarbeitung gelangenden Provenienzen fest, so ist der weitere Fabrikationsvorgang bis zur Cigarette mehr ein Problem der Präzision, der Sauberkeit, Zweckmäßigkeit und kaufmännischen Rentabilität als ein maßgebender Faktor für die Geschmacksqualität der Cigarette.

Da die zur Verfügung stehenden Provenienzen kaum in gleicher Geschmackseigenart nachzubekommen sind, da aber andererseits das Bedürfnis besteht, eine einmal eingeführte Cigarettenmarke von bestimmter Geschmacksrichtung möglichst lange auf dem Markte zu erhalten, werden die für den Geschmack maßgebenden Partien jeweilig in sehr großen Mengen erworben, so daß möglichst auf Jahre hinaus die gleichbleibende Qualität und Geschmackseigenart einer Cigarette gesichert ist. Weiterhin bemüht man sich, möglichst viele verschiedene Tabakarten zu Mischungen zu verwenden, so daß der durch neue Ernten bedingte Ausfall dieses oder jenes Mischungsteiles durch einen möglichst ähnlichen Tabak ergänzt werden kann, ohne daß diese minimalen Differenzen dem Raucher auffallen können, vor allem, wenn der Grundcharakter und die Qualitätsstufe der Cigarettenmarke voll erhalten bleibt.

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Das Tabaklager der großen Cigarettenfabriken steht unter dem Tabakmeister, der die Tabake fachtechnisch behandeln muß, die Mischungsrezepte in Vorschlag bringt und die Mischungen selbst überwacht. Diese Stellung ist wohl ausschließlich Orientalen vorbehalten, da selbst die verwöhnteste Zunge eines Europäers nicht in der Lage ist, die minimalen Geschmacksdifferenzen praktisch zu bestimmen. Trotzdem ist es natürlich, daß ein Tabakmeister, so bedeutsam seine Stellung auch sein mag, keineswegs für die Qualitätsstellung der Fabrik, für die er arbeitet, maßgebend sein kann. Hierfür ist und bleibt die eigentliche Firmenleitung durchaus maßgebend. Selbst bei den besten Beamten muß eine auch nur etwas mangelhafte Fachkenntnis der Firmenleitung in Tabak- und Mischungsfragen sehr verhängnisvoll werden. Denn an dieser Stelle wird Qualitätswille, Stil und Geschmacksforderung maßgebend festgelegt.

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Die Tabake werden in den Ballen, in denen sie aus dem Orient ankommen, in den Fabrikationsgang gebracht. In der ersten Station werden die Ballen geöffnet, aufgeteilt, die eng aneinander gepreßten Blätter werden einzeln auseinander genommen und sortiert. Nach der Sortierung werden die Blätter (nach ihren Provenienzen geordnet) in große Holzkisten gefüllt und erwarten in dieser Form den Mischungsvorgang. Die nächste Station ist der Mischungsplatz, auf dem aus den Holzkisten in dem angegebenen Verhältnis der Mischungsrezepte die Tabake der verschiedenen Provenienzen schichtweise übereinander gelegt werden. Es ist dies ein ziemlich großer Platz, auf den der Inhalt der Kisten gekippt und von Arbeitern in gleichmäßigen Lagen auf der ganzen Fläche verteilt wird. Bei diesem Prozeß wird der Tabak den jeweiligen unterschiedlichen Anforderungen entsprechend mehr oder weniger angefeuchtet. Dann wird das Gemisch in große Boxen gebracht, wo es einige Tage lagert.

Die nächste Station ist die Tabakschneiderei. Das Tabakgemisch wird großen Schneidemaschinen zugeführt, die die Blätter in feine Strähnen zerschneiden. Der von den Messern herunterfallende Tabak wird auf Transportbändern in eine Entstaubungsanlage gebracht, die als nächste Station die Aufgabe hat, den Tabak von dem bitteren Tabakstaub gründlich zu reinigen. Aus der Entstaubungstrommel wird der Tabak wieder in große Holzkisten gefüllt und neuerlich einem Zwischenlager zugeführt.

Aus diesem Zwischenlager gelangt der Tabak in den Maschinensaal, in dem er zur Cigarette verarbeitet wird. An Stelle der früheren Handarbeit ist heute in einem außerordentlich weitgehenden Maße die weitaus präziser und wesentlich sauberer arbeitende Maschine getreten. Die fertiggestellten Cigaretten werden in Schragen gesammelt und dem sogenannten Schragenlager zugeführt, in dem die Cigaretten wiederum eine Lagerzeit von etwa drei Tagen durchmachen.

Aus dem Schragenlager kommt die Cigarette in den Packsaal. Dort wird sie unmittelbar in die für den Verkauf bestimmten Packungen gebracht. Von hier aus kommen die Cigaretten in ihren Originalpackungen in ein zweites Zwischenlager, das sogenannte Unbanderolierten-Lager, aus dem sie den jeweiligen Anforderungen gemäß zur Anbringung der Banderole abgeholt werden. In der Banderolierabteilung wird diese Banderole auf maschinellem Wege um die Originaldosen oder Kartons herumgelegt, und zwar derart, daß die Dose nun nicht mehr geöffnet werden kann, ohne daß die Banderole an einer der drei behördlich geforderten Stellen zerrissen wird. Hinter dem Banderolierten-Lager befindet sich die vorletzte Station, das sogenannte Fertiglager. Hier erwarten die Cigaretten, in Halbmille-Pakete geordnet, ihre Expedition. Aus der sich daran anschließenden Expeditionsabteilung gehen die Cigaretten in die Welt hinaus.

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Der Vorgang, der in der kurzen Schilderung der wesentlichen Stationen sehr einfach erscheint, ist in Wirklichkeit erheblich komplizierter. Eine große Anzahl von Vorsichtsmaßregeln gegen Witterungseinflüsse, für die der Tabak eine übergroße Empfindlichkeit besitzt, und weiteren Vorkehrungen, die hygienischen Anforderungen entsprechen, lassen die Fabrikationseinrichtungen zu einem sehr komplizierten Apparat werden. Sehr wesentlich ist vor allem, daß der Tabak nach dem Entblättern nicht mehr von Menschenhand berührt wird, da dies aus ästhetischen Gründen für ein Genußmittel stets geboten erscheint.

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Der Wirtschaftssachverständige wird im allgemeinen der Ansicht sein, daß ein sehr wichtiger Teil der Cigarettenindustrie bisher noch nicht erwähnt ist: die Reklame. Es ist leider durchaus richtig, daß selbst das beste Fabrikat ohne irgendwelche Mittel, das Publikum aufmerksam zu machen, nicht zur Geltung gebracht werden kann. Es ist dies bedauerlich, aber unumgänglich. Für die Qualitätsfrage der Cigarette ist diese Angelegenheit völlig bedeutungslos, zumal das deutsche Raucherpublikum sich heute offensichtlich mehr und mehr dem Einfluß der Reklame zu entziehen sucht, und es weiterhin praktisch erwiesen werden kann, daß die Qualität der Cigarette auf dem Markt stets endgültig entscheidet. Deswegen bleibt allerdings ganz unabhängig von einer Reklameabsicht die Forderung bestehen, daß eine wertvolle Ware ein wertvolles Gewand beanspruchen muß. Die künstlerischen Leistungen, für die gerade in der Cigarettenindustrie sehr viel Raum zur Verfügung gestellt wird, sollten sich jedoch lieber auf eine rein sachliche Basis beschränken, auf der sie dem jeweiligen Stil und dem Wert des Tabakerzeugnisses gemäß das Verkaufsobjekt zu einem harmonischen Ganzen gestalten, so daß die Gefahr vermieden wird, die wir häufig in der Überwucherung geschmacklicher Stilmittel gegenüber dem eigentlichen Fabrikat erkennen können. Denn letzten Endes handelt es sich immer wieder nur um die Qualität der Ware selbst.

Vor etwa drei Jahrhunderten mögen amerikanische Tabake in den heutigen Ursprungsländern unserer Cigarettentabake eingeführt worden sein. Durch die neuen für das Wachstum der Pflanzen maßgebenden Verhältnisse entstanden aber allmählich völlig neuartige Pflanzen, die heute in der übrigen Welt ihresgleichen nicht finden können.

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Zur Gewinnung einer gewissen Übersicht werden die Tabake ihrer Pflanzenart nach hauptsächlich in zwei große Gruppen geteilt. Die erste Gruppe bilden die _Basma_. Hierzu gehören die berühmtesten und teuersten Tabake. Sie bestehen vorzugsweise aus kleinen und sehr zartrippigen Blättern von meist heller Färbung.

Die zweite Gruppe bilden die _Baschibagli_, die sich durch größere Blätter und etwas stärkere Rippen von den vorhergehenden unterscheiden. Zu diesen beiden Hauptgruppen treten noch einzelne Zwischenstufen, die sich vermutlich aus der Verbindung beider Arten ergeben haben.

Im allgemeinen werden diese beiden Tabakarten auch in der Manipulation unterschieden. Der Tabak, der in den Herbstmonaten geerntet wird, im Winter die ersten Sortierungen bei den Tabakbauern erfährt und ungefähr zu gleicher Zeit von den Händlern aufgekauft wird, hat den ganzen Sommer hindurch einen Prozeß durchzumachen, den man Fermentation nennt. Für diese Fermentation werden die beiden Arten Basma und Baschibagli unterschiedlich manipuliert. Und zwar werden die Baschibagliblätter, nachdem sie durch verschiedene Sortierungen nach Qualität und Größe eingeteilt sind, Blatt auf Blatt dicht übereinander gelegt und gepreßt. Offensichtlich benötigen die etwas fleischigeren Baschibagliblätter ein dichteres Aufeinanderlegen für die Fermentation als die feineren und kleineren Basmablätter.

An diesen beiden Manipulationsarten können die zum Versand fertigen Ballen schon unterschieden werden. Allerdings gibt es einzelne Baschibagliprovenienzen, die wie die Basma manipuliert werden, und umgekehrt ebenfalls. Vom allgemeinen Gebrauch abweichend wird in der Samsoun- und Schwarzmeer-Gegend der Tabak, der meist einen vorstehenden Stengel hat, übereinander gelegt, an den Stengeln mit Bast befestigt und in dieser Form zur Fermentation gebracht.

Es ist natürlich, daß das relativ große Gebiet der Anbauflächen orientalischer Tabake gewisse Verschiedenheiten in der Behandlung bedingt. Die gleiche Schwierigkeit ergibt sich bei der verschiedenen Bezeichnungsweise ähnlicher oder gleichartiger Sortierungen, die auch in den verschiedenen sprachlichen Vorbedingungen verschiedener Gegenden begründet ist.

Wenn also für den Einkäufer die Basma-Provenienzen an ihrer Manipulationsform äußerlich kenntlich sind, so muß der Fachmann doch sorgfältig untersuchen, ob der Tabak, der in Basmaform geliefert wird, auch die Qualität besitzt, um ihn als Basmatabak im Sinne des Wortes ansprechen zu können. Die Unterscheidungen sind häufig sehr schwer. Es werden beispielsweise öfters griechische Tabake, und zwar solche minderwertigen Ursprungs, als Basma gearbeitet und als erheblich wertvollere mazedonische Basma in den Verkehr gebracht. Es ist Sache des Einkäufers, in solchen Fällen am Geschmack, der Blattform und anderen Anzeichen festzustellen, ob es sich um eine Manipulation handelt, die nicht der eigentlichen Basmapflanze und ihrer Qualität entspricht.

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Die Tabakpflanze wird durchschnittlich 70 cm hoch und trägt an einem geraden Schaft verschiedene Blätter in regelmäßigen Abständen, die von unten anfangend nach oben gleichmäßig kleiner werden. Die Erntezeit, die sich auf ca. zwei Monate erstreckt, beginnt mit dem Einsammeln der untersten Blätter und hört in periodischen Abständen mit dem Pflücken der obersten, ganz kleinen Blätter auf. Die Stellung der einzelnen Blätter bedingt einen unterschiedlichen Wert derselben. Die wertvollsten und gesuchtesten Blätter sind die zuletzt geernteten ganz kleinen Blätter an der Krönung der Pflanze. Diese werden vielfach Dubec-Blätter genannt. Der Fachmann unterscheidet danach verschiedene Blätter verschiedener Stellungen zum Stamm der Pflanze und infolgedessen verschiedene Erntezeiten. Die Namen wechseln jedoch nach den verschiedenen Gegenden. Es ist verständlich, daß die Stellung eines Blattes zum Stamm der Pflanze für den Geschmack der betreffenden Blätter von großer Wichtigkeit ist. Die unteren, zuerst geernteten größeren Blätter haben weniger Gehalt im Verhältnis zu ihrer Masse als die ganz feinen Blätter an der Spitze, und dementsprechend werden sie auf dem Markt bewertet.

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Außer den Unterscheidungen der eigentlichen Pflanzen und weiterhin der Stellung der Blätter zum Stamm der Pflanze kennt der Fachmann auch noch weitere Einteilungen, die sich jedoch mehr auf die unmittelbare Qualität des jeweiligen Materials in seiner äußeren Form beziehen. Für diese reinen Qualitätsunterschiede nimmt man wiederum Bezeichnungen, die teilweise von den vorhergehenden Unterscheidungen übernommen worden sind und damit gleichzeitig in einen Zusammenhang mit den qualitativ in erster Linie maßgebenden Unterschieden der Ernten selbst kommen. Auch diese Bezeichnungen sind nach dem jeweils örtlichen Sprachgebrauch unterschiedlich und wenig verallgemeinerungsfähig, so daß ihr Gebrauch nur für den mit der Mannigfaltigkeit aller Sorten vertrauten Fachmann von Wert ist.

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Außer den rein qualitativen Unterschieden im Bereich einer einzelnen Pflanze sind natürlich die Unterschiede der Provenienzen selbst maßgebend, und zwar nicht nur in qualitativer Hinsicht, sondern auch für die geschmackliche Eigenart, die der Fabrikant für diese oder jene Cigarette zu diesem oder jenem besondern Zweck erreichen will. Die bevorzugten Tabakprovenienzen teilt man im großen und ganzen in drei Hauptsorten ein. Zuerst die _Mazedonischen Tabake_ aus den Gebieten der ehemaligen Europäischen Türkei, dann die heutigen _Türkischen Tabake_ Kleinasiens mit den Schwarzmeertabaken türkischer Gebiete und zuletzt die _Russischen Tabake_, die hauptsächlich aus den russischen Schwarzmeer-Gegenden kommen.

Das älteste europäische Tabakland von Rang ist Mazedonien. Schon seit Jahrhunderten nimmt der Tabak im dortigen Wirtschaftsleben den Hauptplatz ein, wenn auch die frühere Produktion gegenüber der heutigen sehr klein war. Der mazedonische Tabak war wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften schon seit langer Zeit berühmt, und noch bevor das Abendland sich in größerem Umfange dem Konsum der Cigarette zuwandte, wurden die wertvollen Blätter dieses Gebietes im Palast des Sultans und den Konaks der hohen Beamten und Würdenträger besonders hoch geachtet. Hauptsächlich der Halbkreis, der sich über Yenidje, Xanthi und Drama bis nach Cavalla erstreckt, war schon frühzeitig fast ausschließlich der Tabakkultur gewidmet. Von diesen Bezirken erzeugte Yenidje weniger Tabak als die anderen Distrikte, aber qualitativ war gerade dieser Tabak der weitaus gesuchteste. Später wurde der Tabakbau auch auf die Bezirke des heutigen Bulgarien und Altgriechenland ausgedehnt.

Zu den Hauptarten dieser Gebiete, die vor allen Dingen durch den _Xanthi_ (Yenidje) und _Cavalla_ repräsentiert werden, treten die türkischen Tabake hinzu, deren bedeutendste Vertreter die _Samsoun-_ und _Smyrna_-Tabake sind. Die vier wichtigsten Herkunftsgebiete der russischen Tabake sind 1. der kaukasische Distrikt, 2. die Krim, 3. der Sochoum-Distrikt und 4. die beiden bessarabischen Distrikte.

Als Nebensorten kommen dann noch altgriechische und bulgarische Tabake in Betracht. Geringere und mittlere Sorten liefern das ehemalige Herzegowina, geringe Sorten Ungarn und auch China, ferner die Inseln Samos, Chios usw.

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_Xanthi_ und _Cavalla_ sind die klassischen Tabakgegenden. Im Xanthi-Bezirk werden fast ausschließlich Basma-Tabake erzeugt. Dieser Bezirk zerfällt wiederum in drei größere Gruppen, und zwar die eigentliche Xanthi-Gegend, die Sarischaban und die Gumuldjina. Sarischaban umfaßt die Ebene im Mündungsgebiet der Mesta und das nächstliegende nördliche Bergland im Westen dieses Flusses. Zu Gumuldjina gehören die Umgebung der gleichnamigen Stadt sowie das nordwestliche Bergland. Den engeren Xanthi-Bezirk bilden die Gegenden der Stadt Xanthi am Gebirgsrand der südlichen Ebene mit Yenidje und das Bergland nördlich von Xanthi bis gegen die bulgarische Grenze hin.

Für die weitere Einteilung der drei Gruppen ist im Xanthi-Bezirk in der Hauptsache die Bodenlage maßgebend. Man unterscheidet im engeren Distrikt Xanthi die Yakka-, Ova- und Djebel-Dörfer, ebenso die Karchi-Yakka, die Ova von Sarish und die Djebel von Sarish. Bei der Gumuldjina-Gruppe hält man sich gleichzeitig an die Landschaften und bezeichnet als Unterschiede Gumuldjina-Djebel-, Gumuldjina-Schech-Djuma-, Gumuldjina-Djem-Dereh und die Gumuldjina-Deri-Dereh-Dörfer. Man unterscheidet also ganz allgemein in diesen Gebieten Yakka-Tabake, Ova-Tabake und Djebel-Tabake mit ihren Unterarten. Unter Yakka-Tabaken versteht man Tabake auf einem Anbaugebiet, das am unteren Berghang liegt. In dieser Lage wachsen von den edlen Sorten des edlen Bezirkes die alleredelsten Tabake. Die Ova-Tabake sind in den mittleren Höhenlagen, und die Djebel-Tabake sind vorzugsweise Bergtabake, die sich durch eine gewisse Kleinheit, aber infolgedessen große Würzigkeit und Süßigkeit auszeichnen.

Die Yakka-Tabake zerfallen wieder in die eigentlichen Yakka, die Kütschück-Yakka und die Sova-Yakka. Einige der bekanntesten Dörfer dieser Provenienzen sind: Okdjailar, Tschakirly, Fedjirly, Djeleber.

Die eigentlichen Ova sind die Xanthi-Ova, wozu auch noch diejenigen Tabake gerechnet werden, die auf den Hügeln nahe der Westseite der Bucht von Lagos wachsen. Die Hauptdörfer sind Kiretschiler, Bujuk-Murselli, Kutschuk-Murselli, Saltykly, Emirler-Teké, Hametli, Horozlon, Mussellin, Misraculy, Mizanly.

Die bekannteren Djebel-Provenienzen sind: Yenikeny, Koronlar, Arpadijk, Mahmondlon, Koslondja.

Karchi-Yakka: Sarychabon, Indjeghiz, Agalar, Avably, Béglémich, Seltehouklon, Tchobonly.

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Diese Angaben könnten noch sehr viel weiter geführt werden, doch wird der Laie nicht viel damit anfangen können. Die angegebenen Namen haben aber vielleicht einen Nachschlagewert, da diese oder jene Provenienz doch hin und wieder auch in der Öffentlichkeit genannt wird.

Die weitgehende Unterscheidung kleiner und kleinster Distrikte, wie sie gerade für das Xanthi-Gebiet durchgeführt ist, ist durchaus keine Übertreibung. Infolge der Empfindlichkeit dieser hochwertigsten Tabaksorten spielt die schon vorhergehend betonte Unterschiedlichkeit bezüglich Bodenbeschaffenheit, Klima, Sonnenlage usw. die größte Rolle für die Qualität der Tabake der einzelnen Dörfer.

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Neben Xanthi ist der Cavalla-Bezirk der bedeutendste. Er zerfällt wieder in die wichtigen Unterdistrikte Cavalla, Drama und Seres. Für die Basma-Sorten dieser Gegend sind die wichtigsten die der Sichna-, Machalla-, Mahalladakia- und Kir-Dörfer, die zu beiden Seiten der Stadt Drama liegen. Die Qualitäten dieser Gegend sind ganz außerordentlich wertvoll, aber doch um ein geringes weicher, zarter und daher weniger ergiebig als die schweren, gehaltvollen und überaus ergiebigen Xanthi-Qualitäten.

Ungefähr in der Mitte zwischen dem Drama-, Seres- und Cavalla-Bezirk liegen noch mehrere kleine Bezirke, unter denen Zichna mit dem gleichnamigen Tabak als wertvoller Herkunftsort am bekanntesten ist.

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Neben den den Hauptwert des berühmten Tabaklandes bedingenden Basma-Tabaken werden auch einige Tabake gewonnen, die als Baschibagli verarbeitet in den Handel kommen. In der Cavalla-Region sind es die Pravi-Tabake; in der Drama-Ebene werden die besten Baschibagli-Tabake in den Dörfern Pursitschan (Persitschan) und Kirlikova gewonnen. Danach kommen die Djebel-, Drama- und die sogenannten Nevrokop-Baschibagli des gleichen Bezirkes, die jedoch hinter den erstgenannten an Güte zurückstehen.

Eine Zwischenstellung nimmt der teils im Drama-Bezirk, teils im Cavalla-Bezirk gewonnene Kabakoulak ein, der zwar als Baschibagli verarbeitet wird, jedoch in Blattform und Größe zwischen einem Baschibagli-(Persitschan-) und einem Basma-Blatt steht.

Von den um dieses klassische Gebiet des Orienttabaks herumliegenden Anbaugebieten kommen noch die Nigrita-, die Salonik- und die Chalchis-Region bis zum Golf von Saloniki in Betracht, dann weiter nördlich die Doiran-, die Strumitza- und die Petrich-Region. Nördlich von Seres liegen die Dimirhisar-, die Melnik- und die Nevrokop-Regionen. Dazu kommen nordwestlich von Xanthi die Egridere- sowie die Kirjali-Regionen. In diesen Bezirken werden in der Hauptsache Baschibagli-Tabake erzeugt.

Unter den teilweise sehr guten Bulgaren-Tabaken ist der als Baschibagli in den Verkehr kommende Dubnitza besonders zu nennen, Dubnitza ist ein kleiner Platz südlich von Sofia. Südlich von Dubnitza wächst ein ähnlicher Tabak in einem kleinen rings um den Ort Djumaja gelegenen Bezirk.

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Von den Tabaken der heutigen Türkei, deren Hauptgebiet Kleinasien ist, ist der stärkste der Samsoun-Tabak. Er brennt ziemlich schwer und gibt auch dunkle Asche, er hat aber die für die Mischungsprobleme außerordentlich wichtige Eigenschaft, alle diejenigen Tabake, die nicht besonders harmonisch zusammengepaßt werden können, zu verbinden. Er ist im Rauchen glatt und besitzt die bereits oben erwähnte seltene Eigenschaft, den Geschmacksausgleich in sich selbst finden zu können, so daß er ohne Beimischung anderer Tabaksorten geraucht werden kann. Der feinste Samsoun-Tabak wächst in dem Gebiet von Samsoun, das dieser Provenienz den allgemeinen Namen gegeben hat, und zwar auf dem Berge nördlich der Stadt gleichen Namens. Den wertvollsten bezeichnet man mit Maden. Dieser Tabak ist mittelkräftig, dabei aber außerordentlich glatt und von angenehmem Geschmack. Der in der Ebene wachsende Samsoun-Tabak ist ebenfalls von großer Feinheit und sehr gutem Geschmack.

Südlich von diesem Gebiet wächst der Bafra-Tabak, welcher voll und kräftig ist. Auch dieser Tabak ist von ausgezeichneter Qualität. Die Farbe des Bafra-Tabaks ist mehr rötlichbraun, während der Samsoun-Tabak mehr ins Gelbliche geht.