Chapter 6 of 6 · 14747 words · ~74 min read

Chapter 16

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Doch ich will versuchen, die Sache[6] aus ihren ersten Gründen herzuleiten.

Ich schliesse so: Wenn es wahr ist, dass die Malerei zu ihren Nachahmungen ganz andere Mittel oder Zeichen gebraucht als die Poesie, jene nämlich Figuren und Farben in dem Raume, diese aber artikulierte Töne in der Zeit; wenn unstreitig die Zeichen ein bequemes Verhältnis zu dem Bezeichneten haben müssen: so können neben einander geordnete Zeichen auch nur Gegenstände, die neben einander, oder deren Teile neben einander existieren, auf einander folgende Zeichen aber auch nur Gegenstände ausdrücken, die auf einander, oder deren Teile auf einander folgen.

Gegenstände, die neben einander, oder deren Teile neben einander existieren, heissen Körper. Folglich sind Körper mit ihren sichtbaren Eigenschaften die eigentlichen Gegenstände der Malerei.

Gegenstände, die auf einander, oder deren Teile auf einander folgen, heissen überhaupt Handlungen. Folglich sind Handlungen der eigentliche Gegenstand der Poesie.

Doch alle Körper existieren nicht allein in dem Raume, sondern auch in der Zeit. Sie dauern fort und können in jedem Augenblicke ihrer Dauer anders erscheinen und in anderer Verbindung stehen. Jede dieser augenblicklichen Erscheinungen und Verbindungen ist die Wirkung einer vorhergehenden und kann die Ursache einer folgenden und sonach gleichsam das Zentrum einer Handlung sein. Folglich kann die Malerei auch Handlungen nachahmen, aber nur andeutungsweise durch Körper.

Auf der ändern Seite können Handlungen nicht für sich selbst bestehen, sondern müssen gewissen Wesen anhängen. Insofern nun diese Wesen Körper sind oder als Körper betrachtet werden, schildert die Poesie auch Körper, aber nur andeutungsweise durch Handlungen.

Die Malerei kann in ihren coexistierenden Compositionen nur einen einzigen Augenblick der Handlung nutzen und muss daher den prägnantesten wählen, aus welchem das Vorhergehende und Folgende am Begreiflichsten wird.

Ebenso kann auch die Poesie in ihren fortschreitenden Nachahmungen nur eine einzige Eigenschaft der Körper nutzen und muss daher diejenige wählen, welche das sinnlichste Bild des Körpers von der Seite erwecket, von welcher sie ihn braucht.

Hieraus fliesst die Regel von der Einheit der malerischen Beiwörter und der Sparsamkeit in den Schilderungen körperlicher Gegenstände.

Ich würde in diese trockene Schlusskette weniger Vertrauen setzen, wenn ich sie nicht durch die Praxis des Homers vollkommen bestätigt fände, oder wenn es nicht vielmehr die Praxis des Homers selbst wäre, die mich darauf gebracht hätte. Nur aus diesen Grundsätzen lässt sich die grosse Manier des Griechen bestimmen und erklären, so wie der entgegengesetzten Manier so vieler neuern Dichter ihr Recht erteilen, die in einem Stücke mit dem Maler wetteifern wollen, in welchem sie notwendig von ihm überwunden werden müssen.

Ich finde, Homer malet nichts als fortschreitende Handlungen, und alle Körper, alle einzelne Dinge, malet er nur durch ihren Anteil an diesen Handlungen, gemeiniglich nur mit Einem Zuge. Was Wunder also, dass der Maler da, wo Homer malet, wenig oder nichts für sich zu tun siehet, und dass seine Ernte nur da ist, wo die Geschichte eine Menge schöner Körper in schönen Stellungen in einem der Kunst vorteilhaften Raume zusammenbringt, der Dichter selbst mag diese Körper, diese Stellungen, diesen Raum, so wenig malen, als er will.

[Notes: 6: _Die Sache_ is the fundamental difference between plastic art (_Malerei_) and poetry.]

+LXXIII. JOHANN GOTTFRIED HERDER+

1744-1803. Herder’s was the first strong voice to be raised in protest against the inveterate illusion of his countrymen that excellence in poetry depended on the imitation of good models. He took a deep interest in the poetry of primitive and unlettered men, and deduced from that his criteria of excellence; namely, sincerity, naturalness, strength and fulness of expression. The virtue of the greatest poets, such as Homer, Shakspere and Ossian, lay--so he said--in the fulness and fidelity with which they had felt and expressed the life of their nation and their epoch. Thus he became the founder of historical criticism and the harbinger of the coming romantic movement. It was he, more than any one else, who ushered in the ‘storm and stress’ era, with its watchwords of nature, power, genius, originality, and its general spirit of protest against all conventional restrictions.

1

_From ‘Fragments on Recent German Literature’[1]: Poetry as mother tongue of mankind._

Eine Sprache in ihrer Kindheit bricht, wie ein Kind, einsilbichte, rauhe und hohe Töne hervor. Eine Nation in ihrem ersten wilden Ursprunge starret, wie ein Kind, alle Gegenstände an; Schrecken, Furcht, und alsdenn Bewunderung sind die Empfindungen, derer beide allein fähig sind, und die Sprache dieser Empfindungen sind Töne,--und Gebärden. Zu den Tönen sind ihre Werkzeuge noch ungebraucht: folglich sind jene hoch und mächtig an Accenten; Töne und Gebärden sind Zeichen von Leidenschaften und Empfindungen, folglich sind sie heftig und stark: ihre Sprache spricht für Auge und Ohr, für Sinne und Leidenschaften: sie sind grösserer Leidenschaften fähig, weil ihre Lebensart voll Gefahr und Tod und Wildheit ist: sie verstehen also auch die Sprache des Affects mehr als wir, die wir dies Zeitalter nur aus spätern Berichten und Schlüssen kennen; denn so wenig wir aus unsrer ersten Kindheit Nachricht durch Erinnerung haben, so wenig sind Nachrichten aus dieser Zeit der Sprache möglich, da man noch nicht sprach, sondern tönete; da man noch wenig dachte, aber desto mehr fühlte; und also nichts weniger als schrieb.

So wie sich das Kind oder die Nation änderte, so mit ihr die Sprache. Entsetzen, Furcht und Verwunderung verschwand allmählich, da man die Gegenstände mehr kennen lernte; man ward mit ihnen vertraut und gab ihnen Namen, Namen, die von der Natur abgezogen waren, und ihr so viel möglich im Tönen nachahmten. Bei den Gegenständen fürs Auge musste die Gebärdung noch sehr zu Hilfe kommen, um sich verständlich zu machen: und ihr ganzes Wörterbuch war noch sinnlich. Ihre Sprachwerkzeuge wurden biegsamer, und die Accente weniger schreiend. Man sang also, wie viele Völker es noch tun, und wie es die alten Geschichtschreiber durchgehends von ihren Vorfahren behaupten. Man pantomimisierte und nahm Körper und Gebärden zu Hilfe: damals war die Sprache in ihren Verbindungen noch sehr ungeordnet und unregelmässig in ihren Formen.

Das Kind erhob sich zum Jünglinge: die Wildheit senkte sich zur politischen Ruhe; die Lebens- und Denkart legte ihr rauschendes Feuer ab: der Gesang der Sprache floss lieblich von der Zunge herunter, wie dem Nestor des Homers, und säuselte in die Ohren. Man nahm Begriffe, die nicht sinnlich waren, in die Sprache; man nannte sie aber, wie von selbst zu vermuten ist, mit bekannten sinnlichen Namen; daher müssen die ersten Sprachen bildervoll und reich an Metaphern gewesen sein.

Und dieses jugendliche Sprachalter war bloss das poetische: man sang im gemeinen Leben, und der Dichter erhöhete nur seine Accente in einem für das Ohr gewählten Rhythmus: die Sprache war sinnlich und reich an kühnen Bildern: sie war noch ein Ausdruck der Leidenschaft, sie war noch in den Verbindungen ungefesselt: der Periode fiel aus einander, wie er wollte! --Seht! das ist die poetische Sprache, der poetische Periode. Die beste Blüte der Jugend in der Sprache war die Zeit der Dichter: jetzt sangen die ἀοιδοί [Greek: aoidoi] und ῥαψῳδοί [Greek: rhapsôdoi]: da es noch keine Schriftsteller gab, so verewigten sie die merkwürdigen Taten durch Lieder: durch Gesänge lehrten sie, und in den Gesängen waren nach der damaligen Zeit der Welt Schlachten und Siege, Fabeln und Sittensprüche, Gesetze und Mythologie enthalten. Dass dies bei den Griechen so gewesen, beweisen die Büchertitel der ältesten verlorenen Schriftsteller, und dass es bei jedem Volk so gewesen, zeugen die ältesten Nachrichten....

So löset sich auch der Zweifel eines sprachgelehrten Mannes hiemit leicht auf: ‘Ich weiss nicht, ob es wahr ist, was man in vielen Büchern wiederholet hat, dass bei allen Nationen, die sich durch die schönen Wissenschaften hervorgetan haben, die Poesie eher als die Prose zu einer gewissen Höhe gestiegen sei.’ Es ist allerdings wahr, was alle alte Schriftsteller einmütig behaupten, und was in den neuen Büchern wenig angewandt ist, dass die Poesie lange vorher, ehe es Prose gab, zu ihrer grössten Höhe gestiegen sei, dass diese Prose darauf die Dichtkunst verdrungen, und diese nie wieder ihre vorige Höhe erreichen können. Die ersten Schriftsteller jeder Nation sind Dichter: die ersten Dichter unnachahmlich: zur Zeit der schönen Prose wuchs in Gedichten nichts als die Kunst: sie hatte sich schon über die Erde erhoben und suchte ein Höchstes, bis sie ihre Kräfte erschöpfte und im Äther der Spitzfindigkeit blieb. In der spätern Zeit hat man bloss versifizierte Philosophie oder mittelmässige Poesie.

[Notes: 1: First Collection (1767); see Suphan’s edition of Herder’s works, Vol. I, page 152.]

2

_From ‘Critical Forests’[2]: Power, not sequence of tones, the essence of poetry._

Ich läugne es also, dass Gegenstände, die auf einander oder deren Teile auf einander folgen, deswegen überhaupt Handlungen heissen: und ebenso läugne ich, dass, weil die Dichtkunst Successionen liefre, sie deswegen Handlungen zum Gegenstande habe. Der Begriff des Successiven ist zu einer Handlung nur die halbe Idee: es muss ein Successives durch Kraft sein: so wird Handlung. Ich denke mir ein in der Zeitfolge wirkendes Wesen, ich denke mir Veränderungen, die durch die Kraft einer Substanz auf einander folgen: so wird Handlung. Und sind Handlungen der Gegenstand der Dichtkunst, so wette ich, wird dieser Gegenstand nie aus dem trocknen Begriff der Succession bestimmt werden können: _Kraft_ ist der Mittelpunkt ihrer Sphäre.

Und dies ist die Kraft, die dem Innern der Worte anklebt, die Zauberkraft, die auf meine Seele durch die Phantasie und Erinnerung wirkt: sie ist das Wesen der Poesie. --Der Leser sieht, dass wir sind, wo wir waren, dass nämlich die Poesie durch willkürliche Zeichen wirke; dass in diesem Willkürlichen, in dem Sinne der Worte, ganz und gar die Kraft der Poesie liege; nicht aber in der Folge der Töne und Worte, in den Lauten, so fern sie natürliche Laute sind....

Handlung, Leidenschaft, Empfindung!--auch ich liebe sie in Gedichten über alles: auch ich hasse nichts so sehr als tote stillstehende Schilderungssucht, insonderheit, wenn sie Seiten, Blätter, Gedichte einnimmt; aber nicht mit dem tödlichen Hasse, um jedes einzelne ausführliche Gemälde, wenn es auch coexistent geschildert würde, zu verbannen; nicht mit dem tödlichen Hasse, um jeden Körper nur mit Einem Beiworte an der Handlung Teil nehmen zu lassen, und denn auch nicht aus dem nämlichen Grunde, weil die Poesie in successiven Tönen schildert, oder weil Homer dies und jenes macht und nicht macht--um deswillen nicht.

Wenn ich Eins von Homer lerne, so ist’s, dass die Poesie energisch wirke: nie in der Absicht, um bei dem letzten Zuge ein Werk, Bild, Gemälde (obwohl successive) zu liefern, sondern, dass schon während der Energie die ganze Kraft empfunden werden müsse. Ich lerne von Homer, dass die Wirkung der Poesie nie aufs Ohr, durch Töne, nicht aufs Gedächtnis, wie lange ich einen Zug aus der Succession behalte, sondern auf meine Phantasie wirke; von hieraus also, sonst nirgendsher, berechnet werden müsse. So stelle ich sie gegen die Malerei und beklage, dass Hr. L. diesen Mittelpunkt des Wesens der Poesie, ‘Wirkung auf unsre Seele, Energie,’ nicht zum Augenmerke genommen.

[Notes: 2: In his _Kritische Wälder_ (1769) Herder subjected Lessing’s _Laokoon_ to a searching criticism. The passages here given--see Suphan’s edition, Vol. 3, pages 139 ff.--are addressed to the theory advanced in the last of the foregoing selections from Lessing.]

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_From ‘Correspondence concerning Ossian and the Songs of Ancient Peoples’[3]: The poetic superiority of ‘wild’ folk._

Sie wissen aus Reisebeschreibungen, wie stark und fest sich immer die Wilden ausdrücken. Immer die Sache, die sie sagen wollen, sinnlich, klar, lebendig anschauend: den Zweck, zu dem sie reden, unmittelbar und genau fühlend: nicht durch Schattenbegriffe, Halbideen und symbolischen Letternverstand (von dem sie in keinem Worte ihrer Sprache, da sie fast keine Abstracta haben, wissen),--durch alle dies nicht zerstreuet: noch minder durch Künsteleien, sklavische Erwartungen, furchtsamschleichende Politik und verwirrende Prämeditation verdorben--über alle diese Schwächungen des Geistes seligunwissend, erfassen sie den ganzen Gedanken mit dem ganzen Worte, und dies mit jenem. Sie schweigen entweder, oder reden im Moment des Interesse mit einer unvorbedachten Festigkeit, Sicherheit und Schönheit, die alle wohlstudierte Europäer allezeit haben bewundern müssen und--müssen bleiben lassen. Unsre Pedanten, die alles vorher zusammenstoppeln, und auswendig lernen müssen, um alsdenn recht methodisch zu stammeln; unsre Schulmeister, Küster, Halbgelehrte, Apotheker und alle, die den Gelehrten durchs Haus laufen, und nichts erbeuten, als dass sie endlich, wie Shakespear’s Launcelots, Polizeidiener, und Totengräber uneigen, unbestimmt und wie in der letzten Todesverwirrung sprechen--diese gelehrte Leute, was wären die gegen die Wilden? Wer noch bei uns Spuren von dieser Festigkeit finden will, der suche sie ja nicht bei solchen;--unverdorbene Kinder, Frauenzimmer, Leute von gutem Naturverstande, mehr durch Tätigkeit als Spekulation gebildet, die sind, wenn das, was ich anführete, Beredsamkeit ist, alsdenn die einzigen und besten Redner unsrer Zeit.

In der alten Zeit aber waren es Dichter, Skalden, Gelehrte, die eben diese Sicherheit und Festigkeit des Ausdrucks am meisten mit Würde, mit Wohlklang, mit Schönheit zu paaren wussten; und da sie also Seele und Mund in den festen Bund gebracht hatten, sich einander nicht zu verwirren, sondern zu unterstützen, beizuhelfen: so entstanden daher jene für uns halbe Wunderwerke von ἀοιδοῖς [Greek: aoidois], Sängern, Barden, Minstrels, wie die grössten Dichter der ältesten Zeiten waren. Homers Rhapsodien und Ossians Lieder waren gleichsam Impromptus, weil man damals noch von nichts als Impromptus der Rede wusste: dem letztern sind die Minstrels, wiewohl so schwach und entfernt, gefolgt; indessen doch gefolgt, bis endlich die Kunst kam und die Natur auslöschte. In fremden Sprachen quälte man sich von Jugend auf, Quantitäten von Silben kennen zu lernen, die uns nicht mehr Ohr und Natur zu fühlen gibt; nach Regeln zu arbeiten, deren wenigste ein Genie als Naturregeln anerkennt; über Gegenstände zu dichten, über die sich nichts denken, noch weniger sinnen, noch weniger imaginieren lässt; Leidenschaften zu erkünsteln, die wir nicht haben, Seelenkräfte nachzuahmen, die wir nicht besitzen,--und endlich wurde alles Falschheit, Schwäche und Künstelei. Selbst jeder beste Kopf ward verwirret und verlor Festigkeit des Auges und der Hand, Sicherheit des Gedankens und des Ausdrucks, mithin die wahre Lebhaftigheit und Wahrheit und Andringlichkeit--alles ging verloren. Die Dichtkunst, die die stürmendste, sicherste Tochter der menschlichen Seele sein sollte, ward die ungewisseste, lahmste, wankendste; die Gedichte fein oft corrigierte Knaben- und Schulexercitien.

[Notes: 3: _Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker_ was published in 1773, as part of a collection of papers (by Herder, Goethe and Möser) entitled _Von deutscher Art und Kunst_. See Suphan’s Herder, Vol. 5, page 155.]

4

_From an essay entitled ‘Shakespear’[4]: Sophocles and Shakspere._

Shakespear fand vor und um sich nichts weniger als Simplicität von Vaterlandssitten, Taten, Neigungen und Geschichtstraditionen, die das griechische Drama bildete, und da also nach dem ersten metaphysischen Weisheitssatze aus nichts nichts wird, so wäre, Philosophen überlassen, nicht bloss kein griechisches, sondern, wenn’s ausserdem Nichts gibt, auch gar kein Drama in der Welt mehr geworden, und hätte werden können. Da aber Genie bekanntermassen mehr ist als Philosophie, und Schöpfer ein ander Ding als Zergliederer: so war’s ein Sterblicher mit Götterkraft begabt, eben aus dem entgegengesetztesten Stoff, und in der verschiedensten Bearbeitung, dieselbe Wirkung hervorzurufen, Furcht und Mitleid, und beide in einem Grade, wie jener erste Stoff und Bearbeitung es kaum hervorzubringen vermocht! Glücklicher Göttersohn über sein Unternehmen! Eben das neue, erste, ganz Verschiedene, zeigt die Urkraft seines Berufs.

Shakespear fand keinen Chor vor sich, aber wohl Staats- und Marionettenspiele--wohl! Er bildete also aus diesen Staats- und Marionettenspielen, dem so schlechten Leim, das herrliche Geschöpf, das da vor uns steht und lebt. Er fand keinen so einfachen Volks- und Vaterlandscharakter, sondern ein Vielfaches von Ständen, Lebensarten, Gesinnungen, Völkern und Spracharten--der Gram um das Vorige wäre vergebens gewesen;--er dichtete also Stände und Menschen, Völker und Spracharten, König und Narren, Narren und König zu dem herrlichen Ganzen! Er fand keinen so einfachen Geist der Geschichte, der Fabel, der Handlung: er nahm Geschichte, wie er sie fand, und setzte mit Schöpfergeist das verschiedenartigste Zeug zu einem Wunderganzen zusammen, was wir, wenn nicht Handlung im griechischen Verstande, so Aktion im Sinne der mittlern, oder in der Sprache der neuern Zeiten Begebenheit (_événement_), grosses Ereignis, nennen wollen--o Aristoteles, wenn du erschienest, wie würdest du den neuen Sophokles homerisieren! würdest so eine eigne Theorie über ihn dichten, die jetzt seine Landsleute, Home und Hurd, Pope und Johnson, noch nicht gedichtet haben! Würdest dich freuen, von jedem deiner Stücke, Handlung, Charakter, Meinungen, Ausdruck, Bühne, wie aus zwei Punkten des Dreiecks Linien zu ziehen, die sich oben in Einem Punkte des Zwecks, der Vollkommenheit begegnen! Würdest zu Sophokles sagen: male das heilige Blatt dieses Altars! und du, o nordischer Barde, alle Seiten und Wände dieses Tempels in dein unsterbliches Fresco!

Man lasse mich als Ausleger und Rhapsodisten fortfahren, denn ich bin näher Shakespear als dem Griechen. Wenn bei diesem das Eine einer Handlung herrscht, so arbeitet jener auf das Ganze eines Ereignisses, einer Begebenheit. Wenn bei jenem Ein Ton der Charaktere herrschet, so bei diesem alle Charaktere, Stände und Lebensarten, so viel nur fähig und nötig sind, den Hauptklang seines Concerts zu bilden. Wenn in jenem Eine singende feine Sprache, wie in einem höheren Äther tönet, so spricht dieser die Sprache aller Alter, Menschen und Menschenarten, ist Dolmetscher der Natur in all ihren Zungen--und auf so verschiedenen Wegen beide Vertraute Einer Gottheit. Und wenn jener Griechen vorstellt und lehrt und rührt und bildet, so lehrt, rührt und bildet Shakespear nordische Menschen! Mir ist, wenn ich ihn lese, Theater, Acteur, Coulisse verschwunden! Lauter einzelne im Sturm der Zeiten wehende Blätter aus dem Buch der Begebenheiten, der Vorsehung, der Welt! einzelne Gepräge der Völker, Stände, Seelen! die alle die verschiedenartigsten und abgetrenntest handelnden Maschinen--was wir in der Hand des Weltschöpfers sind--unwissende, blinde Werkzeuge zum ganzen Eines theatralischen Bildes, Einer Grösse habenden Begebenheit, die nur der Dichter überschauet. Wer kann sich einen grössern Dichter der nordischen Menschheit, und in dem Zeitalter, denken!

[Notes: 4: Published in the aforementioned collection _Von deutscher Art und Kunst_ (1773). See Suphan’s Herder, Vol. 5, page 208.]

5

_From ‘Auch eine Philosophie’: The Middle Ages and the Age of Reason._[5]

Die dunkeln Seiten dieses Zeitraums [des Mittelalters] stehen in allen Büchern: jeder klassische Schöndenker, der die Polizierung unsres Jahrhunderts fürs _non plus ultra_ der Menschheit hält, hat Gelegenheit ganze Jahrhunderte auf Barbarei, elendes Staatsrecht, Aberglauben und Dummheit, Mangel der Sitten und Abgeschmacktheit--in Schulen, in Landsitzen, in Tempeln, in Klöstern, in Rathäusern, in Handwerkszünften, in Hütten und Häusern zu schmälen und über das Licht unsres Jahrhunderts, das ist, über seinen Leichtsinn und Ausgelassenheit, über seine Wärme in Ideen und Kälte in Handlungen, über seine scheinbare Stärke und Freiheit, und über seine wirkliche Todesschwäche und Ermattung unter Unglauben, Despotismus und Üppigkeit zu lobjauchzen. Davon sind alle Bücher unsrer Voltäre und Hume, Robertsons und Iselins voll, und es wird ein so schön Gemälde, wie sie die Aufklärung und Verbesserung der Welt aus den trüben Zeiten des Deismus und Despotismus der Seelen, d.i. zu Philosophie und Ruhe herleiten--dass dabei jedem Liebhaber seiner Zeit das Herz lacht....

Dass es jemanden in der Welt unbegreiflich wäre, wie Licht die Menschen nicht nährt! Ruhe und Üppigkeit und sogenannte Gedankenfreiheit nie allgemeine Glückseligkeit und Bestimmung sein kann! Aber Empfindung, Bewegung, Handlung--wenn auch in der Folge ohne Zweck (was hat auf der Bühne der Menschheit ewigen Zweck?), wenn auch mit Stössen und Revolutionen, wenn auch mit Empfindungen, die hie und da schwärmerisch, gewaltsam, gar abscheulich werden--als Werkzeug in den Händen des Zeitlaufs, welche Macht! welche Wirkung! Herz und nicht Kopf genährt! mit Neigungen und Trieben alles gebunden, nicht mit kränkelnden Gedanken! Andacht und Ritterehre, Liebeskühnheit und Bürgerstärke--Staatsverfassung und Gesetzgebung, Religion. --Ich will nichts weniger als die ewigen Völkerzüge und Verwüstungen, Vasallenkriege und Befehdungen, Mönchsheere, Wallfahrten, Kreuzzüge verteidigen; nur erklären möchte ich sie: wie in allem doch Geist hauchet! Gährung menschlicher Kräfte! Grosse Kur der ganzen Gattung durch gewaltsame Bewegung, und wenn ich so kühn reden darf, das Schicksal zog, (allerdings mit grossem Getöse, und ohne dass die Gewichte da ruhig hangen konnten,) die grosse abgelaufene Uhr auf! Da rasselten also die Räder!

[Notes: 5: The booklet _Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit_ was published in 1774. See Suphan’s Herder, Vol. 5, page 475.]

+LXXIV. JOHANN WOLFGANG GOETHE+

1749-1832. The long-gathering promise of a German literary renascence was splendidly fulfilled in the genius of Goethe. In all the _genres_ he wrought with high and peculiar distinction; and so intensely and fully did he live the life of his epoch that he has come to be regarded as _the_ representative of the modern spirit. A great critic has called him ‘the clearest, largest, and most helpful thinker of modern times.’ The scope of this book is such that only the youthful Goethe is represented in the selections.

+1+

+Mailied.+

Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten 5 Aus jedem Zweig Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch,

Und Freud’ und Wonne Aus jeder Brust. 10 O Erd’, o Sonne! O Glück, o Lust!

O Lieb’, o Liebe, So golden schön. Wie Morgenwolken 15 Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt. 20

O Mädchen, Mädchen, Wie lieb’ ich dich! Wie blickt dein Auge! Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche 25 Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe Mit warmem Blut, 30 Die du mir Jugend Und Freud’ und Mut

Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich, 35 Wie du mich liebst!

+2+

+Willkommen und Abschied.+

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! Es war getan fast eh gedacht; Der Abend wiegte schon die Erde, Und an den Bergen hing die Nacht. Schon stand im Nebelkleid die Eiche, 5 Ein aufgetürmter Riese, da, Wo Finsternis aus dem Gesträuche Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel Sah kläglich aus dem Duft hervor, 10 Die Winde schwangen leise Flügel, Umsausten schauerlich mein Ohr. Die Nacht schuf tausend Ungeheuer; Doch frisch und fröhlich war mein Mut: In meinen Adern welches Feuer! 15 In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude Floss von dem süssen Blick auf mich; Ganz war mein Herz an deiner Seite, Und jeder Atemzug für dich. 20 Ein rosenfarbnes Frühlingswetter Umgab das liebliche Gesicht, Und Zärtlichkeit für mich--ihr Götter! Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne 25 Verengt der Abschied mir das Herz: In deinen Küssen welche Wonne! In deinem Auge welcher Schmerz! Ich ging, du standst und sahst zur Erden, Und sahst mir nach mit nassem Blick: 30 Und doch, welch Glück geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück!

+3+

+Neue Liebe neues Leben.+

Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr? Welch ein fremdes neues Leben! Ich erkenne dich nicht mehr. Weg ist alles, was du liebtest, 5 Weg warum du dich betrübtest, Weg dein Fleiss und deine Ruh-- Ach, wie kamst du nur dazu!

Fesselt dich die Jugendblüte, Diese liebliche Gestalt, 10 Dieser Blick voll Treu’ und Güte Mit unendlicher Gewalt? Will ich rasch mich ihr entziehen, Mich ermannen, ihr entfliehen, Führet mich im Augenblick, 15 Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und, an diesem Zauberfädchen, Das sich nicht zerreissen lässt, Hält das liebe lose Mädchen Mich so wider Willen fest; 20 Muss in ihrem Zauberkreise Leben nun auf ihre Weise. Die Verändrung ach wie gross! Liebe! Liebe! lass mich los!

+4+

+Rastlose Liebe.+

Dem Schnee, dem Regen, Dem Wind entgegen, Im Dampf der Klüfte, Durch Nebeldüfte, Immer zu! Immer zu! 5 Ohne Rast und Ruh!

Lieber durch Leiden Möcht’ ich mich schlagen, Als so viel Freuden Des Lebens ertragen. 10 Alle das Neigen Von Herzen zu Herzen, Ach, wie so eigen Schaffet das Schmerzen!

Wie soll ich fliehen? 15 Wälderwärts ziehen? Alles vergebens! Krone des Lebens! Glück ohne Ruh, Liebe, bist du! 20

+5+

+Meeres Stille.+

Tiefe Stille herrscht im Wasser, Ohne Regung ruht das Meer, Und bekümmert sieht der Schifer Glatte Fläche rings umher. Keine Luft von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! In der ungeheuern Weite Reget keine Welle sich.

+6+

+Glückliche Fahrt.+

Die Nebel zerreissen, Der Himmel ist helle, Und Äolus löset Das ängstliche Band. Es säuseln die Winde, Es rührt sich der Schiffer. Geschwinde! Geschwinde! Es teilt sich die Welle, Es naht sich die Ferne; Schon seh’ ich das Land!

+7+

+Wandrers Nachtlieder.+

Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, Ach ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und Lust? Süsser Friede, Komm, ach komm in meine Brust!

Über allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch: Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde Ruhest du auch.

+8+

+Der König in Thule.+

Es war ein König in Thule Gar treu bis an das Grab, Dem sterbend seine Buhle Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber, 5 Er leert’ ihn jeden Schmaus; Die Augen gingen ihm über, So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben, Zählt’ er seine Städt’ im Reich, 10 Gönnt’ alles seinem Erben, Den Becher nicht zugleich.

Er sass beim Königsmahle, Die Ritter um ihn her, Auf hohem Vätersaale, 15 Dort auf dem Schloss am Meer.

Dort stand der alte Zecher, Trank letzte Lebensglut, Und warf den heilgen Becher Hinunter in die Flut. 20

Er sah ihn stürzen, trinken, Und sinken tief ins Meer. Die Augen täten ihm sinken; Trank nie einen Tropfen mehr.

9

_From ‘Prometheus,’ Act 3: The Titan’s defiance._

Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst, Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpft, An Eichen dich und Bergeshöhn; 5 Musst mir meine Erde Doch lassen stehn, Und meine Hütte, die du nicht gebaut, Und meinen Herd, Um dessen Glut 10 Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres Unter der Sonn’, als euch, Götter! Ihr nähret kümmerlich Von Opfersteuern 15 Und Gebetshauch Eure Majestät, Und darbtet, wären Nicht Kinder und Bettler Hoffnungsvolle Toren. 20

Da ich ein Kind war, Nicht wusste wo aus noch ein, Kehrt’ ich mein verirrtes Auge Zur Sonne, als wenn drüber wär’ Ein Ohr, zu hören meine Klage, 25 Ein Herz, wie meins, Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir Wider der Titanen Übermut? Wer rettete vom Tode mich, 30 Von Sclaverei? Hast du nich alles selbst vollendet, Heilig glühend Herz? Und glühtest jung und gut, Betrogen, Rettungsdank 35 Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillet 40 Je des Geängsteten? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit Und das ewige Schicksal, Meine Herren und deine? 45

Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehen, Weil nicht alle Blütenträume reiften? 50

Hier sitz’ ich, forme Menschen, Nach meinem Bilde Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, zu weinen, Zu geniessen und zu freuen sich, 55 Und dein nicht zu achten, Wie ich!

10

_From the ‘Sufferings of Young Werther’: Werther’s communion with the All._

Am 10 Mai.

Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süssen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen geniesse. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, dass meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein grösserer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannichfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! wenn’s dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhen wie die Gestalt einer Geliebten; dann sehne ich mich oft und denke: ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, dass es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes! --Mein Freund-- Aber ich gehe darüber zu Grunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen.

_Homer as an anodyne for a sick heart._

Am 13. Mai.

Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst? --Lieber, ich bitte dich um Gottes willen, lass mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert, angefeuert sein, braust doch dieses Herz genug aus sich selbst; ich brauche Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer. Wie oft lull’ ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich, so unstät, hast du nichts gesehen als dieses Herz. Lieber! brauch’ ich dir das zu sagen, der du so oft die Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süsser Melancholie zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehen? Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet. Sage das nicht weiter, es gibt Leute, die mir es verübeln würden.

_Werther excited by the reading of Ossian._

Am 12. October.

Ossian hat in meinem Herzen den Homer verdrängt. Welch eine Welt, in die der Herrliche mich führt! Zu wandern über die Heide, umsaust vom Sturmwinde, der in dampfenden Nebeln die Geister der Väter im dämmernden Lichte des Mondes hinführt. Zu hören vom Gebirge her im Gebrülle des Waldstroms halb verwehtes Ächzen der Geister aus ihren Höhlen, und die Wehklagen des zu Tode sich jammernden Mädchens, um die vier moosbedeckten grasbewachsenen Steine des Edelgefallnen, ihres Geliebten. Wenn ich ihn dann finde, den wandelnden grauen Barden, der auf der weiten Heide die Fussstapfen seiner Väter sucht, und ach! ihre Grabsteine findet, und dann jammernd nach dem lieben Sterne des Abends hinblickt, der sich ins rollende Meer verbirgt, und die Zeiten der Vergangenheit in des Helden Seele lebendig werden, da noch der freundliche Strahl den Gefahren der Tapferen leuchtete, und der Mond ihr bekränztes siegrückkehrendes Schiff beschien. Wenn ich den tiefen Kummer auf seiner Stirn lese, den letzten verlassenen Herrlichen in aller Ermattung dem Grabe zu wanken sehe, wie er immer neue schmerzlich glühende Freuden in der kraftlosen Gegenwart der Schatten seiner Abgeschiedenen einsaugt, und nach der kalten Erde, dem hohen wehenden Grase niedersieht und ausruft: Der Wanderer wird kommen, kommen, der mich kannte in meiner Schönheit, und fragen: Wo ist der Sänger, Fingals trefflicher Sohn? Sein Fusstritt geht über mein Grab hin, und er fragt vergebens nach mir auf der Erde. --O Freund! Ich möchte gleich einem edlen Waffenträger das Schwert ziehen, meinen Fürsten von der zückenden Qual des langsam absterbenden Lebens befreien und dem befreiten Halbgott meine Seele nachsenden.

_Werther in the depths of despair._

Am 3. November.

Weiss Gott! ich lege mich so oft zu Bette mit dem Wunsche, ja manchmal mit der Hoffnung, nicht wieder zu erwachen; und morgens schlage ich die Augen auf, sehe die Sonne wieder und bin elend. O dass ich launisch sein könnte, könnte die Schuld aufs Wetter, auf einen Dritten, auf eine fehlgeschlagene Unternehmung schieben, so würde die unerträgliche Last des Unwillens doch nur halb auf mir ruhen. Wehe mir! ich fühle zu wahr, dass an mir allein alle Schuld liegt--nicht Schuld! Genug, dass in mir die Quelle alles Elendes verborgen ist, wie ehemals die Quelle aller Seligkeiten. Bin ich nicht noch eben derselbe, der ehemals in aller Fülle der Empfindung herumschwebte, dem auf jedem Tritte ein Paradies folgte, der ein Herz hatte, eine ganze Welt liebevoll zu umfassen? Und dies Herz ist jetzt tot, aus ihm fliessen keine Entzückungen mehr, meine Augen sind trocken, und meine Sinne, die nicht mehr von erquickenden Tränen gelabt werden, ziehen ängstlich meine Stirn zusammen. Ich leide viel, denn ich habe verloren was meines Lebens einzige Wonne war, die heilige Kraft, mit der ich Welten um mich schuf; sie ist dahin! --Wenn ich zu meinem Fenster hinaus an den fernen Hügel sehe, wie die Morgensonne über ihn her den Nebel durchbricht und den stillen Wiesengrund bescheint, und der sanfte Fluss zwischen seinen entblätterten Weiden zu mir herschlängelt,--o! wenn da diese herrliche Natur so starr vor mir steht wie ein lackiertes Bildchen, und alle die Wonne keinen Tropfen Seligkeit aus meinem Herzen herauf in das Gehirn pumpen kann, und der ganze Kerl vor Gottes Angesicht steht wie ein versiegter Brunnen, wie ein verlechter Eimer. Ich habe mich oft auf den Boden geworfen und Gott um Tränen gebeten, wie ein Ackersmann um Regen, wenn der Himmel ehern über ihm ist, und um ihn die Erde verdürstet.

11

_From ‘Letters from Switzerland.’_[1]

Frei wären die Schweizer? frei diese wohlhabenden Bürger in den verschlossenen Städten? frei diese armen Teufel an ihren Klippen und Felsen? Was man dem Menschen nicht alles weiss machen kann! Besonders wenn man so ein altes Märchen in Spiritus aufbewahrt. Sie machten sich einmal von einem Tyrannen los und konnten sich in einem Augenblick frei denken; nun erschuf ihnen die liebe Sonne aus dem Aas des Unterdrückers einen Schwarm von kleinen Tyrannen durch eine sonderbare Wiedergeburt. Nun erzählen sie das alte Märchen immer fort, man hört bis zum Überdruss: sie hätten sich einmal frei gemacht und wären frei geblieben. Und nun sitzen sie hinter ihren Mauern, eingefangen von ihren Gewohnheiten und Gesetzen, ihren Fraubasereien und Philistereien, und da draussen auf den Felsen ist’s auch wohl der Mühe wert von Freiheit zu reden, wenn man das halbe Jahr vom Schnee wie ein Murmeltier gefangen gehalten wird.

* * *

Pfui! wie sieht so ein Menschenwerk und so ein schlechtes notgedrungenes Menschenwerk, so ein schwarzes Städtchen, so ein Schindel- und Steinhaufen, mitten in der grossen herrlichen Natur aus! Grosse Kiesel- und andere Steine auf den Dächern, dass ja der Sturm ihnen die traurige Decke nicht vom Kopfe wegführe, und den Schmutz, den Mist! und staunende Wahnsinnige! --Wo man den Menschen nur wieder begegnet, möchte man von ihnen gleich davon fliehen.

* * *

Dass in den Menschen so viele geistige Anlagen sind, die sie im Leben nicht entwickeln können, die auf eine bessere Zukunft, auf ein harmonisches Dasein deuten, darin sind wir einig, mein Freund, und meine andere Grille kann ich auch nicht aufgeben, ob du mich gleich schon oft für einen Schwärmer erklärt hast. Wir fühlen auch die Ahnung körperlicher Anlagen, auf deren Entwickelung wir in diesem Leben Verzicht tun müssen: so ist es ganz gewiss mit dem Fliegen. So wie mich sonst die Wolken schon reizten, mit ihnen fort in fremde Länder zu ziehen, wenn sie hoch über meinem Haupte wegzogen, so steh’ ich jetzt oft in Gefahr, dass sie mich von einer Felsenspitze mitnehmen, wenn sie an mir vorbeiziehen. Welche Begierde fühl’ ich, mich in den unendlichen Luftraum zu stürzen, über den schauerlichen Abgründen zu schweben und mich auf einen unzugänglichen Felsen niederzulassen. Mit welchem Verlangen hol’ ich tiefer und tiefer Atem, wenn der Adler in dunkler blauer Tiefe, unter mir, über Felsen und Wäldern schwebt, und in Gesellschaft eines Weibchens um den Gipfel, dem er seinen Horst und seine Jungen anvertraut hat, grosse Kreise in sanfter Eintracht zieht. Soll ich denn nur immer die Höhe erkriechen, am höchsten Felsen wie am niedrigsten Boden kleben, und wenn ich mühselig mein Ziel erreicht habe, mich ängstlich anklammern, vor der Rückkehr schaudern und vor dem Falle zittern?

[Notes: 1: The _Briefe aus der Schweiz_, in two parts, were first published in 1808 as an ‘appendix’ to _Werther_. They were said to be ‘from Werther’s papers.’ In substance and sentiment, if not in form, they reproduce real letters written by Goethe in his youth.]

12

_From ‘Faust’: ‘Feeling is everything.’_

MARGARETE

Versprich mir, Heinrich!

FAUST

Was ich kann!

MARGARETE

Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, Allein ich glaub’, du hältst nicht viel davon.

FAUST

Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut; 5 Für meine Lieben liess’ ich Leib und Blut, Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

MARGARETE

Das ist nicht recht, man muss dran glauben!

FAUST

Muss man?

MARGARETE

Ach! wenn ich etwas auf dich könnte! Du ehrst auch nicht die heilgen Sacramente. 10

FAUST

Ich ehre sie.

MARGARETE

Doch ohne Verlangen. Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen Glaubst du an Gott?

FAUST

Mein Liebchen, wer darf sagen: Ich glaub’ an Gott? Magst Priester oder Weise fragen, 15 Und ihre Antwort scheint nur Spott Über den Frager zu sein.

MARGARETE

So glaubst du nicht?

FAUST

Mishör’ mich nicht, du holdes Angesicht! Wer darf ihn nennen? Und wer bekennen: 20 Ich glaub’ ihn? Wer empfinden Und sich unterwinden Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht? Der Allumfasser, 25 Der Allerhalter, Fasst und erhält er nicht Dich, mich, sich selbst? Wölbt sich der Himmel nicht da droben? Liegt die Erde nicht hierunten fest? 30 Und steigen freundlich blickend Ewige Sterne nicht herauf? Schau’ ich nicht Aug’ in Auge dir, Und drängt nicht alles Nach Haupt und Herzen dir, 35 Und webt in ewigem Geheimnis Unsichtbar sichtbar neben dir? Erfüll’ davon dein Herz, so gross es ist, Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist, Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! 40 Ich habe keinen Namen Dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himmelsglut.

MARGARETE

Das ist alles recht schön und gut; 45 Ungefähr sagt das der Pfarrer auch, Nur mit ein bischen andern Worten.

FAUST

Es sagen’s aller Orten Alle Herzen unter dem himmlischen Tage, Jedes in seiner Sprache; 50 Warum nicht ich in der meinen?

MARGARETE

Wenn man’s so hört, möcht’s leidlich scheinen, Steht aber doch immer schief darum; Denn du hast kein Christentum.

+LXXV. MINOR DRAMATISTS OF THE STORM AND STRESS ERA+

The name ‘Storm and Stress,’ derived from a play of Klinger (see below), has long been in use to denote the insurgent spirit of the youthful Goethe (beginning with _Götz von Berlichingen_ in 1773), and of certain other writers who followed in his wake. Aside from Schiller, whose early plays are the strongest expression of the revolutionary tendencies, the other more important names are Klinger, Wagner, Lenz, Leisewitz, and Maler Müller. Their favorite form was the prose tragedy of middle-class life. They wrote of crime and remorse; of fratricide, seduction, rape and child-murder; of class conflict, and of fierce passion at war with the social order. While their plays were meant to exemplify a fearless ‘naturalism,’ the language is often unnaturally extravagant and the plots wildly improbable. For the texts see Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vols. 79-81.

1

_From Klinger’s ‘Storm and Stress,’ Act 1, Scene 1._[1]

Zimmer im Gasthofe.

WILD, LA FEU, BLASIUS (_treten auf in Reisekleidern_).

WILD. Heida! nun einmal in Tumult und Lärmen, dass die Sinnen herumfahren wie Dachfahnen beim Sturm! Das wilde Geräusch hat mir schon so viel Wohlsein entgegengebrüllt, dass mir’s wirklich ein wenig anfängt besser zu werden. Soviel hundert Meilen gereiset, um dich in vergessenden Lärmen zu bringen--tolles Herz! du sollst mir’s danken! Ha! tobe und spanne dich dann aus, labe dich im Wirrwar! --Wie ist’s euch?

BLASIUS. Geh zum Teufel! Kommt meine Donna nach?

LA FEU. Mach dir Illusion, Narr! Sollt’ mir nicht fehlen, sie von meinem Nagel in mich zu schlürfen, wie einen Tropfen Wasser. Es lebe die Illusion! --Ei, ei! Zauber meiner Phantasie, wandle in den Rosengärten von Phyllis’ Hand geführt--

WILD. Stärk’ dich Apoll, närrischer Junge!

LA FEU. Es soll mir nicht fehlen, das schwarze verrauchte Haus gegenüber, mitsamt dem alten Turm, in ein Feenschloss zu verwandeln. Zauber, Zauberphantasie!-- (_lauschend_) Welch lieblich geistige Symphonieen treffen mein Ohr? --Beim Amor! ich will mich wie ein alt Weib verlieben, in einem alten baufälligen Haus wohnen, meinen zarten Leib in stinkenden Mistlaken baden, bloss um meine Phantasie zu scheren. Ist keine alte Hexe da, mit der ich scharmieren könnte? Ihre Runzeln sollen mir zu Wellenlinien der Schönheit werden; ihre herausstehende schwarze Zähne zu marmornen Säulen an Dianens Tempel; ihre herabhangende lederne Zitzen Helenens Busen übertreffen. Einen so aufzutrocknen, wie mich! --He, meine phantastische Göttin! --Wild, ich kann dir sagen, ich hab’ mich brav gehalten die Tour her. Hab’ Dinge gesehen, gefühlt, die kein Hund geschmeckt, keine Nase gerochen, kein Aug gesehen, kein Geist erschwungen--

WILD. Besonders wenn ich dir die Augen zuband. Ha! Ha!

LA FEU. Zum Orcus! du Ungestüm! --Aber sag’ mir nun auch einmal, wo sind wir in der wirklichen Welt jetzt? In London doch?

WILD. Freilich. Merktest du denn nicht, dass wir uns einschifften? Du warst ja seekrank.

LA FEU. Weiss von allem nichts, bin an allem unschuldig. --Lebt denn mein Vater noch? Schick doch einmal zu ihm, Wild, und lass ihm sagen, sein Sohn lebe noch. Käme soeben von den Pyrenäischen Gebirgen aus Friesland. Weiter nichts.

WILD. Aus Friesland?

LA FEU. In welchem Viertel der Stadt sind wir dann?

WILD. In einem Feenschloss, La Feu! Siehst du nicht den goldnen Himmel? die Amors und Amouretten? die Damen und Zwergchen?

LA FEU. Bind’ mir die Augen zu! (_Wild bindet ihm zu._) Wild! Esel! Ochse! nicht zu hart! (_Wild bindet ihn los._) He! Blasius, lieber, bissiger, kranker Blasius, wo sind wir?

BLASIUS. Was weiss ich?

WILD. Um euch einmal aus dem Traum zu helfen, so wisst, dass ich euch aus Russland nach Spanien führte, weil ich glaubte, der König fange mit dem Mogol Krieg an. Wie aber die spanische Nation träge ist, so war’s auch hier. Ich packte euch also wieder auf, und nun seid ihr mitten im Krieg in Amerika. Ha! lass mich’s nur recht fühlen, auf amerikanischem Boden zu stehen, wo alles neu, alles bedeutend ist. Ich trat ans Land--O dass ich keine Freude rein fühlen kann!

LA FEU. Krieg und Mord! o meine Gebeine! o meine Schutzgeister! --So gib mir doch ein Feenmärchen! o weh mir!

BLASIUS. Dass dich der Donner erschlüg’, toller Wild! was hast du wieder gemacht? Ist Donna Isabella noch? He! willst du reden? meine Donna!

WILD. Ha! Ha! Ha! du wirst ja einmal ordentlich aufgebracht.

BLASIUS. Aufgebracht? Einmal aufgebracht? Du sollst mir’s mit deinem Leben bezahlen, Wild! Was? bin ich wenigstens ein freier Mensch. Geht Freundschaft so weit, dass du in deinen Rasereien einen durch die Welt schleppst wie Kuppelhunde? Uns in die Kutsche zu binden, die Pistole vor die Stirn zu halten, immer fort, klitsch! klatsch! In der Kutsche essen, trinken, uns für Rasende auszugeben, In Krieg und Getümmel von meiner Passion weg, das einzige, was mir übrig blieb--

WILD. Du liebst ja nichts, Blasius.

BLASIUS. Nein, ich liebe nichts. Ich hab’s so weit gebracht, nichts zu lieben, und im Augenblick alles zu lieben, und im Augenblick alles zu vergessen. Ich betrüge alle Weiber, dafür betrügen und betrogen mich alle Weiber. Sie haben mich geschunden und zusammengedrückt, dass Gott erbarm’! Ich hab’ alle Figuren angenommen. Dort war ich Stutzer, dort Wildfang, dort tölpisch, dort empfindsam, dort Engelländer, und meine grösste Conquete machte ich, da ich nichts war. Das war bei Donna Isabella. Um wieder zurückzukommen--deine Pistolen sind geladen--

WILD. Du bist ein Narr, Blasius, und verstehst keinen Spass.

BLASIUS. Schöner Spass dies! Greif zu! ich bin dein Feind den Augenblick.

WILD. Mit dir mich schiessen? Sieh, Blasius! Ich wünschte jetzt in der Welt nichts als mich herumzuschlagen, um meinem Herzen einen Lieblingsschmaus zu geben. Aber mit dir? Ha! Ha! (_Hält ihm die Pistole vor._) Sieh ins Mundloch und sag, ob dir’s nicht grösser vorkommt als ein Tor in London? Sei gescheit, Freund! Ich brauch’ und lieb’ euch noch, und ihr mich vielleicht auch. Der Teufel konnte keine grössre Narren und Unglücksvögel zusammen führen als uns. Deswegen müssen wir zusammen bleiben, und auch des Spasses halben. Unser Unglück kommt aus unserer eignen Stimmung des Herzens, die Welt hat dabei getan, aber weniger als wir.

BLASIUS. Toller Kerl! Ich bin ja ewig am Bratspiess.

LA FEU. Mich haben sie lebendig geschunden und mit Pfeffer eingepökelt. --Die Hunde!

WILD. Wir sind nun mitten im Krieg hier, die einzige Glückseligkeit, die ich kenne, im Krieg zu sein. Geniesst der Scenen, tut was ihr wollt.

LA FEU. Ich bin nicht für’n Krieg.

BLASIUS. Ich bin für nichts.

WILD. Gott mach euch noch matter! --Es ist mir wieder so taub vorm Sinn. So gar dumpf. Ich will mich über eine Trommel spannen lassen, um eine neue Ausdehnung zu kriegen. Mir ist so weh wieder. O könnte ich in dem Raum dieser Pistole existieren, bis mich eine Hand in die Luft knallte! O Unbestimmtheit! wie weit, wie schief führst du die Menschen!

[Notes: 1: Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) was a fellow-townsman and friend of Goethe. His _Sturm und Drang_, which was at first named _Wirrwarr_, came out in 1776. The scene is ‘America.’ The speakers are Wild, a lusty and masterful man of action; Blasius, a _blasé_ worldling; and La Feu, a sentimental dreamer. They propose to try their fortunes in the French-Indian War.]

2

_From Leisewitz’ ‘Julius of Tarentum,’ Act 3, Scene 3._[2]

GUIDO, JULIUS

GUIDO. Julius, kannst du die Tränen eines Vaters ertragen? Ich kann’s nicht.

JULIUS. Ach, Bruder, wie könnt’ ich?

GUIDO. Meine ganze Seele ist aus ihrer Fassung, ich möchte mir das Gewühl einer Schlacht wünschen, um wieder zu mir selbst zu kommen. --Und das kann eine Träne? Ach, was ist der Mut für ein wunderbares Ding! Fast möchte ich sagen, keine Stärke der Seele, bloss Bekanntschaft mit einem Gegenstande--und wenn das ist, ich bitte dich, was hat der Held, den eine Träne ausser sich bringt, an innerer Würde vor dem Weibe voraus, das vor einer Spinne auffährt?

JULIUS. Bruder, wie sehr gefällt mir dieser dein Ton!

GUIDO. Mir nicht, wie kann mir meine Schwäche gefallen! Ich fühle, dass ich nicht Guido bin. Wahrhaftig, ich zittre--o wenn das ist, so werd’ ich bald auf die rechte Spur kommen!--ich hab’ ein Fieber!

JULIUS. Seltsam--dass sich ein Mensch schämt, dass sein Temperament stärker ist als seine Grundsätze.

GUIDO. Lass uns nicht weiter davon reden!--meine jetzige Laune könnte darüber verfliegen, und ich will sie nutzen! Man muss gewisse Entschlüsse in diesem Augenblick ausführen, aus Furcht, sie möchten uns in den künftigen gereuen. Du weisst es, Bruder, ich liebe Blancan, und habe meine Ehre zum Pfande gegeben, dass ich sie besitzen wollte. --Aber diese Tränen machen mich wankend.

JULIUS. Du setzest mich in Erstaunen.

GUIDO. Ich glaube meiner Ehre genug getan zu haben, wenn sie niemand anders besitzt, wenn sie bleibt, was sie ist--denn wer kann auf den Himmel eifersüchtig sein? Aber du siehst, wenn ich meine Ansprüche aufgebe, so musst du auch die deinigen, mit all den Entwürfen, sie jemals in Freiheit zu setzen, aufgeben. --Lass uns das tun, und wieder Brüder und Söhne sein! --Wie wird sich unser Vater freuen, wenn er uns beide zu gleicher Zeit am Ziel sieht, wenn wir beide aus dem Kampfe mit einander als Sieger zurückkommen, und keiner überwunden. --Und noch heute muss das geschehen, heut’ an seinem Geburtstage.

JULIUS. Ach, Guido!

GUIDO. Eine entscheidende Antwort!

JULIUS. Ich kann nicht.

GUIDO. Du willst nicht? so kann ich auch nicht. Aber von nun an bin ich unschuldig an diesen väterlichen Tränen, ich schwör’ es, ich bin unschuldig. Auch ich bekäme meinen Anteil davon, sagt’ er. --Siehe, ich wälze ihn hiemit auf dich. Dein ist die ganze Erbschaft von Tränen und Flüchen!

JULIUS. Du bist ungerecht,--glaubst du denn, dass sich eine Leidenschaft so leicht ablegen lasse, wie eine Grille, und dass man die Liebe an- und ausziehen könne, wie einen Harnisch? --Ob ich will--ob ich will--wer liebt, will lieben und weiter nichts. --Liebe ist die grosse Feder in dieser Maschine; und hast du je eine so widersinnig künstliche Maschine gesehen, die selbst ein Rad treibt, um sich zu zerstören, und doch noch eine Maschine bleibt?

GUIDO. Ungemein fein, ungemein gründlich--aber unser armer Vater wird sterben!

JULIUS. Wenn das geschieht, so bist du sein Mörder! --Deine Eifersucht wird ihn töten, und hast du nicht eben gesagt, du könntest deine Ansprüche aufgeben, wenn du wolltest--heisst das nicht gestehen, dass du sie nicht liebst, und doch bleibst du halsstarrig? Dein Aufgeben wär’ nicht Tugend gewesen, aber dein Beharren ist Laster!

GUIDO. Bravo! Bravo! Das war unerwartet.

JULIUS. Und was meinst du denn?

GUIDO. Ich will mich erst ausfreuen, dass die Weisheit eben so eine schlanke geschmeidige Nymphe ist, als die Gerechtigkeit, eben so gut ihre Fälle für einen guten Freund hat. Ich könnte meine Ansprüche aufgeben, wenn ich wollte? --Wenn die Ehre will! --Das ist die Feder in meiner Maschine--du kannst nichts tun, ohne die Liebe zu fragen, ich nichts, ohne die Ehre:--wir beide können also für uns selbst nichts, das, denk’ ich, ist doch wohl ein Fall.

JULIUS. Hat man je etwas so Unbilliges gehört, die erste Triebfeder der menschlichen Natur mit der Grille einiger Toren zu vergleichen?

GUIDO. Einiger Toren! --Du rasest! --Ich verachte dich, wie tief stehst du unter mir! Ich halte meine Rührung durch Tränen für Schwachheit,--aber zu diesem Grade meiner Schwachheit ist deine Tugend noch nicht einmal gestiegen.

JULIUS. Es ist immer dein Fehler gewesen, über Empfindungen zu urteilen, die du nicht kennst.

GUIDO. Und dabei immer ums dritte Wort von Tugend zu schwatzen! --Ich glaube, wenn du nun am Ziel deiner Wünsche bist und deinen Vater auf der Bahre siehst, so wirst du anstatt nach getaner Arbeit zu rasten, noch die Leichenträger unterrichten, was Tugend sei, oder was sie nicht sei!

JULIUS. Wie hab’ ich mich geirrt! Bist du nicht schon wieder in deinem gewöhnlichen Tone?

GUIDO. Siehe, du hoffest auf seinen Tod, kannst du das leugnen? Glaubst du, dass ich es nicht sehe, dass du alsdenn das Mädchen aus dem Kloster entführen willst? --Es ist wahr, alsdann bist du Fürst von Tarent, und ich bin nichts--als ein Mann. --Aber dein zartes Gehirnchen könnte zerreissen, wenn du das alles lebhaft dächtest, was ein Mann kann. --Gott sei Dank, es gibt Schwerter, und ich hab’ einen Arm, der noch allenfalls ein Mädchen aus den weichen Armen eines Zärtlings reissen kann! Ruhig sollst du sie nicht besitzen, ich will einen Bund mit dem Geiste unsers Vaters machen, der an deinem Bette winseln wird.

JULIUS. Ich mag so wenig als unser Vater von dir im Affekt hören, was du tun willst. (_Ab._)

[Notes: 2: Published in 1776--the same year with Klinger’s _Die Zwillinge_, which also deals with fratricide. Julius, the crown prince, is a studious and romantic dreamer; Guido, a young hotspur. Their father has just been imploring them to end their futile quarrel over the girl Blanca, who has been sent to a nunnery. --_Julius of Tarentum_ is by far the most important work of its author, Johann Anton Leisewitz (1752-1806).]

3

_From Maler Müller’s ‘Golo and Genevieve,’ Act 3, Scene 4._[3]

GOLO (_hervor_). Wie unruhig die Nacht! Hat mich der schönste Stern hervorgezischt? Oder war sie es selbst, die jetzt ebenso liebeunruhig im Grünen irret wie ein angeschossen Reh, meiner heissen Sehnsucht zu begegnen? Wie entglommen mein Herz! O Mathilde, du sagtest mir nicht alles; ich bin wohl glücklicher als ich es selbst gewusst.

Ach, süsses Glück der Liebe, Wer dich nicht kost, Des Lebens Freude kennt er nicht, Des Lebens besten Schatz.

Still! Was hör’ ich droben am Fenster? Sie selbst, o Himmel! (_Zieht sich in die Grotte._)

GENOVEVA (_oben auf dem Altan_). Die du alles bedeckst, Nacht, bedecke auch meinen Gram, süsse, liebe, heitere Nacht! Ich bin schon wieder froh. Was trauere ich denn auch? Was hat mein Herz verbrochen? (_Singt._)

Viel lieber wollt’ nicht leben Als mich dem Gram ergeben; Der Gram das Leben frisst.

Was nur der Waldbruder meinte? Sollte es möglich sein, grosser Gott, möglich? Golo ein Verräter an mir, an Siegfried, der ihn so brüderlich liebt? Und warum sollt’ er’s sein? Worin? (_Singt._)

Aufs sichere Nest kein Vogel geht, Auch Sturm es manchmal rüttelt; Kein Baum im freien Walde weht, Den Winters Gewalt nicht schüttelt. Was auf der Erde lebt und steht; Wechselt immer Schmerz und Wonne; Der Winter wohl nach Sommer geht, Nach Regen lacht die Sonne.

Also packt euch, ihr Grillen, wohin ihr wollt; ich mag nicht länger mit euch zu schaffen haben. Wie angenehm der falbe Mondglanz zwischen den Bäumen dort unten! Ich will auch hinunter, mich noch ein Weilchen erlaben, jetzt, da ich allein bin. Das will ich. (_Ab._)

GOLO. Kommt sie herunter? Sie fliegt herunter meinen Armen zu. O Stunde, Stunde, bist du da? Ich hör’, ich hör’ sie schon; da ist sie, da bin ich, wie über Wolken zu dir auf, himmlisches, seliges Wesen!

GENOVEVA. Wer hält mich? Wer ist da? Himmel! Bin ich nicht allein?

GOLO. Ach, kannst du noch fragen? Ich bin’s, Genoveva, ich, der schon so lange anbetet, nach dir lechzt wie der Hirsch nach frischem Trank, nach dir! Genoveva, Genoveva, du, selig machst du mich jetzt, selig! (_Er kniet vor ihr und hält sie._)

GENOVEVA. Edler Ritter, lasst ab, ich bitt’ Euch; haltet ein, Ihr irrt.

GOLO. O Leben! Nimm mir das Leben! Teure, ich liebe Euch, liebe Euch.

GENOVEVA. Ihr liebt mich, Ritter? Wie? Ihr? Was sagt Ihr?

GOLO

Ach hier, wo sich mein Herz verlor, In süssen Jugendtagen, Ihr Stauden, hänget noch betrübt Von meinen schweren Klagen! O schau’ hinauf ins Sternenchor, Sie werden’s all dir sagen, Wie treu und rein der Ritter liebt, Der dir so ist ergeben. So rein ihr Schein, Steht hoffnungsfroh nach dir allein Mein Streben und mein Leben.

Erlös’ mich, schönstes Herz, eine arme Seele ans Flammen zu dir! Erbarme dich!

GENOVEVA (_zitternd_). Was wollt Ihr? Golo, Golo, was sprecht Ihr? Gedenkt doch--O nein, nein, es darf ja nicht--Schweigt doch, der Himmel hört uns beide. Schaut um Euch, junger Ritter; in der Welt werdet Ihr noch eine schöne Gemahlin finden, die Euch trösten darf; sprecht nicht so zu mir; ich vermag’s ja nicht.

GOLO. O bei den Lichtern, die dort oben brennen, keine unter dem Himmel und auf Erden als du allein! Eh soll sich dies Herz so in Glut verzehren! Du allein, süsses, seliges Wesen, dein Abdruck, rein bis in den Tod.

GENOVEVA. O lasst mich, lasst mich, lasst mich doch, Ritter! Kann Euch nicht länger anhören. O Himmel!

GOLO. Flieh nicht, Genovevchen, reissest mir die Seele mit weg. Ermorde mich, Grausame; gib mir den Tod; sage, du wollest mich nicht trösten; dein Zorn macht mich zur Leiche.

GENOVEVA. Golo! Ritter, bedenkt doch ums Himmels willen!

GOLO. Es ist vorbei, ich kann nicht. (_Küsst ihre Hand._)

GENOVEVA. Halt!

GOLO. Engel, süsser Engel!

GENOVEVA. Falscher, was treibt Ihr? Unsinniger!

GOLO. Umsonst! Umsonst! (_Umfasst sie und trägt sie der Höhle zu._)

GENOVEVA. Ungeheuer! Nicht edler Ritter! --Ihr droben, erbarmt euch mein! Hilfe! Hilfe!

(_Dragones der Grotte zu._)

DRAGONES. Was gibt’s hier? Steht! Wer ist’s? --Eure Stimme, Gräfin? Ehrenräuber! Wer du auch bist, halt! Halt!

GOLO (_lässt Genoveven los, schlägt den Mantel vor._) Hölle! O alles! Da, nimm’s, ungebetener Hund!

DRAGONES. Weh mir! Bin verwundet! Hilfe! O Hilfe!

GOLO. Was soll ich nun? Genoveva! Was fang’ ich nun an? Verflucht! Dort kommen mehr Leute. Ich muss flüchten, bin verraten, verloren. Weh! Weh!

[Notes: 3: Friedrich Müller (1749-1825), commonly distinguished as Maler Müller, wrote his _Golo und Genoveva_ between 1775 and 1781. Siegfried, Count Palatine, has gone to aid Charles Martel against the Moors, leaving his virtuous and saintly wife, Genevieve, in the care of his trusted vassal Golo. Inflamed by lust and perverted by evil counsels, Golo proves faithless to his trust. The scene is in Genevieve’s castle-garden, where Golo has hidden in a grotto.]

+LXXVI. THE GÖTTINGEN POETIC ALLIANCE+

In the year 1772 a number of Göttingen youths formed a society for the cultivation of a vigorous _Deutschtum_ in what they supposed to be the spirit of the forefathers. Klopstock was their hero, Wieland their aversion. They wrote songs, ballads, odes, idyls, elegies, etc., treating of freedom, virtue, love of country, the brave days of old; of nature and the seasons; of common folk and their employments. Their work accords with the general spirit of the ‘Storm and Stress,’ and here and there presages the romantic movement. Of the selections, Nos. 1, 4, 9 are by Count Friedrich Leopold Stolberg (1750-1819); Nos. 2, 5 by Johann Heinrich Voss (1751-1826); Nos. 3, 6, 10 by Ludwig Hölty (1748-1776); Nos. 7, 8 by Johann Martin Miller (1750-1814). See Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vols. 49-50.

+1+

+Die Freiheit.+

Freiheit! Der Höfling kennt den Gedanken nicht, Sklave! Die Kette rasselt ihm Silberton! Gebeugt das Knie, gebeugt die Seele, Reicht er dem Joche den feigen Nacken.

Mir ein erhabner, schauergebärender 5 Wonne-Gedanke! Fre heit, ich fühle dich! Das ganze Herz, von dir erfüllet, Strömet in voller Empfindung über!

Nektar der Seele! Helden entflammtest du, Welchen die Nachwelt jedes Erstaunen weiht, 10 Du stärktest sie! In Sklavenhänden Rostet der Stahl, wird entnervt der Bogen.

Wer für die Freiheit, wer für das Vaterland Mutig den Arm hebt, leuchtet im Blute wie Der Blitz des Nachtsturms; der Gefahren 15 Trübt ihm nicht eine die heitre Stirne.

Namen, mir festlich wie ein Triumphgesang: Brutus! Tell! Hermann! Cato! Timoleon! Im Herzen des, dem freie Seele Gott gab, mit Flammenschrift eingegraben. 20

+2+

+An Goethe.+[1]

Der du edel entbranntst, wo hochgelahrte Diener Justinians Banditen zogen, Die in Roms Labyrinthen Würgen das Recht der Vernunft;

Freier Goethe, du darfst die goldne Fessel, Aus des Griechen Gesang geschmiedet, höhnen! Shakespeare dürft’ es und Klopstock, Söhne gleich ihm der Natur!

Mag doch Heinrichs Homer,[2] im trägen Mohnkranz, Mag der grosse Corneill’, am Aristarchen-- Trone knieend, das Klatschen Staunender Leutlein erflehn!

Deutsch und eisern wie Götz, sprich Hohn den Schurken-- Mit der Fessel im Arm! Des Sumpfes Schreier Schmäht der Leu zu zerstampfen, Wandelt durch Wälder und herrscht!

[Notes: 1: The ode, written in 1773, alludes to Goethe’s newly published _Götz_, in which there are some drastic comments on German legal procedure under the Code Justinian. 2: Allusion to Voltaire’s _Henriade_.]

+3+

+An Teuthard.+[3]

Trotz jedem Ausland stürmet Begeisterung In deutschen Seelen. Barden, ihr zeuget es, Die ihr von Sarons Palmen und von Heimischen Eichen euch Kränze wandet!

Mit schnellern Flügen als der Hesperier 5 Und Brite flogt ihr, Barden des Vaterlands, Zu Bragas Gipfel! Noch war Dämmrung; Dämmrung zerflog, und die Mittagssonne

Stand hoch am Himmel. --Muse Teutoniens, Du bietest deiner Schwester, der Britin, Trotz 10 Und überfleugst sie bald! Du lächelst, Muse, der gaukelnden Afterschwester,

Die in den goldnen Sälen Lutetiens Ihr Liedchen klimpert. Schande dem Sohne Teuts, Der’s durstig trinket, weil es Wollust 15 Durch die entloderten Adern strömet!

Kein deutscher Jüngling wähle das Mädchen sich, Das deutsche Lieder hasset und Buhlersang Des Galliers in ihre Laute Tändelnde Silberaccorde tönet! 20

Schwing deine Geissel, Sänger der Tugend, schwing Die Feuergeissel, welche dir Braga gab, Die Natternbrut, die unsre deutsche Redlichkeit, Keuschheit und Treue tötet,

Zurückzustäupen! Ich will, o Freund, indes, 25 Wenn deine Geissel brauset, des tollen Schwarms Am Busen eines deutschen Mädchens Unter den Blumen des Frühlings lachen.

[Notes: 3: Teuthard--poetic name for a rugged Old German--is Fritz Hahn, a member of the Alliance.]

+4+

+Lied eines deutschen Knaben.+

Mein Arm wird stark, und gross mein Mut, Gib, Vater mir ein Schwert! Verachte nicht mein junges Blut, Ich bin der Väter wert!

Ich finde fürder keine Ruh 5 Im weichen Vaterland! Ich stürb, o Vater, stolz wie du, Den Tod fürs Vaterland!

Schon früh in meiner Jugend war Mein täglich Spiel der Krieg; 10 Im Bette träumt’ ich nur Gefahr Und Wunden nur und Sieg.

Mein Feldgeschrei erweckte mich Aus mancher Türkenschlacht; Noch jüngst ein Faustschlag, welchen ich 15 Dem Bassa zugedacht.

Da neulich unsrer Krieger Schar Auf dieser Strasse zog, Und, wie ein Vogel der Husar Das Haus vorüberflog: 20

Da gaffte starr und freute sich Der Knaben froher Schwarm; Ich aber, Vater, härmte mich Und prüfte meinen Arm.

Mein Arm wird stark, und gross mein Mut, 25 Gib, Vater, mir ein Schwert! Verachte nicht mein junges Blut, Ich bin der Väter wert!

+5+

+Trinklied für Freie.+

Mit Eichenlaub den Hut bekränzt! Wohlauf! und trinkt den Wein, Der duftend uns entgegenglänzt! Ihn sandte Vater Rhein.

Ist einem noch die Knechtschaft wert, 5 Und zittert ihm die Hand, Zu heben Kolbe, Lanz’ und Schwert, Wenn’s gilt fürs Vaterland:

Weg mit dem Schurken, weg von hier! Er kriech’ um Schranzenbrot, 10 Und sauf’ um Fürsten sich zum Tier, Und bub’[4] und lästre Gott!

Und putze seinem Herrn die Schuh, Und führe seinem Herrn Sein Weib und seine Tochter zu 15 Und trage Band und Stern!

Für uns, für uns ist diese Nacht, Für uns der edle Trank! Man keltert’ ihn, als Frankreichs Macht In Höchstädts[5] Tälern sank. 20

Drum, Brüder, auf! den Hut bekränzt! Und trinkt, und trinkt den Wein, Der duftend uns entgegenglänzt! Uns sandt’ ihn Vater Rhein.

Uns rötet hohe Freiheitsglut, 25 Uns zittert nicht die Hand, Wir scheuten nicht des Vaters Blut, Geböt’s das Vaterland.

Uns, uns gehöret Hermann an, Und Tell, der Schweizerheld, 30 Und jeder freie deutsche Mann; Wer hat den Sand gezählt?

[Notes: 4: _Buben_, ‘indulge in shameless vice.’ 5: At Höchstädt in Bavaria the French were defeated in 1704 by the English and Germans.]

+6+

+Vaterlandslied.+

Gesegnet mir, mein Vaterland, Wo ich so viele Tugend fand, Gesegnet mir, mein Vaterland!

Die Männer haben Heldenmut, Verströmen Patriotenblut, Sind edel auch dabei und gut.

Die Weiber sind den Engeln gleich, Es ist, fürwahr, ein Himmelreich, Ihr Preislichen, zu schauen euch.

Sie lieben Zucht und Biedersinn. O selig Land, worin ich bin! O möcht’ ich lange leben drin!

+7+

+Lob der Alten.+

Es leben die Alten, Die Mädchen und Wein Für Mittel gehalten Sich weislich zu freun! Sie übten die Pflichten 5 Des Biedermanns aus Und lachten in Züchten Beim nächtlichen Schmaus.

Da lud man die Jugend Zum Mahle mit ein, 10 Und predigte Tugend Durch Taten allein; Man rühmte die Grossen, Die, tapfer und gut, Kein andres vergossen 15 Als feindliches Blut.

Dem Lande zu Ehren Nahm jeder sein Glas; Vergnügen half’s leeren, Doch hielten sie Mass, 20 Und lachten sich nüchtern Und sangen in Ruh Von fröhlichen Dichtern Ein Liedchen dazu.

Um Mitternacht schieden 25 Sie küssend vom Schmaus, Und kehrten in Frieden Zum Weibchen nach Haus. Es leben die Alten! Wir folgen dem Brauch, 30 Auf den sie gehalten, Und freuen uns auch.

+8+

+Deutsches Trinklied.+

Auf, ihr meine deutschen Brüder, Feiern wollen wir die Nacht! Schallen sollen frohe Lieder, Bis der Morgenstern erwacht! Lasst die Stunden uns beflügeln! 5 Hier ist echter, deutscher Wein, Ausgepresst auf deutschen Hügeln Und gereift am alten Rhein!

Wer im fremden Tranke prasset, Meide dieses freie Land! 10 Wer des Rheines Gabe hasset, Trik’ als Knecht am Marnestrand! Singt in lauten Wechselchören! Ebert, Hagedorn und Gleim Sollen uns Gesänge lehren; 15 Denn wir lieben deutschen Reim.

Trotz geboten allen denen, Die, mit Galliens Gezier, Unsre Nervensprache höhnen! Ihrer spotten wollen wir! 20 Ihrer spotten! Aber, Brüder, Stark und deutsch, wie unser Wein, Sollen immer unsre Lieder Bei Gelag und Mahlen sein.

Unser Kaiser Joseph lebe! 25 Biedermann und deutsch ist er. Hermanns hoher Schatten schwebe Waltend um den Enkel her, Dass er, mutig in Gefahren, Sich dem Vaterlande weih’, 30 Und in Kindeskinder-Jahren Muster aller Kaiser sei!

Jeder Fürst im Lande lebe, Der es treu und redlich meint! Jedem wackern Deutschen gebe 35 Gott den wärmsten Herzensfreund, Und ein Weib in seine Hütte, Das ihm sei ein Himmelreich, Und ihm Kinder geb’, an Sitte Seinen braven Vätern gleich! 40

Leben sollen alle Schönen, Die, von fremder Torheit rein, Nur des Vaterlandes Söhnen Ihren keuschen Busen weihn! Deutsche Redlichkeit und Treue 45 Macht uns ihrer Liebe wert: Drum wohlauf! der Tugend weihe Jeder-sich, der sie begehrt!

+9+

+An die Natur.+

Süsse, heilige Natur, Lass mich gehn auf deiner Spur! Leite mich an deiner Hand, Wie ein Kind am Gängelband!

Wenn ich dann ermüdet bin, Rück ich dir am Busen hin, Atme süsse Himmelslust, Hangend an der Mutter Brust.

Ach, mir ist so wohl bei dir! Will dich lieben für und für. Lass mich gehn auf deiner Spur, Süsse, heilige Natur!

+10+

+Frühlingslied.+

Die Luft ist blau, das Tal ist grün, Die kleinen Maienglocken blühn Und Schlüsselblumen drunter; Der Wiesengrund Ist schon so bunt Und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt, Und freue sich der schönen Welt Und Gottes Vatergüte, Die diese Pracht Hervogebracht, Dem Baum und seine Blüte.

+LXXVII. GOTTFRIED AUGUST BÜRGER+

1747-1794. The stormy decade 1770-1780, which quickened other germs of what was afterwards to be known as romanticism, brought with it a notable renascence of the ballad. By general consent the first place in the balladry of the time belongs to Bürger’s _Lenore_ (1774). The uncanny supernaturalism and onomatopœic word-jingles, which had lent a mysterious fascination to many an old ballad, but had virtually disappeared from the lyric poetry of the reason-worshiping century, were here revived with telling effect.

+Lenore.+

Lenore fuhr ums Morgenrot Empor aus schweren Träumen: “Bist untreu, Wilhelm, oder tot? Wie lange willst du säumen?” Er war mit König Friedrichs Macht 5 Gezogen in die Prager Schlacht, Und hatte nicht geschrieben, Ob er gesund geblieben.

Der König und die Kaiserin, Des langen Haders müde, 10 Erweichten ihren harten Sinn Und machten endlich Friede; Und jedes Heer, mit Sing und Sang, Mit Paukenschlag und Kling und Klang, Geschmückt mit grünen Reisern, 15 Zog heim zu seinen Häusern.

Und überall all überall, Auf Wegen und auf Stegen, Zog alt und jung dem Jubelschall Der Kommenden entgegen. 20 Gottlob! rief Kind und Gattin laut, Willkommen! manche frohe Braut. Ach! aber für Lenoren War Gruss und Kuss verloren.

Sie frug den Zug wohl auf und ab, 25 Und frug nach allen Namen; Doch keiner war, der Kundschaft gab, Von allen, so da kamen. Als nun das Heer vorüber war, Zerraufte sie ihr Rabenhaar 30 Und warf sich hin zur Erde, Mit wütiger Gebärde.

Die Mutter lief wohl hin zu ihr:-- “Ach, dass sich Gott erbarme! Du trautes Kind, was ist mit dir?”-- 35 Und schloss sie in die Arme.-- “O Mutter, Mutter, hin ist hin! Nun fahre Welt und alles hin! Bei Gott ist kein Erbarmen. O weh, o weh mir Armen!”-- 40

“Hilf Gott, hilf! Sieh uns gnädig an! Kind, bet’ ein Vaterunser! Was Gott tut, das ist wohlgetan. Gott, Gott erbarmt sich unser!”-- “O Mutter, Mutter, eitler Wahn! 45 Gott hat an mir nicht wohlgetan! Was half, was half mein Beten? Nun ist’s nicht mehr von Nöten.”--

“Hilf Gott, hilf! wer den Vater kennt, Der weiss, er hilft den Kindern. 50 Das hochgelobte Sacrament Wird deinen Jammer lindern.”-- “O Mutter, Mutter, was mich brennt, Das lindert mir kein Sacrament! Kein Sacrament mag Leben 55 Den Toten wiedergeben.”--

“Hör, Kind, wie wenn der falsche Mann, Im fernen Ungerlande, Sich seines Glaubens abgetan, Zum neuen Ehebande? 60 Lass fahren, Kind, sein Herz dahin! Er hat es nimmermehr Gewinn! Wann Seel’ und Leib sich trennen, Wird ihn sein Meineid brennen.”--

“O Mutter, Mutter, hin ist hin! 65 Verloren ist verloren! Der Tod, der Tod ist mein Gewinn! O wär’ ich nie geboren! Lisch aus, mein Licht, auf ewig aus! Stirb hin, stirb hin, in Nacht und Graus! 70 Bei Gott ist kein Erbarmen. O weh, o weh mir Armen!”--

“Hilf Gott, hilf! Geh nicht ins Gericht Mit deinem armen Kinde! Sie weiss nicht, was die Zunge spricht. 75 Behalt ihr nicht die Sünde! Ach, Kind, vergiss dein irdisch Leid, Und denk’ an Gott und Seligkeit! So wird doch deiner Seelen Der Bräutigam nicht fehlen,”-- 80

“O Mutter, was ist Seligkeit? O Mutter! Was ist Hölle? Bei ihm, bei ihm ist Seligkeit, Und ohne Wilhelm Hölle!-- Lisch aus, mein Licht, auf ewig aus! 85 Stirb hin, stirb hin, in Nacht und Graus! Ohn ihn mag ich auf Erden, Mag dort nicht selig werden.”--

So wütete Verzweifelung Ihr in Gehirn und Adern. 90 Sie fuhr mit Gottes Vorsehung Vermessen fort zu hadern; Zerschlug den Busen und zerrang Die Hand, bis Sonnenuntergang, Bis auf am Himmelsbogen 95 Die goldnen Sterne zogen.

Und aussen, horch! ging’s trap trap trap, Als wie von Rosses Hufen; Und klirrend stieg ein Reiter ab, An des Geländers Stufen. 100 Und horch! und horch! den Pfortenring Ganz lose, leise, klinglingling! Dann kamen durch die Pforte Vernehmlich diese Worte:

“Holla! Holla! Tu auf, mein Kind! 105 Schläfst, Liebchen, oder wachst du? Wie bist noch gegen mich gesinnt? Und weinest oder lachst du?”-- “Ach, Wilhelm, du? --So spät bei Nacht?-- Geweinet hab ich und gewacht; 110 Ach, grosses Leid erlitten! Wo kommst du hergeritten?”--

“Wir satteln nur um Mitternacht. Weit ritt ich her von Böhmen. Ich habe spät mich aufgemacht, 115 Und will dich mit mir nehmen.”-- “Ach, Wilhelm, erst herein geschwind! Den Hagedorn durchsaust der Wind, Herein, in meinen Armen, Herzliebster, zu erwarmen!”-- 120

“Lass sausen durch den Hagedorn, Lass sausen, Kind, lass sausen! Der Rappe scharrt, es klirrt der Sporn, Ich darf allhier nicht hausen. Komm, schürze, spring und schwinge dich 125 Auf meinen Rappen hintermich! Muss heut noch hundert Meilen Mit dir ins Brautbett eilen.”--

“Ach, wolltest hundert Meilen noch Mich heut ins Brautbett tragen? 130 Und horch! es brummt die Glocke noch, Die elf schon angeschlagen.”-- “Sieh hin, sieh her! der Mond scheint hell. Wir und die Toten reiten schnell. Ich bringe dich, zur Wette, 135 Noch heut ins Hochzeitbette.”--

“Sag’ an, wo ist dein Kämmerlein? Wo? Wie dein Hochzeitbettchen?”-- “Weit, weit von hier! --Still, kühl und klein!-- Sechs Bretter und zwei Brettchen!”-- 140 “Hat’s Raum für mich?” --“Für dich und mich! Komm, schürze, spring und schwinge dich! Die Hochzeitgäste hoffen; Die Kammer steht uns offen.”--

Schön Liebchen schürzte, sprang und schwang 145 Sich auf das Ross behende; Wohl um den trauten Reiter schlang Sie ihre Lilienhände. Und hurre hurre, hop hop hop, Ging’s fort im sausenden Galopp, 150 Dass Ross und Reiter schnoben, Und Kies und Funken stoben.

Zur rechten und zur linken Hand Vorbei vor ihren Blicken, Wie flogen Anger, Heid’ und Land! 155 Wie donnerten die Brücken! “Graut Liebchen auch? --Der Mond scheint hell! Hurra! die Toten reiten schnell! Graut Liebchen auch vor Toten?”-- “Ach, nein! --Doch lass die Toten!” 160

Was klang dort für Gesang und Klang? Was flatterten die Raben? Horch Glockenklang! horch Totensang: “Lasst uns den Leib begraben!” Und näher zog ein Leichenzug, 165 Der Sarg und Totenbahre trug. Das Lied war zu vergleichen Dem Unkenruf in Teichen.

“Nach Mitternacht begrabt den Leib, Mit Klang und Sang und Klage! 170 Jetzt führ’ ich heim mein junges Weib. Mit, mit zum Brautgelage! Komm, Küster, hier! Komm mit dem Chor, Und gurgle mir das Brautlied vor! Komm, Pfaff, und sprich den Segen, 175 Eh wir zu Bett uns legen!”--

Still Klang und Sang. --Die Bahre schwand.-- Gehorsam seinem Rufen, Kam’s hurre hurre! nachgerannt, Hart hinters Rappen Hufen. 180 Und immer weiter, hop hop hop! Ging’s fort im sausenden Galopp, Dass Ross und Reiter schnoben. Und Kies und Funken stoben.

Wie flogen rechts, wie flogen links 185 Gebirge, Bäum’ und Hecken! Wie flogen links, und rechts, und links Die Dörfer, Städt’ und Flecken! “Graut Liebchen auch? --Der Mond scheint hell! Hurra! die Toten reiten schnell! 190 Graut Liebchen auch vor Toten?”-- “Ach! Lass sie ruhn, die Toten!”--

Sieh da! sieh da! Am Hochgericht Tanzt’ um des Rades Spindel Halb sichtbarlich, bei Mondenlicht, 195 Ein lustiges Gesindel.-- “Sasa! Gesindel, hier! Komm hier! Gesindel, komm und folge mir! Tanz uns den Hochzeitreigen, Wann wir zu Bette steigen!”-- 200

Und das Gesindel husch husch husch! Kam hinten nachgeprasselt, Wie Wirbelwind am Haselbusch Durch dürre Blätter rasselt Und weiter, weiter, hop hop hop! 205 Ging’s fort irn sausenden Galopp, Dass Ross und Reiter schnoben, Und Kies und Funken stoben.

Wie flog, was rund der Mond beschien, Wie flog es in die Ferne! 210 Wie flogen oben über hin Der Himmel und die Sterne!-- “Graut Liebchen auch? --Der Mond scheint hell! Hurra! die Toten reiten schnell! Graut Liebchen auch vor Toten?”-- 215 “O weh, lass ruhn die Toten!”--

“Rapp’! Rapp’! Mich dünkt, der Hahn schon ruft.-- Bald wird der Sand verrinnen-- Rapp’! Rapp’! Ich wittre Morgenluft-- Rapp’! Tummle dich von hinnen!-- 220 Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf! Das Hochzeitbette tut sich auf! Die Toten reiten schnelle! Wir sind, wir sind zur Stelle!”--

Rasch auf ein eisern Gittertor 225 Ging’s mit verhängtem Zügel. Mit schlanker Gert’ ein Schlag davor Zersprengte Schloss und Riegel. Die Flügel flogen klirrend auf, Und über Gräber ging der Lauf. 230 Es blinkten Leichensteine Rund um im Mondenscheine.

Ha sieh! Ha sieh! im Augenblick Huhu! ein grässlich Wunder! Des Reiters Koller, Stück für Stück, 235 Fiel ab wie mürber Zunder. Zum Schädel, ohne Schöpf und Zopf, Zum nackten Schädel ward sein Kopf; Sein Körper zum Gerippe, Mit Stundenglas und Hippe. 240

Hoch bäumte sich, wild schnob der Rapp’, Und sprühte Feuerfunken; Und hui! war ’s unter ihr hinab Verschwunden und versunken. Geheul! Geheul aus hoher Luft, 245 Gewinsel kam aus tiefer Gruft. Lenorens Herz, mit Beben, Rang zwischen Tod und Leben.

Nun tanzten wohl bei Mondenglanz, Rund um herum im Kreise, 250 Die Geister einen Kettentanz, Und heulten diese Weise: “Geduld! Geduld! Wenn’s Herz auch bricht! Mit Gott im Himmel hadre nicht! Des Leibes bist du ledig; 255 Gott sei der Seele gnädig!”

+LXXVIII. FRIEDRICH SCHILLER+

1759-1805. The more important work of Schiller falls without the limit set for this book. His contribution to the literature of revolution begins with the _Robbers_ (1781), a fierce castigation of the social order, and ends with _Cabal and Love_ (1784), which is the only family tragedy of that time that has survived on the stage. The dramatic genius which was to give Schiller the supreme place in the history of the German theater appears full-fledged in his early plays, not, however, his self-control, his wisdom, or his knowledge of human nature.

+1+

+Lied Amaliens.+

Schön wie Engel, voll Walhallas Wonne, Schön vor allen Jünglingen war er, Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.

Seine Küsse--paradiesisch Fühlen! Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie Harfentöne in einander spielen Zu der himmelvollen Harmonie,--

Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen, Lippen, Wangen brannten, zitterten,-- Seele rann in Seele--Erd’ und Himmel schwammen Wie zerronnen um die Liebenden!

Er ist hin--vergebens, ach, vergebens Stöhnet ihm der bange Seufzer nach! Er ist hin, und alle Lust des Lebens Wimmert hin in ein verlorenes Ach!

+2+

+Die Entzückung an Laura.+

Laura, über diese Welt zu flüchten Wähn’ ich--mich in Himmelmaienglanz zu lichten, Wenn dein Blick in meine Blicke flimmt; Ätherlüfte träum’ ich einzusaugen, Wenn mein Bild in deiner sanften Augen 5 Himmelblauem Spiegel schwimmt.

Leierklang aus Paradieses Fernen, Harfenschwung aus angenehmern Sternen, Ras’ ich in mein trunknes Ohr zu ziehn; Meine Muse fühlt die Schäferstunde, 10 Wenn von deinem wollustheissen Munde Silbertöne ungern fliehn.

Amoretten seh’ ich Flügel schwingen, Hinter dir die trunknen Fichten springen, Wie von Orpheus’ Saitenruf belebt; 15 Rascher rollen um mich her die Pole, Wenn im Wirbeltanze deine Sohle Flüchtig, wie die Welle, schwebt.

Deine Blicke, wenn sie Liebe lächeln, Könnten Leben durch den Marmor fächeln, 20 Felsenadern Pulse leihn; Träume werden um mich her zu Wesen, Kann ich nur in deinen Augen lesen: Laura, Laura mein!

3

_From the ‘Robbers,’ Act 3, Scene 2._

Gegend an der Donau.

DIE RÄUBER,[1] gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden am Hügel hinunter.

MOOR. Hier muss ich liegen bleiben (_wirft sich auf die Erde_). Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe. (_Schweizer verliert sich unbemerkt._) Ich wollt’ euch bitten, mir eine Handvoll Wrassers aus diesem Strome zu holen; aber ihr seid alle matt bis in den Tod.

SCHWARZ. Auch ist der Wein all in unsern Schläuchen.

MOOR. Seht doch, wie schön das Getreide steht! --Die Bäume brechen fast unter ihrem Segen--der Weinstock voll Hoffnung.

GRIMM. Es gibt ein fruchtbares Jahr.

MOOR. Meinst du? --Und so würde doch Ein Schweiss in der Welt bezahlt. Einer? --Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zu Grund schlagen.

SCHWARZ. Das ist leicht möglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenig Stunden vorm Schneiden.

MOOR. Das sag’ ich ja. Es wird alles zu Grund gehen. Warum soll dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den Göttern gleich macht? --Oder ist hier die Mark seiner Bestimmung?

SCHWARZ. Ich kenne sie nicht.

MOOR. Du hast gut gesagt und noch besser getan, wenn du sie nie zu kennen verlangtest! --Bruder--ich habe die Menschen gesehen, ihre Bienensorgen und ihre Riesenprojekte--ihre Götterpläne und ihre Mäusegeschäfte, das wundersame Wettrennen nach Glückseligkeit;--dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut--ein anderer der Nase eines Esels--ein dritter seinen eignen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens, worein so mancher seine Unschuld und--seinen Himmel setzt, einen Treffer zu haschen, und--Nullen sind der Auszug--am Ende war kein Treffer darin. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Tränen in die Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zu Gelächter kitzelt.

SCHWARZ. Wie herrlich die Sonne dort untergeht!

MOOR (_in den Blick verschwemmt_). So stirbt ein Held! --Anbetungswürdig!

GRIMM. Du scheinst tief gerührt.

MOOR. Da ich noch ein Bube war--war’s mein Lieblingsgedanke, wie sie zu leben, zu sterben wie sie-- (_Mit verbissenem Schmerz_) Es war ein Bubengedanke!

GRIMM. Das will ich hoffen.

MOOR (_drückt den Hut übers Gesicht_). Es war eine Zeit--Lasst mich allein, Kameraden!

SCHWARZ. Moor! Moor! Was zum Henker! Wie er seine Farbe verändert!

GRIMM. Alle Teufel! Was hat er? Wird ihm übel?

MOOR. Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein Nachtgebet vergessen hatte--

GRIMM. Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren hofmeistern lassen?

MOOR (_legt sein Haupt auf Grimms Brust_.) Bruder! Bruder!

GRIMM. Wie? Sei doch kein Kind! Ich bitte dich--

MOOR. Wär’ ich’s,--wär’ ich’s wieder!

GRIMM. Pfui! Pfui!

SCHWARZ. Heitre dich auf! Sieh diese malerische Landschaft--den lieblichen Abend.

MOOR. Ja, Freunde, diese Welt ist so schön.

SCHWARZ. Nun, das war wohl gesprochen.

MOOR. Diese Erde so herrlich.

GRIMM. Recht--recht--so hör’ ich’s gerne.

MOOR (_zurückgesunken_). Und ich so hässlich auf dieser schönen Welt--und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.

GRIMM. O weh! o weh!

MOOR. Meine Unschuld! Meine Unschuld! --Seht, es ist alles hinausgegangen, sich im friedlichen Strahl des Frühlings zu sonnen--warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels? --Dass alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so verschwistert! --Die ganze Welt Eine Familie, und Ein Vater dort oben--Mein Vater nicht--Ich allein der Verstossene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinen--mir nicht der süsse Name Kind--nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick--nimmer, nimmer des Busenfreunds Umarmung! (_Wild zurückfahrend_) Umlagert von Mördern--von Nattern umzischt--angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden--hinausschwindelnd ins Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendem Rohr--mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abbadona!

SCHWARZ (_zu den übrigen_). Unbegreiflich! Ich habe ihn nie so gesehen.

GRIMM (_zu den andern_). Nur Geduld! Der Paroxysmus ist schon im Fallen.

MOOR. Es war eine Zeit, wo sie mir so gern flössen--o ihr Tage des Friedens! Du Schloss meines Vaters--ihr grünen schwärmerischen Täler! O all ihr Elysiumszenen meiner Kindheit! --Werdet ihr nimmer zurückkehren--nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen? --Dahin! dahin! unwiederbringlich!

[Notes: 1: Count Karl Moor, having been cast off by his father, through the machinations of his villainous younger brother Franz, has declared war on society and become captain of a band of robbers. But he is no selfish criminal, and his better nature often asserts itself, as in this scene.]

4

_From ‘Cabal and Love,’ Act 1, Scene 4._

FERDINAND VON WALTER. LOUISE.[2]

(_Er fliegt auf sie zu--sie sinkt entfärbt und matt auf einen Sessel--er bleibt vor ihr stehen--sie sehen sich eine Zeitlang stillschweigend an. Pause._)

FERDINAND. Du bist blass, Louise?

LOUISE (_steht auf und fällt ihm um den Hals_). Es ist nichts! nichts! Du bist ja da! Es ist vorüber!

FERDINAND (_ihre Hand nehmend und zum Munde führend_). Und liebt mich meine Louise noch? Ich fliege nur her, will sehen, ob du heiter bist, und gehn und es auch sein. --Du bist’s nicht.

LOUISE. Doch, doch, mein Geliebter.

FERDINAND. Rede mir Wahrheit! Du bist’s nicht. Ich schaue durch deine Seele wie durch das klare Wasser dieses Brillanten. (_Er zeigt auf seinen Ring._) Hier wirft sich kein Bläschen auf, das ich nicht merkte--kein Gedanke tritt in dies Angesicht, der mir entwischte. Was hast du? Geschwind! Weiss ich nur diesen Spiegel helle, so läuft keine Wolke über die Welt. Was bekümmert dich?

LOUISE (_sieht ihn eine Weile stumm und bedeutend an, dann mit Wehmut_). Ferdinand! Ferdinand! Dass du noch wüsstest, wie schön in dieser Sprache das bürgerliche Mädchen sich ausnimmt--

FERDINAND. Was ist das? (_Befremdet_) Mädchen! Höre! Wie kommst du auf das? --Du bist meine Louise! Wer sagt dir, dass du noch etwas sein solltest? Siehst du, Falsche, auf welchem Kaltsinn ich dir begegnen muss. Wärest du ganz nur Liebe für mich, wann hättest du Zeit gehabt, eine Vergleichung _zu_ machen? Wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine Vernunft in einen Blick--in einen Traum von dir, wenn ich weg bin, und du hast noch eine Klugheit neben deiner Liebe? --Schäme dich! Jeder Augenblick, den du an diesen Kummer verlorst, war deinem Jüngling gestohlen.

LOUISE (_fasst seine Hand, indem sie den Kopf schüttelt_). Du willst mich einschläfern, Ferdinand--willst meine Augen von diesem Abgrund hinweglocken, in den ich ganz gewiss stürzen muss. Ich seh’ in die Zukunft--die Stimme des Ruhms--deine Entwürfe--dein Vater--mein Nichts. (_Erschrickt und lässt plötzlich seine Hand fahren._) Ferdinand! Ein Dolch über dir und mir! --Man trennt uns!

FERDINAND. Trennt uns! (_Er springt auf._) Woher bringst du diese Ahnung, Louise? Trennt uns? --Wer kann den Bund zwoer Herzen lösen oder die Töne eines Akkords auseinander reissen? --Ich bin ein Edelmann--Lass doch sehen, ob mein Adelsbrief älter ist als der Riss zum unendlichen Weltall? oder mein Wappen giltiger als die Handschrift des Himmels in Louisens Augen: dieses Weib ist für diesen Mann? --Ich bin des Präsidenten Sohn. Eben darum. Wer als die Liebe kann mir die Flüche versüssen, die mir der Landeswucher meines Vaters vermachen wird?

LOUISE. O wie sehr furcht’ ich ihn--diesen Vater!

FERDINAND. Ich fürchte nichts--nichts--als die Grenzen deiner Liebe! Lass auch Hindernisse wie Gebirge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und drüber hin in Louisens Arme fliegen. Die Stürme des widrigen Schicksals sollen meine Empfindung emporblasen, Gefahren werden meine Louise nur reizender machen. --Also nichts mehr von Furcht, meine Liebe! Ich selbst--ich will über dir wachen, wie der Zauberdrach über unterirdischem Golde. --Mir vertraue dich! Du brauchst keinen Engel mehr--Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen--empfangen für dich jede Wunde--auffassen für dich jeden Tropfen aus dem Becher der Freude--dir ihn bringen in der Schale der Liebe. (_Sie zärtlich umfassend_) An diesem Arm soll meine Louise durchs Leben hüpfen; schöner als er dich von sich liess soll der Himmel dich wieder haben und mit Verwunderung eingestehen, dass nur die Liebe die letzte Hand an die Seelen legte.--

LOUISE (_drückt ihn von sich in grosser Bewegung_). Nichts mehr! Ich bitte dich, schweig! --Wüsstest du--lass mich--Du weisst nicht, dass deine Hoffnungen mein Herz wie Furien anfallen. (_Will fort._)

FERDINAND (_hält sie auf_). Louise? Wie? Was? Welche Anwandlung?

LOUISE. Ich hatte diese Träume vergessen und war glücklich--jetzt! Jetzt! Von heut an!--der Friede meines Lebens ist aus--Wilde Wünsche--ich weiss es--werden in meinem Busen rasen. --Geh--Gott vergebe dir’s! --Du hast den Feuerbrand in mein junges friedsames Herz geworfen, und er wird nimmer, nimmer gelöscht werden. (_Sie stürzt hinaus. Er folgt ihr sprachlos nach._)

[Notes: 2: Louise is the daughter of a middle-class musician. She has not yet heard of any plot (the ‘cabal’ comes later) to separate her from her noble lover, whose intentions are honorable; but her father’s uneasiness and her own instinctive class-feeling fill her with dismay.]

5

_From a Discourse on the Theater, read before the German Society of Mannheim in 1784._

Noch ein Verdienst hat die Bühne--ein Verdienst, das ich jetzt um so lieber in Anschlag bringe, weil ich vermute, dass ihr Rechtshandel mit ihren Verfolgern ohnehin schon gewonnen sein wird. Was bisher zu beweisen unternommen worden, dass sie auf Sitten und Aufklärung wesentlich wirke, war zweifelhaft--dass sie unter allen Erfindungen des Luxus und allen Anstalten zur gesellschaftlichen Ergötzlichkeit den Vorzug verdiene, haben selbst ihre Feinde gestanden. Aber was sie hier leistet, ist wichtiger als man gewöhnt ist zu glauben.

Die menschliche Natur erträgt es nicht, ununterbrochen und ewig auf der Folter der Geschäfte zu liegen, die Reize der Sinne sterben mit ihrer Befriedigung. Der Mensch, überladen vom tierischem Genuss, der langen Anstrengung müde, vom ewigen Triebe nach Tätigkeit gequält, dürstet nach bessern auserlesenem Vergnügungen, oder stürzt zügellos in wilde Zerstreuungen, die seinen Hinfall beschleunigen und die Ruhe der Gesellschaft zerstören. Bacchantische Freuden, verderbliches Spiel, tausend Rasereien, die der Müssiggang ausheckt, sind unvermeidlich, wenn der Gesetzgeber diesen Hang des Volkes nicht zu lenken weiss. Der Mann von Geschäften ist in Gefahr, ein Leben, das er dem Staat so grossmütig hinopferte, mit dem unseligen Spleen abzubüssen--der Gelehrte zum dumpfen Pedanten herabzusinken--der Pöbel zum Tier. Die Schaubühne ist die Stiftung, wo sich Vergnügen mit Unterricht, Ruhe mit Anstrengung, Kurzweil mit Bildung gattet, wo keine Kraft der Seele zum Nachteil der andern gespannt, kein Vergnügen auf Unkosten des Ganzen genossen wird. Wenn Gram an dem Herzen nagt, wenn trübe Laune unsre einsamen Stunden vergiftet, wenn uns Welt und Geschäfte anekeln, wenn tausend Lasten unsre Seele drücken, und unsre Reizbarkeit unter Arbeiten des Berufs zu ersticken droht, so empfängt uns die Bühne--in dieser künstlichen Welt träumen wir die wirkliche hinweg, wir werden uns selbst wiedergegeben, unsre Empfindung erwacht, heilsame Leidenschaften erschüttern unsre schlummernde Natur und treiben das Blut in frischeren Wallungen. Der Unglückliche weint hier mit fremdem Kummer seinen eignen aus--der Glückliche wird nüchtern und der Sichere besorgt. Der empfindsame Weichling härtet sich zum Manne, der rohe Unmensch fängt hier zum ersten Mal zu empfinden an. Und dann endlich--welch ein Triumph für dich, Natur!--so oft zu Boden getretene, so oft wieder auferstehende Natur!--wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Ständen, abgeworfen jede Fessel der Künstelei und der Mode, herausgerissen aus jedem Drange des Schicksals, durch Eine allwebende Sympathie verbrüdert, in Ein Geschlecht wieder aufgelöst, ihrer selbst und der Welt vergessen und ihrem himmlischen Ursprung sich nähern! Jeder einzelne geniesst die Entzückungen aller, die verstärkt und verschönert aus hundert Augen auf ihn zurückfallen, und seine Brust gibt jetzt nur Einer Empfindung Raum--es ist diese: ein Mensch zu sein.

END OF PART SECOND

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Line Numbers:

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Errata (Noted by Transcriber):

XVIII. THE LAY OF THE NIBELUNGS: Adventure 16: Da konnt’ ihm nicht entrinnen / König Gunters Untertan. _text reads “Gunthers”_ XXIII. HARTMANN VON AUE _anomalous section headers (I, II instead of 1, 2) unchanged_ XXVIII. Poems of the Dietrich-Saga: Note 3: Ecke is a redoutable young giant _spelling unchanged_ XL. MARTIN LUTHER: 3: Epistle on Translating: obs gleich die Lateinische oder Griechische Sprache nicht thut, _text reads “nicht hut” with space for “t”_ XLIV. HANS SACHS: 2: Das heiss Eysen: Die alt GEFATTERIN spricht: Das WEIB spricht: Die GFATTER / bringt das glüent eysen ... _text unchanged (elsewhere “GEFATTER” and “FRAW”)_ XLVIII. JAKOB AYRER ROLANDT, ROLLANDT, ROLAND _spellings unchanged_ LXIII. JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED: §15 der Orakel, darüber Iocasta vorher gespottet hatte _text reads “daruber”_ LXIV. JOHANN JAKOB BODMER zuunterscheiden, zufixieren, zuloben ... _forms without space are normal for this author_ LXVII. FRIEDRICH VON HAGEDORN: 5: Johann, der Seifensieder: Da hast du bare funfzig Thaler _spelling unchanged_ LXX. FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK: 1: ‘Messiah’ 1-137 Und der Seraph ... 55 _line number printed 45_

Punctuation

_All quotation marks, single or double, are as in the original. The German “low 9 - high 6” form was not used._

XXIV. WOLFRAM VON ESCHENBACH: Parzival 3:449 Die’s Euch doch wenig zugedacht.” _close quote missing_ XXIX. MEYER HELMBRECHT: Lines 1703: “Haha! Du dieb’scher Schuft, Helmbrecht, _open quote missing_ XXXV. REYNARD THE FOX: 1: Wird vor dem Abte angeklagt.” _close quote missing_ XLIV. HANS SACHS: 2: Das heiss Eysen: _Es ist mir um das Herz_, ‘I am concerned,’ ‘it is my wish.’ _final close quote missing_ XLV. FOLKSONGS OF THE SIXTEENTH CENTURY: Note 17 _Kappen_ = _Narrenkappen_. _period (full stop) missing_ XLVI. THE CHAPBOOKS: 5: Faustbook: Abendts oder vmb Vesperzeit _text reads “ABendts”_ XLIX. GEORG RODOLF WECKHERLIN: Note 1 _Nehmend war_ = _wahrnehmend_. _period (full stops) missing_ L. MARTIN OPITZ zue besserer fortpflantzung[1] vnserer sprachen, _text has period (full stop) for comma_ L. MARTIN OPITZ: Note 1 They propose to try their fortunes in the French-Indian War. _period (full stops) missing_ L. MARTIN OPITZ: Note 1 The scene is ‘America.’ _text has comma for period (full stop)_ LVI. FRIEDRICH SPE O Gott, könnt ichs erwerben! _middle “e” in “erwerben” invisible_ LXX. FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK: 4: Hermann und Thusnelda. [section title] _period (full stops) missing_ LXXV. MINOR DRAMATISTS OF THE STORM AND STRESS ERA: Introduction For the texts see Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vols. ... _period (full stops) missing_