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Part 14

Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_ für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber _quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_ einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_ und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_ nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara, denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_. _Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und _metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_ (rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt _hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de metal_ erläutert.

Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein _siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken, nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber _topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den arowakischen Namen annahmen.[317]

Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich Messerthongefäß.[318]

Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319]

Fußnoten:

[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.

[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590. 199.

[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.

[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.

[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98. 115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325.

[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.

[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326.

[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.

[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von den Eskimos benutzt wurden.

[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.

[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.

[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873. I. 234.

[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696. 88.

[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.

[297] STELLER, Kamtschatka. 251.

[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132.

[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika. Weimar 1803. 161. 179. 190.

[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101.

[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164.

[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.

[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig 1782. III. 223.

[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und Plate IV. Fig. 8.

[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.

[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.

[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.

[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28.

[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.

[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877. I. 237.

[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.

[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).

[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.

[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.

[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima 1765.

[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).

[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863. 308. 309. 342. 350.

[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc. vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.

[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.

Das Kupfer bei den Nordamerikanern.

Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden, es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile, die HEARNE 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer versehen. »Ihre Beile,« schreibt er, »verfertigen sie aus einem dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie ein Beil gebraucht zu werden.« Auch »Bajonette« in Spatenform und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt HEARNE.[320] Dasselbe berichtet RAE von den weiter östlich an der Repulsebai wohnenden Eskimos. »Fast alle Geräte und Waffen dieses Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert hatten.«[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai gelangte.

Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen, welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer, Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. »Die vielen auf diesen Reisen ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer Anzahl wegen Erstaunen.« Noch zu HEARNE's Zeit (1772) zogen diese nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer »beinahe für jedes Werkzeug dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen. Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht gut benutzen.« Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer für Eisen.[322]

Eine zweite wichtige Kupferquelle für die Indianer war der Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es; überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen- und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn HOLMBERG sagt, daß die Thlinklithen dieses Kupfer zu »schmieden« verstanden, so ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht kommenden Völkern unbekannt war.[323]

Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324]

Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte 1847 durch den Ingenieur S. O. KNAPP. Einer der Schachte, welchen er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6 Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg schweren Schlägel aus Kupfer fand KNAPP, desgleichen Holzschalen, die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30 englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute verfolgen.[325]

Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die herrschende ist[326] -- wo man ein besonderes, verschwundenes Volk der Moundbuilders konstruiert hat --, so scheinen mir doch die von Dr. E. SCHMIDT, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte, angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327]

Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer dem Wort für Kupfer (_pewabic_) nichts von dem Bergbau ihrer Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. »_Instead of viewing copper as an object of every day use, they regarded it as a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up in skin in their lodges for many years and this custom has been continued to modern times._«[328] Sehr anschaulich hat dieses der Jesuit ALLOUEZ in seiner Relation geschildert: »_L'on trouve souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des dieux domestiques._«[329]

KARL RAU hat in seiner wertvollen Abhandlung über die Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen, einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524 VERAZZANO; auf DE SOTO's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543) und HENRY HUDSON fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war.

In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach -- es enthält kleine Partien gediegenen Silbers -- vom Oberen See stammen muß. Namentlich SQUIER und DAVIS[331] haben dieselben beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel, spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die geprägt sind. Dr. RAU führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige Kupfererzeugnisse kommen. »Ihr Vorkommen erstreckt sich von den Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus. Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten, welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der ersten Periode ihrer Anwendung.«[332]

[Illustration: Figg. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte. Nach SHORTT.]

Dr. E. SCHMIDT, welcher sich am eingehendsten mit den prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333], zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen, Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand schildert Dr. SCHMIDT als einen meist guten, da das Kupfer zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer, dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform beigemischt ist. »Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten auszurecken.« Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die Versuche, welche Dr. SCHMIDT mit den alten Kupfermessern, Lanzen und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. »Als ich dasselbe Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte, machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.«[334]

»Prähistorisch« sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt, welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk schließen sollten, von dem sie stammen dürften.

Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk. 1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit vorgedrungen zu sein. In der »Archäology« der _U. S. Geographical Surveys west of the 100th Meridian_ ist nirgends von aufgefundenen alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede.

Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der »Bronzezeit« standen.

Fußnoten:

[320] S. HEARNE's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 117.

[321] RAE in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866).

[322] HEARNE a. a. O. 122. 123.

[323] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 135. -- HOLMBERG, Völker d. russ. Amerika. I. 27.

[324] Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula 1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. PUMPELLY. Danach der Auszug von Dr. E. SCHMIDT im Archiv f. Anthropologie. XI. 91.

[325] CH. WHITTLESEY, Ancient mining on the shores of Lake superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863.

[326] _The idea that the Indians formerly worked these mines was abandoned shortly after their discovery. They possess no tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any intelligence of mines._ SHORT, The North Americans of Antiquity. New York 1880. 91.

[327] E. SCHMIDT, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas. Arch. f. Anthropologie. XI. 105.

[328] WHITTLESEY a. a. O. 2.

[329] Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker Wiederabdruck von 1858.

[330] Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872).

[331] Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848. 196 bis 207.

[332] RAU a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht mehr selten erscheinen.

[333] Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff.

[334] A. a. O. 75.

Kupfer und Bronze in Mexiko.

In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden wurden, wie zuerst DANA bemerkte, wesentlich wie weiche Steine angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine Rede.

Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien, südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe. Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. ORELLANA fand auf seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 ALVAR NUNEZ CABEÇA DE VACA mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden.

Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das Erstaunen aller Konquistadoren waren. CORTEZ, in einem seiner Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: »Was kann großartiger sein, als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen, die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.«[337] Im alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden die von CORTEZ mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn WORSAAE[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern die gegossenen Metallgeräte »durch fremden Einfluß entstanden sein mögen«. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll.

Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei BERNAL DIAZ[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte hier der Obsidian, _iztli_, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier »Steinzeit« und »Metallzeit« zusammenfielen.

[Illustration: Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach DUPAIX.]

Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir durch CH. RAU wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach HERRERA zu Bergwerksarbeiten _en lugar del hierro, porque corta como acero_.[343] Der Mexikaner J. SANCHEZ hat neuerdings eine ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344] Die Coatl, heute _coa_ genannt, mit welcher man die Erde umgrub, bestand aus Kupfer und hatte (nach CLAVIGERO) einen Holzstiel. Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan (Jalisco) entdeckt. _Es una pieza trabajada á martillo y cincel._ Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund des Kapitän DUPAIX im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße, die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm Breite enthielten (Fig. 44). _Este instrumenta antiguo de cobre rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo._ Sind es die von TORQUEMADA erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt: _En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi de hechura de Tau._[345] Andere halten diese Objekte für kleine Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, _formadas de varias piezas_. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im Museum aber kein einziges Exemplar.[346]

[Illustration: Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM.]

[Illustration: Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM.]

Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus Mexiko sind von J. W. PUTNAM beschrieben worden.[347] Das älteste Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein Steinmörser gefunden.

Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt 15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen ist (Fig. 46).

[Illustration: Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach PUTNAM.]