Part 1
Der deutsche Spielmann
+Eine Auswahl+ aus dem +Schatze deutscher Dichtung+ für Jugend und Volk Herausgegeben von Dr. Ernst Weber
[Illustration]
Hellas
Griechisches Leben und altklassischer Geist in deutscher Wiedergeburt
Zweite, veränderte Auflage
[Illustration]
+München 1925+ Georg D. W. Callwey + Verlag des deutschen Spielmanns
Druck von Kastner & Callwey in München
Inhalt
Seite
Geleitspruch des deutschen Spielmanns 3
Hyperions Schicksalslied (Hölderlin) 4
Iphigeniens Parzenlied (Goethe) 5
Prometheus (Goethe) 6
Aus der Iliade:
Hektor und Andromache (Grimm) 8
Hektors Abschied (Schiller) 14
Hektors Tod (Voß) 16
Aus der „Penthesilea“:
Achills Tod (Kleist) 25
Aus der Odyssee:
Odysseus und Polyphem (Richter) 34
Nächtliche Fahrt (Meyer) 42
Die sterbende Meduse (Meyer) 45
Griechische Spiele (Pfizer) 46
Die Mutter des Siegers (Heyse) 48
Die Kraniche des Ibykus (Schiller) 52
Der Sieger (Salus) 59
Tod des Perikles (Greif) 60
Der Bote von Marathon (Gaudy) 62
Der junge Themistokles (Alsen) 66
Salamis (Lingg) 67
Themistokles in Olympia (Greif) 68
Ein Dichter in der Schlacht von Salamis (Fischer) 68
Grab des Themistokles (Geibel) 70
Historischer Adelsklub (Spitteler) 71
Die gefesselten Musen (Meyer) 71
Der trunkene Gott (Meyer) 72
Ist’s ein Narr bloß? Ist’s ein Weiser? (Hebbel) 75
Der Ring des Polykrates (Schiller) 77
Der befreite Prometheus (Dehmel) 80
Alexander Ypsilanti auf Munkacs (Müller) 86
Aus dem „Abschied von Griechenland“ (Vierordt) 87
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Hellas! -- Aus abgrundtiefem Meer Hebt sich ein sonnbeglänzter Strand. Blauseiden spannt sich’s drüber her -- So schaut ich dich, mein Griechenland. Und hohe Tempel sah ich stehn Auf schlanken Säulen, weit und licht, Und Götter, stolz und marmorschön, Mit reinem Menschenangesicht.
Du Volk der Schönheit, sei gegrüßt, Gegrüßt mir auf Olympias Flur! Aus deines Lebens Quelle fließt Auch Deutschlands edelste Kultur. Was deine Heldenschar erstritt, Was deiner Künstler schönster Traum, Die deutsche Jugend lebt es mit Noch heut, vergessend Zeit und Raum.
Und deutsche Dichter schufen neu Die alte Griechenherrlichkeit Und gaben ihre Melodei Dem längstverrauschten Völkerstreit, Und zeigten, wie im heitern Spiel Des Griechen dunkler Ernst gebot, Wie ihn ein stolzes Hochgefühl Ließ lachend schreiten in den Tod.
Nicht was aus fremdem Idiom Die scharfgeschliffne Brille liest, Nur was als frischer Lebensstrom Durch deutsche Dichteradern fließt, Was wieder Blut von unserm Blut Und Geist von unserm Geiste ward: Das weckt aufs neu den Tatenmut Und lockt die stammverwandte Art.
Wer finden will hellenisch Land Und griechisch Leben möcht verstehn, Dem reicht der Spielmann heut die Hand Und lehrt mit Dichteraugen sehn, Mit Dichteraugen groß und weit, Durchdringend der Geschichte Dunst -- Denn lebenswarme Wirklichkeit Wird Hellas nur im Reich der Kunst.
Der deutsche Spielmann
Hyperions Schicksalslied
Ihr wandelt droben im Licht Auf weichem Boden, selige Genien! Glänzende Götterlüfte Rühren euch leicht, Wie die Finger der Künstlerin Heilige Saiten.
Schicksallos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen; Keusch bewahrt In bescheidener Knospe, Blühet ewig Ihnen der Geist, Und die seligen Augen Blicken in stiller Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben, Auf keiner Stätte zu ruhn, Es schwinden, es fallen Die leidenden Menschen Blindlings von einer Stunde zur andern, Wie Wasser von Klippe Zu Klippe geworfen, Jahrlang ins Ungewisse hinab.
Christ. Friedr. Hölderlin
Iphigeniens Parzenlied
„Es fürchte die Götter Das Menschengeschlecht! Sie halten die Herrschaft In ewigen Händen Und können sie brauchen, Wie’s ihnen gefällt.
Der fürchte sie doppelt, Den je sie erheben! Auf Klippen und Wolken Sind Stühle bereitet Und goldene Tische.
Erhebet ein Zwist sich, So stürzen die Gäste, Geschmäht und geschändet, In nächtliche Tiefen, Und harren vergebens, Im Finstern gebunden, Gerechten Gerichtes.
Sie aber, sie bleiben In ewigen Festen An goldenen Tischen. Sie schreiten vom Berge Zu Bergen hinüber; Aus Schlünden der Tiefe Dampft ihnen der Atem Erstickter Titanen, Gleich Opfergerüchen, Ein leichtes Gewölke.
Es wenden die Herrscher Ihr segnendes Auge Von ganzen Geschlechtern, Und meiden, im Enkel Die ehemals geliebten Still redenden Züge Des Ahnherrn zu sehn.“
So sangen die Parzen; Es horcht der Verbannte In nächtlichen Höhlen, Der Alte, die Lieder. Denkt Kinder und Enkel, Und schüttelt das Haupt.
Wolfgang von Goethe
Prometheus
Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpft, An Eichen dich und Bergeshöhn! Mußt mir meine Erde Doch lassen stehn, Und meine Hütte, die du nicht gebaut, Und meinen Herd, Um dessen Glut Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres Unter der Sonne, als euch, Götter! Ihr nähret kümmerlich Von Opfersteuern Und Gebetshauch Eure Majestät, Und darbtet, wären Nicht Kinder und Bettler Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war, Nicht wußte, wo aus noch ein, Kehrt ich mein verirrtes Auge Zur Sonne, als wenn drüber wär Ein Ohr, zu hören meine Klage, Ein Herz, wie meins, Sich des Bedrängten zu erbarmen. Wer half mir Wider der Titanen Übermut? Wer rettete vom Tode mich, Von Sklaverei? Hast du nicht alles selbst vollendet, Heilig glühend Herz, Und glühtest jung und gut, Betrogen, Rettungsdank Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren, wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillet Je des Geängstigten? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit Und das ewige Schicksal, Meine Herrn und deine? Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehen, Weil nicht alle Blütenträume reiften? Hier sitz ich, forme Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, zu weinen, Zu genießen und zu freuen sich, Und dein nicht zu achten, Wie ich.
Wolfgang von Goethe
Aus der Iliade
Hektor und Andromache
Aber Hektor fand in den Gemächern Nirgends Andromache. Denn sie stand mit dem Kinde Noch auf dem Turm und jammerte dort und weinte, Und als er nirgends im Hause seine Frau Antraf, trat er unter die Türe des Hauses: „Mädchen, sagt mir die Wahrheit rasch: wohin Ist sie gegangen, Andromache? Ging sie etwa Zu ihren Schwägern oder den Schwägerinnen? Oder betet sie mit den andern Fraun, Um die furchtbare Göttin, die uns zürnt, Dort mit Bitten und Flehen zu versöhnen?“
Doch des Hauses Schaffnerin sagte darauf: „Da du die Wahrheit befiehlst, so höre denn: Nicht zu den Schwägern oder Schwägerinnen, Noch zum Tempel Athenes ist sie gegangen, Nein, auf dem Turme steht sie, denn sie erfuhr, Daß die Achäer siegreich seien, da lief sie, Und das Mädchen folgte ihr, das das Kind trägt.“
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Aber Hektor eilte denselben Weg Wieder zurück, den er kam, die Straße hinunter, Bis zum Tor, wo der Weg hinaus ins Feld führt. Dort kam laufend Andromache ihm entgegen, Seine teure Gemahlin, Eëtions Tochter, Der in Thebe, am Fuße des waldigen Plakos, Über Kilikiens Männer herrschte: dessen Tochter gewann einst Hektor, und die traf er Jetzt am skäischen Tore samt der Dienerin, Mit dem Kind an der Brust, dem lieben Kinde. Dem unmündigen Sohn, den sein Vater selbst Gern Skamandrios nannte: aber die andern Riefen ihn Astyanax, weil Hektor allein doch Troja hielt und beschützte.
Und er lächelte schweigend über dem Kinde, Und Andromache stand an seiner Seite, Weinend griff sie nach seiner Hand und sagte: „Dich wird dein Mut noch verderben! Und dich jammert Nicht deines Kinds, des Würmchens, nicht deiner Frau, Die bald nun deine arme Witwe sein wird? Denn dich töten bald nun die Achäer, Alle gegen dich Einen! Doch mir wäre Ohne dich wohler zu sterben! Mir bleibt ja Nichts mehr, das mich tröstete, wenn du hinsinkst. Vater und Mutter hab ich nicht mehr. Den Vater Tötet’ Achilleus, als er das hochgetürmte Thebe zerstörte. Doch er beraubte ihn nicht: Ehrfurchtsvoll verbrannt er ihn mit der Rüstung, Und einen Hügel schüttet’ er über ihm auf, Und die Nymphen, die das Gebirg bewohnen, Pflanzten Ulmen umher. Sieben Brüder hatt’ ich: Alle opfert’ Achill an jenem Tage Unter Stieren und Schafen. Aber die Mutter Führt’ er hinweg ins Lager und gab sie frei, Als ihm Lösung geboten ward; aber Diana Hat sie mit ihren Pfeilen dann getötet. Du bist Vater und Mutter mir! Du mein Bruder! Du mein Gemahl! Erbarme dich und bleib bei mir! Laß dein Kind nicht verwaisen! Nicht dein Weib Alles verlieren! Stelle am Feigenbaum Dort das Volk auf, wo der Weg zur Stadt Leicht ist und die Mauer dem Angriff freisteht. Dreimal stürmten die Griechen da schon herauf, Sei’s, daß ihnen ein Seher den Weg verriet, Oder daß sie der eigne Mut zum Sturm trieb.“
„Liebe Frau, das weiß ich so gut wie du. Aber die Scham vor den Männern und Weibern Trojas Treibt mich hinab: ich darf nicht feige erscheinen. Auch der eigne Mut zwingt mich, zu kämpfen. Nur das hab ich gelernt: an der Spitze des Heeres Ruhm für den Vater und für mich zu erwerben. Denn das weiß ich, und tief im Herzen empfind ich’s: Einst wird ein Tag sein, wo das heilige Troja Sinkt und Priamos und Priamos’ Volk! Und nicht bewegt mich der Trojaner Elend Und der Sturz des Königs und meiner Mutter Und der Brüder und all der Tapfern, die Unter den Feinden dann im Staube liegen, So wie dein Elend mich kümmert, das dann einbricht, Wenn von den griechischen erzbepanzerten Männern Einer dich packt, an der Freiheit letztem Tage, Die du in Argos dann am fremden Webstuhl Sitzest, oder gezwungen und widerstrebend Wasser holst an der Quelle Messeis oder Hyperia! Und einer, der dich da Tränenvoll sieht bei der Arbeit, sagt vielleicht: »Das ist Hektors Weib, der so tapfer war, Als um die Stadt der Troer so hart gekämpft ward.« Das wird er sagen vielleicht und dich mit neuem Jammer erfüllen und Sehnsucht. Doch ich liege Längst im Dunkel der Erde und höre Nicht, wie du schreist, und sehe nicht, wie sie dich fortziehn.“
Und so sprechend griff nach seinem Kinde Hektor; aber das warf sich schreiend herum Und an die Brust des Mädchens: denn seines Vaters Nickender Helmbusch und Panzer schreckten es. Und sein lieber Vater und seine Mutter Lachten, und Hektor nahm den glänzenden Helm ab, Setzte ihn neben sich nieder, küßte sein Kind, Tänzelte es mit beiden Händen und rief, Auf zu Zeus und den andern Göttern betend:
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„Zeus und ihr Götter alle! Laßt dies Kind Gleich mir unter den Troern einst voranstehn! Tapfer sein und über Ilion herrschen, Daß die Sage einmal im Volke gehe: Größer noch als sein Vater, wenn er vom Kampfe Heimkehrt, ist er, wenn er die blutbespritzten Köstlichen Waffen seiner Feinde heimbringt, Und seine Mutter aufjauchzt!“ Also sprechend, Legt er das Kind in seiner Mutter Arme, Und sie nahm es an ihre atmende Brust, Lächelnd unter Tränen. Und ihn, das sehend, Jammert es, und er sprach: „Geliebte, laß Nicht zu sehr die Dinge dein Herz belasten. Nur was geschehen soll, geschieht: mich tötet keiner, Dem nicht das ewige Schicksal den Befehl gab, Doch dem Geschick zu entfliehn, ist keinem beschieden. Weder der Gute noch der Böse entflieht ihm, Denn es waltet von Anfang an. Deshalb Geh du nach Hause und sieh nach deiner Wirtschaft, Spindel und Webstuhl besorg und halte die Mägde an, Fleißig zu sein. Den troischen Männern aber Liege der Kampf am Herzen und mir zumeist, Ilions Söhnen und allen.“ Und er setzte Wieder den Helm auf. Doch seine liebe Frau Machte sich auf nach Hause. Oftmals stand sie Still und sah sich um nach ihm und weinte. Und zu Hause, als die Mägde sie sahen, Weinten und jammerten sie, und Hektor war Doch noch am Leben! Aber es glaubte keine, Daß er jemals wieder nach Hause käme.
Hermann Grimm
Hektors Abschied
Andromache:
Will sich Hektor ewig von mir wenden, Wo Achill mit den unnahbarn Händen Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt? Wer wird künftig deinen Kleinen lehren Speere werfen und die Götter ehren, Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?
Hektor:
Teures Weib, gebiete deinen Tränen! Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen, Diese Arme schützen Pergamus, Kämpfend für den heilgen Herd der Götter Fall ich und, des Vaterlands Retter, Steig ich nieder zu dem styg’schen Fluß.
Andromache:
Nimmer lausch ich deiner Waffen Schalle, Müßig liegt dein Eisen in der Halle, Priams großer Heldenstamm verdirbt. Du wirst hingehn, wo kein Tag mehr scheinet, Der Cocytus durch die Wüsten weinet, Deine Liebe in dem Lethe stirbt.
Hektor:
All mein Sehnen will ich, all mein Denken In des Lethe stillen Strom versenken, Aber meine Liebe nicht. Horch! Der Wilde tobt schon an den Mauern, Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern! Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.
Friedr. v. Schiller
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Hektors Tod
Also weineten beide, den trautesten Sohn anflehend, Laut mit Geschrei; doch nicht war Hektors Geist zu bewegen; Nein, er erharrt Achilleus, des Ungeheuren, Herannahn. So wie ein Drach im Gebirge den Mann erharrt an der Felskluft, Statt des giftigen Krauts, und erfüllt von heftigem Zorne; Gräßlich schaut er umher, in Ringel gedreht um die Felskluft; So unbändigen Mutes verweilt auch Hektor und wich nicht, Lehnend den hellen Schild an des Turms vorragende Mauer; Unmutvoll nun sprach er zu seiner erhabenen Seele: „Wehe mir! Wollt ich anjetzt in Tor und Mauer hineingehn, Würde Polydamas gleich mit kränkendem Hohn mich belasten, Welcher mir riet, in die Veste das Heer der Troer zu führen; Vor der verderblichen Nacht, da erstand der edle Achilleus. Aber ich hörete nicht; wie heilsam hätt ich gehöret! Jetzo, nachdem ich verderbte das Volk durch meine Betörung, Scheu ich Trojas Männer und saumnachschleppende Weiber, Daß nicht einst mir sage der Schlechtern einer umher wo: »Hektor verderbte das Volk, auf eigene Stärke vertrauend!« Also spricht man hinfort; doch mir weit heilsamer wär es: Mutig entweder mit Sieg von Achilleus Morde zu kehren, Oder auch selbst ihm zu fallen im rühmlichen Kampf vor der Mauer. Aber legt ich zur Erde den Schild von geründeter Wölbung, Samt dem gewichtigen Helm, und, den Speer an die Mauer gelehnet, Eilt ich entgegenzugehn dem tadellosen Achilleus, Und verhieß ihm Helena selbst und ihre Besitzung, Alle, so viel Alexandros daher in geräumigen Schiffen Einst gen Troja geführt, was unseres Streites Beginn war, Daß er zu Atreus Söhnen es führt; auch dem Volke von Argos Anderes auszuteilen, wieviel auch heget die Stadt hier; Und ich nähme darauf von Trojas Fürsten den Eidschwur, Nichts imgeheim zu entziehn, nein, zwiefach alles zu teilen, Was auch die liebliche Stadt an Gut in den Wohnungen einschließt: -- Aber warum doch bewegte das Herz mir solche Gedanken? Laß mich ja nicht flehend ihm nahn! Nein, sonder Erbarmung Würd er, ohn einige Scheu, mich niederhaun, den Entblößten, Grad hinweg wie ein Weib, sobald ich der Wehr mich enthüllet. Jetzo fürwahr nicht gilt es, vom Eichbaum oder vom Felsen Lange mit ihm zu schwatzen, wie Jungfrau traulich und Jüngling, Jungfrau traulich und Jüngling zu holdem Geschwätz sich gesellen. Besser zu feindlichem Kampf an rennen wir! Daß wir in Eile Sehn, wem etwa von uns der Olympier gönne den Siegesruhm!“
Also erwog er, und blieb. Doch nah ihm wandelt Achilleus, Ares gleich an Gestalt, dem helmerschütternden Streiter, Welchem Pelions Esch auf der rechten Schulter entsetzlich Bebete; aber das Erz umleuchtet’ ihn, ähnlich dem Schimmer Lodernder Feuersbrunst, und der hell aufgehenden Sonne. Hektor, sobald er ihn sah, erzitterte: nicht auch vermocht’ er Dort zu bestehn, und er wandte vom Tore sich, ängstlich entfliehend. Hinter ihm flog der Peleide, den hurtigen Füßen vertrauend. So wie ein Falk des Gebirgs, der behendeste aller Gevögel, Leicht mit gewaltigem Schwung nachstürmt der schüchternen Taube; Seitwärts schlüpft sie oft: doch nah mit hellem Getön ihr Schießet er häufig daher, voll heißer Begier zu erhaschen: So drang jener im Flug gradan; doch es flüchtete Hektor Längs der troischen Mauer, die hurtigen Kniee bewegend. Beid an der Warte vorbei und dem wehenden Feigenhügel, Immer hinweg von der Mauer entflogen sie über den Fahrweg. Und sie erreichten die zwei schönsprudelnden Quellen, woher sich Beide Bäch ergießen des wirbelvollen Skamandros. Eine rinnt beständig mit warmer Flut, und umher ihr Wallt aufsteigender Dampf, wie der Rauch des brennenden Feuers; Aber die andere fließt im Sommer auch kalt wie der Hagel. Oder des Winters Schnee, und gefrorene Schollen des Eises. Dort sind nahe den Quellen geräumige Gruben der Wäsche, Schön, aus Steinen gehauen, wo die stattlichen Feiergewande Trojas Weiber vordem und liebliche Töchter sich wuschen, Als noch blühte der Fried, eh die Macht der Achaier daherkam. Hier nun rannten vorbei der Fliehende und der Verfolger. Vornan floh ein Starker, jedoch ein Stärkerer folgte, Stürmenden Laufs: denn nicht um ein Weihvieh oder ein Stierfell Strebten sie, welches man stellt zum Kampfpreis laufender Männer; Sondern es galt das Leben des gaulbezähmenden Hektor. So wie zum Siege gewöhnt, um das Ziel starkhufige Rosse Hurtiger drehen den Lauf; denn es lohnt ein köstlicher Dreifuß, Oder ein blühendes Weib, am Fest des gestorbenen Herrschers: Also kreiseten sie dreimal um Priamos Veste Rasch mit geflügeltem Fuß; und die Ewigen schaueten alle.
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Jetzo begann das Gespräch der Menschen und Ewigen Vater: „Wehe doch! Einen Geliebten, verfolgt um die Mauer von Troja, Seh ich dort mit den Augen; und ach, sein jammert mich herzlich, Hektors, welcher so oft mir Schenkel der Stier auf dem Altar Zündete, bald auf den Höhen des vielgewundenen Ida, Bald in der oberen Burg! Nun drängt ihn der edle Achilleus, Rings um Priamos’ Stadt mit hurtigen Füßen verfolgend. Aber wohlan, ihr Götter, erwägt im Herzen den Ratschluß, Ob er der Todesgefahr noch entfliehn soll, oder anitzo Fallen, wie tapfer er ist, dem Peleionen Achilleus.“ Drauf antwortete Zeus’ blauäugige Tochter Athene: „Vater mit blendendem Strahl, Schwarzwolkiger, welcherlei Rede! Einen sterbenden Mann, der bestimmt längst war dem Verhängnis, Denkst du anitz von des Tods graunvoller Gewalt zu erlösen? Tu’s; doch nimmer gefällt es dem Rat der anderen Götter!“
Ihr antwortete drauf der Herrscher im Donnergewölk Zeus: „Fasse dich, Tritogeneia, mein Töchterchen! Nicht mit des Herzens Meinung sprach ich das Wort: ich will dir freundlich gesinnt sein. Tue, wie dir’s im Herzen genehm ist; nicht so gezaudert.“
Also Zeus und erregte die schon verlangende Göttin; Stürmenden Schwungs entflog sie den Felsenhöhn des Olympos.
Hektorn drängt’ in die Flucht rastlos der Verfolger Achilleus, Wie wenn der Sohn des Hirsches der Hund im Gebirge verfolget, Aufgejagt aus dem Lager, durch windende Tal und Gebüsche; Ob auch jener sich berg und niederduck in dem Reisig, Stets noch läuft er umher, der spürende, bis er gefunden: So barg Hektor umsonst sich dem mutigen Renner Achilleus. Wenn er auch oft ansetzte, zum hohen dardanischen Tore Hinzuwenden den Lauf, an der Türm hochragende Schutzwehr, Ob sie oben vielleicht mit Geschoß ihn verteidigen möchten; Ebenso oft flog jener zuvor, und wendet ihn abwärts Nach dem Gefild; er selbst an der Seite der Stadt hinfliegend. Wie man im Traum machtlos den Fliehenden strebt zu verfolgen; Nicht hat dieser die Macht zu entfliehn, noch der zu verfolgen. So konnt er nicht haschen im Lauf, noch enteilete jener. Doch wie wär itzt Hektor entflohn vor den Keren des Todes, Wenn nicht einmal noch und zuletzt ihm Föbos Apollon Nahete, welcher ihm Kraft aufregt und hurtige Schenkel?
Aber dem Volke verbot mit dem Haupt zuwinkend Achilleus, Nicht ihm daherzuschnellen auf Hektor herbe Geschosse; Daß kein Treffender raubte den Ruhm, und ein Zweiter er käme. Als sie nunmehr zum vierten die sprudelnden Quellen erreichet, Siehe, hervor nun streckte die goldene Wage der Vater, Legte hinein zwei Lose des langhinbettenden Todes, Dieses dem Peleionen, und das dem reisigen Hektor. Faßte die Mitt und wog: Da lastete Hektors Schicksal Schwer zum Aides hin; es verließ ihn Föbos Apollon. Doch zu Achilleus kam die Herrscherin Pallas Athene; Nahe trat sie hinan und sprach die geflügelten Worte:
„Jetzt doch hoff ich gewiß Zeus’ Liebling, edler Achilleus, Bringen wir großen Ruhm dem Danaervolk zu den Schiffen, Hektors Kraft austilgend, des unersättlichen Kriegers. Nun nicht länger vermag er aus unserer Hand zu entrinnen, Nein, wie sehr auch sich härme der treffende Föbos Apollon, Hingewälzt vor die Knie des ägiserschütternden Vaters. Aber wohlan, nun steh und erhole dich; während ich selber Jenem genaht zurede, dir kühn entgegenzukämpfen.“
Also Pallas Athen’; er gehorcht’ ihr freudigen Herzens, Stand und ruhte gelehnt auf die erzgerüstete Esche. Jene verließ ihn dort und erreichte den göttlichen Hektor, Ganz dem Deiphobos gleich an Wuchs und gewaltiger Stimme; Nahe trat sie hinan und sprach die geflügelten Worte:
„Ach mein älterer Bruder, wie drängt dich der schnelle Achilleus, Rings um Priamos Stadt mit hurtigen Füßen verfolgend! Aber wohlan, hier stehn wir in fest ausharrender Abwehr!“
Ihm antwortete drauf der helmumflatterte Hektor: „Stets, Deiphobos, warst du zuvor mein trautester Bruder, Aller, die Priamos zeugt, und Hekabe, unsere Mutter; Doch nun denk ich noch mehr im Innersten, dich zu ehren, Daß du um meinetwillen, sobald dein Auge mich wahrnahm, Dich aus der Mauer gewagt, da andere drinnen beharren.“
Ihm antwortete Zeus’ blauäugige Tochter Athene: „Bruder, mich bat der Vater mit Flehn und die würdige Mutter, Die umeinander die Kniee mir rührten, jeder Genoß auch, Dort zu bleiben: so sehr erbeben sie all in Bestürzung. Doch mein Herz im Busen durchdrang tiefschmerzender Kummer. Nun denn grad in Begierd ankämpfen wir! Länger hinfort nicht Unserer Lanzen geschont! Damit wir sehn, ob Achilleus Uns in den Staub ausstreckt und blutige Waffen hinabträgt Zu den gebogenen Schiffen; ob deiner Lanz er dahinsinkt!“
Dieses gesagt, ging jene voran, die täuschende Göttin. Als sie nunmehr sich genaht, die Eilenden gegeneinander; Jetzo rief er zuerst, der helmumflatterte Hektor:
„Nicht fortan, o Peleid, entflieh ich dir, so wie bis jetzo! Dreimal umlief ich die Veste des Priamos, nimmer es wagend, Deiner Gewalt zu beharren; allein nun treibt mich das Herz an, Fest dir entgegenzustehn, ich töte dich, oder ich falle! Auf, laß uns zu den Göttern emporschaun, welche die stärksten Zeugen des Eidschwurs sind, und jegliches Bundes Bewahrer. Denn ich werde dich nimmer mit Schmach mißhandeln, verleiht mir Zeus, als Sieger zu stehn und dir die Seele zu rauben: Sondern nachdem ich entwand dein schönes Geschmeid, o Achilleus, Geb ich die Leiche zurück an die Danaer. Tue mir Gleiches!“
Finster schaut’ und begann der mutige Renner Achilleus: „Hektor, du Unsühnbarer, mir nicht von Verträgen geplaudert! Wie kein Hund die Löwen und Menschenkinder befreundet, Auch nicht Wölf und Lämmer in Eintracht je sich gesellen, Sondern bitterer Haß sie ewig trennt voneinander: So ist nimmer für uns Vereinigung, oder ein Bündnis, Mich zu befreunden und dich, bis wenigstens einer im Hinsturz Ares mit Blute getränkt, den unaufhaltsamen Krieger! Jeglicher Art von Tugend erinnre dich! Jetzo gebührt dir, Lanzenschwinger zu sein und unerschrockener Krieger! Nicht mehr kannst du entrinnen; sogleich schafft Pallas Athene, Daß mein Speer dich bezwingt! Nun büßest du alles auf einmal, Aller der Meinigen Weh, die du Rasender schlugst mit der Lanze!“
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Sprach’s, und im Schwung entsandt er die weithinschattende Lanze. Diese jedoch vorschauend vermied der strahlende Hektor; Denn er sank in die Knie; und es flog der eherne Wurfspieß über ihn weg in die Erd; ihn begriff und reichte die Göttin Schnell dem Peleiden zurück, unbemerkt von dem streitbaren Hektor. Hektor aber begann zu dem tadellosen Achilleus: „Weit gefehlt! Nein, schwerlich, o göttergleicher Achilleus, Offenbarete Zeus mein Geschick dir, wie du geredet; Sondern du warst ein gewandter und hinterlistiger Schwätzer, Daß ich, vor dir hinbebend, des Muts und der Stärke vergäße. Nicht mir Fliehenden soll dein Speer den Rücken durchbohren; Sondern vorn, dem gerad Anstürmenden, stoß in die Brust ihn, Wenn dir ein Gott es verlieh! Nun aber vermeid auch die Schärfe Meines Speers! O möchte dein Leib doch ganz ihn empfangen! Weit ja erträglicher würde der Kampf für die Männer von Troja, Wenn du sänkst in den Staub; du bist ihr größestes Unheil!“ Sprach’s, und im Schwung entsandt er die weithinschattende Lanze, Traf, und verfehlete nicht, gerad auf den Schild des Peleiden; Doch weit prallte vom Schilde der Speer. Da zürnete Hektor, Daß sein schnelles Geschoß umsonst aus der Hand ihm entflohn war; Stand und schaute bestürzt; denn es war kein anderer Wurfspieß. Laut zu Deiphobos drauf, dem weißgeschilderten, ruft er. Fordernd den ragenden Speer; allein nicht nahe war jener. Hektor erkannt es anjetzt in seinem Geist, und begann so: