Chapter 7 of 7 · 2193 words · ~11 min read

Part 7

Man denkt zunächst – weil das jetzt so in der Luft liegt – die Krippe sei die Hauptsache. Die Weihnachtskrippe, wie sie sich in einer kernhaft volkstümlichen Schnitzerei, aus alten Holzschnittvorbildern hervorgewachsen, mit einer nonnenhaften Maria, anbetenden Rittern, Mönchen und Bauern im Schaufenster der Gemeinnützigen Verkaufsstelle auf der Schießgasse aufbaut. Tritt man aber ein – und es ist ohne Kaufzwang erlaubt und erwünscht, alle diese lieblichen Erzeugnisse sächsischer Volks- und Kleinkunst zu beschauen – so erkennt man: hier leuchtet in Regalen und Glasvitrinen, auf der Ladentafel und den Verkaufstischen solch eine Fülle des Köstlichen, daß man das »Spieglein an der Wand« um das Schönste befragen möchte, weil man sich selber keinen Rat weiß. Man hatte nämlich im stillen gemeint, einmal müsse der ständig Neues spendende Born versiegen. Aber nun sieht man staunend: unerschöpflich sind die Quellen der Heimatkunst ...

[Illustration: =Krippe.= 23teilig. M. 25.—

Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24]

Natürlich bleibt man zunächst am Weihnachtlichen hängen. Die erzgebirgischen Lichterkränze! Aus der Deckenwölbung schweben sie herab, und auf dem weißen Rund des Holzrings ziehen schwarzröckige, silhouettenfeine Bergleute in ernster Reihe auf, oder das Heimatschutzengelchen, das mit seinem steif stehenden weißen Kleidlein und den runden Apfelbäckchen schon unsere Feldgrauen einst glücklich gemacht, müht sich im Kreis seiner Schwestern, die Lichtertüllen festzuhalten. Aber da ist ein ergreifendes, Neues und doch Urältestes hinzugekommen. Die »Bergspinnen«, die wundervollen, volksliedinnigen Weihnachtshängeleuchter, wie sie in unserem Volkskunstmuseum soviel Weihe und Heimeligkeit verstreuen, regen nun auch hier, vom Luftzug der etwa zufallenden Tür berührt, ihre vergoldeten hölzernen Glöckchenbehänge. Und nun kann man schon gar nicht anders, man muß erst einmal die erzgebirgische Spielzeugecke aufsuchen, weil das ja auch so etwas Ur-Weihnachtliches ist. Wie zu einer Bescherung reiht sich’s auf, farbkräftig und bodenständig, jeglicher schematischen Gleichförmigkeit entkleidet, persönlich durchfühlt bis ins kleinste. Hier hat Direktor Seifert in Seiffen seines Amtes gewaltet, naives Bauernkönnen künstlerisch beeinflussend, hat die Gänseliesel und die Schweinefamilie so lebenstrotzend und formenschlicht dabei gestalten helfen, daß auch die Großen sich am liebsten solch eine erheiternde Spielschachtel für die dunklen Winterwochen mit heimnehmen möchten. Es ist auch eine Puppenstube vorhanden; die hält sich aber ein wenig abseits, weil sie in aller kleinbürgerlichen Einfachheit zu kostbar ist mit ihren bemalten Möbelchen, ihren festen Stuhl- und Sofabezügen, den handgedrehten Schüsselchen in der angrenzenden Küche, – dieses winzige Abbild biedermeierlichen Behagens. Und es gibt fröhliche Hampelmänner und eine ganz urwüchsige Art Menschlein aus Stoff und Holz, die der Dresdner Kunstgewerbler W. Seifert geschaffen und die höchst putzig, eine drollige Charakterpuppensippschaft, auf festen Holzschuhen durchs Leben steigen. Ein Motiv, das die Leipzigerin Mußmann noch mehr ins Karikistische hineingesteigert hat. Und seltsame hölzerne Märchenvögel, von allerkleinsten Händchen leicht durchs Zimmer zu führen, auch von Seiferts Gnaden, heben den Kopf mit den listigen Augen und dem mächtigen Schnabel aus dem gedrungenen Leib; man würde sich keinen Augenblick verwundern, wenn die derbe Hülle sänke und ein schöner Königssohn den Flügeln dieses Fabelwesens entstiege.

[Illustration:

M. 4.— 2.80 4.50 2.— 1.70 1.40

=Weihnachtsmänner=

Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24]

[Illustration: =Engel-Musikanten.= Stück M. 1.40

Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24]

Nein, die großen Leute brauchen sich durchaus keinen Hühnerhof, keins dieser dauerhaften Eisenbahnzüglein mit Personenwagen und Kipploris mit heimzunehmen. Der gute Geist des Heimatschutzes bedenkt auch sie mit allerlei Nützlichem und Freundlichem aus den Handwerksstuben des Sachsenlandes. Da sind die Grünhainichener Spankörbe, mit gut verteilter Blumenornamentik bemalt, die Spanschachteln, auf denen wie auf den stämmigen Holztruhen ganze phantastische und doch mit allen Wurzelfasern im Heimatlichen wurzelnde Blumenwiesen erblühen. Gedrechselte Schalen und Dosen – wie hier die Wirkung des erlesenen Materials durch sorgfältigste Behandlung gesteigert ist! – bieten sich für Schreib- und Nähtisch als schmückende, zweckvolle Vervollständigung an, und die »Blaubeerenkinder«, die eigentlich ins Lager der Reiseandenken gehören und als solche jetzt ausgeführt werden dürfen, betteln geradezu um ein Plätzchen im Glasschrank daheim. Zum Holz aber gesellt sich der andere Stoff, darauf fast alles Kunstschaffen im Heimatschutz gegründet ist: die gebrannte Erde, der Ton. Die junge Hausfrau streichelt mit den Augen all die festen farbenmunteren Tassen und Kannen, die liebevoll entworfenen Lausitzer und Frohburger Ziergefäße mit den flammenden Herzen und den holden Röslein unter der blanken Glasur, schmückt schon in Gedanken den Tannenbaum mit dem zierlichen tönernen Behang, darin die Zeichen des Tierkreises so kindlich-einprägsam festgehalten sind, und stellt wohl auch schon solch einen vergnüglichen Kohrener Tonvogel, den der Künstler in irgendeiner charakteristischen Bewegung in die Form gebannt, für das Allerkleinste darunter.

[Illustration:

M. 1.80 1.— 1.60 —.80 1.40 —.85 1.20 1.40

=Weihnachtsengel=

Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24]

Es ist eine unendliche Weihnachtsfreude, zwischen den Schätzen der Gemeinnützigen Verkaufsstelle einherzustreifen und sich dies und jenes als eine liebe Gabe oder einen ehrlichen treuen Hauskameraden für durchaus nicht überhohen Preis mitzunehmen. Man wandelt wie auf einem schönen Stern und steht doch mitten im Irdischen. Und aus allen Ecken hört man Weihnachtslieder.

[Illustration: =Schaukelpferd.= M. 24.—

Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24]

Bücherbesprechungen

=Cornelius Gurlitt, August der Starke.= Zwei Bände. Im Sibyllen-Verlag, Dresden 1924.

Ein stattliches, gut ausgestattetes, mit reichem Bilderschmuck versehenes Werk von zwei Bänden mit insgesamt 872 Seiten Text liegt vor uns. Es ist also dem Verfasser für den großen Gegenstand, den er behandelt, auch der nötige Raum von der Verlagsanstalt bewilligt worden, um nicht nur das eigentliche Leben und Wesen seines Helden, sondern auch die wirtschaftlichen, staatlichen, geistigen und religiösen Zustände des ganzen Zeitalters ausführlich darzustellen. Und daß der Verfasser in alle diese Verhältnisse hineinleuchtet, zeigt schon die ins einzelne gehende Gliederung des Stoffes. Der erste Band enthält die fünf großen Abschnitte: 1. Der Prinz. 2. Fürstenrecht. 3. Der König. 4. Das Volk. 5. Der Staat; und dieser 5. Abschnitt z. B. gliedert sich wieder in die Kapitel: Regierung und Hof. Die Stände. Steuern. Geld. Geldgeschäft. Gewerbepolitik. Die öffentliche Meinung. Der zweite Band enthält die drei Abschnitte: 6. Die Kirche. 7. Industrie und Handel. 8. Die Kunst. In diesen Abschnitten und Kapiteln wird eine erstaunliche Fülle von Stoff vor uns ausgebreitet, so daß man dem Verfasser wegen seines Fleißes und seiner Belesenheit die Bewunderung nicht versagen kann. Freilich ist man verhältnismäßig selten in der Lage, die Herkunft und Zuverlässigkeit des Stoffes zu prüfen, da die Quellenangaben meist fehlen. Gurlitt sagt darüber im Vorwort: »Es schien mir dabei nötig, alle fachwissenschaftliche Belastung von dem Buche fern zu halten, um es nicht allzusehr auszudehnen.« Aus diesem Grunde hat Gurlitt seine Quellen in dem »zeitgenössischen Schrifttum« gesucht, das ihm die Sächsische Landesbibliothek in ausgiebigstem Maße zur Verfügung stellte, nicht aber in einem ausgedehnten Studium des noch ungedruckten in den Archiven ruhenden Stoffes. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß unser Wissen über August den Starken durch Gurlitts Buch erweitert worden ist, da er aus der Geschichte der Technik und der Künste – Gebiete, mit denen Gurlitt ganz besonders vertraut ist –, vieles zur Beurteilung Augusts des Starken heranzieht, was man in den bisher über diesen Fürsten geschriebenen Büchern nicht liest. Mit Recht weist er immer wieder (z. B. II, 158) darauf hin, daß »der Zug, durch Wissenschaft die Erfolge des Gewerbes zu heben« zwar schon vor August dem Starken in der sächsischen Kultur bemerkbar ist, aber gerade durch August den Starken und seine Verbindung mit Männern wie Leibniz und Tschirnhausen sehr stark entwickelt worden ist.

Bei der Fülle des Gebotenen hat sich da und dort auch ein Fehler eingeschlichen. So ist z. B. Hans Ernst von Knoch (I, 20 f.), der Erzieher Augusts, nicht erst gegen das Ende seiner Laufbahn geadelt worden, sondern entstammte einer altadeligen Familie aus dem Anhaltischen, auch war die Habsburgerin Maria Josefa, die Schwiegertochter Augusts, nicht »die erste Frau« aus kaiserlichem Hause in der Stammrolle der Wettiner (I, 12g) und die ~Academia Leopoldina naturae curiosorum~ (II, 147) hat nichts mit »Merkwürdigkeiten« zu tun. Man kann auch nicht allen von Gurlitt ausgesprochenen Urteilen beipflichten. Ob dem Prinzen August zu der Zeit, als er sich zur »großen Tour« anschickte, das Prädikat »im Auftreten schüchtern« zukam, kann man bezweifeln. Schilderte sich doch August selbst (I, 18) »als einen frischen Jungen, der nichts achtete« und stellte doch auch Liselotte v. d. Pfalz fest (I, 27), er habe »mehr Vivazität als sein Bruder.« Ganz verfehlt ist es, wenn Gurlitt (I, 126) Augusts Übertritt zum Katholizismus mit der Haltung des Herzogs Moritz im Schmalkaldischen Kriege auf eine Stufe stellt. Moritz hat nie daran gedacht überzutreten, er war in einer schweren Notlage eine kurze Zeit Bundesgenosse Karls V., wurde aber bald darauf der Retter des Protestantismus und eines unabhängigen Deutschlands. Auch die großen politischen Probleme, die August den Starken beschäftigten, sind nicht klar genug formuliert und leiden an einer gewissen Unsicherheit des Urteils, die sich da und dort in einem die Wirkung beeinträchtigenden Hinundher der Darstellung bekundet. Am höchsten nach Inhalt und Form sind die Kapitel zu bewerten, die über die wirtschaftlichen, gewerblichen und künstlerischen Verhältnisse des Zeitalters Augusts des Starken berichten. Hier kommt die einzigartige Erfahrung, die Gurlitt durch mehr als ein Menschenalter an Denkmalspflege und an Studium der Bau- und Kunstgeschichte Sachsens hinter sich hat, glänzend zur Erscheinung. Alles in allem ist Gurlitts Werk eine sehr beachtliche Leistung. Es ist nicht die Geschichte Augusts des Starken, auf die wir schon längst warten, die aber ohne gründliche und umfassende Archivstudien nicht geschrieben werden kann, wohl aber ist es ein unser Gesamtwissen über August den Starken vermehrendes und auf eine breitere Basis stellendes Werk und zugleich ist es ein Denkmal der Universalität des Strebens, zu dem sich sein Verfasser in einem überaus tätigen und erfolgreichen Leben durchgearbeitet hat.

_Otto Eduard Schmidt_

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden – Photographische Platten »Sigurd« und »Satrap«, photographische, sowie kinematographische Aufnahme- und Wiedergabeapparate »Ernemann«

Bücherbesprechungen:

=Sächsischer Bauern-Kalender 1926.= Herausgegeben von der Landwirtschaftskammer für Sachsen. Bearbeitet von Dr. Horst Höfer, Meißen, Bildschmuck von A. Weßner-Collenberg. Preis 3 M. Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24.

Zum fünften Male nimmt der stattliche Bauern-Kalender seinen Weg hinaus in das sächsische Land. Was er bei seinem erstmaligen Erscheinen versprach, hat er treulich gehalten; er ist ein Kulturwerk geworden, auf das wir Sachsen stolz sein können. Der künstlerisch vollendet ausgestattete Kalender ist als Pionier des guten Geschmacks in das Bauernhaus gezogen, wo er vielfach der bevorzugte Lesestoff des Jahres ist, und hat dort die ärmlichen, ja oft erbärmlichen Kalendermachwerke früherer Zeit verdrängt und den Sinn für das Gute und Schöne geweckt. Aber nicht nur das! Der Bauern-Kalender ist auch ein treuer Pfleger des Schollenbewußtseins und der Heimatliebe. In jedem der vielen prächtigen Bilder von der Meisterhand A. Weßner-Collenbergs spiegelt sichs wieder: Wie schön ist doch unser liebes Sachsenland! Und aus jedem der zahlreichen, belehrenden und unterhaltenden Aufsätze klingts hervor: Wie reich ist unser Bauernland und wie kraftvoll und stark ist noch unser Bauernstand, der Urquell unserer Volkskraft. Nicht nur der Landmann wird seine Freude an dem prächtigen Kalenderbuche haben, jeder Freund des ländlichen Sachsens – und wer wäre das nicht! – wird sich mit hohem Genuß hinein vertiefen. Daß die Auswahl des Stoffes und die ganze Zusammenstellung und Ausstattung des Kalenders nichts zu wünschen übrig lassen, war nach dem, was die früheren Jahrgänge geboten haben, nicht anders zu erwarten.

_Klengel._

=Weicher, Dr. G. und Wiese, A. Die Augen auf!= Heimatbücher für die weitere Umgebung von Dresden. Band I: Gesteine und Landschaft. Leipzig, F. Hirt & Sohn. 1926. M. 4.50. Zu beziehen vom Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24.

Ein feiner geographischer Beobachter und ein tüchtiger Photograph (Studienräte an einer Dresdner Oberrealschule) haben sich zusammengefunden, um die Heimatlandschaft wissenschaftlich zu analysieren und dem denkenden Wanderer durch Bild und kurze Beschreibung die Augen zu öffnen – zunächst für die Zusammenhänge zwischen Erdgeschichte und Landschaftsform. »Erdgeschichtliche Urkunden« haben wir einmal in den Heimatschutzvorträgen das genannt, was hier geboten wird. Die Auswahl der Bilder, ihre photographische Qualität und die technische Wiedergabe sind gleich lobenswert. Der Text ist sehr geschickt dem Raum angepaßt, kurz und klar. Die ganze Aufmachung des Quartbandes ist im besten Sinne »friedensmäßig« – eine schöne Gabe für den Weihnachtstisch!

_Dr. P. Wagner._

Ein deutsches Weihnachtsspiel:

»Im Stall zu Bethlehem«

In vier Aufzügen mit Text, Buntfiguren und Anleitung zum Bühnenbau bearbeitet von _M. Brethfeld_ und _Th. Göhl_

Verlag: Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24

Preis M. 2.—

Bestellkarte in diesem Heft

Infolge Arbeitsüberhäufung durch die mit sehr schönem Erfolg abgeschlossene Geldlotterie unseres Vereins, bei der unsere Mitglieder in dankenswerter Weise mithalfen, ist es uns nicht möglich, in diesem Jahre noch weitere Nummern unserer Mitteilungen erscheinen zu lassen. Wir holen aber das fehlende Heft im nächsten Jahre bestimmt nach.

Besucht das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst im Weihnachtsschmuck!

=Dresden-N., Asterstraße 1= (beim Zirkus)

Gesänge, weihnachtliche Darbietungen von Kindern, Schülern und Schülerinnen, _Kurrendensängern_, Vereinen und Einzel-Sänger und -Sängerinnen

Vom 17. Dezember 1925 bis mit 3. Januar 1926, wochentags 9–2 Uhr, Sonntags 11–1 Uhr, alle Nachmittage 5–7 Uhr

Außerdem noch =drei Abendfeiern=: Sonntag, den 20. Dezember und 27. Dezember und Mittwoch, den 30. Dezember =8–10 Uhr=

Donnerstag, den 24. Dezember und Donnerstag, den 31. Dezember _nachmittags geschlossen_

Die Eröffnung findet Donnerstag, den 17. Dezember, 5 Uhr, mit einigen Christspielszenen statt

O. Seyffert R. Bürckner

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Die Bandnumerierung auf S. 321 weicht vom Titel ab, da ursprünglich ein weiterer Band geplant war (s. letzte Seiten).