Part 6
Selbst bei schwerer Schlaflosigkeit läßt sich mit ähnlichen Mitteln viel erreichen. Natürlich ist es dann nötig, noch länger als eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen mit jeder geistigen Arbeit aufzuhören. Auch muß man sich +tagsüber körperlich müde gearbeitet+ haben. Die Zeit vor dem Schlafengehen verwende man dann dazu, in einem schleppenden, ermüdenden Zeitmaß umherzuwandern, durch Schlaffmachen des ganzen Körpers sich +Müdigkeit einzureden+, bemühe sich, an nichts weiter als an die Müdigkeit zu denken, die immer mehr von Körper und Geist Besitz ergreift. Man vergesse aber ja nicht den +gläubigen Vorsatz+, am andern Morgen recht +frisch und leistungsfähig aufzustehen+.
Wenn ein Nervöser den Arzt zu Rate zieht, ist dessen erste Frage nach der Verdauung. Verstopfungen sind nämlich mitunter die allerersten Ursachen von Schädigungen des Nervengefüges, von Schwermut, Lebensüberdruß, ja sogar von Selbstmord und schweren Verfehlungen in geschlechtlicher Beziehung.
Und diese Schädigungen sind gerade bei Schülern infolge der sitzenden Lebensweise weit verbreiteter, als man nur ahnt. Da infolge der herrschenden falschen Scham diese außerordentlich wichtige Frage selten gestreift wird, will ich wenigstens in dieser Beziehung meine Pflicht erfüllen, denn es ist eine ganz gefährliche Klippe, an der schon manches Lebensglück gescheitert ist.
Es ist nicht zu empfehlen, mit Arzeneien, an die sich der Körper schnell gewöhnt, dagegen einzuschreiten. Ein Glas frisches Wasser am Abend und eins nüchtern frühmorgens wirken in den allermeisten Fällen. Wichtig ist Gewöhnung an eine bestimmte Zeit, dabei nötigenfalls Einbildungseinflüsse vor dem Einschlafen.
Dem Körper fremde Gifte.
Bei nervöser Schlaflosigkeit mit Kopfschmerz verordnet der Arzt +Brom+. Wie aber die Untersuchungen der Kräpelinschen Schule ergeben haben, schwächt dieses Gift das Gedächtnis, indem es die seelische Verbindefähigkeit herabsetzt. Unsere oben erwähnten naturgemäßen Mittel gegen Schlaflosigkeit sind entschieden empfehlenswerter als jeder Gifttrank, wenn auch Brom noch verhältnismäßig am unschädlichsten ist. Viel verbreitet ist als Schlafmittel
das Rauschgift.
In dieser Frage will ich nur Leuchten der Wissenschaft reden lassen.
Schon 400 Jahre vor Chr. Geb. wünschte +Plato+ ein Gesetz, das den Knaben bis zu 18 Jahren den Wein verbietet. Ferner hat Kräpelin, Lehrer der Irrenärzte, an der Universität München, 1892 in einer wertvollen, vielbeachteten Arbeit: „Über die Beeinflussung einfacher seelischer Vorgänge durch einige Arzneimittel“ die Wirkung von Alkohol, Tee, Morphium, Äther, Amylnitrit usw. untersucht. Die Ergebnisse, zu denen er in bezug auf die Wirkung des Alkohols kommt, sind kurz folgende:
Einfache geistige Fähigkeiten mit und ohne Weingeistbeeinflussung können ja genau an den +Leistungen+ gemessen und verglichen werden. Da zeigt sich, daß das Rauschgift geistige Leistungen +verringert+ und +verschlechtert+, während merkwürdigerweise die Leute selbst glauben, besonders gut und angeregt zu arbeiten. An vielen Versuchspersonen wurden folgende Untersuchungen mit peinlich gewissenhafter Vermeidung von Fehlerquellen angestellt:
1. die Zahl der Silben geprüft, die in fünf Minuten mit Betonung gelesen wurden, ebenso
2. die Menge der Zahlen, die in derselben Zeit zusammengezählt wurden,
3. die Zahl der Wiederholungen, die nötig waren, um zwölfstellige Zahlen zu lernen,
4. die Zeit auf tausendstel Sekunden gemessen, die gebraucht wurde, um bei zwei verschiedenen Zeichen, etwa Klingel oder Erscheinen einer grünen Scheibe, entweder einen rechten oder linken Hebel loszulassen.
+Höhere geistige Arbeit+ wurde verlangt, indem man zu sinnlichen oder rein gedanklichen (abstrakten) Wörtern schnell andere Wörter zu sagen hatte. Natürlich sind +die+ Wörter am schnellsten da, die schon irgendeine Verbindung mit dem Reizwort haben, mit ihm verbunden oder gar verknüpft sind. Die Verknüpfung ist natürlich die höhere Leistung. Es zeigte sich, daß diese sinnvollen, gedanklichen Zusammenhänge (Apperzeptionen) nach Alkoholgenuß vermindert und durch bloße Vorstellbindungen (Assoziationen) ersetzt wurden. Und unter diesen fand ebenfalls ein weiteres +Herabdrücken+ statt. Die wertvolleren Verbindungen, etwa daß beim Reizwort Tag einfiel: Licht, Sonne, Arbeit usw., werden durch solche ersetzt, wo noch weniger Sinn zu walten braucht: Mittag, Sonntag, Bach, mag usw. Hier ruft der Klang einen andern Klang geistlos ins Bewußtsein. Auch wurden viel Worte gemacht mit wenig Sinn. Diese Tatsache ist natürlich fürs Gedächtnis bedeutungsvoll.
Endlich wurde das unmittelbare Behalten geprüft. Das Auge betrachtete durch einen Spalt sinnlose Silben, ein- und zweisilbige Wörter, die sich auf einer Trommel vorüberbewegten. Man ließ nun nach 15, 30 oder 60 Sekunden angeben, was gemerkt worden war. Schon bei 30 ~g~ Alkohol (¾ ~l~ Bier) treten nach 15 bis 20 Minuten häufige Auslassungen (vergessen) ein, auch falsche Angaben. Die Zuverlässigkeit leidet stark. Besonders bei sinnlosen Silben, die schwerer zu lesen und aufzufassen sind als sinnvolle Wörter, stieg die Zahl der Auslassungen auf das Fünfzehnfache, die der falschen Angaben aufs Doppelte der Fehler in nüchternem Zustande.
Es zeigt sich also eine +um so größere Beeinträchtigung, je anstrengendere oder höhere Leistungen+ vom Geiste verlangt werden. Je geistloser, je maschinenmäßiger, je eingeübter eine Arbeit ist, desto geringer ist der Schaden. Es wirkt also der Alkohol auf +den+ am ungünstigsten, der +schöpferisch+ tätig sein will.
Nach größeren Gaben, bei 60 ~g~ Alkohol (= 1½ ~l~ Bier), war die Erschwerung oder Lähmung der geistigen Arbeit bis zwei Stunden nachzuweisen. Bei mittleren Gaben, bei 30-45 ~g~ Alkohol (= ¾–1 ~l~ Bier), ergab sich ebenfalls bei +allen+ geprüften geistigen Leistungen eine deutlich nachweisbare Minderung von etwa 40 bis 50 Minuten Dauer.
Nach geringen Gaben (7,5-10 ~g~ = ¼ ~l~ Bier) trat vor der Lähmung eine +kurze+, viertel- bis halbstündige Erleichterung ein, jedoch nur bei Arbeiten, die irgendwie +mit Muskelarbeit+ zusammenhängen, z. B. beim Lesen (Sprachmuskulatur), beim Loslassen der Hebel. Aber dieser unwesentliche, kurze Vorteil wird +übertroffen+ von +Nachteilen+: Die Sicherheit und Genauigkeit nimmt ab. Was nützt es, wenn die Bewegung erleichtert, aber die +Überlegung verringert+ wird und die +Zuverlässigkeit leidet+! Was ist das aber für ein verfluchter Gewinn, wenn der Führer eines Kraftwagens das Lenkrad schneller dreht, aber gerade nach der falschen Richtung, und einen solchen Zusammenstoß mit Wagen oder Baum oder Prellstein verursacht, daß alle Insassen herausgeschleudert werden und Hals und Beine brechen!
„Und gar eine einmalige Gabe von 80 ~g~ Alkohol = 2 ~l~ Bier verfliegt nicht rasch und vollständig, sondern hinterläßt eine gewisse Nachwirkung, die nach 24 Stunden noch nicht ganz verschwunden ist.“ (Kräpelin.)
+Jede Erleichterung fehlt+ bei den Vorstellbindungen und beim Rechnen. Auf das Gedächtnis wirkt also auch eine kleine Gabe von allem Anfang an schädlich. Kräpelin folgert, daß der Weingeist +von vornherein die Verstandes- und gefühlsmäßigen Vorgänge+, später auch die zunächst erleichterten Bewegungen erschwert.[22]
Wenden wir uns nun von diesem auch die Gedächtnistätigkeit lähmenden zu
den anregenden Giften, Tee und Kaffee.
Sie enthalten beide dasselbe Gift. In den Kaffeebohnen schwankt der Gehalt an Kaffein (Koffein, Teein usw.) von 0,7-2,2%, in den Blättern des chinesischen Tees von 2-3,5%, im Paraguaytee (~Ilex paraguayensis~) beträgt er gegen 5%.
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es kein gänzlich ungefährliches Gift ist. Kräftige Gaben erzeugen Gedankenverwirrung, Schwindel, Ohrensausen, Beklemmung, Zittern der Hände, jagenden, zuweilen aussetzenden Puls. Sind diese Erscheinungen vorüber, so bleibt eine körperliche und geistige Niedergeschlagenheit zurück. Bei Tieren tritt nach größeren Mengen unter allgemeiner Muskellähmung der Tod durch Ersticken ein. Wenn wir auch heute etwas an den Genuß von Kaffee gewöhnt sind, so ist Kindern, Herzkranken und nervösen Personen gegenüber Vorsicht, am besten Ersatz des Kaffees nach altdeutscher Sitte durch eine reiche Auswahl kräftiger Suppen geboten.
Durch die bekannten Kaffee-Ersatzmittel-Aufgüsse wird nach Mahlzeiten der Magensaft verdünnt, die Verdauungstätigkeit verlangsamt und verlängert. Sie sind also auch nicht zu empfehlen. Überdies +trinken wir+ im allgemeinen +viel zu viel+.
In geringen Mengen und nicht Tag für Tag genossen wirkt dieses Gift aber anregend auf die Nervenzentren des Großhirns und des verlängerten Markes. Das Herz schlägt kräftiger. Darum pulst das Blut schneller, wird in reicherem Maße allen Geweben des Körpers zugeführt, spült die dort entstandenen Ermüdungsgifte schneller fort und führt reichlich neue Nährstoffe zu. Deshalb regt es auch die geistigen Fähigkeiten merklich an. Man denkt und arbeitet leichter; sowohl gewohnheitsmäßige, geistige Arbeiten, als auch die Auffassung neuer Eindrücke werden gefördert. Ermüdung, sogar der Schlaf wird verscheucht.
Gleichwohl ist es ohne Zweifel besser, auch das Kaffein zu meiden und sich nur dann die mäßige Anwendung dieses Giftes zu gestatten, wenn ein dringendes Bedürfnis vorliegt: Nachtwachen bei Schwerkranken; für Kraftwagen- und Dampfwagenführer usw.
[19] Dr. Feuchtersleben, Diätetik der Seele (Tagebuchblätter), und Dr. Hufeland, Makrobiotik, seien als weitere Beiträge zur seelischen Gesundheitspflege empfohlen (Reclams Univers.-Bibl. Nr. 1281 und 481/484); ebenso Nr. 1130: Kant, Macht des Gemütes (herausg. von Hufeland).
[20] Das Kosmosbändchen von Lipschütz, Warum wir sterben, bringt weitere Belege zu dieser Frage.
[21] Sehr zu empfehlen ist besonders für Frauen: Weibliche Körperbildung und Bewegungskunst von F. Giese und Hedwig Hagemann. (F. Bruckmann, München.) Nur Atemübungen, aber in ausgezeichneter Weise, bietet das billige Heftchen von ~Dr. med.~ Beschorner und Friedrich Richter, Atemübungen (Verlag Paul Eberhardt, Leipzig).
[22] Als Anregung zu weiterem Nachdenken über diese und andere unsre Zeit bewegenden Fragen sei das Buch von Bonne empfohlen: Im Kampf um die Ideale, Verlag E. Reinhardt, München (erschienen in einer großen und in einer +Volksausgabe+, 13 Mk.). Ferner Dr. Wilhelm Bode, Zum Schutze unsrer Kinder vor Wein, Bier und Branntwein (Mäßigkeits-Verlag, Berlin ~W~ 15, Uhlandstraße 146, 1 Mk.)
XII. Zusammenfassung.
Der Wert des Zurückschauens, Überblickens, Zusammenfassens, den wir bei allen geistigen Leistungen erkannten, besonders aber bei Gedächtniserfolgen gewürdigt haben, führt von selbst zu einer kurzen Rückschau am Schlusse des Buches.
Eine grundlegende Geisteskraft für allen Fortschritt, zugleich wohl die schwierigste Frage der Seelenforschung, lernten wir im Gedächtnis kennen. Es vertieft jede Geistesbildung und gibt ihr Reichtum und Umfang.
Als der Mensch erkannte, daß die Natur einfach gestellte Fragen (Experimente) unveränderlich nach ewigen Gesetzen beantwortet, als er erkannte, daß er selbst nicht außerhalb der Natur steht, unterwarf er auch den menschlichen Geist und das Gehirn dem wissenschaftlichen Versuch, auf dem die großen Ergebnisse der heutigen Gedächtnisforschung beruhen, deren Kenntnis für die Allgemeinheit von großem Nützlichkeitswert ist.
Auf dem Schaffen von Zusammenhängen beruht das Gedächtnis. Dieses Verbindungenschlagen, Verquicken und Durchdringen (bei Verschmelzung und Angleichung) geistiger Grundwerte bezeichnen wir (als Assoziation) als Vorstellbindung, wenn es von selbst geschieht. Ist Aufmerksamkeit und Wille daran beteiligt, so entstehen (Apperzeptionen): Beziehungen, Verknüpfungen, Verkettungen.
Obgleich sich unser Gedächtnis aus einer Vielheit, dem Zahlen-, Wort-, Ton-, Bewegungs-, Gleichgewichtsgedächtnis usw., zusammensetzt, gelten doch gewisse Regeln für sie alle.
So ist der Grad der Aufmerksamkeit bei der Auffassung eine grundlegende Kraft. Je mehr Aufmerksamkeit und innere Sammlung -- desto größer ist der Erfolg des Lernens. Aber schon hier zeigen sich persönliche Unterschiede. Wir unterscheiden eine stetige oder festhaltende Anlage, die sich nur langsam einer Aufgabe anzupassen vermag, aber dann treu und zäh in der einmal eingeschlagenen Richtung beharrt, ferner eine unstete Form, die sich überraschend schnell einer umfangreichen Aufgabe anpaßt, sich aber leicht ablenken läßt. Zu erstreben ist aber ein drittes Gepräge, das die Vorzüge beider Formen in sich vereinigt, schnell umfangreich-oberflächlich, aber ebenso schnell beschränkt-kräftig und -tiefgehend sich dem einzelnen widmen kann. Durch Übung lassen sich fast alle angeborenen Unterschiede im Gedächtnisbereiche ausgleichen.
Genau so stark wie unser gesamter leiblich-geistiger Verband, z. B. Puls, Atmen, Gehen usw., rhythmisch veranlagt ist, kommt auch bei Aufmerksamkeit und Bewußtsein der Takt als ein jede leibliche und geistige Arbeit stark fördernder Antrieb vor. Er läßt uns Getrenntes zu Einheiten zusammenfassen und wird so zu einer bedeutsamen Gedächtnishilfe.
Was Gefühlswert für uns hat, was als eigenes oder fremdes Erlebnis (in Form einer Erzählung) an uns herantritt, begegnet einer starken Anteilnahme. Wirkt aber die Neigung mit, so ist die Arbeit schon zur Hälfte geleistet. Darum empfiehlt es sich, an dem, was wir treiben, den regsten Anteil zu nehmen, in hohem Grade tätig zu sein.
Das Gefühl der Sicherheit, des Könnens, dieses Kraftgefühl, ist, wie bei allen Erfolgen, so auch beim Gedächtniserfolg eine wichtige Voraussetzung. Nichts hindert unsre Fähigkeiten so sehr wie der lähmende Zweifel. Er muß mit aller Kraft unterdrückt werden, und läßt sich das erforderliche Selbstvertrauen auf keine andere Weise gewinnen, so nehme man ruhig die Einbildung (Autosuggestion) zu Hilfe. Der Erfolg ist hier das Entscheidende.
Schon daraus läßt sich schließen, daß der bewußte Wille auf den Gedächtnisvorgang nicht ohne Einfluß ist. Tatsächlich weist die Versuchs-Seelenkunde nach, daß der feste Vorsatz, sich etwas für immer einzuprägen, die Dauer der Bindungen fördert. Unbewußt steigert sich dabei die Aufmerksamkeit.
Auseinanderreißen des Lernstoffs führt meist zu geistloser Einprägung. Schon darum ist das Lernen im Ganzen vorteilhafter als Lernen in Teilen. Nur in jenem Falle wirkt der Sinn als starke Hilfe. Selbst bei großen Stoffen ist das Ganzlernen zu empfehlen. Nur schiebe man sinngemäß einige Pausen, in denen an nichts anderes gedacht werden darf, ein. Währenddessen kann sich die Aufmerksamkeit neu sammeln. So werden auch bei umfangreichen Stoffen die Gedankenfäden nur in einer Richtung geschlagen.
Das Merken arbeitet in zwei Formen. Das unmittelbare Behalten ist ein Benützen von Nachbildern, die wir noch eine kurze Zeit im Bewußtsein festhalten, bis wir etwa auf eine Frage die Antwort gefunden haben. Dagegen beruht das Merken für längere Zeit, das auch wieder in zwei Formen möglich ist, für einen bestimmten Zeitpunkt und für immer, auf dem wichtigen Vorgang der Bindung oder Verkettung (Assoziation oder der Apperzeption).
Geschickte Auffindung irgendwelcher Zusammenhänge selbst bei sinnlosem Stoff ist eine wertvolle Hilfe beim Einprägen. Die Zahl besonders führt in unserem Geiste ein recht schwaches kraftloses Dasein. Wer nun schnell und geschickt mit mnemotechnischer Hilfe die Zahlen in passende Wörter zu übertragen vermag, wird ohne Zweifel Vorteile haben. Allein für andere sind die mnemotechnischen Grundsätze eine +Kraftvergeudung+, da meist mit einer ungeheuern Menge von Hilfsvorstellungen gearbeitet werden muß.
Bei den einzelnen Menschen zeigen sich ausgeprägte Vorstellungsunterschiede. Die einen arbeiten vornehmlich mit Gesichts-, die andern mit Gehörsvorstellungen. Sehr bedeutungsvoll sind außerdem Bewegungserinnerungen für unser Vorstellen und geistiges Arbeiten.
Die Anschauung dient als unerläßliche Grundlage aller Erkenntnis, und ohne kräftige Arbeit der Sinne gibt es kein gesundes, lebendiges Geistesleben. Durch planmäßige gründliche Beobachtungsübungen gilt es, schon in frühester Jugend die folgenschwere Unzuverlässigkeit der Zeugenaussage zu bessern.
Gesundheit des Gedächtnisses beruht in der Gesundheitspflege des Körpers und Geistes. Gesunder Leib und gesunder Geist verbürgen auch ein leistungsfähiges Gedächtnis.
Lösung der Aufgabe auf S. 50:
In den meisten Fällen ist die VI (6) nur angedeutet. Ihr Platz wird vom Sekundenzifferblatt eingenommen. Nun eine ehrliche Antwort! Sahst du nicht eine VI (6) oder IɅ (9) vor deinem geistigen Auge stehen?
* * * * *
Dieses Buch sollte in erster Linie die +Wissenschaft+ von der heutigen Gedächtnisforschung verbreiten. Ausführlich auch noch die Anwendung der Ergebnisse für Lehre und Leben zu bringen, dafür mangelte der Raum. Aber in zwei andern Bändchen von +Alfred Leopold Müller+:
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Eine solche den Erfolg verbürgende Stillehre auf neuen Wegen mit so hochgesteckten Zielen gibt es noch nicht in unserem Schrifttum.
Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen
erhalten Mitglieder, solange vorrätig zu +Ausnahmepreisen+:
1. Gruppe 1904-1907. Broschiert M 98.50, gebunden M 152.--
1904
Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W., Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) -- Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.
1905
Bölsche, Stammbaum der Tiere. -- Francé, Sinnesleben der Pflanzen. -- Zell, Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. -- Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne.
1906
Francé, Liebesleben der Pflanzen. -- Meyer, Dr. M. W., Rätsel der Erdpole. -- Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. -- Bölsche, W., Im Steinkohlenwald. -- Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.
1907
Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., Straußenpolitik. -- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.
2. Gruppe 1908-1911. Broschiert M 98.50, gebunden M 152.--
1908
Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., Die Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. -- Dekker, Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.
1909
Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., Der Mond. -- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, Kriechtiere und Lurche Deutschlands. -- Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.
1910
Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. -- Dekker, Fühlen und Hören. -- Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. -- Floericke, Säugetiere fremder Länder. -- Weule, Kultur der Kulturlosen.
1911
Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken. -- Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- Floericke, Vögel fremder Länder. -- Weule, Kulturelemente der Menschheit.
3. Gruppe 1912-1916. Broschiert M 123.--, gebunden M 190.--
1912
Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie unser Weltbild entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. -- Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. -- Koelsch, Würger im Pflanzenreich.
1913
Bölsche, Festländer und Meere. -- Floericke, Einheimische Fische. -- Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des Weltalls. -- Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.
1914
Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. -- Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.
1915
Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. -- Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter. -- Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum Alphabet. -- Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. -- Besser, H., Raubwild und Dickhäuter.
1916
Bölsche, Stammbaum der Insekten. -- Dekker, Dr., Heilen und Helfen. -- Floericke, Dr., Bulgarien. -- Weule, Krieg in den Tiefen der Menschheit (Doppelband).
4. Gruppe 1917-1921. Broschiert M 98.50, gebunden M 152.--
1917
Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. -- Floericke, Dr., Plagegeister. -- Hasterlik, Dr., Speise und Trank. -- Bölsche, Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur.
1918
Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. -- Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen. -- Kurth, Zwischen Keller und Dach. -- Hasterlik, Dr., Von Reiz- und Rauschmitteln.
1919
Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. -- Zell, Neue Tierbeobachtungen. -- Floericke, Spinnen und Spinnenleben. -- Kahn, Die Zelle.
1920
Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. -- Francé, Die Pflanze als Erfinder. -- Floericke, Schnecken und Muscheln. -- Lämmel, Wege zur Relativitätstheorie.
1921
Weule, Naturbeherrschung I. -- Floericke, Gewürm. -- Günther, Radiotechnik. -- Sanders, Hypnose und Suggestion.
Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 358.50, geb. M 556.--
=Einzeln bezogen= jeder Band brosch. M 6.20, geb M 9.40 (für Nichtmitgl. je M 7.60 bzw. M 11.20). Die Jahrgänge 1904-1916 (je 5 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 27.50, geb. je M 42.50. Die Jahrgänge 1917-1921 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 22.--, geb. je M 34.--.
=_Vom Kosmos-Handweiser_= sind noch geringe Vorräte von 1910, 1911, 1913, 1914, 1915, 1917, 1918, 1919, 1920, 1921 vorhanden. Jeder Band kostet für Mitglieder brosch. M 14.--, geb. M 26.50 (für Nichtmitglieder brosch. M 17.--, geb. M 30.--)
Der fortschreitenden Teuerung entsprechende, mäßige Preiserhöhungen vorbehalten.
Volkstümliche Bücher über Menschenkunde
[Illustration]
=Abstammung des Menschen.= Von +Wilh. Bölsche+. Mit Abb. (1)
Eine Übersicht über das ganze Menschen-Abstammungs-Problem von der einfachen Urzelle an durch alle Tierklassen bis zur „Krone der Schöpfung“.
=Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.= V. +Wilh. Bölsche+. Mit vielen Abbildungen. (30)
Eine Antwort auf alle Fragen, die die Höhlenmenschenforschung auf dem Gebiet des vorgeschichtlich. Menschen hervorgerufen hat.
=Der Mensch der Pfahlbauzeit.= Von +Wilh. Bölsche+. Reich illustr. (38)
Eine anschauliche Schilderung der Pfahlbauperiode, zusammengestellt nach den neuesten prähistorischen Funden.
=Der Mensch der Zukunft.= Von +W. Bölsche+. Mit Kopfleisten. (56)
Geistvolle Betrachtungen über die Möglichkeit der Weiterentwicklung des Menschen vom Standpunkt der Naturwissenschaften.
=Vom sieghaften Zellenstaat.= Von Dr. +H. Dekker+. Mit Bildern. (50)
Wie die vielen winzig kleinen Zellen, aus denen alles Lebende aufgebaut ist, zusammenwirken, um sieghaft über die Stürme des Lebens hinwegzuhelfen, wird in dem Bändchen erzählt.
=Naturgeschichte des Kindes.= Von Dr. +Herm. Dekker+. Mit Abb. (24)
Eine Schilderung des Kindes aus seiner historischen Entwicklung heraus.
=Seele des Kindes.= Eine vergleichende Lebensgeschichte. Von ~Dr. phil.~ +Wilh. Ament+. Mit 2 Tafeln und 43 Abbildungen. (15)
Eine volkstümliche Darstellung des umfangreichen Stoffes.
=Schlafen und Träumen.= Von Dr. +W. Fischer-Defoy+. (76)
Die sicheren Ergebnisse auf dem Gebiete der Schlaf- und Traumforschung werden hier in außerordentlich ansprechender Form vermittelt.
=Fortpflanzung und Zeugung.= Von Dr. +Ernst Teichmann+. Mit zahlreichen Abbildungen. (19)
Ein Gebiet, das die größten Rätsel aller Rätsel umschließt, wird hier in gemeinverständlicher Darstellung behandelt.
=Leben und Tod.= Ein Kapitel aus der Lebenskunde. Von Dr. +Ernst Teichmann+. (9)
Ein Versuch, gemeinverständlich darzustellen, was die Naturwissenschaft über das Phänomen des Lebens aussagen kann.
=D. Vererbung als erhaltende Macht= im Flusse organischen Geschehens. Von Dr. +E. Teichmann+. Mit Textabbildungen u. 4 Tafeln. (22)
Eine Skizze von der Bedeutung der Vererbungsforschung für das Leben d. Menschheit.
=Die Zelle.= Von Dr. +Fr. Kahn+. (77)
Das Buch bietet eine klare Erkenntnis der „Mysterien“ des geheimnisvollen Kleinlebens der Zelle.
Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart
STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI HOLZINGER & Co. STUTTGART