Chapter 11 of 32 · 2885 words · ~14 min read

Part 11

Alles erhob sich von den Sitzen. „Was ist das, was ist das?“ rief es durcheinander; aus dem Saal drängten sich, das Spiel verlassend, die Menschen herein, von dem fürchterlichen Ton meiner Stimme erschreckt. „Ein Betrunkener, ein Wahnsinniger, bringt ihn fort, bringt ihn fort,“ riefen mehrere. Aber der fremde Maler stand unbeweglich mich anstarrend. Unsinnig vor Wut und Verzweiflung riß ich das Messer, womit ich Hermogen getötet, und das ich stets bei mir zu tragen pflegte, aus der Seitentasche und stürzte mich auf den Maler, aber ein Schlag warf mich nieder und der Maler lachte im fürchterlichen Hohn, daß es im Zimmer wiederhallte. „Bruder Medardus, Bruder Medardus, falsch ist dein Spiel, geh und verzweifle in Reue und Scham.“ -- Ich fühlte mich von den Gästen angepackt, da ermannte ich mich, und wie ein wütender Stier drängte und stieß ich gegen die Menge, daß mehrere zur Erde stürzten und ich mir den Weg zur Tür bahnte. -- Rasch eilte ich durch den Korridor, da öffnete sich eine kleine Seitentüre, ich wurde in ein finstres Zimmer hineingezogen, ich widerstrebte nicht, weil die Menschen schon hinter mir herbrausten. Als der Schwarm vorüber, führte man mich eine Seitentreppe hinab in den Hof, und dann durch das Hintergebäude auf die Straße. Bei dem hellen Schein der Laterne erkannte ich in meinem Retter den possierlichen Belcampo. „Dieselben scheinen,“ fing er an, „einige Fatalität mit dem fremden Maler zu haben, ich trank im Nebenzimmer ein Gläschen, als der Lärm anging und beschloß, da mir die Gelegenheit des Hauses bekannt, Sie zu retten, denn nur ich allein bin an der ganzen Fatalität schuld.“ „Wie ist das möglich?“ frug ich voll Erstaunen. -- „Wer gebietet dem Moment, wer widerstrebt den Eingebungen des höhern Geistes!“ fuhr der Kleine voll Pathos fort. „Als ich Ihr Haupthaar arrangierte, Verehrter, entzündeten sich in mir ~comme à l’ordinaire~ die sublimsten Ideen, ich überließ mich dem Ausbruch ungeregelter Fantasie, und darüber vergaß ich nicht allein die Locke des Zorns auf dem Hauptwirbel gehörig zur weichen Runde abzuglätten, sondern ließ auch sogar siebenundzwanzig Haare der Angst und des Entsetzens über der Stirne stehen, diese richteten sich auf bei den starren Blicken des Malers, der eigentlich ein Revenant ist, und neigten sich ächzend gegen die Locke des Zorns, die zischend und knisternd auseinanderfuhr. Ich habe alles geschaut, da zogen Sie, von Wut entbrannt, ein Messer, Verehrter, an dem schon diverse Blutstropfen hingen, aber es war ein eitles Bemühen, dem Orkus +den+ zuzusenden, der dem Orkus schon gehörte, denn dieser Maler ist Ahasverus der ewige Jude, oder Bertram de Bornis, oder Mephistopheles, oder Benvenuto Cellini, oder der heilige Peter, kurz ein schnöder Revenant.“ Das tolle Geschwätz des Kleinen, der unterdessen mit mir durch die Straßen rannte, hatte in dem Augenblick für mich etwas Grauenhaftes, und wenn ich dann und wann seine skurrilen Sprünge, sein komisches Gesicht bemerkte, mußte ich, wie im konvulsivischen Krampf, laut auflachen. Endlich waren wir in meinem Zimmer; Belcampo half mir packen, bald war alles zur Reise bereit, ich drückte dem Kleinen mehrere Dukaten in die Hand, er sprang hoch auf vor Freude und rief laut: „Heisa, nun habe ich ehrenwertes Geld, lauter flimmerndes Gold mit Herzblut getränkt, gleißend und rote Strahlen spielen. Das ist ein Einfall und noch dazu ein lustiger, mein Herr, weiter nichts.“

Den Zusatz mochte ihm mein Befremden über seinen Ausruf entlocken; er bat sich es aus, der Locke des Zorns noch die gehörige Runde geben, die Haare des Entsetzens kürzer schneiden und ein Löckchen Liebe zum Andenken mitnehmen zu dürfen. Ich ließ ihn gewähren und er vollbrachte alles unter den possierlichsten Gebärden und Grimassen. -- Zuletzt ergriff er das Messer, welches ich beim Umkleiden auf den Tisch gelegt und stach damit, indem er eine Fechterstellung annahm, in die Luft hinein. „Ich töte Ihren Widersacher,“ rief er, „und da er eine bloße Idee ist, muß er getötet werden können durch eine Idee, und erstirbt demnach an dieser, der meinigen, die ich, um die Expression zu verstärken, mit schicklichen Leibesbewegungen begleite. ~Apage Satanas, apage, apage, Ahasverus, allez-vous-en!~“ -- Nun das wäre getan, sagte er, das Messer weglegend, tief atmend und sich die Stirne trocknend, wie einer, der sich tüchtig angegriffen, um eine schwere Arbeit zu vollbringen. Rasch wollte ich das Messer verbergen, und fuhr damit in den Ärmel, als trüge ich noch die Mönchskutte, welches der Kleine bemerkte und ganz schlau belächelte. Indem blies der Postillon vor dem Hause, da veränderte Belcampo plötzlich Ton und Stellung, er holte ein kleines Schnupftuch hervor, tat als wische er sich die Tränen aus den Augen, bückte sich einmal über das andere ganz ehrerbietig, küßte mir die Hand und den Rock und flehte. „Zwei Messen für meine Großmutter, die an einer Indigestion, vier Messen für meinen Vater, der an unwillkürlichen Fasten starb, ehrwürdiger Herr! Aber für mich jede Woche eine, wenn ich gestorben. -- Vorderhand Ablaß für meine vielen Sünden. -- Ach, ehrwürdiger Herr, es steckt ein infamer, sündlicher Kerl in meinem Innern und spricht. „Peter Schönfeld, sei kein Affe, und glaube, daß du bist, sondern ich bin eigentlich +du+, heiße Belcampo und bin eine geniale Idee, und wenn du das nicht glaubst, so stoße ich dich nieder mit einem spitzigen, haarscharfen Gedanken.“ Dieser feindliche Mensch, Belcampo genannt, Ehrwürdiger! begeht alle mögliche Laster; unter andern zweifelt er oft an der Gegenwart, betrinkt sich sehr, schlägt um sich, und treibt Unzucht mit schönen, jungfräulichen Gedanken; dieser Belcampo hat mich, den Peter Schönfeld, ganz verwirrt und konfuse gemacht, daß ich oft ungebürlich springe und die Farbe der Unschuld schände, indem ich singend in ~dulci jubilo~ mit weißseidenen Strümpfen in den Dr-- setze. Vergebung für beide, Pietro Belcampo und Peter Schönfeld!“ -- Er kniete vor mir nieder und tat als schluchzte er heftig. Die Narrheit des Menschen wurde mir lästig. -- „Seien Sie doch vernünftig,“ rief ich ihm zu; der Kellner trat herein um mein Gepäck zu holen. Belcampo sprang auf, und wieder in seinen lustigen Humor zurückkommend, half er, indem er in einemfort schwatzte, dem Kellner das herzubringen, was ich noch in der Eile verlangte. „Der Kerl ist ein ausgemachter Hasenfuß, man darf sich mit ihm nicht viel einlassen,“ rief der Kellner, indem er die Wagentüre zuschlug. Belcampo schwenkte den Hut und rief: „Bis zum letzten Hauch meines Lebens!“ als ich mit bedeutendem Blick den Finger auf den Mund legte.

Als der Morgen zu dämmern anfing, lag die Stadt schon weit hinter mir, und die Gestalt des furchtbaren, entsetzlichen Menschen, der wie ein unerforschtes Geheimnis mich grauenvoll umfing, war verschwunden. -- Die Frage der Postmeister: „Wohin?“ rückte es immer wieder aufs neue mir vor, wie ich nun jeder Verbindung im Leben abtrünnig worden und den wogenden Wellen des Zufalls preisgegeben, umherstreiche. Aber, hatte nicht eine unwiderstehliche Macht mich gewaltsam herausgerissen aus allem, was mir sonst befreundet, nur damit der mir inwohnende Geist in ungehemmter Kraft seine Schwingen rüstig entfalte und rege? -- Rastlos durchstrich ich das herrliche Land, nirgends fand ich Ruhe, es trieb mich unaufhaltsam fort, immer weiter hinab in den Süden, ich war, ohne daran zu denken, bis jetzt kaum merklich von der Reiseroute abgewichen die mir Leonardus bezeichnet, und so wirkte der Stoß, mit dem er mich in die Welt getrieben, wie mit magischer Gewalt fort in gerader Richtung. --

In einer finstern Nacht fuhr ich durch einen dichten Wald, der sich bis über die nächste Station ausdehnen sollte, wie mir der Postmeister gesagt, und deshalb geraten hatte, bei ihm den Morgen abzuwarten, welches ich, um nur so rasch als möglich ein Ziel zu erreichen, das mir selbst ein Geheimnis war, ausschlug. Schon als ich abfuhr, leuchteten Blitze in der Ferne, aber bald zogen schwärzer und schwärzer die Wolken herauf, die der Sturm zusammengeballt hatte und brausend vor sich herjagte; der Donner hallte furchtbar im tausendstimmigen Echo wieder, und rote Blitze durchkreuzten den Horizont soweit das Auge reichte; die hohen Tannen krachten, bis in die Wurzel erschüttert, der Regen goß in Strömen herab. Jeden Augenblick liefen wir Gefahr von den Bäumen erschlagen zu werden, die Pferde bäumten sich, scheu geworden durch das Leuchten der Blitze, bald konnten wir kaum noch fort; endlich wurde der Wagen so hart umgeschleudert, daß das Hinterrad zerbrach. So mußten wir nun auf der Stelle bleiben und warten, bis das Gewitter nachließ und der Mond durch die Wolken brach. Jetzt bemerkte der Postillon, daß er in der Finsternis ganz von der Straße abgekommen und in einen Waldweg geraten sei; es war kein anderes Mittel, als diesen Weg, so gut es gehen wollte, zu verfolgen, und so vielleicht mit Tagesanbruch in ein Dorf zu kommen. Der Wagen wurde mit einem Baumast gestützt, und so ging es Schritt vor Schritt fort. Bald bemerkte ich, der ich voranging, in der Ferne den Schimmer eines Lichts, und glaubte Hundegebell zu vernehmen; ich hatte mich nicht getäuscht, denn kaum waren wir einige Minuten länger gegangen, als ich ganz deutlich Hunde anschlagen hörte. Wir kamen an ein ansehnliches Haus, das in einem großen, mit einer Mauer umschlossenen Hofe stand. Der Postillon klopfte an die Pforte, die Hunde sprangen tobend und bellend herbei, aber im Hause selbst blieb alles stille und tot, bis der Postillon sein Horn erschallen ließ; da wurde im obern Stock das Fenster, aus dem mir das Licht entgegenschimmerte, geöffnet, und eine tiefe, rauhe Stimme rief herab. „Christian, Christian!“ -- „Ja, gestrenger Herr,“ antwortete es unten. „Da klopft und bläst es,“ fuhr die Stimme von oben fort, „an unserm Tor und die Hunde sind ganz des Teufels. Nehm er einmal die Laterne und die Büchse No. 3 und sehe er zu, was es gibt.“ -- Bald darauf hörten wir, wie Christian die Hunde ablockte, und sahen ihn endlich mit der Laterne kommen. Der Postillon meinte, es sei kein Zweifel, wie er gleich, als der Wald begonnen, statt geradeaus zu fahren, seitwärts eingebogen sein müsse, da wir bei der Försterwohnung wären, die von der letzten Station eine Stunde rechts abliege. -- Als wir dem Christian den Zufall, der uns betroffen, geklagt, öffnete er sogleich beide Flügel des Tors und half den Wagen hinein. Die beschwichtigten Hunde schwänzelten und schnüffelten um uns her, und der Mann, der sich nicht vom Fenster entfernt, rief unaufhörlich herab. „Was da, was da? was für eine Karawane?“ -- ohne daß Christian oder einer von uns Bescheid gegeben. Endlich trat ich, während Christian Pferde und Wagen unterbrachte, ins Haus, das Christian geöffnet, und es kam mir ein großer, starker Mann mit sonneverbranntem Gesicht, den großen Hut mit grünem Federbusch auf dem Kopfe, übrigens im Hemde, nur die Pantoffeln an die Füße gesteckt, mit dem bloßen Hirschfänger in der Hand, entgegen, indem er mir barsch entgegenrief: „Woher des Landes? -- was turbiert man die Leute in der Nacht, das ist hier kein Wirtshaus, keine Poststation. -- Hier wohnt der Revierförster, und das bin ich! -- Christian ist ein Esel, daß er das Tor geöffnet.“ Ich erzählte ganz kleinmütig meinen Unfall, und daß nur die Not uns hier hineingetrieben, da wurde der Mann geschmeidiger, er sagte: „Nun freilich, das Unwetter war gar heftig, aber der Postillon ist doch ein Schlingel, daß er falsch fuhr und den Wagen zerbrach. -- Solch ein Kerl muß mit verbundenen Augen im Walde fahren können, er muß darin zu Hause sein, wie unsereins. -- Er führte mich herauf, und indem er den Hirschfänger aus der Hand legte, den Hut abnahm und den Rock überwarf, bat er, seinen rauhen Empfang nicht übel zu deuten, da er hier in der abgelegenen Wohnung umsomehr auf der Hut sein müsse, als wohl öfters allerlei liederlich Gesindel den Wald durchstreife, und er vorzüglich mit den sogenannten Freischützen, die ihm schon oft nach dem Leben getrachtet, beinahe in offener Fehde liege. „Aber,“ fuhr er fort, „die Spitzbuben können mir nichts anhaben, denn mit der Hilfe Gottes verwalte ich mein Amt treu und redlich, und im Glauben und im Vertrauen auf ihn, auf mein gut Gewehr, biete ich ihnen Trotz.“ -- Unwillkürlich schob ich, wie ich es noch oft aus alter Gewohnheit nicht lassen konnte, einige salbungsvolle Worte über die Kraft des Vertrauens auf Gott ein, und der Förster erheiterte sich immer mehr und mehr. Meinen Protestationen unerachtet weckte er seine Frau, eine betagte, aber muntre, rührige Matrone, die, wiewohl aus dem Schlafe gestört, doch freundlich den Gast bewillkommnete und auf des Mannes Geheiß sogleich ein Abendessen zu bereiten anfing. Der Postillon sollte, so hatte es ihm der Förster als Strafe aufgegeben, noch in derselben Nacht mit dem zerbrochenen Wagen auf die Station zurück, von der er gekommen, und ich von ihm, dem Förster, nach meinem Belieben auf die nächste Station gebracht werden. Ich ließ mir das umsoeher gefallen, als mir selbst wenigstens eine kurze Ruhe nötig schien. Ich äußerte deshalb dem Förster, daß ich wohl bis zum Mittag des folgenden Tages dazubleiben wünsche, um mich ganz von der Ermüdung zu erholen, die mir das beständige, unaufhörliche Fahren mehrere Tage hindurch verursacht. „Wenn ich Ihnen raten soll, mein Herr,“ erwiderte der Förster, „so bleiben Sie morgen den ganzen Tag über hier, und warten Sie bis übermorgen, da bringt Sie mein ältester Sohn, den ich in die fürstliche Residenz schicke, selbst bis auf die nächste Station.“ Auch damit war ich zufrieden, indem ich die Einsamkeit des Ortes rühmte, die mich wunderbar anziehe. „Nun, mein Herr!“ sagte der Förster, „einsam ist es hier wohl gar nicht, Sie müßten denn so nach den gewöhnlichen Begriffen der Städter jede Wohnung einsam nennen, die im Walde liegt, unerachtet es denn doch sehr darauf ankommt, wer sich darin aufhält. Ja, wenn hier in diesem alten Jagdschloß noch so ein griesgrammiger alter Herr wohnte, wie ehemals, der sich in seinen vier Mauern einschloß und keine Lust hatte an Wald und Jagd, da möchte es wohl ein einsamer Aufenthalt sein, aber seitdem er tot ist, und der gnädige Landesfürst das Gebäude zur Försterwohnung hat einrichten lassen, da ist es hier recht lebendig worden. Sie sind doch wohl so ein Städter, mein Herr; der nichts weiß von Wald und Jagdlust, da können Sie sichs denn nicht denken, was wir Jägersleute für ein herrlich freudig Leben führen. Ich mit meinen Jägerburschen mache nur eine Familie aus, ja, Sie mögen das nun kurios finden oder nicht, ich rechne meine klugen, anstelligen Hunde auch dazu; die verstehen mich und passen auf mein Wort, auf meinen Wink und sind mir treu bis zum Tode. -- Sehen Sie wohl, wie mein Waldmann da mich so verständig anschaut, weil er weiß, daß ich von ihm rede? -- Nun, Herr, gibt es beinahe immer was im Walde zu tun, da ist denn nun abends ein Vorbereiten und Wirtschaften, und sowie der Morgen graut, bin ich aus den Federn, und trete heraus, ein lustig Jägerstückchen auf meinem Horn blasend. Da rüttelt und rappelt sich alles aus dem Schlafe, die Hunde schlagen an, sie jauchzen vor Mut und Jagdbegier. Die Bursche werfen sich schnell in die Kleider, Jagdtasch’ umgeworfen, Gewehr über die Schulter, treten sie hinein in die Stube, wo meine Alte das Jägerfrühstück bereitet, und nun geht’s heraus in Jubel und Lust. Wir kommen hin an die Stellen, wo das Wild verborgen, da nimmt jeder vom andern entfernt einzeln seinen Platz, die Hunde schleichen, den Kopf geduckt zur Erde und schnüffeln und spüren, und schauen den Jäger an, wie mit klugen menschlichen Augen, und der Jäger steht, kaum atmend, mit gespanntem Hahn regungslos, wie eingewurzelt auf der Stelle. -- Und wenn nun das Wild herausspringt aus dem Dickicht, und die Schüsse knallen, und die Hunde stürzen hinterdrein, ei Herr, da klopft einem das Herz und man ist ein ganz andrer Mensch. Und jedesmal ist solch ein Ausziehen zur Jagd was Neues, denn immer kommt was ganz Besonderes vor, was noch nicht dagewesen. Schon dadurch, daß das Wild sich in die Zeiten teilt, so daß nun dies, dann jenes sich zeigt, wird das Ding so herrlich, daß kein Mensch auf Erden es satt haben kann. Aber, Herr! auch der Wald schon an und für sich selbst, der Wald ist ja so lustig und lebendig, daß ich mich niemals einsam fühle. Da kenne ich jedes Plätzchen und jeden Baum, und es ist mir wahrhaftig so, als wenn jeder Baum, der unter meinen Augen aufgewachsen und nun seine blanken regen Wipfel in die Lüfte streckt, mich auch kennen und liebhaben müßte, weil ich ihn gehegt und gepflegt, ja ich glaube ordentlich, wenn es manchmal so wunderbar rauscht und flüstert, als spräche es zu mir mit ganz eignen Stimmen, und das wäre eigentlich das wahre Lobpreisen Gottes und seiner Allmacht, und ein Gebet, wie man es gar nicht mit Worten auszusprechen vermag. -- Kurz, ein rechtschaffener, frommer Jägersmann führt ein gar lustig, herrlich Leben, denn es ist ihm ja wohl noch etwas von der alten schönen Freiheit geblieben, wie die Menschen so recht in der Natur lebten, und von all dem Geschwänzel und Geziere nichts wußten, womit sie sich in ihren gemauerten Kerkern quälen, so daß sie auch ganz entfremdet sind all den herrlichen Dingen, die Gott um sie hergestellt hat, damit sie sich daran erbauen und ergötzen sollen, wie es sonst die Freien taten, die mit der ganzen Natur in Liebe und Freundschaft lebten, wie man es in den alten Geschichten lieset.“ --

Alles das sagte der alte Förster mit einem Ton und Ausdruck, daß man wohl überzeugt sein mußte, wie er es tief in der Brust fühle, und ich beneidete ihn in der Tat um sein glückliches Leben, um seine im Innersten tiefbegründete ruhige Gemütsstimmung, die der meinigen so unähnlich war.