Chapter 2 of 5 · 7603 words · ~38 min read

Neuntes Kapitel.

Java. -- Samarang. -- Die Schlammquellen von Grobogan. -- Besuch der freien Fürstenthümer Djogokarta und Surukarta. -- Der Tempel Boro-Budoo. -- Die heilige Schildkröte. -- Audienz bei dem Sultan. -- Solo. -- Fürstliches Leichenbegängniß. -- Audienz bei dem Susuhunan. -- Rückkehr nach Samarang. -- Reise nach Surabaya.

In Batavia angekommen wollte ich die Güte des Residenten Herrn van Rees nicht mißbrauchen und stieg bei der Familie des Herrn Obrist Steuerwald ab.

Meines Bleibens war aber nicht lange; ermuthigt durch die gute Aufnahme, die ich auf Java und Sumatra gefunden, durch die Bereitwilligkeit, mit welcher man mir überall das Reisen so viel als möglich zu erleichtern gesucht hatte, wünschte ich nun auch das Innere Javas, so wie Celebes, die Molukken u. s. w. zu besuchen.

Es gibt auf Batavia zwei Dampfschifffahrts-Gesellschaften, deren Schiffe alle Inseln und etwas bedeutenderen Punkte der Holländisch-Indischen Besitzungen berühren. Ich ging zu den Direktoren beider, den Herren +Cores de Vries+ und +Fraser+, um sie zu ersuchen, mir die Ueberfahrtspreise etwas billiger zu stellen. Wer stellt sich meine Ueberraschung, meine Freude vor, als mir die Herren die Erlaubniß ertheilten, von ihren Schiffen unentgeldlich überall, wohin sie gingen, Gebrauch zu machen[11]!

Schon am +18. November+ verließ ich wieder Batavia auf der „Königin der Niederlande,“ Kapitän Chevalier, mit der Bestimmung für +Samarang+ auf der Ostküste Java’s (210 Meilen). Wir hatten herrliches Wetter und legten die Reise in 37 Stunden zurück. Das Land verloren wir selten aus dem Gesicht. Es breitete sich als unübersehbare Ebene längs dem Seegestade aus; erst nahe bei Samarang kam wieder ein Theil der Gebirgswelt zum Vorschein, dabei der 5000 Fuß hohe +Ungarang+.

In Samarang fand ich bei Dr. +Schmitz+ die herzlichste Aufnahme. Er wie seine Gemahlin waren Deutsche, hatten mir, der ihnen ganz Fremden, nach Batavia geschrieben und mich in ihr Haus eingeladen für den Fall, daß mich mein Weg nach Samarang führe. Von der Frau hatte ich schon viel in Batavia als von einer ausgezeichneten Sängerin sprechen gehört.

Die Stadt Samarang liegt in einer sehr fruchtbaren Ebene und ist von prachtvollen Alleen von Tamarinden-Bäumen umgeben, die hier zu einer seltenen Höhe und Ueppigkeit gelangen. Die Europäer wohnen auch hier, wie zu Batavia, außerhalb der Stadt.

Zu den ausgezeichnetsten Gebäuden gehört das Haus des Residenten[12]. In früheren Zeiten, als auch auf der Ostküste Java’s ein Gouverneur residirte, war es dessen Palast. Ein großer, schöner Garten umgibt es.

Nach diesem Gebäude ist das Hospital, die ehemalige Wohnung des Residenten, zu erwähnen.

Ich besuchte die Hospitäler beinahe in allen Holländischen Niederlassungen und fand sie überall, selbst in den kleinsten Orten, ausgezeichnet, vollkommen gut eingerichtet und die Kranken trefflich gehalten. Ich müßte von jenen herrlichen Anstalten nur immer wiederholen, was ich von der ersten geschrieben habe. In dieser Hinsicht scheinen mir die Holländer alle übrigen Nationen zu übertreffen.

In der erwähnten Anstalt hatten es die Irrsinnigen vorzüglich gut: sie wohnten zu vier oder sechs gemeinschaftlich in hohen, geräumigen Zimmern. Als ich in ihre Abtheilung kam, hatte ich gar keine Ahnung, mich unter Irren zu befinden. Früher wurden die Unglücklichen bei starken Ausbrüchen gebunden; unter der Leitung des Dr. Schmitz hat diese Behandlung aufgehört. Er bestraft sie wie ungezogene Kinder und beschränkt sie auf einen oder mehrere Tage in der Kost, was stets den besten Erfolg hat.

Das Merkwürdigste in der Residentschaft Samarang sind die aufbrodelnden Schlammquellen in der Nähe des Districtes +Grobogan+. Herr Resident +Potter+ gewährte mir Postpferde dahin (66 Paal), Frau Schmitz war so liebenswürdig, mich zu begleiten, und gut ausgerüstet verließen wir am 22. November Samarang.

Man kann leicht in einem Tage nach Grobogan kommen; da aber unterwegs zu +Pennwangan+ (36 Paal) eine bedeutende Tabakfabrik lag, mit deren Inhaber, Herrn +Klein+, Frau Schmitz bekannt war, fuhren wir am ersten Tage nur bis dahin. Herr Klein zeigte uns die ganze Anstalt. Der Tabak ist auf Java nicht gänzlich Monopol; man ist nicht gezwungen, ihn gegen festgesetzte Preise an die Regierung zu liefern. Man miethet nur die Ländereien auf zwanzig Jahre von ihr, mit welchem Pachte zugleich das Recht auf eine gewisse Anzahl Arbeiter zu bestimmten Preisen verbunden ist.

Herr Klein hat auf den von ihm gepachteten Ländereien acht große Trockenhäuser von Holz aufgeführt, jedes 750 Fuß lang, 106 breit und 42 hoch. Die Tabaksblätter werden hier nicht gepflückt, sondern die Pflanze wird an dem Stengel abgeschnitten und so aufgehangen. Wenn die Blätter trocken sind, werden sie abgenommen, in große Haufen aufgeschichtet und so lange liegen gelassen, bis sie durch ihre eigene Wärme zu gähren beginnen. Die Verfertigung der Cigarren ist höchst einfach. Die großen, schönen Blätter werden mit feinem Reiskleister bestrichen, kleinere Blätter darein gerollt, die Cigarren oben und unten nach einem Maße abgeschnitten, nochmals getrocknet und verpackt.

Den +23. November+ ging es weiter durch die Districte Damak und Grobogan bis zu den Schlammquellen. Der Weg führte gestern wie heute durch große, unübersehbare Ebenen, deren Einförmigkeit mir etwas langweilig wurde. In weiter Ferne nach dem Inneren zu sah man den +Ungarang+, +Merapi+, +Merbabu+, längs der Seeküste die niedrigen Vorgebirge von +Sumbing+ und +Sindoro+.

Diese Gegend wird ihrer Fruchtbarkeit wegen die Reiskammer von Java genannt, und doch fand hier im Jahre 1849 eine furchtbare Hungersnoth statt. Die Reisernte war mißglückt, und Tausende von Menschen starben dahin. Augenzeugen erzählten mir, daß man sich von dem Elende, von den schauderhaften Scenen dieser Zeit gar keine Vorstellung machen könne. In jeder Hütte lagen Todte, Sterbende, Halbverweste; die Lebendigen waren oft nicht mehr im Stande, die Verstorbenen hinweg zu schaffen. Ueberall begegnete man nur Gerippen; ausgehungerte Kinder, die Eltern und Freunde verloren hatten, irrten jammernd umher und schrieen nach Brot. Männer und Weiber fielen auf den Straßen nieder und gaben den Geist auf. Man beraubte die Kokospalmen ihrer Kronen, um die Blätter zu kochen und zu essen. Und so groß war dabei der Glaube dieser Unglücklichen an ihre Bestimmung, daß sie neben den vollen Reissäcken, die in und vor den Kaufläden standen, hinsanken und mit dem Hungertodte kämpfend ausriefen: „Gott hat dieses Schicksal über uns verhängt!“ -- Kein Kaufladen wurde geplündert.

Mehrere Privatleute sandten Berichte über diese grenzenlose Noth an die Regierung und selbst an den Gouverneur-General (Herr +Deimar+ van +Twist+ war zu dieser Zeit noch nicht in Indien; er kam erst im Jahre 1851). Die Regierung schien aber nur ihren eigenen Organen glauben zu wollen und forderte officielle Berichte von dem Residenten zu Samarang, Herrn Be..... Sollte man es glauben, daß dieser Mann die Grausamkeit hatte, alles für unwahr zu erklären? Er wollte sogar die Namen jener wissen, welche die Berichte geschrieben hatten, um sie zu bestrafen[13]. Als die Regierung hinter die Wahrheit kam, war es für Tausende und Tausende schon zu spät[14]. Viele der Unglücklichen waren schon so schwach, daß sie die Nahrung nicht mehr vertragen konnten. Die Straßen, die Dörfer lagen voll Leichen; bösartige Seuchen entstanden in Folge der verpesteten Luft, und 120,000 Menschen starben in der Zeit von 13 Monaten (September 1849 bis Oktober 1850); außerdem wanderten über 20,000 aus. Und was geschah dem Residenten und dem Assistent-Residenten? -- Ersterer wurde pensionirt, mit einem jährlichen Gehalte von 6000 Recepissen, letzterer als +Resident+ in eine andere Provinz versetzt.

Noch jetzt sah es in dem Bezirke Grobogan, wo die Noth am größten war, düster und traurig aus. Obwohl die nie ermüdende Natur mit ihrem grünen Teppiche die Leichenfelder überdeckt hatte, konnte sie weder die Hütten beleben und vor dem Einsturze bewahren, noch den Bäumen ihre Kronen wiedergeben. Alang-Alang und Gestrüppe wucherte auf dem größten Theile des Bodens, zahllosen Heerden von Wildschweinen zum Tummelplatze dienend. In wenig Jahren wird freilich wieder alles reich ersetzt sein; die Geflüchteten kehren bereits zu ihren verfallenen Hütten zurück, der ausgeruhte Boden wird doppelt tragen, und der Reisende durch die Ebene ziehen, ohne im geringsten zu ahnen, von welchen Schreckensscenen sie Zeuge war. Wird auch Herr Be..... diese Scenen aus seiner Erinnerung streichen können?

Das Aufbrodeln der Schlammquellen sieht man schon einige Paal weit von der Straße aus; es gleicht der Brandung des Meeres. Der Schlamm steigt wie eine Woge in die Höhe, und der Dampf ist mit dem feinen Staubregen der schäumenden Welle zu vergleichen. Wir fuhren den Quellen bis einen halben Paal nahe. Tragstühle, durch die Vorsorge des Herrn Assistent-Residenten, der uns begleitete, bereit gehalten, brachten uns an Ort und Stelle.

Auf gelegten Brettern konnten wir bis an den Rand der Hauptquelle gehen. Ihr Becken mag über 100 Fuß im Durchmesser haben. Das ganze Becken ist zwar mit Schlamm gefüllt; allein nur ein kleiner Theil brodelt gleich einer Woge auf, das übrige ist halb verhärtet. Die Schlammquelle in diesem Becken hat 15 Fuß im Durchmesser; sie brodelte höchstens 4 Fuß auf; bei anhaltendem Regenwetter soll sie einige Fuß höher aufsteigen. Unbedeutende Aufbrodelungen von Schlamm gibt es an vielen Stellen in dem Becken; Gas- oder Luftblasen steigen beinahe überall auf. Ein zweites kleines Schlammbecken, von sechs bis sieben Fuß im Durchmesser, liegt unfern dem großen. Man kann ihm ganz nahe kommen; der kaum fußhoch aufwirbelnde Schlamm ist lauwarm. Wir steckten ein sehr langes Bambusrohr in das Becken, welches von der unterirdischen Kraft alsbald gehoben und über den Rand geworfen wurde. Die große Schlammquelle ist viel heißer als die kleine. Der Schlamm schmeckt sehr salzig. Viele Leute aus der Umgebung tragen davon nach Hause und ziehen durch Abwässerung die Salztheile heraus. Diese Quellen verdienen allerdings besucht zu werden; für mich waren sie jedoch nicht so überraschend, da ich auf Island viel Wunderbareres der Art gesehen hatte.

In der Nähe der Schlammquellen sind auch Salzquellen, oder besser gesagt Salzbrunnen, denn vierkantige Oeffnungen von 4 Fuß Breite und 40 Fuß Tiefe leiten zu ihnen. Sie haben in der trockenen Jahreszeit eine Wärme von 45 Grad Reaumur, in der Regenzeit von 39. Die Oeffnungen sind mit Balken ausgezimmert, um das Einstürzen des Erdreichs zu verhindern. Das Wasser wird herausgeschöpft und in große Becken geleitet, wo es so lange bleibt, bis sich der wenige Schlamm, den es mit sich führt, gesetzt hat. Man läßt es dann in ganz seichte, auf drei Fuß hohen Gestellen ruhende Rinnen laufen und an der Sonne verdampfen. Das Salz bleibt in kleinen, weißen Krystallen zurück und wird mit Muscheln zusammengefaßt.

Es gibt viele solche Salzbrunnen in dieser Gegend. Der Reingewinnst im Jahre beträgt 10,000 Pikul Salz. Man konnte mir nicht sagen, wie viel Procent reines Salz dies Wasser liefert.

Von den Salzquellen kehrten wir mit dem Herrn Assistent-Residenten nach Grobogan zurück und nahmen seine freundliche Einladung, die Nacht in seinem Hause zuzubringen, gern an.

Am +24. November+ zogen wir wieder in Samarang ein, um sogleich Vorbereitungen zu einer bedeutenderen Reise nach dem Innern des Landes zu treffen. Herr Resident Potter gestattete mir Postpferde für seinen ganzen Distrikt und versicherte mir, daß die übrigen Residenten gewiß dasselbe thun würden. Er rieth mir besonders, die herrlichen Hindu-Tempel, so wie die freien Fürstenthümer +Djogokarta+ und +Surakarta+ zu besuchen.

Auf dieser Reise begleitete mich Herr und Frau Schmitz.

Wir verließen Samarang am +26. November+ und fuhren 48 Paal bis +Magelang+, in der Residentschaft +Kadu+. Zu diesen 48 Paal benöthigten wir neun Stunden, denn stets ging es über Gebirge von mehr als 2000 Fuß, ja zwischen +Salatiga+ und Magelang über eine Höhe von 4550 Fuß. Unserem Sechsgespanne wurden häufig tüchtige Büffel zugesellt.

Diese langsame Fahrt war uns allen höchst angenehm, denn die Ansichten waren überaus reich und wechselnd. Das Meer mit seinem endlosen Spiegel lag tief unter uns, ein zweites Meer von Bergen, Hügeln und Thälern umgab uns. Im Westen prangte der +Sumbing+ (10,770 Fuß), im Osten der +Merapi+ (8240 Fuß), der +Merbabu+, im Norden der +Onclong+, das +Telo-mayo-+ und +Jambu-+, im Süden das +Minore-Gebirge+. Unter den Thälern war das schönste jenes von +Ambarawa+; es ist mit herrlichem Grün, mit lieblichen Bosketen bedeckt. Leider ist diese Schönheit zum Theil nur Larve, da der größte Theil dieses Thales einen trügerischen Sumpf bildet, der an manchen Stellen unergründlich tief sein soll.

Einige Paal früher kamen wir an dem kleinen Fort +Ungarang+ vorüber, welches seiner hohen Lage wegen so gesund ist, daß viel krankes Militär hieher gesandt wird. Auch für Privatleute ist ein geräumiges Hotel errichtet.

In dem Thale Ambarawa liegt die Festung „Wilhelm der Erste“; sie bildet ein regelrechtes Viereck und ist die größte auf Java.

Um drei Uhr Nachmittag kamen wir in Magelang an (1200 Fuß hoch gelegen). Herr Resident +Gaillard+ war so gütig, mich aufzunehmen. Dr. Schmitz mit seiner Frau stieg bei einem Freunde ab. Das Gebäude, welches der Resident bewohnt, gehört zu den sehr schönen, die Lage zu den reizendsten, da sie das großartige Rundgemälde der herrlichen Gebirgswelt beherrscht. Der dazu gehörige große Garten verdiente den Namen eines Parkes; er ist sehr geschmackvoll angelegt und mit vielen Alterthümern aus den nahen Hindu-Tempeln ausgeschmückt, unter welchen auch der heilige Stier nicht fehlt.

Ganz nahe bei Magelang liegt ein einzelner Hügel, von welchem die Eingebornen behaupten, daß er gerade den Mittelpunkt Java’s bezeichne; sie nennen ihn deshalb „den Nabel von Java.“

In Magelang wurde mir das große Vergnügen zu Theil, meinen lieben Landsmann Herrn Wilson kennen zu lernen, dessen Arbeiten ich in Batavia gesehen und bewundert hatte.

Herr Wilson war von der Holländischen Regierung beauftragt worden, die Hindu-Denkmäler und ganz besonders den Tempel +Boro-Budoo+ von Innen und Außen auf das genaueste aufzunehmen. Diese kolossale Aufgabe hatte er so eben beendet, und in wenig Tagen sollte er nach Batavia zurückkehren.

Wir blieben einen Tag in Magelang; den nächsten Morgen begleitete uns Herr Wilson nach dem zwölf Paal entfernten Tempel Boro-Budoo, und war so gefällig unsern Führer und Erklärer abzugeben.

Der Tempel, als Gebäude betrachtet, hat gar nichts Kunstvolles oder Schönes an sich. Er besteht aus zehn bis zwölf Fuß hohen Steinwänden, die an einem kleinen Hügel, den sie ganz einnehmen, stufenweise aufgeführt sind und ein regelmäßiges Viereck von 362 Fuß Durchmesser bilden. In fünf Gallerien erheben sich die Wände eine über der andern bis zu einer kleinen Fläche, von welcher wieder drei Terrassen aufsteigen; den Schluß bildet das Sanktuarium, eine große Glocke (leider schon größtenteils eingestürzt), unter welcher ein Buddha sitzt, der vorsätzlich unvollendet blieb, denn die Hindu sagen, daß das Allerheiligste von Menschenhänden nicht vollendet werden kann[15].

Die Höhe der ersten fünf aufsteigenden Terrassen beträgt 90 Fuß, des ganzen Tempels mit den letzten drei Terrassen und der obersten Glocke 120 Fuß. Auf der obersten Terrasse stehen 24 durchbrochen gebaute Glocken, auf der zweiten 28, auf der dritten 32, jede mit einem sitzenden Buddha. Im Ganzen enthält der Tempel 505 große Statuen des Buddha und 4000 Basreliefs, die an den In- und Außenseiten der Gallerien ausgehauen sind. Kein leeres Plätzchen zeigt sich an den Wänden; alles ist mit menschlichen Figuren, Arabesken u. s. w. bedeckt.

Zu dem Zeichnen dieser ungeheuern Menge von Statuen, Basreliefs, Figuren und Arabesken hat Herr Wilson nur vier Jahre verwendet. Der ganze Tempel ist mit seinen unzähligen Einzelheiten auf 400 große Velinbogen mit der Feder gezeichnet und auf diese Weise für die Nachwelt bewahrt, wenn er selbst schon lange in Schutt gefallen sein wird.

Aus den Basreliefs kann man die ganze Schöpfungsgeschichte der Indier, die Erschaffung des ersten Menschen, die nach und nach sich vervollkommnende Heiligkeit des Buddha u. s. w. ersehen. Diese Schöpfungsgeschichte hat sehr viel Aehnlichkeit mit der unsrigen.

Die Figuren und Gruppen auf den Basreliefs kommen mir hier viel richtiger, geschmackvoller und kunstreicher in Ausführung und Zusammenstellung vor, als ich sie an den Tempeln zu +Elora+, +Adjunta+ und andern in Brittisch Indien gesehen habe; dagegen fand ich dort die Arabesken ungleich zierlicher, die Glocken und Figuren bei weitem kolossaler. Was den Tempel als Gebäude anbelangt, kann man ihn natürlich mit den großartigen Hindostanischen Tempeln nicht vergleichen, da er, wie gesagt, nur aus parallel laufenden Steinwänden besteht. Die Bauart ohne Mörtel, die Wölbung durch Vorschiebung der übereinander gelegten Steine ist hier wie dort dieselbe.

Man vermuthet, daß der Tempel +Boro-Budoo+, wie auch die übrigen Hindu-Tempel auf Java, im achten Jahrhundert nach Christi Geburt erbaut worden seien. Welche Unzahl von Künstlern muß es zu jener Zeit gegeben haben, um solche Riesen-Kunstwerke zu Stande zu bringen!

Obwohl der Hindu-Gottesdienst schon im 15. Jahrhundert von dem Mohamedanismus verdrängt und ausgerottet wurde, und ganz Java seit dieser Zeit mohamedanisch ist, so kommen doch noch Tausende von Javanesen zu gewissen Zeiten im Jahre nach den Tempeln, um Gebete zu verrichten. Die +Buddha’s+ in dem Tempel Boro-Budoo werden besonders von dem weiblichen Geschlechte hoch verehrt. Viele Mütter pilgern hieher, um vor ihrer Niederkunft zu bitten, nach derselben zu danken; Bräute tragen ihre geheimen Anliegen vor. Ein Theil des alten Gottesdienstes ist auf diese Art in den neuen übergegangen und hat sich mit ihm verschmolzen.

Der Tempel Boro-Budoo ist leider schon ziemlich in Verfall; ein starker Erdstoß -- und das Ganze kann ein Schutthaufen werden. Viele Wände und Steine hängen in so losen Fugen und Geschieben über- und aneinander, daß man mit Angst bei denselben stehen bleibt oder vorübergeht-- ein Luftzug scheint hinlänglich zu sein, sie umzuwerfen. Nur der begeisterte Künstler konnte die Gefahr vergessen und Jahre lang hier verweilen. Häufig fielen Steine aus ihren Fugen neben ihm zu Boden, ja kürzlich bei einer schwachen Erderschütterung eine ganze Nische. Auch hatte Herr Wilson von der glühenden Hitze viel zu leiden, die sich zwischen den engen Wänden bildete und von keinem Lufthauche gemildert wurde.

In der Entfernung von nur einem Paal steht der zierliche kleine Tempel +Mendut+. Er mag zwanzig Fuß im Durchmesser und fünfzig in der Höhe haben und geht in einer Kuppel aus; die Steine halten sich durch ihre eigene Schwere, wie in den Glocken zu Boro-Budoo. Sachverständige erteilen diesem Tempelchen ein besonders großes Lob; sie bewundern die Wölbung, die Zierlichkeit der Arabesken, die drei darin sitzenden Figuren, welche, wenn in aufrechter Stellung, sechzehn Fuß hoch wären. Die Rundung der Formen, das höchst richtige Ebenmaß der Glieder, die edlen Gesichtsbildungen dieser Statuen sollen das Vollendetste sein, was man bisher von der Bildhauerarbeit der Hindu gesehen hat. Die mittlere Figur stellt einen Buddha, die beiden anderen stellen Könige vor.

An diesem Kleinode der Kunst nahmen wir Abschied von Herrn Wilson und fuhren noch 18 Paal weiter nach +Djogokarta+, der Hauptstadt des freien Fürstenthumes gleichen Namens.

Die beiden Fürstenthümer +Djogokarta+ und +Surakarta+ bildeten vor etwas mehr als hundert Jahren ein mächtiges Reich unter dem Namen +Mataran+. Zwei Brüder führten zu dieser Zeit einen Krieg um dasselbe, welcher fünfzehn Jahre währte. Im Jahre 1752 schlossen sie Frieden und theilten das Reich unter sich. Beide standen zwar damals schon unter dem Schutze (?) der Holländischen Compagnie, genossen aber ungleich mehr Freiheit und Selbstständigkeit, als heut zu Tage, bis sich im Jahre 1825 der Prinz +Diepo Negoro+ zu Djogokarta, theils aus Ehrsucht, theils beleidigt durch die zurücksetzende Behandlung der Holländischen Beamten, empörte und die beiden Reiche in einen Krieg mit den Holländern verwickelte, welcher fünf Jahre dauerte, sechstausend Menschenleben und viele Millionen Rupien kostete. Die Folge war für die eingeborenen Fürsten, daß die Holländer ihnen einen großen Theil der Ländereien abnahmen und sie gänzlich abhängig machten. Sie führen zwar noch den Titel „selbstständige“ Fürsten, haben aber einen Holländischen Residenten zur Seite, der sie eben so beschränkt und überwacht, wie die Engländer ihre „freien Könige“ in Hindostan. Sie dürfen ohne Vorwissen des Residenten keinen Besuch, keinen Brief empfangen, ja nicht einmal ihre Paläste verlassen; dafür bekommen sie aber von der Holländischen Regierung einen jährlichen Gehalt oder eine Entschädigung, und zwar der Sultan von Djogokarta 480,000 Rupien, der Susuhunan[16] von Surakarta 648,000 Rupien.

Ich stieg in Djogokarta, einer gütigen Einladung des Residenten Herrn +Hasselmann+ zu Folge, in seinem Hause ab. Eine schönere Residenz als diese (höchstens jene von Samarang ausgenommen) ist mir noch nicht vorgekommen. Vermutlich hat man sie absichtlich in einem so großartigen Style gebaut, um den Javanischen Fürsten Achtung vor den Europäern einzuflößen, um so mehr, da der Sultan dem Residenten einige Mal im Jahre feierliche Besuche abstattet und bei dieser Gelegenheit mit einem Gefolge von drei- bis vierhundert Personen kommt, von welchen mehr als hundert an die Tafel gezogen werden.

Außer den ceremoniellen macht der Sultan auch viele Privatbesuche, nicht nur bei dem Residenten, sondern auch in anderen Europäischen Häusern. Er kommt sogar in den Club und nimmt gern Theil am Billard- und Karten-Spiel, wie überhaupt an jeder Europäischen Unterhaltung. Wenn er die Europäische Welt zu sich ladet, wird nicht selten getanzt. Seine Gemahlin und Töchter sind von diesem Vergnügen nicht ausgeschlossen. Dieß mag vielleicht der einzige Ort in der Welt sein, wo man die Gemahlin, die Töchter eines mohamedanischen Sultans in den Armen Europäischer Herren und Offiziere walzen sehen kann. Die Sultanin soll dem Whist- und L’hombre-Spiele ebenfalls nicht abhold sein.

+29. November.+ Wir brachten den ganzen Tag mit Besehen des Merkwürdigen, mit Besuchen u. s. w. zu. Die Mutter der Frau Hasselmann, Frau +Parvé+, eine muntere, sehr gefällige Dame, übernahm es, uns die Sehenswürdigkeiten von Djogokarta zu zeigen. Wir begannen mit dem Lustpalaste des Sultans. Jeder seiner Paläste wird „+Kraton+“ genannt und ist mit hohen Mauerwällen umgeben, welche die Gärten, Badehäuser, alle möglichen Nebengebäude, ja oft einen kleinen Kampon in sich schließen. Dieser Palast heißt auch „+Wasserpalast+“ (Tamansari), weil er bis an das erste Stockwerk unter Wasser gesetzt werden konnte. Von Portugiesischen Baumeistern im Jahre 1754 gebaut, zeichnet er sich weniger durch große, schöne Gemächer, als durch feste kasemattirte Wölbungen und Gänge aus, die, wie man glauben sollte, Jahrhunderten widerstehen können. Dennoch fängt er schon zu verfallen an; er wird nicht mehr bewohnt, und ein unbewohntes Gebäude bessert der Malaie so wenig wie jeder Orientale aus. An Einrichtung findet sich nichts vor, als eine alte hölzerne Bettstelle, die man gewarnt wird, nicht zu berühren, da derjenige, der es thäte, alsbald sterben müßte. Dieß mag vielleicht wohl nur gesagt werden, um die Europäer auf höfliche Weise abzuhalten, ein Bett zu berühren, welches die Eingebornen für heilig halten, da der erste der dieses Reich regierenden Sultane darin geschlafen hat.

Von dem Tamansari fuhren wir nach +Gédé+, dem Begräbnißplatze der Familie des Sultans wie auch der Vornehmsten des Reiches. Dieser Ort ist ebenfalls, gleich dem Kraton, mit hohen Mauern umgeben. Die Gräber sind mit einfachen Steinplatten bedeckt, an deren beiden Enden zwei bis drei Fuß hohe Steine aufrecht stehen. Ueber manche sah ich winzig kleine hölzerne Hütten gebaut, vielleicht um die Steine vor dem Einflusse der Witterung zu schützen. Die Gräber der Sultane sind in einem großen hölzernen Hause; mehrere davon waren mit Betthimmeln und weißen Vorhängen geschmückt.

In einem der Nebenhöfe wird in einem Teiche ein sehr merkwürdiges Thier, eine große weiße Schildkröte gehalten, welche die Eingebornen als heilig verehren. Sie ist so zahm, daß sie, wenn man sie ruft und sie Hunger hat, sogleich erscheint, um die Gabe, die man ihr reicht, aus der Hand zu nehmen. Dieß Kunststück wurde natürlich auch vor uns aufgeführt, damit wir sie zu sehen bekämen. Sie erschien zweimal an der Oberfläche des Wassers, ohne jedoch die Speise zu berühren, die man ihr dicht vor den Mund hielt. Die Führer und die wenigen Eingebornen, die uns begleiteten und die von Frau Parvé gehört hatten, daß ich in Stambul und andern ihnen heiligen und interessanten Plätzen gewesen war, sahen nach mir und sagten, daß ich eine ganz besondere Person sein müsse, da die Schildkröte zweimal erschienen sei, ohne Hunger zu haben. Es sei gerade, sagten sie, als wollte sie mich sehen und von mir gesehen werden. Ich erzähle dergleichen geringfügige Dinge, weil ich glaube, daß sie zur Charakteristik des Volkes gehören.

Die Auszeichnung, welche mir die Schildkröte erwies, wurde sogleich in der ganzen Gegend als ein Wunder erzählt. Als ich Nachmittags dem Sultan und seiner jungen, neunzehnjährigen, kinderlosen Gemahlin vorgestellt wurde, faßte letztere, dieser Begebenheit wegen, ein solches Vertrauen zu mir, daß sie mir leise in das Ohr flüsterte. „O, bete für mich zu Deinem Gotte, daß er mich segnet und den Baum nicht ohne Früchte dahin welken läßt!“ -- Dieß war doch der schönste und rührendste Beweis von Zutrauen, der mir als Christin von einer Mohamedanerin werden konnte.

Die Schildkröte war bei zwei Fuß lang, Schale und Körper ziemlich weiß, erstere nicht horn-, sondern lederartig, die Augen roth. Sie hatte mehrere Junge, die alle ebenfalls weiß waren. Durch die besondere Verwendung der Frau Parvé erhielt ich eines, das ich sogleich in Spiritus verwahrte.

Man hat die Behauptung aufgestellt, daß diese Thiere hier deshalb weiß seien, weil der Wasserplatz, in welchem sie leben, nie von der Sonne beschienen würde. Es wäre belehrend, einen Versuch mit einer dunklen Schildkröte zu machen; ich glaube kaum, daß ihre Nachkommenschaft die Farbe wechseln dürfte.

Ein zweiter fürstlicher Begräbnißplatz, auf welchen auch die Susuhunans von Surakarta nebst ihren Familien kommen, liegt drei Paal von hier entfernt; er heißt +Imo-Giri+. Die Gräber ziehen sich längs eines Hügels von einigen hundert Fuß in die Höhe. Die Verwandten der fürstlichen Häuser werden je nach dem Grade ihrer Verwandtschaft höher oder tiefer auf dem Hügel begraben.

Bei der Rückkehr nach Hause fuhren wir über den großen Platz, auf welchem Bazar gehalten wurde, der durch die vielen und schönen Kupferarbeiten im ganzen Lande berühmt ist; sie werden in der Umgegend verfertigt und hierher zum Verkaufe gebracht.

Nachmittags wurden wir von dem Sultan in seinem Palaste empfangen. Wir kamen durch drei Höfe, in welchen baufällige Häuschen, erbärmliche hölzerne Hütten, Pferdeställe u. s. w. standen.

Der Palast eines Javanesischen Fürsten oder Sultans besteht aus dem Pendopo, Dalem und Probojekso. Der Pendopo ist eine ganz offene Halle, über die sich ein hohes Dach wölbt, und zu welcher einige Stufen führen. Er ist für die Festlichkeiten bestimmt und nur mit Tischen und Stühlen meublirt. Dem Pendopo gegenüber steht der Dalem, ebenfalls eine große Halle, die aber, allein von vorne offen, und daher etwas finster ist, denn sie hat gewöhnlich keine oder wenige niedrige Fensterchen. Der Dalem ist der Aufenthaltsort des Fürsten und zugleich der Empfangssaal; er ist mit Kanapes, Stühlen, Spiegeln, Uhren, Gemälden u. s. w. meistens überladen. Mehrere Thüren, im Hintergrunde angebracht, führen in den Probojekso, den innern Aufenthaltsort des Fürsten, seiner Frauen und Familie. Er besteht aus einem kleinen Saale mit vielen Kämmerchen und Winkelwerk, alles düster und enge; einige Bettstellen, Matten, Polster und Kissen bilden die ganze Einrichtung.

Alle fürstlichen Paläste, die ich auf Java sah, waren von Holz. Sie sind nicht im entferntesten mit der Pracht, dem Reichthume, der Kunst und dem Aufwande der Bengalischen und Hindostanischen Fürstensitze zu vergleichen.

Der Sultan kam uns bis einige Schritte vor dem Dalem entgegen; er reichte jedem von uns die Hand, führte uns in den Saal und wies uns neben sich Plätze zum Sitzen an. Er zählte 32 Jahre, war von mittlerer Größe, etwas beleibt, das Gesicht hübsch. Er hatte eine Art Schlafrock an, darüber einen Sarong, beide, so wie das Kopftuch, von Seidenstoffen. An Schmuck trug er eine Brosche und einige Diamantenringe.

Ich war sehr erstaunt, in dem Dalem lauter weibliche Diener zu sehen; zu Dutzenden kauerten sie halb nackt überall umher. Sie hatten nichts als einen Sarong an, der kaum die halbe Brust deckte. Daß sich die mohamedanischen Fürsten in ihren innersten Gemächern nur von Weibern oder Eunuchen bedienen lassen, ist weltbekannt; aber sie auch in den Empfangssälen nur von Weibern umgeben zu sehen, kam mir gar zu unmännlich vor.

Nachdem sich der Sultan einige Zeit mit uns unterhalten hatte, führte er uns in den Probojekso. Er ist so loyal, selbst den Europäischen Herren das Betreten des innersten Heiligthumes zu gestatten. Wir wurden seiner Gemahlin vorgestellt, einer Frau von 19 Jahren, dem schönsten Geschöpfe, das ich bisher unter den Malaien oder Javanesinnen gesehen hatte. Ihr Näschen war allerliebst, der Mund ziemlich klein, mit glänzend weißen, schön geformten Zähnen, die Augen groß und feuersprühend; die etwas breiten, hervorstehenden Backenknochen allein erinnerten an die Javanesische Abkunft. Der Sultan verbietet seiner Familie das Sirikauen, sowie das Schwärzen und Feilen der Zähne. Außer der Sultanin sahen wir noch zwei Töchter des Sultans aus andern Ehen, hübsche Mädchen von zwölf bis dreizehn Jahren.

Die Sultanin, wie die beiden Mädchen, waren nach der Sitte des Landes in Sarongs und Kabays gekleidet. Sie trugen viele Haarnadeln, Ohrgehänge, Ringe u. dgl. mit Diamanten. Die Sultanin sprach nie mit ihrem Gemahle, ohne die Augen zu Boden zu schlagen und die Hände wie bittend gegen die Stirne zu erheben.

Nachdem wir Thee getrunken hatten, zeigte uns der Sultan seine Waffen und Kostbarkeiten; auch die golddurchwirkten Kleider seiner Gemahlin bekamen wir zu sehen. Auf seinem Bette lagen vier der schönsten Kriese[17], in der Ecke des Bettes am oberen Theil stand die Büste des Königs von Holland. Das wird doch ein getreuer Verehrer seines Europäischen königlichen Bruders sein!

Die höheren Diener und Beamten dieses, sowie auch anderer Javanesischer Fürsten zeichnen sich durch eine eigentümliche Kopfbedeckung aus: sie besteht in einer zehn Zoll hohen Kappe von Strohgeflecht, Seide oder Goldstoff, je nach dem Range der Person.

Am +30. November+ fuhren wir nach +Solo+, der Hauptstadt von Surakarta (40 Paal). Auf dem Wege dahin kommt man den „tausend Tempeln“ nahe vorüber, die unweit des Oertchens +Brambanang+ liegen. Sie bilden eine ganze Gruppe. In der Zahl ist man nicht übereingekommen; die Einen geben 170, die Andern 300 an, auf jeden Fall weit weniger als tausend. Die Tempel sind klein, im Style des Mendut. Der Haupttempel soll 67 Fuß hoch gewesen sein, ist aber schon beinahe zu einem Schutthaufen verfallen. Wir kletterten bis an die obere Abtheilung, von welcher wir in das Innere sehen konnten. In einer kleinen, gewölbten Halle stand noch ein Buddha und hie und da entdeckte man einige Arabesken. Die übrigen Tempel sollen nicht höher als 24 Fuß gewesen sein, und in jedem soll ein Buddha gestanden haben.

In Solo konnte mich der Resident Herr +Büschkens+ nicht aufnehmen: man war gerade beschäftigt, seine etwas baufällige Residenz herzustellen. Ich ward in das Haus des Herrn +Göreke+, Missionärs und Bibelübersetzers, gebracht, eines überaus gemüthlichen und menschenfreundlichen Mannes. Ganz besonders gefiel mir seine Toleranz: er war einer jener leider so seltenen Geistlichen, die den Menschen mehr nach seinen Handlungen schätzen, als nach dem Glauben, zu welchem er sich bekennt.

Die Lage von Solo ist nicht so hübsch, als jene von +Djogokarta+. Die Ebene ist zu groß, die Gebirge sind zu fern, den 10,400 Fuß hohen Lawas ausgenommen, dessen Formen man ziemlich deutlich sieht.

Ich fand in den freien Fürstenthümern Grund und Boden durchgehend gut kultivirt. Dieß mag wohl daher kommen, daß die Fürsten ihre Ländereien verpachten und die Pächter fleißig arbeiten müssen, um den hohen Pacht heraus zu bringen. Man baut in beiden Fürstenthümern ziemlich viel Indigo. Die Hütten der Eingebornen, so wie ihre Kleidung, fand ich nicht schlechter und ärmlicher als im übrigen Java. Es gibt unter den Reisenden viele, die in den Holländischen Besitzungen alles besser bebaut und kultivirt finden wollen. Ich kann indeß nur so schildern, wie mir die Sache erscheint, und bemühe mich stets, mein Urtheil so viel als möglich vor Partheilichkeiten zu bewahren. Wege und Brücken sind gleichfalls gut unterhalten. Hierzu werden die freien Fürsten freilich von der Holländischen Regierung verhalten, die in den beiden Städten Solo und Djogokarta bedeutende Forts hat.

Man macht einen Unterschied zwischen den Malaien und Javanesen. Letztere leben mehr in dem Inneren von Java und den beiden freien Fürstenthümern. Man behauptet von ihnen, daß sie schöner und von besserem Charakter als die Malaien und einer größeren Anhänglichkeit fähig seien. Ich hatte zufällig Gelegenheit, das Volk in großer Menge zu sehen, da während meiner Anwesenheit in Djogokarta Bazar gehalten wurde und hier in +Solo+ zwei Feierlichkeiten stattfanden. Ich muß jedoch aufrichtig gestehen, daß mir das Volk eben so häßlich vorkam, als auf Batavia. Man rühmt ihre kleinen Hände und Füße. Es ist wahr, der Malaie wie der Javanese haben kleine Hände und Füße; aber in der Kleinheit allein besteht nicht die Schönheit. Die Hände sind so mager, daß jeder Knöchel hervorsteht, die Fingerspitzen ein wenig aufwärts gebogen. Finger, Hände und Arme können sie so verdrehen, daß es häßlich anzusehen ist. Diese Schlappheit in den Gliedern und Muskeln ist auch den Europäern eigen, die in diesen Ländern geboren und erzogen werden. Die Füße sind nicht minder häßlich, sehr platt und die Fußzehen stehen weit aus einander.

Unter den Hochgebornen so wie unter der Dienerschaft in den Harems der Fürsten sieht man wohl mitunter hübsche Leute, schöne Kinder; das darf aber nicht als Maßstab angenommen werden. Alles was schön ist, Männer wie Weiber, sucht man in die Fürstenhäuser zu bringen. Will ein Javanese seine Tochter vor dem Harem schützen, so muß er sie sehr jung verheirathen oder eine öffentliche Tänzerin aus ihr machen; als solche ist sie für jeden Mann, den sie nicht selbst begünstigt, ein Heiligthum. Dieser sonderbare Gebrauch geht so weit, daß, wenn eine Frau sich von ihrem Manne gegen dessen Willen scheiden will, sie nur eine öffentliche Tänzerin zu werden braucht. Dann hat der Mann keine Ansprüche mehr auf sie. Gewöhnlich schätzen es sich jedoch die Eltern zur Ehre, wenn ihre Töchter in den Harem eines Sultans aufgenommen werden.

In keinem Lande sah ich so viel Blinde und Lahme als in Surakarta; auch an Lepre-Kranken soll es nicht fehlen, für welche unfern von Solo ein eigenes Hospital errichtet ist.

Man erzählt hinsichtlich dieser Gebrechen eine sehr grausame Sage von einem der letztregierenden Susuhunans: Eine Europäische Dame machte eine Reise durch Surakarta. Zu Solo wurde sie dem Fürsten vorgestellt, der sie fragte, wie ihr das Land gefallen habe. Sie erwiederte: „sehr wohl, bis auf die vielen Blinden, Lahmen und Lepre-Kranken, welchen man überall begegnet.“ „Dieser Anblick,“ rief der Susuhunan aus, „soll in Zukunft niemanden mehr stören.“ Er ließ die Unglücklichen zusammenrufen, sie auf Boote laden, in die Mitte des Flusses führen, die Böden der Boote, die besonders dazu eingerichtet waren, wurden geöffnet, und alle die Armen ertränkt.

Der jetzt regierende Susuhunan, Paku der Siebente, hat den allgemeinen Ruf eines höchst edlen und gerechten Fürsten; er soll, gleich Titus, jeden Tag für verloren halten, an welchem er nicht etwas Gutes ausgeübt hat.

Unter seinen Vasallen zeichnet sich der Fürst Mangku-Negoro besonders aus, welcher der Unabhängige genannt wird, weil er doch einige Freiheit genießt; er darf z.B. seinen Palast verlassen, ohne erst bei dem Residenten um Erlaubniß anzufragen. Er hält 800 Mann Fußvolk und 400 Mann zu Pferde -- eine größere Anzahl als der Susuhunan selbst. Ferner ist er Oberst in Holländischem Dienste und Ehren-Adjutant des Gouverneur-Generals. Er bekommt den Gehalt eines Obersten nebst einer bedeutenden Zulage für die Unterhaltung seiner Truppen, muß aber dagegen auch jeden Augenblick zum Ausrücken bereit sein.

Alle diese Auszeichnungen wurden ihm als Belohnung für seine Treue verliehen, die er den Holländern in dem letzten Kriege bewiesen hatte. Er hielt sich nämlich auf ihrer Seite und war ihnen mit seinen wohleingeübten Truppen von großem Nutzen. Inländische, gut eingeschulte Truppen sind den Europäischen weit vorzuziehen. Das Klima ist ihnen nicht schädlich, sie begnügen sich mit wenig und höchst einfacher Nahrung und ertragen die Märsche und Mühen ohne großen Nachtheil.

Unsere erste Bitte an den Residenten war, dem Susuhunan, so wie einigen der vornehmsten Prinzen vorgestellt zu werden. Wir erhielten auch die Zusage einer Audienz für den folgenden Tag; sie fand aber leider nicht statt, da kaum eine Stunde, bevor wir kommen sollten, die einzige Schwester des Fürsten starb, die er, wie man sagte, überaus liebte.

In den wenigen Tagen, die wir zu Solo zubrachten, waren wir so glücklich, zwei Feierlichkeiten zu sehen. Die erste bestand in der Ueberreichung eines Briefes, den der Sultan von Djogokarta an den Susuhunan von Surakarta geschrieben hatte. Nachdem sich der Resident zuerst mit dem Inhalte bekannt gemacht, wurde der Brief in schöne Seidenzeuge gewickelt, auf einen silbernen Teller gelegt und von dem ersten Adjutanten des Susuhunans in einem sechsspännigen Wagen abgeholt; in einem zweiten Wagen folgte der Resident. Dreizehn Kanonenschüsse begleiteten diese Ceremonie.

Die zweite Feierlichkeit war die Fortschaffung der verstorbenen Schwester des Susuhunans nach dem Begräbnißplatze Imo-Giri. Die Farbe der Trauer ist hier, wie bei den Chinesen, weiß. Alles was zu dem Zuge gehörte, Wagen, Pferde u. s. w. war mit weißem Kattun überhangen. Jedermann, der ihn begleitete, mit einem weißen Kopftuche, Sarong, Schürze oder sonst einem Lappen weißen Zeuges angethan.

Den Zug eröffneten Träger, die mit Balken, Brettern, Stangen u. dgl. beladen waren. Diese Gegenstände gehörten zur Errichtung eines Daches über dem Sarg der Verstorbenen auf den Stationen der Reise. Hierauf kam berittenes Militär[18] mit weißen Binden und Schürzen. Diesem folgte des Susuhunans leerer Staatswagen, das Leibpferd der Verstorbenen, der Betthimmel für den Sarg und endlich der Sarg selbst, der mit einer weißen, golddurchwirkten Atlasdecke überhangen war. Der Sarg wurde bis an die äußerste Pforte des Kraton von den kaiserlichen Prinzen getragen; hier übernahmen ihn die Minister und so abwärts bis zu den Dienern. Viele Lanzenträger, deren Lanzen mit weißem Kammertuche umwickelt waren, umgaben den Sarg; große Schirme wurden über ihn, so wie über die Köpfe der Prinzen gehalten, und von den Knöpfen der Schirme flatterten weiße Tücher. Hinter dem Sarge kam ein großer viereckiger Kasten, welcher die Speisen enthielt, die Abends, der Sitte gemäß, auf den Sarg der Verstorbenen gesetzt werden. Den Schluß des Zuges machte ein großer Haufen Volkes. Der Gemahl, die Kinder der Verstorbenen, so wie ihre Verwandten, den Susuhunan ausgenommen, waren bis zur ersten Nachtstation vorausgefahren. Wie man mir sagte, brauchte der Zug drei Tage, um nach Imo-Giri zu gelangen. (40 Paal.)

Es war allerdings interessant, diesen Trauerzug gesehen zu haben; allein eben so gern hätte ich den guten, ehrwürdigen Susuhunan kennen gelernt, woran nicht mehr zu denken war, da wir schon am folgenden Morgen abreisen sollten. Zu meiner größten Ueberraschung brachte mir Herr Göreke die Nachricht, daß uns der Fürst diesen Abend ausnahmsweise empfangen wolle. Diese Gunst verdankten wir einzig und allein dem guten Missionär, den der Susuhunan hoch schätzt, und dessen Bitte ihm hinlänglich war, unsern Wunsch zu erfüllen.

Bevor wir zu dem Susuhunan fuhren, statteten wir noch zwei Besuche bei andern Prinzen ab.

Der erste galt dem Fürsten Mangku-Negoro, dessen ich schon erwähnt habe. Ich war im höchsten Grade über den edlen, feinen Anstand erstaunt, mit welchem sich dieser Prinz zu benehmen wußte; er stand hierin dem gebildetsten Europäer nicht nach. Seine Gesichtszüge drückten Verstand, Scharfblick und Güte aus. Er nahm großes Interesse an meinen Reisen und machte Fragen und Bemerkungen, die von vielen Kenntnissen zeigten. In seiner Orientalischen Artigkeit verglich er mich mit einer leichten, schwebenden Wolke.

Der zweite Besuch galt dem Fürsten Ngabchi, einem natürlichen Bruder des Susuhunans, den man, da letzterer keinen Sohn hat, den „wahrnehmenden Kronprinzen“ nennt. Diesen Fürsten trafen wir nicht zu Hause, da er von dem Leichenzuge noch nicht zurückgekommen war.

Um halb acht Uhr war unsere Stunde, bei Hofe zu erscheinen. Die Etikette ist hier ungleich größer als zu Djogokarta; die Herren Schmitz und Göreke hielten die Uhren stets in der Hand, um nicht eine Minute zu früh oder zu spät zu kommen.

An dem Eingange des innersten Hofes kamen uns zwei Hofdamen entgegen, uns meldend, daß der Susuhunan bereit sei, uns zu empfangen. Im Dalem kam er uns selbst zwei Schritte von seinem Lehnstuhl entgegen, reichte uns die Hand und wies uns Plätze zum Sitzen an. Der Dalem wie der Pendopo waren schön erleuchtet; Europäische Militär-Musik, von den Eingebornen ziemlich gut aufgeführt, erschallte bei unserem Eintritte und ward während unserer Anwesenheit öfter wiederholt. Einige Schritte im Hintergrunde zur Linken des Fürsten saßen drei Hofdamen, gleich den übrigen Dienerinnen bloß in einen Sarong gekleidet, welche die Insignien des Reiches hielten, ein Schwert, einen Schild und ein Scepter. Sie standen so steif und unbeweglich wie Statuen. Unter den vielen Weibern, die überall umher kauerten, befanden sich auch zwei Neffen des Susuhunan, Jünglinge von 14 bis 15 Jahren. Ich hielt sie für recht hübsche Mädchen, denn sie trugen wie diese einen einfachen Sarong und hatten die Haare zurückgekämmt, in einen Knoten geschlungen und mit einem Kamme befestiget.

Wir hatten kaum Platz genommen, so kam ein Weib (vermuthlich auch eine Hofdame) auf den Knieen hergerutscht und recitirte eine lange, ununterbrochene Rede, die ich für ein Gebet hielt; spätem erfuhr ich, daß es ein Bericht über den Leichenzug war, der ungefähr lautete „daß die Prinzessin bis an den und den Ort gegangen sei, daselbst unter dem Schatten eines Baldachinen so und so lange ausgeruht und hierauf die Reise wieder an den und den Ort fortgesetzt habe, wo sie die Nacht zubringen werde.“ Von einer so vornehmen Person wird nämlich, so lange sie nicht begraben ist, ebenso gesprochen, als ob sie noch am Leben wäre; auch für ihre leiblichen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten wird mit derselben Aufmerksamkeit gesorgt.

Alles, was sich dem Susuhunan nahte, seine Neffen nicht ausgenommen, rutschte auf den Knieen. Die Leute standen vermuthlich erst auf, wenn sie aus seinem Gesichtskreise kamen, denn ich blickte ihnen nach, so weit als ich konnte, und sah sie nicht aufstehen.

Die Züge des Fürsten sprachen vollkommen aus, was man mir von ihm gesagt hatte: ich sah nicht bald ein ehrwürdigeres, gutmüthigeres Gesicht als das seine. Nur wunderte es mich, keinen Kummer an ihn wahrzunehmen über den schweren Verlust, der ihn so kürzlich betroffen. Er hörte den Bericht über den Leichenzug seiner Schwester mit derselben Ruhe an, als hätte man ihm eine ganz gleichgiltige Sache verkündet. Nachdem er sich eine Weile mit uns unterhalten und uns mit Thee bewirthet hatte, der zu meiner Verwunderung nicht von Dienerinnen, sondern von Dienern servirt wurde, bot er Frau Schmitz und mir an, seiner Gemahlin einen Besuch zu machen. Wir fanden in ihr eine noch junge Frau von vielleicht 25 Jahren; sie saß in einer wenig erleuchteten Kammer auf einem Stuhle, ihr zur Seite eine achtzehnjährige Stieftochter auf der Erde. Beide waren minder hübsch als die fürstlichen Frauen zu Djogokarta, doch für Javanesinnen schön genug. Die Kämmerchen in dem Probojekso fand ich sehr klein, dürftig eingerichtet und erleuchtet. Nach einer halben Stunde kehrten wir in den Dalem zurück.

Beim Abschiede hielt der Susuhunan eine sehr lange Rede an mich, während welcher er mich bei der Hand nahm; am Ende derselben zog er einen Ring von seinem Finger und steckte ihn mir an. Herr Göreke saß leider zu weit entfernt, um etwas von dieser Rede zu hören; sie ging daher für mich verloren, da der Susuhunan Hoch-Malaisch sprach, das ich nicht verstand. Der Besuch währte über zwei Stunden.

Die Tracht des Susuhunans, seiner Frau und Tochter war sehr einfach, ungefähr wie die an dem Hofe zu Djogokarta; der Susuhunan trug zwei reich mit Brillanten besetzte Orden.

Am +3. December+ fuhren wir den kürzeren Weg über Salatiga nach Samarang zurück (66 Paal), wo ich in dem Hause meiner liebenswürdigen Begleiter noch eine Nacht zubrachte. Am folgenden Tage, um ein Uhr Nachmittag, saß ich schon wieder auf dem Dampfer, um nach +Surabaya+ zu gehen (180 M.).

Am Bord des Dampfers „Ambon“ wurde ich vom Kapitän Bergner als alte Bekannte herzlichst begrüßt. Ich war mit ihm von Batavia nach Sumatra gefahren, und er hatte kurz darauf den „Makassar“ mit dem „Ambon“ vertauscht. Es ist immer eine große Freude, auf einer Reise Bekannte zu finden, und eine um so größere, wenn es so gute, gefällige Menschen sind, wie Herr Bergner.

Von der Reise ist nicht viel zu sagen; wir hielten uns der Küste Java’s fortwährend nahe, die abwechselnd eben und bergig ist. Vier Hügel, die näher an Surabaya als an Samarang liegen, werden ihrer Form wegen die vier Särge genannt; sie stehen von einander abgesondert, mitten in einer Ebene. Zwölf Meilen von Surabaya sieht man, an eine freundliche Hügelkette gelehnt, das Städtchen +Grisée+; hier gehen die nicht-europäischen Schiffe gewöhnlich vor Anker.

Am +6. December+ Morgens warfen wir Anker auf der Rhede von Surabaya.

Alle Ankerplätze Java’s, die ich gesehen, Batavia, Surabaya und Samarang, liegen drei bis vier Paal von den Städten entfernt; man muß nach letzteren in Kähnen die Flüsse stromaufwärts fahren; in Surabaya kann man von der Mündung des Flusses bis zur Stadt auch zu Wagen fahren.

Herr Resident von +Perez+ war so gütig, mich aufzunehmen. Dieser überaus gefällige Herr wußte von meinem Kommen; er hatte jedoch gehört, daß ich zu Grisée vor Anker gehen würde und sandte mir sogar bis dorthin einen Wagen entgegen.

Die Residenz, ein prächtiges Gebäude, leider mit einem ganz kleinen Garten, liegt drei Paal von der Stadt. Eine herrliche Wiese breitet sich davor aus, an deren Ende ein großes, wohlerhaltenes Steinbild eines Hindu-Götzen steht, welches von den Malaien noch sehr verehrt wird.

Ich blieb bis +14. December+ in Surabaya, ohne das Geringste zu sehen. Die Regenzeit war eingetreten, und durch sie wurden alle meine Projekte vereitelt. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Reise nach Celebes und den Molukken fortzusetzen und mich mit der Hoffnung zu trösten, bei der Wiederkehr glücklicher zu sein.

[11] Die mir ertheilten Freikarten lauteten:

~De onder geteekende verleent by deze vrye passage als passagier der eerste klasse, aan Mevrouw Ida Pfeiffer vor eene reis von Sourabaya over den Mollukschen Archipel met eene der Stoomschepe zyner onderneming. Batavia 9. November 1852.~

~+W. Cores de Vries.+~

* * * * *

~The bearer of these lines Madame Pfeiffer has free passage as cabin passenger on board of any of the boats of this company. Batavia 9. November 1852.~

~+Maclain Watson+ & Co., Directors of the N. I. Steamboat Company.~

~The agents of the company at Samarang and Sourabaya are requested to offer Madame Pfeiffer all the assistance in their power in the persecution of her travels.~

[12] Die Gebäude, in welchen die Gouverneure und Residenten wohnen, gehören alle der Regierung; der Resident von Batavia allein muß eine Wohnung miethen.

[13] Hätte man nicht schnell und leicht einen zuverlässigen Beamten abschicken können, um sich von dem wahren Bestande zu unterrichten? Freilich handelte es sich bloß um Menschenleben und nicht um Frohndienste oder Rückstände von Steuern.

[14] Ich führe dies natürlich nur auf Grundlage der Aussagen vollkommen zuverlässiger Männer, deren Wort über jeden Zweifel erhaben ist, hier an.

[15] Auf der höchsten Spitze des Tempels ersuchte ich Herrn Wilson, seinen Namen in mein Album zu zeichnen.

[16] Susuhunan ist ein höherer Titel als „Sultan.“

[17] Kries, ein schlangenförmiges Messer in einer Scheide von 10 bis 15 Zoll Länge, die gewöhnliche Waffe der Malaien und Javanesen.

[18] Das Militär der freien Fürsten trägt Holländische Uniform, die Offiziere haben Schuhe, die Soldaten nicht. Letztere tragen unter dem Helme das landesübliche Kopftuch, manche schlingen das Haar rückwärts in einen großen Knoten zusammen.