Chapter 3 of 5 · 10024 words · ~50 min read

Zehntes Kapitel.

Makassar. -- Banda. -- Erdbeben. -- Die Muskatnuß-Pflanzungen. -- Ambon. -- Ausflug nach der Negeri Emma. -- Saparua. -- Ceram. -- Fußreise durch das Innere Cerams. -- Ankunft zu Wahai. -- Die Alforen. -- Rückreise nach Ambon. -- Ternate. -- Besuch bei dem Sultan.

Am +14. December+ schiffte ich mich auf dem Dampfer „Banda“ nach +Makassar+ ein (440 Seemeilen), der Hauptniederlassung der Holländer auf Celebes.

Von Surabaya bis an die Küste von Celebes sah ich wenig. Das Schiff war sehr klein, die See höchst stürmisch, und obwohl ich viele Jahre gereist, Tausende von Meilen auf Segel- und Dampfschiffen gemacht, ohne dem Meere meinen Tribut zu bezahlen, ward ich nichts desto weniger so seekrank, wie es nur immer ein Neuling werden kann.

Erst am +17. December+ am frühen Morgen kam ich auf das Deck, um die Küste von Celebes zu begrüßen, eine einförmige Ebene, im Hintergrunde von niedrigen Bergen begrenzt.

Makassar (Udjang-Pandang), der Sitz des Holländischen Gouverneurs auf Celebes, ist ein kleines, dem Ansehen nach beinahe Europäisches Städtchen mit einem Fort. Die Europäer wohnen in erbärmlichen Steinhäuschen nahe beisammen, längs des schönen Wiesenplatzes +Hendrikspad+. Auch das Haus des Gouverneurs ist klein und unbedeutend.

Domine +Mathes+ (der protestantische Geistliche) nahm mich gastfreundlich auf.

Ich war hier ebenfalls so unglücklich, gerade zum Beginn der Regenzeit einzutreffen, und konnte nichts als den Bazar besuchen, auf welchem ich eine ziemliche Menge Volkes sah. Ich fand die Eingebornen, Makassaren und Buginesen, obwohl auch zur Malaischen Race gehörig, minder häßlich als die Javanesen, groß und kräftig gebaut, das Gesicht etwas besser geformt, die Hautfarbe lichter.

Da wenig Tage später der Dampfer „Ambon“ von hier nach +Banda+, einer der Molukken ging, und während der Regenzeit an Ausflüge in das Innere von Celebes nicht zu denken war, entschloß ich mich, diese Gelegenheit zu benützen und meine Reise fortsetzen, mich wie zu Surabaya der Hoffnung hingebend, auf der Rückfahrt günstigeres Wetter zu finden.

Am +21. December+ war ich schon wieder an Bord bei meinem guten Kapitän Herrn Bergner. Wir machten die Reise nach der Insel Banda (690 Meilen) in 3½ Tagen. Außer einigen kleinen gebirgigen Eilanden kam uns nichts zu Gesicht.

Am +24. December+ tauchte der +Gunong-Api+ vor uns auf, der höchste Berg Bandas (1800 F.), dessen nordwestlicher Seite beständig Rauchsäulen entsteigen. Abends um neun Uhr liefen wir bei herrlichen Mondschein in die Bai ein, die auf der einen Seite von dem Feuerberge, auf der andern von einer freundlichen Hügelkette begrenzt wird, welch letztere ganz mit Muskatbäumen bepflanzt ist. Das kleine Städtchen Banda liegt so gefährlich an dem Abhange des Gunong-Api, daß ein Ausbruch es unausbleiblich zertrümmern würde; sonderbarer Weise raucht der Berg beständig, ohne daß je ein Ausbruch stattgefunden hätte. Ist aber wohl diesem Frieden immer zu trauen?

Da wir so spät angekommen waren, ging der Kapitän allein mit dem Postpackete an’s Land. Wir Reisende verweilten auf dem Decke und sprachen viel von der Freude, die in den Kreisen unserer Lieben diesen Abend (Christabend) herrschen werde, von den fröhlichen Spielen der über die Geschenke so freudig überraschten Kinder. Da kam ganz unerwartet ein Araber an Bord. Erstaunt über den späten Besuch umringten wir ihn, um zu hören was die Ursache hievon sei. Ach, wie ward so plötzlich unsere heitere Stimmung in Wehmuth und Schrecken verwandelt! Der Araber erzählte uns, daß am 26. November Morgens acht Uhr ein fürchterliches Erdbeben auf dieser Insel stattfand, in Folge dessen mehrere Häuser zusammenstürzten und alle dermaßen beschädigt wurden, daß niemand mehr darin wohnen könne. Glücklicherweise ereignete sich dies bei Tage, wo jedermann gleich fliehen konnte, und es ging daher wenigstens kein Menschenleben verloren; aber alle gebrechlichen Güter, Spiegel, Lampen, Gläser, Geschirre, die in Flaschen gefüllten Getränke u. s. w. gingen zu Grunde. Noch war man unter dem Eindrucke dieser furchtbaren Scene, als um halb neun Uhr die Erde ein zweitesmal erbebte, das Wasser in der Bay zurück wich und dann mit unwiderstehlicher Gewalt an die Küste stürzte, sie 24 Fuß hoch übersteigend. Zweimal sah man den Boden der See blos gelegt; alle kleinen Boote und Barken wurden an die Küste geschleudert, wo sie als Trümmer liegen blieben. Bei dieser Gelegenheit ertranken mehr als achtzig Menschen. Ein großes Schiff, das in der Bay vor Anker lag, gerieth zweimal auf den Grund und wurde nur durch die Geistesgegenwart des Kapitäns gerettet, der das Ankertau sogleich nachließ; allein vor einem bedeutenden Leck konnte er es doch nicht bewahren. Es lag noch zur Ausbesserung in der Bucht. Dieses zweite Erdbeben zerstörte ebenfalls viele Gebäude und vernichtete Tausende von Muskatbäumen, die durch das sie überfluthende Salzwasser abstarben.

Die Erzählung des Arabers war schrecklich. Leider wurde sie Wort für Wort von dem Kapitän bestätigt, als er zurückkam. Auf einige der Reisenden machte sie einen so großen Eindruck, daß sie Morgens gestanden, die ganze Nacht nicht geschlafen zu haben; sie fürchteten ein wiederholtes Erd- oder Seebeben.

Morgens gingen wir an’s Land und konnten uns persönlich von den stattgehabten Verwüstungen überzeugen. Mehrere Häuser lagen in Schutt, alle waren mehr oder minder beschädigt, die Einrichtungen zum Theile zertrümmert, zum Theile vor den Häusern unter freiem Himmel in Haufen aufgeschichtet; die Leute wohnten daneben in kleinen Bambushütten, die sie eilig aufrichten ließen. Die Kasernen und Wohnungen der Officiere allein, einige hundert Schritte von dem Städtchen entfernt gelegen und von Holz gebaut, blieben beinahe unbeschädigt. Sonderbar, daß auf dieser Insel, wo starke Erdbeben nicht selten vorkommen, alle Häuser von Stein gebaut sind[19].

Der Resident konnte mich nicht aufnehmen, da auch sein Haus zu sehr beschädigt war; ein Deutscher, der Militärarzt Herr +Krause+, beherbergte mich in seinem hölzernen Häuschen.

Ich machte denselben Tag noch einen Spaziergang um den Feuerberg „Gunong-Api.“ Ich wollte ihn selbst besteigen; allein Dr. Krause, der schon mehrmals oben war, um zu botanisiren, widerrieth es mir, indem er mir versicherte, daß es nicht der Mühe lohne: der Berg ende in einer geschlossenen Kegelform und habe an den Seiten einige Spalten, aus welchen starker Schwefeldampf aufwirble.

Am folgenden Tage besuchte ich die große Muskatpflanzung des Herrn +Meyer+, welche 15,000 Muskatbäume zählt. Die Muskatpflanzungen werden „Perken,“ die Besitzer „Perkenier“ genannt. Eine solche Pflanzung gleicht vollkommen einem Walde. Die Bäume sind vierzig bis fünfzig Fuß hoch, umfangreich und nicht in Reihen gepflanzt. Große Nanarinenbäume[20] schützen die Muskatbäume, die keine tiefen Wurzeln schlagen, vor den starken, häufig wehenden Winden.

Die Insel Banda ist das eigentliche Vaterland des Muskatbaumes. Dieser Baum bedarf hier gar keiner Pflege und wird bei weitem stärker und höher als auf Singapore. Er fängt mitunter im zwölften, gewöhnlich aber erst im fünfzehnten Jahre an Früchte zu tragen und erreicht ein Alter von 80 Jahren. Das Jahr vor seinem Absterben soll er außergewöhnlich viel tragen. Man rechnet durchschnittlich auf jeden Baum im Jahre 2500 Nüsse. Es giebt auch einige, die bis 4000 liefern. Die Ernte währt das ganze Jahr hindurch. Man geht jeden Morgen in die Perken, pflückt die reifen Nüsse, löst die Blüthe, von der sie ganz umsponnen sind, ab und läßt Nuß und Blüthe an der Sonne trocknen. Die Nüsse, welche von selbst abfallen, sind nicht halb so viel werth als die gepflückten. Ungefähr hundert Nüsse sammt den Blüthen gehen auf ein Pfund; fünf Pfund Nüsse geben ein Pfund Blüthe. Der Perkenier erhält von der Regierung für ein Pfund Blüthe und vier Pfund Nüsse einen Kupfergulden.

Die Muskatnuß ist auf Banda und den dazu gehörenden kleinen Eilanden Monopol. Der Eigenthümer kann die Perken verpachten oder verkaufen; allein er darf keinen Baum ohne Bewilligung des Regierungsaufsehers umhauen. Letzterer besucht jedes Jahr die Perken, bezeichnet die Bäume, welche auszurotten sind und bestimmt die Zahl der neu zu pflanzenden. Um die Leute zu den Muskatpflanzungen anzuregen, gibt die Regierung das Land umsonst und unterstützt die Pflanzer mit billigen Arbeitern, die aus den Verbrechern bestehen, welche von Java und anderen Orten hieher verbannt und per Monat vermiethet werden.

Am +27. December+ segelte der Dampfer wieder ab. Da es auf dieser kleinen Insel wenig zu sehen gab und ich, wollte ich das Schiff nicht benutzen, einen Monat auf ein anderes hätte warten müssen, so besann ich mich nicht lange und begab mich an Bord.

Wir verließen Nachmittags Banda, um nach der ebenfalls kleinen Insel +Ambon+ (144 M.) zu segeln. Das Wetter war herrlich, so daß wir schon am 28. December Morgens vor Ambon lagen.

Die Bucht von Ambon ist sechzehn Meilen lang, an der Einfahrt sechs, bei Ambon, das ungefähr in der Mitte liegt, eine Meile breit. Die ganze Bucht ist von niedrigen Hügelketten und Gebirgen umgeben, die höchsten Punkte, der +Sytham+ und der +Sirymohu+ werden auf 3000 und 4000 Fuß geschätzt. Die Hügelketten zeichnen sich durch reiche Vegetation aus; Wälder wechseln mit Wiesenplätzen und Gewürzpflanzungen; die schöne gefiederte Sago-Palme drängt sich überall hervor; die schlankstämmige Areka-Palme, die Kokospalme überragen die umfangreichen Blätterbäume.

Ich hörte behaupten, daß die Einfahrt von Banda, besonders aber die von Ambon an Schönheit mit jener von +Rio de Janeiro+ wetteifern könne. Die Einfahrt von Banda ist reizend, die von Ambon wohl noch etwas reizender, aber eine wie die andere sind in keiner Beziehung mit der großartigen, einzig schönen Einfahrt von Rio de Janeiro zu vergleichen. Eher könnte man eine Aehnlichkeit mit jener von +Santos+ (400 Meilen von Rio de Janeiro) aufstellen.

Das Städtchen Ambon, Sitz des Gouverneurs der Molukken, zählt nur 1500 Einwohner und sieht mehr wie ein Dorf aus. Es ist von dem Fort +Viktoria+ beschützt. Die Residenz des Gouverneurs, einen Paal von dem Städtchen entfernt, zu +Batugadja+ gelegen, besteht aus einem ganz unbedeutenden kleinen Bambus-Hause. Der Gouverneur, Herr +Vischer+, konnte mich gar nicht aufnehmen, da das einzige Fremden-Kämmerchen schon besetzt war; ich kam zu Herrn +Roskolt+, dem Direktor des Institutes zur Bildung der Volksschullehrer.

Herr Roskolt wurde im Jahre 1835 von der Holländischen Regierung nach Ambon gesandt, um dieses Institut zu errichten, welches zur Aufnahme von zwölf eingebornen Jünglingen bestimmt war, die hier Unterricht, Kleidung, Kost u. s. w. erhalten sollten. Die zu dem Zwecke angewiesene Summe wurde in die Hände des Herrn Roskolt gegeben, und zwar ohne daß die Regierung eine Verrechnung verlangte. Schon am Ende des ersten Jahres fand Herr Roskolt, daß die Summe für achtzehn Jünglinge ausreichen würde, und stellte das Ersuchen, sechs Zöglinge mehr aufnehmen zu dürfen. Nebst diesen bestimmten Zöglingen erlaubt Herr Roskolt auch noch zehn bis fünfzehn jungen Leuten an dem Unterrichte Theil zu nehmen, aus welchen er dann immer die fähigsten zur gänzlichen Aufnahme wählt. Der Unterricht besteht in richtiger Kenntniß und Schreibung der Malaischen Sprache, in Religion, Arithmetik, Geographie und im Gesange der Psalmen.

Die Eingebornen auf Ambon und den nahen Inselchen sind Christen; zu den Zeiten der Portugiesen waren sie Katholiken, jetzt sind sie Protestanten. In jedem größeren Dorfe (hier Negeri genannt) ist ein Schullehrer angestellt, der zugleich die Stelle des Priesters vertritt und in dem Gotteshause die Gebete und Gesänge abhält. Es gibt mitunter so große Dörfer, daß ein Schullehrer bis 250 Kinder unter sich hat. Ich besuchte auf meinen Ausflügen auf Ambon, Saparua und Ceram mehrere Dorfschulen, deren Schullehrer Zöglinge des Herrn Roskolt waren. Die Kinder schrieben recht hübsch, rechneten richtig, sangen die Psalmen ganz gut u. s. w. Unwillkürlich stieg der Wunsch in mir auf, daß alle Europäischen Dorfkinder so gut unterrichtet sein möchten, als es diese Malaische Jugend war. Herr Roskolt hat sich nicht erfolglos bemüht; seine Arbeiten tragen jetzt schon gute Früchte.

So wie Banda das Vaterland des Muskat-Baumes, so ist Ambon das des Gewürznelken-Baumes. Die Pflanzung desselben ist daher auch ein Hauptaugenmerk der Regierung und zugleich Monopol. Jedes Familienhaupt muß, je nach der Güte des Bodens, dreißig bis achtzig Bäume pflanzen und vollzählig unterhalten.

In frühern Zeiten wurde der Muskatbaum ausschließend auf Banda und den dazu gehörigen kleinen Inseln, der Gewürznelken-Baum ausschließend auf Ambon und Saparua gepflanzt; auf den übrigen Molukken wurden beide Bäume ausgerottet. Jetzt können sie auf allen Inseln gepflanzt werden und sind nur auf den obgenannten Monopol.

Der Gewürznelken-Baum beginnt im zwölften bis fünfzehnten Jahre zu tragen und stirbt erst mit hundert Jahren. Er liefert ein bis zwanzig Pfund. Die Ernte hat nur einmal im Jahre statt, von November bis Januar. Die Nelken werden im Schatten getrocknet. Der Pflanzer erhält seit kurzem dreißig Deut per Pfund, während er früher sich mit vierundzwanzig begnügen mußte. Diese Erhöhung ist dem jetzigen Gouverneur-General, Herrn Deimar van Twist zu danken[21].

Die Eingebornen wissen aus den Gewürznelken ganz hübsche Gegenstände zu machen: Vasen, Schiffe, Körbchen u. s. w. Die Gewürznelken müssen sie hiezu von der Regierung kaufen, und zwar zu einem unmäßig hohen Preise. In Holland soll das Pfund dieses Gewürzes eine halbe Rupie kosten, hier bezahlen die Leute zwei Rupien dafür. Außerdem ist noch die Ausfuhr von dergleichen Spielzeug sehr hoch besteuert.

Auch der Muskat-Baum wird auf Ambon ziemlich häufig gepflanzt; vorzüglich gut gedeiht der Kakao-Baum; der Pikul Bohnen wird mit sechzig Rupien bezahlt. Der wichtigste Baum jedoch für die Eingebornen, nicht nur auf Ambon, sondern auf allen Molukken, ist die Sagopalme. Das Mark derselben macht die Hauptnahrung der Eingebornen aus; es ist ihnen, was den Chinesen und Indiern der Reis, was andern Völkern das Getreide. Diese Palme wird gewöhnlich im fünfzehnten Jahre reif; man haut sie dann um, spaltet den Baum, und arbeitet das Mark mittelst einer einfachen Haue von Bambus heraus. Der ganze Stamm besteht aus Mark, das kaum von einer zolldicken Rinde umgeben ist. Das Mark wird theilweise in eine Art Trog gelegt, der aus dem ausgehöhlten Sagostamme verfertiget ist, und dessen Endseiten man mit Stücken geschlagenen Bastes verstopft. Durch Waschen und Kneten des Markes sondern sich die mehligen Theile von den faserigen ab. Das von dem Mehle geschwängerte Wasser läuft durch den Bast, welcher die Stelle eines Siebes vertritt, in einen zweiten Trog, in welchem mit dem Waschen so lange fortgefahren wird, bis sich alle Mehltheile von den Fasern gesondert haben. Sobald sich das Mehl gesetzt hat, läßt man das Wasser ab, und die Arbeit ist beendet. Das Mehl wird in nassem Zustande zu fünfundzwanzig bis dreißig Pfund in Körbe verpackt, die gleich an Ort und Stelle von den grünen Blättern der Sagopalme gemacht werden. Eine besondere Eigenschaft dieses Markes oder Mehles ist, daß es nie trocken werden darf; man muß die Körbe mit dem Mehle von Zeit zu Zeit in Wasser stellen.

Man bereitet aus diesem Mehle Brot und Papeta. Zur Bereitung des ersteren bedient man sich eiserner oder irdener Geschirre, mit kleinen Abtheilungen, die man erst glühend erhitzt, dann von innen mit etwas Wasser befeuchtet. Man füllt sie hierauf ganz mit dem Mehle an, bedeckt sie mit Blättern, legt ein Brettchen darauf, das mit einem Steine beschwert wird, und läßt sie so lange stehen, bis sich Dunst entwickelt, ein Zeichen, daß die Brötchen gar sind. Noch einfacher ist die Bereitung der Papeta. Man schüttet anfänglich etwas kaltes Wasser auf das Mehl, rührt es zu einem dicken Teige, gießt dann so viel heißes Wasser zu, bis es sehr flüssig wird, und läßt es erkalten. Die Papeta gleicht einer Sulze oder einem steifen Kleister. Beide Gerichte, ohne andere pikante Ingredienzien genossen, schmecken überaus leer und fade.

Aus diesem Nahrungszweige ist ersichtlich, daß das Volk für Leben und Unterhalt wenig zu thun braucht. Familien, die wenig oder keine Sagobäume besitzen, können sich leicht mehrere hundert Pfund Mehl mit wenig Arbeit erwerben. Es ist nämlich Sitte, daß wenn ein Mann zu dem Eigenthümer eines reifen Sagobaumes geht und ihm sagt, daß er einen reifen Baum habe, den er (der Mann) für ihn umhauen wolle, der Eigenthümer stets seine Einwilligung gibt. Der Mann kommt dann mit einigen Gehülfen, schlägt den Baum, bereitet und packt das Mehl, eine Arbeit von drei bis vier Tagen; dafür erhält er die Hälfte des Mehles nebst der Verköstigung während der Arbeit.

Die Sagopalme, der Pisang (Bananen-Baum) gedeihen ohne alle Nachhülfe, das Meer ist überreich an Fischen, es wird daher begreiflich, daß das Volk auf den Molukken träger ist, als irgendwo. Wenn man z. B. mit dem Dampfer ankommt, ist der Landungsplatz voll von müssigen Gaffern; keiner würde aber, selbst für übertrieben gute Bezahlung, das Reisegepäck nach dem Städtchen tragen. Man muß erst in das Haus gehen, in welchem man absteigt und von dort aus nach Trägern suchen. Oftmals ging ich Nachmittags in mehr als ein Dutzend Hütten, um einiges von den aus Gewürznelken gefertigten Arbeiten zu kaufen -- überall fand ich die Leute entweder Karten spielend oder schlafend.

Den Neujahrstag (1853) feierten wir mit einem Spaziergange nach dem nahen Wasserfalle „+Batu-Gontung+.“ Der Wasserfall ist höchst unbedeutend, eben so eine dabei gelegene Grotte. Ein kaltes Bad im Flüßchen und der Spaziergang durch die schönen Waldungen waren jedoch sehr lohnend.

Um die Insel Ambon ein wenig kennen zu lernen, durchschnitt ich sie von Norden nach Süden und ging nach der Negeri Emma, ungefähr acht Paal. Man bedient sich auf Ambon zum Reisen einer Art Tragstühle, da die Wege zum Fahren oder Reiten nur einige Paal um das Städtchen gut sind. Ich wollte keinen Tragstuhl nehmen, indem mir nichts unangenehmer ist, als mich von Menschen tragen zu lassen; allein man behauptete, daß die Berge zu schroff seien, um von Europäern überklommen werden zu können.

Ich nahm also zur Vorsorge einen Tragstuhl mit, lief aber daneben her. Es ist wahr, die Berge und Hügel steigen sehr schroff und steil auf, man muß wirklich schwindellos sein, um hinüber zu kommen; ich hatte jedoch ungleich Aergeres auf Borneo und Sumatra erlebt. In drei Stunden war ich in Emma.

Die ganze Gegend zwischen dem Städtchen Ambon und Emma besteht aus Schluchten und trichterförmigen Vertiefungen; man mußte stets auf- und niederklettern oder auf äußerst schmalen Bergkanten fortschreiten. Alles war mit schönen Waldungen, mit üppigem Untergesträuch bedeckt. Man sah viele +Dusons+[22] mit Gewürznelken-Bäumen; in den Wäldern gab es viele Sagopalmen. Von den Höhen erblickte man das Meer dies- und jenseits der Insel. Die Berge bestehen zum Theil aus Sand, den man sehr leicht herab arbeiten kann.

Die Negeris liegen an den Kanten der Schluchten oder auf den Spitzen der Berge. Die Leute haben im Dorfe oft nicht einen Schritt ebene Fläche. Die kleinsten Kinder hier würden manchen Erwachsenen aus den Ebenen im Bergklettern beschämen. Das läuft und springt auf und ab gleich Gemsen.

Ich blieb vier Tage auf Emma, um Insekten zu sammeln. Die Hitze war zwar sehr drückend, ich ertrug sie jedoch so gut, als hätte ich mein ganzes Leben unter dem Aequator zugebracht.

Nach Ambon zurückgekehrt, unternahm ich einen etwas größeren Ausflug nach +Saparua+ und der Insel +Ceram+, einer der größten von den Molukken. Letztere wollte ich vorzüglich ihrer Bewohner, der wilden Alforen, wegen besuchen.

Am +11. Januar+ Nachts fuhr ich zur See nach dem Oertchen +Paseo+, welches östlich von Ambon, an dem kaum einige hundert Fuß breiten Isthmus liegt, der diese Insel in zwei Theile theilt. Ich kam um zwei Uhr Nachts an. Die Prauhs wurden hier bei der Fluth über den Isthmus gezogen und die Reise früh Morgens nach +Ihamahu+ (35 Meilen) einer Negeri auf Saparua fortgesetzt. Von da ging ich zu Fuße nach der Negeri-Saparua (7 Paal), wo ein kleines Fort und der Sitz eines Assistent-Residenten ist.

Einen angenehmeren Spaziergang als von Ihamahu nach Saparua kann es nicht leicht geben. Das ganze Inselchen gleicht einem freundlichen Garten. Der Weg ist trefflich und führt durch kleine Waldungen von Fruchtbäumen, durch bedeutende Negeris, in welchen die Häuser in Reihen stehen, aber durch Bäume und grüne Plätze von einander geschieden und mit lebendigen Hecken eingezäunt sind. Die Aussichten, die man von den kleinen Höhen genießt, sind über alle Beschreibung herrlich. Man sieht Ambon, Ceram, Haraku und viele andere Eilande; man sieht das Meer bald als Bucht, bald als Bay oder Canal und über Saparua hinaus als endlosen Wasserspiegel. Ich fand viel Aehnlichkeit mit den +Kykladen+ in Griechenland. Nur sind die Inselgruppen hier durch ihre üppige Vegetation ungleich schöner als dort.

In Saparua traf ich den Gouverneur, Herrn +Vischer+, der auf einem Kriegsschiffe von Ambon hieher gekommen war, weil man einen Aufstand der Eingebornen befürchtete. Letztere sind in den entfernteren Kolonieen oft den Eigenmächtigkeiten und Bedrückungen harter und eigennütziger Beamten ausgesetzt. Auch hier schien dies der Fall zu sein, und der Gouverneur wollte die Sache persönlich untersuchen. Ich habe bereits bei der Erwähnung der Hungersnoth in dem Gebiete von Samarang bemerkt, daß die Beamten, die sich Vergehungen oder Eigenmächtigkeiten zu Schulden kommen lassen, meistens wenig, mitunter gar nicht bestraft werden. In den Streitigkeiten mit den Eingebornen erhält fast immer der Beamte, selten der Eingeborne Recht. Bei der kleinsten Unachtsamkeit werden die Leute oft angefahren und ausgescholten, als hätten sie das größte Verbrechen begangen. Ich selbst sah einst einen Eingebornen an einen Pflock gebunden; er sollte mit einem Rohre 50 Hiebe auf den nackten Rücken bekommen. Als ich nach dem Verbrechen des Sträflings frug, wich man mit der Antwort aus, woraus zu schließen war, daß die Strafe dem Verbrechen nicht angemessen war. Zuverlässige Männer versicherten mir, daß nicht selten bis 100 Stockschläge ausgetheilt würden, obwohl die von der Regierung erlaubte höchste Zahl 30 sei. Die armen Leute erzittern manchmal so, wenn sie von Beamten oder Officieren gerufen werden, daß ihnen das Wort im Munde erstirbt. Auch in Brittisch-Indien hatte ich häufig Gelegenheit, dasselbe zu bemerken. Sollten Beamten und Officiere, die auf Außenposten angestellt sind, wo ihr Thun und Lassen nicht so überwacht werden kann, nicht ungleich strenger bestraft werden, wenn sie ihre Pflichten überschreiten, als der Eingeborne, dem die Gesetze mit Waffengewalt aufgedrungen wurden? Aber so ist es fast in der ganzen Welt. Der gemeine, arme Mann, der oft aus Unwissenheit, aus Unkenntniß der Gesetze fehlt, wird für das geringste Vergehen strenge bestraft; der Vornehme, der Gebildete findet Nachsicht und Milde. Verdiente Letzterer, gerade weil er gebildet ist, weil er volles Bewußtsein seines Vergehens hat, nicht doppelte Strafe?

Eine für den Reisenden sehr unangenehme Sache, die mich an Neapel, so wie auch an mein liebes Vaterland Oesterreich erinnerte, ist auf den Holländischen Besitzungen das ewige Abverlangen des Passes. In Batavia ließ ich den Paß für die Reise nach den Molukken visiren, in Samarang mußte dasselbe geschehen, in Surabaya, Ambon ebenso, ja beinahe in jedem Neste, wo nur ein Beamter residirte. Auf Saparua soll die Passomanie so weit gehen, daß kein Fischer ohne Paß auf den Fischzug ausgehen darf. Wahrlich, eine unerhörte Plackerei!

Schon auf Ambon hatte ich den Gouverneur ersucht, meine Reise nach +Wahay+ an der Nordküste Cerams zu unterstützen. Ich wollte zu Lande durch das Innere dieser Insel gehen, die von den wilden Alforen bewohnt ist, welche auf Köpfe noch gieriger sind als die Dayaker. Bisher wagten es nur zwei Europäer diese höchst gefährliche Reise zu unternehmen, von welchen der eine 150 Mann zum Schutze mitnahm. Ohne Hilfe der Regierung kann man gar keine Leute als Begleiter finden, da sich ein Stamm vor dem andern fürchtet. Ich wollte mich dessen ungeachtet mit vier Leuten begnügen; allein der Gouverneur versicherte mir, daß ich wenigstens 20 haben müßte, weil unter dieser Zahl niemand mit mir ginge. Er fügte bei, daß, wenn eine dringende Nachricht zu Lande nach Wahay zu senden sei (gewöhnlich geschieht dieß zur See), stets 20 Mann geschickt werden.

Mit Briefen an einige Regenten, die auf Ceram ungefähr so viel wie Dorfrichter sind, und den herzlichsten Glückwünschen trat ich am +17. Januar+ Nachmittags die Reise zu Fuß an. Ich ging nur bis nach der Negeri +Noloth+ auf +Saparua+ (7 Paal).

Am folgenden Tag, +18. Januar+, fuhr ich in einem Prauh über die See nach +Makariki+ auf der Insel Ceram (32 Meilen). Ich kam da so spät an, daß ich die Nacht in dem Prauh zubrachte.

Den +19. Januar+ mußte ich in Makariki bleiben. Der eingeborne Häuptling hatte die zwanzig Leute zusammen zu suchen, die mich begleiten sollten. Den Rest des Tages brauchten die Leute, meistens Alforen und einige Malaien, dazu, sich für die Reise mit Lebensmitteln zu versehen. Wir nahmen nichts als Sago-Brote, Pisangs und kleine getrocknete Fischchen mit.

+20. Januar.+ Morgens begann die beschwerliche und gefahrvolle Reise. Die Leute in Makariki machten mir von den Wegen eine schauerliche Beschreibung: sie sagten, daß ich beständig über Steingerölle, durch Wasser, über sehr schroffe Gebirge zu gehen, die Nächte in den Wäldern unter freiem Himmel zuzubringen hätte, und prophezeiten mir, ich würde gewiß bald umkehren.

Kaum waren wir eine Stunde gegangen, so begegneten wir schon einem Hinderniß, das für mich wenigstens sehr unangenehm war: der breite, tiefe und ziemlich reißende Fluß +Ruata+ mußte durchschwommen werden. Wie bei Sigumpulang auf Sumatra kam ich mit Hilfe zweier Eingebornen, die mir die Hand reichten und mich nach sich zogen, glücklich hindurch. Diesen ersten Tag verließen wir zwar die Ebene nicht, deßhalb war jedoch der Weg nicht minder schrecklich: er führte beständig in einem breiten Strombette fort, das jetzt in der trocknen Jahreszeit nur von einem schmalen, seichten Flüßchen eingenommen war. Wir hatten fast immer großes Steingerölle zu überklettern und unzählige Mal den Fluß nicht nur zu durchkreuzen, sondern mitunter lange Strecken in ihm zu gehen. Gewiß ein Drittheil dieser Tagereise (18 Paal) ging durch Wasser. Dabei litt ich viel von der Hitze, denn obwohl von Waldungen umgeben, war das Strombett, in dessen Mitte wir uns halten mußten, zu breit, als daß der kühlende Schatten bis zu uns hätte gelangen können. An Aussichten war der Tag arm, da wir stets zwischen Waldungen und Schluchten wandelten.

Nachmittags um 4 Uhr machten wir Halt[23]. Das Nachtlager wurde im Flußbette aufgeschlagen. Die Alforen errichteten schnell drei Laubdächer, unter die wir uns vertheilten, und lustige Feuer, an denen es leider nichts zu kochen gab, loderten bald empor. Der Anblick der finstern Waldungen, deren schwarze Schatten durch den aufgehenden Mond noch mehr herausgehoben wurden, war wohl etwas unheimlich; allein es halten sich auf dieser Insel keine wilden Thiere auf, und vor dem Ueberfalle eines Alforen-Stammes hatte ich keine Furcht. Ruhig legte ich mich auf das harte Steinlager und ließ mich von dem Gemurmel des Flusses bald in schöne Träume wiegen.

+21. Januar+ (19 Paal). Heute hatten wir die erste Gebirgskette, +Rothlong-Batai+, zu übersteigen; die Höhe des Uebergangs mochte 800 bis 900 Fuß betragen. Obgleich kein Pfad durch die Waldungen führte, so gehörte der Weg dennoch nicht zu den schlechtesten: das Untergebüsch war dünn, man konnte sich leicht überall durchwinden, auch waren die Berge nicht so schroff und steil wie jene von Ambon. Ich bewunderte sehr die Ortskenntniß der Leute: sie fanden durch das Labyrinth der Bäume den Weg so sicher, als wären wir auf einer gebahnten Straße gegangen.

Auf den Höhen sah man hie und da kleine Gruppen verfallener Alforen-Hütten, die aus weiter nichts als Laubdächern bestanden, unter welchen fußhohe Schlafstellen errichtet waren. Die Bewohner hatten da wahrscheinlich schon allen Sago aufgezehrt und ihre Wohnsitze nach einer neuen, fruchtbareren Gegend verlegt.

Nachdem die Gebirgskette überstiegen war, ging es beständig in engen Klüften, in schmalen, stein- und wasserreichen Flußbetten fort, ja wie gestern, so häufig im Wasser selbst, daß unsere Füße gar nicht trocken wurden. Gegen Mittag ruhten wir ein halbes Stündchen aus, um den magern Imbiß zu verzehren. Das harte Sagobrot mußte erst einige Minuten im Wasser erweicht werden, um es genießbar zu machen; dazu ein Paar Pisangs (Bananen), und die Tafel war Mittags, wie Morgens oder Abends fertig. Mein Hunger zeigte sich jedoch in Folge der gehabten Anstrengung stets so groß, daß ich die Entbehrung besserer Gerichte nicht im Geringsten fühlte.

An Rehen und Wildschweinen muß diese Insel überreich sein; von ersteren sahen wir viele, von letzteren fast nur die Spuren. Einige meiner Leute hatten Gewehre mit; es ging aber keines los. Ich sah bei dieser Gelegenheit, wie die Eingebornen die flüchtigsten Rehe im schnellsten Laufe so zu erschrecken oder stutzig zu machen wußten, daß die Thiere eine halbe Minute wie angewurzelt stehen blieben und das Auge von ihnen nicht abzogen. Die Leute schwenkten nur ein hochrothes Tuch und spannten es plötzlich auf. Trotz des sichern Zielpunktes, den die Thiere der Art abgeben, mußten wir uns doch die Lust auf einen Rehbraten vergehen lassen, da, wie gesagt, die unglücklichen Gewehre stets versagten. Dagegen fingen meine braven Alforen ein junges Wildschweinchen und ein Kussu (Baum- oder wilde Katze). Ersterem liefen sie über Stock und Stein so behende und flink nach, bis sie es ermüdeten und erhaschten. Letzteres holten sie von einem gewiß über hundert Fuß hohen Baume herab. Es war ängstlich und zugleich bewunderungswürdig zu sehen, mit welcher Leichtigkeit sie bis auf die höchste Spitze des Baumes kletterten. Das Thier selbst war nicht schwer zu erlegen: bei Tage sieht es nicht und bleibt ganz ruhig sitzen. Sie gaben ihm einen Schlag auf den Kopf und warfen es zur Erde, wo es gänzlich getödtet wurde.

Gestern wie heute begegneten wir keiner Seele. Das Nachtlager wurde abermals in einem Flußbette aufgeschlagen. Die Feuer brannten jedoch diesen Abend nicht umsonst. Dem Wildschweinchen wurde zwar vor der Hand das Leben geschenkt (mit diesem Braten sollte die Ankunft in Wahay gefeiert werden); aber das Kussu wurde geopfert. Die Leute schlitzten es auf, nahmen die Eingeweide und Gedärme heraus, wuschen es aus und legten es über das Feuer, um den Pelz einigermaßen abzubrennen. Sie legten dann das Eingeweide sammt den ausgewaschenen Gedärmen wieder in das Thier, steckten es an ein Holz und brieten es. Der Braten wurde ohne Salz verzehrt, da wir nichts dergleichen mit uns führten. Die guten Leute brachten mir ein ganzes Schenkelchen; ich nahm ein kleines Stück, um ihre Gabe nicht zu verschmähen und um das Fleisch zu kosten. Es hatte einen starken Geruch; nichts desto weniger schmeckte es mir. Die Malaien essen dieses Thier nicht: sie finden den Geruch zu stark.

+22. Januar+ (achtzehn Paal). Heute gab es zwei Gebirgsketten zu übersteigen. Die Höhe der ersteren, +Gorolehuway+, mochte 1500, die der letzteren, +Hurali+, 500 Fuß betragen. Die Waldungen auf Ceram zeichnen sich durch hohe, schlanke, ziemlich umfangreiche Bäume aus; ich blieb häufig bewundernd stehen, um diese himmelanstrebenden Giganten zu betrachten. Viele Stämme waren mit Schlingpflanzen und Orchideen bedeckt; doch Blumen sah ich nicht. Dagegen fiel mir ein Schwamm auf, wie ich nie zuvor einen gesehen. Er war nicht groß, hatte die Form eines Fingerhutes und saß auf einem drei Zoll hohen Stängel. Von der untern Kante hing rund herum ein zwei Finger breites, blendend weißes Netz, das so durchbrochen war wie das feinste Spitzengewebe. Es kam mir nie mehr ein zweites Exemplar vor.

Von der Höhe des Gorolehuway sah man weit in das Land hinein. Der größte Theil war sehr gebirgig, die Thäler lang, aber schmal; überall finstere Waldung, keine Spur einer Hütte oder eines Feldes.

Am schroffsten und gefährlichsten war der Uebergang über den Hurali. Dieses Gebirge, das letzte, das wir zu übersteigen hatten, fiel an manchen Stellen so senkrecht in die See, daß man kaum für den Fuß Raum fand; wäre ich dem Schwindel unterworfen gewesen, so hätte ich da gewiß meine Grabstätte gefunden. Auf dem Hurali sah ich das erste Alforische Dorf; es soll das größte auf ganz Ceram sein und enthielt an dreißig Hütten. Es schien aber wie ausgestorben: man sah und hörte keine Seele, so daß ich glaubte, es sei verlassen. Meine Begleiter sagten mir jedoch, daß das Dorf bewohnt und die Leute zu Hause wären; nur seien sie so scheu und furchtsam, daß sie bei dem geringsten Laute menschlicher Stimmen oder Fußtritte in die Hütten flöhen und die Thüren verschlössen. Wir wurden hier von einem starken Regen überfallen und suchten Schutz unter den Hütten, die auf Pfählen gebaut waren. Wir klopften auch an manche Thür und riefen nach den Bewohnern. Einige gaben uns zwar Antwort; aber keiner öffnete seine Thür. Und so war ich über eine Stunde in einem großen Alforischen Dorfe, ohne eine Seele zu Gesicht zu bekommen. Ich mußte die Neugierde, die Alforen kennen zu lernen, auf die Rückreise verschieben, für die ich mir vornahm, mich von irgend einem Rajah begleiten zu lassen, welcher Einfluß auf die Leute hätte.

Als wir den +Hurali+ im Rücken hatten und an die See kamen, dachte ich, daß nun alles Böse überstanden wäre; allein dem war nicht so. Die Berge und Hügel Ceram’s haben die Eigenthümlichkeit, daß sie meistens ganz schroff und steil gleich Wänden gegen die See abfallen. Wir mußten noch einen ganzen Paal in der Brandung der See selbst über Felsen, Riffe und Klippen steigen. Die Wogen schlugen heftig an, man hatte Mühe, sich zu erhalten, um so mehr, als Klippen und Steine vom Wasser spiegelglatt geschliffen waren, und auf diese Weise bot uns das Ende der Reise mehr Schwierigkeiten als der Anfang. Doch auch dieß wurde glücklich überwunden und ein lieblicher Pfad durch kleine Wiesen führte den letzten Paal nach der Negeri Passanea.

Man wird es vielleicht für Großsprecherei halten, wenn ich sage, daß mich diese Fußreise von einigen fünfzig Paal nicht im geringsten ermüdete. Ich hatte stets so viel zu sehen, jeder Gegenstand, wenn auch noch so klein und unbedeutend, interessirte mich so sehr, daß ich alle Mühseligkeiten vergaß. In solchen Fällen bewunderte ich oft selbst meine eisenfeste Natur, die mir erlaubte, ähnliche Strapazen auszuhalten. Ich lebte nur von Sagobrot und Pisangs, schlief auf hartem Boden und ging täglich achtzehn bis neunzehn Paal, was auf guten Wegen wohl nichts sagen würde, auf diesen steinigen, schroffen Gebirgspfaden aber im höchsten Grade beschwerlich war.

Passanea ist von Malaien bewohnt. Die Malaien lassen sich an Küstengegenden, die Alforen im Gebirge nieder. In Passanea kehrte ich bei dem Regenten ein.

Am folgenden Tage, +23. Januar+, fuhr ich in einem winzig kleinen Prauh nach +Wahay+ (40 M.). Die See war ruhig, und ohne Unfall erreichte ich Abends acht Uhr diesen Ort.

Wahay ist die einzige Niederlassung der Holländer auf Ceram; sie haben hier ein kleines Fort mit einer Besatzung von 30 Mann.

Ich blieb in dem Prauh sitzen und sandte den Empfehlungsbrief, den mir der Gouverneur Vischer für den Kommandanten, Herrn +Kern+, gegeben hatte, an letztgenannten Herrn ab.

Der gute Mann wollte meinem Führer gar nicht glauben, als ihm dieser verkündete, daß +eine Frau+ die Reise nach Wahay über Land gemacht habe; er versicherte mir später zu wiederholten Malen, daß er eher den Einsturz des Himmels als ein solches Ereigniß erwartet hätte.

Ich blieb sechs Tage auf Wahay, während welcher ich meine Insekten-Sammlung sehr vermehrte; allein von den Alforen bekam ich immer noch nichts zu sehen: sie wohnten zu weit ab von Wahay. Herr Kern versprach mir, mich auf meiner Rückreise bis +Saway+ (nahe bei Passanea) zu begleiten und von dort aus zwei Alforische Negeris mit mir zu besuchen.

Herr Kern, der bereits seit zwei Jahren auf Wahay lebte und manches von den Sitten und Gebräuchen der Alforen gesehen und gehört hatte, machte mir davon ungefähr folgende Schilderung, die ich so übereinstimmend fand mit dem, was ich bei den Dayakern beobachtet hatte, daß ich die Alforen für Abkömmlinge oder Stammverwandte der Dayaker halten möchte.

Die Alforen sind Kopfjäger wie die Dayaker; sie schätzen einen abgehauenen Menschenkopf höher als die kostbarste Beute. Hier muß wirklich jeder Jüngling seiner Auserwählten als Brautgeschenk einen Kopf oder wenigstens einen Theil eines Kopfes bringen. Gewöhnlich ziehen fünf bis sechs Jünglinge gemeinschaftlich auf die Kopfjagd aus, begnügen sich mit einer solchen Trophäe und theilen sie dann. Die Hütte, in welcher sie die eroberten Köpfe aufbewahren, heißt Baileo. Wenn der Baileo zu verfallen beginnt und ein neuer gebaut wird, bleibt dieser ungedeckt, bis man ihn mit einem neuen Kopfe schmücken kann; dann erst wird er gedeckt, und die Köpfe werden aus dem alten Baileo übertragen.

Der Alfore, welcher einzeln auf die Kopfjagd geht, verbirgt sich gleich den Dayakern hinter Bäumen oder Gesträuchen, legt sich flach auf die Erde, bedeckt sich ganz mit Laub und Zweigen, und harrt Tage lang, ohne Nahrung und Trank, auf seine Beute. Er schleudert nach dem Unglücklichen aus seinem Verstecke mit nie fehlender Geschicklichkeit seine Lanze, deren Spitze zwar nur von Bambus, aber scharf wie Eisen ist. Dann stürzt er von rückwärts über sein Opfer her und haut ihm den Kopf ab. Den Körper verbirgt er höchst sorgfältig in Klüften und abgelegenen Orten, um die Entdeckung des Mordes so viel als möglich zu verhindern.

Geht ein ganzer Stamm oder die Bewohnerschaft eines Dorfes auf die Kopfjagd, so suchen sie das feindliche Dorf zu einer Zeit zu überfallen, wenn die Männer auswärts mit Feldarbeit beschäftigt sind. Die Alforen schätzen die Köpfe der Weiber, ja der Kinder eben so hoch, wie die der Männer. Mit der Beute heimkehrend, kündigen sie ihr Glück schon von fern durch gellende Pfiffe auf einer Muschel an. Die Weiber und Kinder eilen den Siegern singend und jubelnd entgegen und führen sie im Triumphe nach dem Baileo. Hier werden die Köpfe den Knaben und Mädchen, die das zehnte Jahr nicht erreicht haben, überlassen; diese saugen jeden Blutstropfen begierig aus, was ihnen nach der Eltern Meinung Muth und Tapferkeit verleiht. Die Köpfe werden dann etwas geröstet, von dem Fleische gereinigt und in dem Baileo aufgehangen. Das Fleisch wird nicht gegessen, da die Alforen keine Kannibalen sind. Die Feste dauern einige Tage; man verzehrt dabei Wildschweine, Rehe und Kussus. Die Kinnbacken der verzehrten Thiere hängen sie ebenfalls an den Wänden des Baileo auf. Bei solchen festlichen Gelegenheiten erhalten die zehnjährigen Kinder ihr erstes Kleidungsstück, die Knaben eine handbreite Leibbinde von Bast, die Mädchen ein enges, kaum fußlanges Röckchen. Leibbinde wie Röckchen werden +Tijdaks+ genannt.

Wenn ein Mann einen Kopf erjagt hat, darf er als Auszeichnung sein blankes hölzernes Schild mit weißen Muscheln, sein Tijdak mit Zeichnungen verzieren. Man könnte diese Zeichen füglich die „+Alforischen Militärorden+“ nennen, denn sie werden gleich den Europäischen nur nach glorreichen Thaten verliehen, wenn die Hände des Siegers Menschenblut vergossen haben.

Die Religion der Alforen ist mit vielen Göttern und Geistern belebt. Einige Stämme haben Priester und eine Hütte als Tempel. Beide dienen jedoch nicht für Gottesdienst, sondern für die Zeremonie des Tätowirens, die an allen Kindern im zehnten Jahre vorgenommen wird. Die Kinder werden zu diesem Zwecke mit +Sagower+ (Palmwein) berauscht, in diesem Zustande in den Tempel gebracht und auf der Brust oder den Armen etwas tätowirt. Wenn sie vom Schlafe erwachen, sagt man ihnen, der gute Geist habe dieß gethan. Die Tätowirungshütte darf nur von dem Priester und dem Rajah betreten werden. Die Stämme, die sich nicht tätowiren, haben weder Tempel noch Priester.

Die Alforen können mehrere Weiber nehmen und sich ohne Schwierigkeit wieder scheiden; gewöhnlich aber begnügen sie sich mit einer Frau. Scheidungen sollen selten vorkommen. Die Weiber werden gekauft, zwar nicht mit Geld, denn sie haben gar keines und trachten auch nicht darnach, aber mit Reis und Tabak.

Sie tödten zuweilen die schwer Erkrankten, von welchen sie keine Genesung mehr hoffen, spannen dabei die Unglücklichen gleichsam in den Bock, indem sie ihnen die Arme durch die Knie ziehen, und lassen sie in dieser Stellung, bis die Seele vom Körper geschieden ist. Die Todten tragen sie entweder auf die höchsten Spitzen der Berge, am liebsten auf hohe, steile Felsen, oder sie verbrennen sie.

Ihre Gesetzgebung soll ziemlich weise und gut sein. Die verschiedenen Stämme bilden eine Art Konföderation, haben einen König für die ganze Insel und Rajah’s für jedes Dorf. Sie erweisen ihren Vorgesetzten viele Ehrfurcht; dennoch sollen diese nur wenig Einfluß auf das Volk haben. Im Ganzen schildert man die Alforen als ehrlich, gut, verträglich und als gut gesittet. Sie sind die einzigen, die auf Ceram einige Bodenkultur betreiben: sie pflanzen etwas Reis, Tabak, Ubi und Mais, welche Artikel sie an die trägen Malaien, die beinahe nichts bauen, gegen Kokosnüsse, Pisangs, bunte Tücher und Glasperlen vertauschen.

Während meiner Anwesenheit zu Wahay kam die Nachricht an den Kommandanten, daß Alforen in eines ihrer stammverwandten Dörfer eingefallen und fünf Köpfe erobert hätten. Die Holländische Regierung nimmt keine Notiz, wenn sich die Alforen unter einander köpfen, und selbst sehr wenig, wenn sie über die Malaien herfallen. Sie hat auf dieser Insel zu wenig Macht, um mit einigem Ernste auftreten zu können. Auch mit zahlreicheren Truppen, als ihr zu Gebote stehen, würde es schwer sein, diese Bergvölker zum Gehorsam zu bringen. Bei der geringsten Verfolgung ziehen sie sich auf die höchsten, unzugänglichsten Berge zurück und finden dabei überall Nahrung, da die Sagopalme allenthalben in solchem Uebermaße gedeiht, daß ungleich mehr verdirbt, als aufgezehrt wird. Auch an Wild fehlt es nicht auf dieser Insel, wo es keine reißenden Thiere gibt, die dessen Vermehrung verhindern.

Kurze Zeit, bevor ich nach Wahay gekommen war, wurden drei Malaien von Alforen getödtet. Man zog zwar zwei Rajahs von dem Stamme ein, welche der Morde beschuldiget wurden; allein die Leute gestanden nichts, und am Ende mußte man sich begnügen, sie nach ihren Gesetzen zu bestrafen. Diese verurtheilen den schuldigen Stamm, den Verwandten der Gemordeten zur Sühnung einige irdene Töpfe und Schüsseln, etwas Tabak und Reis zu geben.

Die Holländische Regierung zieht von Ceram nicht den geringsten Nutzen. Es werden keine Gewürze gebaut, keine Abgaben bezahlt. Das Fort zu Wahay dient bloß dazu, festen Fuß auf der Insel zu haben, und sie derart als Holländisches Besitzthum erklären zu können.

Am +30. Januar+ verließ ich Wahay, begleitet von Herrn Kern. Wir waren kaum einige Stunden zur See, als sich ein so stürmischer Wind erhob, daß wir das Land suchen mußten. Dieß war eine sehr schwierige Aufgabe, obwohl wir längs der Küste in der Entfernung von kaum einer Viertelmeile fuhren; überall gab es Riffe, hohe Felswände, steil abfallende Berge. Mit vieler Mühe und Gefahr gelangten wir endlich in eine kleine Bucht, wo wir den ganzen Tag und die halbe Nacht zubrachten. Den folgenden Morgen fuhren wir nach +Saway+, das wir sehr früh erreichten. Wir besuchten von hier aus zwei Alforische Dörfer, +Massitulan+ und +Opin+, die auf niederen, aber beinahe senkrecht aufsteigenden Hügeln nahe bei Saway liegen.

Die Hütten der Alforen sind klein und wie jene der Malaien auf Pfählen gebaut; die Wände bestehen aus den Rippen der Sagoblätter, die Dächer aus den Sagoblättern. Im Innern sieht man nichts als einige Matten, einige Töpfe und Teller, einen Parang, Bogen und Pfeile, eine Lanze und einen hölzernen Schild (vier Fuß lang und sechs bis acht Zoll breit).

Die Alforen sind minder häßlich als die Malaien; ich fand mitunter recht wohlgeformte Gesichtsbildungen. Der Körper ist schlank und ebenmäßig; unter den Mädchen gibt es höchst zierliche Gestalten. Ihre Hautfarbe ist sehr lichtbraun; sie haben schöne schwarze Augen, weiße Zähne und dichtes schwarzes Haar, das nicht geschnitten wird. Die Männer wickeln die Haare vorne zusammen in Form einer Scheibe, die sie durch hinein gestecktes Reisstroh vergrößern. Um den Kopf winden sie ein Tuch so geschickt und zierlich, daß die Haarscheibe gleich einer Kokarde frei in der Höhe steht. Ein Mann, der zwei Köpfe erobert hat, darf auch das Kopftuch mit weißen Muscheln verzieren. Doch tragen nicht alle das Kopftuch oder die Haarscheibe; viele lassen das Haar frei flattern, was ihnen ein etwas wildes Aussehen verleiht. Das dichte, lange, etwas struppige Haar fällt über das Gesicht und fliegt bei jeder Bewegung umher. So reich ihr Kopfhaar ist, so arm ist der Bart. Es scheint nicht, daß sie wie die Malaien das Barthaar ausraufen; ich sah im Gegentheile einige unter ihnen, die ein Schnurrbärtchen hatten und sich viel darauf einzubilden schienen. Die Weiber haben das Haar hinten in einen Knoten gedreht und aufgesteckt.

Beide Geschlechter gehen beinahe im Naturzustande; nur die Mädchen kleiden sich in das fußlange, enge Röckchen. Die Männer tragen einen handbreiten Gürtel von Bast, die Weiber legen, wenn sie heirathen, den Tijdak ab und gehen beinahe ohne alle Bedeckung.

In diesen beiden Alforischen Dörfern gab es noch wenig eroberte Köpfe. In dem einen stand ein neugebauter Baileo, der einstweilen ungedeckt war und des zu liefernden Kopfes harrte. Der Rajah des Dorfes Opin ist der Holländischen Regierung sehr ergeben. Er gestattet seinen Leuten nicht, ihre Opfer unter den Malaien zu suchen, ja er wünscht sogar, wie er sagt, das Kopfjagen ganz aufhören zu machen; doch wurde bisher seinen Vorstellungen kein Gehör gegeben. Er erhielt von dem Kommandanten für seine Anhänglichkeit an die Regierung einige alte Europäische Kleidungsstücke und andere Kleinigkeiten zum Geschenke. Da er von unserm Kommen unterrichtet war, hatte er alle diese Kostbarkeiten an seinen Körper gehangen. Man konnte nichts Lächerlicheres sehen. Ein altes Beinkleid reichte ihm bis an die Knöchel; in die Weste hätte er sich zweimal wickeln können, eben so in den Rock, an welchem die ursprüngliche Farbe kaum mehr zu erkennen war. Auf letzteren hatte er mehrere bunte Schnüre, sowie ein Stückchen Goldtresse als Orden geheftet. An der Seite trug er einen alten Stoßdegen, auf dem Kopfe eine kleine, spitze Mütze mit weißen Hahnenfedern. In diesem großen Putze erscheint er nur, wenn er mit dem Kommandanten in Berührung kommt; sonst geht er nackt wie sein Volk. Auch die Mädchen und Frauen, deren sich nur wenige auf vieles Zureden des Rajah zeigten, erschienen, weil der Besuch des Kommandanten angekündiget war, in Tücher und Kleidungsstücke eingehüllt. Ich sah sie erst später auf Hurali, wo der Kommandant nicht bei mir war, in ihrem Naturzustande.

Nachmittags fuhren wir nach +Passaneo+.

+1. Februar.+ Zu Passaneo trennten wir uns: der Kommandant fuhr zur See nach Wahay, ich trat die Fußreise nach +Makariki+ an. Vor dem Abschiede ersuchte ich noch den Kommandanten, mir den Regenten von Passaneo bis Hurali mit zu senden, damit er die Alforen bewege, ihre Hütten zu öffnen und mir Gelegenheit zu geben, dieses wilde und scheue Volk einigermaßen zu sehen.

Ich kam in Passaneo wieder mit meinen Alforischen Begleitern zusammen, die daselbst auf mich gewartet hatten. Nun erst, da ich den Werth der Muscheln und Zeichnungen verstand, sah ich, welche tüchtige Kopfjäger es unter ihnen gab; ich zählte sechs, deren Schilde (Tijdokos) und Kopftücher mit vielen weißen Muscheln und Zeichnungen prangten.

Als wir zu Hurali ankamen, war richtig wieder keine Seele zu sehen; der Regent mußte beinahe mit Gewalt die Leute aus ihren Hütten treiben. Ich stieg in mehrere Behausungen und hoffte mehr Wohlhabenheit zu finden, als in Massitulan und Opin, indem Hurali, wie gesagt, das bedeutendste Alforische Dorf ist; allein die Einfachheit oder Armuth war hier wie dort dieselbe. Die Kinder flohen vor mir, schrieen und heulten, als kostete es ihr Leben. Auch die erwachsenen Mädchen reichten mir nur auf wiederholte Zusprache des Regenten die Hand zum Gruße. Das Mißtrauen, die Scheu dieser Leute rühren von ihrer Angst her: sie leben in steter Besorgniß feindlicher Ueberfälle.

Man führte mich in den Baileo, der an Größe gegen die ihn umgebenden Hütten einem wahren Palaste glich: seine Länge mochte sechzig, seine Breite vierzig Fuß betragen. Mit Schauder zählte ich hier in einer langen Reihe 156 Schädel, die seit vielen Jahren zusammen gebracht wurden. An den Wänden hingen zahllose Kinnbacken der Wildschweine, Rehe u. s. w. die bei den stattgehabten Festlichkeiten verzehrt worden waren. Der Saal enthielt nichts weiter als die Köpfe, die Kinnbacken und die Feuerstelle, an welcher die Köpfe geröstet werden.

In der Hütte des Rajahs hingen ebenfalls noch ein Dutzend Menschenschädel.

Ich wünschte sehr den Festtanz zu sehen, den die Alforen um die eroberten Köpfe aufführen. Die Jünglinge waren auch dazu gleich bereit, und fanden sich alsbald mit den Instrumenten ein, die aus Muscheln und einer Trommel bestanden. Sie begannen schon auf die Trommel zu schlagen und den Muscheln gellende Töne zu entlocken; allein die älteren Leute, besonders der Rajah, gaben ihre Einwilligung zu dem Tanze nicht: sie meinten, daß, wenn dieser Tanz aus Scherz aufgeführt würde, einer von ihnen bald als Opfer fallen müsse. Ich sah daraus, daß die Alforen, wie alle rohen und unwissenden Völker, sehr abergläubisch sind.

Als Entschädigung zeigte mir der Rajah persönlich den Angriff eines Feindes. Er bewaffnete sich mit Schild, Parang und Lanze; Schild und Parang hielt er in der linken, die Lanze in der rechten Hand. Er verbarg sich hinter einem Baum, spähte mit großer Vorsicht nach allen Seiten, warf sich zu Boden, bedeckte sich mit Blättern und Zweigen und legte das Ohr an die Erde. Nach kurzer Zeit richtete er sich etwas auf, als gewahre er sein Opfer, zog sich für einen Augenblick noch mehr zurück, warf plötzlich seine Lanze, stürzte hervor und führte mit dem Parang einen kräftigen Streich durch die Luft. Dann bückte er sich und raffte einen Stein auf, den er mir als eroberten Kopf überreichte.

Ich bat den Rajah hierauf, mir die berühmtesten Kopfjäger seines Stammes vorzustellen. Er wies auf einige Männer, die um mich herum saßen und sagte mir, dieser habe zwei, jener drei, er selbst erst einen Kopf erbeutet. Es gibt keine Worte, mein Erstaunen zu schildern, als ich dieß hörte und dabei die gutmüthigen, sanften Gesichter dieser Menschen betrachtete. Die gerühmten Helden lächelten bei der Erwähnung ihrer Traten so wohlgefällig und bescheiden, als wäre von den edelsten Handlungen die Rede gewesen. Freilich ist in ihren Augen das Erjagen eines Kopfes dieselbe Heldenthat, wie in den Augen eines Europäischen Generals eine gewonnene Schlacht, in den Augen eines Soldaten das Niedermetzeln seiner Gegner. Im Grunde ist die Sache auch hier wie dort dieselbe.

Mit Herzlichkeit nahm ich Abschied von diesen sonst so harmlosen Menschen und setzte die Reise fort. Wir hatten uns heute kaum zur Ruhe gelagert, als wir von dem Wache stehenden Manne erweckt wurden, der nach dem Walde wies. Dort sahen wir zu unserm Schrecken ein Licht schimmern. Meine Leute sprangen auf und griffen zu den Waffen. Bald erschienen ein halbes Dutzend Alforen mit brennenden Holzspänen und erzählten uns, daß sie unfern unseres Lagers viele Alforen gesehen hätten, die vermuthlich auf das Fällen der Sagobäume ausgegangen wären. Sie empfahlen uns Vorsicht und gingen ihres Weges. Mein Führer, den man mir in +Saparua+ mitgegeben hatte, und der der braveste und beste Malaie war, der mir je vorgekommen, ließ unsere noch glimmenden Feuer sogleich gänzlich auslöschen, beorderte an jede meiner Seiten drei Mann als Wache, und auch die übrigen mußten sich ganz in meine Nähe legen. Wir waren aber von der beschwerlichen Tagereise (wir hatten die beiden Gebirgsketten überstiegen) alle so ermüdet, daß wir trotz der Gefahr bald wieder zu schlafen begannen, wie ich glaube, die Wache nicht ausgenommen.

Die Rückreise betrieb mein Führer mit solcher Eile, ich weiß nicht, ob aus Furcht oder aus einem anderen Grunde, daß wir am dritten Tage schon um 11 Uhr Vormittags in +Makariki+ waren. Die letzten sechs bis acht Paal machten wir auf einem anderen Wege, der durch ganze Waldungen von Sago-Palmen führte.

Ich ruhte in Makariki einen Tag aus, den folgenden kehrte ich nach +Noloth+ auf +Saparua+ zurück und am

6. +Februar+ traf ich in der Negeri Saparua selbst ein, wo ich den Gouverneur noch fand, der mich mit freudigem Erstaunen empfing. Seine erste Frage war: „Sind Sie denn wirklich in +Wahay+ gewesen?“ -- „Hier ist meine Bestätigung“, erwiderte ich lächelnd und reichte ihm einen Brief des dortigen Kommandanten.

Zu Saparua war diesen Abend große Tafel. Der Gouverneur verließ am folgenden Morgen die Insel und hatte zum Abschiede alle Regenten und Schullehrer eingeladen. Diese Leute, sämmtlich Eingeborne, erschienen in schwarzer, Europäischer Kleidung, drei unter ihnen in militärischer Uniform: letztere waren Offiziere der Bürgermiliz. Ich bewunderte ihre Haltung in den ihnen fremden, steifen Anzügen, so wie ihren Anstand und ihr Benehmen bei der Tafel. Sie handhabten das Eßbesteck mit einer Geschicklichkeit, als wären sie von Jugend auf daran gewöhnt gewesen. Die Malaische Gesichtsform, die bräunliche Hautfarbe allein verrieth sie; sonst hätte man meinen können, sich in Europäischer Gesellschaft zu befinden.

Am folgenden Morgen war schon sehr frühzeitig vieles Volk vor dem Hause versammelt, das dem Gouverneur durch allerlei Tänze seinen Dank für dessen Besuch der Insel bezeugen wollte. Da gab es Tänzer und Tänzerinnen in Menge. Letztere waren voll Flitterwerk; man sah, daß sie alles auf sich gehangen hatten, was sie zusammen bringen konnten. Auf dem Kopfe trugen sie Kronen von Messingblech mit Fransen oder Blumen verziert, bunte Lappen prangten als Schürzen und Schärpen. Sie führten den schläfrigen, einförmigen Malaischen Tanz auf, dessen Ende nie zu erleben ist. Die Tänzer sahen wo möglich noch komischer aus. Sie trugen messingene Pickelhauben mit himmelhohen Hahnenfedern, bunte Schärpen, kleine, runde, hölzerne Schilde, mit weißen Papierschnitzeln beklebt und hölzerne Parangs, mit Blumen geschmückt. Der Tanz, den sie aufführten, war etwas lebhafter und abwechselnder als jener der Mädchen.

Die Besetzung des Forts (50 Mann) war ebenfalls aufgestellt, die Regenten und Schullehrer umgaben den Gouverneur, und der ganze Zug begleitete ihn unter Tanz und Musik bis an das Seegestade. Der Gouverneur bereiste von hier noch einige andere Inseln.

Auch ich verließ Saparua noch denselben Abend, und am folgenden Tage begrüßte ich zu Ambon wieder die liebenswürdige Familie Roskolt.

Ich hatte nun schon viel Gelegenheit gehabt, das Volk auf den Molukken zu sehen. Ich fand die Malaien, aus welchen der größte Theil der Bevölkerung bestand, hier minder häßlich als auf Java, Borneo und Sumatra. Die Hautfarbe ist lichtbraun, der Körper wohlgeformt, wie man ihn häufig bei Völkern findet, die ihn nicht in unnatürliche Kleidertrachten zwingen. Sie verderben die Zähne nicht durch Feilen und Schwärzen und kauen weniger Siri; die Weiber sah ich nirgends Tabak rauchen. Die Hauptfarbe ihres Anzuges ist dunkelblau oder schwarz.

Ich hatte gehört und auch gelesen, daß die Christen unter den Eingebornen aus Ambon höchst lächerlich gekleidet seien und nichts lieber trügen als Europäische Kleider, besonders die Männer den Europäischen runden Hut. Ich fand dieß aber nicht so auffallend. Die Weiber zeichnen sich vor den übrigen Malaiinnen höchstens durch längere Kabays aus; die Männer tragen mitunter Beinkleider, aber höchst selten eine Kappe, einen Stroh- oder Filzhut; gewöhnlich gehen sie ohne Kopfbedeckung. -- Aber so ist der Reisende: in allen Ländern will er Sonderbarkeiten finden. Es würde mich nicht wundern, wenn Jemand ein unbekanntes Land durchreist, und unter Tausenden von Eingebornen zwei bis drei mit Klumpfüßen gefunden hätte, ihn sogleich die Behauptung aufstellen zu hören, daß in diesem Lande die Leute alle an Klumpfüßen litten.

Auf den Molukken sieht man bei den Eingebornen wenig Geflügel, sehr selten Schweine und kein Hornvieh[24]; sie begnügen sich mit Sago, rothem Pfeffer, Fischen und einigen Früchten.

Vor kurzem wurde auf Ambon eine Sagofabrik errichtet, in welcher das schönste weiße Sagomehl, so wie der Perlsago producirt wird. Diese Fabrik kann jedoch nicht so billig arbeiten, wie jene aus Singapore, obwohl der Sago hier heimisch ist, und dort eingeführt werden muß. Auf Singapore gibt es nämlich der arbeitsamen Chinesen genug, die sich mit einem geringen Lohne begnügen, während hier der träge Malaie nur durch Ueberzahlung zur Arbeit bewogen werden kann.

Am +3. März+ verließ ich Ambon, und zwar abermals auf dem Dampfer Ambon, Kapitän Bergner. Ich ging über +Ternate+, das noch zu den Molukken gehört, nach +Kema+ auf Celebes. Die Fahrt nach Ternate (260 Meil.) machten wir in 54 Stunden. Wir kamen an vielen Inseln und Eiländchen vorüber; auf manchen sah ich ganz schroffe, vollkommen kegelförmige Berge, die mitunter gerade aus der See emporstiegen. Viele standen frei ohne alle Verbindung, sie erinnerten mich an jene um Sarawak.

Die Einfahrt von Ternate ist sehr pittoresk. Die Bay erscheint von mehreren über 5000 Fuß hohen Bergen umkränzt, darunter +Tidore+, +Ternate+, letzterer ein Vulkan, der häufig raucht. An seinem Fuße liegt das Städtchen Ternate.

Die Holländer haben hier ein Fort und einen Residenten; doch ist diese Insel gleich +Ceram+ für die Holländische Regierung nur ein Lastposten, den sie aus politischen Rücksichten beibehält.

Es residirt hier ein Sultan, welchem sie bisher sein ganzes Land gelassen hat, und dem sie überdieß noch eine jährliche Pension von 10,800 Rupien gibt.

Wir blieben auf Ternate ein und einen halben Tag, die ich höchst angenehm in dem Hause des Residenten, Herrn +Goldmann+, zubrachte.

Abends machten wir dem Sultan von Ternate einen Besuch. Er sandte, um uns abzuholen, einen bequemen Europäischen Wagen, den er einst von dem König von Holland zum Geschenke erhalten hatte. Da es aber auf der Insel Ternate keine Pferde gibt, woran man in Holland nicht gedacht hatte, mußten, wenn man den Wagen gebrauchen wollte, an die Stelle der Pferde Menschen gespannt werden. Zu meinem Erstaunen sah ich auch wirklich das Fuhrwerk vor das Haus rollen, von mehr als zwanzig Dienern oder Unterthanen des Sultans gezogen und geschoben. Wir saßen ein und fuhren so rasch, daß uns der Abgang der vierbeinigen Laufer kaum bemerkbar wurde.

Das Haus des Sultans war von Stein in Europäischem Style ausgeführt, der Sultan Europäisch gekleidet, mit Ausnahme des Turbans auf seinem Kopfe. Er empfing uns unten an der Treppe, bot mir den Arm und geleitete mich mit vielem Anstande in den Empfangssaal; hier mußte ich mich von ihm trennen, da ich als Frau nicht an seiner Seite Platz nehmen durfte. Es empfingen mich seine Töchter (die Sultanin ließ sich krank melden), und führten mich an das eine Ende des Saales. Die Herren saßen uns gegenüber an dem anderen Ende. Nachdem Thee und Backwerk gereicht worden war, führte man uns zu Ehren zwei Tänze auf, den Menaré und den Tjakalele.

Der Menaré wurde von zwölf hübsch gekleideten Mädchen getanzt. Sie hatten hochrote seidene Blousen an, um den Hals einen sehr breiten weißen Kragen, nebstdem noch rothe und grüne Schürzen und Schärpen. Um die Taille trugen sie einen breiten Goldblech-Gürtel, vom Halse bis an die Brust ein Goldblech, und von demselben Metalle Armbänder, auf dem Kopfe einen schmalen Reif mit vielen Spitzen und Zacken. Nach hinten hing noch ein Goldblech über die Haare, die mit Blumen geschmückt waren; in dem Gürtel hatten sie Fächer stecken. Der Tanz war für Malaiinnen ziemlich bewegt. Sie machten Figuren wie bei der Quadrille und bedienten sich hiezu sogar ihrer Schärpen und Fächer. Alles geschah jedoch mit gesenkten Augen ohne Grazie, und unter Begleitung kreischender Gesänge. Die Musik bestand aus zwei Tamburinen und einer Pfeife, die Musiker waren Weiber.

Der +Tjakalele+ rührt noch, mit einigen Abänderungen, aus den Zeiten der Portugiesen her. Dieser Tanz, von einem Vortänzer und zehn Tänzern ausgeführt, ist so hübsch, daß man ihn einem civilisirten Ballettanze vergleichen könnte. Der Anzug der Tänzer bestand aus orangegelben Beinkleidern und Kaftanen, letztere auf vier Seiten aufgeschlitzt, aus bunten Binden und Schärpen und dreieckigen Filzhüten mit weißen Federbüschen. Jeder Tänzer hielt ein hölzernes Schwert in der Hand und hatte an jedem Arme ein buntes seidenes Tuch befestigt. Der Vortänzer trug statt eines orangegelben Kaftans einen hochrothen, statt einer Schärpe zwei, auf dem Hute zwei Federbüsche und an jedem Arme zwei Tücher. Die Tänzer machten sehr künstliche, verwickelte Figuren und Gruppen; sie stampften zeitweise mit den Füßen auf den Boden und schlugen mit den Schwertern wie bei einem Gefechte aneinander. Auch begleiteten sie den Tanz mit kurzen Gesängen, die etwas weniges besser klangen als jene der Mädchen. Zum Schluß bildeten sie mit den Schwertern eine Art Tragbahre, auf welche der Vortänzer sprang, und trugen diesen im Triumphe von der Scene. Die Musik bestand aus zwei Violinen und einer Pfeife und wurde von Männern gespielt.

Die Unterwürfigkeit ist an diesem Hofe nicht so groß wie zu Surakarta. Die Leute fingen erst an, auf den Knien zu rutschen, wenn sie dem Sultan schon ganz nahe waren. Den Sultan fand ich nicht von Weibern, sondern von Männern umgeben, die hinter ihm aufrecht standen.

Beim Abschiede begleiteten mich die Töchter des Sultans bis an den Ausgang des Saales; hier bot mir der Sultan wieder den Arm und geleitete mich bis an den Wagen.

Ich sah mit Erstaunen die Straßen beleuchtet, obwohl ich im Hinfahren den Luxus von Laternen nicht bemerkt hatte. Als wir bei dem ersten Lichte vorüber fuhren, löste sich das Räthsel -- die Laternen waren gleich den Pferden von Menschen vertreten, die an beiden Seiten der Straße mit Fackeln standen.

Die Eingeborenen von Ternate leben noch viel von Sago; doch wird auch Reis und Mais gebaut. Das Land ist fruchtbar, aber noch wenig kultivirt. Daß an dergleichen Orten die Lebensmittel, an welche wir Europäer gewöhnt sind, übertrieben viel kosten, versteht sich von selbst, da wenig oder nichts gepflanzt wird und sich selten jemand mit Aufziehung von Geflügel, Schweinen oder Hornvieh beschäftigt. So bezahlt man hier z. B. für ein Pfund Rindfleisch sechzig Deut, für eine Flasche Milch vierzig. Der Lohn der Dienerschaft ist ebenfalls sehr hoch; man muß die Leute meistens von Java kommen lassen.

Am +7. März+ Abends verließen wir Ternate und am folgenden Morgen lagen wir vor +Kema+ (94 Meilen) auf Celebes.

[19] Als ich später nach Java zurückkam, las ich in den Zeitungen, daß in Folge dieses Erdbebens die Hälfte der Molukken zerstört worden sei. Welche Uebertreibung!

[20] Der Nanarinen-Baum gehört zum Geschlecht der Kanarien-Bäume; er trägt eine sehr fette Mandel, aus welcher Oel gepreßt wird, das viel feiner als Kokos-Oel ist und auch zum Kochen verwendet wird.

[21] Bei dieser Gelegenheit muß ich bemerken, daß unter diesem Gouverneur-General auch die Abgaben aufgehoben wurden, welche die Kleinverkäufer auf allen Holländisch-Indischen Besitzungen von den Lebensmitteln bezahlen mußten, die sie zu Markte brachten. Dieses Gesetz war um so drückender, als der Bazarpacht meistens in den Händen der Chinesen war, die unglaublich geldgierig und hartherzig sind und das Volk schrecklich quälten, ja nicht selten betrogen.

[22] Jede Pflanzung, jeder Garten wird auf Ambon „Duson“ genannt.

[23] In Gegenden, die nahe am Aequator liegen, muß man frühzeitig Halt machen, da die Sonne um 6 Uhr untergeht und die Dunkelheit plötzlich ohne vorhergehende Dämmerung eintritt.

[24] Es giebt Hornvieh; dasselbe wird aber nur von den Holländern gehalten.