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Zwölftes Kapitel.

Sidenring. -- Die Seen von Tempe. -- Lagusi. -- Ein königliches Mahl. -- Rückkehr nach Sidenring. -- Die Rehjagd. -- Besuch bei dem Sultan von Goa. -- Abreise von Celebes. -- Surabaya. -- Eine Malaische Hochzeit. -- Eine Spukgeschichte. -- Rückkehr nach Batavia.

Von Pare-pare ging ich zu Pferde nach +Batu-Masapaija+ (zwölf Paal) einem Landsitze des Königs von +Sidenring+, welcher abwechselnd hier und in der eigentlichen Residenz zu +Tete-adje+ an dem See +Tempe+ wohnt.

Die Wege führten theilweise über niedrige Gebirge, welche, Alang-Alang und kurzes Gras ausgenommen, von Vegetation beinahe entblößt, dagegen voll Steine und Gerölle waren, so daß unsere armen Thiere wie Gemsen klettern mußten. Wir begegneten vielen Saumpferden, die hauptsächlich Reis nach dem Hafen Pare-pare trugen. Außerdem war das Land nur von Pferden belebt, die sich lustig im Zustande der Freiheit herum tummelten. Die Könige in diesen Gegenden haben große Gestüte und treiben sehr gewinnreichen Pferdehandel.

Schon seit mehreren Stunden zog sich der Weg einförmig bergauf, zwischen Hügeln fort, die jede freie Aussicht versperrten; dagegen wurden wir bei dem Ausgange eines engen Thales überreich belohnt, denn eine der herrlichsten Ansichten, vielleicht die schönste von ganz Celebes, lag vor unsern Blicken. Eine beinahe unabsehbare Ebene breitete sich aus, in ihrer Mitte glänzten die Wasserspiegel der beiden Seen +Tamparang-Urai+ und +Tamparang-Cabaija+, gewöhnlich die Seen von Tempe genannt. Der erstere dieser Seen bildet ein langes, unregelmäßiges, der letztere ein schönes, rundes Becken. Reiche Reispflanzungen, große Ortschaften verkündeten den Wohlstand der Gegend. Im Vordergrunde stiegen viele vereinzelte, kleine, spitze Hügel und Felsen auf, die man aus der Ferne und der Höhe, auf welcher wir uns befanden, für Tumuli hätte halten mögen, so klein und niedlich erschienen sie auf dieser ungeheuren Ebene. Im Hintergrunde erhoben sich schöne Gebirgsketten gleich hohen Mauern, als wollten sie das friedliche Thal vor den Stürmen der Außenwelt bewahren.

Langsam ritt ich nach der Ebene hinab, denn jeder Schritt verlöschte einen Zug des herrlichen Bildes. Das Großartige verschwand, unser Pfad ging wieder zwischen niedern Hügeln in die Tiefe, und bald sahen wir weiter nichts, als einzelne Hütten, einige Stallungen, die dem Könige zugehörten, kleine Mais- und Reisfelder. Dies ging so fort bis Batu-Masapaija, wo wir den König auch wirklich antrafen.

Obwohl der König von Sidenring zu den drei größten auf Celebes gehört, wohnte er eben so erbärmlich wie der kleinste, ärmste Rajah. Sein Palast, aus dünnem Bambusgeflechte, mit Stroh gedeckt, glich einer halb verfallenen Scheune. Das Innere bestand aus einem großen Gemache, von durchlöcherten Halbwänden untertheilt, und voll schmutziger Klambus. Am Eingange gab es einige Feuerstellen, auf welchen halb erloschene Brände einen abscheulichen Rauch verbreiteten, im Vordergrunde wimmelte es von Faullenzern aller Art, Männer, Weiber und Kinder. Hier hockte eine Gruppe, Siri kauend und schwatzend, dort lagen Schläfer auf dem Boden ausgestreckt und um die Wette schnarchend, hier erschien hinter einem geöffneten Klambu ein zerraufter Kopf, dort balgten sich nackte Kinder, mit Finnen und Schmutz bedeckt -- wo man hinsah ein erbärmlicher ekelhafter Anblick.

Das königliche Ehepaar hockte im Hintergrunde auf einer zwei Fuß hohen Tribune, gleich der Dienerschaft mit Sirikauen beschäftiget und in den lieben langen Tag hinein schauend. In der Nähe der Tribune waren hier und da Kisten und Körbe aufgestapelt, zerrissene Kleidungsstücke hingen umher, dazwischen auch eine schöne gestickte Militärs-Uniform, die der König von der Holländischen Regierung zum Geschenke erhalten hatte. Der König zeigte mir dies Kleidungsstück und ersuchte mich, ihm ein derartiges einfacheres zu verfertigen. So sind die Schicksale des Reisenden! Der König von Pare-pare hätte mir hundert Rupien für meine Bücher gegeben, während dieser hier mich zu seinem Hofschneider erheben wollte! Ich wich der bescheidenen Bitte dadurch aus, daß ich sagte, ich sei zum Arbeiten zu vornehm.

Man beherbergte mich in diesem scheunenartigen Palaste unter einem Klambu. Die Kost war ziemlich schlecht; man brachte mir auf handgroßen Täßchen einige winzig kleine Stückchen Fleisch, ein Paar fingerlange Fische und den Hals, Kopf und die Flügelspitzen eines Hühnchens.

Nach der Tafel besuchte mich der König. Als er zufällig einige Insekten sah, die ich unterweges gefangen hatte, und hörte, daß ich Werth darauf legte, versprach er mir ganz unaufgefordert, Leute in die Waldungen zu senden und für meine Rückkehr eine kleine Sammlung bereit zu halten.

Schon in einigen Tagen sollte ich wieder hier sein, denn meine Reise ging nun nicht mehr weiter als über die beiden Seen bis +Lagusi+, der Residenz der Königin von +Wadjo+, deren Königreich an jenes von +Bonni+ grenzt. Der Besuch des letzteren, wie bereits erwähnt, war mir nicht gestattet.

Beim Abschied versprach mir der König noch, wenn ich wiederkehre, mir zu Ehren auch eine Rehjagd zu veranstalten.

+2. Mai.+ Wir ritten heute nicht mehr als neun Paal in der großen Ebene beinah unausgesetzt zwischen Reisfeldern bis in die Nähe des ersten Sees, wo wir in einer offenen Hütte, d. h. unter einem Blätterdache unsere Wohnung aufschlugen. Wir kamen durch mehrere große Ortschaften, darunter besonders +Awaritij+ mit mehr als 200 Häusern. Ich fand in diesem Königreiche Dörfer und Häuser durchgehends sehr groß.

Auch heute bestand meine Mahlzeit nur aus einigen kleinen Fischchen nebst Reis, und zwar ebenfalls wieder durch die Schuld meiner Leute, denn wenn man in diesen Ländern irgendwo gastfreundlich aufgenommen wird, ist es Sitte, alles zu begehren, was man nöthig hat; hätten meine Leute einige Hühner, Früchte u. dgl. verlangt, so würde man sie ihnen mit Freuden gegeben haben; allein sie thaten es nicht, selbst wenn ich es ihnen befahl -- sie wollten nicht die Mühe der Zubereitung haben.

+3. Mai.+ Lagusi (dreißig Paal). Heute ward ich über meine Leute im höchsten Grade aufgebracht. Als ich Morgens an das Ufer des Flusses kam, auf welchem wir noch ein kleines Stück bis in den See zu fahren hatten, war nicht einmal das Prauh in Bereitschaft: eine ganze Stunde mußte ich in der glühenden Sonne stehen und die Leute zur Arbeit antreiben. Mit größtmöglichster Langsamkeit schoben sie endlich einen ausgehöhlten Baumstamm in das Wasser und deckten ihn mit einem so niedrigen Blätterdach, daß ich darunter kaum aufrecht sitzen konnte. Ich betrat mit Widerstreben dieses gefährliche und unbequeme Fahrzeug; wie aber stieg erst meine Angst, nachdem ich so viele Menschen folgen sah, als der hohle Baumstamm fassen konnte! Ich wehrte mich dagegen; doch weder Tolk noch Sendling hörten auf mich; sie ließen mitfahren wem es beliebte. Einundzwanzig Personen saßen in dem engen Raume. Ich mußte während der ganzen Fahrt, die über neun Stunden dauerte, gleich den übrigen, auf meinen unterschlagenen Beinen hocken. Den Eingebornen macht dieß freilich keine Unbequemlichkeit, die sind an diese Stellung gewöhnt; ich litt aber unaussprechlich.

Unter den Mitreisenden befand sich ein Greis, der, obwohl er eben nicht sehr gebrechlich aussah, nicht lange sitzen konnte. Er mußte sich legen, und in Folge dessen waren wir gezwungen, noch mehr zusammen zu rücken. Später sah ich, woher die Schwäche des Alten rührte: er war ein starker Opiumraucher. Er führte Pfeife, Opium und Lampe mit sich und rauchte und schlief abwechselnd während der ganzen Fahrt.

Die beiden Seen, deren vereinigte Länge ich auf ungefähr dreißig, die höchste Breite auf zehn Paal rechne, sind durch den Fluß Watta verbunden, ihre Entfernung von einander beträgt höchstens 1½ Paal. Die Seen, besonders der große, haben wenig Tiefe; letzterer dürfte sich mit der Zeit in einen Sumpf verwandeln, denn jetzt schon ist der ganze Grund und Boden mit Pflanzen dicht überwachsen, und ganze Parthieen derselben schwimmen gleich Inseln auf der Oberfläche umher. Die Ufer bieten wenig Reiz; an vielen Stellen sind sie mit Alang-Alang bedeckt. An dem großen See liegen bedeutende Ortschaften; sie nehmen sich aber in der nackten Umgebung, die weder Gebüsche noch Baum besitzt, ganz armselig aus. Die die Seen umgrenzenden Länder bilden Bestandtheile von Sidenring, Wadjo und andern kleinen Königreichen. Man sieht auch die Gebirge von Bonni, von welchen ich nur eine Tagreise entfernt war. Lagusi liegt am Tjenrana, achtzehn Paal stromaufwärts. Als ich das Boot verließ, um nach der königlichen Residenz zu gehen (¼ Paal) begleitete mich die ganze Dorfgemeinde; man hatte hier noch kein Europäisches Gesicht gesehen. Die Leute wollten alle mit mir in den Palast (natürlich auch nur eine Bambushütte) -- man mußte sie mit Gewalt forttreiben.

Die Königin ließ lange auf sich warten. Sie war alt, aber kräftig, überaus lebhaft und sprach sehr eifrig und viel. Sie behauptete, sechsundsiebenzig Jahre zu zählen; aber ihrem jüngsten Sohne nach zu urtheilen, mochte sie es mit den Jahren wohl nicht so genau nehmen. Wenn die Leute hier alt sind, machen sie sich gerne noch älter: sie glauben dadurch an Würde zu gewinnen. Im allgemeinen haben sie auch wenig Begriff von Zeitrechnung und wissen meistens selbst nicht, wie viel Jahre sie zählen.

Nach der üblichen Bewirthung mit Thee und Süßigkeiten wollte ich mich zurückziehen, da ich halb lahm von dem neun Stunden langen unbequemen Sitzen in dem Baumstamme war; allein die hohe Frau gab es nicht zu: sie unterhielt sich zu gut mit meinen Leuten, die ihr alle Neuigkeiten aus der großen Stadt Makassar erzählen mußten. Sie war sehr munter und heiter, obwohl sie, wie sie mir selbst mit wahrhaft stoischer Gleichgültigkeit erzählte, erst vor drei Tagen einen Sohn begraben hatte. So sind diese Menschen! -- So lange die Leiche im Hause ist, heulen, schreien und geberden sie sich wie Wahnsinnige; ist der Verstorbene einmal der Erde übergeben, so begraben sie den Schmerz mit ihm, Heiterkeit und Frohsinn kehren wieder.

Die Königin trug Trauer um ihren Sohn. Dieselbe bestand in einem dunklen Tuche, das um den Kopf geschlagen war, die Haare ganz verbarg und bis über die Schultern fiel.

Sehr gegen meinen Willen war ich gezwungen, die Abendmahlzeit bei der Königin einzunehmen. Auch hier war das Essen unter aller Kritik. Es gab eine Menge kleiner Schüsselchen, deren Gesammtinhalt den Magen eines ganz gewöhnlichen Essers nicht überladen hätte. Ein Schüsselchen enthielt ein hartgekochtes Ei in vier Theile geschnitten, ein anderes drei winzig kleine Kartoffeln, ein drittes die Hälfte eines drei Zoll langen Fischchens, ein viertes ein paar Scheibchen von Gurken, ein fünftes zwei gekochte nußgroße Zwiebelchen u. s. w. Mitten unter dieses Puppenmahl setzte man einen sehr großen, fest zugedeckten Suppentopf und legte daneben einen großen Suppenschöpflöffel. Diesem Riesentopfe weihte ich meine ganze Aufmerksamkeit; mein erwartungsvoller Magen hoffte auf gekochte Hühner oder sonst ein herrliches Gericht. In dieser schwelgerischen Erwartung nahm ich eine gute Portion Reis auf meinen Teller, um ihn mit der köstlichen Sauce, mit dem zarten Hühnerfleische zu mengen; doch der Deckel des Topfes wurde lange Zeit nicht gehoben. Ich verlangte nach etwas Salz, um meinen Reis vorläufig zu würzen. Da endlich -- ging der Deckel auf, man griff nach dem großen Schöpflöffel und langte -- -- einen Fingerhut voll weißen Salzes heraus[33]. Bald wäre ich aus Schmerz über die getäuschte Hoffnung selbst zur Salzsäule geworden.

Nicht minder komisch ging es mit dem Wasser zu: man stellte zwei sehr schön geschliffene Flaschen in Futteralen vor uns. Da Flaschen gewöhnlich von Gläsern begleitet sind, wartete ich lange auf letztere. Als sie nicht erschienen, verlangte ich darnach; die Königin aber sagte mir, ich möchte nur aus der Flasche trinken, und nicht nur sie und ich, sondern Tolk, Sendling, alles trank aus den Flaschen.

Unter den Früchten gab es eine, Durian genannt, in Form und Umfange einer Melone von mittlerer Größe ähnlich und mit sehr rauher Schale, die dermaßen nach Knoblauch stank, daß man die Frucht schon roch, als sie dreißig bis vierzig Schritte entfernt war. Das Innere besteht aus weißen, an einander gereihten, sehr großen Bohnen. Ich hatte die Frucht schon auf Borneo wie auch auf den Molukken gesehen. Die Europäer versicherten mir, daß, wenn man sich an den starken Geruch gewöhnt habe, diese Frucht sehr fein schmecke, und fügten hinzu, wenn man sie so recht ~con amore~ genießen wolle, müsse man dieß auf einem Flusse in einem Boote sitzend thun, um die Hände jeden Augenblick in das Wasser tauchen zu können, damit der Geruch sich leichter verlöre. Ich konnte ihr, selbst nach wiederholten Versuchen, des Geruches wegen, keinen Geschmack abgewinnen.

Die bei Tische aufwartende Hofdame oder Dienerin trug auf dem Daumen der linken Hand ein wenigstens fünf Zoll langes Nagelfutteral. Ich gab ihr meine Verwunderung über diesen ungeheuren Nagel zu erkennen, sie versichernd, daß ich ähnliches nicht einmal in China, dem Lande der Nagelkultur gesehen hätte. Lächelnd zog sie das Futteral ab, und ich sah, daß es eigentlich mehr als Zierde diente: der Nagel selbst hatte höchstens einen halben Zoll Länge. Eben so verhielt es sich mit den übrigen Futteral-Trägern; nur der Sohn der Königin machte hievon eine Ausnahme: sein Finger prangte mit einem zwei Zoll langen Nagel. Die Mode der Nagelfutterale sah ich nur in dieser Gegend.

Als das Mahl vorüber war, setzte ich die Ceremonie bei Seite und verlangte, mich zurückziehen zu dürfen. Die Königin entschuldigte sich, mich nicht in ihrer Ruine von Palast aufnehmen zu können, ich möchte ihrem Sohne nach dem seinigen folgen; dort sei schon alles für mich bereit. Daselbst angekommen, sollte ich noch seiner Frau vorgestellt werden und abermals Thee und Backwerk genießen. Allein ich wich dieser Ehre für heute aus und schlüpfte unter meinen Klambu, wo ich mich der nöthigen Ruhe erfreute.

+4. Mai.+ Der Prinz war ein noch junger Mann; Gesichtsfarbe und Züge verriethen aber schon den starken Opiumraucher. Sein erstes Geschäft Morgens war auch die Opiumpfeife anzuzünden. Leider wird dieses Gift auf Celebes häufig gebraucht.

Nach dem Frühstücke, das der gestrigen Abendmahlzeit würdig an die Seite zu stellen war, ging ich mit dem Prinzen zur Königin, um Abschied zu nehmen. Beim Eintritte in den Palast fielen mir drei Kisten in die Augen, die ich gestern nicht bemerkt hatte; zwei dienten als Stühle für die Königin und mich, die dritte als Tisch.

Ich mußte über eine halbe Stunde auf die Königin warten; es hieß, sie mache Toilette. Und worin bestand diese Toilette? In einer weißen Blouse, die sie über den Sarong gezogen hatte, der Kopf war wie gestern in ein Tuch gehüllt. An Schmuck trug sie zwei Reihen hohler Kugeln aus Goldblech, in Form und Größe kleiner Hühnereier, die kreuzweise über Brust und Schulter hingen, an jeder Seite der Brust ein rundes, handgroßes, mit Edelsteinen besetztes Goldblech, das man für Orden hätte halten können, wenn die Leute auf Celebes schon auf diesem Höhepunkte der Civilisation stünden. Am meisten fiel mir jedoch die Fußbekleidung auf: sie bestand aus ausgeschnittenen Schuhen nach Art der Europäischen; nur waren sie, statt von Stoff, ganz von Goldblech, die Sohle nicht ausgenommen, und mit Edelsteinen besetzt.

Als mich die Königin begrüßte, sagte sie mir, daß sie es für ihre Pflicht gehalten habe, mich im königlichen Staate zu empfangen.

Auch bei dieser Gelegenheit mußte wieder gespeist werden. Während der Mahlzeit wurde ihr Sohn abgeholt, um ein Haus zu besichtigen, in welches diese Nacht Diebe eingebrochen, und an Silber, Geschmeide u. dgl. bei 800 Rupien im Werthe gestohlen hatten.

Die Buginesen, Hauptbevölkerung dieser Gegenden, sind die berüchtigtsten Diebe und Piraten im ganzen Archipel, übrigens die gewandtesten und hübschesten Leute, die ich auf dieser Insel gesehen. Männer und Weiber sind groß, sehr gut gewachsen, auch ihre Gesichtsbildung ist bei weitem besser, als die der Malaien. Das Nasenbein thut sich doch ein bischen hervor; manche haben mitunter ganz hübsch geformte Nasen, und die Zahnkiefer ragen nicht so heraus. Ihre Augen sind schön und verrathen viel Intelligenz. Ihre Hautfarbe ist licht röthlich braun.

Wie ich bereits bemerkt habe, genießen die Weiber auf Celebes so ziemlich die Rechte der Männer: ein Mann darf ohne die Bewilligung seiner ersten Frau keine zweite nehmen. Auch von den öffentlichen Angelegenheiten sind sie nicht ausgeschlossen. Die Bewohner des Königreiches +Wadjo+ (Lagusi), ein handeltreibendes, friedliches Volk, ziehen es sogar vor, von Königinnen regiert zu werden; sie sagen, daß deren Regierung weniger kriegslustig, treuer und ruhiger sei, als die der Männer.

Um 11 Uhr sagte ich der Königin Lebewohl.

Ich hatte meinen Leuten schon am frühen Morgen befohlen, alles zur Rückreise in Bereitschaft zu halten; trotzdem fand ich, als ich an’s Ufer kam, nicht einmal ein Boot vor. Mit vielem Gezänke kam erst unser ausgehöhlter Baumstamm um Mittag zum Vorschein. Die Rückreise war wo möglich noch unangenehmer als die Herreise, da die Leute so träge ruderten, daß wir nicht von der Stelle kamen. Ich mußte in dem engen Gefängnisse zwanzig Stunden, von Mittag zwölf bis nächsten Morgen acht Uhr zubringen. Während der Nacht wurden die Ruder zur Seite gelegt, und alles schlief. Glücklicherweise war das Wetter schön und der See ruhig, dennoch schwankte das gefährliche Fahrzeug bei jeder Bewegung eines Schläfers so heftig, daß ich oft fürchtete, es könne das Gleichgewicht verlieren.

+5. Mai.+ In der offenen Hütte wieder angekommen, rasteten wir zwei Stunden, dann bestiegen wir Pferde und ritten nach +Batu-Massapaija+, zu dem König von Sidenring zurück.

Meine erste Frage war nach den Insekten. Der König reichte mir -- die leere Flasche[34]. Ich erinnerte ihn an die Rehjagd -- „Uebermorgen“ hieß es.

Ich dankte ihm für die vielen Insekten und für die schöne Jagd und ersuchte ihn, mir einige Leute zu geben, um nach dem Bergdistrikte +Duri+ gehen zu können, dessen Bewohner eine Art Alforen und ein noch als sehr wild bekannter Volksstamm, Bundesgenossen des Königs von Sidenring sind. Sie sollen in Höhlen wohnen. Diese Reise gefiel aber dem Tolk und Sendling nicht. Man mußte sie zu Fuße machen und obwohl ich von der +Buginesischen+ Sprache, in welcher meine Leute mit dem Könige verkehrten, so viel wie nichts verstand, entnahm ich doch, daß sie den König ersuchten, mir Schwierigkeiten zu machen. Der König sagte mir dann in Malaischer Sprache, daß er jetzt mit diesem Volke gerade nicht im besten Einvernehmen stehe und daher meinen Wunsch nicht erfüllen könne. Hätte ich diese trägen, faulen Leute nicht bei mir gehabt, so würde ich meinen Willen durchgesetzt haben, denn ich sah es dem Könige an, daß er der Erfüllung meines Ersuchens nicht ungeneigt war. Er bemerkte wohl, daß ich böse wurde, und um mich ein wenig zu erheitern, versprach er mir, die Rehjagd auf den morgigen Tag zu veranstalten.

Ich brachte den ganzen Abend mit der königlichen Familie zu und bemerkte mit Vergnügen, daß das königliche Ehepaar, obwohl schon lange verheirathet (sie hatten vierzehn Kinder), in einer überaus glücklichen Ehe lebte. Ich hörte auch, der König habe nur +eine+ Frau, und überhaupt sei das Familienleben auf Celebes besser als auf irgend einer der anderen Inseln dieses Archipels. Gewöhnlich begnügt sich der Mann mit +einer+ Gattin, und Scheidungen finden auch nicht so häufig statt.

Die beiden Eheleute richteten unzählige Fragen an mich; vor allem andern aber baten sie mich um die Arznei, die ich ihrer Meinung nach nähme, um in meinem Alter so kräftig zu sein. Der König sagte, daß er nicht im Stande wäre, es mir gleich zu thun, viel weniger die Königin, obwohl sie beide um so viel jünger seien als ich. Vergebens betheuerte ich, daß dieß nur Folge der von der ihrigen so ganz verschiedenen Lebensweise wäre. Dann kam auch hier wieder die Rede auf meinen Sultan (ein besonderes Lieblingsthema aller dieser Fürsten); sie fragten mich, wie er wohne, was er speise, ob ich ihn oft besuche u. s. w. Ich erzählte ihnen mit aller Ausführlichkeit das kaiserliche Familienleben.

+6. Mai.+ Gestern hatte die Königin erklärt, sie wolle ebenfalls an der Jagd Theil nehmen. Ich war über diesen heldenmüthigen Entschluß sehr erstaunt, denn daß eine Königin ihre Hütte ohne eine bedeutende Veranlassung verläßt, gehört unter diesen Völkern zu den Wundern. So erzählte mir z. B. die achtzehnjährige Königin von Baru, daß sie seit acht Jahren nicht über zweihundert Schritte weit von ihrer Hütte gekommen sei.

Als es zur Jagd ging, fragte ich nach der Königin. Der König sagte mir, daß sie uns nicht begleiten könne, sie habe das Fieber (vermuthlich das Trägheitsfieber).

Wir begaben uns auf einen großen, schönen Wiesenplatz, der ringsum von Waldungen eingesäumt war. Die Rehe wurden getrieben, von Hunden gefangen, welche die armen Thiere gräßlich zerfleischten, und von den Leuten mit Lanzen getödtet. Viele von den Jägern waren zu Pferde und jagten den Thieren nach. Der König und ich saßen im Schatten eines Baumes und sahen zu, -- es war eine abscheuliche Unterhaltung, der ich kein zweites Mal beiwohnen möchte!

Nach der Jagd versammelten sich die Reiter und Treiber um uns. Diese Gruppe war so malerisch, daß ich vieles gegeben hätte, ein Zeichner zu sein. Die Reiter ruhten auf ihren schönen, unbeweglich stehenden Thieren in den verschiedenartigsten Stellungen. Sie schlugen einen Fuß, oft wohl beide unter, hockten auf den Fersen oder stemmten die Füße in die Seiten der Thiere, kurz geberdeten sich wie auf festem Grund und Boden. So wie die Leute zu Pferde, so lagerten die Treiber auf der Wiese umher. Die Kopftücher hatten sie in der mannigfaltigsten Weise um den Kopf geschlagen. Sie stärken diese Tücher und vermögen ihnen daher jede beliebige Form zu geben; die langen, weiten Sarongs umhüllten die kräftigen Körper bald ganz, bald theilweise, oder hingen als Schärpen in reichem Faltenwurfe von der Schulter hinab. Das Betrachten dieses Bildes ergötzte mich ungleich mehr als die grausame Jagd.

Zur Abendmahlzeit setzte man uns schon das Schulterstück eines der erlegten Rehe vor. Leider war es durch die Bereitung beinahe ungenießbar geworden. Man hatte das Fleisch, ohne es zuvor zu waschen und zu salzen, in das brennende Feuer geworfen und kaum so lange darin gelassen, bis es warm wurde. Es war ganz schwarz, stank nach Rauch, und das Blut quoll überall heraus. Von solchen Speisen lebt ein König, der, wie er mir selbst erzählte, im vergangenen Jahre 8000 Rupien in den Hahnenkämpfen verloren, das Jahr zuvor 10,000 Rupien in demselben Spiele gewonnen hatte! --

+7. Mai+ Morgens nahm ich Abschied von dem königlichen Spieler. Die Rückreise ging sehr rasch von Statten. Ich machte in Pare-pare, Baru und Tanette nur die nöthige Rast und erreichte schon am 9. Mai wieder die Grenze der Holländischen Besitzungen, die zwei Paal von der Residenz des Königreichs Tanette beginnen. Um zwei Uhr war ich zu Mandelle, und um eine Tagereise zu gewinnen, ging ich zu Fuß noch sechs Paal weiter bis +Segeri+, denn bis frische Pferde herbeigeschafft worden wären, würde es Nacht gewesen sein, und die Wege waren zu gräßlich, um sich bei Nacht darauf zu wagen. Meinen Leuten kam dieß nicht sehr gelegen; allein ich bekümmerte mich nicht darum, und begab mich ohne sie auf den Weg, wohl wissend, daß sie mir folgen würden. Wir kamen durch so tiefe Sümpfe, daß man an einer Stelle Mühe hatte, mich durch zu bringen. Bei jedem Schritte sank ich bis an den Oberleib ein, zwei meiner Leute mußten mir stets heraushelfen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich so wenig ermüdet, daß ich zweiunddreißig Paal zwar zu Pferde, aber ebenfalls wie gestern, durch die schrecklichsten Sümpfe machte, was selbst für Reiter sehr ermüdend ist. Ich kam glücklich und wohlbehalten zu Maros an; Tolk und Sendling wurden dagegen von den Beschwerden dieser eiligen Rückreise so angegriffen, daß sie beide einige Tage unwohl waren.

Zu Maros blieb ich noch einige Tage und besuchte von hier aus den Fürsten +Aru-Sinri+, den früheren Minister von Bonni, der sechs Paal von Maros entfernt wohnt. Die Gemahlin dieses Fürsten, +Aru-Palengerang+, hatte die gerechtesten Ansprüche auf das Reich Bonni: sie war die Schwester des letztverstorbenen Königs, der keine Kinder hinterließ; auch sie war kinderlos und hatte einen Neffen adoptirt. Als aber der König starb, wußte letzterer sich einen solchen Anhang zu verschaffen, daß er sich der Regierung bemächtigte und seine Wohltäterin vertrieb. Sie warf sich mit ihrem Gemahl in die Arme der Holländischen Regierung, welche ihnen ein niedliches Bambushaus bauen ließ und eine jährliche Pension gibt.

Auf ganz Celebes fand ich kein Fürstenhaus so schön gehalten wie dieses. Das Innere war in Gemächer getheilt, die Küche abgesondert, die Dienerschaft sehr sauber gekleidet, der Tisch höchst zierlich gedeckt, die Gerichte gut, man hätte in keinem Europäischen Hause mehr Ordnung und Reinlichkeit finden können.

Der Prinz Aru-Sinri und seine Gemahlin werden auch allgemein als ausgezeichnete Leute, sowohl in Bezug auf Herz als auf Verstand gerühmt.

Am +13. Mai+ ritt ich nach Makassar zurück, wo ich bis +20. Mai+ blieb. Ich stattete vor meiner Abreise in Begleitung des Herrn +Weiergang+, eines hiesigen Kaufmannes, noch dem Sultan von Goa einen Besuch ab. Das Reich Goa stößt an Makassar an; die Residenz des Fürsten ist nur vier Paal von letzterem entfernt. Dieses Reich besteht aus den Trümmern des Königreiches Makassar, welches in früheren Zeiten das mächtigste von Celebes war, eine treffliche Armee und viele Kutter besaß und einen großen Theil der umliegenden Inseln beherrschte.

Der Sultan von Goa bewohnt ein weit hübscheres Haus, als seine königlichen Kollegen von Sidenring und Pare-pare, da es von Brettern und mit Schnitzwerk verziert ist. Im Innern sah es jedoch eben so aus, wie bei allen übrigen Fürsten: eine Ueberfülle von Hofgesinde und Dienerschaft, ein Chaos von Klambus und übereinander geschichteten Kisten und Kasten.

Der Sultan ließ gerade ein neues Haus bauen, obwohl das alte noch ganz gut erhalten schien; er wollte letzteres nicht mehr bewohnen, weil sein Vater darin gestorben war. Soll man dieß Zartgefühl nennen? Ich wäre eher geneigt, es für Aberglauben zu halten, denn Gefühl für Verstorbene habe ich unter diesen Völkern nirgends gefunden.

Nahe an der Residenz sind die Gräber des Fürstenhauses. Sie enthalten einfache steinerne Grabesmonumente, die zum Theile in kleinen gemauerten Hallen stehen.

Am +20. Mai+ verließ ich Makassar auf dem Dampfer „Banda“, um zum dritten und letzten Male die gastfreundlichen Küsten Java’s zu betreten.

Nach 2½tägiger Fahrt ankerten wir auf der Rhede von Surabaya. Während meines ersten Aufenthaltes an diesem Orte hatte ich die Bekanntschaft der Frau Brumond, Gattin des Domine Brumond, gemacht, welche so freundlich war, mich in ihr Haus einzuladen, wenn ich von der Reise nach den Molukken und Celebes zurück käme. Herr Resident von Perez, bei welchem ich damals abgestiegen war, hatte nämlich den Ruf nach Batavia als Rath von Indien (höchste Stelle nach dem Gouverneur-General; es sind deren vier, jede mit einem jährlichen Gehalte von 36,000 Rupien) erhalten. Ich fand bei dieser liebenswürdigen Familie eine so herzliche Aufnahme, und während der Krankheit die mich hier befiel, eine so sorgfältige Pflege, daß ich gar nicht glaubte, mich in einem fremden Lande zu befinden. Zu dem Fieber, das mich seit meinem Aufenthalt in Sumatra häufig belästigte, gesellte sich ein Anthrax auf dem Rücken, eine Folge der beschwerlichen Wanderungen und ausgestandenen Mühseligkeiten auf den Molukken und auf Celebes. Durch diese Krankheit wurde mir der Aufenthalt auf Surabaya sehr verbittert, und es war an meine Reise ins Gebirge, nach dem Feuerberge +Brumo+ u. s. f. nicht mehr zu denken; ich benützte nur die Zeit meiner Rekonvaleszenz, Surabaya selbst und seine nahe Umgebung ein wenig zu besehen.

Der gute Herr Brumond war so gefällig, meinen Cicerone zu machen. Wir begannen mit der Moschee, welche die schönste auf Java sein soll und in ganz neuester Zeit von einem Holländischen Baumeister aufgeführt wurde. Sie nimmt sich sehr gut aus, obwohl ihre Bauart weder rein Maurisch noch Gothisch, sondern ein Gemisch von beiden ist. Sie bildet mit den beiden Minarets, die durch vierzig Fuß lange, schöne Gänge verbunden sind, ein Achteck. Das Gebäude ist von Backsteinen (Ziegeln) aufgeführt, die Vorderseite des Daches, so wie die Eingangsthüre mit hübschem Holzschnitzwerk verziert.

Der Diener verweigerte uns zwar nicht den Eintritt in die Moschee; allein er verlangte, daß wir die Schuhe ausziehen sollten. Herr Brumond, meiner Rekonvaleszenz gedenkend, reichte ihm eine Rupie, und dieser silberne Schlüssel öffnete uns die Thüre ohne weitere Anforderung. Wir sahen im Innern nichts weiter als eine hübsche Halle mit einer kleinen Kanzel, einigen Lampen, Matten und vielen messingenen Spucknäpfen. Letztere fallen einem Fremden gar sehr in die Augen; allein ein Sirikauer kann ihrer nicht entbehren, und an einem so heiligen Orte darf er nicht auf den Boden spucken.

Von der Moschee gingen wir in den nah gelegenen Malaischen Kampon. Dieser gefiel mir ganz und gar nicht. Die Bambushütten, hier nicht auf Pfähle gebaut, stehen in zwei Reihen enge an einander und bilden eine Straße. Der Unrath wird vor alle Thüren geworfen, gegen Abend vor jedem Hause zusammengefegt und verbrannt. Wir kamen gerade zu dieser unglückseligen Stunde in den Kampon und konnten deshalb vor Rauch und Gestank kaum durch die Straße dringen. Wie mag es da in der Regenzeit aussehen, wann nicht gefegt und verbrannt werden kann? Es ist ganz und gar nicht zu wundern, daß die Leute beständig mit Fiebern, Haut- und andern Krankheiten zu kämpfen haben.

Die Hütten sind außerordentlich klein und gedrückt, ohne Fenster und mit einem so niedrigen Pförtchen, daß man ungebückt nicht durchkommt. Im Innern ist jedes dieser Schneckenhäuser noch in drei Theile getheilt, die wahren Löchern gleichen. Das erste Loch, das einzige, in welches durch die geöffnete Thüre Licht fällt, enthält links und rechts eine Schlafstelle, die während des Tages als Werkstätte oder Sitzplatz dient. In dem zweiten Loche ist an einer Seite die Schlafstelle des Hausherrn, an der andern eine hölzerne Bank, in dem dritten die Feuerstelle. Es bleibt überall gerade nur so viel Raum, um hindurch schlüpfen zu können. Die Einrichtung besteht aus einigen Matten, Polstern, irdenen Kochtöpfen und einer hölzernen Truhe auf Rädern, die alle Schätze der Familie, Kleidungsstücke, Waffen, Geschmeide u. s. w. enthält und im Falle einer Feuersgefahr leicht fortgerollt werden kann.

Das Volk kam mir minder häßlich vor, als im Beginne meiner Reise auf Borneo, Java u. s. f. Ich sah nun schon seit mehr als einem Jahre größtentheils nur Malaien und möchte daher meine Geschmacksänderung der Gewohnheit zuschreiben, die am Ende das Häßliche minder häßlich erscheinen läßt. Geht es doch mit dem Schönen eben so -- die herrlichste Landschaft, alle Tage gesehen, macht mit der Zeit nicht halb so viel Eindruck als im ersten Augenblicke.

Wir besuchten diesen Abend auch noch den Chinesischen Kampon, der mit seinen niedlichen Häuschen, durch seine außerordentliche Reinlichkeit den größten Kontrast zu dem Malaischen bildete. Die Häuschen aus Backsteinen waren alle so weiß und nett, als wäre der ganze Kampon erst kürzlich beendet worden. Sie sind zwar auch nicht groß, aber geräumig genug, selbst eine zahlreiche Familie anständig unterzubringen. Es fehlt weder an Fenstern noch Thüren, von welchen erstere mit schönen Läden versehen sind; alles Holz- und Rohrwerk ist mit dunkler Oelfarbe angestrichen. Den Vordertheil des Hauses umgibt eine Veranda; von dieser tritt man in das Empfangszimmer, welches die ganze Länge des Hauses einnimmt. Hier findet man den Boden mit Matten belegt, die Wände mit Spiegeln und Bildern geziert, und eine genügende Einrichtung an Tischen, Stühlen und Schränken. Im Hintergrunde führen links und rechts Thüren in die Wohnstübchen. Beinahe in jedem Hause ist in dem Empfangszimmer ein kleiner Altar aufgerichtet.

Wir betraten mehrere Häuschen, deren Bewohner schon bei der Abendmahlzeit saßen. (Die Weiber der Chinesen sind ebenso wie jene der Malaien von der Tischgesellschaft ausgeschlossen; sie speisen in der Küche oder in ihren Kämmerchen.) Der Tisch war mit einem weißen Tuche gedeckt und trug Gläser, Flaschen, Teller und gute Gerichte; mit Vergnügen hätte man an ihrer Tafel theilnehmen können, während es Ekel erregt, den Malaien zuzusehen, wie sie bei ihren Mahlzeiten irgendwo auf dem Boden kauern und große Portionen in Wasser gekochten Reises mit den Händen in den weit geöffneten Schlund stopfen.

Die Chinesen in den Städten sind Kaufleute, Pächter oder Handwerker; sie sind arbeitsam und unermüdlich, gönnen sich aber auch einige häusliche Bequemlichkeiten. Nicht so die Malaien; bei diesen leben Wohlhabende wie Arme in demselben Schmutze, in derselben Beschränktheit. Der einzige Aufwand, die einzige Liebhaberei der Reichen besteht in kostbaren Waffen, in Gold- und Silbergeschmeide, das sie sorgfältig verschließen und bewahren, und das man höchstens bei außerordentlichen Festen und Begebenheiten, oder wenn man sie darum ersucht, zu sehen bekommt. Außerdem begnügen sie sich mit einem alten Sarong und einem schmutzigen Kopftuche. Eine Ausnahme davon machen nur die von der Regierung als Regenten u. s. w. Angestellten: diese suchen gewöhnlich den Aufwand und die Lebensweise der Holländischen Residenten nachzuahmen.

Einen der folgenden Tage gingen wir nach dem großen Malaischen Friedhof, der zum Theile auch der heilige genannt wird. Er ist mit einer Mauer umgeben. Das Innere ist in viele Plätze getheilt, die ebenfalls durch Mauern oder Staketen von einander gesondert sind und je nach der Heiligkeit oder dem hohen Stande der daselbst Ruhenden mehr oder weniger in Ordnung gehalten werden. Es gibt noch viele Grabmäler von Sultanen aus der guten alten Zeit, als Sultane auf Surabaya herrschten. Sie sind alle höchst einfach und bestehen aus Steinplatten oder aufrecht stehenden Steinen, von welchen die meisten schon beschädiget oder eingesunken sind. Von diesen Gräbern wird eines für so heilig gehalten, daß keine Ehe unter dem Volke Surabaya’s und der nähern Umgebung geschlossen wird, ohne daß das Brautpaar hieher kommt, um durch ein kurzes Gebet den Segen zu dem Bunde zu erflehen. Wir waren so glücklich, einem dieser Brautpaare zu begegnen. Die Braut, ein etwas beleibtes, sehr häßliches, zwölfjähriges Mädchen, wurde in einer kleinen Sänfte getragen, die von beiden Seiten offen war, damit sie von dem Volke in ihrer bräutlichen Herrlichkeit gesehen werden konnte. Sie trug einen seidenen Sarong, der etwas über die Hüfte reichte; von da an war sie unbekleidet und mit einer gelben Farbe ganz bemalt, was dieselbe Wirkung hervorbrachte, wie enge anliegender Tricot. Der Kopf, Hals, die Ohren und Arme waren mit Schmuck beladen. Sowohl der seidene Sarong wie der Schmuck sind selten Eigenthum der Braut: diese Gegenstände werden für die Feierlichkeit gemiethet. Ihre Begleitung bestand aus vielen Weibern und Mädchen, wahrscheinlich Verwandte. Der Bräutigam, ein hübscher Mann von einigen zwanzig Jahren, folgte zu Fuße in Gesellschaft vieler Jünglinge und Männer. Er war sauber, aber nicht anders als seine Begleiter gekleidet.

Ich sah in Surabaya nicht nur dieses Brautpaar aus dem Volke, ich wohnte auch einem vornehmen Hochzeitsfeste bei, wo es des Prunkes nicht wenig gab. Die Braut war die Schwester des Regenten.

Dieses Fest währte mehrere Tage. Am ersten fand die Ceremonie in dem Tempel statt, bei welcher ich nicht zugegen sein konnte, da ich gerade das Fieber hatte. Die Braut folgt an diesem Tage nicht ihrem Gemahl in sein Haus, sondern kehrt in das ihrige zurück. Am zweiten Tage ward das eigentliche Fest in dem Hause der Braut gefeiert. Der Gatte kam gegen Abend in feierlichem Zuge zu seiner Gemahlin. Den Zug eröffneten viele Jünglinge und Knaben aus dem Volke in ihrer gewöhnlichen Kleidung; sie trugen Palmenzweige oder sehr hohe Stangen mit bunten Tüchern, die wie Fahnen flatterten. Ihnen folgte Musik, Gongs und Trommeln und hierauf eine Art Leibwache mit sehr schönen Lanzen, von welcher eine Abtheilung dunkelbraune, die andere zimmetbraune Sarongs trug, die in faltenreichen Spitzen bis an die Waden hinab fielen. Der Oberkörper und die Füße waren mit lichtgelber Farbe bemalt; auf dem Kopfe trugen sie eine Art Krone von Goldblech oder Messing. Sie sahen sehr geschmackvoll und kriegerisch aus. Zwischen jeder Abtheilung ging Musik. Der Bräutigam kam in einem vierspännigen Europäischen Wagen gefahren, von zwei Frauen (Verwandten) begleitet. An dem Hause angekommen, stellte sich das Gefolge in Reihen auf, und der Bräutigam schritt mit gesenktem Haupte und beinahe geschlossenen Augen in den Empfangssaal, in dessen Hintergrunde die Braut, umgeben von Frauen und Mädchen, auf einem schönen Teppiche saß. Stillschweigend, ohne Gruß, ohne die Augen aufzuschlagen, nahm der Bräutigam an der Seite der Braut Platz. Beide blieben bis neun Uhr so stumm und unbeweglich wie Statuen sitzen.

Braut und Bräutigam waren beinahe gleich gekleidet; sie trugen lange, golddurchwirkte seidene Sarongs. Der Bräutigam hatte den Oberkörper unbekleidet und gelb bemalt, die Braut trug ein lichtgelbes, seidenes, sehr knapp anschließendes Leibchen, die Arme hatte sie bis an die Achseln ebenfalls nackt und gelb bemalt. Auf dem Kopfe trugen beide Kränze von Melati. Drei Reihen dieser Blumen fielen von den Schläfen bis an die Brust hinab. Außer den Blumen hatten sie noch einige Verzierungen auf dem Kopfe. Das Brautpaar war von vielen Verwandten umgeben, aber alle saßen stumm und bewegungslos da. Um acht Uhr wurde Thee und Backwerk gereicht; die ganze Gesellschaft aß und trank, ohne auch nur ein Wort zu sprechen. Um neun Uhr verschwand das Brautpaar auf einige Augenblicke, um sich umzukleiden, erschien wieder in einfachen Hauskleidern und blieb dann noch ungefähr eine Stunde sitzen. An diesem Tage wird zwar die Braut dem Bräutigam übergeben; allein er darf sie noch nicht in sein Haus führen; er muß sogar noch einen dritten Abend in dem ihrigen zubringen.

Auch hier ist es wie auf Celebes bei Reichen und Vornehmen nicht Sitte, die Mädchen gar zu jung zu verheirathen; gewöhnlich geschieht es zwischen dem achtzehnten und zwanzigsten Jahre[35]. Manche beobachten den Gebrauch, daß die Braut den Bräutigam erst in der Moschee kennen lernt.

Ein großes Fest bei den reichen Javanesen wird auch gefeiert, wenn ein Jüngling seine Schulzeit vollendet hat. Der Jüngling sitzt obenan, die Eltern und Verwandten um ihn, dann alle seine Lehrer; erstere fragen ihn über alles aus, was er gelernt hat.

Von den öffentlichen Anstalten Surabayas gefiel mir am besten das Hospital: es ist in jeder Hinsicht das vollkommenste, das ich sah, und dieß will viel sagen, denn in allen Holländisch-Indischen Besitzungen sind die Hospitäler vortrefflich eingerichtet. Dieses hat für achthundert Kranke Raum und ist in mehrere Gebäude abgetheilt, deren jedes von Wiesen und Gärten, mit Blumen und Bäumen umgeben ist. In einem der Gärten sah ich eine Wasserpalme, die merkwürdigste unter den Palmen, die mir auf Java und Sumatra vorkamen. Die Blätter sind zwölf bis fünfzehn Fuß lang und schießen einzeln aus dem Stamme, der kaum fünfzehn Fuß hoch sein mag, gerade in die Höhe. Sie schließen sich eines an das andere und bilden einen vollkommenen regelmäßigen Fächer. Der untere Theil der Blätter so wie der Stamm enthalten Wasser. Diese Palme ist auf Madagascar heimisch; auf Sumatra und Java fand ich sie nur als Zierde in den Gärten der Europäer.

Die Strafhäuser sind gleich jenen in Batavia der Art eingerichtet, daß man beinahe sagen könnte, für Verbrecher sei die Menschlichkeit zu weit getrieben. Die Holländischen Soldaten[36] haben hübsche Zimmer, nette Gärtchen und erhalten eine sehr gute Kost. Die eingebornen Verbrecher sind gemeinschaftlich in große Räume gesperrt und werden zu verschiedenen Arbeiten in- und außerhalb des Gefängnisses verwendet, wofür sie per Tag einige Deute für Siri bekommen. Keiner der Gefangenen ist geschlossen; die Eingebornen tragen nur um den Hals einen eisernen Ring; dessen ungeachtet soll das Entfliehen zu den sehr seltenen Fällen gehören. Die Eingebornen haben vor den Gesetzen viel mehr Achtung, als die Weißen.

Die Gefängnisse waren stark besetzt, wie man mir sagte, mit zwölfhundert Sträflingen, meistens Dieben. Die schweren Verbrecher werden nach der Aburtheilung nach verschiedenen Inseln, besonders nach den Molukken verwiesen, wo sie für die Regierung arbeiten, oder gegen Lohn an Privatleute vermiethet werden. Todesstrafen haben höchst selten statt.

Die Fabrik für Ausbesserung und Zusammenstellung von Dampf- und anderen Maschinen besuchte ich ebenfalls. Diese Fabrik ist für Java sehr nothwendig, da es der Dampfschiffe, Zuckermühlen und andern Anstalten schon in großer Menge gibt. Man könnte hier die Dampfmaschinen auch ganz neu verfertigen; allein sie würden höher zu stehen kommen als in Europa, denn da die Eingebornen nicht gezwungen sind, in den Fabriken zu arbeiten, muß man sie gut bezahlen, um sie dazu zu bewegen. Es waren in dieser Fabrik täglich an sechshundert Arbeiter beschäftiget, welche, die Werkmeister ausgenommen, alle Eingeborne sind und per Tag von dreißig bis hundertzwanzig Deut erhalten.

Nicht minder vollkommen eingerichtet ist das Arsenal, in welchem alle Gattungen Kugeln für Kanonen, Bomben und Gewehre gegossen, die Wagengestelle für die Artillerie, alles Riemwerk für Soldaten und Pferde gemacht werden. Auch hier arbeiten beinahe nur Eingeborne; man zieht sie den Europäern bedeutend vor. Sie sind sehr gelehrig und besonders im Nachahmen sehr geschickt, arbeiten ruhig, fleißig und höchst genau, und schwatzen, zanken und trinken nicht. Ich sah in beiden Fabriken die vollendetsten Arbeiten aus den Händen der Eingebornen hervorgehen, unter andern ein großes Staatssiegel in Messing gestochen, welches von dem besten Siegelstecher in Europa nicht besser hätte ausgearbeitet werden können[37].

Ich besah auch das Trockendock, eine herrliche Anstalt zur Ausbesserung der Schiffe. Das Becken, groß genug für das größte Schiff, steht durch einen Canal mit der See in Verbindung; das Wasser wird, wenn das Schiff im Becken liegt, mittelst einer Dampfmaschine in fünf bis sechs Stunden gänzlich ausgepumpt. Wenn keine Regierungsschiffe in der Ausbesserung liegen, werden auch Handelsschiffe angenommen, für welche per Tag und per Tonne eine bestimmte Summe zu bezahlen ist. Es lag eben ein Schiff von zwölfhundert Tonnen in dem Becken, das täglich dreihundert Rupien für nichts als den Platz bezahlte. Diese Anstalt mag großen Nutzen tragen, denn der Kostenaufwand ist sehr gering, und an Schiffen, die der Ausbesserung bedürfen, fehlt es nie.

Leider konnte ich, wie gesagt, weder den Feuerberg Brumo, noch das von manchen Reisenden so schauervoll beschriebene „Todtenthal“ besuchen, in welchem der Baum Upas steht. Die Ausdünstung dieses Giftbaumes soll, nach deren Behauptung, jedem lebendem Wesen, das sich in seine Nähe wagt, Mensch oder Thier, Tod und Verderben bringen.

Der Saft des Baumes diente zur Vergiftung der Pfeile, und um das Gift zu erlangen, sollen die Sultane dieses Landes den schweren Verbrechern die Strafe auferlegt haben, eine gewisse Menge Saftes von dem Baume zu bringen. Hatte der Verbrecher das Glück, mit dem Winde in das Thal zu gehen, so konnte er den Auftrag vollführen, mit dem Leben zurückkehren, und jede weitere Strafe war ihm in diesem Falle erlassen. Kam ihm jedoch bei diesem Gang der Wind in’s Gesicht, so war sein Tod unvermeidlich.

Ich selbst erinnere mich, Beschreibungen dieser Art gelesen zu haben; es hieß ferner, daß dieses Thal voll von Skeletten von Menschen und Thieren sei. Jeder Vogel, der über das Thal fliege, stürze als Leiche nieder u. s. w. -- Sehr glaubwürdige Leute versicherten mir, daß an allem diesem Geschwätze kein wahres Wort sei. Es stehe zwar ein Upas-Baum in einem kleinen Thale; allein Mensch und Thier kann sich ihm ohne die geringste Gefahr nahen, der Wind mag kommen, von welcher Seite er will. Hier und da ströme zwar aus dem Boden dieses Thales einiges Gas aus, das sich aber nicht über zwei Fuß erhebe. Man führt, um dem Fremden dieß zu zeigen, gleich wie in die Hundsgrotte zu Neapel, kleine Hunde dahin, die nach einigen Minuten von Zuckungen ergriffen dem Tode verfallen würden, zöge man sie nicht sogleich aus der Stickluft.

Auf Java habe ich keinen Upas-Baum gesehen, dagegen in Borneo mehrere, an welchen ich oft ganz nahe vorbei kam. Die Eingebornen warnten mich bloß, weder den Stamm noch die Aeste zu berühren; sie sagten, die Hand schwölle auf und schmerze einige Stunden. Vielleicht ist auch dieß nicht wahr; ich wagte aber doch nicht, es zu versuchen.

Da ich gerade von so Sonderbarem spreche, will ich auch eines rätselhaften Ereignisses erwähnen, das sich vor mehreren Jahren auf Java zutrug und so viel Aufsehen machte, daß es sogar die Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch nahm.

In der Cheriboner Residentschaft lag ein Häuschen, in welchem es, wie die Leute behaupteten, arg spukte. Sobald der Abend einbrach, begann ein Steinregen und Sirigespuck von allen Seiten in dem Gemache. Die Steine, wie das Gespuck fielen knapp neben den Leuten, die sich darin befanden, nieder, ohne jedoch Jemanden zu treffen. Dieser Spuk schien hauptsächlich gegen ein kleines Kind gerichtet. Es wurde von dieser unerklärlichen Sache so viel gesprochen, daß am Ende die Regierung einen verläßlichen Stabs-Officier beauftragte, sie zu untersuchen. Dieser ließ das Häuschen von auserwählten, treuen Soldaten umstellen, welche niemand den Aus- oder Eingang gestatteten, untersuchte alles genau, und setzte sich dann, das Kind auf den Schooß nehmend, in das verrufene Gemach. Zu Abend begann der Stein- und Siri-Regen wie immer, alles fiel knapp um den Officier und das Kind nieder, ohne sie zu berühren. Abermals wurde jeder Winkel, jedes Loch untersucht und -- nichts gefunden. Der Officier konnte aus der Sache nicht klug werden. Er ließ die Steine aufheben, sie bezeichnen und sie an einem weit entfernten Orte verbergen -- vergebens, dieselben bezeichneten Steine flogen zur selben Stunde wieder in das Gemach. Um dieser unbegreiflichen Geschichte ein Ende zu machen ließ die Regierung das Häuschen niederreißen.

* * * * *

Nach Batavia zurückgekommen, war ich abermals unentschlossen, wohin ich meinen Wanderstab wenden sollte. Von Indien hatte ich das Interessanteste gesehen (Englisch Indien auf meiner ersten Reise um die Welt), nach Australien verlangte ich nicht sehr, auch lagen keine Schiffe für dorthin im Hafen, wohl aber gab es deren zwei für Nord-Amerika, und zwar eines für Baltimore (Vereinigte Staaten), das zweite für San Francisco in Kalifornien.

Ich wandte mich an den Amerikanischen Consul, Herrn Reed, ihn ersuchend, mit den Kapitänen dieser Schiffe zu sprechen und mir, wo möglich, einen billigen Ueberfahrtspreis zu erwirken. Herr Reed überbrachte mir schon nach einigen Tagen die erfreuliche Nachricht, daß der Kapitän des für San Francisco bestimmten Schiffes bereit sei, mich ohne die geringste Vergütung auf diese lange Reise (über 10,000 Seemeilen) mitzunehmen.

Beinahe mit wehmüthiger Empfindung nahm ich Abschied von den Holländisch-Indischen Besitzungen. Ich sah in diesen Ländern viel des Herrlichen und Großen in der wundervollen Natur, ich kam mit neuen Völkern in Berührung, deren Bekanntschaft mir, trotz der Gefahren, mit welchen ich sie mitunter erkaufte, höchst genußreiche und interessante Beobachtungen bot. Und nicht nur Geist und Auge fanden Genüsse auf dieser Reise, auch das Herz hatte seinen Theil, denn überall begegnete ich unter den Holländern vielen guten Menschen, die mir auf die liebevollste Weise mit Rath und That an die Hand gingen. Diesen, wie auch den Deutschen, die ich an einigen Orten traf, verdanke ich es, daß mir das Reisen nicht nur überhaupt ausführbar, sondern auch (die Länder der wilden Dayaker, Battaker und, Alforen ausgenommen, wo es keine Europäer gab) so leicht und angenehm gemacht wurde, als es nur immer möglich war.

So lange ich lebe, werden die Eindrücke dieser schönen Reise eben so wenig aus meinem Gedächtnisse schwinden, wie die Erinnerung an die Zuvorkommenheit und wahre Gastfreundschaft der Holländer.

[33] Man findet sehr selten weißes Salz, gewöhnlich ist es so schmutzig und dunkel wie Asche.

[34] Die Leute versprechen alles mit der größten Bereitwilligkeit; ersucht man sie um etwas, so bekommt man stets „Ja“ zur Antwort; allein höchst selten halten sie Wort.

[35] Bei den Europäern scheint frühes Heirathen sehr Sitte gewesen zu sein. Die Regierung hat in neuerer Zeit einen Befehl erlassen, welchem zu Folge kein Europäisches Mädchen vor dem fünfzehnten Jahre heirathen darf.

[36] Die eingebornen Soldaten werden nicht mit den Holländischen in dasselbe Gefängniß gesperrt.

[37] Ich sah bei Oberst +von Schierbrandt+ in Batavia eine Haus-Einrichtung in Gothischem Style, die er in Surabaya verfertigen ließ. Die Stühle, Kanapees, Schränke u. s. w. waren höchst kunstvoll ausgeschnitzt, die Tapezierer-Arbeit nicht minder vollkommen. Aber bis auf die kleinsten Details mußte Herr Schierbrandt den Leuten Zeichnungen geben, aus eigner Erfindung können sie nichts schaffen.