III.
(Er ist vermählt.)
Justitia fit. Wer draußen wird geplagt, Der findet still daheim, was ihm behagt. Und wer im Amte frech auf Stelzen wandelt, Wird meist zu Hause subaltern behandelt.
Aktuell um jeden Preis.
„Nur aktuell, und ganz im Dienst des Tages stehn!“ Der Edle schreit es aus als Grundsatz seiner Zeitung. Das Korn vom Tag vorher mag auf dem Halm vergehn; Dem Mäusedreck von heut verhilft er zur Verbreitung.
Auf einen Skandal-Journalisten.
Er schimpft und tobt, ein wahrer Schlammvulkan! Und tut dabei, als ob nicht Haß ihn triebe. Und wahrlich habt ihr Unrecht ihm getan: Er schimpft wie eine Priesterin der Liebe.
Auf einen Redakteur.
Wie kommt der Wicht dazu -- beim Element! -- Sich mastig wie ein Osterochs zu dehnen? -- Der Mann besitzt das Recht und das Talent, Die Werke eines Shakespeare abzulehnen.
Auf einen finsteren Kunstrichter.
Kein Geschöpf trägt seinen Namen; Hoffet nicht, ihn zu erbitten. Unfruchtbare alte Damen Haben schrecklich strenge Sitten.
Passende Beschäftigung.
Neidgelber Schuft, du suchst dein Element? Leck ab die Stiefel aller fremden Dichter; Das spuck den heimischen in die Gesichter, So wirst du ein moderner Rezensent.
Der Einzige und sein Eigentum.
Er ist und bleibt der schärfste Rezensent; Denn just das Beste ist für ihn das Schlechte. Ist jedes Buch, das er als gut erkennt, Ein frecher Eingriff doch in seine Rechte.
Auf einen Pornographen.
Er hat Talent. Nur muß er sich ergehen In Schweinerei’n: so glückt ihm sein Gedicht. Die Muse hat -- verzeihlichstes Versehen -- Geküßt ihn aufs konträre Angesicht.
Beliebtes Rezept.
Das faßt die Jugend heut beim ersten Wink: Die Ruhmbekränzten muß man dreist vermöbeln! Selbst kann man nichts -- so bleibt nur eins: sich flink An Männern von Verdienst emporzupöbeln.
Einem Pessimisten.
Von Weltverachtung strotzen deine Lieder -- Und langst doch gierig nach des Ruhmes Kränzen. Du lügst. Wem diese Welt im Grund zuwider, Verachtet es gewiß, in ihr zu glänzen.
Einem jungen Welthasser.
„Unzufrieden bin ich mit der Welt!“ Also rufst du trotzig und entschieden. Hast du, junger Freund, schon festgestellt, Ob die Welt denn wohl mit dir zufrieden?
Wohlgemeinter Rat.
Du sollst dich nie so weit verlieren, Mit einem Esel zu disputieren. Deine schärfsten Beweise erscheinen ihm ja Als kollegiales Y--a, Y--a.
~Homo novus.~
Da seht mir den Parvenu, den verrannten: Er will nicht von tierischen Ahnen kommen! Kaum ist er ein wenig emporgeklommen, Verleugnet er schon seine nächsten Verwandten.
Den Rückwärtsern.
„Historisches Werden! Historisches Wachsen!“ Mit euren Phrasen! Mit euren Faxen! Werden und Wachsen -- kann’s denn geschehn Ohne die Sonne neuer Ideen?
Neue Ideen (wie die Sonn’ im Lenz!) Treiben aber mit Vehemenz. Oder verlangt ihr von Alt und Jung Temperierte Begeisterung?