III.
Siegfried der Niblung war kein übler Herr: Doch +deine+ Glorie zehnfach heller prangt. Er war defekt; doch du bist integer. Ich meine: was die Hornhaut anbelangt.
Der Mystikus.
O hättest du immer „dunkel“ geschrieben, Du wärst ein Symbolist geblieben! -- Zum ersten Male schrieb er klar -- Da sah man’s, daß er ein Simpel war.
Neustes Rezept für Lyrik.
Paßt in den Vers das Wort, das mir vonnöten, So halt ich’s mit der Klarheit und mit Goethen. Gerät der Ausdruck mir konfus und schief, Alsdann, ihr Trottel, bin ich eben +tief+.
Auf einen Minister.
Das ist ein Mann! Soll er was Rechtes tun, So hält er’s „jetzt noch nicht für opportun“, Und hilft ihm keine Ausflucht dran vorüber, So stellt er sich „sympathisch -- gegenüber“.
Auf einen Parteiführer.
Ei, seht mir doch den alten Freiheitsknaben! Wie seine Herrschsucht alles niederhaut! Die Freiheit liebt er, traun, wie eine Braut; Er möchte sie für sich alleine haben.
Emanzipierte Frauen.
Ihr spielt mit falschen Bärten, liebe Närrchen. Wie gern vertraut man echten, starken Frauen! Nun aber seid ihr nachgemachte Herrchen -- Kein Laie wird, kein Geistlicher euch trauen.
Der kreißende Dichter.
Ein großer Wurf liegt ihm im Sinn, Wie wogt sein Dichterbusen! Gleich fallen alle Neune hin! Zwar Kegel nicht, doch Musen.
Warnung.
Setz, was du willst, mein Freund, den Deutschen vor, Nur keine -- wenn ich raten darf -- Komödie. Sie richten Lerchenlied und Rosenflor Standhaft nach den Gesetzen der Tragödie.
Pharisäer und Heuchler.
Wie um Kleist, um Hebbel sie klagen In spätem Bewunderungsfieber! -- Hört zu: Sie wurden erschlagen Durch Kerle von +eurem+ Kaliber.
Der „Tiefe“ im Lustspiel.
Und lachen Götter und Menschen und Engel -- Er ist zu bedeutend; drum lacht er nie. Recht hast du, erhabener Würdebengel; Das Lachen scheidet den Menschen vom Vieh.
Auf einen Polizeiminister.
In jeglichem Erlasse trachtest du, Wie du mit Ketten fester uns umschließest. Das wär’ fürwahr dein trefflichster Erlaß, Wenn du dich selber uns erließest.
Diplomatie.
Seid ihr mit Pulver und Blei bewehrt, Dann laßt die Diplomaten schalten! Die werden solange den Frieden erhalten, Bis einer von ihnen den Krieg erklärt.
Der Bescheidene.
„Ich weiß, ich habe viel und große Mängel!“ Er spricht es nicht mit Scham, nein, mit Erdreisten! Und denkt bei sich: Ein so famoser Bengel Wie ich kann sich ein Schock von Fehlern leisten.
Kein Wunder.
Das wär’ mein Stück? Das kann ich nicht verstehen! Als baren Unsinn zeigt mir’s dieser Mann! „Ich ließ dies Drama durch den Kopf mir gehen,“ So schreibt der Kritikus. Ja freilich: +dann+ -- --!
Auf einen Hosenknopf-Naturalisten.
„Fort von der Bühne Traum- und Fabelwesen! Man spuke nicht! Allein man spucke dreist!“ O wäre Shakespeare doch wie du gewesen! Wir hätten einen Hamlet ohne Geist.
Bescheidenheit.
Wir sagen’s frei: „Wir Menschen irren alle.“ Bescheidenheit stand keinem jemals schlecht. Nur -- zeigt man uns an einem Einzelfalle, Daß wir geirrt -- so sind wir da im Recht.
~Hinc illae lacrimae.~
Es gibt kein Stück, das ihn bewegt; Er beißt und spuckt wie nur ein Lama. Wo sonst ein Herz den Menschen schlägt, Trägt er ein ungespieltes Drama.
~Le précieux ridicul de Berlin.~
Er ist ein Fatzke, meiner Seel’; Doch manchmal hat er auch Urteil und Schick, Und kurz und gut: er ist ein Juwel Im Schmockkasten unsrer Theaterkritik.
Der lautere Künstler.
(Faust I, Hexenküche.)
Weh denen, die durchs Drama Geld erwarben! Mit Gift bespeit er sie in vollen Garben. Wie glücklich würde sich der Affe schätzen, Könnt’ er nur auch in jenes Lotto setzen!
Zierden des Vaterlands.
(1910.)
Vier Anonymi fielen mich an: Ich sei -- bum bum! -- kein deutscher Mann. Lieb Vaterland, magst ruhig sein: Vier Hunde kneifen die Schwänze ein.