Chapter 6 of 6 · 1791 words · ~9 min read

Part 6

In vier Abteilungen wird uns das Weihnachtserlebnis vor Augen, zu Ohren und zu Gemüt geführt als Weissagung, Verkündigung, Anbetung und Beherzigung. Gesprochenes Wort und Lied, Einzel-, Gruppen- und Chorgesänge, sowie szenische Bilder wechseln in gestaltungsvoller Weise ab. Propheten, Engel, Evangelist, Hirten, Fremdling, Pilger und Pilgerinnen, Herold, Könige, Töchter von Jerusalem, Bethlehemiten sind die darstellenden Personen.

Wer künstlerisches Theater erwartet, bleibe fern. Wem aber Sinn für Volkstümliches geblieben ist, der wird an diesem Christspiel seine helle Freude haben.

Näheres über Tage und Stunden der Aufführung ist zu erfahren beim Vorsteher der Christspielgesellschaft, Herrn Gutsauszügler Karl Kühnel, Liebenau bei Lauenstein in Sachsen.

Galgenmauern

Zu den »Federzeichnungen des kursächsischen Oberlandbaumeisters Dilich« (Mitteilungen, Band XIV, Seite 5–6) teile ich mit, daß die hohen und festen Mauern, wie sie um dem abgebildeten Galgen von Bischofswerda zu sehen sind, nicht bloß das Entwenden der Leichname seitens der Verwandten zwecks Beerdigung hindern sollten, sondern den vielfachen Mißbrauch mit Leichenteilen und anderem.

In dem Werke: »Das Deutsche Gaunertum usw.« von Friedrich Christian Benedict Avé-Lollement, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1858, I. Band, Seite 168, findet man in dem dort abgedruckten »~Liber vagatorum~« (um das Jahr 1500 verfaßt) in dem Abschnitte »Von den Klonckern« folgenden Gaunerstreich:

»Item ein ander warlich exempel, zu Schletstat saß einer vor der Kirchen derselbe hat einem Dieb einen Schennckel an dem Galgen abgehawen vnd hat jn für sich gelegt, vnd hat seinen guten schenckel auffgebunden, derselb wardt mit einem andern Betler vneins, der lieff baldt vnd sagt das einem Statknecht, alsbald er den Statboten ersehen hat, wuscht er auff vnd ließ den bosen schenckel ligen, vnd lieff zu der Stat hinaus ein pferd mocht jn kaum erloffen haben. Er ward darnach bald zu Achern an den Galgen gehenckt, vnd der durr schenckel hangt neben jm, vnd hat geheissen Peter von Kreutzenach.«

Bekannt ist ferner der schon Jahrhunderte alte Volksaberglaube, der sich an den Strick der Gehenkten, das Fett und Blut von Armesündern, ja sogar an das Holz des Galgens selbst knüpft, und der eine gehörige Verwahrung des Galgens und der Leichname notwendig machte, um abergläubischem Mißbrauch entgegen zu wirken.

Ummauerte Galgen hatte auch Leitmeritz, und noch steht der steinerne Unterbau auf der Stätte des Hochgerichtes der Stadt Aussig a. E., der auf der Ferdinandshöhe als Wahrzeichen alter Rechtspflege gut erhalten ist.

_Leitmeritz_, am 26. Juli 1926.

_Franz Kreysa_, Landesgerichtsrat i. R.

Bücherbesprechungen

=Erich Haenel und Eugen Kalkschmidt, Das alte Dresden.= Bilder und Dokumente aus zwei Jahrhunderten. 316 Seiten und über 200 Bilder. Verlag von Franz Hanfstaengl, München 1925. In Leinenband 20 Mark, in Halblederband 26 Mark.

Es war ein guter Gedanke von Erich Haenel und Eugen Kalkschmidt, das in den Heimatbüchern des Brandstetterschen Verlags zuerst angewendete Schema, die Entwickelung einer Landschaft durch chronologisch geordnete zeitgenössische Schriftstellen und entsprechende Bilder zu schildern, dadurch zu erweitern und zu vertiefen, daß es auf eine einzige Stadt, allerdings eine der bedeutendsten Deutschlands, auf _Dresden_ angewendet wurde. Was die beiden Herausgeber den originalen Quellen selbst hinzugefügt haben, beschränkt sich, abgesehen von den zu den ausgewählten Aufsätzen gehörenden Erläuterungen, auf einen einleitenden Artikel Haenels »Die Stadt der Vergangenheit« und einen das Ganze abschließenden Kalkschmidts »Die Großstadt bis zur Jahrhundertwende«. Die Auswahl unter den Berichterstattern und ebenso die Auswahl unter den Textstellen zeigt die umfassende Kenntnis und den guten Geschmack der Herausgeber. Sie haben ein reichhaltiges und für verschiedene Zwecke brauchbares Quellenmaterial zusammengestellt, das den Forscher im ganzen ebenso zu befriedigen vermag wie den gebildeten Laien, das in der Schule ebenso Nutzen stiften kann wie im Familienkreise, indem es den Werdegang der eigenartigen Dresdner Kultur in den Hauptzügen offenbart, daneben aber auch die schwächeren Perioden und den teilweisen Rückgang des geistigen und künstlerischen Lebens nicht verhüllt. Natürlich wird jeder, der den Stoff einigermaßen beherrscht, hie und da auch eine Lücke spüren oder eine andere Schriftstelle vorziehen. So habe ich z. B. den Eindruck, daß das Dresden des 18. Jahrhunderts im Vergleiche zu dem des 19. Jahrhunderts etwas stiefmütterlich behandelt worden ist und würde zur Wesenszeichnung des Ministers Grafen Brühl und seiner Zeit statt der Stelle Seite 33 f. aus der unzuverlässigen Schmähschrift »Leben und Charakter des Grafen Brühl« lieber einen Originalbrief Brühls in deutscher Übersetzung aufgenommen haben, der seine Wirtschaftsführung und seine Bauten oder sein Verwaltungssystem klarzulegen vermöchte (vgl. mein Buch »Minister Graf Brühl und Karl Heinrich von Heinecken«, Leipzig-Berlin 1921). Auch treten die leitenden Staatsmänner Sachsens im allgemeinen zu sehr hinter den Künstlern und diese wieder hie und da hinter den bloßen Originalen und »Zelebritäten« zurück. So wird z. B. von den bedeutenden Dresdner Bildhauern des 18. Jahrhunderts weder Permoser noch Gottfried Knöffler erwähnt, ebenso findet sich von einem Manne wie Heinecken, der ein Vierteljahrhundert den künstlerischen Geschmack der Dresdner sehr stark beeinflußte und die literarischen Fehden zwischen den Dresdner und Leipziger Schriftstellern lenkte, nicht einmal der Name. Einigen anderen kleineren Anstößen begegnen wir in den erklärenden Zusätzen der Herausgeber. Es wäre vielleicht praktischer gewesen, wenn statt des gesonderten Literaturverzeichnisses gleich unter jedem Aufsatz die Quelle genannt wäre. Denn man findet Kaspar Risbeck, den Verfasser von »Lichter und Schatten«, Seite 53, im Literaturverzeichnisse schwer, da sein Werk nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Titel »Briefe eines reisenden Franzosen usw.« angeführt ist. »Die Mundart der Dresdner«, Seite 77, läßt einige Richtigstellungen vermissen, denn niemals hat man in Dresden statt »Zeit« gesagt »Zeht« (vgl. darüber Poeschel in meinem »Sachsenland«, 2. Auflage, Seite 226). Auch das Verhältnis, in dem Nelson zur Lady Hamilton stand, ist von Kosegarten Seite 81 verzeichnet und auch in dem Zusatze der Herausgeber nicht richtig angegeben. Stärkere Irrtümer, die nicht unwiderlegt bleiben durften, enthält der Brief des Reichsfreiherrn vom Stein an den russischen Kanzler Nesselrode über die Stimmungen der Dresdner Bevölkerung und die Haltung des Königs von Sachsen bei Beginn des Freiheitskrieges 1813 (vgl. dazu meine Darlegungen in dem Buche »Aus der Zeit der Freiheitskriege und des Wiener Kongresses«, Leipzig-Berlin 1914). Der Friede zwischen Napoleon und dem Kurfürsten Friedrich August III. wurde nicht unmittelbar nach der Schlacht von Jena geschlossen (Seite 86), sondern erst im Dezember 1806. Irreführend ist auch die Bezeichnung »Gefecht bei Lützen«, Seite 93, für die gewaltige und für die erste Hälfte des Feldzugs entscheidende Schlacht bei Groß-Görschen vom 2. Mai 1813. Die Angabe, wo Findlaters Weinberg zu suchen sei, gehört nicht zu Seite 227, sondern schon zu Seite 190.

Doch diese kleinen Ausstellungen, die sich bei einer zweiten Auflage des Buches leicht berichtigen lassen, sollen nicht den Wert der trefflichen Leistung herabsetzen. Sie erfreut durch viele helleuchtende Perlen, wie z. B. durch die geistvolle Aussprache Karl Immelmanns im »Reisejournal von 1831« über Pillnitz und Dresden, Seite 187, durch die stimmungsreiche Studie eines Unbekannten »Gesellschaftlicher Naturgenuß um 1830« (Seite 187 f.), durch die feinen literarischen und künstlerischen Porträts Alfred Meißners und Friedrich Pechts und schließlich auch dadurch, daß manches weitverbreitete falsche Urteil stillschweigend berichtigt wird. So hatte unser temperamentvoller, alles Sächsische mit einem gewissen Haß verfolgende Landsmann Heinrich von Treitschke von dem allerdings etwas zeremoniösen König Friedrich August I. übertreibend geschrieben, er habe niemals mit einem Menschen gesprochen, der nicht wenigstens den Rang eines Obersten besaß. Nun lesen wir aber im »alten Dresden«, Seite 180, in einem kulturgeschichtlichen Brief von Gustav Klemm: »Bei diesen Jagden war der König sehr liebenswürdig, er sprach mit den Bettmeistern der Jagdschlösser, mit den Forstbedienten und Jagdbeamten, die er allesamt persönlich kannte.« Und darnach folgt die reizende Geschichte vom Wildschwein, das die Lakaien und der Kutscher heimlich auf des Königs Wagen gepackt hatten, um es in Dresden – doch das mag nur jeder selbst im »alten Dresden« nachlesen, denn wir wünschen diesem Buche, dessen reichhaltiger Bilderapparat in Auswahl und Ausführung geradezu mustergültig ist, die weiteste Verbreitung.

Otto Eduard Schmidt.

=Alte Kunst in Sachsen.= Band I. Sächsische Plastik um 1500 von Walter Hentschel. Gebunden 15 Mark. Wilhelm Limpert, Dresden.

Das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege plant die Herausgabe einer größeren Reihe von Einzeldarstellungen aus dem Gebiete der alten sächsischen Kunst. Als erster Band ist bereits die Sächsische Plastik um 1500, bearbeitet von Dr. Walter Hentschel, erschienen. Man kann sich dieses Erfolges der Sächsischen Denkmalbehörden nur von ganzem Herzen freuen, denn was hier druck- und reproduktionstechnisch hervorragend auf hundert stattlichen Tafeln im Großquartformat vorgeführt wird, ist auch für den Kenner der sächsischen Kunst eine Überraschung. Diese reiche Schaffenskraft unserer Väter aus einer örtlich eng begrenzten Schaffensperiode erfüllt uns mit ehrlicher Bewunderung, ja sie weitet auch unseren Blick gegenüber dem Arbeitswillen unserer Tage. Die Versenkung in die künstlerischen Werte längst vergangener Zeitabschnitte bewahrt uns ebensosehr vor der Über- wie der Unterschätzung der Leistungen unserer eigenen Zeit. Und darauf müßte es uns, die wir alle um den Aufbau einer ehrlichen Volkskultur bemühen, in erster Linie ankommen. Die Schärfung des eigenen Urteils, die vorurteilslose Einstellung zum Kunstwerk selbst, sei es alt oder neu, müßte Gemeingut aller werden. Wir beglückwünschen Herausgeber und Verleger zu dem schönen Werke und empfehlen den Freunden unserer Heimat die Anschaffung des Werkes.

Dr. Paul Goldhardt.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden

Photographische Platten »Perutz« – Photographische Aufnahmen: Max Nowak – Auflage 50000

Einbanddecken

=Jahrgang 1926 (Band XV)= in Leinen =Mark 1.50=

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(Für die Sommerferien erbitten wir umgehende Bestellung!)

Dresdner Heimatschutz-Vorträge

abends 8 Uhr im _Vereinshaus_, Zinzendorfstraße

=Freitag, den 11. Februar=: »=Das Erzgebirge=«. Seine Mundart. – Sein Gesang. Max Wenzel, Chemnitz. – Anton Günther, Gottesgab.

=Freitag, den 18. Februar=: »=Schuch-Abend=«. Liesel von Schuch, Käthe von Schuch, Hans von Schuch. Dr. Arthur Chitz.

=Freitag, den 25. Februar=: =Filmvortrag: »Unsere Meeresvögel im Schutze der Heimat«.= Professor Dr. Günther Neumann, Dresden.

=Donnerstag, den 3. März=: =Lichtbildervortrag: »Deutschland«.= Professor Franz Goerke, Berlin.

=Mittwoch, den 9. März=: =Lichtbildervortrag: »Mit deutscher Jugend durch deutsches Land«.= Oberlehrer Jänichen, Bautzen.

Gastspiele vom Dresdner Kasperle

unter besonderer Befürwortung von Hofrat Professor Seyffert

=Donnerstag, 3. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Der Butzemann von Seiffen oder die Wunderblume.

=Abends 8 Uhr=: Der Freischütz oder die Beschwörung in der Wolfsschlucht, frei nach der alten Volkssage.

=Freitag, 4. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Märchen von der schönen geraubten Prinzessin Rosa.

=Abends 8 Uhr=: Dr. Faustens Höllenfahrt, gespielt in einer alten Dresdner Fassung von 1600.

=Sonnabend, 5. Februar, nachmittags 4 Uhr=: König Bosel und die Winzer von Meißen.

=Abends 8 Uhr=: Seltsame und wunderliche Erlebnisse eines Sachsen in Spanien. Große romantische Kasperle-Oper.

=Sonntag, 6. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Brückenmännlein an der Augustusbrücke oder die Wendische Hochzeit.

=Abends 8 Uhr=: Das alte Kölner Puppenspiel von Jedermann. Nach Fassung des Meisters Ehrhardt, um 1700.

Erwachsene 1.-- M., Kinder --.50 M.

Vortragsraum wird noch bekannt gegeben

Kartenverkauf: =Heimatschutz, Dresden-A.=

Schießgasse 24

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.