Chapter 1 of 8 · 3997 words · ~20 min read

Part 1

Anmerkungen zur Transkription

Im Original gesperrter Text ist _so ausgezeichnet_. Im Text des Originals sind oftmals ein- bis dreizeilige Passagen abgesetzt, zentriert und kursiv gesetzt. Um diese dem Autor wichtigen Aussagen nicht zu stören, wurde dort auf eine Markierung als kursiv verzichtet.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des Buches.

HERBERT N. CASSON

Die Erfolgreichen

(Thirty great lives)

1.—10. Tausend

[Illustration]

1 9 2 6

JOSEF SINGER VERLAG A.-G., LEIPZIG

Copyright 1926 by Ernst Angel-Verlag, Berlin-Schöneberg Autorisierte Übertragung aus dem Englischen von Dr. Walter J. Briggs

Gedruckt in der Buchdruckerei Otto Regel G. m. b. H., Leipzig

I N H A L T S - V E R Z E I C H N I S

Seite

Isaac Newton 5

James Watt 10

Robert Clive 16

Michael Faraday 23

Elias Howe 27

Thomas Henry Huxley 32

Frederick Winslow Taylor 38

Andrew Carnegie 46

Cecil Rhodes 53

Dr. Jameson 59

John Wanamaker 64

Murdo Mackenzie 70

Cyrus H. H. Curtis 74

Edward Bok 81

Luther Burbank, der König der Gärtner 87

King C. Gillette 92

Joseph Fels 97

George Westinghouse 104

Charles Seabrook 111

George F. Johnson 117

Thomas A. Edison 124

Lord Rhondda 128

Sir Swire Smith 133

Henry Ford 138

Isaac Newton.

Wenn man das ganze britische Volk, all seine Toten und Lebenden in einer Reihe aufstellen wollte, so würde sehr wahrscheinlich an der Spitze dieser Reihe Sir Isaac Newton stehen.

Er als der erste der gesamten Menschheit fand das Geheimnis der Sterne. Er war der erste, der das Mysterium der Schwerkraft bekannt machte.

Während Sie und ich über kleine Dinge nachdenken -- Zinsfuß, Löhne, Nutzen, Erzeugung und so fort --

dachte Newton über das Weltall nach.

Sein bedeutendes Buch »The principia« ist allgemein als das hervorragendste Erzeugnis menschlichen Geistes anerkannt.

Allem Anschein nach werden die meisten großen Männer an bedeutungslosen Orten geboren -- und Newton war keine Ausnahme. Er kam 1642 in einem kleinen Dörfchen in Lincolnshire zur Welt. Sein Vater war wenige Monate nach seiner Verehelichung gestorben. So war der kleine Newton bei seiner Geburt schon vaterlos. Seine Mutter hatte eine bescheidene Jahresrente von 80 Pfund.

Der kleine Isaac Newton war kein guter Schüler. Er interessierte sich nicht dafür, was der Lehrer sagte. Er widmete seine ganze Aufmerksamkeit mechanischen Dingen. Er erfand eine Windmühle, eine Wasseruhr und einen neuartigen Wagen, der von seinem Insassen angetrieben werden konnte. Er liebte es sehr, Papierdrachen steigen zu lassen. Er machte auch Papierlaternen und befestigte diese Laternen an dem Schwanz seiner Drachen. Dann ließ er diese Drachen nächtlicherweile steigen, um die Landbevölkerung glauben zu machen, daß Kometen am Himmel wären.

Schon als Junge von 12 Jahren interessierte er sich nur für Mechanik und den Sternenhimmel. Er erfand eine Sonnenuhr. Er studierte die Sterne. Der Mechanismus des Firmaments schien ihn zu faszinieren.

Mit 15 Jahren wurde er auf ein Gut in die Lehre gegeben, war aber völlig wertlos als Lehrling der Landwirtschaft. Während die Schafe herumirrten und das Vieh den Mais fraß, hockte er an einer Hecke und las ein Buch über Astronomie.

Zum Glück wußte seine Mutter sein Genie richtig einzuschätzen. Sie befreite ihn von der landwirtschaftlichen Arbeit und sandte ihn zurück in die Schule.

Mit 18 Jahren wurde er in das Trinity College in Cambridge aufgenommen. Neun Jahre später war er dort Professor der Mathematik. So gut wie sein ganzes Leben lang blieb er mit Cambridge in Verbindung.

Mit 24 Jahren begann er das Phänomen des Lichtes zu studieren. Er entdeckte, daß das Licht aus verschiedenartigen Strahlen zusammengesetzt ist.

Darauf erfand er

ein reflektierendes Fernrohr.

Es war das erste seiner Art. Sein erstes Fernrohr steht jetzt in der Bibliothek der Royal Society mit der folgenden Inschrift: »Erfunden von Sir Isaac Newton und von ihm eigenhändig hergestellt im Jahre 1671.«

Man hatte zu jener Zeit noch sehr geringe Kenntnisse in der Astronomie. Alle Fernrohre waren niedliche Spielzeuge. Das, welches Newton erfand, war sechs Zoll lang. Niemand in Newtons Generation ahnte etwas von den 100-Tonnen-Fernrohren, die wir heute haben.

Galilei war ein Jahr vor Newtons Geburt gestorben. 42 Jahre vor Newtons Geburt war Bruno in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil er versichert hatte, daß sich die Erde um die Sonne bewegt.

Ja, in jenen frühen Tagen der Astronomie, in denen Newton erschien, war es geradezu gefährlich, über derartige Dinge nachzudenken.

Aber Newton hatte das gute Glück, in England zu leben. Er lebte, wo die Wissenschaft frei war. Seine Anschauungen wurden zwar angegriffen, aber er selbst war niemals in Gefahr, verfolgt zu werden.

Es geschah, als er 24 Jahre alt war, daß er zum ersten Male die Anziehung der Schwerkraft erfaßte. Er saß allein im Garten seiner Mutter in dem kleinen Bauerndorf, in dem er geboren war, als er einen Apfel fallen sah.

Warum fiel der Apfel? Wie hoch würde sein Gewicht auf einer Erde sein, die zweimal so groß wie die unsrige wäre? Was würde dem Apfel geschehen, wäre er halbwegs zwischen Erde und Sonne?

Das waren die Fragen, die er sich selbst stellte. Er brachte die Vollkraft seines mathematischen Verstandes auf dieses Problem in Anwendung.

Er studierte dieses Problem 20 Jahre. Endlich entdeckte er, daß die Schwerkraft und die Zentrifugalkraft sich gegenseitig ausgleichen. Damit hatte er schließlich das Geheimnis der Ordnung des gestirnten Himmels entdeckt.

Im Jahre 1687, als er 45 Jahre alt war, veröffentlichte er sein großes Buch »The principia«. Dieses Buch verkündete

das Prinzip der allgemeinen Gravitation.

Dieses Prinzip ist: Jedes Atom des Stoffes im Weltall wird durch jedes andere Atom des Stoffes mit einer Kraft angezogen, die im umgekehrten Verhältnis zu dem Quadrat ihrer Entfernung steht.

Newton fand heraus, daß der Stein sich auf die Erde und die Erde sich auf den Stein zubewegt. Die Erde zieht die Sonne an und die Sonne zieht die Erde an. Jedes Atom zieht jedes andere Atom an.

Er entdeckte, daß, was wir »Gewicht« nennen, eine Täuschung ist. Ein Mensch, der auf der Erde einen Zentner wiegt, würde zum Beispiel auf der Sonne 13 Zentner wiegen.

Niemals versuchte Newton seine Erfindungen und Entdeckungen geheimzuhalten. Er teilte sie seinen Freunden ganz offen mit. Das Ergebnis war, daß in verschiedenen Fällen andere Leute seine Erfindungen als die ihrigen bezeichneten.

Das größte Unglück traf Newton, als er sein Buch über »Die Natur des Lichtes« vollendet hatte. Er hatte daran 20 Jahre gearbeitet. Doch, als er einmal aus seinem Studierzimmer sich entfernt hatte, warf sein kleiner Hund eine Kerze um, das Manuskript fing Feuer und wurde völlig vernichtet.

Als Newton das Zimmer wieder betrat und sah, was geschehen war, soll er ausgerufen haben: »O Diamond, wie wenig weißt du von dem Unheil, das du angerichtet hast!«

In seinen späteren Jahren wendete sich Newton dem politischen Leben zu. Er wurde Parlamentsmitglied. Er wurde eingesetzt als Meister der Münze. Königin Anna verlieh ihm die Ehre der Ritterschaft und höhere Ehre noch: er wurde Präsident der Royal Society.

Er starb 1727 im Alter von 85 Jahren. Sein Leichnam wurde in der Westminster Abtei beigesetzt, nahe dem Eingang des Chors, auf der linken Seite.

Er starb hochgeehrt und reich. Sein persönlicher Nachlaß betrug 32000 Pfund und sein Ruhm ist im Laufe der Jahrhunderte immer mehr gewachsen.

Er war ein bescheidener, offener und geselliger Mann.

Er war nicht eitel.

Er liebte Menschen nicht weniger als Prinzipien.

Kurz vor seinem Tode äußerte er: »Ich weiß nicht, wie ich der Welt vorkomme; mir selbst aber komme ich vor wie ein Junge, der am Meeresufer spielt und der sich unterhält, hin und wieder einen besser abgerundeten Kieselstein oder eine hübschere Muschelschale zu finden, während der große Ozean der Wahrheit weit und unerforscht vor ihm liegt.«

James Watt.

James Watt ist in Greenock im Jahre 1736 geboren. Zu jener Zeit gab es noch keine Fabriken, Eisenbahnen, Dampfschiffe, Maschinen, freie Schulen, Einheitspostgebühren oder Freihandel.

Er war ein zarter Junge. Er genoß wenig Schulbildung. Er wurde hauptsächlich von seiner Mutter unterrichtet.

Er war ein eifriger Leser guter Bücher. Mit fünfzehn Jahren hatte er »Die Elemente der Philosophie« zweimal gelesen.

Sein Vater und sein Großvater waren tüchtige Mechaniker, und so verwendete der kleine »Jamie« seine Zeit auf drei Dinge: 1. Spielzeugmaschinen zu machen, 2. ernste Bücher zu lesen, 3. in den Wäldern herumzustreifen.

Er liebte es, Experimente zu machen.

Und einmal studierte er eine Stunde lang den Teekessel. Er bedeckte den Ausguß, um die Hebekraft des Dampfes zu erproben. Seine Tante, die dabei saß, warf ihm vor, daß er seine Zeit damit verschwende, mit Dampf zu spielen.

Als er siebzehn Jahre alt war, starb seine Mutter, und sein Vater wurde plötzlich arm. James ging nach Glasgow und bekam eine kleine Anstellung, in der er Brillen, Angelruten und dergleichen reparierte.

Mit 19 Jahren kam er nach London. Es war im Jahre 1755. Es war eine äußerst gefährliche und unbequeme Reise, eine Reise zu Pferde. Zwölf Tage saß James im Sattel. Das war das erste große Ereignis seines Lebens. (Dank Watt können wir heute von London nach Glasgow in acht Stunden reisen!)

Watt blieb in London. Er arbeitete in einer kleinen Werkstatt in Cornhill, wo er wissenschaftliche Instrumente herstellte. Dann kehrte er nach Glasgow zurück.

Er wurde berufen, die wissenschaftlichen Instrumente der Universität Glasgow zu reparieren. Das war das zweite große Ereignis seines Lebens.

Verschiedene Professoren wurden auf seine Arbeit aufmerksam. Sie gaben ihm einen Arbeitsraum in der Universität. Hier reparierte Watt die Apparate der Universität und machte auch Fischereigeräte für fremde Kunden. Er beschäftigte sich sogar damit, eine verbesserte Orgel herzustellen.

Als Watt 23 Jahre alt war, trat das dritte große Ereignis ein -- er fand ein altes Modell einer Dampfmaschine in der Universität. Natürlich war es keine verwendbare Dampfmaschine. Es war eine, die nicht laufen wollte. Aber sie faszinierte Watt; er begann sofort, den Dampf zu studieren.

Zunächst begegnete er einem sehr ernsten Hindernis -- die meisten Artikel über Dampf waren französisch und italienisch geschrieben. Sehr wenige gab es im Englischen. Was tat Watt? Er fing sofort an, Französisch und Italienisch zu lernen und blieb beharrlich dabei, bis er die Artikel über Dampf lesen konnte.

Im Jahre 1764 heiratete er eine hilfreiche Frau. Sein Geschäft ging gut. Er hatte sechzehn Arbeiter und verdiente jährlich gegen 600 Pfund rein.

Er dachte jetzt einzig und allein an Dampf, und an nichts anderes. Im Jahre 1765 schrieb er seinem Freund:

»Alle meine Gedanken gelten jetzt nur noch dieser Maschine.«

Er verfertigte ein rohes Modell. Es wollte nicht arbeiten. Er machte ein zweites, und es wollte nicht arbeiten. Hernach ein drittes und ein viertes.

Es gab zu dieser Zeit keine Werkstatt der Welt, die einen vollständigen Zylinder herstellen konnte. Das verursachte Watt so viel Schwierigkeiten.

Er vernachlässigte sein Geschäft. Er geriet in Schulden. Da kam das vierte große Ereignis -- er lernte Dr. Roebuck, den Begründer der Carron-Eisenwerke, kennen.

Dr. Roebuck war der erste Mann, der es wagte, Geld in Dampf anzulegen. Er gab Watt 1000 Pfund, um seine Schulden abzuzahlen. Dagegen gab ihm Watt ein Zweidrittelinteresse an der Dampfmaschine.

Watt war niemals ein Geschäftsmann. Er haßte Kaufen und Verkaufen. Er war ein Erfinder -- sonst nichts.

Immerwährend war er bei schlechter Gesundheit. Er hatte Anfälle von Melancholie. Er litt an Kopfschmerzen. Aber er harrte aus.

Am 5. Januar 1769 erhielten Watt und Arkwright Patente für die erste Dampfmaschine und für die erste Spinnmaschine. An diesem Tage wurde Lancashire geboren. (Sitz großer englischer Maschinenfabriken.)

Watt hatte nunmehr den richtigen Entwurf für eine Dampfmaschine, aber keine Werkstatt konnte sie herstellen. Ein Modell nach dem anderen arbeitete schlecht oder gar nicht. Er hatte keine brauchbaren Dichtungsstoffe und mußte alte Hüte und Kork verwenden. Alle seine Modelle waren undicht.

Er geriet tiefer in Schulden. Sein Freund Dr. Roebuck wurde bankerott. Seine Frau starb in der Schwangerschaft. Und dann kam das fünfte große Ereignis -- er lernte Matthew Boulton kennen. Das war im Jahre 1773.

Matthew Boulton hatte eine Modellfabrik in Birmingham. Er machte Uhren. Er war einer der gescheitesten Geschäftsleute seiner Zeit. Er war ein Freund von Franklin, Wedgwood (Erfinder des Steingutes) und Priestley (englischer Naturforscher). Er war ein Organisator und ein vornehmer und tüchtiger Mann.

Dr. Roebuck schuldete Boulton 200 Pfund Sterling und Boulton nahm zwei Drittel von Watts Patent in Zahlung. So übersiedelten im Jahre 1774 Watt und seine Maschine von Glasgow nach Birmingham. Jedermann machte sich über die Maschine lustig, als sie im Wagen auf der Landstraße befördert wurde.

In diesem Jahre verdiente Watt 200 Pfund Sterling durch Vermessungen. Einen Teil davon gab er Dr. Roebuck. Persönlich gab er nicht mehr als zwei Pfund Sterling wöchentlich aus. Die russische Regierung bot ihm 1000 Pfund Sterling das Jahr. Er sollte eine angenehme Regierungsstelle in Kronstadt bekommen, aber er lehnte ab. Er blieb Boulton und seiner Maschine treu.

Um diese Zeit stahl einer seiner Arbeiter die Zeichnungen der Maschine und verkaufte sie einer anderen Firma. Das Ergebnis war: Konkurrenz. Um sich zu schützen, mußte Watt sein Patent um sieben Jahre verlängern lassen. Der große Burke hielt im Parlament eine pathetische Rede gegen diese Verlängerung. Aber ohne Wirkung.

Dann kam das sechste große Ereignis -- Watt lernte Wilkinson kennen, der es verstand, gute Zylinder zu machen.

Mit einem Male wurde die Wattsche Dampfmaschine praktisch verwendbar.

Kohlenbergwerke sandten Bestellungen auf Pumpmaschinen. Boulton ließ im ersten Jahre 65 bauen. Von dieser Zeit an war die Dampfmaschine ein Erfolg.

Im Jahre 1802 schrieb ein Freund, namens Edgworth, an Watt und sagte: »Warum nicht Dampf statt Postpferden? Warum nicht eine Eisenschienenbahn?« Das war die erste Anregung für die Dampfbahn.

Im nächsten Jahre bestellte Fulton eine Maschine von Boulton und Watt, und im Jahre 1807 fuhr das erste Dampfschiff auf dem Hudson. Um diese Zeit gab es schon viele Konkurrenten. Die Rechtsstreitigkeiten häuften sich. Watt und Boulton gewannen zwar diese Prozesse, aber sie waren sehr kostspielig. Ein Londoner Anwalt verlangte eine Gebühr von 6000 Pfund Sterling.

Watt und Boulton waren 25 Jahre lang Teilhaber. Dann zogen sie sich vom Geschäft zurück, und die Gesellschaft wurde von ihren Söhnen fortgeführt.

Bis zum Jahre 1824 hatten Boulton und Watt 1164 Dampfmaschinen mit insgesamt 25945 PS. erbaut. Zur Zeit betragen die Gesamtpferdekräfte der Dampfmaschinen ungefähr 200000000. Das entspricht ungefähr der Kraft von 4500000000 Männern.

In seinen alten Tagen wurde Watt mit Ehren überschüttet. Er erntete Reichtümer und Ruhm. Als er im Jahre 1819 in Heathfield in Staffordshire starb, war er in der ganzen zivilisierten Welt bekannt.

Seinem Andenken wurde in der Westminster-Abtei eine Gedenktafel errichtet. Lord Brougham verfaßte die Inschrift in den edlen Worten:

»Er erweiterte die Hilfsquellen seines Vaterlandes ... er erhöhte die Macht der Menschen ...«

Das ist die Geschichte von James Watt. Sie sollte nie vergessen werden, solange das britische Weltreich besteht.

Robert Clive.

Wenn wir fragen: »Wer hat das britische Weltreich aufgebaut?«, dann ist die Antwort: »Viele haben daran gearbeitet, doch Clive am meisten von allen.«

Das weite Indien mit seinen 325 Millionen Einwohnern -- drei Viertel des britischen Imperiums -- wurde von einem Mann, ohne irgendwelche Hilfe der britischen Regierung, dem Reiche eingebracht.

Dieser eine Mann war Robert Clive -- ein armer bürgerlicher Junge aus Shropshire mit geringer Erziehung.

Er vollendete seine Tat ohne den Beistand von Geld, Einfluß oder militärischer Ausbildung.

Er raffte einen Haufen Arbeiter und indischer Sepoys zusammen und machte sie zu Eroberern eines Fünftels der bewohnten Erde.

Und als er dann dieses Fünftel der bewohnten Erde der britischen Krone überreichte, wurde er vom Parlament als ein Kriegsgewinnler getadelt.

Clive wurde 1725 in einem Shropshire-Dorf geboren. Sein Vater war ein vergrämter Mann ohne Erfolge -- halb ein Anwalt und halb ein Farmer.

Als Junge war Bob Clive stets in Schwierigkeiten. Er war immer der böseste Knabe des Dorfes; und jedermann meinte, er würde ein schlimmes Ende nehmen.

Er war tapfer wie ein Bullenbeißer und von furchterregendem Temperament. Er war immer in Kämpfen. Er organisierte die kleinen Jungen des Dorfes und erhob Tribut von den Geschäftsleuten als Bezahlung für den Schutz gegen andere Jungen.

Einmal kletterte er auf den Kirchturm und ließ sich auf der obersten Spitze nieder. Er war ein verwegener Junge und ein geborener Kampfhahn. In der Schule war er vollkommen unbrauchbar. Er versuchte eine nach der anderen, aber keine konnte ihm Respekt abgewinnen. Er war das schwarze Schaf der Familie, verachtet und abgelehnt von der ganzen Stadt.

So sandte der Vater in Verzweiflung den Achtzehnjährigen nach Indien in ein Geschäft.

Der junge Clive erreichte Indien nach einer einjährigen Reise. Sein Geld war verausgabt, er stak in Schulden. Sein Gehalt war kleiner als das irgendeines Stenotypisten heute. Er logierte in einer kleinen schäbigen Dachkammer.

Das war Clives erster Einzug in Indien.

Das erste, was er tat, war, ein Duell mit einem Bramarbas auszutragen; das trug ihm sein erstes bißchen Ansehen ein.

Das zweite war, daß er sich mit dem Gouverneur anfreundete, der eine gute Bibliothek hatte. Er erzog sich selbst, wie es fast alle großen Männer tun.

Zu dieser Zeit dominierten die Franzosen in Indien. Auch die Holländer waren einflußreich. Aber die Briten waren Außenseiter. Sie wurden mehr als Hausierer angesehen.

Die Franzosen griffen das kleine Fort an, in dem Clive als Angestellter arbeitete, und fingen jedermann, außer Clive: Der sprang über einen Zaun und entkam.

Dies Ereignis begründete seine Karriere. Er wurde sogleich Soldat und studierte militärische Taktik.

Vier Jahre später wurde er Hauptmann, organisierte 200 Engländer und 300 Sepoys -- eingeborene Inder -- und begann als ein privater, selbständiger Abenteurer die Franzosen zu verjagen.

Er hatte Erfolg. Er stürmte ein französisches Fort und nahm es in Besitz. Eine Armee von dreitausend Mann wurde gegen ihn ausgesendet, aber er griff sie unter dem Schutze der Nacht an und zersprengte sie.

Eine zweite Armee von zehntausend Mann wurde aufgeboten, um ihn zu überwältigen, aber er verschanzte sich, kämpfte fünfzig Tage und siegte endlich durch einen Ausfall.

Er verschaffte sich weitere neunhundert Soldaten und vertrieb die Franzosen aus Indien.

Nur ein junger Buchhalter von fünfundzwanzig Jahren -- und nun plötzlich der tüchtigste britische General!

Mit siebenundzwanzig Jahren kam er nach England zurück und heiratete ein schönes Mädchen -- Miß Maskelyne -- die er liebte.

Seine Familie war erstaunt über seine Fortschritte. »Schließlich«, grollte sein Vater, »hat der Bub doch etwas in sich.«

Clive war jetzt reich geworden. Er zahlte die Schulden seines Vaters und rettete den Familienbesitz.

Zwei Jahre führte er ein lustiges Leben und gab sein Geld mit vollen Händen aus. Er wurde in das Parlament gewählt, jedoch bald wieder hinausgeworfen. Eine Parteiabstimmung brachte ihn um seinen Sitz.

Er fing an, zu erfahren, wie England jene zu behandeln pflegt, die seine Größe begründet haben.

Bald war sein ganzes Geld ausgegeben, und mit dreißig Jahren ging er nach Indien zurück. Er wurde Gouverneur in der Ostindischen Gesellschaft.

Er kam gerade rechtzeitig zurück, um die tragischen Neuigkeiten des »Black Hole« (Das schwarze Loch) von Kalkutta zu hören. Ein bengalischer Nabob hatte 146 Engländer in einen Kerker von zwanzig Quadratfuß geworfen. Nur dreiundzwanzig überlebten es.

Clive wartete nicht auf Befehle oder auf die Unterschrift formeller Anordnungen. Er ging sofort zur Tat über. Er sammelte dreitausend Leute und griff den Nabob an. Der Nabob hatte eine Armee von achtundfünfzigtausend. Es kam zu einer heftigen Schlacht, in der 19 : 1 gegen Clive standen.

Clive zog sich nicht etwa zurück, um in gewandtem literarischen Stil ein Buch zu schreiben und die Technik seiner Niederlage zu begründen.

Er nahm den Kampf auf und siegte. Er zerschmetterte die Armee des Nabob. Sie hatte Elefanten in ihrer Front, die bei ihrer Umkehr und Flucht die eigenen Massen der Eingeborenen niedertraten.

Das war die Schlacht von Plassey.

Der Nabob wurde gefangen und innerhalb einer halben Stunde hingerichtet. Von diesem Augenblick an war Indien britisch.

Hätte Clive gewollt, so hätte er Kaiser von Indien werden können. Er hätte seine Siege zu seinen eigenen Gunsten ausnützen, er hätte eine Dynastie und eine Flagge begründen können.

Er tat es nicht. Wahrscheinlich kam ihm niemals der Gedanke. Er fühlte sich als Engländer und er handelte für England.

Durch den Sieg von Plassey wurde er der Meister der Schätze von Bengalen. Er hatte die Macht, sich ihrer zu bedienen, und er nahm 300000 Pfund Sterling als einen fairen Tagelohn für eine faire Tagesarbeit.

Eine zweite Armee von vierzigtausend Mann marschierte gegen ihn auf. Er drillte seine kleine Schar von dreitausend Mann und nahm die Schlacht auf. Wieder gewann er. Und wieder machte er sich ein Vermögen.

Dann zogen die Holländer eine dritte Armee zusammen. Clive zersprengte sie nach seiner Gewohnheit mit einer Handvoll Engländer und Sepoys. Diese Schlacht machte ihn endgültig zum Herrn von Indien.

Wieder kehrte er nach England zurück und wurde warm aufgenommen. Er wurde zum Lord gemacht. Pitt nannte ihn einen »vom Himmel gefallenen General«. Er lebte großartig in Berkeley Square und hatte zwei Paläste auf dem Lande. Und das alles mit vierunddreißig Jahren!

Sein Einkommen war 40000 Pfund Sterling jährlich; aber er sorgte sich wenig um Geld. Er war sehr freigebig. Das erste, was er tat, war, seinen Eltern und Verwandten 50000 Pfund Sterling zu geben. Er trieb alle Clives in England auf und gab ihnen einen Anteil an seinem Golde.

Mehrere Jahre lang führte er ein glänzendes Leben. Er war Parlamentsmitglied geworden. Er lebte gut und half seinen Freunden. Es war seine glücklichste Zeit.

In Indien aber brachen neue Unruhen aus. Er wurde gebeten, wieder hinauszugehen, und er stimmte zu. Was er vorfand, war Unterdrückung der Eingeborenen, alle Art Räubereien und Korruption.

Sofort bewies er sich sowohl als Staatsmann wie als General. Er beseitigte die Bestechungen.

Er entfernte eine Menge Schurken aus den Ämtern.

Er machte die Regierung wieder ehrlich. Er verwaltete die Justiz wie stets als ein Freund der Inder.

Ein Nabob schenkte ihm 60000 Pfund -- er stiftete sie sogleich für die kranken Angestellten der Ostindischen Gesellschaft.

Als er nach England zurückkehrte, wurde er von allen Seiten angegriffen.

Die Schurken, die er aus den indischen Ämtern vertrieben hatte, waren nach England zurückgekommen und begannen einen Verleumdungsfeldzug gegen ihn.

Zeitungen beschimpften ihn. Politiker beschuldigten ihn. Und was das Schlimmste war, er wurde vor das Parlamentsgericht geladen, als wäre er ein Verbrecher.

»Sie behandeln mich wie einen Hammeldieb«, sagte er. Nach einem langen und verletzenden Prozeß sprach ihn das Parlament mit einer Warnung frei. Er wurde öffentlich bloßgestellt -- er, der Indien dem britischen Weltreich gewonnen hatte.

»Wir wollen Ihnen diesmal verzeihen,« sagte das Parlament, »aber tun Sie es nicht wieder.«

Dieser Prozeß brach sein Herz.

Er wurde melancholisch. Seine Gesundheit versagte. Eine schmerzliche Krankheit ergriff ihn. Um Linderung zu suchen, nahm er Opium -- und langsam zerstörte das Gift sein Gehirn.

Eines Tages kam ein Beamter der Regierung eilends zu ihm. Es war im Jahre 1774.

»In Amerika ist eine Revolution ausgebrochen«, sagte der Regierungsbeamte. »Wir brauchen Ihre Hilfe. Das Reich ist in Gefahr. Sie müssen sofort nach Amerika gehen.«

Clive lehnte lächelnd ab.

»Zu spät«, sagte er. »Ich bin gerade im Begriff, irgendwoandershin zu gehen.«

Einige Tage später erschoß er sich.

Er hatte große Fehler -- gewiß. Große und ruhmreiche Fehler. Aber er und seinesgleichen haben das britische Weltreich begründet.

Michael Faraday.

London war im Jahre 1796 noch keine besondere Stadt. Noch war Bermondsey zu jener Zeit eine besondere Gegend in London. Ebensowenig war die Jacob-Street in Bermondsey eine Attraktion. Noch war es der Mietstall in der Jacob-Street.

Über diesem Mietstall aber waren einige Zimmer zu vergeben, und diese mietete ein Schmied aus Yorkshire, der vier kleine Kinder hatte.

Und eines dieser Kinder war ein ruhiger kleiner Junge, fünf Jahre alt, mit Namen Michael. Des Vaters Name war Faraday.

Nicht wahr? Das war kein besonderer Anfang für ein Leben? Und doch wuchs dieser kleine Michael heran, um

der Begründer der Wissenschaft von der Elektrizität

zu werden.

Unzweifelhaft sitzt in einem stillen Winkel des Himmels eine kleine Gruppe kongenialer Geister beisammen und plaudert über die Gesetze des Weltalls. Da sind Newton und Franklin, Darwin und Wallace, Huxley und Pasteur, und in ihrer Mitte sitzt, dessen bin ich sicher, Faraday mit seinem leuchtenden Antlitz, und erzählt ihnen, wie man kleinen Kindern wissenschaftliche Tatsachen beizubringen hat.

Doch, um auf die Erde zurückzukommen, für den jungen Michael Faraday war kein goldener Löffel bereit. Die Nahrungsmittel waren teuer -- der Lohn des Schmiedes war niedrig, und so gab es für ihn überhaupt keinen Löffel. Seine Mutter gab ihm einmal in der Woche einen Laib Brot -- das war alles.