Chapter 6 of 8 · 3993 words · ~20 min read

Part 6

Bei einer anderen Gelegenheit überraschte er sein Londoner Auditorium in der Gildenhalle, indem er sagte: »Nicht weiter als eine Omnibusfahrt vor der Bank von England liegen 10000 Morgen Land in London brach. Wäre dieses Land ordnungsgemäß bebaut, so könnte es 8000 Familien erhalten.«

Joseph Fels war ein Mensch gewordenes Weberschiffchen. Er wob alle Art Leute zusammen. Reichtum und Ehren, mit denen er überschüttet wurde, konnten ihn nicht verderben.

Er war ein Landbesitzer, und doch verlangte er, daß sein Land schwerer besteuert werden sollte. Er war ein Kapitalist, und doch unterstützte er die Kandidaten der Arbeiterpartei.

Er war

ein Mann der Wahrheit.

Sein ganzes Leben lang focht er gegen Dummheit und Grausamkeit. Er machte die Welt edler und intelligenter. Er starb 1914, unmittelbar bevor der große Krieg begann.

Einer seiner nächsten Freunde in England war George Lansbury, der Herausgeber des »Daily Herald«, ein Führer der Arbeiterpartei. Lansbury schrieb einmal über Fels:

»Ich lernte Joseph Fels im Sommer 1903 kennen. Er kam in mein Haus wie ein frischer Luftzug. Die offenbare Ehrenhaftigkeit seiner Ziele und seine Menschenliebe überzeugten uns sofort.

Ich hatte sehr wenig von ihm gehört, und ich bekenne, daß ich einigermaßen gegen ihn voreingenommen war, weil er ein reicher Amerikaner war. Aber nachdem ich fünf Minuten mit ihm gesprochen hatte, waren meine Zweifel und Befürchtungen zerstreut und dann begann zwischen uns eine enge und intime Freundschaft, die niemals enden kann.

Er ließ mich mehr als je zuvor einsehen, daß es der Mühe wert ist, für eine große Sache zu ringen und zu kämpfen, und er erfüllte mich mit dem Glauben an meine Mitmenschen.«

So spricht ein Arbeiterführer von einem Kapitalisten. Zeigt das nicht, daß alle Unterschiede der Klasse und des Vermögens ernstlich betrachtet sehr unwesentliche Dinge sind, und daß alle Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, Mitarbeiter und Freunde werden können?

George Westinghouse.

Ich lade Sie ein, fünf Minuten darauf zu verwenden, aus folgenden drei Gründen die Geschichte des George Westinghouse zu lesen:

1. Er war ein Erfinder, der eine Gesellschaft mit zwölf Millionen Pfund Aktien aufbaute.

2. Er war ein Arbeitgeber von fünfzigtausend Arbeitern, die niemals streikten.

3. Er war ein Mann, der reich und berühmt wurde, dabei aber bis zum letzten Tag seines Lebens einfach, freundlich und nützlich blieb.

Westinghouse wurde natürlich, wie die meisten großen Männer, arm geboren. Sein Vater war ein Farmer, der gleichzeitig eine Tischlerei in einem kleinen Dorfe in den Vereinigten Staaten betrieb.

Er wurde 1846 geboren, und es ist erwähnenswert, daß ein Jahr vor seiner Geburt sein Vater sich mit der Erfindung einer Dreschmaschine befaßte. So mag es einen vorgeburtlichen Einfluß gegeben haben, der den Kleinen dazu bestimmte, ein großer Erfinder zu werden.

Als Schüler war der junge George Westinghouse hoffnungslos -- wenigstens sagte der Lehrer so. Er war ein großer plumper Junge, stets bereit zu raufen, und mit einem Willen und einem Temperament, die ihn unkontrollierbar machten.

Immer war er der Letzte in seiner Klasse, und Eltern und Lehrer waren begierig, was jemals aus ihm werden würde. Wie Darwin, Edison, Clive und viele andere war er ein »häßliches Entlein«, das aufwuchs, um ein Schwan zu werden.

So oft er konnte, lief er von der Schule fort und schnitzte mit seinem Taschenmesser Maschinen aus Holz. Meist erwischte ihn sein Vater und zerbrach die Maschinen. Väter sind gewöhnlich so.

Schließlich hatte einer der Arbeiter seines Vaters Mitleid mit dem Jungen und richtete ihm auf einem Heuboden eine kleine Werkstatt ein, fern von den väterlichen Eingriffen.

Mit 14 Jahren verließ er die Schule und wurde für zwei Schilling pro Tag Arbeiter bei seinem Vater. Aber auch dieser Betrag war nach Ansicht von Westinghouse Senior noch zu viel, weil der Junge seine Zeit damit zubrachte, eine Maschine zu erfinden, welche die Arbeit an seiner Statt verrichten sollte.

»Sein einziger Wunsch ist, die Arbeit zu vermeiden«,

sagte der Vater, der ihn nicht verstehen konnte.

Mit siebzehn Jahren wurde er Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg. Er trat bei der Kavallerie ein, weil er dachte, daß Reiten leichter wäre als zu Fuß zu gehen; und er war sehr enttäuscht, als er merkte, daß er für sein eigenes Pferd zu sorgen habe.

Mit 19 Jahren bezog er die Universität, aber er fühlte sich dort so wenig am Platz wie ein Fisch in einem Sack Federn. »Es war zum Verzweifeln mit ihm«, sagte einer der Professoren. »Sein Gehirn sehnte sich nach schöpferischem Tun, nicht nach dem Auswendig lernen von toten Sprachen und Ideen.«

So ging der junge Westinghouse auf den Rat des Universitätspräsidenten wieder nach Hause und wurde Mechaniker. Er arbeitete für seinen Vater für acht Schilling den Tag.

Mit 20 Jahren hatte er das Glück, einen Eisenbahnunfall zu erleben. Zwei Waggons entgleisten und die Linie war zwei Stunden lang gesperrt.

Sofort dachte er an eine Erfindung, um die Wagen in einer halben Stunde wieder in das Geleise zu bringen. Er erhielt ein Patent und fand tatsächlich zwei Leute, die um je tausend Pfund Anteile an dem Patent erwarben.

Das war der Anfang seiner wirklichen Karriere. Von diesem Augenblick an wendete er sein ganzes Leben an die Erfindung von Verbesserungen für Eisenbahnen.

Um diese Zeit verliebte er sich auch. Er lernte ein schönes Mädchen namens Marguerite Walker in einem Eisenbahnwaggon kennen -- all sein Glück kam immer von Eisenbahnen. Er heiratete sie, und sie wurde seine unzertrennliche Genossin in allen seinen Erfolgen und Mißerfolgen.

In ihrer Art war sie gerade so klug und originell wie er.

Sie war ihm immer mehr als die ganze Welt.

Wie sie ihm im Leben folgte, folgte sie ihm auch rasch im Tode.

Bald nach seiner Heirat sah Westinghouse einen zweiten Eisenbahnunfall. Zwei Züge waren zusammengestoßen. Die Strecke war eben und gerade. Er fragte, warum der Zusammenstoß erfolgt sei.

»Die beiden Lokomotivführer sahen einander, aber sie konnten nicht anhalten,« sagte der Bahnhofsvorsteher. »Sie hatten zu wenig Zeit. Man kann einen Zug nicht in einem Augenblick bremsen!«

Westinghouse hörte nicht auf, zu fragen: Warum? Er studierte das altmodische Handbremssystem und fand, daß es unzulänglich sei.

Monatelang studierte er das System. Er versuchte es mit einer langen Kette, die der Führer anziehen sollte. Aber das war zu schwerfällig. Er versuchte Dampf, aber der wurde von Hitze und Kälte beeinflußt.

Dann kam ein glücklicher Zufall. Eines Morgens kam eine junge Dame in sein Bureau und versuchte, ihn als Abonnenten auf eine Monatsschrift, genannt »The Living Age« (Das lebende Zeitalter), zu gewinnen. Westinghouse lehnte ziemlich kurz angebunden ab, und traurig wendete sie sich weg. Da bemerkte er, daß sie sanft und schüchtern war, und bedauerte seine Grobheit. Er rief sie zurück und gab ihr acht Schilling.

»Sie können mir Ihre Monatsschrift einige Monate lang schicken,« sagte er.

Bald kam die erste Nummer, und Westinghouse, der niemals viel gelesen hatte, war erstaunt, einen Artikel zu finden, der ihm das Problem der Bremse löste.

Der Artikel hieß »Im Mont Cenis Tunnel«. Er stammte von einem englischen Ingenieur und erzählte, wie der Tunnel durch die Anwendung von Preßluft gegraben worden war.

Der englische Ingenieur (ich wollte, ich wüßte seinen Namen) erzählte, wie die Preßluft dreitausend Fuß weit durch eine Röhre herangebracht und dazu verwendet wurde, um einen Bohrer durch das Felsgestein des Mont Cenis zu treiben.

Westinghouse schrie auf vor Freude! Hier war der Wink, den er gebraucht hatte. Wenn Preßluft verwendet werden konnte, um einen Bohrer zu treiben, warum konnte sie nicht verwendet werden, um die Bremsen eines Zuges anzuziehen?

Er legte alles andere beiseite und stürzte sich in die Aufgabe, die erste Luftbremse zu konstruieren. In wenigen Wochen hatte er eine hergestellt. Sie funktionierte. Im Nu war er einer der größten Erfinder der Welt geworden.

Natürlich begegnete er den üblichen Schwierigkeiten, denen sich jeder Pionier gegenüber sieht. Die Eisenbahnleute hielten ihn für einen Narren. Sein eigener Vater lehnte es ab, ihm für solch ein »Kinderspielzeug« wie eine Luftbremse Geld zu leihen.

Westinghouse wanderte von einem Eisenbahnbureau zum andern und wurde von den meisten Eisenbahndirektoren wie ein harmloser Irrer behandelt.

»Einen Zug durch Wind aufzuhalten! Was denn sonst?«

Schließlich fand er einen Fachmann, der Mut und Vernunft hatte -- Mr. W. W. Card von der Panhandle-Eisenbahn.

Mr. Card war bereit, Westinghouse einen Versuch zu gestatten, aber nur unter der Bedingung, daß dieser die Ausgaben selbst trage.

Zu dieser Zeit hatte Westinghouse überhaupt keine Geldmittel -- aber er stimmte zu. Dann lief er zu allen seinen Freunden und borgte jeden Heller, den er bekommen konnte. Es war ein junger Mann namens Ralph Baggaly, der ihn besonders unterstützte.

Eine Versuchsfahrt wurde unternommen. Der Lokomotivführer war ein eifriger junger Mann namens Daniel Tate. Unmittelbar vor der Abfahrt gab ihm Westinghouse eine Zehnpfundnote als Trinkgeld: »Gib der Bremse eine gute Chance, Dan!« sagte er. Es war alles Geld, was Westinghouse hatte, und auch dieses war geliehen.

Dann ereignete sich ein glücklicher Zufall. Der Versuchszug lief dreißig Meilen die Stunde, als ein Fuhrwerk das Geleise kurz vor ihm zu kreuzen versuchte. Der Kutscher hieb auf die Pferde ein, aber diese scheuten rückwärts und schleuderten ihn zwischen die Schienen.

Tate zog die Luftbremse an. Der Zug blieb stehen -- vier Fuß vor dem am Boden liegenden Kutscher. Das war das sensationelle Debut der Luftbremse. Danach regnete es viele Aufträge und viele Zehnpfundnoten.

Drei Jahre später kam Westinghouse nach England und schlug seine zweite Schlacht mit den Eisenbahndirektoren. Sein bester Freund war die Zeitung »Engineering«, die von Anfang an seine Sache verfocht. Und sein erster Auftrag kam von der Metropolitan District Railway in London.

Im Jahre 1881 war die Luftbremse bereits in allgemeiner Verwendung. Westinghouse hatte eine große Fabrik in Pittsburg. Mit 35 Jahren war er reich und berühmt geworden.

Er lebte dann noch 33 Jahre, und jedes davon war von neuen Ideen und Erfindungen erfüllt. Er stürzte sich auf Elektrizitätswerke und Gasmaschinen. Er ließ neue Fabriken aufsprießen wie ein Farmer den Weizen.

»Niemand kann erraten, wo der Alte das nächste Mal ausbrechen wird«, pflegten seine Leute zu sagen.

Das Beste aber war, daß sein Erfolg ihn nicht verdarb.

Er hatte einen starken Willen und war beherrschend, wie es jeder Führer sein muß. Aber er verlor niemals die Fühlung mit seinen Leuten.

Seine Arbeiter standen stets loyal zu ihm. Wenn seine Bankiers nur halb so loyal zu ihm gestanden wären, hätte er niemals die finanzielle Kontrolle über sein Geschäft verloren.

Einmal boten ihm seine Arbeiter an, gegen halben Lohn zu arbeiten, weil sie wußten, daß er Geld brauchte.

Ein andermal brachten seine Leute 120000 Pfund auf, um ihm durchzuhelfen zu einer Zeit, in der ihn die Banken hart bedrängten.

Ernst, zäh, ehrenhaft, anständig, angriffslustig, optimistisch, energisch, mutig -- so war George Westinghouse. Er war stolz auf seine Arbeiter. Er erzog sie und arbeitete an ihrer Seite. Er liebte sein Werk und seine Werkleute. Und als er im Jahre 1914 starb, trugen die Bahre acht alte Mechaniker, die mehr als vierzig Jahre lang seine Mitarbeiter gewesen waren.

Charles Seabrook.

Charlie Seabrook: Nein, Sie haben nie von ihm gehört. Er ist noch nicht berühmt. Er hat gerade angefangen.

Er ist erst 43 Jahre alt, aber er ist der leistungsfähigste Farmer der Welt.

In einem Jahre hat er auf einer Farm von 1200 Morgen um eine Million Pfund Gemüse gezogen.

Er betreibt seine Farm wie eine Fabrik. Er ist kein Farmer im gewöhnlichen Sinne. Er begnügt sich nicht damit, Samen in den Boden zu streuen und dann die Natur und die Vögel das weitere tun zu lassen.

Er ist ein Gemüsefabrikant. Und er erzielt ein größeres Erträgnis per acres als jemals jemand vor ihm erzielt hat.

Die Geschichte von Charlie Seabrook beginnt mit seiner Geburt auf einer kleinen Farm in Bridgetown, New-Jersey, U. S. A., im Jahre 1883. Sein Vater war ein Anglo-Amerikaner, der als Farmer nicht besonders erfolgreich war.

Mit fünf Jahren begann Charlie zu arbeiten. Mit 14 Jahren verrichtete er die Arbeit eines erwachsenen Mannes.

Seine Arbeit war Schwerarbeit, aber Schweiß, Schmutz und Plackerei waren ihm zuwider. Er arbeitete mit den Händen, weil es notwendig schien -- doch während er arbeitete, überlegte er: Gibt es keine bessere, schnellere und leichtere Art, eine Farm zu betreiben?

So lernte er Bücher und Zeitschriften schätzen. Er kaufte jedes gute Buch über landwirtschaftlichen Betrieb, das er sich leisten konnte.

Er war ein Leser und Denker. Das war der Anfang seines Erfolges.

Mit 25 Jahren hatte er drei bestimmte Ideen:

1. Die Farm braucht mehr Regen.

2. Die Farm braucht mehr Düngemittel.

3. Eine Ernte im Jahre ist nicht genug.

Zunächst richtete er ein oberirdisches Berieselungssystem ein. Er führte eine 1¼zöllige eiserne Röhre über sechs Fuß hohe Pfosten. Die Röhre war durchlocht, um einen feinen Sprühregen zu ermöglichen. Die Röhren wurden 50 Fuß voneinander aufgestellt. Er erprobte dieses System auf einer Fläche von drei Morgen und die Ergebnisse waren vorzüglich.

So verbesserte er die Natur. Er schuf künstlichen Regen. Wo früher nur ein Stengel wuchs, ließ er nun deren zehn wachsen.

Bis zu seinem 25. Jahre arbeitete Charlie Seabrook für seinen Vater. Von da an arbeitete der Vater für Charlie -- er war einer der klügsten Väter, von denen ich je gehört habe.

Im Jahre 1911 verdienten die beiden Seabrooks 5000 Pfund Sterling. »Jetzt wollen wir das auf die Bank legen«, sagte der Vater.

»Nein,« sagte Charlie, »wir wollen es wieder in den Boden stecken. Der Boden ist die beste Bank.«

Sie steckten es in den Boden. Sie verschwendeten es gleichsam an den Boden. Die Nachbarfarmer hielten sie für verrückt.

»Bringt dir dein Geschäft einen Schilling -- tue ihn wieder in das Geschäft, um mehr zu verdienen!«

Das ist einer der Grundsätze, den Charlie Seabrook aus seinen Büchern gelernt hatte.

Wie wenige Farmer erkannte er den Wert des Kunstdüngers. Er fand, daß der Boden erst geschaffen werden müsse, daß ihn die Natur erst zur Hälfte geschaffen hat.

Gewöhnlicher Boden ist ebensowenig Boden wie vier Räder und ein Zahnrad ein Motorwagen sind. Er ist nur ein Anfang -- ein Ort, auf dem die Ernten stehen sollen.

Der junge Seabrook begann also, Boden zu machen. Er tat hundert Tonnen Düngemittel pro Morgen in Neuland und vierzig Tonnen in altes. Dann verteilte er pro Morgen zwei oder drei Tonnen Knochenmehl zu 12 Pfund Sterling die Tonne über die hundert Tonnen.

Hundert Tonnen pro Morgen; zu zehn Schilling die Tonne: 74 Pfund Sterling pro Morgen ausschließlich für Düngung! Kein Wunder, daß die übrigen Farmer sich über Seabrook und seine Buchgelehrsamkeit lustig machten.

Dazu kamen noch die Kosten der Berieselung, 60 Pfund Sterling pro Morgen. Die Kosten des Landerwerbes betrugen nicht weniger als 30 Pfund Sterling pro Morgen, so daß die Gesamtkosten pro Morgen waren:

Landerwerb 30 Pfd. Sterl. Berieselung 60 „ „ Düngung 74 „ „ ----------------------------- Summe: 164 Pfd. Sterl.

Die Seabrook-Farm war bis zum nächsten Jahre ein Gegenstand der Belustigung, bis der Dorfkaufmann die erstaunliche Geschichte erzählte, daß Charlie Seabrook auf einem einzigen Morgen eine Ernte im Werte von mehr als 400 Pfund Sterling erzielt hatte. Von da ab hörten die übrigen Farmer auf, Witze zu machen. Sie verstanden nicht, was geschehen war, aber sie hätten es gerne verstanden.

Nur um zu zeigen, was Seabrook wirklich tat, führe ich hier eine Seite aus seinem Farmwirtschaftsbuch an, die erzählt, was auf einem einzelnen Morgen geschehen ist:

»Spinat, angepflanzt am 25. Februar, Spinat verkauft am 15. April für 30 Pfund Sterling. Kartoffeln, angepflanzt am 10. Mai, verkauft 10. August für 90 Pfund Sterling. Salat angepflanzt 11. August, untermischt mit Erdbeeren. Salat verkauft Oktober um 100 Pfund Sterling.

Gesamtverkauf 220 Pfund Sterling.«

»Zweites Jahr: Eine halbe Ernte Erdbeeren verkauft für 120 Pfund Sterling.«

»Drittes Jahr: Eine volle Erdbeerenernte 260 Pfund Sterling, eine Ernte Kopfsalat 200 Pfund Sterling, eine Ernte Spinat 30 Pfund Sterling. Gesamtverkauf 490 Pfund Sterling.«

Das macht im Durchschnitt 277 Pfund Sterling pro Morgen. Der Bruttonutzen war daher gegen 130 Pfund Sterling pro Morgen.

Seabrook erzielt drei Ernten im Jahr -- manchmal vier.

Zum Beispiel hatte er in einem Jahr auf demselben Land Ernten von Spinat, Kartoffeln, Kopfsalat und wieder Spinat.

In einer Ernte auf einem Morgen erhielt er 604 Scheffel Kartoffeln. Von einem einzigen Land erntete er 8500 Liter Erdbeeren.

Seine Spezialität ist Salat, weil er herausgefunden hat, daß er am einträglichsten ist. In einem Jahr hat er zum Beispiel folgende Verkäufe erzielt:

Salat 22.410 Pfd. Sterl. Kohl 7.859 „ „ Radieschen 7.360 „ „ Spinat 6.394 „ „ Zwiebeln 4.954 „ „ Kartoffeln 4.952 „ „ Erdbeeren 3.781 „ „ Gurken 3.509 „ „

Charlie Seabrook besitzt jetzt 1200 Morgen. Aber beinahe sein ganzer Ertrag kommt von 200 Morgen. Er hat seine Farm zu einer Aktiengesellschaft organisiert. Er hat ein voll eingezahltes Kapital von 100000 Pfund Sterling. Und er zahlt 20 Prozent Dividende.

Auf seiner Farm hat er 300 Arbeiter, zur Zeit der Erdbeerernte oft zweimal so viel.

Seine Arbeiter wohnen in netten Betonhäusern auf der Farm. Sie arbeiten das ganze Jahr zehn Stunden täglich und werden wöchentlich bezahlt.

Wenn Sie fragen: »Wie aber beschäftigt man sie im Winter?«, so ist die Antwort: »Auf der Seabrook-Farm gibt es keinen Winter.«

Es sind da sechs enorme Glashäuser im Ausmaß von 60 : 300 Fuß. Jedes von ihnen hat 200 Pfund Sterling gekostet -- zuerst wurden sie der »Seabrook-Wahnsinn« genannt.

Diese Glashäuser verlängern für Seabrook das Jahr. Sie schaffen den Winter ab. Sie ermöglichen es ihm, Gemüse außerhalb der Saison zu ziehen und zu Höchstpreisen zu verkaufen. Er beabsichtigt, noch mehr Glashäuser zu bauen.

Außerdem gehen im Winter seine Arbeiter in eine auf der Farm errichtete Kistenfabrik und machen hunderttausend Kisten -- für den eigenen Bedarf.

Die Farm hat auch einen Kühlspeicher im Ausmaß von 60 : 325 Fuß, eine Garage für vier Traktoren und acht Lastkraftwagen, einen Stall für fünfzig Pferde, eine Maschinenwerkstatt für Reparaturen, ein Eisenbahnstockgeleise und ein großes, modern organisiertes Bureaugebäude.

»Es ist keine Farm«, sagt Seabrook. »Es ist eine Nahrungsmittelfabrik.«

George F. Johnson.

Ich sollte dieses Kapitel eigentlich mit den Worten: »Es war einmal« beginnen, aber die Wahrheit ist, daß ich im Begriffe stehe, die größte und einträglichste Schuhfabrik der Welt zu beschreiben. Es ist also kein Märchen. Es ist die Geschichte wirksamen Betriebes in der weitestgehenden Bedeutung.

Etwa hundert Meilen von Neuyork entfernt liegt ein schönes Tal in den Vereinigten Staaten.

Die Leute, die dort leben, nennen es:

Das Tal des »Fairplay«.

In diesem Tale liegen dicht nebeneinander zwei Städte, die eine heißt Johnson, die andere Endicott.

Gegen 50000 Einwohner leben in diesem Tale, und 15000 davon arbeiten in den beiden großen Schuhfabriken, die der Endicott-Johnson-Gesellschaft gehören.

Sie fabrizieren täglich 81000 Paar Schuhe.

Der Wert dieser Erzeugung übersteigt jährlich 28000000 Pfund Sterling.

Diese erstaunlichen Ziffern lassen Sie erkennen, daß die Leute in diesem Tal zu arbeiten verstehen. In diesem Tale des »Fairplay« wird mit der Arbeit nicht gespielt.

Wären Ihnen aber diese Zahlen nicht vor Augen, so könnten Sie glauben, daß die Leute in diesem Tal nichts anderes als Spaß im Sinn haben.

Es gibt in diesem Tal keine Wohnhöhlen. Es gibt wenige Mietshäuser. Die meisten Familien besitzen ihr eigenes Haus. Die Häuser sind aus Holz erbaut und in lebhaften Farben bemalt.

Zwischen den beiden Städten liegt ein weiter Landstrich, der »Idealpark« genannt ist. In ihm ist eine große Schwimmanstalt, frei für alle, daneben ein kleines Schwimmbassin für die Kinder. Ebenso ein Karussell, frei für alle.

Dann gibt es einen Tanzpavillon, der an drei Abenden der Woche geöffnet ist. Die Tänzer zahlen 25 Cent Eintritt.

Dann gibt es einen Ballspielplatz, groß genug, um zwei Partien gleichzeitig Platz zu bieten, und da die Fabriken 4 Uhr 30 Minuten geschlossen werden, gibt es jeden Nachmittag zwei Baseballspiele.

Auch eine Rennbahn ist da -- eine halbe Meile lang, mit Ställen und Tribünen. Jeden Sonnabend Nachmittag finden Rennen statt, und zeitweilig ist die Rennbahn von hunderttausend Leuten eingesäumt.

Inmitten einer weiten Rasenfläche steht ein Klubhaus. Der Rasen ist mit Blumenbeeten wie gespickt. Das Haus ist das Zentrum der Geselligkeit, wo jeder jeden trifft. Es enthält eine freie Bibliothek, besondere Zimmer für Pfadfinderjungen, Spielzimmer und Speisesäle. Jeden Abend findet man sich hier fröhlich zusammen.

Scherz! Geselligkeit! Erziehung! Sport! Musik! Das scheinen die allein wesentlichen Dinge im Tale von »Fairplay« zu sein und dennoch erzeugen diese lustigen Schuhmacher täglich 81000 Paar Schuhe.

Ihre tägliche Durchschnittserzeugung ist elf fertige Schuhe pro Mann.

In diesem Tale glaubt man daran, daß das Spiel der Sonnenschein des Lebens ist und daß jeder es so sehr braucht wie Nahrung.

Man glaubt dort an Lachen, Liebe und Lebensfreude gerade so sehr wie an Maschinen, Kohle, Organisation.

Sie werden erraten, daß in diesem Tale ein Mann lebt, der diese Erfolge begründet hat. Sein Name ist George F. Johnson, aber jedermann nennt ihn »George F.«.

Er lebt in einem netten Hause in der Nähe des Parks. Er ist immer sichtbar. Er lebt, bewegt sich und hat sein Dasein inmitten seiner Leute.

Jeder Arbeiter kann ihn in seinem Bureau sprechen. Ist er nicht in seinem Bureau, so kann man ihn auf der Rennbahn, im Tanzpavillon oder bei einem Ballspiel antreffen.

Für gewöhnlich ist er umgeben von einer Schar von Kindern oder von einer Arbeitermenge. Ununterbrochen fragen die Leute ihn um Rat in allen erdenklichen Angelegenheiten. »Er ist der Papa unserer Familie,« sagen sie.

Jedes Kind auf der Straße nennt ihn »George F.«. Denkt daran und erschauert, ihr steifgeborenen Direktoren mit den versteinerten Gesichtern! Hier ist ein Mann, der 28000000 Pfund Sterling im Jahr umsetzt, und der Zeit hat, Drachen steigen zu lassen und Puppen zu flicken.

Am letzten Maitage hatten die Arbeiter seines Tales eine große Parade von 20000 Mann, und wer glauben Sie, führte sie? George F. Er ging an der Spitze seiner Leute, wie jedermann es von ihm erwartete.

»Sie wissen, ich liebe alle diese Leute«, sagte er zu einem Freund, als sie zusammen auf der Tribüne saßen und auf das nächste Pferderennen warteten. »Und ich hoffe,« fügte er hinzu, »daß einige von ihnen auch mich lieben.«

Er ist kein Philantrop, dieser George F., weder ist er ein Genie noch ein Übermensch. Er ist nichts weiter als

ein großer, einsichtsvoller, gutherziger Mann,

der es liebt, inmitten geschäftiger, frohsinniger Menschen zu leben.

In diesem Tal gibt es keine Verdächtigung und keinen Snobismus. Es gibt dort kein »Klassenbewußtsein«, weil es keine Klassen gibt. Jeder Arbeiter hat die Möglichkeit, Teilhaber zu sein, und jeder Kapitalist arbeitet.

Die sämtlichen 15000 Arbeiter von George F. abwärts bis zu dem kleinsten Jungen in der Gerberei gehören alle den »E.-J. Workers«, der dortigen Gewerkschaft an.

Alles geschieht offen. Jedermann kann seine Meinung äußern. Es gibt keine Maßregelungen. Alle Arbeiter scheinen zu fühlen, daß die ganze Anlage ihnen gehört.

George F. Johnson ist jetzt über 70 Jahre alt. Er ist der erfolgreichste unter allen Schuhfabrikanten, aber vor 35 Jahren war er noch nichts als ein Vorarbeiter in einer kleinen Schuhfabrik, die zusammengebrochen war. Damals erzielt er weniger als 20 Dollar wöchentlichen Lohn.

Der Hauptgläubiger dieser kleinen bankrotten Fabrik war ein Finanzmann namens Endicott, der in Boston lebte. Er kam nachzusehen, was man tun könne. Er lernte dort F. Johnson kennen, und Johnsons Vernunft und Ernst machten ihm einen tiefen Eindruck.

»Ich habe kein Geld,« sagte Johnson, »aber ich kann aus dieser Fabrik einen Erfolg machen. Mir liegt nichts an einem Gehalt, aber wenn Sie mir den halben Anteil an der Fabrik für 150000 Dollar verkaufen wollen, will ich Ihnen meinen Wechsel dafür geben.«

Das war ein erstaunlicher Vorschlag. Er war absurd und riskant, aber Endicott war ein weiser Mann, und er stimmte zu. Er wettete 150000 Dollar auf Johnson.

Die kleine Fabrik machte ihre Fortschritte in Riesensprüngen. Sie wuchs, bis Johnson sich als Vater einer Familie von 15000 fand.

Die Arbeiter seiner Fabrik leben jetzt in zwei Städten, die gänzlich ihnen gehören und die sie »Endicott« und »Johnson« genannt haben.

Sie sind nicht Angestellte im gewöhnlichen Sinne. Sie sind Teilhaber.

Gerade so wie Endicott Johnson zu seinem Teilhaber machte, ohne von ihm Bezahlung für seine Aktien zu verlangen, so hat Johnson aus seinen Arbeitern Teilhaber gemacht.

Vier Fünftel von ihnen arbeiten im Akkord und alle nehmen an dem Nutzen teil, sobald sie ein Jahr lang in der Fabrik tätig gewesen sind.

Alljährlich werden auf die Vorzugsaktien sieben Prozent und auf die Stammaktien zehn Prozent Dividende gezahlt; der gesamte dann noch verbleibende Nutzen wird zu gleichen Teilen zwischen den Arbeitern und den Inhabern der Stammaktien geteilt.