Chapter 7 of 8 · 3948 words · ~20 min read

Part 7

Die Gesellschaft beschließt jedes Jahr, ob der Nutzen in Geld oder in Stammaktien auszuzahlen ist. Für gewöhnlich beträgt der Nutzanteil der Arbeiter 50 Prozent ihres gesamten Lohnes.

Der Hauptunterschied zwischen dieser Endicott-Johnson-Gesellschaft und anderen guten Firmen scheint zu sein, daß die Arbeiter auch ihrerseits volle Leistung geben. Sie geben ebenso wie sie bekommen.

So hat zum Beispiel vor kurzem George F. Johnson die beiden Städte mit einem prachtvollen Denkmal beschenkt, das der Bildhauer Moretti zur Erinnerung an die 1692 Angestellten des Werkes ausgeführt hat, die in dem großen Kriege gekämpft hatten.

Dann wiederum beschenkten die Arbeiter ihrerseits Johnson mit einem schönen Marmorportal. Die gesamten Kosten dieses Bauwerkes trugen die Arbeiter.

Oft hält George F., der Vater dieser beiden Städte, Ansprachen an seine Leute -- klare, einfache Ansprachen von eindringlicher Wirkung. So sagte er unter anderem:

»Wenn Sie Besseres leisten, gehört der Nutzen in dieser Gesellschaft Ihnen. Niemand steht da und wartet darauf, ihn Ihnen wegzunehmen.«

»Jeder von uns auf dieser Welt braucht jemand, der uns veranlaßt, unser Bestes zu tun.«

»Wir können unsere Erzeugungskosten herabsetzen, ohne unsere Löhne zu vermindern,

wenn wir alle zusammenwirken wollen, um die Nichtproduzierenden auszuscheiden, die Bremser und die Schmarotzer.«

»Ich bitte euch nicht, irgend etwas für mich zu tun. Ich bitte euch nur, euer Bestes für euch zu tun. Und das Beste, das ihr heute tun könnt, ist noch nicht das Beste, das ihr morgen tun könnt.«

»In diesem demokratischen Geschäft müssen wir uns alle selbst fragen: Wieviel Arbeiter haben wir angestellt, die wir entbehren könnten? Wie viele sind nur eine Belastung und eine Ausgabe für uns?«

»Seid keine Bürde! Schafft keine Hindernisse! Faßt euer Ruder und zieht fest an. Seid der Mühe wert! Tut euer Bestes! Gebt dem alten Geschäft seine Chancen!«

Thomas A. Edison.

Edison ist jetzt bald 80 Jahre alt. Er wurde in Ohio von englisch-holländischen Eltern geboren. Sein Vater war ein Landwirt und Getreidehändler ohne besondere Erfolge.

Mit acht Jahren wurde Edison zur Schule geschickt. Drei Monate später schickte ihn der Lehrer mit der Bemerkung nach Hause, daß er zu dumm sei, um unterrichtet zu werden. (Was für ein Narr war dieser Lehrer.)

Edison hatte niemals mehr Schulunterricht. Seine Mutter, eine kluge und gute Frau, unterrichtete ihn selbst.

Er war immer ein eigentümlicher Junge. Mit sechs Jahren fand man ihn einmal auf Gänseeiern sitzen, die er auszubrüten versuchte.

Bei einem anderen Anlaß machte er ein großes Experiment in der Scheune und steckte sie in Brand, wofür er eine gute Tracht Prügel erhielt.

Von Anfang an hatte er eine Neigung für Chemie. In seinem räumlichen Hause richtete er sich ein Laboratorium mit 200 Flaschen ein. Er versah jede einzelne davon mit der Aufschrift »Gift«, damit niemand sie berühren sollte.

Mit 14 Jahren wurde er Zeitungsjunge und verkaufte Magazine und Zeitungen auf Eisenbahnzügen.

Er hatte auf dem Zuge ein kleines Laboratorium. Schließlich steckte er damit den Zug in Brand, und der Schaffner warf ihn hinaus und ließ seine Flaschen folgen. Auch gab er dem Jungen eine so mächtige Ohrfeige, daß er seit damals taub wurde.

Mit 16 Jahren wurde er in Kanada Telegraphenbote. Er verlor aber seine Anstellung, weil er eine arbeitsparende Erfindung machte -- sein Vorgesetzter sagte, er wäre faul. Aus ähnlichen Gründen verlor er später noch drei weitere Anstellungen.

Mit 23 Jahren wanderte er nach Neuyork. Dort kam er ohne einen Heller an. Er erhielt eine Stellung in dem Bureau einer Börsentelegraphenfirma mit 300 Dollar monatlich. Das war seine erste Chance. Er erhielt dieses hohe Gehalt, weil er es zustandegebracht hatte, eine wertvolle Maschine zu reparieren, die in Unordnung geraten war.

Im nächsten Jahre erfand er einen Telegraphenapparat, den er der Western Union Telegraphen-Gesellschaft für 40000 Dollar verkaufte. Er hätte auch ganz gerne 400000 Dollar dafür genommen, da er von dem Wert seiner Erfindung zu jener Zeit keine Ahnung hatte.

Er benutzte diese 40000 Dollar, um eine Maschinenwerkstatt zu eröffnen. Im Jahre 1873 kam er das erstemal nach England und verkaufte einige seiner Erfindungen.

Eine englische Firma machte ihm ein Angebot von »dreißigtausend« für eines seiner Patente. Edison dachte, es bedeutete 30000 Dollar -- er sagte: »Ja.« Zu seiner Überraschung erhielt er 30000 Pfund -- fünfmal so viel. Seit jener Zeit hat Edison ein warmes Gefühl für England.

Edison ist der fruchtbarste Erfinder der Welt. Er hat über 1000 Patente erworben. 45 Jahre lang ist er ein berufsmäßiger Erfinder. Er ist der ausdauerndste aller Experimentierer. Er arbeitete schwerer und schläft weniger als irgendein anderer Mensch. Es liegt ihm nichts am Geld. Er raucht und kaut Tabak.

Er haßt neue Kleider. Seit 30 Jahren ist ihm nicht für einen neuen Anzug Maß genommen worden. Vor 30 Jahren hat ihm irgendein gewisser Schneider Maß genommen und seither geht er immer wieder zu diesem und sagt: »Ich möchte einen anderen Anzug von dem gleichen Stoff.«

Er hat viele Mißerfolge und einige wunderbare Erfolge aufzuweisen. Einmal wendete er zwei Jahre und 2000000 Dollar an eine Erfindung, die sich als ziemlich wertlos herausstellte.

Er macht sich nichts aus Ehren. Eine englische Universität bot ihm ein Ehrendoktorat -- er hat sich niemals die Mühe genommen, hinzukommen, um es in Empfang zu nehmen. Vor einiger Zeit wurde ihm in Neuyork eine Goldene Medaille verliehen. Er verlor sie unterwegs auf dem Fährboot. »Was liegt daran«, sagte er zu seiner Frau. »Ich habe mindestens zwei Liter solcher Medaillen in meinem Zimmer.«

Als er das letztemal in Frankreich war, erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Er nahm das Kreuz an, aber als man ihm auch die Schärpe anlegen wollte, zog er sich zurück und ließ es nicht zu. Nach seiner Denkungsart ist eine Schärpe an einem Mann ungefähr so töricht wie ein Band an einem Frosch.

Seine Erfindungen haben viel zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Welt beigetragen. Tatsächlich war sein ganzes Leben sozialer Dienstleistung gewidmet.

Sein intimster Freund ist vielleicht Henry Ford -- ein anderer Erfinder von gleichem Typus. Diese beiden Männer gehen gemeinsam mit John Burroughs, dem führenden Naturforscher Amerikas, jeden Winter auf eine Pflanzung nach Florida.

Edison hat niemals einen unbeschäftigten Augenblick. Selbst wenn er spielt, erfindet er. Ich habe ihn bei verschiedenen Gelegenheiten in seinem langen schmalen Laboratorium in Neujersey beobachtet, wie er grübelte und grübelte und grübelte, immer in irgendein schweres Problem vertieft.

Edison glaubt selten etwas, bevor er den Beweis dafür hat. Er hat eine Fülle von Zweifeln in Bezug auf die Meinungen und die Praktiken der Menschen auf Lager.

In seiner Bibliothek hat er mehr als zehntausend Bücher, meist wissenschaftliche Gegenstände. Aber Edison glaubt selten irgendeine Feststellung in irgendeinem dieser Bücher, bevor er sie selbst ausprobiert und bewiesen hat.

Bei seiner Arbeit nimmt er ein Buch lediglich als Ausgangspunkt, um anzufangen. Es bedeutet keineswegs einen Abschluß.

Sein ganzes Leben hat er damit zugebracht, jenes Niemands-Land zu erforschen, das außerhalb der Bücher besteht.

Edison ist zuerst und vor allem ein harter Arbeiter. Er verabscheut Faulheit als die schlimmste von allen Krankheiten. Er wird unter Umständen einen dummen Menschen beschäftigen, aber niemals einen faulen.

Edison nimmt nichts als vorausgesetzt an. Er hat eine Abneigung gegen Menschen, die sprunghaft und oberflächlich sind. In jeder Sache gräbt er bis an die Wurzeln. Er hat sein ganzes Leben damit zugebracht, das Warum herauszufinden.

Lord Rhondda.

Dies ist die Geschichte des Mannes, der, ohne ein Redner zu sein, sein Leben lang der »ungekrönte König von Wales« war -- D. A. Thomas, der in den letzten beiden Jahren seines Lebens als Lord Rhondda bekannt war.

»D. A.«, wie seine Freunde ihn nannten, war der größte Geschäftsschöpfer, den Wales jemals hervorgebracht hat.

Er war der Schöpfer der »Cambrian Coal Combine« -- einer Gartenstadt von 12000 gutbezahlten Bergleuten. Er gründete mehr als 30 Gesellschaften, und was immer er anfaßte, wurde ein Erfolg.

Als er im Jahre 1918 starb, betrug sein Vermögen gegen 685000 Pfund -- aber er hätte leicht doppelt so viel haben können. Er war immer mehr darauf bedacht, ein Geschäft aufzubauen, als seinen Anteil an dessen Nutzen hereinzubekommen.

D. A. Thomas war ein kaufmännischer Abenteurer von der Art, die das britische Weltreich aufgebaut hat. Er war mehr als das -- er war ein unabhängiger Denker.

Er war so unabhängig, daß er noch nicht seinem vollen Werte nach gewürdigt worden ist, wie Sie beim Lesen der folgenden kurzen Skizze seiner Laufbahn sehen werden.

Er wurde vor 70 Jahren in einem kleinen Dorfe in Wales, dessen Namen ich nicht buchstabieren kann, geboren. Sein Vater war ein Krämer, der ein Kohlengeschäft angefangen hatte und dies sehr bedauerte.

Man erzählt, daß sein Vater vor seinem Kohlenlager stand und sich von seinen Verlusten sehr bedrückt fühlte, als ein Nachbar mit der Nachricht zu ihm kam: »Es ist ein Junge.«

»Gut«, sagte der Vater. »Ich weiß zwar nicht, was aus ihm werden soll. Für uns gibt es nur noch das Armenhaus.«

Der junge D. A. war anfangs ein zarter Knabe, aber er trainierte sich zu einem Athleten. Er wurde ein guter Geher, Schwimmer und Radfahrer. Er war auch ein geschickter Boxer, und ungeachtet seiner Kurzsichtigkeit wurde er Mittelgewichts-Champion von Cambridge.

Er war immer mutig. Als junger Bursche gewann er die Medaille der »Royal Humane Society« für eine Lebensrettung. Er sprang in einen eisigen See und zog einen Mann aus dem Wasser.

Als er 21 Jahre alt war, starb sein Vater, und er begann ein selbständiges Geschäft. Mit 26 Jahren heiratete er Sybill Haig, die Tochter eines Kohlenbergwerksbesitzers. Sie hatten ein Kind, die gegenwärtige Viscountesse Rhondda, die jetzt die weitausgedehnten Interessen ihres Vaters verwaltet.

D. A. beschäftigte sich mit Politik nicht weniger als mit dem Geschäft. Aber als Politiker hatte er keinen Erfolg, oder besser gesagt, er war nicht der Mann, sich in den schlüpfrigen Winkelzügen des Parlaments zurecht zu finden.

Er war ein Liberaler, aber er ließ sich durch keine Führung beeinflussen. Er war kein angestelltes Parlamentsmitglied mit dem Namen seines Meisters auf seinem Halsband.

Er war unabhängig. Das ist das Wort, das in diesen Tagen der Maschinenmenschen besonders betont werden muß.

Die kunstreichen Ränkemacher der Politik fürchteten und haßten ihn. Er war zu tüchtig -- zu ehrenhaft -- zu furchtlos, um ein Mitglied der Mitglieder zu werden.

Wie Leverhulme wurde er von den Kabinettsmachern vollkommen vernachlässigt. Es ist eine auffallende Tatsache, daß D. A. Thomas 25 Jahre lang dem Parlament angehört hat und niemals ein wichtiges Amt bekleidet hat.

Im Jahre 1910 gab er die Politik auf. Es wurde ihm klar, daß er vollständig ungeeignet war, das Spiel der Politik mitzumachen. Er war kein guter Redner. Seine Stimme war schwach, und er hatte nie daran gedacht, sie auszubilden. Er hatte eher eine Verachtung für fließendes Reden: in einem Lande, das stets von redegewandten Leuten regiert worden war, entschieden ein Fehler!

Stets zog er das Geschäft der Politik vor. Das Geschäft war sein Leben. Er liebte seine Aufregungen und seine Nützlichkeit. Immerwährend las er Bücher über Geschäft.

Er war kein Zuschauer. Er war voll Energie -- durchaus Tatmensch. Er liebte seinen großen Schreibtisch in seinem großen Bureau in dem Cambrian-Gebäude in Cardiff.

Er hatte einen stahlharten Willen, aber er war weder grob noch laut. Er war ein ruhiger, zäher, schlauer Mann, der alles vorauszusehen schien.

Er hatte auch Streiks, natürlich. Niemand kann die Bergleute von Süd-Wales beschäftigen, ohne Streiks zu haben. Aber selbst die Streikleiter achteten D. A. und sympathisierten mit ihm, wenn die Schlacht einmal vorüber war.

Sein ganzes Leben lang war er ein Gegner der Staatskontrolle. Sein einziger Fehler in dieser Hinsicht war sein Vorschlag, ein Gesundheitsamt zu errichten. Er widersprach der Staatsidee amtlich fixierter Löhne, ohne Rücksicht auf seine persönlichen Vor- oder Nachteile.

Er hatte eine Menge Feinde -- Leute, die versucht hatten, ihn zu narren, ihn zu betrügen oder ihn zu bedrohen. »Kein Mann ist sein Salz wert,« sagte er, »der keine Feinde hat.«

Er verachtete langsame, verschlagene und unverläßliche Leute. Er war kein Idealist. Er wußte, was Menschennatur ist. Aber er war durchaus für ein faires Spiel und Festhalten an seinen Regeln.

Als er reich wurde, verdarb ihn sein Geld nicht. Er wurde niemals ein Nabob. Er war immer gesellig. Er liebte die Arbeiter und zog jederzeit ein Kohlenbergwerk dem Hause der Lords vor.

Er liebte die Landwirtschaft, aber er konnte sie nie einträglich gestalten. Wer kann es? Er hatte eine große Herde von Hereford-Schafen und einen großen Landsitz in Monmouthshire.

Während des Krieges legte er alle Privatangelegenheiten beiseite und stellte seine volle Energie der Regierung zur Verfügung.

Er und seine Tochter waren an Bord der »Lusitania« bei ihrem Untergang, wurden aber aufgefischt und gerettet. Kaum in England angelangt, wurde er ersucht, wieder den Ozean zu kreuzen -- und er tat es. Er war ein Mann ohne Furcht.

Als Nahrungsmittelkontrolleur hatte er mehr Erfolg als irgendein anderer Träger dieses Amtes in irgendeinem andern Land. Jedermann fühlte, daß er vollkommen gewissenhaft vorging und daß, was immer er tat, das Rechte war.

Schließlich, im Jahre 1918, wurde er von seiner Bürde erdrückt. Er starb -- 20 Jahre zu früh. Er gab sein Leben für sein Land, so gut wie irgendein Kämpfer.

Er war ein charakteristischer britischer Geschäftsmann vom vornehmsten Typ. Er liebte Wales, seine Bergleute und das ganze Land. Seinen Adelstitel nahm er von dem Rhonddatal, wo seine Bergleute lebten. Und er überschüttete Cardiff mit Geschenken.

Sir Swire Smith.

Vor ungefähr zehn Jahren gab es in der Stadt Keighley in Yorkshire ein bemerkenswertes Begräbnis. Mehr als 700 Trauergäste schritten hinter einer Bahre einher, während Tausende die Straßen säumten.

Der beste Maßstab, um den Erfolg eines Menschen im Leben zu beurteilen, ist die Größe seines Begräbnisses. Es ist eine endgültige Demonstration seiner Fähigkeit, Freunde zu gewinnen.

Demgemäß war Sir Swire Smith erfolgreich. Er hatte 76 Jahre menschlicher Zeitrechnung gelebt -- in der Wertung seines Lebens war er einer der Höchststehenden seiner Generation.

Sir Swire Smith war ein Meisterspinner. Er war auch ein Sportsmann -- ein Witzbold -- ein Sänger -- ein Weltreisender -- ein Erzieher -- ein guter Kamerad -- ein Pionier.

Er war der »Peter Pan« von Yorkshire. Mit 76 Jahren war er jünger, als die meisten Menschen mit 30.

Er war im Jahre 1842 in einem kleinen Häuschen von Keighley geboren. Sein Vater hatte ein kleines Maschinengeschäft. Auch war er Methodist, und der junge Swire wurde nach den strengen Regeln von John Wesley erzogen.

Er war ein lustiger Junge mit blauen Augen und gelocktem Haar. Wie alle normalen Jungen, war er voll Übermut. Mit 16 Jahren begann er in einer Spinnerei zu arbeiten.

Mit 20 Jahren fing er seine eigene Wollspinnerei mit einem Kapital von 360 Pfund Sterling an. Er hatte keinen besonderen Erfolg, weil er zu keiner Zeit sehr eifrig auf Gelderwerb bedacht war. Das Wollgeschäft war matt und unbeständig und voll Unsicherheit.

Swire Smith fand sich selbst nicht früher, als in seinem 25. Jahr. Um diese Zeit hörte er eine Vorlesung von Samuel Smiles, dem Verfasser von »Hilf dir selbst«.

Damals bereiste Samuel Smiles England und Schottland nach allen Richtungen, schrieb und sprach über wirksamen Betrieb und die Notwendigkeit technischer Ausbildung. Er war ein Rufer in der Wüste. Er zeigte Britannien, daß Deutschland und Amerika im Begriff seien, vorzustoßen.

Diese Warnungen entflammten Swire Smith. Er wurde sofort Sekretär des »Mechanics Institute«.

Zu jener Zeit lebten in Keighley nur gegen 20000 Menschen, und die wenigsten von ihnen kümmerten sich auch nur im mindesten um technische Erziehung -- aber der junge Swire ließ nicht nach. Er brachte 11000 Pfund Sterling für eine technische Schule auf, die im Jahre 1870 eröffnet wurde. Ihr Zweck war, die Prinzipien von Wissenschaft und Kunst auf die Betätigung in Handel und Wandel anzuwenden. Keighley wies den Weg, aber England folgte nicht. Hätte es gefolgt, es wäre heute in einer viel glücklicheren Lage.

Die kleine Schule von Keighley brachte Northrop, den Erfinder des automatischen Webstuhls hervor. Aus ihr kam W. H. Watkimson, der die »Husch-Husch-Boote« erfand, und Alfred Fogler von dem Kgl. Kollegium der Wissenschaften.

Sie brachte Leben in das Parlament, und das Ergebnis war das Gesetz vom Jahre 1889 über technische Ausbildung. Dieses Gesetz gab ähnlichen Schulen Millionen Pfund Sterling. Zu dieser Zeit führte die Keighley-Schule mit 1400 Schülern.

Die Vereinigten Staaten folgten ebenso dem Beispiel von Keighley wie England. Andrew Carnegie, ein lebenslanger Freund von Swire Smith, besuchte Keighley, sah die Schule und gründete sofort nach seiner Rückkehr nach Pittsburgh die größte technische Schule Amerikas.

Wie Sie sehen, entsprang alles dieses dem Enthusiasmus eines jungen 24jährigen Mannes, der eine Vorlesung von Samuel Smiles über wirksamen Betrieb gehört hatte.

Mit 39 Jahren überredete Swire Smith die Regierung, eine königliche Kommission für technische Erziehung zu ernennen. Er und sechs andere wurden ihre Mitglieder.

Diese Kommission ging nach Deutschland und entdeckte viele überraschende Tatsachen: sie fand 8000 Schüler in den Gewerbeschulen von Hamburg; sie fand, daß die Technische Hochschule von Stuttgart, einer keineswegs sehr großen Stadt, mehr Studenten hatte als Liverpool.

Sie ging nach Frankreich, der Schweiz, Amerika und Kanada, und ihr Bericht brachte Fortschritt und Bewegung in die meisten britischen Industrien. Wie die Regierung zugab, war dieser Bericht zum größten Teil aus den Notizen von Sir Swire Smith zusammengestellt worden.

Als Arbeitgeber gab Sir Swire Smith ein gutes Beispiel. Sein Plan war, »die besten Leistungen durch Zahlung der höchsten Löhne« zu erzielen. Er begann die Ausbildung seiner Angestellten in seiner eigenen Spinnerei und zahlte die halben Kosten einer besseren technischen Schulung für jeden Arbeiter, der sie wünschte.

Wenn er zu Hause war, ging er täglich zweimal durch seine Werke. Er kannte alle seine Arbeiter bei Namen und frühstückte zusammen mit ihnen in der Kantine.

Einmal war er entzückt, als ein kleiner Junge auf der Straße einmal zu einem anderen sagte: »Sieh mal, der Mann arbeitet in unserer Spinnerei.«

Swire Smith war ein Anhänger des Grundsatzes: »Vergnügen und 40 Prozent«, aber er schätzte das Vergnügen höher als die vierzig. Sein Glaubensbekenntnis war: »Wenn dein Geschäft deine Lebensfreude beeinträchtigt, dann gib lieber dein Geschäft auf.«

Sein größter Fehler vom finanziellen Standpunkt war, daß er seine Ersparnisse vollständig in Florida und in Texas anlegte. Hätte er sie in Keighley angelegt, so wäre er aller Wahrscheinlichkeit nach ein Millionär geworden. Im ganzen verlor er gegen 60000 Pfund Sterling dadurch, daß er sie in den Wildnissen der Vereinigten Staaten anlegte.

Im Anekdotenerzählen hatte er kaum seinesgleichen. Wo immer er war, gab es Gelächter. Sein Anekdotenschatz war unerschöpflich.

Er hatte eine sehr schöne Baritonstimme und war immer bereit, eine alte Ballade oder eine Stelle aus einer Oper zu singen.

Als Sprecher war er lebhaft, unterhaltend und praktisch. Er war nicht im geringsten steifleinen. Ehrungen machten ihm keinen Eindruck. Bis an seines Lebens Ende blieb er ein Junge -- kurz vor seinem Tode lernte er noch einen neuen Tanz und schrieb ein paar Kindern lustige Briefe.

Er blieb unverheiratet, obwohl er sehr oft verliebt war. Er war niemals einsam. Die Welt war seine Familie. Keighley sollte ihm ein vornehmes Denkmal setzen.

Henry Ford.

Hören Sie die staunenerregende Geschichte von Henry Ford, der jetzt für nahezu das ganze Menschengeschlecht Motore und Traktoren baut.

Urteilt man nach Ergebnissen, so ist Henry Ford der erfolgreichste Fabrikant der Welt.

Er zahlt die höchsten Löhne.

Er macht die höchsten Profite.

Er verkauft zu den billigsten Preisen.

Henry Ford ist die lebendige Antwort auf die törichte Theorie, ein Kapitalist könne nur dadurch Geld verdienen, daß er seine Angestellten oder das Publikum beraubt.

Henry Ford beraubt niemanden, er ist kein Ausbeuter des Proletariats.

Er ist ein Millionär -- und jeder Pfennig seines Geldes ist rein.

Seine beispiellosen Profite sind nur ein Teil dessen, was er der Öffentlichkeit erspart. Und er zahlt seinen Arbeitern weit mehr, als sie selbständig verdienen können.

Henry Ford ist ein Kapitalist und er zeigt allen Kapitalisten einen besseren Weg zum Reichtum.

Er hat sich seinen eigenen Erfolg geschaffen -- er, zusammen mit seinen Leuten. Er hat keinen Titel. Er würde niemals einen annehmen. Er ist nicht einmal ein »Herr«. Seine Freunde nennen ihn kurzweg Henry.

Er ist 64 Jahre alt. Er wurde auf einer kleinen Farm in der Nähe von Detroit geboren. Sein Vater war ein irischer Auswanderer.

In der Schule war Henry Ford ein »Dummkopf«, der Lehrer konnte wenig mit ihm anfangen.

Henry hatte mit 15 Jahren die Schule satt, lief davon und fand eine Stellung in einer Maschinenwerkstatt. Er begann mit 10 Schilling die Woche -- heute verdient er 28 Schilling die Sekunde.

Einige Jahre später starb sein Vater und er mußte nach Hause, um die Farm zu verwalten. Doch als Farmer blieb er erfolglos.

Das beste, was er tat, während er auf der Farm lebte, war seine Heirat mit der Tochter eines Nachbarn.

Eines Abends, bei der Lektüre einer Farmerzeitung, sah er das Bild eines neuen pferdlosen Wagens, den ein Franzose erfunden hatte.

Er war fasziniert. Das Bild packte ihn und änderte völlig die Richtung seines Lebens.

Er vernachlässigte seine Farm und begann in seiner Scheune einen pferdlosen Wagen zu bauen. Er spannte eine alte Maschine vor einen alten Jagdwagen -- die ganze Umgebung machte sich über ihn lustig.

In den Armenhäusern Amerikas leben heute verschiedene alte Männer und Frauen, die vor 25 Jahren sich herrlich damit amüsierten, Henry Ford auszulachen.

Gegen den Rat aller verließ er plötzlich die Farm und ging nach Detroit. Er bekam eine Anstellung als Mechaniker mit 30 Pfund monatlich und arbeitete nachts an seinem pferdlosen Wagen.

Er baute einen, der einen Zylinder hatte -- ein verschrobenes, schnaufendes, lächerliches Ding. Aber es bewegte sich.

Acht lange Jahre besserte er an diesem absurden Motor herum. Endlich ging er -- so gut, daß Henry damit ein Rennen gewann.

Mit einem Schlag wurde er und sein Motor berühmt. Er gewann weitere Rennen. Er schlug sogar Barmey Goldfield, den besten Rennfahrer in jenen Tagen. Er schlug Goldfield in einem Dreimeilen-Rennen.

Einige Freunde liehen ihm 3000 Pfund, mit denen er eine kleine Motorenfabrik begann. Er verschaffte sich die besten Betriebsleiter. Er zahlte sie gut und sie organisierten ihm ein riesiges Geschäft.

Er ist ein schlanker, athletischer, sonnverbrannter Mann von einfachstem Geschmack. Macht und Reichtum haben ihn nicht verdorben. Als ich ihn das letztemal in seiner Detroiter Fabrik sah, zeigte er einem Telephonmädchen, wie sie ihr Schaltbrett zu bedienen habe.

Er ist kein Geschäftsmann im gewöhnlichen Sinne. Er ist ein Mechaniker -- ein Erfinder. Er begründete seinen Erfolg durch die richtige Schätzung des Prinzipes der Standardisation.

Henry Ford weiß, wie man es macht.

Er hat die Probleme seines Geschäftes gelöst. Er hat uns den einen richtigen Weg gezeigt, Menschen zu behandeln, Güter zu erzeugen und Profite zu machen, ohne sich Feinde zu machen. Hätten wir 1000 Fords, wir würden hohe Löhne, hohe Profite, niedrigere Preise und keine Arbeiterunruhen haben. Wir würden Frieden und Wohlfahrt haben.

Nehmen Sie beispielsweise Fords Methoden als Arbeitgeber. In dieser Hinsicht ist er ganz eigenartig. Er ist einen vollkommen ungewöhnlichen Weg gegangen und hat damit einen großen Erfolg erzielt.

Tatsächlich scheint Henry Ford sich weit mehr als Arbeiterführer denn als Arbeitgeber zu betrachten.

Er gibt seinen Leuten mehr als sie verlangen.

Er gibt ihnen bessere Arbeitsbedingungen, als sie jemals sich träumen konnten.

Er beobachtet und beschützt sie. Er hat aus seinen 55000 Leuten die bestbezahlte und zufriedenste Arbeiterarmee gemacht, die die Welt je gesehen hat.

Kein Arbeiterführer hat für die Arbeiter so viel getan, wie Henry Ford.

Im Jahre 1914 waren seine Arbeiter vollständig zufrieden, aber plötzlich verdoppelte er ihre Löhne. Als Ergebnis machte er im Jahre 1915 einen größeren Reingewinn, als je zuvor.

Er schützt seine Arbeiter gegen jede Ungerechtigkeit. Er hat 2000 Werkführer, und nicht einer von ihnen darf einen Arbeiter entlassen.

Im Jahre 1919 wurden von 50000 Arbeitern nur 118 entlassen.

Ein eigener Stab von dreißig Leuten untersucht alle Schwierigkeiten zwischen den Werkführern und den Arbeitern. Hat ein Werkführer häufige Konflikte mit seinen Leuten, so wird er sehr bald in das Direktionsbureau berufen und darüber aufgeklärt, daß seine Methoden falsch sind.

Ford hat nichts gegen die Gewerkschaften, aber er macht es in jeder Beziehung besser als sie. Er betrachtet das Gewerkschaftswesen als einen notwendigen Schutz gegen törichte oder ihre Leute schindende Arbeitgeber, aber er ist weder töricht noch ein Leuteschinder.