Chapter 4 of 8 · 3994 words · ~20 min read

Part 4

Solches geschah ihm in London im Jahre 1896. Es war eins der widerwärtigsten Ereignisse, die sich je in einem Londoner Gerichtshof vollzogen haben -- und das will viel sagen.

Die Richter, die Jameson dem Kerker überlieferten, waren Lord Russel, Baron Pollock und Richter Hawkins.

Im Gefängnis erkrankte er und wurde nach einigen Monaten von der Königin begnadigt.

Sobald er sich erholt hatte, eilte er zurück nach Südafrika, gerade rechtzeitig für den Burenkrieg. Wie gewöhnlich stürzte er sich in das dichteste Kampfesgewühl in Ladysmith.

1901 starb Rhodes, und Jameson sah es als seine Ehrenpflicht an, seine Stelle einzunehmen. So kam er wider Willen in die Politik. Nach drei Jahren wurde er Premierminister.

In seinen späteren Jahren ließ er vom Kampf ab und wurde ein Friedensstifter. Er befreundete sich sogar mit den Buren.

Er hatte zuletzt keine Feinde mehr.

Am Ende seines Lebens wurde er mit Ehren überschüttet. Er wurde geadelt und trat an die Spitze der Chartered Company.

Aber er war zu krank, um sich viel aus den Ehrungen zu machen.

Fast unerträgliche Schmerzen hatten ihn befallen. Als einer seiner Brüder von Hoffnung auf Gesundung sprach, lächelte Jameson in seiner vergnügten Weise und sagte: »Nein, Gottlob, es ist hoffnungslos.« Das waren seine letzten Worte. Er starb 1917 und liegt jetzt Seite an Seite mit Rhodes auf dem Gipfel eines Berges in Rhodesia.

John Wanamaker.

Jedes Land hat seine großen Kaufleute: Hoch über ihnen allen aber steht John Wanamaker, der 1922 im Alter von 84 Jahren gestorben ist.

John Wanamaker besaß das größte Warenhaus in Philadelphia und das größte Warenhaus in Neuyork. In London hatte er nur ein Einkaufsbureau.

Der Wert seiner drei Geschäftshäuser -- nur der Gebäude allein -- war 12500000 Dollar.

Seine Verkäufe betrugen bis zu 1250000 Dollar an einem Tage!

Und dennoch war er so einfach, emsig und freundlich, als wäre er nur ein Dorfschneider.

Er war ganz arm geboren. Sein Vater war Besitzer einer kleinen Ziegelei und einer großen Familie. John war das älteste von sieben Kindern.

Wanamaker war kein geborener Kaufmann. Weder sein Vater noch seine Mutter verstanden irgend etwas vom Ladengeschäft. Er fand keine Hilfe in ererbten Eigenschaften. Er war ein geborener Ziegelarbeiter, der sich selbst zum größten aller Kaufleute hinaufarbeitete.

Er hatte nur wenig Schulbildung. Mit 13 Jahren war er damit beschäftigt, Ziegel zu wenden und Schubkarren mit Lehm zu beladen. Seine zweite Stellung hatte er in einem Kleidergeschäft. Hier fand er die beiden besten Dinge, die ein Junge finden kann -- die richtige Beschäftigung und einen guten Chef.

Er war so flink -- so gefällig -- so begeistert für seine Beschäftigung, daß Kunden, die in das Geschäft kamen, gewöhnlich fragten: »Wo ist John?« Er packte seine Arbeit an, als ob sie ein großartiger Sport wäre.

»Der ehrgeizigste Junge, den ich je gesehen habe«, sagte sein Chef von John. »Er wird einmal ein großer Kaufmann werden; er organisiert immer irgend etwas.«

Mit 21 Jahren hatte er 2000 Dollar erspart. Er begann einen eigenen kleinen Laden zu betreiben -- 16 mal 80 Fuß groß. Am ersten Tage verkaufte er für etwas über 25 Dollar, und er nahm 25 Dollar davon und gab sie für Anzeigen aus. In ein paar Wochen hatte er bereits ein enormes Geschäft. Er saß nicht da und wartete, was kommen würde. Er inserierte.

Dann, mit 23 Jahren, machte er eine Erfahrung, die ihm die Augen öffnete und ihm zeigte, wie ein Laden sein müsse. Er wollte seiner Mutter eine goldene Brosche schenken. Er ging in einen Juwelierladen und wählte eine. Während der Juwelier sie einpackte, sah er im Schaufenster eine andere Brosche, die ihm besser gefiel.

»Ich glaube, ich möchte lieber diese da haben«, sagte er.

»Nein, das gibt es nicht«, schnauzte ihn der Juwelier an. »Jetzt ist es zu spät. Sie haben diese gekauft, und Sie müssen sie behalten.«

Als der junge Wanamaker das Juweliergeschäft verließ, kam ihm eine große Erleuchtung. In seiner Phantasie erblickte er ein großes Warenhaus, in dem Waren zurückgegeben und ausgetauscht werden konnten -- ein Warenhaus, das von Höflichkeit erfüllt war,

ein Warenhaus, das vom Gesichtspunkte des Kunden aus betrieben werden sollte.

Sie sehen, er schuf sich zuerst sein Ideal; dann ging er ans Werk und hielt aus, bis sein Ideal zur Tatsache wurde.

Sein Lebensweg wies eine ruhmreiche Fülle von Schwierigkeiten auf. Vor allem hatte er eine -- nach dem Ausspruch der Ärzte -- »unheilbare« Krankheit: Tuberkulose. Möglicherweise hat diese Krankheit sein Leben verkürzt, immerhin lebte er aber noch 62 Jahre, nachdem man sie herausgefunden. Zumindesten überlebte er alle seine Ärzte.

Zu jener Zeit, vor 60 Jahren, wurden Kaufmann und Kunde wie heute Kapital und Arbeit als natürliche Feinde betrachtet. Ein Laden war eine Art Festung, ein Platz, wo Käufer und Verkäufer um Preise kämpften. Es gab keine Verkaufskunst im modernen Sinn. Geschäft war Krieg.

John Wanamaker sah, daß das falsch und töricht war. Er beschloß, Geschäfte auf einer Friedensgrundlage zu machen. Er ging ans Werk, seinen Laden freundlich und ehrenhaft, gefällig und gesellig zu machen.

Zunächst begann er, in seinen Inseraten die Wahrheit zu sagen. Er bezeichnete Kragen als »halbleinen« und Unterzeug als »halbbaumwollen«. Er sagte die volle Wahrheit über seine goldenen Uhren und seine Silberwaren. Wenn er behauptete, daß ein Hut ein Pariser Hut sei, so war es ein Pariser Hut. Er klebte nicht richtige Etiketten auf falsche Ware.

Jede Wanamaker-Anzeige beruht auf persönlicher Prüfung der Waren. Schon diese Tatsache zeigt, welch ein »unpraktischer Träumer« er war.

Er befolgte stets drei Regeln, wenn er inserierte:

1. Nichts drucken zu lassen, was er nicht beweisen konnte.

2. Alles vom Standpunkt des Kunden aus zu betrachten.

3. Niemals Verkäufe auf Kosten der dauernden Freundschaft zu forcieren.

Wanamaker glaubte an die Wirkung großer Anzeigen. Er war der erste Kaufmann, der volle Seiten inserierte. Er verwendete einfache, klare Ausdrücke und große, gut lesbare Schrift. Nach seiner Meinung sollte eine Anzeige die Neuheiten seines Warenhauses zum Vorteil des Publikums enthalten.

Sein ganzes Leben lang dachte er stets über dieses Eine nach -- wie er sein Warenhaus für das Publikum behaglich gestalten könnte.

Er begründete das System der Einheitspreise.

Er stellte die törichte Gewohnheit ab, den nicht kaufenden Kunden als einen Eindringling anzusehen. Er gab den Leuten den freien Zutritt zu seinem Warenhaus ohne irgendwelchen Kaufzwang.

Er gestattete allen Kunden, ihr Geld zurückzuverlangen, wenn sie es sich anders überlegt hatten.

Er begann die Schulung seiner Angestellten, um sie alle zu geschickten und höflichen Verkäufern zu erziehen.

Niemand weiß, ob ein Wanamaker-Warenhaus ein Heim, eine Kunstgalerie, eine Kathedrale oder ein Boulevard ist. Es ist das alles ebensosehr wie ein Warenhaus.

In einem seiner Warenhäuser sind 600 Ölgemälde an den Wänden. Es hat einen großen Ehrenhof. Es enthält behagliche Ecken, Marmorpfeiler, Blumen, Teppiche und bunte Glasfenster.

Es gibt dort auch Musik. Um 9 Uhr früh wird in jedem Wanamaker-Warenhaus eine Fanfare geblasen. Dann erbraust eine Orgel und erfüllt das ganze große Gebäude mit rauschenden Melodien. Dieses Orgelkonzert dauert eine halbe Stunde. Manchmal finden sich dazu bis zu 25000 Zuhörer ein. So beginnt der Tag in einem Wanamaker-Warenhaus.

In Sachen der Ausbildung der Angestellten war John Wanamaker seiner Zeit und seinen Konkurrenten um mindestens 50 Jahre voraus.

Er hatte seine eigene »Handels-Universität« -- kein anderer Kaufmann der Welt ist je soweit gegangen.

Jeden Morgen finden Übungen für alle jungen Angestellten statt.

Ihr Körper wird flink und stark gemacht. Als Amerika in den Krieg eintrat, kamen die ersten 1500 Rekruten vollständig ausgebildet von den Wanamaker-Warenhäusern.

»Lerne, während du verdienst, damit du mehr verdienen kannst«,

das war Wanamakers Motto. Er richtete Schulen und Vorlesungen für alle erdenklichen Fächer ein. Auch gibt es da allerhand Klubs und Gesellschaften und auch -- etwas in Amerika durchaus Ungewöhnliches -- Pensionen für alte oder arbeitsunfähig gewordene Angestellte.

Was John Wanamaker selbst anbetrifft, so war er ein gütiger, christlicher Mann.

Er hatte keine Feinde, obwohl er sein Leben lang wegen seiner Ideale und seiner »törichten Neuerungen« verspottet wurde. Alles Kleinzeug, das sich mit rohen, schmierigen, kleinen Läden zufriedengibt, machte sich über ihn lustig. Mindestens die Hälfte aller Witze in den Vereinigten Staaten -- ich glaube es sagen zu dürfen -- befassen sich mit Wanamaker, Rockefeller oder Ford.

John Wanamaker war von großer Frömmigkeit. Manchmal kommt es mir vor, als ob er der letzte Christ gewesen wäre -- oder der erste.

Einmal wurde ein Mädchen, das beim Stehlen betroffen wurde, in sein Bureau gebracht. Sie war störrisch, sie weigerte sich, ihren Namen zu nennen. Ein Geistlicher war im Zimmer, und Wanamaker sagte: »Kommt, laßt uns alle drei niederknien und beten.« Sie taten es. Das Mädchen brach zusammen und gestand. Sie hatte weder Eltern noch Freunde. Wanamaker gab sie zu einer gütigen Familie in Pension und gab ihr eine Anstellung in seinem Laden. »Ich verdamme dich nicht; gehe hin und sündige nicht mehr.«

Ich kann für seine Freundlichkeit persönlich Zeugnis ablegen. Vor ungefähr 20 Jahren wollte ich einmal von ihm Informationen über einen bestimmten geschäftlichen Gegenstand. Ich fand seine Bureautür weit offen. Ich ging hinein und stellte meine Fragen. Er beantwortete sie vollständig; und dann -- in völlig unaufdringlicher Weise, fragte er mich, ob ich in die Kirche gehe und die Bibel studiere. In meinem ganzen Geschäftsleben ist er der einzige Mann, der je eine derartige Frage an mich gerichtet hat. Und so habe ich sie nicht vergessen.

So war John Wanamaker -- der Kaufmann über allen Kaufleuten. Er wurde, was er war, weil er den Wagemut hatte, ein guter Mensch zu sein.

Murdo Mackenzie.

So unglaublich diese Geschichte ist -- jedes Wort ist wahr. Es ist die Geschichte eines jungen Hochländers, der fünf Jahre umsonst arbeitete, um das Bankgeschäft und die Rechtswissenschaft zu lernen.

Nach dieser Vorbereitung ging er in das Geschäftsleben, und heute ist er

der bedeutendste Viehzüchter der Welt.

Er ist in Schottland, Südamerika und den Vereinigten Staaten wohlbekannt. Sein Name ist Murdo Mackenzie.

Mit über 75 Jahren ist er heute noch in voller Tätigkeit. Er verwaltet über fünf Millionen Hektar Land mit 500000 Stück Vieh.

Jahrelang war er der Präsident der Viehzüchterassoziation der Vereinigten Staaten. Er ist der Viehkönig von drei Ländern und begann sein Leben im schottischen Hochland als kleiner Junge auf einer kleinen Farm.

Sein Vater war ein Pächter von Sir Charles Roß in Baluagown.

In dem kleinen Häuschen, in dem er das Licht der Welt erblickte, gab es viele Bücher; und der Kleine war sehr auf das Lernen erpicht.

Er ging bis zu seinem 14. Lebensjahre in die Kirchenschule und hernach vier Jahre lang -- sieben Meilen täglich -- in eine höhere Schule.

Mit 18 Jahren trat er ohne Bezahlung in ein Anwaltbureau ein, um die Rechte zu lernen. Dann ging er ebenso unbezahlt drei Jahre lang in eine Bank, um das Bankgeschäft zu lernen.

Diese fünf unbezahlten Jahre nennt Mackenzie das Geheimnis seines Erfolges. Während dieser Zeit brachte er sich dadurch fort, daß er an den Abenden verschiedene Nebenbeschäftigungen betrieb.

Mit 23 Jahren wurde ihm eine Stelle als Hilfsverwalter der Roßschen Güter angeboten. Er nahm sie an. Das Gehalt war 100 Pfund Sterling jährlich.

Mit 26 Jahren heiratete er und blieb neun Jahre in Schottland. Mit 35 Jahren war sein Gehalt erst 250 Pfund Sterling im Jahr.

Das beweist, daß in Schottland viele Leute leben, die zehnmal soviel verdienen würden, wenn sie in einem anderen Lande lebten.

Mit 35 Jahren bot sich Mackenzie die erste Gelegenheit, etwas Großes zu leisten. Er wurde zum Verwalter einer großen Tierzuchtfarm in Texas ernannt.

Er fuhr hin und fand sich an der Spitze eines großen Gutes von 400000 Hektaren mit 70000 Stück Vieh.

Bald entdeckte er, daß Texas nicht Schottland ist. Banditen und Räuber hielten das Land in Schrecken. Das Gesetz galt nichts.

Man riet ihm, einen Revolver zu tragen, aber er lehnte ab. »Nein,« sagte er,

»Revolver sind für Feiglinge und Mörder, nicht für Ehrenmänner.«

Seine Freunde fürchteten, daß er getötet werden könnte; aber er lebt heute noch, und die Revolverleute sind tot. »Sie brachten sich gegenseitig um«, sagt Mackenzie.

Er ist ein riesiger Mann. »Ich bin eine zu große Zielscheibe,« meint er, »um mich auf Revolverkämpfe einzulassen. Niemand kann mich verfehlen.« Und doch hat er niemals Furcht gekannt.

Sehr bald wurde er der Führer aller Viehzüchter in den Vereinigten Staaten. Er wurde gewöhnlich gewählt, wenn es galt, sie in nationalen Angelegenheiten zu vertreten.

Einmal besuchte er den Präsidenten Roosevelt. Ich erinnere mich sehr deutlich daran, weil ich zu jener Zeit in Washington war.

Roosevelt hatte versprochen, Mackenzie 20 Minuten zu gewähren. Als Mackenzie hereinkam, wendete sich Roosevelt in seiner überlebhaften Weise an ihn und sprach ununterbrochen.

Nach 20 Minuten sagte Roosevelt: »Jetzt ist Ihre Zeit um. Adieu, Mackenzie!«

»Noch nicht, Herr Präsident«, sagte Mackenzie, indem er seinen gewaltigen Körper zwischen Roosevelt und die Tür stellte. »Ich bin nicht dreitausend Meilen gekommen, um in dieser Weise abgefertigt zu werden. Sie haben gesagt, Sie wollten mir zwanzig Minuten geben. Und bisher haben Sie allein geredet. Jetzt werden Sie Ihr Wort halten und hören, was ich zu sagen habe.«

Roosevelt setzte sich nieder. Er hatte seinen Meister gefunden. Er horchte 20 Minuten, während Mackenzie ihm die Beschwerden der Viehzüchter vorlegte. Die beiden Männer -- Roosevelt und Mackenzie -- wurden hierauf gute Freunde, und Roosevelt erwähnte Mackenzie in einem seiner Bücher. »Er glaubt daran,« schreibt Roosevelt, »daß man jedermann ehrenhaft behandeln müsse.«

Mit 61 Jahren übernahm Mackenzie eine noch viel bedeutendere Stellung. Er richtete eine Viehzuchtfarm von fünf Millionen Hektar in Brasilien ein.

Dieser kleine schottische Knabe, der täglich 14 Meilen wanderte, um zu lernen, der einzige Schotte, der jemals fünf Jahre unbezahlt gearbeitet hat, ist

heute einer der Führer in Handel und Wandel der Welt.

Er ist mehr als das. Er ist eine aufbauende Kraft der Zivilisation. Er hat neue Länder erschlossen. Er hat das Fleisch für die Welt verbilligt. Er hat der Welt bessere Sorten Vieh und kräftigere Menschen gebracht.

Cyrus H. H. Curtis.

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der mit eineinhalb Penny begann und jetzt ein Kapital von 7000000 Pfund Sterling hat; des Mannes, der mehr als irgendein anderer getan hat, um das Niveau des Journalismus und der Reklame zu heben.

Curtis ist jetzt 73 Jahre alt. Er ist der Besitzer der »Saturday Evening Post«, »Ladies’ Home Journal«, »Country Gentleman« und »Philadelphia Ledger«.

Seine »Saturday Evening Post« wird in den Vereinigten Staaten um fünf Cent verkauft und hat eine Verbreitung von 2500000 Exemplaren die Woche. Sie ist

die größte Zeitschrift der Welt.

Sein »Ladies’ Home Journal« erscheint in monatlich 2000000 Exemplaren zu 15 Cent.

Sein Einkommen aus Anzeigen beträgt jetzt gegen 13000000 Pfund Sterling das Jahr. Nein, das ist durchaus kein Druckfehler. Es beträgt 13 Millionen Pfund Sterling, das heißt 260 Millionen Mark pro Jahr. Und nicht ein Heller davon kommt aus Whiskyannoncen oder Quacksalbermedizinen oder sonstigem Schund, mit dem den Leuten Geld abgeschwindelt werden soll.

Er ist der erfolgreichste Zeitungsverleger der Welt -- und in dem Text seiner Blätter gibt es weder Verbrechen noch Skandal, so wenig wie Schwindel in seinen Anzeigen. Sein Niveau ist höher, als das irgendeines anderen Verlegers, und sein Nutzen ist es ebenfalls.

Cyrus Curtis stammt aus bestem britischen Geschlecht. Seine vornehmen Ahnen verließen England im Jahre 1631.

Sein Vater war ein Dekorateur, der in einem kleinen Holzhaus in Portland, Maine, lebte, wo Cyrus im Jahre 1850 das Licht der Welt erblickte.

Als er zwölf Jahre alt war, bat er eines Tages seine Mutter um etwas Geld, um sich Feuerwerk zu kaufen. »Wenn du Geld willst,« sagte sie, »mußt du gehen und es verdienen, wie es dein Vater tut.«

Er hatte einen und einen halben Penny in seiner Tasche. Er ging aus, kaufte drei Exemplare des »Daily Courier« und verkaufte sie an der Straßenecke. Am Ende des Tages hatte er viereinhalb Penny.

Er war ein kleiner Bursche, flink und keineswegs stark, aber er wurde sehr schnell ein vorzüglicher Zeitungsjunge.

Nachdem er einen Monat lang Zeitungen verkauft hatte, lieferte er seine erste Geschäftsidee. Er ging zu dem Direktor des »Courier« und bat um Kredit. »Wenn Sie mir bis morgen früh Kredit geben,« sagte er eifrig, »werde ich ein großes Paket Couriere über den Fluß nach Fort Preble hinübernehmen.«

Der Direktor stimmte zu. Darauf richtete der Junge Cyrus es so ein, daß er als erster das Zeitungspaket erhielt und schlüpfte damit durch einen Seitenausgang. Er fuhr nach Fort Preble und

schuf ein neues Absatzgebiet für den »Courier«.

Bald verdiente er damit zehn Schillinge wöchentlich, ein Betrag, der dem halben Einkommen eines Arbeiters in jenen Tagen entsprach.

Das Jahr darauf, als er dreizehn war, fing er mit einer eigenen kleinen Zeitung an. Es war eine vierseitige Jungenzeitung »Jung-Amerika«, mit der er einen Absatz von 100 Stück die Woche erzielte. Er hatte eine Handpresse um zwölf Schilling gekauft und machte gute Fortschritte, als ein Feuer ihm alles vernichtete. Keine Versicherung deckte den Schaden: »Jung-Amerika« ging in Rauch auf.

Hierauf arbeitete er sechs Jahre in einem Kleiderladen. Während dieser Zeit tat er nichts Bemerkenswertes und war sich offenbar seiner eigenen Natur und seiner Fähigkeiten nicht bewußt.

Mit 20 Jahren kehrte er zur Presse zurück. Er bekam eine Stellung als Anzeigenakquisiteur für eine halbtote Zeitung in Boston. Eines Tages bot ihm der entmutigte Eigentümer die Zeitung für 150 Pfund Sterling an. Curtis lehnte ab. »Allright,« sagte der Eigentümer, »Sie können sie auch umsonst haben.«

Curtis nahm sie und wünschte fünf Jahre lang, er hätte es nicht getan. Es war hoffnungslos. Mit 25 Jahren gab er sie auf, verheiratete sich und übersiedelte nach Philadelphia.

Es war seine Heirat, die ihm seinen ersten Erfolg einbrachte. Er hatte eine andere Zeitung begonnen -- die »Tribüne« --, und eines Tages lenkte seine Frau seine Aufmerksamkeit auf die sogenannte Frauenbeilage. »Wer hat das geschrieben?«, fragte sie. »Ich«, erwiderte Curtis. »Es ist vollkommen lächerlich«, sagte sie.

»Gut,« sagte der kluge Curtis, »vielleicht ist es so. Willst du eine Seite für mich schreiben?«

Sie tat es. Ihre Seite wurde sofort die beste in der Zeitung. Bald wurde sie zur ganzen Zeitung, die darauf »Ladies’ Home Journal« genannt wurde. Heute hat sie, wie gesagt, eine Auflage von zwei Millionen und ist unter allen Frauenzeitungen die führende.

Curtis entdeckte bald, daß sein Geschäft für sein Kapital zu schnell gewachsen war. Er brauchte viel mehr, als die Banken ihm geben wollten.

Der Mann, der ihm zu Hilfe kam, war N. W. Ayer, ein Anzeigenagent. Ayer war der erste Mann, der Curtis nach seinem wahren Werte einschätzte. Er lieh ihm nicht nur 50000 Pfund Sterling, sondern girierte ihm auch einen Wechsel an die Papierfabrik über weitere 25000 Pfund Sterling.

In achtzehn Monaten hatte Curtis ihm den ganzen Betrag zurückgezahlt, und als Ergebnis der guten Tat ist die N. W. Ayer-Gesellschaft heute

die größte und reichste Anzeigenfirma der Welt.

Eines der Geheimnisse des Erfolges von Curtis ist, daß er niemals seine Zeit damit verliert, das, was er bereits in Händen hat, wieder in Verwirrung zu bringen. Sein Grundsatz ist, rechtzeitig auf etwas Neues loszugehen. Er läßt seine Erfolge in Ruhe.

So kaufte er, sobald das »Ladies’ Home Journal« ein Erfolg geworden war, eine kleine Wochenschrift, genannt die »Saturday Evening Post«. Sie war von Benjamin Franklin gegründet worden, hatte aber sonst keinerlei Aktiven von irgendeiner Bedeutung. Curtis kaufte sie um 200 Pfund Sterling. Sie war tot und begraben, aber Curtis glaubte an die Auferstehung. Jedermann machte sich lustig über ihn, weil er eine Zeitung kaufte, die nichts als einen Namen hatte. Aber Curtis hatte eine neue Idee. Im Jahre 1897 faszinierte ihn ein Buch namens »Calumet K«, das ein Journalist geschrieben hatte. Dieses Buch war eine Romanze des Geschäftes. Es öffnete seine Augen. Es zeigte ihm, daß Geschäft die interessanteste und nützlichste Betätigung in der Welt ist: Er widmete sein neues Magazin dem »Geschäft«.

Anfangs wollte es nicht gehen. Es steckte fest. Er verlor Geld daran. Er verlor nahezu all sein Geld. Er verlor 300000 Pfund Sterling, bevor es anfing in die Höhe zu gehen.

Heute ist es die einträglichste Zeitschrift der ganzen Welt. Sie bildet eine Klasse für sich. Sie berechnet 1500 Pfund Sterling für die Anzeigenseite.

Sie lehnt die Hälfte der Anzeigen ab, die ihr angeboten werden.

In einer einzigen Ausgabe hat sie 200000 Pfund Sterling Anzeigen. Allein aus Anzeigen beträgt ihr Einkommen 7 Millionen Pfund Sterling im Jahr.

Kurz darauf kaufte Curtis ein kleines, aber vornehmes Blatt, genannt »Country Gentleman«. Es hatte gutes »Pedigree«, aber wenig Abonnenten. Er arbeitete daran, bis die Auflage auf 600000 wöchentlich gestiegen war.

Dann ließ er es in Ruhe und kaufte den »Daily Ledger«, ein Blatt, das gleichfalls historisch und blutlos war.

Zu dieser Zeit, als er einmal London besuchte, gab ihm jemand ein Buch »Das Leben des John Delane«. Delane war der größte Redakteur der »Times«. Er war unabhängig. Man nannte ihn den »Donnerer«.

Seine Lebensgeschichte machte auf Curtis einen tiefen Eindruck. Er kaufte für jeden Redakteur und Reporter, der bei ihm angestellt war, ein Exemplar des Buches.

Er brachte »Ledger« in die Höhe, bis er in jeder Stadt in Amerika verkauft wurde. Er ist jetzt oft in der Weltpresse zitiert.

Ohne Einrechnung des »Ledger« besitzt Curtis über zweihundert große Pressen, die zusammen 1500000 Pfund Sterling gekostet haben.

Er verbraucht täglich vierhundert Tonnen Papier

-- eine Zugladung. Allein in seinem Hauptgebäude beschäftigt er dreitausend Leute.

Von Körpergestalt ist Curtis klein, er hat freundliche Augen und ruhige Manieren. Er trägt einen kurzgeschorenen viereckigen, altmodischen Bart.

Er ist ein Mann, den man nicht einreihen kann. Er ist gleichzeitig alt und jung. Er ist gleichzeitig liberal und konservativ. Er ist gleichzeitig Kapital und Arbeit. Er gehört zu keiner der törichten Kasten, die die Menschen voneinander trennen.

Er nimmt das Leben ernst, aber er hält sich vom Pomp und von den Zeremonien fern. Wenn er zu einer Versammlung geht, so setzt er sich auf einen Sitz im Hintergrund. Er ist so einfach und menschlich, wie sein Vater war.

Für seine Freunde ist er ein liebenswürdiger Mann voll Überraschungen. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, bei verschiedenen Banketten neben ihm zu sitzen. Er und ich waren Redner bei dem amerikanischen Lunchklub -- und ich fand ihn voll Lebensfreude.

Er ist ein Gentleman im höchsten Sinne des Wortes. Niemals renommiert er oder schneidet auf.

Seine Lebensgewohnheiten sind: arbeiten, scherzen, rauchen, tanzen, lesen, reisen, Orgelspielen und zur Kirche gehen. Er liebt Jachtfahrten und Golf. Er liebt Kinder.

Wenn es ein schweres Problem zu lösen gilt, legt er Patience.

Er kümmert sich nicht um Einzelheiten, sobald der richtige Betrieb eingerichtet ist. Er ist der Meinung, daß sein Hauptgeschäft ist: Verbesserungen anregen und der Arbeit neue Richtung weisen.

Er beschäftigt sich nicht mit Politik, aber er hält eine weit größere Macht zum Guten in seinen Händen als irgendein anderer Amerikaner.

Niemals vergißt er eine Freundlichkeit.

Vor langer Zeit, als er eine verarmte kleine Zeitung betrieb, half ihm ein schottischer Drucker namens Allan und lehnte es ab, sich dafür bezahlen zu lassen. Zwanzig Jahre später hörte Curtis, daß Allan in einer weit entfernten Stadt in Not sei. Sofort ging er ans Werk und fand ihn fünfzehnhundert Meilen entfernt, in einer Dachkammer lebend. Curtis gab ihm einen Scheck, der ihn für den Rest seines Lebens aller Geldsorgen enthob.

So ist Cyrus Curtis -- ein Mann, der mehr für die Hebung des Niveaus des Journalismus und des Anzeigenwesens getan hat als irgendein anderer.

Edward Bok.

Da die Frauen die Mehrzahl aller Käufer auf den Märkten und in den Läden bilden, ist es überaus wichtig zu wissen, was Frauen bevorzugen und wie sie denken.

Deswegen erzähle ich die Geschichte von Edward Bok, dem amerikanischen Holländer, der die größte Frauenzeitung geschaffen hat: »The Ladies’ Home Journal«.

Dreißig Jahre lang war Bok der Schriftleiter dieser berühmten Zeitschrift. Als er sie übernahm, hatte sie eine Auflage von 445000, als er sie im Jahre 1919 verließ, war sie auf 2000000 gestiegen.

Auch hatte sie für 200000 Pfund Sterling Annoncen monatlich -- mehr als die meisten erstklassigen Magazine in einem Jahr.

Bei einem Preis von 5½ Pennys war der monatliche Umsatz von »Ladies’ Home Journal« 260000 Pfund Sterling.

Dieser Bok, der seine Lebenszeit damit zubrachte, den Geschmack der Frauen zu studieren, verdiente in einer Woche mehr, als die meisten hartköpfigen unbelehrbaren Geschäftsleute in einem Jahr verdienen.

Die vollständige Geschichte von Edward Boks Leben und Methoden wurde erst vor kurzem bekannt, als er, nachdem er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, seine Selbstbiographie veröffentlichte.