Chapter 2 of 8 · 3956 words · ~20 min read

Part 2

Was seine Schulbildung anbetrifft, so hatte er wenig oder gar keine. Kaum konnte er gehen, mußte er Geld verdienen.

Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß Faraday, der einer der höchstgebildeten Männer Englands wurde, Oxford niemals sah, bevor er dahin ging, um seine Professoren zu unterrichten.

Mit dreizehn Jahren hatte der junge Michael Glück. Er wurde als Laufjunge in einer Buchhandlung in der Nähe von der Baker-Street angestellt. Hier fand er zum ersten Male in seinem Leben Zeitungen und Bücher.

Eines schönen Tages, als er gerade vierzehn war, fand er ein kleines Buch über Chemie. In diesem Augenblick begann seine Laufbahn.

Er begann abends Experimente zu machen. Er wohnte in einem ganz kleinen Schlafzimmer im Hause des Buchhändlers; eine gutmütige Köchin stellte ihm dort aus ihrer Speisekammer das Material für diese Experimente bei.

Mit zweiundzwanzig Jahren bekam er ein Geschenk, das für ihn mehr wert war als alles Gold der Bank von England; einer seiner Kunden gab ihm eine Anweisung auf einen Lehrkurs bei Sir Humphry Davy, dem größten Chemiker seiner Zeit.

Er fiel auf bei diesen Vorlesungen -- der schlanke bleiche Bursche mit den neugierigen Augen. Er war der jüngste unter den Anwesenden. Er machte sich Notizen und stellte aus ihnen ein illustriertes Buch zusammen. Als er soweit war, gab er es auf, sich vom Schicksal treiben zu lassen und beschloß, für sich selbst zu handeln. Er schrieb an Sir Humphry Davy, schickte ihm sein Buch und bat um eine Anstellung als Eleve der Wissenschaft.

Sir Humphry schickte nach ihm, fand Gefallen an ihm und verschaffte ihm eine Anstellung als Assistent im Laboratorium der »Royal Institution«. Er begann mit fünfundzwanzig Schilling Wochenlohn.

Nun hatte er seine eigene Leiter zum Ruhm gefunden,

und er stieg ihre Sprossen im Gleichmaß hinan, bis er den Gipfel erreichte.

Seine erste Aufgabe war, Sir Humphry selbst auf einer zwei Jahre währenden Europa-Reise zu begleiten. So lernte er die Gelehrten von Paris, Genua, Florenz, Rom, Neapel und Genf kennen. Mit fünfundzwanzig Jahren veröffentlichte er seine ersten wissenschaftlichen Artikel. Dann, mit neunundzwanzig, machte er seine große Entdeckung der elektromagnetischen Rotationen.

Das war die Geburt des elektrischen Motors, der heute unsere Omnibusse, unsere Straßenbahnen, unsere Maschinen bewegt. Faraday hat diese Entdeckung vor über hundert Jahren gemacht.

Im nächsten Jahre verliebte er sich und heiratete ein einfaches Mädchen, das in dem Nachbarkirchenstuhl in der kleinen Kapelle saß, in der er jeden Sonntag dem Gottesdienste beiwohnte. Ihr Name war Sarah Barnard.

Sie lebten dann ununterbrochen glücklich -- 46 Jahre --, blieben aber kinderlos.

Mit 32 Jahren war er einer der führenden Gelehrten der Welt. Er war Mitglied der Royal Society und einer der Direktoren der Royal Institution, bei der er mit 25 Schilling Wochenlohn begonnen hatte.

Jetzt kam die Gelegenheit, reich zu werden: Große Summen wurden ihm geboten, um seine Mitarbeit als Chemiker zu gewinnen. Er besprach die Sache mit seiner Frau, und sie kamen zu dem Beschluß, daß er keine Zeit habe, um reich zu werden.

Er begann eine Arbeit, die 23 Jahre dauerte, sein großes Buch über »Experimentelle Forschungen in der Elektrizität«. Dieses Buch führte die Wissenschaft der Elektrizität von Morgendämmerung zu hellem Tage. In fünfundsiebzig Jahren wurde es in mancher Beziehung bis heute noch nicht überholt.

Faraday war ein Philosoph nicht weniger als ein Gelehrter. Es war

die große Leidenschaft seines Lebens,

zu zeigen, daß das Weltall aus einer einzigen Energie und nicht aus siebzig oder achtzig Elementen besteht.

Sein Geist suchte den geschlossenen Geist der Wahrheit zu erfassen. Er stieg von Tatsachen zu Prinzipien auf, von Prinzipien zur universellen Zusammenfassung. Er fühlte das Gleichmaß im Wesen der ganzen Welt -- in Pflanzen, Elementen, Tieren, Menschen, in allem.

Er war ein Mann -- so gütig, daß Kinder sich um ihn drängten, wo immer er ging -- so stark, daß er eine Entschuldigung von Lord Melbourne erzwingen konnte.

Faraday und seine Frau verbrachten ihre letzten Lebensjahre in einem Landhaus in der Nähe von Hampton Court, das Königin Viktoria ihnen überlassen hatte. Hier saß er und erzählte den Kindern, die auf seinen Knien saßen, die Märchen der Wissenschaft, ihnen und auch den weisesten Gelehrten, die aus allen Weltteilen kamen, um den Meister zu sehen.

Elias Howe.

Nun kommt die Geschichte von Elias Howe, dem Erfinder der Nähmaschine. Da Sie sehr wahrscheinlich glauben, selbst mit besonderen Schwierigkeiten und Mühseligkeiten zu kämpfen, erzähle ich Ihnen diese Geschichte, damit Sie sehen können, was wirkliche Schwierigkeiten sind.

Elias Howe, ein Wohltäter aller menschlichen Wesen, die Kleider tragen, kam schließlich zu Ruhm und Vermögen; aber sein ganzes Leben war ein verzweifelter Kampf gegen Armut, Dummheit, Krankheit und Tod. Doch nichts -- nicht einmal der Hunger -- konnte ihn zum Aufgeben seines Lebenswerkes bewegen.

Elias Howe wurde in den Vereinigten Staaten als Sohn englischer Eltern im Jahre 1819 geboren. Der kleine Elias wurde als Kind nicht verwöhnt. Er war einer von achten. Sein Vater war ein armer Müller, der zehn Mäuler zu füttern hatte.

Elias war ein gebrechlicher kleiner Bursche. Sein Körper war viel zu schwach für seinen Geist. Er war nicht nur von äußerster Zartheit -- er lahmte auch.

Mit sechs Jahren mußte er bereits arbeiten. Er hinkte jeden Wochentag nach der Mühle seines Vaters und half seinen Brüdern und Schwestern Drahtzähne durch Lederstreifen zu bohren. Sehr wahrscheinlich war es diese Beschäftigung, die in ihm den Gedanken an eine Nähmaschine aufkommen ließ.

Mit sechzehn Jahren begab er sich nach der Stadt Lowell, da ihm jemand von den dortigen wundervollen Werken und großartigen Maschinen erzählt hatte.

Zwei Jahre arbeitete er in einer Baumwollspinnerei und fand dann Stellung in einer Maschinenfabrik. Da er

der geborene Mechaniker

war, fühlte er sich dort wohl.

Mit einundzwanzig Jahren heiratete er. Bald hatte er drei Kinder -- mehr Familie als Lohn. Sie lebten in einem schäbigen kleinen Haus und mußten aus jedem Groschen zwei herausholen.

Seine Arbeit war hart -- so hart, daß er am Abend oft zu müde war, zu essen. Wie er seiner Frau einmal sagte, wünschte er damals oft, er könnte im Bett liegen für immer und ewig.

Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, sagte eines Tages ein Kamerad zu ihm: »Was wäre das für eine große Sache, wenn jemand eine Maschine zum Nähen erfinden könnte.«

Diese zufällige Bemerkung ließ Howes Gehirn erwachen.

Tatsächlich war er einer der geschicktesten Erfinder der Welt, ohne sich dessen bewußt zu sein. Er kannte seine eigenen Kräfte nicht.

Zunächst setzte er sich zu seiner Frau und sah ihr beim Nähen zu. Dann baute er eine Maschine zur Bewegung einer Nadel, die an beiden Enden zugespitzt war und das Öhr in der Mitte hatte. Es war ein Versuch, eine Maschine zu machen, die die Hand seiner Frau nachahmen sollte. Das war ein Fehlschlag.

Plötzlich blitzte eine neue Idee in seinem Gehirn auf -- warum sollte man das Nähen mit der Hand nachahmen? Warum sollte man nicht eine neue Art des Nähens erfinden, die eine Nähmaschine ermöglichen könnte?

Sogleich dachte er daran, die Verwendung von zwei Fäden anstatt eines zu planen. Er erfand das Schiffchen und eine krumme Nadel mit einem Öhr in der Nähe der Spitze. Mit einem Schlage hatte er das Problem gelöst. Eine brauchbare Nähmaschine war erfunden.

Voll Freude gab er seine Stellung auf und zog mit seiner Familie in das Haus seines Vaters, um seine große Erfindung zu vervollständigen.

In der Dachkammer richtete er sich eine kleine Werkstatt ein und begann Geld zu sparen, um eine gebrauchte Drehbank zu kaufen.

Da brach ein Feuer aus und vernichtete alles. Howe rettete sein unschätzbares Modell, aber wenig mehr.

In dieser Not kam ein Holz- und Kohlenhändler zu ihm und sagte: »Ich will Sie in meinem Hause wohnen lassen und verköstigen und Ihnen 100 Pfund Sterling für die Hälfte Ihres Patentes geben.« Howe stimmte zu. Er richtete eine neue Werkstatt ein -- und nach sechs Monaten hatte er eine Maschine vollendet, welche die Nähte zweier wollener Anzüge herstellte -- eines Anzugs für den Holz- und Kohlenhändler und eines für ihn selbst.

Seine Aufgabe war gelöst -- so meinte er. Er wußte nicht, daß jede neue Idee ihren Weg in die Welt gerade gegen jene Leute zu erkämpfen hat, die den meisten Nutzen von ihr ziehen werden.

Der Kunst des Erfindens muß die Kunst des Verkaufens folgen,

aber Howe wußte das nicht.

Triumphierend lief er mit seiner Nähmaschine zu den Bostoner Schneidern. Sie versuchten sie. Sie bewunderten sie als eine »niedliche Erfindung«, aber sie erklärten: »Wir wollen sie nicht, sie würde unser Geschäft ruinieren.«

Er trug sie von Firma zu Firma, aber kein Mensch wollte einen Pfennig dafür anlegen. Das entmutigte den Holz- und Kohlenhändler; er zog sich aus dem Kompagnieverhältnis zurück und ersuchte Howe, anderswo hinzuziehen.

Howe hatte weder Geld noch Freunde. Um seine Familie zu erhalten, wurde er Lokomotivführer bei der Eisenbahn.

Dann wurde er krank. Ebenso seine Frau. Hätten nicht einige gütige Nachbarn sich ihrer angenommen, die ganze Familie Howe wäre vielleicht zugrunde gegangen -- die Nähmaschine -- alles.

Als er sich wieder erholt hatte, scharrte er genügend Geld zusammen, um sich ein Zwischendeck-Billett nach London zu kaufen. Er glaubte, daß England ihn besser behandeln würde, als die Vereinigten Staaten.

Aber auch hierin irrte er sich wieder. Er fand niemanden, der ihm helfen wollte. Bis schließlich ein Mann in Cheapside seine erste Maschine um 250 Pfund Sterling kaufte und Howe mit 3 Pfund Sterling die Woche bei sich anstellte.

Howe arbeitete acht Monate für diesen Mann, fand aber, daß er ein zu strenger Arbeitgeber sei, und verließ ihn. Er war ohne alle Mittel, und oft gab es Tage, an denen er und seine Familie hungernd dasaßen in der großen Stadt London.

Er hatte England seine Nähmaschine angeboten und England hatte sie abgelehnt.

Der Hunger trieb ihn nach Amerika zurück. Er verpfändete sein Modell für genügend Geld, um seine Frau und seine Kinder zurückzuschicken. Einige Monate später kehrte er selbst zurück, da seine Frau ihm schrieb, daß sie an der Auszehrung sterbe.

Er kam in Neuyork mit einem Dollar in der Tasche an.

Er hatte noch 250 Meilen zu reisen. Er ging in eine Maschinenwerkstatt und arbeitete mehrere Tage, um das Reisegeld zu verdienen.

Als er nach Hause ankam, war seine Frau gestorben.

Geschwächt und gebrochenen Herzens hielt er doch durch. Er konstruierte ein neues Modell. Ein Geschäftsmann namens Bliß lieh ihm einiges Geld. Er baute weitere Maschinen -- und von Fall zu Fall verkaufte er sie.

Die Nachfrage nach den Maschinen wuchs -- zwölf Jahre später war Howe ein Millionär.

Er empfing die goldene Medaille der Pariser Weltaustellung im Jahre 1867 und das Kreuz der Ehrenlegion.

Er konnte den Hunger ertragen, die Enttäuschungen und die Verluste; aber es scheint, daß er Ruhm und Reichtum nicht ertragen konnte. Einige Wochen, nachdem er das Kreuz der Ehrenlegion erhalten hatte, starb er.

Er hatte seine Bahn vollendet, er hatte einen guten Kampf durchgekämpft. Er hatte gesiegt.

Thomas Henry Huxley.

Es gibt nur wenige Menschen der lebenden Generation, die sich an Huxley erinnern. Er starb in Eastburne im Jahre 1895. Aber die Geschichte seines Lebens ist ein britisches Epos, das jeder Generation erzählt werden sollte.

Huxley war ein kämpfender Gelehrter. Er kämpfte für die Sache der Wissenschaft. Er schlug Aberglauben und Unwissenheit nieder. Er focht für klares Denken -- für wirksamen Betrieb und gesunden Menschenverstand.

Dreißig Jahre war Huxley die Stimme der Wissenschaft,

die in einer Wildnis von Überlieferung und Gewohnheit schrie. Er war ein Prophet -- der weiseste Lehrmeister seiner Zeit.

Vielleicht wären wir jetzt nach dem Kriege mehr geneigt, auf seine Lehren zu horchen. England zog Gladstone Huxley vor -- und es zahlte in Gut und Blut den vollen Preis für seine Fehler.

Thomas Henry Huxley wurde im Jahre 1825 in Ealing geboren. Ealing war damals ein ländliches Dorf und Huxleys Vater war Lehrer in der Dorfschule.

Im Hause Huxleys gab es wenig Geld, aber viele Bücher. Auch gab es dort prächtige Unterhaltungen über bedeutende Gegenstände. Diese beiden -- die Bücher und die Gespräche -- verliehen dem jungen Huxley seine wirkliche Erziehung. Von der Schule, sagte er, habe er wenig gelernt.

Als Junge hatte er einen lebhaften forschenden Verstand. Immer fragte er: »Warum?« Mit 15 Jahren versuchte er das Problem des Farbenspiels bei Sonnenuntergang zu lösen. Mit 17 Jahren machte er den Versuch, alles Wissen unter die beiden Rubriken »Geist und Natur« aufzuteilen.

Seine beiden Schwestern heirateten Ärzte -- und so wurde er mit 15 Jahren aus der Schule genommen und Student der Medizin. Er achtete wenig auf die Vorlesungen, wurde aber von einem großen Mikroskop geradezu fasziniert.

Dieses Mikroskop zeigte ihm die Wunder der Natur. Es öffnete ihm eine Welt kleiner Dinge, für die unsere Augen blind sind. Manche Nacht verbrachte er über seinem geliebten Mikroskop, und mit 19 Jahren machte er seine erste Entdeckung: er fand eine Membrane in der Wurzel des menschlichen Haares. Diese Membrane ist jetzt als »Huxleys Schicht« bekannt.

Mit 19 Jahren glaubte er, ein Perpetuum mobile erfunden zu haben und ging damit zu Faraday. Faraday hörte ihn freundlich an, erklärte ihm aber, daß ein Perpetuum mobile unmöglich sei. »Wäre es möglich,« sagte Faraday, »so würde es von selbst in der Natur entstanden sein und hätte alle anderen Naturkräfte überwältigt.«

Mit 20 Jahren bestand er sein medizinisches Examen. Dann brachte ihn ein Freund bei der Kriegsmarine unter. Er hatte das besondere Glück, als Hilfschirurg auf einem Kriegsschiff angestellt zu werden, das auf eine wissenschaftliche Kreuzfahrt nach den Tropen ging.

In Sidney lernte er eine junge Engländerin kennen -- Netty Heathorn. Da gab es

Liebe auf den ersten Blick.

Später wurde sie seine Frau. Vierzig Jahre waren sie Freunde und untrennbare Genossen.

Huxley diente vier Jahre als Schiffsarzt, und diese vier Jahre machten ihn zum Gelehrten. Er sammelte eine Fülle wertvoller Kenntnisse über Pflanzen und Fische.

In einem Anfall von Großmut bewilligte ihm die Admiralität 300 Pfund Sterling zur Veröffentlichung seiner Entdeckungen, und er wurde mit einem Schlage ein bekannter Naturforscher.

Mit 25 Jahren heiratete er. Er verdiente damals 200 Pfund Sterling jährlich als Professor in einem Londoner College und außerdem 200 Pfund Sterling durch Artikel für Magazine.

Um diese Zeit begann er Vorlesungen für Arbeiter zu halten. Er war fest davon überzeugt, daß letzten Endes die Arbeit die beste Freundin der Wissenschaft sein würde.

»Die Arbeiterklasse soll verstehen, daß die Wissenschaft ihr wichtige Tatsachen bietet. -- Ich habe die dilettantische Mittelklasse satt und will versuchen, was ich mit diesen Leuten mit den schwieligen Händen, die unter Tatsachen leben, beginnen kann.«

Mit 31 Jahren formulierte er die folgenden Gebote für sich selbst: »Jeden Humbug zu vernichten, und sei er noch so mächtig.« »Der Wissenschaft einen vornehmeren Ton zu geben: Ein Beispiel der Enthaltung von allen kleinlichen, persönlichen Streitereien zu liefern und tolerant zu sein gegen alle -- nur gegen die Lüge nicht.« »Gleichgültig dagegen zu sein, ob die Leistung als eigene anerkannt wird oder nicht, wenn sie nur überhaupt vollbracht ist.«

Sein Leben lang war Huxley von Schmerzen gequält, aber er lehnte es ab, krank zu sein. Er arbeitete von 9 Uhr früh bis Mitternacht. Er arbeitete 15 Stunden täglich -- die meiste Zeit an Dingen, die ihm keine Bezahlung einbrachten.

Im Jahre 1859 erschien Darwins großes Buch »Die Entstehung der Arten«. Er bewies die Theorie der Evolution, zu der sich jetzt die zivilisierte Welt bekennt.

Damals war sie eine neue Lehre, und es erhob sich

ein Geheul des Widerspruches.

Darwin war kein Kämpfer. Er war ein ruhiger, milder Denker. Es sah ganz danach aus, als ob die Evolution niedergeschrien würde: und vielleicht wäre es so gekommen -- ohne Huxley.

Der stürmte zur Front. Der schlug zurück. Der tauschte Schlag gegen Schlag -- und er war so tüchtig, daß die alten stumpfsinnigen Leute ihn fürchten lernten.

Einmal erging sich der Bischof von Oxford in einer öffentlichen Versammlung in heftigen Angriffen gegen Darwin. »Ich möchte Mr. Huxley fragen,« sagte er, »ob er selbst daran glaubt, von einem Affen abzustammen?«

»Ich würde mich keineswegs eines solchen Ursprungs schämen,« antwortete ihm Huxley, »aber ich würde mich schämen, von einem Manne abzustammen, der die Gaben der Kultur und der Beredsamkeit im Dienste von Falschheit und Vorurteil prostituiert.«

Seitdem hielt sich der Bischof ferne von Huxley.

Huxley war ein Mann der Wahrheit. »Es ist mein Geschäft,« sagte er, »meine Wünsche zu lehren, sich den Tatsachen anzupassen und nicht den Versuch zu machen, die Tatsachen mit meinen Wünschen in Einklang zu bringen.«

Er half jeder guten Sache. Er glaubte nicht nur an gewisse Reformen -- er kämpfte für sie. Er kämpfte für die Freiheit der Neger und für die Emanzipation der Frau. Er kämpfte für ein praktischeres Erziehungssystem.

Ohne Rücksicht auf seine schwache Gesundheit, seine Mittellosigkeit, ja seine Armut, griff er die Absonderlichkeiten und den Aberglauben an, die in England vorherrschten. Er konnte sie nicht vernichten, aber er schlug sie wenigstens von den Hauptstraßen des Fortschrittes zurück.

Oft war er am Ende seines Witzes, wenn es um Geld ging.

Einmal mußte er seine goldene Medaille für 50 Pfund Sterling verkaufen.

Ein reicher Freund bot ihm eine jährliche Pension von 400 Lire, aber er wies sie zurück; denn seine Unabhängigkeit zog er allem anderen vor.

Im Jahre 1876 besuchte er die Vereinigten Staaten und setzte die Amerikaner durch sein klares, bestimmtes Denken in Erstaunen.

Er sprach vor einem großen Publikum in Baltimore. Diesen Amerikanern, die da saßen und Schmeicheleien erwarteten, sagte er:

»Ich kann nicht sagen, daß mir eure Macht und der Reichtum eurer natürlichen Hilfsquellen den geringsten Eindruck machen. Umfang ist keine Größe. Ausdehnung eines Landes macht noch keine Nation. Die große Frage ist: Was werdet ihr mit all diesen Dingen anfangen? Die einzige Bedingung des Erfolges ist der moralische Wert und die intellektuelle Klarheit des einzelnen Bürgers.«

Schon im Jahre 1887 -- lange vor Taylor und Emmerson -- empfahl Huxley wissenschaftlichen Betrieb und wissenschaftliche Organisation als »unerläßlich für unsere Wohlfahrt«.

Er war ein Mann von überwältigender Erscheinung: viereckige Stirn, viereckige Wangen, ein fester Mund und tiefliegende, blitzende Augen. Seine Erscheinung erinnerte an Kraft und Geradheit. Er war ein Meister klarer, kraftvoller Sprache. Wer ihn hörte, vergaß niemals seine suggestive Wirkung und seine Würde.

Er lehrte uns, daß auf die Dauer nichts so praktisch, nichts so nutzbringend und nichts so moralisch ist als die Wahrheit.

Frederick Winslow Taylor.

Dies ist die Geschichte von Taylor -- von Frederick Winslow Taylor, der die Lehre von der industriellen Wirksamkeit begründet hat.

Taylor wurde in einer Vorstadt von Philadelphia im Jahre 1856 geboren. Zur Zeit des Bürgerkrieges war er ein kleiner Junge -- zu klein, um zu verstehen, um was es sich handelte.

Seine Eltern waren weder reich noch arm. Aber sie waren wohlhabend genug, um den jungen Fred Taylor nach Frankreich in die Schule zu schicken. Sie beabsichtigten, ihn die Harvard-Universität beziehen und ihn zum Rechtsanwalt ausbilden zu lassen.

Er war ein guter Schüler. Er studierte so eifrig, daß er sich die Augen verdarb und das Studieren aufgeben mußte: mit 19 Jahren verließ er die Schule.

Dieser schwere Schlag machte ihn zu dem, was er geworden ist.

Er nahm eine Stellung als Lehrling in einer kleinen Maschinenwerkstatt in der Nähe seiner Wohnung. Dort blieb er drei Jahre. Er wurde ein Maschinenarbeiter und bildete sich auch als Former aus.

Mit 22 Jahren wurde er in den Mid-Vale Stahlwerken eingestellt. Aber er blieb nicht lange Arbeiter.

Zunächst wurde er Vorarbeiter an der Drehbank.

Darauf wurde er Hilfswerkführer der Maschinenwerkstatt.

Drittens wurde er Werkführer.

Zum vierten wurde er Meistermechaniker, zur Leitung der Reparaturen und Instandhaltung der Maschinen.

Fünftens wurde er Leiter der Abteilung für Entwürfe.

Zum sechsten wurde er Chefingenieur.

Er stieg also im Verlauf von sechs Jahren vom Arbeiter zum Chefingenieur auf.

Während dieser Zeit besserten sich seine Augen wieder, so daß er den Ingenieurkursus des Stevens-Instituts besuchen konnte, er studierte nachts und Sonntags. Er war 23 Jahre alt und Werkführer, als er anfing, wissenschaftliche Methoden auf die Fabrikation anzuwenden.

Er erfand ein neuartiges Verfahren, Metalle mit Stahlwerkzeugen von hoher Geschwindigkeit zu schneiden, wodurch er die Leistungsfähigkeit der Metallschneidemaschinen verdreifachte.

Er machte Zehntausende von Experimenten als ein Mann von höchster Geduld und Ausdauer.

Er erhielt einen Anteil an seiner Erfindung und zog sich im Jahre 1901 vom Gelderwerb zurück. »Ich kann es mir nicht länger leisten, um Geld zu arbeiten«, äußerte er.

Taylor machte sich nichts aus dem gesellschaftlichen Leben. Es lag ihm nie daran, dekorativ zu wirken oder unterhaltend zu sein. Er kümmerte sich weit weniger um Menschen als um Tatsachen. Er wich niemals auch nur einen Schritt von seinem Wege ab, um der öffentlichen Meinung zu gefallen. Er machte sich nichts aus Meinungen, nicht einmal aus seiner eigenen. Er war der gerade Gegensatz zu einem Politiker.

Er war ein äußerst uninteressanter Redner. Ich hörte ihn einmal in New York einen Vortrag vor dreitausend Personen halten, und alle waren außerordentlich erfreut, als er zu Ende war.

Bei einem anderen Anlaß sprach er einmal höchst uninteressant eine Stunde lang bei einem Bankett der amerikanischen Pressevereinigung. Diese Rede schadete der Lehre von der Wirksamkeit in den Vereinigten Staaten außerordentlich, weil

der allzuernste Taylor die Pressevereinigung mehr langweilte als jemals ein anderer Redner.

Einige der Banketteilnehmer flüchteten, andere schliefen ein. Sie waren geistvolle, seichte, sensationslustige Journalisten, und sie machten sich über den ernsten und langweiligen Taylor lustig und lehnten ihn ab.

Dennoch machte er sich reich. Oder noch besser, er machte seine Firmen reich. Oder noch viel besser: er rekonstruierte die Maschinenwerkstätten der ganzen Welt.

Taylor war kein Genie. Er war nicht geistvoll. Er war nicht anpassungsfähig. Vielleicht war seine Selbstbeherrschung das Geheimnis seines Erfolges. Er besaß die zäheste Ausdauer, die jemals ein Mensch hatte.

Wenn er einmal eine Arbeit begonnen hatte, konnte nichts ihn davon abbringen, bevor er sie vollendet hatte. Er gab selbst zu, daß sein Erfolg darauf beruhte, daß er sich mit den Zähnen in die Dinge festbiß. Er lieferte einmal folgende Definition des »Charakters«: »Die Fähigkeit, unangenehme Dinge zu tun.«

Ein Stümper bleibt, wer nur das tut, was er gern tut. Taylor verfolgte Zeit seines Lebens die Linie des größten Widerstandes.

So zwang er sich Buchhaltung zu lernen, obwohl er sie verabscheute, weil er gefunden hatte, daß übersichtliche Berechnung von größter Wichtigkeit für den Fabrikanten ist.

Taylor machte sich zum Diener seiner Arbeit. Er gab sich mit dem größten Eifer und unermüdlicher Geduld der täglich wiederkehrenden Kleinarbeit hin, die die meisten Leute vernachlässigen -- auch das ist, kurz gesagt, eines der Geheimnisse seines Erfolges.

Taylor war ein Mann der Tat. Er war kein origineller Denker. Er hatte sehr wenig Einbildungskraft und nicht sehr viel Takt. Er war vollkommen einfach und gerade.

Einige Anweisungen, die Taylor als Lehrling von einem alten Fabrikanten erhielt, machten auf ihn einen tiefen Eindruck. Der alte Herr, dem der Junge auffiel, schickte nach ihm und sagte: »Ich will Ihnen sagen, wie Sie es anfangen müssen, um im Leben Erfolg zu haben:

Wenn Ihr Arbeitgeber wünscht, da Sie um 7 Uhr früh zu arbeiten beginnen, seien Sie stets sieben Minuten vor 7 Uhr zur Stelle.

Wenn er wünscht, daß Sie bis 6 Uhr abends bleiben, bleiben Sie stets bis zehn Minuten nach sechs.«

»Wenn Sie nicht genug Vernunft haben, um zu wissen, was ich damit meine, so haben Sie ohnehin nicht genug Vernunft, um Erfolg zu haben.«

Eines Morgens, als Taylor Werkführer war, zerbrach ein Ventil. Er ließ die ganze Abteilung die Arbeit einstellen und suchte überall in Philadelphia nach einem Ersatzventil. Er lief zu jedem Händler in der Stadt. Vergebens.

Er kehrte in das Werk zurück, meldete sich beim Generaldirektor und begann ihm zu berichten. Der Generaldirektor blickte ihn scharf an.

»Wollen Sie mir sagen, daß Sie dieses Ventil nicht erhalten haben?«

»Jawohl!«

»Hinaus,« schrie der Manager, »bringen Sie das Ventil!« Taylor fuhr nach New York, neunzig Meilen weit -- brachte das Ventil.

Dieses Erlebnis gab ihm eine wichtige Lehre mit: »Nicht Argumente, sondern Resultate zu bieten.«

Mehrere Jahre arbeitete Taylor unter William Sellers, einem berühmten Ingenieur. Eines Tages beklagte er sich bei Sellers, daß ein übelgelaunter Vorgesetzter ihn schlecht behandle. Er brachte seine Beschwerde bei Sellers ziemlich ausführlich vor. Sellers wartete die Beschwerde geduldig ab und antwortete dann: