Chapter 3 of 8 · 3906 words · ~20 min read

Part 3

Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen, so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde; dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken, das das Raubwild leicht anlockt.

Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam, fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen war.

B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr, sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette ab.

Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um ihm den Fangschuß zu geben -- Versager! noch einer und noch einer. Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge gehabt.

B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen, er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen. Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um dieses treue, schöne Tier.

=Gefleckte Hyänen= (+Hyaena crocuta Erxl+).

Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön. Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung besiegelt (Abb. 6).

Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt, wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet. Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher. So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet, genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen.

Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends, ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit.

In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich.

Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge, überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche, daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist hätten.

[Illustration: Abb. 6. Gefleckte Hyänen.]

Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets, wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.

Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich, wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.

Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen. Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten, stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am Leben.

Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues Verfahren.

Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben. Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug bringen.

Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb. Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten -- ohne Hyäne. Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing. Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.

=Schabrackenschakale= (+Canis [Lupulella] mesomelas Schreb+).

Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs. Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck, wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze Lebensweise ist die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.

Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.

Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.

Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.

Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage, wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die ganze Gegend durchzieht.

Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.

Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer Fabel.

In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde kollerten, brachten sie mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest. Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen ruhig bei ihrem Glauben.

[Illustration: Abb. 7. Schabrackenschakal.]

Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt, den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.

Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen. Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen, vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«, so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter brachten, von mir hingegen ließ er sich die schönsten Knochen weit hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.

»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen wilden Schakal und schoß ihn tot.

Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.

Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in Gemeinschaft leben.

Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in »Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres Reineke.

Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten Sachen aufgebunden werden.

So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den Fehler hat, daß er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten, ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40 Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.

Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen »Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.

=Wilde Hunde= (+Lycaon pictus Temm+) [auch Hyänenhunde genannt].

In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf, das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten meine Leute und ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend, wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur Tränke geführt worden sei.

Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch, um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch, damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck beinahe meine Melone fallen lassen.

Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich, irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich, oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit den Kühen zur Tränke.

Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute wurde mir immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun, in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur ein paar Knochen übrig.

[Illustration: Abb. 8. Wild- oder Hyänenhund.]

Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und Pulver auch -- »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« -- wie mir eifrigst versichert wurde.

Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich für die Reise zurechtmachenden Träger.

Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite, spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke (+Aepyceros suara Mtsch.+) direkt auf mich zu, mitten durch die Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten.

Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb. 8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand, schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar.

Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen -- Muttertier und fast ausgewachsenes Kitz -- erholen und nach Belieben entfernen konnten.