Chapter 3 of 9 · 7488 words · ~37 min read

III.

Wandert der Jüngling stadtwärts, den Weg, den er als Knäblein an des Vaters Seite gegangen war. Muß daran denken, und will ihn die Rührung fast übermannen. Ist aber bald wieder frohen und leichten Herzens, geht es doch der heißersehnten Freiheit entgegen! --

Freiheit! Den Zauberklang des Wortes kann nur der erfassen, der drückendem Zwang entgangen ist. Alles dunkel Geahnte, innig Ersehnte ist in diesem Wort wie in einem rosafarbenen Nebel eingeschlossen, Welt, Schaffen, das bißchen Ruhm, alles, was das Leben ausmacht. An die Freuden denkt man, nicht an die Leiden, mit denen der Pfad ins Ungewisse belagert ist. Durch! Der Genius muß durch -- ein blaues Himmelsziel vor sich, sein Weg.

Wien, einziges, liebes Wien! Wie ein Blumentopf steht es auf grünem Rasen mit seinen Gärten über den Stadtmauern und dem kunstvoll gemeißelten Himmelsstab in seiner Mitte, dem alten Steffel! In der Mitte vom Glacis in der Richtung zum Schottentor heben sich ein paar Hüte grüßend in die Luft, die Leute treten scheu zur Seite vor einem kleinen, stämmigen Mann, der den alten Zylinder tief in das runenhafte Gesicht gedrückt hat und daherstürmt in wogenden Gedanken, und weder hört noch sieht.

Ausweichen, ausweichen! Seiner Eingebung folgend, sprang Franz behend auf die andere Seite des Gehweges und reißt sofort seinen Hut bis zur Erde. Ein verlorener Blick aus dem weltfernen Titanenantlitz streift ihn und macht sein Herz fast stillstehen vor Ehrfurcht und Freude.

Ein gutes Zeichen, ein gutes Vorzeichen! wollte bebend die innere Stimme wissen, die es als glückbringend deutete, daß Franz bei seinem ersten erfolgreichen Schritt dem Gewaltigsten begegnet hatte, den er neben dem Göttlichsten als meisterliches Vorbild anbetete: Herrn Ludwig van Beethoven. Der war kein göttlicher Gastgeber alten seigneuralen Stils in schwarzseidenen Hosen, seidenen Strümpfen, Schuhen mit vergoldeten Schnallen, blauseidener Weste und goldgesticktem braunem Überrock, wie der himmlische Meister Wolfgang Amadeus, sondern der war mit seinem verwühlten Haupt, seinem unordentlich zugeknöpften schlichten Rock ein leidenschaftlicher Himmelstürmer und Götterstürzer, einer, der um das Menschsein wußte, um das Furchtbarste und Erhabenste, um alle Erdenpein und Größe, um alle Verlassenheit und Selbstgottherrlichkeit -- ein Offenbarer, ein Verkünder, ein Tragiker! Der trug die Krone der Freiheit, von der der Jüngling nicht wissen konnte, daß es eine Dornenkrone ist.

Was stehst du nun, junges Meisterlein, und starrst ihm nach mit einem visionären Blick, als ob du eine Erscheinung gehabt hättest?!

E -- fis -- g -- h -- ais! klang es plötzlich auf in der Brust. Franz konnte das Tiefste, das er empfand, nicht anders denken, als in Noten. Ein Ton, der sich wie eine Erleuchtung einstellte, bang und fragend wie ein schüchternes Pochen am Tor des Unendlichen.

E -- fis -- g -- h -- ais -- -- Der tragische Akkord wollte sich nicht mehr abweisen lassen. Er klang als Grundton immer durch auch in den heitersten Momenten und da am stärksten; er war nun einmal in der Welt und hatte seinen eigenen Sinn wie eine Mahnung, die dann am furchtbarsten war, wenn sie nach Zeiten des Vergessens plötzlich wieder die Seele mit allen Bangnissen zum Aufschauern brachte.

Eine helle Empfindung gewann Oberhand; sie jubelte als lebensfrohe Melodie über den dunklen Schauern.

Franz war gedankenvoll durchs Schottentor gekommen, auf der Freiung stand er aufatmend still. Die schönen Adelspaläste, die Baumkronen über den geheimnisvollen Mauern, umschlossene Gärten mitten in der Stadt! Die Schottenkirche, alle Pracht ergriff ihn, als ob er sie zum erstenmal sehen würde.

»Was möchten's denn, gnä' Herr?!« fleanschte ihn eine schwammige Öbstlerin gutmütig an. Eilig rannte er weiter aus dem Marktgewühl, am tiefen Graben vorbei, wo der Alserbach ging, der klaräugig blickende, gleich einem zwischen Weinbergen und Wiesenrainen spielenden hurtigen Knaben, den es nach der Stadt drängte -- was war er dort geworden? Eine schmutzige üble Gosse, die sich scheu in dunklen Gewölben verkroch -- wie ein Schrei klang es schmerzlich auf in der Brust: e -- fis -- g -- h -- ais!

Und nun bergan zum Hof, wo der gelbe Stellwagen von der Grinzinger Allee hereinholperte, staubig, von müden, mageren Rossen gezogen, ein Gruß vom Land herein, von Wein und Heurigenmusik; hoch aufgepackt als heitere Fracht alle städtische Sehnsucht nach dem Grünen!

Mein Gott, diese Blumen am Hof, ein ganzer Markt, wie schön! Ja, ja, die Stadt braucht Blumen, man kann nicht genug haben in den Mauern; wenn man draußen lebt, ahnt man gar nicht, wie notwendig sie sind, und daß es soviel auf einem Platz geben kann, und der Duft!

Mit all diesen müßigen Gedanken und verzücktem Umherschauen vergeht die Zeit, die Uhr unter den Atlanten mit der Weltkugel am Hof zeigt bald Zwölf, also weiter, weiter durch die enge Bognergasse zum Graben hinaus.

Herrgott, ist da wieder eine Pracht, diese Frauenzimmer, nein, nicht zum sagen! Mudlsauber -- eine schöner wie die andere! Wird einem ganz wurlert! Und die lieben Gesichterln -- wie sie lachen und umschauen, und wieder lachen -- jetzt weiß er nicht, soll er sie grüßen, kennt er sie, oder kennt sie ihn, oder will sie ihn kennen lernen -- er möcht' jedenfalls -- aber die vielen Leute -- und die eleganten Schwasser, die hinterher scharwenzeln. -- Jessas! und jetzt schaut sie wieder um -- bocksteif steht er da, weiß sich nicht zu helfen, eng und schwül wird ihm, daß er schwitzt, er schaut ratlos um und um, sein Blick gleitet die Dreifaltigkeitssäule hinauf, die sich mit barocker Ekstase emporwirft voll unendlichem Verlangen.

E -- fis -- g -- h -- ais!

»Servus, Servus! Landschulmeister, himmlischer, wie kommst du auf einmal dahergestiefelt um zwölf Uhr mittags am Graben?!« jauchzt plötzlich einer der eleganten Stadtfräcke hinter ihm, hat ihn schon abgefaßt und auf offener Straße umarmt.

»Schober, lieber Schober!«

Kurze, hastige Erzählung Franzens über Woher und Wohin.

»Hast den Schulmeister an den Nagel gehängt, endlich, endlich, es war die höchste Zeit! Wo wohnst du denn?«

Ja, richtig, wo er wohnt, an das hat Franz noch nicht gedacht. »Ich weiß nicht!«

»Köstlich,« ruft Schober, »wohn' bei mir! Ich hab' ein Zimmer frei, kost' dich nichts, kannst bleiben, solang' du magst, mir ist's eine Freud'!«

Franz lehnt lächelnd ab, vorläufig wenigstens -- wozu schmarotzen? Hat ja Geld in der Tasche, bare hundert Gulden!

Schober hat es um diese Zeit eilig, der Mittagsbummel am Graben war die Stunde, wo die Löwen auf Beute gehen; soviel Schönes, als es da zu sehen gab -- da war nicht zu zaudern. »Also Servus, auf Wiedersehen!«

Beim Stock-im-Eisen, am Ende des Grabens, steht er und schaut sich die vielen Nägel an, die in legendenhafter Zeit die Schmiedgesellen in den Baumstamm eingetrieben haben, und wundert sich in seiner beschaulichen Weise aufs neue, wie die Kerle so ausgezeichnet die Nägel alle auf ihre Köpfe getroffen haben. So muß man's auch machen, die Nägel auf alle Köpfe treffen, dann ist man der richtige Schmied seines Glückes. Aber er denkt nicht daran, daß er ja auch seines Glückes Schmiedgesell ist, und haarscharf, wenn nicht die Nagelköpfe, so doch Notenköpfe trifft, das Meisterstück, worauf es bei ihm ankommt!

»Servus!« tönt eine Stimme weich und einschmeichelnd, er wirft sofort den Kopf herum. »Ach, lieber Hüttenbrenner!« und schaut in das kluge Gesicht des guten philosophischen Anselm, der zuerst Kleriker war, dann Jurist, und zugleich in Schuberts Konviktszeit bei Salieri Kontrapunkt studiert hat. Jetzt hat er seine Seele ganz der Musik verschrieben.

Ein rasches, wechselseitiges Fragen, und alles ist klar.

»Magst bei mir wohnen, ein Kanapee steht zur Verfügung! Nicht? Aber wir sehen uns jetzt öfter, gelt? Du weißt ja, im Café Bogner, bei der lustigen Blunzen, kommen wir täglich zusammen. Kommst bestimmt! Alsdann Pfüat!« Händeschütteln, die Freunde trennen sich.

Über der Stadt schwingen Glocken, eine tönende Flut, ein Bronzeregen, ehern und gewaltig, als ob die Glocken in der Brust schwingen würden. Die Glocken von St. Stephan. Franz kann nicht widerstehen, einen Blick muß er in die Stephanskirche tun, eine liebe, alte Gewohnheit.

Der Dom ist die steinerne Blume der Stadt, der liebe Wienerwald mit seinen Blümelein und seinem Getier lebt in den himmelhohen Kapitälen. Und allerlei spukhaftes Fabelwesen treibt sein Spiel an den steinernen Wurzeln, läuft auf den behauenen Sockeln oder kauert in den schwarzen Nischen. Ein herrliches, steinernes Bilderbuch -- die alten Meister hatten Phantasie. Franz fühlt sich ihnen verwandt.

Eine Hand legt sich auf seine Schulter. »Freund, du hier?«

Franz sieht zu dem Dunklen, Zugeknöpften hinter sich hinauf, die starre, melancholische Maske Mayrhofers schaut ihm entgegen. Arm in Arm schreiten sie aus dem Dom.

»Kannst bei mir wohnen, das Zimmer neben mir wart' auf dich!«

Herrgott, wie sie sich alle um ihn reißen! Er nimmt's nicht an, aber wohl tut's doch!

Später in der Kärntnerstraße trifft er den Pianisten Jenger, mit dem er durch Hüttenbrenner befreundet wurde, und der außerhalb seiner Kanzleistunden mit Frau Musika in der wildesten und beglückendsten Ehe lebt.

Jetzt fängt auch der an:

»Das wär' ein herrliches Dasein, eine Zigeunerwirtschaft unter einem Dach, du, ich und unsere gemeinsame Geliebte, die holde Frau Musika! Schlag' ein!« Es ist schon zum Lachen! Sind liebe, gute Kerle, alle miteinander!

Es ist nicht Zeit, lang Standerln zu machen, Franz will beizeiten nach »Schwindien«.

»Schwindien?«

»Nun ja, freilich; das heißt, zu Schwind, ins Mondscheinhaus, drüben bei der Karlskirche überm Glacis.«

So ist Franz zum anderen Ende der Stadt wieder hinausgegangen, wo drüben die Karlskirche steht, eine Madonna im Grünen. Das graue, einstöckige Haus in nächster Nähe mit dem ummauerten Hof ist das Mondscheinhaus, wo die Romantik blüht. Ein Blick von dort über die Stadt mit dem Kahlengebirge dahinter, das vergißt man nicht mehr. So viele Poesie! Schubert singt es, Schwind malt es, ein anderer dichtet es, jeder wie ihm der Schnabel gewachsen ist, die Hauptsache, daß man's nur spürt.

Die im Mondscheinhaus spüren's. Franz schleicht heran, im Hof hört man schon die drei Brüder Schwind, die sich sehr laut aufführen. Was tun sie? Dreinhauen tun's. Hauen aufeinander, daß es schallt wie bei Dreschern auf der Tenne, oder bei Teppichklopfern, prügeln sich gegenseitig mit alten Säbeln, rostigen Schilden, daß die Köpfe unter den verbeulten Helmen brummen, und schreien dazu, was sie nur aus der Gurgel bringen, volltönende, herrliche Worte, auf die man unwillkürlich hinhören muß. Was sind es? Nibelungenverse. »Er schlug damit den ersten Schlag. Hei, hei! Volker, Spielmann, wie rührst du den Fiedelbogen!«

So macht der fröhliche Knabensinn, der noch unverkümmert in den jungen Männern steckt, aus einer turnerischen Übung ein ganzes Ritterspiel. Ein echter Schwind.

Die Kämpfer sind müde und machen eine Pause. Franz pocht an das Tor. Kein Laut regt sich mehr. Grad' so, als ob das Haus ausgestorben wäre.

Haben sie sich am End' gegenseitig erschlagen, denkt Franz und klettert auf die Mauer hinauf. Das Schauspiel, das sich ihm darbietet, ist wunderlich genug. Die drei Helden, mit altem Rüstzeug angetan wie die Schmierenkomödianten eines Bauerntheaters, schleichen mit aufgeregten Mienen auf den Zehenspitzen ans Tor, der Älteste guckt durchs Schlüsselloch -- da hat Moritz den Eindringling schon über der Mauer entdeckt.

»Kerl, elender, blöder, mistiger, lieber, guter -- dein Glück, daß du da bist! Sei aber froh, daß du kein Gläubiger bist!«

Der Jubel ist jetzt erst recht groß, anstatt eines gefürchteten Gläubigers den lieben Freund zu erblicken, der zwar die Mauer hinaufzuklettern vermochte, aber nicht herunterkam. Eine kleine Tracht freundschaftlicher Prügel muß er sich in seiner Hilflosigkeit schon gefallen lassen. Nach diesen stärkenden Leibesübungen kehrt der gewohnte Männerernst wieder zurück. Schön ist es in dem Hof, den die Brüder in ein stimmungsvolles schwindisches Gartenbild verwandelt haben. Mit Rasen ist er bewachsen, eine Fliederlaube steht im Hintergrund, Akazien und Holunderbäume sind hinzugepflanzt, einige Blumenbeete, dazu noch etliche Oleander in Kübeln -- das ist »Schwindien«, die Heimat der schönsten romantischen Malerträume. Und weil man nichts tat, ohne den Dingen einen besonderen Sinn zu geben, so nannten die Brüder diesen Gartenhof mitsamt den zu ebener Erde liegenden Wohnräumen ihre Burg Malepartus.

Gewohnt, gelebt, gearbeitet wurde in der schönen Jahreszeit mehr in der Laube als in den Zimmern. Da lag noch das Arbeitszeug herum -- Neujahrskarten wurden gezeichnet und Krampusse gemalt -- wofür? Dumme Frage, für den kommenden Christkindlmarkt am Hof, Fronarbeit, mit der sich der junge ringende Genius die Freiheit für seine Kunst und seine Studien erkaufen muß. Denn manchmal ist Schmalhans Küchenmeister seit dem Tode des Vaters, und mit Schuldscheinen bewehrte Feinde belagern oft die Burg Malepartus. Aber Künstlerfreude und Jugendsinn lassen keinen Schatten dauernd aufkommen, besonders solange »Goldstaub« im Tabaksbeutel ist -- und den hat heute Schubert in reicher Menge mitgebracht.

»Bruder, am besten, du bleibst bei uns! Wir richten uns häuslich ein. Platz ist genug, ein Zimmer kannst du haben, was du singst, male ich -- kann man sich ein trefflicheres Accompagnement denken?! In dieser schönen Jahreszeit tragen wir die Matratzen heraus und schlafen nachts im Freien unter duftendem Flieder und niederrieselndem gelben Goldregen. Da blühen Träume, Bilder und Musik -- schöner findest du es nirgends!«

Für diese Nacht beschloß Schubert zu bleiben -- die Träume unter dem Fliederbaum und Goldregen waren gar zu verlockend. Ein mannshohes Schild mußte weggehoben werden, ein Türke war darauf gemalt noch frisch von Farben.

»Fürs Café Bogner -- so bezahlt man seine Schulden!« erklärte Schwind. »Morgen ist die feierliche Hinsetzung dieses ›Kunstwerks‹ -- das gibt wieder Kredit auf ein Jahr!«

Gegen Abend wurden in der Laube die Pfeifen entzündet, und die klausnerische Seligkeit begann, von der Schwind immer und immer träumte. Die Wolken stiegen wie Weihrauch, Flieder und Akazien dufteten, die Sterne leuchteten, Träume umwoben die Stirnen, das Glück war vollkommen.

G -- d -- g -- fis -- g -- a -- --

Die Cellos in der Brust erheben den schmerzlich süßen Sang, wohl und wehe ist ihm -- das Glück, das Glück!

Am anderen Morgen geht das Wohnungsuchen an in den engen traulichen Gassen der inneren Stadt. Die Sonne fällt schräg in die blitzenden Fenster der leicht gekrümmten Hauswände, ein Lied trällert, ein Kopf lugt da und dort heraus, ein Tüchlein um die Frisur gebunden, wäschermädelartig, mit zwei koketten Zipfeln nach vorne -- sie sind so lustig beim Zimmerfegen in aller Früh, die holden Weiblein! Und auf Reinlichkeit sind sie wie der Teufel: nur gleich zum Fenster hinaus mit dem Staubtuch, die ganze Ladung dem Vorübergehenden auf den Kopf: Unrat, zusammengedrehte Haarbüschel -- das ist aber noch nicht das Schlimmste, wenn nicht zufällig auch einmal was Lebendiges dabei ist, ein Läuslein, ein Wänzlein, ein Flöhlein. Sind ja so übertrieben reinlich, dulden nichts Unsauberes, heißt es gleich, hinaus damit! Also gib fein acht, lieber Morgenwanderer, wenn du durch enge Wiener Gassen lustwandelst!

Spaziert Franz unverdrossen die Kreuz und Quer, gaßauf, gaßab, hält an jedem Tor, wo ein weißer Zettel hängt und wie eine Geisterhand winkt: »Elegant möbliertes Zimmer für einen soliden Herrn .....«

Unzählige Treppen gibt es zu steigen, eine Wanderung, die steil hinauf- und hinuntergeht im geklüfteten Stadtgebirge. Das Bilderbuch der Stadt rollt sich auf bei dieser seltsamen Wanderung, die keinem Junggesellen erspart bleibt. Es ist zwar immer dasselbe Bild bürgerlicher Zwischenstufen, ein krampfhaftes Pflanzmachen, dahinter die heimliche Misere, ein elendes Durchfretten, ein ewiges Wursteln ..... immer dasselbe Thema, aber welche Variationen im Menschlichen!

Eine hübsche Witwe tut sehr fesch, will ihn gar nicht mehr fortlassen, sitzt plaudernd da mit übereinandergeschlagenen Beinen: »O, Sie werden sich sehr wohl fühlen!« Mehr als ihre Worte sagen es ihre Mienen und ihre Augen. Er wäre froh, wenn er schon draußen wäre, er fühlt sich gar nicht wohl, er sitzt wie auf glühenden Kohlen.

Bei einer Witwe, die so hübsch und lustig dreinschaut, nein, das geht doch nicht. Was würden die Leute dazu sagen, die Freunde und nun gar die Brüder, wenn sie kämen, und erst, was Gott verhüte, der gestrenge Herr Vater! Die Hänseleien von den einen, die stillen oder gar lauten Vorwürfe von den andern -- er möchte keines von beiden riskieren. Er ist das wirklich, was auf dem Zettel verlangt wird, »ein solider Herr«! Er ist hochrot im Gesicht, als er wieder unten auf der Straße steht, und jetzt ärgert er sich über sich selber. »Dumm von mir ...«, aber man ist manchmal so und manchmal so .....

Und fort geht das Suchen -- schließlich wird's ihm ein Bild des Lebens: Suchen und Suchen, kaum ein Finden, schließlich immer nur ein Vorliebnehmen.

Des Auf- und Abkletterns müde geworden, hat er am Schluß vorliebgenommen und sitzt als Zimmerherr in einer geräumigen Stube mit altväterischen wackligen Möbeln. Nun ist er in seiner höchsteigenen Behausung für monatlich dreißig Gulden Wiener Währung samt Frühstück. Ein sündhafter Preis! Warum hat er's genommen? Das Suchen war ihm schon zuwider, vielleicht aber hat ihn auch das Mitleid bestimmt. Er hat ein weites Herz und denkt sich, wegen so ein paar Netsch mehr oder weniger ....

Die Quartierfrau, ein abgehetztes Weib, hat ihm in fünf Minuten ihre ganze Lebensgeschichte erzählt, sie ist eine »bessere Frau«, was sie wiederholt unterstreicht, und die Mali, ihre Tochter, das liebe, gute Kind, lernt Französisch und Klavier und kann eine ausgezeichnete Torte machen!! Sie ist so furchtbar häuslich! Sie behauptet, daß die Erziehung des Kindes so furchtbar viel Geld kostet, aber eine gute Bildung sei wohl die beste Mitgift! Ein vernünftiger Mann würde bei einem Mädchen doch lieber auf Bildung und Häuslichkeit sehen als auf Geld! Der neue Zimmerherr wird sich wie zu Hause fühlen!

Es gelingt ihm endlich, ihrem Wortschwall Einhalt zu gebieten und sie zur Tür hinauszuschieben, dann hört er sie im Hintergrund des dunklen Flures, der von Waschdunst und Küchengerüchen erfüllt ist, mit der Mali, dem guten, lieben Kind, keifen: »Was stehst denn, Trampel, schau', daß d' in Schwung kommst ...« So sieht's mit der Erziehung aus, die furchtbar viel Geld kost' ....

Es ist aber nicht tragisch zu nehmen, das Zünglein hängt gar locker und ist mit einem Schimpfwort rasch fertig. Das kommt bei besseren Leuten auch vor -- es gehört zur Gemütlichkeit.

Ein Klavier steht in der Ecke, verstaubt, verstimmt, es muß erst instand gesetzt werden. Ein Glück, daß es überhaupt da ist. Also rasch den Klavierstimmer ins Haus! Die gute Mali -- ob die je im Leben eine Klaviertaste angerührt hat? Aber das bißchen Pflanz -- es ist ja so notwendig zum Leben, der Traum von Glück, ein goldener Schein, der das graue Elend ein bißchen überleuchtet!

Als dem Klavier wieder wohlgestimmte, klare, reine Töne entsteigen, und die von Arbeitsdrang erfüllte Brust sich in Noten entladen darf, da ist das Gemach hell und freundlich geworden und die Geister der Sorge, die es bewohnten, sind entwichen. Die Seele schwebt in wolkenloser Seligkeit und ein Celloton singt in H-Moll aus blauer Ferne:

G -- d -- g -- fis -- g -- a .....!

Ein schwebender Klang, der sein hoffnungsreiches Glücksgefühl umspielt. Wenn er in sich hineinhorcht, kann er ihn jetzt wieder vernehmen, immer und immer wieder.

Der Ton entschwebt, wenn er ihn fassen will, verdrängt von dem singenden, rauschenden Quell in seiner Seele, der ins Leben will, der Menschheit zur ewigen Freude. Herrlich ist es, so in Freiheit zu leben und im goldenen Überfluß zu schwelgen! Mit vollen Händen kann er sich verschenken, so stark und schier unerschöpflich ist der innere Quell!

Der graue Vormittag gehört dieser stürmischen Arbeit. Mit allen Kräften der Seele ist er seinem Werk gewidmet, vom frühen Morgen an bis zur Mittagsstunde. Dann ist er erschöpft, leer, ausgepumpt, sucht Erholung und Ablenkung und findet sie bei den Freunden. Schon beim Mittagessen trifft er den einen oder anderen im Gasthaus »zur schwarzen Katze«, »zur Schnecke«, »zur Eiche«, beim »roten« oder beim »blauen Igel«, wo abwechselnd das bescheidene Mittagsmahl eingenommen wird.

Gleicht ein Beisel dem andern, der Fußboden ist voll Flecken und Schmier, der Kellnerfrack ist es ebenso, der einmal schwarz war und jetzt grau ist wie der Boden, der einmal weiß war. Es geht gemütlich her, der Wirt, der Zahlkellner, der Speisenträger, der Pinckerl schießen herum, Herr von Schubert hin, Herr von Schubert her, vier oder sechs Hände entreißen ihm Hut, Stock und Überrock, noch ehe der Ankömmling weiß, wie ihm geschieht, leiert ihn der Pikkolo an wie ein Ratschenbub und zählt alle Getränksorten her, der Speisenträger memoriert die Speisenkarte: Fleckerlsuppe, Nudelsuppe, Kaiserschöberl -- schönes Rindfleisch, Herr von Schubert, ein schwarzes Scherzel, ein Kavalierspitz, ein Kruspelspitz, nicht zu fett, ein bisserl unterspickt, Zwiebelsauce oder eingebrannte Erdäpfl dazu, oder rote Rüben, Schnittlauchsauce -- vielleicht einen schönen Kalbsschlögel, einen Nierenbraten, Kaiserfleisch, Schöpsernes, Roastbeef --

Halt, halt! Der Kopf wirbelt einem schon! Jetzt kennt man sich in den kulinarischen Genüssen erst recht nimmer aus. Zeit lassen! Die Speisenkarte her!

Inzwischen wird von allen Seiten geschrien, dem einen geht die Bedienung zu langsam, dem anderen, der seine Suppe noch nicht ausgelöffelt hat und schon das Rindfleisch kriegt, geht sie zu schnell, keiner ist zufrieden, ein jeder möcht' etwas anderes -- die Aufregung! Das Schimpfen, das Gelächter, das Tellerklappern, das Geschrei, die durcheinander schwirrenden Dissonanzen -- wobei sich alles in Wohlgefallen und Gemütlichkeit wieder auflöst -- es wirkt auf die abgespannten Nerven doch wieder belebend wie ein erfrischendes Bad. Und hat man heute über den Schlangenfraß geschimpft und es verschworen, das verfluchte Saubeisel nicht mehr zu betreten, so ist man am anderen Tage um so pünktlicher wieder da. Es ist keiner glücklich, wenn er nicht ein bißchen räsonnieren kann. Die Wiener Tugenden und Untugenden, die waren, sind und sein werden -- man hat sie in der knappen Mittagsstunde beisammen, während der Fütterung entfalten sie ihre Blüte. Man ist gereizt wie eine hungrige Bestie, wenn man kommt, und wenn man geatzt ist, geht man als friedfertiger Mensch von dannen. Wohin?

Natürlich ins Kaffeehaus zu einem Schwarzen und einer Pfeife Tabak, die der Höhepunkt des Diners ist. Das Essen ist nur der Umweg zu diesem Göttergenuß. Also geradewegs zur »lustigen Blunzen«, wo Schwinds Schild mit dem Türken richtig in ganzer Farbenpracht prangt.

»Schani, trag' den Garten außi!« Also trug an schönen Tagen Schani, der Kellnerjunge, unter Beihilfe des Feuerburschen den Garten hinaus, nämlich die Holzkübel mit den Efeuwänden, die am Trottoir vor dem Café einen kleinen imaginären Gartenbezirk bilden mit einigen Marmortischchen darin. So sitzt man draußen im Freien an schönen Tagen. Fast angenehmer ist es aber drinnen in dem gewölbten Raum, wo der Feuerbursch am Herd die Bohnen röstet, daß der frische Kaffeegeruch stark und würzig den Raum durchströmt. Eine ältliche Kassiererin sitzt im Büfett und liest in einem Romanbüchel, ein paar Herren im dämmerigen Hintergrund halten starr die Zeitung vor sich hin oder sitzen in bequemen Lehnsesseln zurückgelehnt, zuweilen glaubt man sich in eine Sägemühle versetzt, ein verdächtiges Geräusch rasselt von hinten her, steigt höher und höher, und wenn es den Klimax erreicht hat, reißt es plötzlich ab, ein tiefes Schnarchen: jeder macht seinen Nipfetzer.

Der Kellner streicht lautlos hin und her wie auf Samtpfoten, damit er keinen von den Herren aufweckt. Nur vom Billard her tönt das gedämpfte Rollen der Kugeln, nebst dem Summen der Fliegen an den Fensterscheiben, eine angenehme, einschläfernde Musik. Am schönsten ist es, am Fenster zu sitzen, hinauszublicken auf die alten Häuserfronten mit bequemen Portalen, verwittertem, steinernem Wappenschild darüber, schmiedeeisernen Balkonen und ähnlichem, ehrwürdigem Zierat. Da sitzt man in Betrachtung dieser Dinge, schlürft seinen Schwarzen, schmaucht sein Pfeifchen, schaut in die Zeitung, tut zwischendurch selbst so ein kleines Nickerlein, oder ergötzt sich, wenn die Freunde da sind, an dem Gespräch, das alsdann immer munter fließt. Die Welt täglich niederreißen, neu und schöner wieder aufbauen -- dadurch wird die schwarze Kaffeestunde ereignisvoll und fruchtbar.

Die paar Stunden nachher während des Nachmittags vergehen auch so; die Blume der Freundschaft entfaltet sich am herrlichsten erst abends. Da sitzt man mit den geliebten Kaffee-, Wein- und Punschbrüderln, wie Franz seine Getreuen nennt, oft in fröhlicher Tafelrunde über die gewöhnliche Sperrstunde hinaus beisammen, und zuweilen hallen die schlafenden Gassen von der lauten, singfrohen Ausgelassenheit der Jünglinge, die Schwinds Stift in einem übermütigen Augenblick festgehalten hat, wie sie vor einem unvollendeten Neubau stehen und ein Ständchen vor den leeren Fenstern darbringen. Die herrlichsten Lieder steigen in das Nichts empor, die Schöne fehlt, für deren Ohren sie bestimmt sind, die ist nur erträumt da, und an ihrer Stelle antwortet das Echo in den Schatten des leeren Hauses.

So geht es derzeit noch dem Meisterlein, die Freunde sind da, der Genius hat ihn geküßt, aber wo ist die Menschheit, seine Gaben zu empfangen und den schuldigen Dank zu spenden?

Einerlei, der junge Meister denkt nicht daran, es ist ihm vor allem darum zu tun, sich im Schaffen auszuwirken und den inneren Schatz zu heben, der sein Erbteil geworden war. Die Freunde wissen es, die seine Schöpfungen in Abschriften von Hand zu Hand geben, kein Abend vergeht, wo sie nicht bewundernd von den neuen Köstlichkeiten erzählen, die Schubert in seinen fieberhaften Arbeitsstunden an den Tag gefördert hat.

Äußerlich war es nur ein kleines Leben, das der junge Schubert genießerisch führte. Aber in diesen scheinbar nichtigen Dingen war wienerischer Geist, sein vegetatives Sein lebte davon, der innere Mensch, der sich an dieser geheimnisvollen Kraft aufbaute. Ein Narr, der mehr verlangt als diese einfache seelische Hausmannskost, die Mutter Heimat gibt. Schuberts Sein war mit allen Wurzeln in dem Boden dieser Wiener Heimat verwachsen; er lebte im Alltag, wie alle anderen lebten, nur mit dem Unterschied, daß er als der schöpferische Mensch es verstand, aus der groben Alltagskost das geheimnisvolle wienerische Fluidum abzuleiten, aus den Wurzeln in die Krone, wo es liedhaft ertönte, als unsterblicher Sang auf die einzige, süße, liebe, unvergleichliche, schöne Weanastadt!

Ein Ton schwebt über diesem Dasein, darin die Seele der Stadt war, vor allem die Seele Schuberts: g -- d -- g -- fis ...!

Immer wieder klingt dieser milde, tröstliche Satz durch, mannigfach verschlungen und variiert, wie der Anfang einer Sinfonie seines Lebens. Daß man es doch fassen könnte, hinstellen als unvergleichliches Gleichnis seiner selbst! Und immer wieder, mannigfach unterbrochen von dunkleren, schmerzlicheren Gewalten, setzt dieser verhaltene, heiter ernste Takt ein, immer wieder, ohne zu vollenden .......

Aber das fröhliche Herrenleben neigt sich zu einem sehr betrüblichen Ende. In den zwei armseligen und doch so folgenschweren Wörtchen spiegelt sich das Schicksalsbild: kein Geld!

Hundert Gulden dauern nicht ewig, auch nicht in jenen Tagen, wo sich unendlich mehr damit richten ließ. Man ist zwar kein Leichtfuß, aber man ist auch kein Sparer und kein Knicker, und wer sich jede Freude versagt, wird auch wenig Freude geben.

Franz knirscht: Verflucht auch! Die anderen sollen's nicht merken, er will's vor sich selber nicht wissen, will sich nicht stören lassen, nicht beirren lassen, arbeitet drauf los. Die Arbeit hat ja das Gute, daß sie von den Trübnissen erlöst und daß man sich als Herr des Lebens fühlt, solange sie dauert und glückt. Aber dann, in den Stunden der Erschöpfung, dann führt Frau Sorge das Wort. Sollte der Herr Vater recht haben: ein verlorener Musikant?! Nein, nein -- man muß sich halt tüchtig durchbeißen, fest zusammenhalten die paar Knöpf', die man noch in der Hosentasche hat, und Stunden geben, mehr Stunden!

Einige Schüler hat er schon. Aber die sind halt das Kreuz seines Lebens. Fressen die schönste Zeit und beste Kraft weg für nichts und wieder nichts. Diese Stockfisch', diese vernagelten!

Einige Haustöchter aus guten Familien nehmen Unterricht bei ihm. Sie schrecken vor dem Schwierigsten nicht zurück; was sie am wenigsten können und verstehen, reizt sie am meisten. Es bringt den armen Franz zur Verzweiflung. Dieses Haustöchtergeklimper! Heiliger Beethoven! Muß deine Feuerseele so unters Klavier fallen! Muß es wirklich sein?! Mamsell, Mamsell!

Es muß wirklich sein. Mamsell ist sonst gekränkt und gibt die Stunden auf. So also sieht die Freiheit aus?! Dreimal gefesselt vom Mangel, von der Frone und der Schaffensnot. Die Tage im Schulhaus -- was war das für eine sorglose, glückliche Zeit! Er könnte ja zurückkehren, der Vater würde ihn mit offenen Armen aufnehmen, ein reuig heimkehrender Sohn! Aber er schleudert den Gedanken ergrimmt von sich: Feigheit, erbärmliche Feigheit! Einem jungen Menschen geht es nicht schlecht, auch wenn er kein Geld hat. Ein junger Mensch, der Talent hat und arbeiten kann, ist reich. Reich, ja, das ist unser Franz, sitzt bei goldenen Schätzen -- nur abbeißen kann er nichts davon!

»Unbegreiflich, daß ein Mensch, wie du, nicht schon längst einen Verleger gefunden hat!« wundert sich Spaun und nimmt die Sache gleich energisch in die Hand. Wozu noch warten? Die Manuskripte stauen sich in Schuberts Mappen und Tischladen. »Ich hab' mit Diabelli gesprochen, er hat von dir schon gehört, geh' nur getrost hin.« So der liebe Freund.

Franz faßt ein Herz. Er ist scheu vor fremden Leuten, und nun gar als einer, der nichts bringt, sondern viel eher fordert! Es kostet viele Überwindung, bis er sich auf den Weg macht.

Endlich sitzt er im Geschäftsladen des Wiener Druckgewaltigen. Er muß warten, ehe sich ihm die Tür des Chefzimmers gnädig erschließt. Eine Viertelstunde vergeht, eine halbe Stunde -- das zermürbt den Menschen. Entweder er lehnt sich auf und geht davon, nicht ohne einen kräftigen Fluch zur Tür hineinzuschleudern, oder aber er knickt zusammen und versinkt zu einem Häuflein Elend.

Die Faust geballt, den Fluch auf den Lippen, will der Künstler seiner Menschheitwürde den rechten Ausdruck verleihen, aber der Gedanke an die Geldnot zwingt ihn nieder. Er gibt sich und dem Protzen da drinnen noch fünf Minuten Frist, dann noch fünf Minuten -- endlich! es ist ein Glück für den da drinnen, daß er den Künstler nun rufen läßt.

Der steht nun demütig und verzagt vor dem gerissenen Geschäftsmann, der ihn wie einen Bettler empfängt. Fürs erste, daß er auf den schüchternen Gruß des Eintretenden gar nicht antwortet. Er streift ihn nur mit einem flüchtigen Blick aus der Brille, dann sieht er ihn überhaupt nicht mehr an. Es ist ein Geschäftskniff. Man darf den jungen, schaffenden Talenten nicht zeigen, daß man sie braucht. Sonst werden sie in ihren Forderungen unverschämt. Man muß sie so lange als möglich zappeln lassen, bis ihnen das Wasser ins Maul rinnt, dann macht man den Fang! Das ist die Geschäftsethik der Herren Diabelli und Genossen.

Franz stammelt unverständlich etwas vor sich hin und legt ein Notenpack auf den Tisch. Der Verleger blättert oberflächlich eine Weile herum, schiebt das Ganze wieder zurück und sagt:

»Nicht zu brauchen! Viel zu schwer! Das Publikum verlangt leichtere Sachen. Ihr Herren Künstler glaubt immer, es muß durchaus nach eurem Sinn gehen. Wer soll denn das Zeug verkaufen? Aber ihr denkt halt, es tut nichts, wenn der Verleger sein Geld verliert! Es tut ja was! Verstehen Sie mich?! Könnt' verhungern alle miteinand' mit eurem verfluchten Eigensinn! Also lassen Sie sich's gesagt sein, machen's leichtere Sachen, dann können's wiederkommen!«

Draußen war Franz, er wußte nicht wie, der Schädel brummte ihm, das Gesicht war hochrot, es war ihm, als ob er einen Schlag bekommen hätte. Schnurstracks ist er heimgestürmt, aber das Heim ist auch keine rechte Zuflucht mehr. Die Quartiergeberin hat's Grüßen verlernt, wenn sie ihn sieht. Das macht die unbezahlte Wochenrechnung. Aber so geht's: gestern war man noch ein gnä' Herr, heute ist man ein Lump! Das ist die Psychologie der kleinen Leute, die eine feine Witterung für die jeweilige Finanzlage haben. Verfluchte Bagage! Mali, das liebe, gute Kind, ist alle Augenblicke in der Tür gesteckt, hat sich immer was zu schaffen gewußt im Zimmer, war nie um einen Vorwand verlegen, und blieb dann länger als nötig war, weil sie »gern etwas abgespickt hätte beim Klavier ....« Dann bringt sie gelegentlich ein Stück Sonntagstorte eigenes Fabrikat »zum Kosten«!

Franz ist gutmütig und gibt ihr einige Gratisunterweisungen in leichten Klavierübungen. Aber Mali hat dumme Finger und ist ganz talentlos ..... Schließlich ist ihr ja auch nicht ums Klavierspielen zu tun.

Die Mutter steht dahinter und schürt und schürt. Sie hat's schwer im Leben und möchte das liebe, gute Kind gar zu gern versorgt wissen. Aber Franz ist keiner, der sich einlullen läßt mit Schmachten und Sonntagstorten, einspinnen und einnähen, bis es heißt, entweder Schuft oder Trottel! Trottel, wenn man picken bleibt, Schuft, wenn man die Kleine sitzen läßt. Franz ist weder für das eine noch für das andere geboren. Weder Schuft noch Trottel -- das hat die arme Frau schließlich doch gemerkt. Sie kuppelt auch nur so lang, als sie glaubt, daß der »gnä' Herr« bei Kasse ist. »Ah, das ist so einer!« tippt sich die Alte an den Kopf. »Ist nicht weit her mit der Marie (Geld)! Ich hab' mir's doch gleich gedacht. Na, wart', mein lieber Gschwuf: so etwas könnt' man brauchen!« So wird das gemütliche Heim allmählich eine Hölle.

Aber auch im Wirtsbeisel verändert sich die Stimmung. Hut, Stock und Überrock wird einem nicht mehr aus der Hand gerissen, der schofle Gast mag sich nur selber bemühen. Der Fraß wird einem ziemlich achtlos hingeschoben, jetzt kannst du drei-, viermal klingeln, bis so ein Lakl die Ohren auftut. Hat man denn einen Geruch an sich, wenn einem das Geld knapp wird? Es muß wohl so sein. Wer kein Geld hat, ist soviel wie ein Pestkranker. Der soll sich nur gleich begraben lassen. Kein Hund nimmt ein Stückel Brot von ihm!

Franz ist nicht der Mann, sich die Misere anmerken zu lassen. Aber da hat er sich verrechnet in der Kennerschaft der dienstbeflissenen Menschheit. Das sind geübte Menschenkenner, die dienstbaren Geister, und wissen genau, was es bedeutet, wenn der Herr von Schubert auf das Fleisch verzichtet und sich mit Linsen und Spiegeleiern begnügt, oder abends bestenfalls Augsburger mit Erdäpfl ißt, ein kleines Glas Bier dazu, wenn auch der Durst noch so groß ist und -- was das größte Verbrechen ist -- mit dem Trinkgeld zu sparen anfängt. Der Schmutzian, der notige!

Armut ist keine Schande. Sie ist mehr: ein Unglück ist sie, eine Schmach! Zuweilen lastet es mit großer Wucht auf dem empfindlichen Gemüt. Und herzzerreißend klagen die Geigen, Violen und Fagotten in der Brust: e -- fis -- g -- h -- ais ....... Wie schwere Gewitterstürme stöhnen die Kontrabässe drohend und unheilvoll tief unten: c -- c -- c ....

Ist denn in dieser infamen Welt, wo jeder Vogel sein Futter findet, kein Platz für den gottbegnadeten Künstler?

Es ist die Stimmung, in der der Galgenhumor erwacht. Den Freunden geht's mit wenigen Ausnahmen auch nicht besser. Was ist eine Zeit wert, die so ausgezeichnete Kerle darben läßt? Das gemeinsame Leid macht stark. Was sind die Freunde doch für Mutmacher! Der Wert der Freundschaft, nie steht er höher als in solchen Tagen. Es sind ihrer zu viele, einer hält den anderen, sie wissen, die Zukunft gehört ihnen, trotzig fordern sie die Gegenwart heraus. Aus dieser inneren Gewißheit schöpfen sie den Humor, der sie selbst in dieser mißlichen Lage beneidenswert macht.

Das Verlegerunglück wird gehörig belacht und auf diese Weise der Bitterkeit entkleidet. »Der Diabelli wird dich noch um Verzeihung bitten und froh sein, wenn er die Brosamen aufheben darf, die von deinem Tisch fallen, du Reicher im Genieland!« entschied Spaun. »Hilft aber alles nichts, du mußt vorerst mehr in der Gesellschaft herumgereicht werden, bis der Kerl leckere Zähne kriegt!«

Schober hat wichtige Verbindungen angeknüpft. Er hat den Baron Schönstein, der in seinen adeligen Zirkeln als Liedersänger glänzt, für Schubert zu interessieren gewußt. Der aristokratische Amateur erkannte sofort: hier ist ein Besonderer! Er ist Feuer und Flamme für ihn, rührt die Propagandatrommel und erweckt in seinen exklusiven Kreisen die Aufmerksamkeit für den jungen Künstler. Eines Tages empfängt Franz eine Einladung in das Haus der Fürstin Soundso. »Dein Glück ist gemacht!« erklärten die Freunde. Gemach, gemach, ihr lieben Heißsporne, auch damit hat es seine Wege!

Franz sitzt am Klavier, Schönstein singt. Die aristokratische Gesellschaft ist entzückt, besonders aber die Damen. Sie können sich nicht genug tun mit feurigen Anerkennungen und Glückwünschen. Aber die Begeisterung gilt nur dem Sänger, Schubert sitzt am Klavier, unbeachtet, vergessen, niemand von den Herrschaften würdigt ihn eines Wortes oder auch nur eines Blickes. Die Fürstin, ihrer Hausfrauenpflicht eingedenk, erinnert sich des Meisterleins, wenngleich ein wenig spät. Sie will die Vernachlässigung gutmachen, sie spendet dem Unbeachteten freundliche Worte des Lobes; sie ahnt dunkel, daß etwas nicht ganz in Ordnung ist, und tröstet ihn darüber, daß der Sänger seiner Lieder den Lorbeer allein einheimse, der eigentlich zum größeren Teil ihm gehöre, dem Schöpfer der Lieder. Aber die Menschen, die unter dem starken Eindruck eines guten Vortrages ständen, seien nun einmal so.

Franz lehnt bescheiden ab: »Geben Sie sich diesfalls nur keine Müh', Frau Fürstin, ich bin's ja gewohnt, übersehen zu werden; ja, wenn ich aufrichtig sein soll, so ist mir das sogar recht lieb -- wissen Sie -- ich fühle mich dadurch weniger geniert ......«

Das war kindlich aufrichtig, sogar rührend -- ob es die Fürstin verstanden hat? Sie wußte jedenfalls die Form zu wahren und es am Schlusse so zu wenden, daß die jungen Damen der Gesellschaft dem bescheidenen Meister pflichtschuldigst einige Artigkeiten sagten. Dem war es aber erst recht zuwider.

Und als ihn die Kaffee-, Wein- und Punschbrüderln, die ihn schon desselben Abends in der lustigen Blunzen erwarteten, bestürmten und vor Neugierde brannten, was er vor dem auserwählten Damenkreis für eine Wirkung erzielt habe, da sagte er unwirsch: »Ach, diese Frauenzimmer sind mir zuwider mit ihren Artigkeiten; sie verstehen von der Musik nichts, und was sie mir da sagen, geht ihnen nicht vom Herzen ...«

Der Versuch schien also fehlgeschlagen. Doch Schober hatte schon wieder einen neuen Ausweg gefunden. »Morgen abend seid ihr bei mir eingeladen, und was meinst du, Franz, wer kommt? Kein Geringerer als der Hofopernsänger Vogl, der große Vogl, Philosoph und gewaltiger Sänger -- nun, so freu' dich doch, du hast doch nichts sehnlicher gewünscht, als den großen Vogl kennen zu lernen. Ja, weißt du überhaupt, was das heißt, wenn der deine Lieder öffentlich singt? Das heißt soviel, als daß du dann ein gemachter Mann bist .....«

Aber dem Franz ist es heute einerlei, er hat schon so viele Enttäuschungen erlebt; immer, wenn es hieß, dann bist du ein gemachter Mann, war es in der Regel für die Katz'. So mit Goethe, mit Salieri, mit Diabelli, mit Schönstein, mit all den bürgerlichen Kreisen, in denen er verkehrte, und die ihn wie einen Wunderknaben anstaunten, da und dort auch verhätschelten, oder wie ihren lieben Wurstel behandelten, besonders die Frauenzimmer -- ein gemachter Mann war er darum noch lange nicht, obzwar es bei jeder neuen Bekanntschaft so oft hieß: wenn sich der oder der für dich interessiert, dann bist du ein gemachter Mann! Das Gegenteil war der Fall. Schulden hatte er auf dem Buckel und wußte sich nicht zu retten vor Sorgen. Jede neue Erfahrung zugleich auch eine Enttäuschung. Kein Wunder also, daß er in einem Augenblick des Mißmuts nicht viel hielt von der oft gewünschten Bekanntschaft mit Vogl, und daß es ihm für diesen Augenblick wenigstens Wurst war.

»Da hört sich aber doch alles auf,« legte jetzt Schober los, »meinst du, daß es so leicht war, den Vogl soweit zu bringen? Nun kann ich dir ja reinen Wein einschenken -- fürs erste wollte er überhaupt von dir nichts wissen! Verstehst du? Nichts wissen wollte er von dir!« Und nun erzählte er weitläufig, was es für Schwierigkeiten gekostet habe, den ablehnenden Sänger umzustimmen.

Ja, warum wollte er denn nichts wissen von unserem Franz? So eine Gemeinheit!

Na, na, na -- ist deswegen noch keine Gemeinheit! Es gibt eine Masse junger Genies, die entdeckt werden wollen, in der Regel stellt sich doch immer wieder heraus, daß es nicht weit her ist damit. Ist es da zu verwundern, wenn ein berühmter Sänger, der auf diese Weise schon hundertmal getäuscht worden ist, es sich zum hunderteintenmal gehörig überlegt? Und dann sei nicht zu vergessen, daß ein Künstler wie Vogl mit Musik überfüttert werde; was Wunder also, wenn er sich lieber sehnt, von ihr loszukommen, als immer noch neue zu entdecken ..

Die Erzählung Schobers fand allgemeine Mißbilligung, der Hochmut des Sängers wurde mit scharfen Worten getadelt, nur Schubert ergriff jetzt seine Partei: es sei doch ganz natürlich, daß der Mann seine Ruh' haben will, und es wäre viel eher zu verwundern, wenn die Antwort auf Schobers Begehren anders ausgefallen wäre. »So und nicht anders hab' ich's immer erwartet!« erklärte er zum Schluß nicht ohne pessimistischen Anflug eines, der, durch die Erfahrung gewitzigt, seine Sach' auf nichts gestellt hat. So war er wenigstens vor allzu schwerer Enttäuschung geschützt.

Am anderen Abend auf dem Weg zu Schober klopft ihm aber doch das Herz aus zweifacher Angst: entweder, daß der Gewaltige nicht kommen würde, oder daß er am Ende wirklich erscheinen könnte ... Beides war für den Weltscheuen und doch sehnlich Begehrenden in gleicher Weise beunruhigend.

Die jungen Kerle saßen bei Schober zusammen, sie hatten schon ein bißchen musiziert, da tat sich um die festgesetzte Stunde die Tür auf und herein schritt mit großer Miene der unnahbar tuende Vogl.

»O Gott! Welche Ehre -- die Auszeichnung ....« Franz stammelte einige unzusammenhängende Worte, daß er nun die Ehre der Bekanntschaft haben soll und so weiter. Vogl schaut den Kleinen von oben bis unten an, rümpft die Nase und geht, ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen, gravitätisch an ihm vorbei.

Du lieber Himmel! Der Anfang war unselig genug. Franz war jetzt ganz auf den Mund geschlagen, auch den anderen entsank der Mut. Es herrschte auf einige Augenblicke das Gefühl der tödlichsten Verlegenheit.

Nun war Vogl der erste, der eine Entspannung herbeiführte. »Also, was haben Sie denn da?!« Er sagte es, aber es klang nicht sehr aufmunternd.

Dabei nahm er ein Notenblatt zur Hand, das wie eine Leimspindel für den Vogl aufgerichtet war. Er überflog das Lied, summte es mehr, als er es sang, legte es wieder hin und sagte: »Na, ist grad' nicht so übel!« Das klang nicht sonderlich begeistert.

Aber er wurde wärmer und wärmer bei den späteren Liedern, die er anfangs nur mit halber Stimme sang; schließlich sah er sich den jungen Mann schärfer an und wurde freundlicher und freundlicher. Beim Weggehen klopfte er ihm auf die Schulter und sagte: »Es steckt etwas in Ihnen, aber Sie sind zu wenig Komödiant, zu wenig Scharlatan. Sie verschwenden Ihre schönen Gedanken, ohne sie breitzuschlagen!«

Er ging weg, ohne etwas vom Wiederkommen zu sagen, man wußte nicht recht, wie man dran war mit ihm. Also wieder ein fehlgeschlagener Versuch?

Da gab selbst Schober die Hoffnung auf: »Er ist halt schon zu alt und will sich von der Musik und von der Singerei ganz zurückziehen. Das Kloster steckt ihm noch im Leib; wer im Kloster erzogen worden ist, dem bleibt für sein Leben was hängen. Jetzt sitzt er am liebsten wie der heilige Hieronymus in seiner Klause, hat seine Hund' und Kanarienvögel um sich her, die Nase in der Bibel, im Marc Aurel, im Epiktet -- er ist eben ein wunderlicher Kauz! Denkt euch, ein dramatischer Sänger, der in den Theaterpausen lateinische und griechische Klassiker liest in der Ursprache -- ist euch schon so etwas vorgekommen?«

»Schade,« sagte Schubert, »ich wollt', es gäbe mehr solcher Leute!« Die Idee eines freien Klosters schwebt ihm oft durch den Sinn, eines weltlichen Klosters, wie er und Schwind oft zusammen träumen; Vogl als Prior -- man malt sich jetzt die Sache hübsch aus, Schwinds Phantasie tut das ihrige dazu: jeder in brauner Mönchskutte als Klausner, in herrlicher Waldgegend auf schwellenden Moosbänken sitzend, in sinniger Betrachtung versunken, die Pfeife im Mund, einen Bierkrug neben sich, saftiges, schwarzes Brot, einen Bund Radieschen, von Weltsorgen frei, der Kunst, der Schönheit, der Naturbetrachtung lebend -- der Gedanke wäre nicht übel. Aber so halb und halb lebt man ohnehin in Brüdergemeinschaft, wenn es auch bei diesen Klausnern in einem weltlichen Ton hergeht.

Ist übrigens ein wunderlicher Kauz, der Vogl. Er hält mit dem Lob gegen Schubert und seine Freunde sehr zurück, aber durch dritte Personen ward erfahren, wie enthusiastisch er die Lieder des jungen Genius vor anderen rühmte.

Und eines Abends erschien er unangemeldet bei diesen Weltbrüdern und kam dann immer wieder, sang Lied auf Lied von Schubert und fand es immer unbegreiflicher, wie solche Tiefe und Reife aus dem jungen kleinen Mann, der auf den ersten Blick so unbedeutend schien, hervorkommen konnte. Der alte Junggesell, der schon daran dachte, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, hat neue Kunstbegeisterung aus Schuberts Liedern geschöpft -- Franz hatte nun wirklich einen neuen Freund und Fürsprecher, dessen Stimme gehört werden mußte.

Aber auch die Beziehungen mit Baron Schönstein erwiesen sich jetzt von einigem Wert -- kurz und gut, Franz erhielt den Antrag, die gräflich Esterhazysche Familie zum Sommeraufenthalt auf das Gut Zelez in Ungarn zu begleiten und während dieser Zeit den Musikunterricht der beiden Komtessen zu leiten.

Es war, als ob eine unsichtbare rettende Hand eingegriffen hätte, um den Schmachtenden von dem unerträglichen Druck der niederen kleinen Alltagssorgen, die am schwersten drücken, zu befreien. Ein Sommer auf dem Land, die Ferne, eine neue Welt und noch dazu sorgenfrei -- das war die ersehnte Freiheit! Auch Schober ging für eine Zeit weg, Goethes Wilhelm Meister ließ ihm keine Ruh', er wollte es einmal in diesem Stil versuchen, halb Schauspieler, halb Dichter, halb Mäzen, dilettierender Künstler auf allen Gebieten, der seine vielseitigen Gaben im Strome des Lebens versuchen will.

Spaun, Mayrhofer bereiteten sich auf längeren Urlaub vor, Schwind geht auf eine Studienwanderung, der große Kreis von Familien, in denen man verkehrte, geht im Sommer »aufs Land«. Die Fenster in den heißen Gassen schließen sich, sie senken gleichsam die Lider, Wien versinkt in seinen Dornröschenschlaf. Nur wer kein Geld hat und wirklich nicht anders kann, bleibt da.

Die Vorsehung hat diesmal für Franz ein gnädiges Erbarmen gehabt. Auf nach Ungarn! Auf Wiedersehen im Herbst! Adieu, lieber Spaun! Adieu, lieber Schober! Adieu, lieber Schwind! Bruderherz! Grüßt mir den Vogl! Behüt' Gott alle miteinander! Behüt', behüt', behüt'!

Behüt' dich Gott, liebes Wien!