Chapter 8 of 9 · 7816 words · ~39 min read

VIII.

Johanna Lutz, die Feine, Liebliche, geht an dem Haus auf der Stubenbastei vorbei, wo jetzt Franz wohnt. Sie hat von Schwind gehört, daß er sich auf Anraten seines Arztes vierzehn Tage einschließen und fasten will. Im Vorbeigehen schaut sie hinauf und ist zu Tod erschrocken.

»Mein Gott, da sind ja alle Fenster offen! Da muß etwas geschehen sein! Das ist rein so, als ob jemand herausgestorben wäre!«

Sie weiß, daß Franz nie ein Fenster öffnet. Solange er zu Hause ist, bleibt alles bumfest zu, so luftscheu ist er.

Sie traut sich gar nicht zur Hausmeisterin hinein, um zu fragen, was denn geschehen ist.

»Dumm von mir!« schilt sie sich, als sie zu Hause ist. Es läßt ihr keine Ruhe. Eilends ein paar Zeilen an Schwind, er soll doch nachsehen, was los ist. Es käme ihr alles so sonderbar vor.

Am Nachmittag kommt Schwind zu ihr, bringt ihr einige neue Schubertsche Lieder und Deutsche und die Nachricht dazu: »Ja, ja, Franz ist ausgeflogen und wird sobald nicht wieder zu sehen sein. Darüber kann ein halbes Jahr vergehen. Tief im Ungarland sitzt er -- in Zelez!«

Die zarte Lutz atmet auf. »Gott sei Dank, mir ist ein Stein vom Herzen!« Sie hat soviel mütterliche Sorge um die Freunde Kupels, besonders um Franz, über den sie fleißig ihrem Verlobten nach Rom berichtet, der im Café Greco sitzt und mit den Gedanken in der Heimat weilt -- er will genau wissen, was vorgeht; Franz macht ihm Sorge.

Der Cherubim wettert und flucht über das saure Leben.

»Der Kupel ist fort, der Schober flaniert in Breslau herum, und nun hat auch Franz die Schnapsidee und ist zu den Schnauzbartlern gegangen .... Himmel! Teufel! Da sitzt man mutterseelenallein -- ohne Geld, ohne Freund. Uff! Rein zum Verrecken! Die andern Freunderln? Hol' sie der Kuckuck -- einer ist pflichtig, der andere zweifelhaft, der dritte fad und der ganze Haufen gar nichts! Franz, Franz, Schober, Kupel -- warum habt ihr mir das angetan? Wenn ich jetzt nicht Sie hätte, Johanna, und die Netty Hönig, ach, die liebe Netty, wissen Sie -- die Netty -- ach, ich kann Ihnen gar nicht sagen -- wenn ich nicht wüßte, daß die Netty -- -- Ich weiß oft gar nicht, bin ich es oder bin ich es nicht -- o Franz, Franz, Franz!«

Er ist ganz komisch in seiner Mischung von Ärger und Liebe, Verzweiflung und Seligkeit. Er greint und raunzt über Franz, aber er meint es nicht bös damit, er hat ihm selbst zugeredet, den Antrag des Grafen Esterhazy anzunehmen und wieder nach Zelez zu gehen.

Franz hätte es vielleicht nicht mehr getan. Der erste Aufenthalt war schon nicht sehr ersprießlich gewesen, es war damals eine kleine Zeit des Stillstandes für ihn. Zwar hat er ja manche liebe Erinnerungen mitgenommen und bewahrt -- zweimal dasselbe birgt die Gefahr der Ernüchterung. Aber die Zeiten waren jetzt anders, er mußte leben wie eine Pflanze, und der Stillstand war ihm ein Schutz. Er brauchte ein Asyl, regelmäßiges, einfaches Leben unter einem gemessenen sanften Zwang, vor allem keine Sorgen. Er fühlte sich innerlich als Menschenruine; das Lebenshaus war halb eingesunken, der Regen fiel ihm durchs Dach, die Türen und Fenster klapperten, die Dielen ächzten, der Tod ging um, und draußen, ja draußen flog die Krähe um und um.

Das Wankende mußte gestützt werden, Zeit und Ruhe waren nötig, die Schäden auszuflicken, dafür war Zelez der rechte Ort. Ein Asyl, ein Asyl!

Der Bruder Ferdinand, Schulleiter in der Rossau, hat in der schweren Zeit ein wachsames Auge auf Franz. Nun aber waren schon drei Wochen vergangen, die Brüder hatten sich nicht gesehen. Franz kam doch sonst alle Wochen einmal zu ihm hinaus, seit er nicht mehr im Schulhause wohnte; er brachte den Nachmittag und Abend bei Ferdinand zu, und nach dem gemeinsamen Essen ging er beizeiten heim, um noch vor Torschluß sein Quartier auf der Stubenbastei zu erreichen. Allerdings, Franz hatte eine Fastenkur vor, die vierzehn Tage dauern sollte; er wollte einsiedlerisch leben und so wenig als möglich vor die Türe gehen. Nun aber sind es drei Wochen her, das macht den Ferdinand unruhig. An einem schulfreien Tag macht er sich auf, selbst einmal nachzusehen, was denn auf der Stubenbastei los sei.

»Seit acht Tagen ist er fort, nach Ungarn -- wie heißt es denn gleich?« sagt die Hausmeisterin, die zugleich bei Franz Bedienerin ist. »Zelez -- ja, so hat's geheißen!«

»Daß er mir gar nichts geschrieben hat!« verwundert sich Ferdinand.

»Ja, es war halt ein bisserl geschwind!« erklärt die Hausmeisterin. »Am Tage vorher hat er mir noch gesagt, daß er nach Ungarn gehen soll, er hätte aber wenig Lust dazu; nun, und am anderen Tage war schon der Reisewagen des Herrn Grafen vorm Haus.«

Es ging dem Bruder Ferdinand so wie den andern Freunden; die Stadt war mit einemmal leer und stumm für sie, seit Franz dahin war.

Mit stiller Trauer bog Ferdinand in die Wollzeile ein, dann in die nahe Schulerstraße, die weniger lärmend war, und blieb vor dem Gasthof »König von Ungarn« stehen. Es war knapp vor Zwölf, also beschloß er, hier zu Mittag zu essen. Im Hof drin war es schön zu sitzen unter den Efeuwänden und den Oleanderbäumen. Er zerschnitt ein saftiges Stück Rindfleisch, tunkte es in Semmelkrenn, die Küche war gut, es waren nur wenige Gäste da, und in dem schönen Hofraum herrschte eine patrizierhafte Ruhe und Ordnung. Die Mittagsglocken von dem nahen St. Stephan tönten herüber in hallenden, zitternden Wellenkreisen, es war schön anzuhören, aber Ferdinand war in Gedanken bei seinem Rindfleisch und zugleich bei Franz, und die Stadt hatte schier keinen Klang mehr, weil dieser Genius fort war. Die Glocken schwiegen; in der momentanen Stille fiel es Ferdinand auf, daß feierlich geläutet worden war. Er sah auf, in dem dreieckigen Giebel des weißgetünchten Hofes war eine Uhr zu sehen, die eben jetzt die Mittagsstunde anschlug. Sie begann zu schlagen, und als die zwölf Schläge vorüber waren, spielte sie mit einer feinen, metallenen Stimme ein Musikstück. Einen Walzer.

»O Gott! Was ist denn das? Das ist ja -- ein Walzer von Franz? Ein Schubertscher Walzer!« Der Bissen blieb ihm im Munde stecken, dem Ferdinand -- unwillkürlich stürzten Tränen aus seinen Augen und fielen salzig auf den Teller vor ihm.

Es war ja gerade so, als ob Franz ihn riefe mit Geisterstimme, die dort oben in der Uhr aufklang!

Das Uhrwerk schwieg, Ferdinand saß noch eine Weile da, ganz ergriffen und wehmutsvoll, dann ging er eilends heim, er mußte schreiben, sofort nach Zelez schreiben, was ihm begegnet war.

Aber die Scheu, sein Innerstes vor dem Bruder zu zeigen, läßt es nicht zu, den Satz zu vollenden; er deutet mit halben Worten an, was er sagen will. Brüder sind oft so zueinander, bei aller Liebe und Freundschaft.

Franz hat in Zelez sein altes Zimmer bezogen; er sieht durch das grünumlaubte Fenster hinaus auf den Ententeich und auf die Straße jenseits der Linden, wo die Post vorüberfährt. Er hört das Horn in der Ferne erklingen -- »was hat es, daß es so hoch aufspringt, mein Herz?«

Alles scheint unverändert wie vor so vielen Jahren, dieselben Leute sind noch da, dieselben Gewohnheiten, dieselbe Tageseinteilung, nur statt Rosa, die nicht Nein sagen konnte, bedient ihn eine alte Magd, die mürrisch und halb taub ist. Um so besser -- so gibt es keinen Plausch, kein Augenverdrehen, nichts -- er ist nicht aufgelegt zu solchen Dingen. Der Kammerdiener behandelt ihn mit wohlwollender Herablassung als guten Bekannten, und im Inspektorflügel ist er ein gern gesehener Gast.

Im Herrenhaus ist regeres Leben als früher, in einem fort gibt's Besuch, Kavaliere und Damen, zu Pferd und zu Wagen, Ausflüge und Jagden werden veranstaltet, sonst aber geht die einfache Lebensweise fort. Die beiden Komtessen Marie und Karoline sind stattlich herangeblüht, aber sie sind noch immer so schlicht und herzgewinnend wie früher, besonders die Karoline. Freilich, mit dem kindischen Herumtollen, Arm in Arm mit Franz, mit dem großen Übermut und Glück der ersten Jugend ist es vorbei. Wenn sie es nicht selbst gesagt hätte, Franz wußte es gleich am ersten Tage durch den mitteilungsbedürftigen Kammerdiener, daß der schlanke, dunkeläugige Kavalier, Graf Folliot von Creeneville, Karolinens Verlobter ist, und daß der junge Graf Breuner, das blonde, schmächtige Gegenstück zu Folliot, für die dunkeläugige Komtesse Marie ausersehen ist, die sich zu einer recht kapriziösen Schönheit herausgemaust hat.

Franz ist ganz steif vor Verlegenheit und Verwirrung, als er sich der Komtesse Karoline wieder gegenübersieht, aber ihre anmutige Unbefangenheit hilft ihm, daß er sich nach und nach wieder erfängt. Im Herbst ist Hochzeit, und Karoline freut sich, daß Franz hier ist; er muß es ihr versprechen, bei der Tafel zu sein, sie möchte ihn in ihrer Nähe wissen.

Er zappelt von einem Bein aufs andere und stammelt so eine Art Glückwunsch daher. Natürlich fängt er es dabei wieder drollig ungeschickt an: »Jessas, Komtesse, wie mich das freut -- nun, ich gratuliere herzlich dazu; der Herr Graf, ein so feiner Kavalier -- aber daß ich bei der Tafel bin, das wird doch nicht recht gehen -- ich schau' ja gar nichts gleich!«

Neben dem eleganten Edelmann schaut er freilich gar nichts gleich, ein ziemlich ruppiges Singerlein, aber die Komtesse hat ein unbändiges Vergnügen an seiner drolligen Unbeholfenheit, und die frühere Herzlichkeit ist im Nu wieder hergestellt.

Daß ihn die Verlobung Karolinens gar so freut, das war doch ein bißchen dick aufgetragen; er hat einen verwunderten Blick Karolinens aufgefangen -- ob sie es wohl nicht übelnimmt? Es war das einzige Zeichen, daß die Liebesstunde nicht vergessen ist, ein kleines Geheimnis, von Vertrauen und Freundschaft behütet.

Mit den beiden jungen Edelleuten weiß sich Franz so gut wie nichts anzufangen. Die reden meistenteils von Jagen und Reiten und Pferden und Hunden; davon versteht er nichts; und von der Musik verstehen die anderen nichts.

Unter den Dauergästen befindet sich auch Karl von Schönstein, der einzige, der mit der Schubertschen Musik wirklich vertraut ist und bei der Schicksalsfügung, die Franz wieder nach Zelez gebracht hat, den Drahtzieher gespielt hat; er ist mit dem väterlichen Grafen Esterhazy intim befreundet, die beiden unterhalten sich gern auf eigene Faust; um was es dabei geht, hat Franz an dem zufällig aufgeschnappten Wort erkannt, als der eine von den beiden von seiner herzigen Rozier sprach, die Franz dem Namen nach kannte -- eine vom Ballett; die unter Geflüster und Gelächter geführte Unterhaltung war also nichts für fremde Ohren.

Zuweilen kamen Zigeuner und spielten unter der Linde; Franz saß in seinem Zimmer, rauchte sein Meerschaumpfeiflein, dachte vergangener Zeiten und vergaß in diesem wehmütigen Glück die Gegenwart. Oder er komponierte, er hatte Zeit und Ruhe; oft vergingen Tage, ohne daß man ihn begehrte, es sei denn, daß Schönstein singen wollte, oder die Komtesse Karoline eine vierhändige Übung versuchte, aber auch dies nur selten, oder daß er eine seiner Sachen vorspielte, für die indessen außer den beiden Komtessen und Schönstein kaum jemand im Herrenhaus ein besonderes Verständnis aufbrachte.

Verträumt, verraucht, vergeigt, so fließen die Tage gleichförmig hin, einer wie der andere.

Nur wenn die Post vorüberfährt, springt das Herz auf.

Der Vater hat geschrieben, er gibt ihm gute Lehren. Er ist ja Jugendlehrer, der immer gern moralisiert, aber aus dem Tadler ist ein Tröster geworden. »Wir dürfen, ja wir wollen sogar die unschuldigen Lebensfreuden froh und mit dankbarem Gemüte zu Gott mäßig genießen,« ermuntert er den Franz, »wir müssen aber auch in trüben Umständen den Mut nicht sinken lassen; denn auch Leiden sind eine Wohltat Gottes und führen den, der standhaft ausharrt, zum erhabensten Ziel. Wo ist auch ein großer Mann in der Geschichte zu finden, der nicht durch Leiden und standhaftes Ausharren den Triumph errungen hätte. Darum möchte ich auch jene, die ich vorzüglich liebe, zu solchen Gesinnungen stimmen!«

Daß er soviel Liebe in ein paar Briefseiten legen kann, mehr als man je im Leben aus seinem Munde erfahren hat, das hätte man doch nicht erwartet. Dem Franz gehen fast die Augen über vor Rührung.

Und nun gar der Bruder Ferdinand mit seinen Tränen, als er beim »König von Ungarn« Schuberts Walzer in der Uhr spielen hörte, und sich fast schämt, es hineinzuschreiben, daß ihm richtige Tränen entrollt waren beim Rindfleisch mit Semmelkrenn .....

»Warum getraust du dich nicht, mir das zu schreiben?« erwidert Franz in seinem Brief.

»Es werden die Tränen gewesen sein, die ich so oft geweint habe, und die in meinen Liedern und Walzern klingen, darum ist es so über dich gekommen, als du beim »König von Ungarn« die kleine lustige Sache von mir in der Uhr spielen hörtest .... oder kamen dir alle die Tränen, die du mich schon weinen sahst, ins Gedächtnis? ... Damit dich diese Zeilen nicht vielleicht verführen, zu glauben, ich sei nicht wohl oder nicht heiteren Gemüts, so beeile ich mich, dich des Gegenteils zu versichern. Freilich ist es nicht mehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand mit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern jenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit, die ich mir durch meine Phantasie (Gott sei es gedankt!) soviel als möglich zu verschönern suche ..«

Er schreibt sich alles von der Seele herunter, in Briefen und in Musik, und wenn die miserable Wirklichkeit Macht gewinnt, zündet er sein Pfeiflein an und sieht in den blauen Wölkchen die Menschen und Dinge neuerdings von jugendlicher Glorie umgeben. Dann steht die Sehnsucht auf, er muß seiner Bedrängnis Luft machen, nochmals Papier und Feder her, niemals fühlt er die Freunde so nahe als jetzt, da er mit ihnen von Seele zu Seele redet.

»Wären wir nur beisammen, du, Schwind, Kupel und ich,« schreibt er dem Schober, »dann sollte mir jedes Mißgeschick nur leichte Ware sein, so aber sind wir getrennt, jeder in einem anderen Winkel, und das ist eigentlich mein Unglück. Ich möchte mit Goethe ausrufen: Wer bringt mir eine Stunde jener goldenen Zeit zurück! Jener Zeit, wo wir traulich beieinander saßen und jeder seine Kunstkinder den andern mit mütterlicher Scheu aufdeckte, das Urteil, welches Liebe und Wahrheit aussprechen würden, nicht ohne einige Sorgen erwartend; jener Zeit, wo einer den anderen begeisterte und so ein vereintes Bestreben nach dem Schönsten alle beseelte. Nun sitz' ich allein hier im tiefen Ungarland, in das ich mich leider zum zweiten Male locken ließ, ohne auch nur einen Menschen zu haben, mit dem ich ein gescheites Wort reden könnte ...«

Und dem lieben Schwind gelten folgende Worte: »... ich würde mich hier recht wohl befinden, hätte ich dich, Schober und Kupelwieser bei mir, so aber verspüre ich, trotz des bewußten anziehenden Sternes, manchmal eine verfluchte Sehnsucht nach Wien ....«

Vielleicht ist es ein Zeichen der wiederkehrenden Gesundheit, daß er sich heftig fort sehnt. Oder ist es der anziehende bewußte Stern, der still und klar über seinen Träumen steht und nun zitternd zu entschwinden droht?

Eine heftige Unruhe ergreift ihn -- die Hochzeitsvorbereitungen nehmen im Herrenhaus ein schnelles Tempo an.

»Ich alter Esel,« schlägt er sich vor die Stirn, »was kümmert's mich?«

Der Herbst ist schön wie damals, das stimmt traurig.

Morgen ist Polterabend, da muß Franz spielen, Schönstein singt und dann wird getanzt. Und übermorgen?

»Aber Sie versprechen mir, bei der Tafel zu sein?!« drängt Karoline.

»Ich möchte schon jetzt alles Glück und Wohlergehen fürs Leben wünschen, aber ich bitt' tausendmal um Verzeihung -- nicht wahr, bei der Tafel muß ich nicht sein?! Ich pass' ja gar nicht hin -- ich wüßt' nicht einmal, was ich reden sollt'! Die hohen Herrschaften -- ja wirklich, da bin ich immer ganz dumm im Kopf!«

Also nein, um keinen Preis wäre er dazu zu bringen.

Karoline gibt ihm die Hand. Er beugt sich nieder, die Hand zu küssen.

»Bleiben wir gute Kameraden!« sagt sie, und ihre Stimme zittert leicht; sie will noch etwas sagen, aber sie hält inne und drückt und schüttelt seine Hand wie ein richtiger lieber Kamerad, der von dannen geht. Franz rennt weg, um nicht aufzuheulen. Es waren die letzten Worte mit Komtesse Karoline. Ein Abschied für immer.

Am Hochzeitstag geht er nicht aus seiner Kammer. Während sie drüben tafeln im Herrenhaus, sitzt er hinten und hat seine eigene, schmerzlich-selige Feier für sich. Er zündet seine Pfeife an, der Opferrauch steigt, der anziehende bewußte Stern tritt aus dem bläulichen Gewölk hervor, die schlanke Komtesse Karoline, wie sie im herbstlichen Park vor so und so vielen Jahren ihre edel geformten Arme um seinen Hals geworfen hat .... er pafft und pafft, das zarte Bild entschwindet -- in den dicken Nebeln, die ihm Herz und Hirn umwallen, steht eine andere Erscheinung auf und erfüllt ihn mit brennender Sehnsucht: Melusine ....

Er wischt sich über die Wangen, sie sind trocken, und trocken ist sein Auge. In seiner Brust tönt ein weher Klang, er weiß es nicht, daß seine Tränen nach innen fallen. Aber drinnen sind sie, in seinen Liedern und Gesängen, und die Verse, die er sucht und vertont, die kommen ihm nicht von ungefähr zu; sie sind wie Spiegel, darinnen er seine eigenen Züge erblickt.

»Gefrorene Tropfen fallen von meinen Wangen ab; ob es mir denn entgangen, daß ich geweinet hab'? Ei, Tränen, meine Tränen, und seid ihr gar so lau, daß ihr erstarrt zu Eise wie kühler Morgentau, und dringt doch aus der Quelle der Brust so glühend heiß, als wolltet ihr zerschmelzen des ganzen Winters Eis ....«

Aber das Eis zerschmilzt nicht, es bleibt alles hübsch drinnen in der Brust und in den Gesängen, und nicht jeder spürt's, wie es Bruder Ferdinand einmal, nur einmal gespürt hat, als der Walzer aus der Uhr hervortanzte und plötzlich Tränen niederfielen.

G -- d -- g -- fis -- g -- a -- --

Das Lebenslied klingt so heiter, aber wißt ihr denn, was dahinter steht?

E -- fis -- g -- h -- ais -- --

In Graz liegt's versperrt in einer Schublade, unvollendet -- aber in Franz klingt es weiter, immer klingt es von neuem auf, immer wieder ein Anfang, ein heiter-tröstlicher Aufblick; immer wieder ein hervorquellender Schmerz, ein Zusammenbrechen .... Franz schaut so phlegmatisch drein wie ein wurstiger Gesell; ihm merkt man nichts an.

Schönstein ist wütend auf ihn bei der Heimreise.

»Dieser Schubert mit seinem Phlegma!« Hat er das Wagenfenster am Rückteil eingeschlagen, daß der kalte Ostwind hereinfährt und die herzige Rozier, die dem Schönstein entgegengereist war, beinahe einen Schnupfen gekriegt hätte!

Die Rückkehr nach Wien ist allemal ein Seelenfest für Franz und die Freunde. Johanna Lutz, die Mütterliche, hat ihre helle Freude an ihm, weil er so gut aussieht.

»Schubert scheint gesund und ist himmlisch leichtsinnig ....« schreibt sie ihrem Erwählten nach Rom.

»Daß Kupel noch immer nicht da ist!« klagt Franz. »Und Schober, der schönste Mann Wiens, der Abgott aller Weibsen! Was tut der in Breslau so lange?«

»Den Kasperl spielt er, es ist seine Glanzrolle!« gibt Schwind trocken zurück. »Ist das nicht ein tiefer Fall von der Höhe seiner Pläne und Erwartungen?«

»Er hält die Welt zum besten, die einzig mögliche Art, mit ihr zu verkehren ....« Das ist die Meinung Schuberts.

Sie lassen den lieben fernen Freund hoch leben. Die Gläser klingen zusammen, man ist wie ausgehungert auf heitere Geselligkeit, wenn man nach Wien zurückkommt und hat soviel einzuholen. In Zelez hat man sich kasteit, jetzt darf man das Rädchen wieder ein bißchen laufen lassen. Wein, Punsch, Kaffee, Tabak, die unsterblichen Güter der Heimat -- die sind doch für die Seele da und nicht für den Leib, und Franz ist immer mehr für die Seele gewesen. Also lebt man wieder himmlisch leichtsinnig. Oder tut wenigstens so. Dieser Franz mit seinem Phlegma, wer kennt sich denn aus bei ihm?

»Wo nur der Mayrhofer steckt?« Beim Wein, der die Zungen und Herzen löst, kommt es zur Sprache.

»Die Freundschaft mit ihm ist Absterbens, Amen!« erklärt Franz auf die Frage Schwinds.

»Eifern tut er, euretwegen. Er glaubt, es wird ihm was genommen, weil wir, du, Schober, ich und Spaun so gut harmonieren. Er will der einzige und ausschließliche Freund sein, die anderen will er kaltgestellt wissen. Und weil ich dafür nicht zu haben bin, ist er unverträglich geworden. Schad' um ihn, er war mir ein lieber Freund ....«

Hin ist hin. So mancher, der im Laufe der Jahre nicht mithalten konnte, ist abgefallen, sang- und klanglos wie der Holzapfl, aber keiner so beklagt wie der gemütstiefe Mayrhofer, der sich grollend in die Einsamkeit zurückzieht. Sein Verstummen schmerzt Franz, vielleicht bedarf es nur des erlösenden Wortes, um ein neues, besseres Verstehen anzubahnen. Aber jeder schweigt. Es ist auch manchmal so unter denen, die sich lieben und verstehen sollten.

Ein anderer ist dafür gewonnen, der die Freundschaft mit Schubert ernst und heiß nimmt. Der junge Eduard von Bauernfeld. Er ist Dichter und nebenher Beamter, ein Sprudelkopf, der tausend Ideen hat, unzufrieden ist, über die Politik schimpft, und bei all diesen Vorzügen nur einen kleinen Mangel hat, nämlich kein Geld. Er besitzt also alle Eigenschaften, die notwendig sind, um in den Freundeskreis eintreten zu können. Vor allem ist er ein »Kanevas«. Jahrelang ist er auf Schuberts Spuren, endlich gelingt es ihm, die nähere Bekanntschaft zu machen. Schwind ist der Vermittler.

Franz wohnt jetzt in Schwindien, er hat ein hübsches Zimmer gleich im Haus nebenan, wo das Wirtshaus ist. Sie stecken ja sowieso immer beisammen, er und der Cherubim, der einzige Vertraute, den er jetzt in Wien hat; also ergibt sich das von selbst, daß sie so nahe beieinander wohnen.

Abends rückt ihm Schwind mit Bauernfeld auf die Bude. Der neue Bundesgenosse hat einige wenige Sachen mitgebracht, Tagebücher, Entwürfe, Dichtungen. Es wird vorgelesen. Zuerst Stellen aus dem Tagebuch. Bauernfeld hat seit Jahren alle seine Eindrücke aufgezeichnet. Die stärksten heißen Schubert. Franz kann es jetzt hören, was Bauernfeld schon vor Jahren schrieb, »Kärntnertortheater, Goethes ›Laune des Verliebten‹ machte kein Glück, das Beste ein Quartett von Schubert. Ein herrlicher Mensch! Den muß ich kennen lernen.«

So lange hat es gebraucht, bis sich die Wohlgesinnten wirklich finden. Jetzt aber muß der Bund besiegelt werden, man will Bruderschaft trinken. Dazu gehört natürlich edles Getränk. Franz kehrt die Taschen um und um, kein luckerter Zweier fällt heraus, Schwind unterzieht seine Taschen ebenfalls einer vergeblichen Brandschatzung, das gleiche tut Bauernfeld, sie bringen beim besten Willen das Nötige nicht zusammen. Schuldig bleiben!

»Leicht gesagt, mein Lieber, aber der Wirt hat schon die Kreide verschrieben!«

»Verdient es denn diese infame Welt, so ausgezeichnete Kerle zu besitzen, wie wir drei sind?« haut Bauernfeld auf.

»Gemach, lieber Freund!« gebietet Franz und öffnet ein Fach im Schrank. Hier liegen noch ein paar Stückel Zucker vom Frühstückskaffee. Am Tisch steht eine Flasche Wasser, davon schenkt er drei Gläser voll.

»Warum soll die Freundschaft nicht das Wunder vollbringen und Wasser in Wein verwandeln?« Dann tut er in jedes Glas ein Stück Zucker, jeder rührt mit einem Löffel um und um und dann stoßen sie mit den Gläsern an und trinken Bruderschaft mit Zuckerwasser. Das Feuer der Begeisterung bringen sie aus Eigenem auf, das Zuckerwasser in Schwindien schmeckt besser als der Tokaier in Zelez.

»Laßt Rauch aufsteigen! Die Freundschaft verlangt ein Brandopfer!« gebietet der Cherubim mit priesterlicher Würde und schmeißt seinen Tabaksbeutel hin: »Hier ist der Goldstaub.« Neue Verlegenheit. Eine dritte Pfeife fehlt.

»Was liegt denn dort?« Der spähende Schwind hat ein passendes Ding entdeckt.

»Du, sei so gut -- mein Augengläserfutteral!«

»Das hat uns ein Gott gesandt!« erwidert Schwind und hat im Handumdrehen eine Pfeife daraus fabriziert. Franz muß es geschehen lassen. Der Rauch steigt auf, ein wenig brenzlig zwar, aber der Himmel ist dem Opfer gnädig, es ist keinem schlecht geworden dabei. Bei Zuckerwasser und Tabaksqualm wird gelesen bis in die Nacht. Ein Drama ist es, das Bauernfeld zu Gehör bringt.

»Du wärst mir der Rechte für eine neue Oper!« erklärt Franz. Der Löwe hat wieder Blut geleckt. Er denkt an die »bezauberte Rose«. Bauernfeld soll ihm das Gedicht dramatisieren. Aber dem geht ein »Graf von Gleichen« durch den Kopf -- Janitscharen und Rittertum, romantische Minne und Gattenliebe, ein türkisch christliches Brouillon.

»Uj jegerl,« schreit Schwind auf, »wenn's nur nicht ein zweiter Fall ›Alfonso und Estrella‹ wird!«

»Laß gut sein!« wehrt Schubert den besorgten Schwind ab. Und nun geht's an ein Entwerfen und Planen die ganze Nacht lang. Und als die liebe Sonne am anderen Morgen warm ins Zimmer scheint, findet sie die drei Kunstzigeuner im tiefen Schlaf, der eine im Bett, der andere auf dem Kanapee, der dritte auf ein paar zusammengeschobenen Stühlen -- der Traum von Kunst, Ruhm und Liebe geht weiter.

So läßt sich alles gut an bei seiner Rückkehr. Kann man denn irgendwo glücklicher sein als hier zu Haus? Wenn Franz, als er in Zelez war, an Wien dachte, ging es glühendheiß in seinem Herzen auf. Die Stadt verdichtete sich zu einem Frauenbild, und das Frauenbild, darin er Wien sah, hatte die Züge der Melusine, ihre Augen, ihr Lächeln .... O Liebe, Liebe! War es die Sehnsucht nach Wien, oder war es die Sehnsucht nach Melusine, die ihn trieb? Es war beides in einem. Und er war so kühn in der Ferne, wenn er an die Geliebte dachte, und war so zaghaft, wenn er sie sah, die Liebliche, Hohe, Feine ....

Die Zeit verschärfte seine Sehnsucht, es ist schon so lange her, daß er Melusine nicht mehr gesehen, er hatte sich geschämt, weil er durch die Krankheit so heruntergekommen ausgesehen hatte -- aber jetzt war er, Gott sei es gedankt, so leidlich wieder in Ordnung, er brauchte sich nicht mehr zu verstecken. Nur schade, schade, daß es gerade bei den Hönigs war, wo man Therese begegnen konnte. Sie verkehrte jetzt viel in diesem Haus.

»Ich kann mir nicht helfen, aber der junge Hönig gehört zu den wenigen Menschen, gegen die ich von vornherein eine instinktive Abneigung habe; er hat mir nichts getan, im Gegenteil, er behandelt mich so vorsichtig und apart, wie ein dreckiges Hölzl, immer nur mit Handschuhen, aber es ist etwas an ihm, das mir gegen den Strich geht, ohne daß ich recht weiß was!« erklärt sich Franz dem Schwind, als sie unterwegs sind zu den Hönigs.

»Hm -- und die Netty?« wirft Schwind lauernd ein.

»Ach, die ist ja ein ganz lieber Kerl!« meint Franz so oben hin.

Schwind leuchtet auf. »Nicht wahr? Ach, die, sie ist ein herziger Schatz! Die und keine andere! Du mußt wissen: treu wie Gold!«

Franz pfeift leise vor sich hin, ein Lied, das er irgendwo gesungen; er weiß gar nicht mehr, daß es von ihm selber ist. Wo war es nur, daß es ihm zuerst in den Sinn kam? War es nicht in Atzenbrugg? »Er hätt' es eher bemerken sollen, des Hauses aufgestecktes Schild, so hätt' er nimmer suchen wollen im Haus ein treues Frauenbild ...«

»Ja, ja, in Atzenbrugg!« Schwind bestätigt es. Dort war es zum erstenmal gesungen worden.

Mit leisem Bangen treten sie bei den Hönigs ein. Man hat immer ein leises Bangen, wenn man in der Liebsten Haus eintritt. Aber es ist noch etwas anderes dabei. Eine brennende Unruhe, ein böser Argwohn. Die Netty ist ein lieber Kerl, das ist wahr, aber sie ist zu sehr verzuckert, es ist nicht alles echt -- und treu wie Gold, das ist schon ganz und gar ein Unsinn, denn weniger treu als Gold kann auf Erden kaum etwas sein.

Sie ist so zuckersüß, die Netty, aber in ihrem Gesicht sitzen lauter Spotteufeln drin.

Franz sieht sich rasch um, Therese ist nicht da. Seine Unruhe steigert sich, er kann sich schließlich nicht enthalten zu fragen.

»Ja,« lautet etwas gedehnt die Antwort aus Nettys Mund, »wahrscheinlich hat sie keine Zeit -- vielleicht auch keine Lust.«

Das hat es neulich auch schon geheißen und jedesmal, wenn Franz gekommen ist. Er bemerkt, wie Netty mit dem Bruder einen raschen Blick wechselt und beide eine höhnische Miene aufsetzen. Franz wird stumm, sein Gemüt verdüstert sich. Die Lustigkeit um ihn herum wird lauter, er versinkt immer tiefer in Trauer. In Gedanken ist er weit, weit weg, er hört die Wetterfahne auf dem Dach, der rostige Stab dreht sich um und um und quietscht auf in der eigenen Brust, als ob er tief drin im Herzen steckte. Der Schicksalswind hat wieder umgeschlagen und spielt drinnen mit dem Herzen wie auf dem Dach, nur nicht so laut.

»Was fragen sie nach meinen Schmerzen ....«

Unbändiges Gelächter ist um ihn herum. Cherubim wird hereingeführt in Weiberkleidern, die er auf Nettys Geheiß anziehen mußte.

»Hier ist Kolombine,« sagte sie zu Franz, »ich gratuliere Ihnen zu dieser lieblichen Braut. Jetzt müssen Sie aber fein artig sein und brav den Wurstel weiter spielen.«

»Wurstel? Bin ich ein Wurstel?!«

Er sagt es mit einer solchen tragischen Bitterkeit, daß das Gelächter mit vermehrter Heftigkeit hervorbricht. Schwind, von Netty am Narrenseil geführt, spielt die Rolle weiter. Mit verstellter Stimme beteuert er als Kolombine seine Liebe zu dem Wurstel und will ihm um den Hals fallen. Er merkt es nicht, daß dem Franz der ungehörige Spaß über die Hutschnur geht.

Die Komödie ist voll böser Anspielungen, Franz spürt es und steht bleich und ernst unter den Lachenden da. Mit einem Ruck schleudert er den nichts ahnenden Cherubim von sich, rafft seine Noten zusammen und geht schweigend aus dem Zimmer.

Das Gelächter erstarrt, alle sehen sich verlegen an.

»Es war doch nur ein ganz unschuldiger Scherz ...« beteuert Netty etwas beschämt.

»Natürlich, nur ein unschuldiger Scherz!« bestätigt Schwind und eilt dem Freunde nach. »Franz, ein unschuldiger Scherz -- geh', komm', sei nicht kindisch ...«

Franz stürmt hinaus und fort.

Unverrichteter Sache kehrt Schwind in das Gesellschaftszimmer zurück, er hat noch immer die Weiberkleider an. Jetzt ist aber allen das Lachen vergangen. Die Netty hat ein böses Gewissen: »Versteht er denn so wenig Spaß?« Schwind zuckt die Achseln: »Man kennt sich nicht aus mit ihm!«

Zum ersten Male, daß eine Verstimmung zwischen den engsten Freunden eingetreten ist. Mit den Hönigs ist er jetzt fertig, Franz. Schwind, der Netty verteidigt, mag jetzt sagen, was er will. Franz ist kein Freund von derben Späßen; sein zur Schau getragenes Phlegma täuscht viele Menschen. Sie halten ihn für einen Dickhäuter. Aber dabei hat sich Netty verrechnet. War nicht die äußerlich zur Schau getragene Rauheit und Wurstigkeit ein bloßer Schutzmantel für die allzu empfindliche Seele? Das Heiligste seines Herzens verträgt keinen Hohn, nicht einmal leisen Spott, wenn er auch sonst für Humor und gute Laune Sinn hat. Hier ist eine Grenze gezogen, er duldet nicht, daß sie jemand verletze. Das demütige Meisterlein kann Unglück und Verkennung duldend hinnehmen, er bleibt gleichmütig gegen die Schläge des Schicksals, sie nennen ihn darum einen Phlegmatiker; aber wehe, wer vermessen genug ist, die Seele herunterzuziehen! Ein gerechter edler Stolz flammt empört auf -- man ahnt nicht, welche Hoheitsgefühle in dem bescheidenen Mann wohnen; bei aller Demut, er weiß, wer er ist.

Schwind, der so tief in die Brust des Freundes blickt, hätte es wissen müssen -- er weiß es wohl und leidet an dem Unrecht, zugleich ist aber auch der Trotz über ihn gekommen, die Liebe hat ihn geschlagen, und er vergißt darüber fast den Freund. Jetzt ist das Schmollen an den beiden -- die Verstimmung ist da, sie dauert fort, weil sich jeder scheut, das Vorgefallene noch einmal zu berühren und reinen Tisch zu machen.

Franz ist entschlossen, sein Dasein auf eine gesicherte Basis zu bringen -- er will sein Recht auf Glück in diesem Leben geltend machen. Er geht direkt aufs Ziel los.

Salieri ist in Pension gegangen. Es werden zwei Stellen frei, die eines Vize-Hofkapellmeisters und die eines Opernkapellmeisters. Franz bewirbt sich um die eine wie um die andere. Jetzt können ihm die Zeugnisse und Anerkennungen von Graf Dietrichstein und anderer Machthaber den rechten Dienst erweisen. Er richtet sein Gesuch direkt an den Kaiser. Was aber die stärkste Wirkung tun wird, ist der ausdrückliche Nachweis, daß er bei Hofkapellmeister Antonio Salieri das Komponieren gelernt hat.

Das Gefühl der Beschämung beschleicht ihn einen Augenblick lang, daß er, dessen geniale Meisterschaft in der Welt feststeht, sich auf läppische Schulzeugnisse berufen muß. Aber die Formalität verlangt es. Hat er es denn wirklich von Salieri gelernt? Er hätte besser sagen müssen, daß er es vom lieben Gott gelernt hat! Das müßte man wissen! Wie aber, wenn die Welt der Formalitäten auf Antonio Salieri ein größeres Gewicht legt als auf den lieben Gott selber? Dann konnte von Salieris Gnaden jeder Erstbeste, der kräftigere Protektion besaß, den Vorrang gewinnen ....

Nun aber, man muß nicht gleich das Schlimmste denken, vom inneren Beruf aus war Franz der Erste, daran konnte niemand mehr zweifeln, also hatte man eine schöne und berechtigte Hoffnung. Als wohlbestallter Hofkapellmeister brauchte man sich nicht mehr zu scheuen -- und das Glück, das einst auf dem Kalbelwagen märchenhaft in seine Gasse gefahren kam, konnte man dann ohne Umstände ergreifen und festhalten. Melusine hieß das Glück, und der Kalbelwagen konnte dann ein richtiger Brautwagen sein, in dem sie beide zur Kirche fuhren.

G -- d -- g -- fis -- g -- a -- --

Wie in ganz frühen Tagen jubelt aufs neue eine ganz helle Hoffnungsfreude auf.

Es muß was geschehen, auch Schober schreibt es, er meint, der Enthusiasmus für Franz müßte aufs neue im Publikum belebt werden, und es wäre gut, wenn es bald geschähe.

Franz arbeitet ja mit Bienenfleiß. Ein quellender Reichtum von Melodien entsteigt blühend seiner Brust. Aber es ist schwer, die Begeisterung der Menge auf ihrer ursprünglichen Höhe fortzuerhalten. Es bedürfte wieder einer ganz großen Tat -- Schober hat vielleicht recht, wenn er andeuten will, daß seit Jahren ein Stillstand eingetreten ist, wenn auch nur scheinbar. Es bedürfte einer ganz großen Tat -- einer gelungenen Oper etwa, Bauernfeld ist jetzt seine Hoffnung -- oder vielleicht eines großen Konzerts mit einer neuen Instrumentalsache, einer Sinfonie -- er trägt sich mit dem Gedanken daran -- ein großes Konzert, wie es Beethoven veranstaltet -- vielleicht über ein Jahr, dann wird Franz hervortreten, bedeutender, stärker als je. Der Lebensplan ist fertig, mit neuer, entschlossener Kraft schreitet Franz dem Gipfel zu.

Zunächst also diese Sinfonie -- Landeinsamkeit will er dazu, grüne Berge, einen Ort, wo man Gutes genossen und einiges Glück erfahren hat.

Im Mai ist Vogl wieder auf sein Steyrer Landgut gegangen, er denkt an Kunstreisen in Oberösterreich und Salzburg und kann Franz dabei nicht entbehren. Dem sind seit seinem Zwist mit Schwind die Wiener Tage leer und unersprießlich geworden, ein paar Tage will er in Linz bleiben, ehe er nach Steyr geht, den lieben Spaun will er ans Herz drücken, einem Freund muß er sich erschließen können, jetzt, wo er in Wien keine Seelenzuflucht hat -- kurz, eines schönen Morgens ist er zum Schrecken Schwinds dahin und sitzt alsbald in Linz, wo er sich vor ärgerlicher Verzweiflung die Haare rauft, denn Spaun ist über alle Berge, ein paar Tage vorher ist er von Amts wegen nach Lemberg abgereist und wird vor Jahr und Tag kaum an die Wiederkehr denken können.

»Aufhängen könnt' ich mich vor Kummer und Verzweiflung,« schreibt er im drolligen Ärger dem Freund nach Lemberg. »Da sitze ich jetzt in Linz, schwitze mich halbtot in der schändlichen Hitze, habe ein Heft neuer Lieder, und der Freund ist nicht da! Ein Glück, daß der Jägermayer ein gutes Bier hat und daß auf dem Pöstlingberg ein anständiger Wein zu haben ist, das gibt neuen Lebensmut ...« Ottenwalt, der Schwager Spauns, ist entzückt von dem Gast, der ganze Linzer-Kreis schwelgt in Begeisterung, kein Wölkchen trübt die blauselige Heiterkeit der Linzer Tage. Dazu noch ein lieber, offenherziger Brief von Schwind -- das hat gerade noch gefehlt, um das innere Gleichgewicht so halbwegs wiederherzustellen.

Er hat es nicht ausgehalten, der Cherubim; das ganze Ärgernis ist ihm nahe gegangen. Man kann doch eines kleinen Mißverständnisses wegen eine Freundschaft nicht preisgeben, die mit dem ganzen bisherigen Leben verknüpft ist. Oder es geht doch gleichzeitig mit ein Stück Seele darauf. Und das ist schon der halbe Tod. Also frisch von der Leber weg geredet -- diese verteufelten boshaften Späße, die er nicht habe unterdrücken können, so sehr sie ihm selber wehe tun. »Da kommen die anderen und spotten und lauern in Verbindung mit Gedanken herum ... und wir lassen sie anfangs gewähren, dann tun wir selber mit .... nun ja, der Mensch ist schon einmal so unüberlegt .... und so verliert sich Unersetzliches um den Spottpreis ....«

Er kann die qualvollen Gedanken nicht los werden, er muß durch ein offenes Bekenntnis seine Seele befreien. Er ist doch gewohnt, solange er Franz und Schober kennt, sich in allen Dingen verstanden und geliebt zu sehen. So möge das Böse aus der Welt geschafft sein, indem man sich ordentlich ausredet. Franz möge ihm hierüber antworten so grob und so aufrichtig, als er es nur vermag, aber nur nicht dieses Schweigen, das ihm ans Herz greift. Dann habe er noch von Netty zu sagen, daß sie es wirklich nicht so arg gemeint habe. Sie bereue schon aufs heftigste ihre unüberlegte Stichelei, sie sei ganz unglücklich darüber, daß Franz schlecht über sie denke, sie ist wirklich nicht so, wie sie scheint.

Es hätte nicht halb so vieler Worte bedurft, um Franz wieder zu versöhnen, der ja nur darauf wartet, daß der andere ein gutes Wort gibt. Er ist ja auch gar nicht bös, und was die Netty betrifft -- ach, diese unvermeidliche Netty! -- so soll sie sich nur keinen Kummer machen, er denkt ja gar nicht mehr daran, es sei ja ohnedies alles in schönster Ordnung. Schwind zu verlieren, das ist ihm ganz undenkbar. Sie gehören nun einmal zusammen für dieses Dasein, und keine Netty der Welt sei imstande, das Freundschaftsband, das stärker ist als das dickste Tau, zu durchschneiden. Nun wäre auch das wieder ins richtige Geleise gebracht -- o Gott, ginge es doch so auch mit anderen Dingen, die man ungeklärt durchs Leben schleppt und die das Herz so schwer machen, daß man ins Gras hinuntersinken möchte und vermeint, nicht mehr aufstehen zu können. Jetzt heißt es wieder: »Grabt mir ein Grab im Wasen, deckt mich mit grünem Rasen, kein Kreuzlein schwarz, kein Blümlein bunt ...« Aber um wieviel schmerzlicher klingt das Lied heute als in den Herzenständeleien vor so und so vielen Jahren.

Die schönen Linzer Tage gehen vorüber wie im Traum, in Steyr wendet sich bereits das Schicksalsblatt.

»Werde ich hier noch einmal so glücklich sein wie einst?«

Er weiß nicht wie, eine geheime Anhänglichkeit an Josephine lockt ihn dabei. Sie ist ja in manchem geziert und unnatürlich, aber sie hat ein gutes Herz, dafür ist er dankbar wie ein Kind. Er ist zum Manne gereift, aber eigentlich ist er im Herzen ein Kind geblieben wie damals, da er noch als Sängerknabe neben den pausbäckigen Engelsköpfen auf der Empore saß.

Unterwegs nach Steyr ist er im Stift St. Florian zu Gast und sitzt in dem gewaltigen Gotteshaus an der Orgel, die ein Wunder an Größe und Klangfülle ist. Himmlische Musik entströmt seinen Händen. Selige Erinnerungen quellen auf aus der Sängerknabenzeit, eine echt Schubertsche Liedweise fließt ein, dann drohende Tremoli und der eigensinnige Aufschrei aus einer geängstigten Seele, der das Menschenherz erschüttern muß.

»Wo er es nur hernimmt, der kleine, unscheinbare Meister?« denken auch die geistlichen Herren im Stift, dasselbe, was alle schon gedacht haben. »Der liebe Gott hat's ihn gelehrt!« es gibt kein schöneres Wort. Aber auch kein tieferes. Für die Welt ist er ein Gebender -- in der Stunde der Schöpfung ist er ein Empfangender, ein von Gott Empfangender. Ein Kind ist er geblieben mit seinem naiven Wunderglauben, aber auch mit seinen Fieberträumen, ein Kind in der Hand Gottes. Gerade dieses Kindsein befähigt ihn zum Aussprechen dieses Tiefsten, er stammelt es wie ein Gebet. Es ist nicht mit dem Verstand gemacht, es ist mit dem Herzen gemacht, und darum ist soviel Herzblut darin und soviel aufseufzende kindliche Glückseligkeit, und zugleich sind so viele Tränen darin, die nach innen geweinten ....

Vogl sagt immer, daß er nicht mit Bewußtsein schaffe, und daß ihm das Geschaffene oft selbst nicht verständlich sei. Aber die in Linz, Ottenwalt und der ganze Kreis um ihn, waren bezaubert von der Tiefe und Klarheit seines Erkennens. Franz saß unter ihnen wie Jesus im Tempel. So heiter und jugendlich sorglos war es nicht mehr wie vor Jahren beim Katzengeschrei, aber es war doch auch ein inniges Fest der Seelen. Ottenwalt wußte so schön zuzuhören und mußte immer mehr erstaunen über diesen Geist, dem das Tiefste einfach war wie jede echte Wahrheit. Er verstand Franz besser: »Wie kann man sagen, daß ihm die eigene Kunst kaum offenbar und verständlich sei? Der Schlichtheit und Kindlichkeit seines Gemüts ist mehr offenbar, als wir uns alle in unserer Schulweisheit träumen lassen. Die Kindlichkeit ist ein Beweis seines Genies ....«

Der Ottenwalt verstand es eigentlich besser als Vogl. In Linz hatten sie begriffen, was Franz war. Sie erlebten ihn wie ein Stück Natur, wie einen Baum, einen Berg, den Wind. So erlebte ihn auch Schwind, der ähnlich war, so erlebten ihn Spaun, Schober und Bauernfeld. Darum liebten sie ihn alle so sehr.

Franz an der Orgel in St. Florian phantasierte und dachte an die Linzer Freunde und dachte voraus an das kleine Glück in Steyr, und die Orgel jubelte und sang dazu. Ein vergangenes Glück noch einmal erleben zu dürfen, welche Gnade! Seine Seele war geöffnet dem Unendlichen, sie empfing von Gott und wußte um neue Schätze, die sie zu geben hatte. Sie war zur Fruchtbarkeit gestimmt und kannte nichts Seligeres, als mit all ihrem Reichtum zu verströmen.

Die Sehnsucht trieb ihn weiter, altem Glück entgegen. Er dachte innig an Josephine, das Weibliche zog ihn an, denn es war auch das Mütterliche. Er war wieder ganz Kind und seine Seele suchte Zuflucht bei der Freundin.

Vor zwei Jahren, als er sich in Not und Krankheit im Hause Vogls verbarg, da war sie freilich etwas sonderbar gewesen, die gute Freundin.

»Sie müssen wissen, daß ich ein Tagebuch führe,« hatte sie ihm gesagt, »man erlebt soviel, auch Sie kommen darin vor ...«

»Schneegans!« hatte er damals gedacht und war ärgerlich über dieses Blaustrumpfgetue. Diese Sentimentalität war ihm zuwider, er machte sich lustig über sie und hatte sie ziemlich schlecht behandelt.

»Es ist nicht mehr dasselbe wie früher,« sagte sie beim Abschied, »etwas ist am Tod da drinnen.« Und dann zog sie das Tagebuch hervor und fügte hinzu: »Meine Liebe ist in diesem Buche begraben.«

»Wird nicht schad' drum gewesen sein ...« dachte er und drehte sich um.

Aber alle diese herzlosen Narreteien waren vergessen, er war von Zärtlichkeit erfüllt, je näher er der Stadt kam.

»Könnte ich wieder so glücklich sein wie damals ... Es wird nicht so ernst gewesen sein mit dem Absterbens-Amen der Liebe, sie kann eben nicht leben ohne Marotte, aber im Grunde ist sie doch eine treue Seele ....« Und er nahm sich vor, recht gut zu sein, er war jetzt dankbar für das bißchen Herz.

Man soll dasselbe nicht zweimal erleben, er hat die Enttäuschung schon in Zelez erfahren und muß nun neuerdings daran glauben.

Wo war die Josephine geblieben mit ihrer Verliebtheit, ihrer Sucht nach den kleinen Abenteuern des Herzens, mit dem Kult, den sie um das Meisterlein trieb?

Sie hatte den Krämer gegenüber geheiratet, sie war steif und dumm geworden, keine Spur von der früheren Originalität, es war wirklich etwas tot in ihrem Herzen ..

»Mein Mann ist Kaufmann, Kaffee en gros ...« Sie legte Wert auf den Zusatz »Kaffee en gros«. Und wiederholte bei jeder Gelegenheit: »Kaufmann, aber ich bitte, Kaffee en gros ....«

Franz lächelte über diese provinzlerische Großmannssucht: »Kaffee en gros ...« Es war doch wirklich zu dumm. »Kaffee en gros --« Schade um sie, oder wenigstens um die hübsche Erinnerung. Aber dieses »Kaffee en gros« zog alles ins Lächerliche.

Und Vogl? Ei, der war auch nicht mehr derselbe. Auch er ging auf Freiersfüßen, der Weltweise, den Alter nicht vor Torheit schützte, und gedachte seine achtzehnjährige Schülerin zu heiraten. So suchte jeder ein Stück realen Glückes zu verwirklichen, und er, der Begnadete, mußte still und arm vorübergehen.

E -- fis -- g -- h -- ais -- --

Dieser eigensinnige Aufschrei der gequälten Seele.

Das Glück hängt nicht am Ort, wo wir es zu finden wähnen, dachte er, wir können es nicht suchen außerhalb uns; in der eigenen Seele muß es zu finden sein, es existiert nirgends sonst auf Erden.

Und er war fest entschlossen, es aus eigener Kraft zu schöpfen.

Noch einmal zog Vogl aus mit ihm zu Kampf und Sieg. Sich selbst zur Verherrlichung, Franz war nur der Schleppträger seines Ruhms. In Gmunden lebten sie, Franz wohnte beim Kaufmann Traweger, der ein schönes Klavier besaß und ein stiller Verehrer seiner Kunst war. Was in einer seligen Stunde auf der Orgel zu St. Florian erklungen, als er in weltentrückten Träumereien auf der Empore gesessen war, das brach mit neuer, wunderbarer Kraft hervor, indessen der musikfreundliche Herr Traweger aufhorchend auf dem Kanapee saß, andächtig wie in der Kirche, und nicht genug staunen konnte über den wundersamen Gast. Und auch er mochte denken:

»Wo er es denn her hat?«

Der am Klavier stammelte, jauchzte und weinte wie ein Kind. Gott hat es so gewollt. Er hat's ihn gelehrt. Nicht er sang, es sang in ihm, alle Menschenlust und Erdenpein, das Herzblut strömte darin. Stückweise entquoll die sinfonische Dichtung der kindlichen Seele und der meisterlichen Hand.

So war es in Salzburg, und in den Pausen, wo die Unlust und Erdenschwere über ihn kam, schrieb er Reisebeschreibungen für seinen Bruder, ein äußerliches Bild der gesehenen Dinge, uff! daß ihm die Schwarten krachten.

Und dann, Gastein, wo er Gast des Bischofs Pyrker war, seines Gönners, der ihm für die Wandererphantasie einmal eine schöne Handvoll Dukaten zufließen hat lassen. Das war ein bischöflicher Segen, der dem Leib und der Seele wohlgetan hat.

Hier sprang der heiße Quell aus dem Erdinnern, dicht neben dem Eishauch der Gletscher.

Und der Quell, der so heiß im Innern glüht, und der kalte Hauch, der von draußen her weht, die feindlichen Gegensätze des Lebens, sie waren mit drinnen in dem, was er sang und dichtete. Und die Berge waren drinnen, die steingrauen Städte, und was er dort erlebte, das verwehte Glück, die Liebe, der Schmerz.

Gasteiner Sinfonie, so nannte er die Bruchstücke, sie sollten eine Stufe sein zu dem Lebensbau.

Das große Konzert, vielleicht auch die Oper, die ihm Bauernfeld versprochen, das wohlbestallte Amt eines Vize-Kapellmeisters, das wären Dinge! Das Kind erwachte in der Seele und baute ein luftiges Kartenhaus. In Träumen wohnt alles so schön beisammen. Aber es sind doch alles Dinge, die möglich sind, nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich. Er ist jetzt entschlossen, das Glück mit fester Hand zu ergreifen. Er braucht es nur bei sich zu suchen, in seinem eigenen Willen, dann ist das Kartenhaus nicht mehr Kartenhaus, ein festgebautes Schloß, mit einem schönen kupfernen Dachhelm, mit einer Wetterfahne darauf, die knarrt und knarrt, der Wind spielt mit ihr auf dem Dach so laut, daß man es im Schlafen hört, aber der Wind, der Schicksalswind, spielt nicht mehr drin mit dem Herzen, das ist ruhig und in sicherer Hand, in seiner Liebsten Hand, die hält das Glück, die hält sein Herz, er braucht nur zu kommen und sagen: Hier bin ich, das hab' ich, und jetzt nimm mich, nimm mich, wie ich bin, ein ganzes Kind, und du, meine Geliebte, du bist mein Gefährte, mein Stab, meine Zuflucht, mein Trost, mein alles, du, die eine, so bin ich gesegnet mit Weh und Glück, du treues Frauenbild, du geliebte Melusine, zu der mein Genius aufblickt, ich lebe durch dich -- für dich -- sei mein!