Part 4
Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der heilige Geist hat mich --
Richtig. Würde es Klugheit oder Torheit sein, wenn du glaubtest, daß du aus eigener Kraft an Christum glauben könntest?
Torheit.
Wenn nun der Bischof sagte, daß es anginge, wer wäre dann klüger, du oder der Bischof?
Gudbrand überlegte. Der Bischof wurde ein wenig unruhig und wollte zum nächsten übergehen, blieb aber lauschend stehen.
Nun? Wer wäre dann der Klügste, du oder der Bischof?
Nein, das ging nicht an, wenn alle zuhörten zu sagen, er wäre klüger als der Bischof:
Der Bischof wäre der Klügste.
Der Bischof schüttelte heftig den Kopf. Dann ging er zu ihm hin und strich ihm sanft über das Haar:
Nein, mein Junge, dann wärst du klüger als der Bischof.
Ja, sagte der Schulmeister, du meintest aber, auf so etwas könnte unser gottesfürchtiger Bischof nie verfallen, nicht wahr?
Ja.
Das war recht, mein Junge, mit Gottes Hilfe wird er das nicht tun, sagte der Bischof, strich ihm noch einmal über den Kopf und ging dann weiter.
* * * * *
Die Sonne stand schon tief über dem Neusäterberg, als Gudbrand der Sennhütte zustrebte.
Lykkelin war schon mit der ganzen Herde nach Hause gekommen, und sie lagen jetzt satt und zufrieden am Viehgatter und wiederkäuten. Die Ziegen drehten sich nur ein wenig um und meckerten, als er kam. Die Mutter war drinnen im Kuhstall und melkte; sie sah ihn nicht, ehe er hereinkam. Er nahm sich viel Zeit und schob den Riegel behutsam vor.
Nein, da bist du ja, Gudbrand? Wie war es denn?
Ach, es war wohl ungefähr, wie man erwarten konnte, denke ich.
Konntest du antworten?
Ach, du weißt, ich wußte schon das meiste, was sie fragten.
Erzähle doch!
Da gibt es nicht weiter viel zu erzählen, finde ich. Und dann sagte er plötzlich: Nein, jetzt muß ich schon meine alten Sachen anziehen und anfangen zu melken; man kann nicht den ganzen Tag nur zum Staate da sein.
Mehr bekam die Mutter nicht aus ihm heraus. Sie begann zu fürchten, daß er seine Sache nicht gekonnt hätte. Eine Weile darauf kam er in seinen alten Sachen wieder heraus und begann die Ziegen zu melken. Gudbrand war so unglaublich verschlossen.
War denn der Bischof freundlich?
Ach ja, er war nicht gerade unangenehm.
Hat er etwas zu dir gesagt?
Ach ja, er hat schon auch etwas gesagt.
Was hat er denn gesagt?
Ach, -- man darf nicht alles glauben, was man hört.
Was sagst du da?
Ja, wenn du's durchaus wissen willst, so kann ich es auch gern sagen. Sie fragten mich nach allen Richtungen hin aus, und du verstehst, ich blieb ihnen keine Antwort schuldig. Und dann, als sie nicht weiter kamen, dann sagten sie alle, ich wäre klüger als der Bischof, aber das können sie wohl nicht im Ernst gemeint haben.
[Illustration]
Die Mütze, die auf der Wolke war, um Gold zu holen.
Per lag hinter dem großen Stein oben auf Storbakken und blickte hinunter. Er konnte gerade auf den Hof sehen, der dicht darunter lag. Es war früh am Morgen, die Sonne war eben aufgegangen und schien auf die blanken Scheiben, daß sie glitzerten, und mitten zur Haustür herein, die wie ein schwarzer Rachen offen stand.
Per hatte die Mütze auf dem dunklen Schopf weit nach hinten geschoben und lag da und warf die Beine bis fast in den Nacken. Er fand schon, daß Christian gern die Nase aus den Federn stecken könnte, ehe Hänschen aufwachte.
Unten auf dem Hof gingen die Hühner und gackerten und scharrten mit den Füßen, der Hahn stand auf der Scheunenbrücke und krähte und krähte, die Schwalben flogen durch den Sonnenschein wie stahlblaue, metallglänzende Streifen, oben auf dem Scheunendache schwatzte eine Elster und aus der Esse stieg ein hellblauer Rauch hoch in die Luft. Trotzdem war es ganz still, -- man sah keinen Menschen, sie waren wohl alle draußen auf dem Felde und mähten.
Endlich trat Christian in die Haustür. Er strich sich den hellen Schopf aus den Augen, blinzelte gegen die Sonne, die ihm gerade ins Gesicht schien, hielt die Hand vor die Augen, und blickte nach oben. Nein, er sah nichts; nur einen blauen Rauch über dem Rand von Storbakken. Er kam aus der Häuslersesse. Ja, er glaubte, er konnte sehen, daß er nach Kaffee roch.
Hallo, Per! Keine Antwort. Nein, Per hatte wohl noch keinen Morgenkaffee bekommen.
Er steckte die Hände in die Tasche und wollte umkehren.
Da ertönte ein: Hallo, Christian!
Er blieb stehen: Hallo, Per!
Per sprang auf und schlug Purzelbäume hinunter, Hallo, Christian! -- Hallo, Per! -- Hallo, Christian! -- Hallo, Per!
Und Per sprang und schlug Purzelbäume und kollerte hinunter, und die ganze Zeit schallte es hinaus in die Morgenluft: Hallo, Christian! Hallo, Per!
-- -- Per war vom Häuslerplatz und Christian war vom Hof. Sie waren gute Freunde und pflegten den ganzen langen Tag zusammen zu sein, und das war nicht zu verwundern, denn es gab weit und breit keine solchen forschen Jungen wie sie, und niemand, der solche Sachen hatte. Sie hatten eine Mühle und eine Säge, die gingen, wenn im Bach genug Wasser war, und dann hieß Per der Müller und Christian der Obersägemeister; wenn sehr viel Wasser da war, so stauten sie das Wasser erst und ließen es dann laufen und flößten Holz; doch da hatten sie andre Namen, denn da hieß Christian Zimmermann Pedersen und Per Inspektor Wasserfall, von dem Mal her, wo er fiel und auf den Hosenboden mitten in den Bach zu sitzen kam. Wenn der Bach trocken war, trieben sie Landwirtschaft; sie hatten Hof und Sennhütte und Vieh, Großvieh und Kleinvieh und Schäferhund. Die Kühe waren runde Steine und der größte, der so ungeheuer groß und glänzend war, war der Bulle Dybendal; und die Schafe waren Tannenzapfen und eine merkwürdige kleine runde Wurzel, die der Knecht ihnen zugeschnitten hatte, war der Schäferhund: Bärenbeißer, und der hatte mehr als einmal mit dem Bären zu tun gehabt. Sie hatten auch einen Bogen, mit dem sie auf die Jagd gingen und Pfeile, die so unwahrscheinlich hoch flogen, daß der beste einmal bis auf die Wolke gegangen und dort oben liegen geblieben war, -- sie fanden ihn erst viel später im Gras wieder, als es geregnet hatte. Und da erzählte ihnen der Knecht, daß er wahrscheinlich wieder heruntergeregnet wäre, und daß sie gut nachsehen sollten, ob nicht Gold an ihm wäre, denn oben auf der Wolke wäre Gold. Doch er war so glatt, daß nichts an ihm hängen geblieben war, und als sie ihn teerten, bekamen sie ihn nicht mehr so hoch.
Doch in der letzten Zeit waren Per und Christian umgezogen. Die Mühle und die Säge standen da und Bärenbeißer mußte allein auf das Vieh achtgeben. Es war oft genug langweilig gewesen, daß Hänschen immer mit sein wollte; denn es war nun einmal nichts für Zimmermann Pedersen und Inspektor Wasserfall, stets den Jungen zum Aufpassen zu haben; aber da war nichts zu machen gewesen, -- er kam stets, wenn er wußte, wo sie sich aufhielten. Aber jetzt waren sie sehr darauf aus, es verborgen zu halten, wo sie ihre Zuflucht hatten; sie schlichen sich früh weg und blieben den ganzen halben Tag fort. Sie hatten sicher etwas vor, wovon Hänschen lieber nichts wissen sollte.
Das erste, was Per sagte, als er in die Haustür hinunterkam, war auch: Ist er auf?
Nein, er schlief, als ich hinausging.
Hast du den Fünfpfünder instand?
Ich sollte es meinen! Und Per zog ein großes Kuhhorn hervor, in das er Zündlöcher gebohrt hatte. Hast du Futter für ihn?
Ach ja, ich denke schon, und Christian zeigte einen großen Beutel mit Pulver vor.
Die Sache war, daß sie oben auf dem Boden ein Fäßchen Minenpulver gefunden hatten, und davon durfte niemand etwas wissen, denn Pulver war streng verboten.
Ja, dann ist es am besten, daß wir fortkommen.
Sie schlichen sich leise über den Hof und sahen sich jeden Augenblick um; dann als sie um die Ecke des Vorratshauses waren, fingen sie an die Straße entlang zu laufen.
Halt, Christian! Ich sehe dich schon.
Es war Hänschen, der in die Haustür hinausgekommen war, und das letzte Ende von ihnen gesehen hatte, als sie um die Ecke verschwanden.
Er hatte nur Hosen und Schuhe anbekommen, oben war er im bloßen Hemd. Er hatte Eile gehabt, denn Hänschen verstand sehr wohl, daß sie sich von ihm fortschleichen wollten und hatte sich vorgenommen, auf sie aufzupassen.
Halt, hörst du! Ha--a--lt!
Er schrie, bis er an der Ecke des Vorratshauses vorbeikam und Per und Christian ruhig im Grase liegen und in die Luft blicken sah.
Er sagte nichts, sah sie nur ein wenig zweifelnd an, und setzte sich auch ins Gras. Er wollte schon auf sie aufpassen.
Per und Christian blinzelten einander zu und begannen Purzelbäume zu schlagen. Nach einer Weile durfte auch Hänschen mitmachen. Dann spielten sie mit andern Dingen. Auf einmal sagte Christian:
Du, Hänschen, wollen wir zum Jahrmarkt reisen?
Ja--a! Hänschen wurde strahlend vergnügt.
Du fängst an.
Nein, du wirst mich nicht zum Narren haben! Du fängst an!
Ja, gern. Ich hatte ein Füllen!
Hänschen sprach ihm nach: Ich hatte ein Füllen!
Meins wurde ein Pferd.
Meins auch.
Ich zähmte meins.
Ich zähmte meins auch.
Dann reiste ich zum Jahrmarkt in Grundset.
Dann reiste ich zum Jahrmarkt in Grundset.
Da traf ich einen Mann, der einen Bären hatte.
Da traf ich einen Mann, der auch einen Bären hatte.
Da vertauschte ich mein Pferd gegen den Bären.
Da vertauschte ich auch mein Pferd gegen den Bären.
Da traf ich dich.
Da traf ich dich.
Da nahm mein Bär deinen Bären und fraß ihn auf.
[Illustration]
Hänschen bekam zuerst ein langes Gesicht; aber dann wurde er wütend:
Du mogelst, Christian, du sagtest zuerst guten Tag, und darum wird es mein Bär, der deinen auffrißt.
Nein, es war meiner, der deinen auffraß.
Nein, meiner! Hänschen war am Weinen: ja, so laß uns noch einmal anfangen, dann wirst du sehen!
Nein, dein Bär ist aufgefressen.
Ä--h ä--h, es war meiner. -- ä--h ä--h.
Nein, meiner!
Ä--h, Mutter! er sagt ä--h ä--h, daß sein Bär meinen auffraß! Hänschen lief hinein, um es der Mutter zu sagen; er vergaß, daß er auf sie hatte aufpassen wollen.
Als er glücklich in der Haustür drin war, machten sich Per und Christian eilends aus dem Staube und verschwanden.
Drüben in Svartdalen, ein gutes Stück vom Hofe entfernt, hatten sich Per und Christian eine Höhle eingerichtet, vor der ein Haselwäldchen stand, so daß sie nicht gesehen werden konnten, wenn man nicht auf die oberste Höhe hinaufkam und gerade auf sie hinunterblickte. Dorthin hatten sie das meiste von ihren Sachen gebracht; dort hatten sie einen Herd gebaut, dort hatten sie ihre Schmiede, dort zündeten sie ihre Feuer an; aber das wagten sie nicht oft zu tun, aus Angst, daß man den Rauch sehen könnte. Hier fühlten sie sich sicher, hier hatten sie Sprühmännchen angezündet, und hier hatten sie mit Tüten und Sturmhutstielen zu schießen versucht; aber ~damit~ ging es nicht, die Tüten brannten nur an und die Sturmhutstiele platzten; es konnte also nicht die Rede davon sein, mit ihnen in die Wolke nach Gold zu schießen, -- denn das war es eigentlich, was sie vor hatten. Aber heute hatten sie den Fünfpfünder, heute sollte es Ernst werden.
Sie mußten erst Probeschüsse machen, ehe sie in die Wolke schossen. Sie machten ein Feuer an, gossen das Pulver in das Horn und stopften es voll mit Gras.
Es knallte nicht sehr stark; das Horn sprang nur einige Ellen nach rückwärts und der Grasbüschel ein wenig nach vorwärts.
Pah, es war nicht stark genug geladen, der Fünfpfünder mußte festgemacht werden, und dann mußte eine Kugel hinein; ja, dann wurde es eine Kanone, die schon gehen sollte; sie würden mindestens quer über das Tal schießen können.
Sie luden von neuem und legten einen großen Stein hinein und befestigten den Fünfpfünder zwischen zwei Steinen. -- Nein, sie mußten ihn vielleicht ein wenig wegrücken? -- Ja, es wäre schade um die Leute am Talende, wenn man ihnen die Häuser niederschoß; sie mußten ihn auf den Wald richten.
Das taten sie denn und zündeten an.
Ja, diesmal knallte es wahrhaftig! ~Der~ Schuß ging! Konnte Per nichts drüben am Abhange sehen! Ja, denn Christian schien es deutlich, als fiele eine Tanne um, als der Schuß losging.
Ob es eine ganze Tanne war, konnte Per nicht sagen, aber er sah jedenfalls, daß ein Tannenwipfel herunterfiel.
Es war schon fraglich, ob sie eine bessere Kanone auf der königlichen Festung hätten.
Ach nein, das war nicht anzunehmen. Mit der konnten sie sicher bis in die Wolke schießen.
Ja, das war sicher. Aber was sollten sie hinaufschicken? Es mußte etwas sein, in das das Gold hereinkommen konnte.
Sollten sie etwa Pers Zipfelmütze hinaufschicken? Vielleicht kam sie dann vergoldet wieder herunter.
Ja, Christian wunderte sich schon, was sie zu Hause sagen würden, wenn sie mit vergoldeten Mützen und Goldstücken in den Taschen heimkämen. Da könnten sie Pulver kaufen -- ein ganzes Faß voll!
Ho--ho! erklang es gerade über ihnen. Der Fünfpfünder und der Pulverbeutel wurden schnell beiseite gebracht, ehe sie hinaufblickten.
Dort lag Hänschen:
Ach bitte, vergoldet doch auch meine Mütze!
Per und Christian waren wirklich ärgerlich. Sie versuchten Hänschen alles Mögliche einzubilden. Sie boten ihm den besten Bogen an, wenn er gehen und nichts sagen wollte. Doch Hänschen hatte den Knall gehört, sie könnten ihm nichts weismachen, -- wenn sie nicht seine Mütze vergoldeten, so ginge er spornstreichs nach Hause zu Mutter und sagte, daß sie Pulver hätten, und da würde es einen andern Tanz geben.
Ja, da gab es keinen andern Rat, als sich mit Hänschen abzufinden und ihn zu besänftigen. Sie zeigten ihm alle ihre Herrlichkeiten und er versprach, daß er gar nichts vom Pulver sagen wollte; aber da sollten sie seine Mütze zuerst vergolden.
Ja, das wollten sie auch gern tun, und bald hatten sie alles vergessen und waren wieder gleich eifrig. Es war wohl am sichersten, sie banden einen Stein an die Mütze, denn sonst kam sie nicht wieder herunter, ehe Regenwetter war.
Das war am besten. Wie wollten sie es machen?
Sie könnten das Kanonenende fest in die Erde stecken, den Stein hineintun, ihn mit einer Schnur an der Mütze festbinden und die Mütze oben darauf hängen.
Der Vorschlag wurde angenommen. Dann schütteten sie das Horn fast halb voll mit Pulver, luden gut und machten sich fertig. Es war ein feierlicher Augenblick und alle standen atemlos da, als Christan endlich einen Brand nahm.
Gebt jetzt acht! -- Er brachte den Brand an das Zündloch.
Frrrr--s--piff--paff--puff!
Sie standen in einem Lichtscheine wie von einem starken Blitze und schraken alle drei so zusammen, daß sie umfielen.
Sie sahen ein wenig blaß aus, als sie sich so weit erholt hatten, daß sie einander ansehen konnten. Sie hatten den Pulverbeutel so weit in die Nähe gesetzt, daß er mit draufgegangen war.
~Das~ war ein Schuß, sagte Christan.
Ja, das ~war~ ein Schuß, sagte Per.
Sahst du die Mütze?
Es war mir, als sähe ich sie undeutlich, als sie vorbeiflog.
Ist sie denn jetzt auf der Wolke? fragte Hänschen.
Wir wollen froh sein, wenn sie nicht noch weiter ist.
Kommt sie denn bald wieder herunter?
Oh, das wird wohl noch eine Weile dauern.
Sie blieben alle drei stehen und starrten in die Luft. Nach einiger Zeit bekam Hänschen einen müden Nacken und sah wieder nach unten. Da ist sie!
Die Mütze hing oben im Haselbusch.
Ja, dann mußte sie aber auch schnell wieder heruntergeflogen sein, wenn sie sie nicht hatten kommen sehen!
Ja, Per war es, als hätte er einen Streifen gesehen, gerade als Hänschen es sagte, -- da war sie sicher gekommen.
Sie hatten viel Mühe damit, sie herunter zu bekommen. Draußen war nichts zu sehen; sie waren sehr gespannt, was drinnen sein konnte. Als sie sie herunter bekamen, war weiter nichts zu entdecken, als ein großes Brandloch im Innern.
Das war seltsam. Wer hätte gedacht, daß das Gold da oben so heiß wäre; denn es hatte sicher ein Goldklumpen darin gelegen, der das Loch gebrannt hatte und dann herausgefallen war.
Vielleicht lag er in dem Haselbusch drinnen.
Sie suchten lange. Ach nein, der konnte weit von hier heruntergefallen sein. Ja, ja, morgen mußten sie den kleinen Blecheimer nehmen und hinaufschicken, denn da mußte der Goldklumpen drinnen bleiben, wie warm er auch war.
-- -- Als sie an dem Tag nach Hause kamen, hielten sie alle drei gut zusammen und Hänschen war so gut und artig und so vorsichtig, daß niemand seine Mütze zu sehen bekäme.
Er wollte schon nicht klatschen.
Als die Mutter ihnen allen dreien das Essen hinstellte, sagte Hänschen, während sie dasaßen und aßen. Du, Mutter, heute sind Per und Christian so gut zu mir gewesen, daß ...
Das ist brav von ihnen, aber da mußt du auch gut sein.
Ja, ich werde so gut sein, daß ...
Wie gut willst du denn sein?
Ach, ich werde gar nichts davon sagen, daß Per und Christian meine Mütze in die Wolke schossen! ...
[Illustration]
Der erste Arbeitstag.
Christian richtete sich auf den Ellbogen in die Höhe, kroch nach dem Kopfende und guckte aus dem Fenster dicht daneben.
Es war noch beinahe dunkel in der geräumigen Häuslerstube. Draußen war Dämmerung, gerade am Übergang zum Tag, nur einzelne von den größten Sternen waren sichtbar an dem blauen klaren Herbstmorgen.
Wieviel Uhr es wohl war? Ja, zu ~spät~ durfte er nicht kommen, die Schande sollten sie ihm nicht antun, -- und dann konnte das auch einen Abzug vom Tagelohn bedeuten. Ein ganzer Kerl mußte den ganzen Tagelohn haben. Es war übrigens seltsam, er hatte vergessen zu fragen und Ola Nordlien hatte auch nichts vom Tagelohn gesagt!
Er drehte sich, so daß er im Bett saß und blickte hinüber nach dem anderen Bett am anderen Fenster, wo die Mutter lag.
Mutter! Mut--t--ter!
Die Mutter drehte sich ein paarmal um, ehe sie aufwachte, dann schlug sie die Augen auf:
Ja. Was willst du, Christian?
Du hörtest nicht, ob Ola Nordlien etwas davon sagte, wieviel Tagelohn er geben wollte?
Und darum weckst du mich, du unartiger Junge!
Ich dachte auch, es wäre vielleicht Zeit, daß du den Kaffee aufsetztest. Denn wer auf Arbeit soll, braucht Zeit, um richtig munter zu werden.
So leg dich jetzt wieder hin. Ich werde es schon nicht verschlafen.
Aber Christian schlief nicht wieder ein, und was das anbetrifft, er hatte auch die ganze Nacht nicht viel geschlafen. Denn gestern abend, als er sich eben hinlegen wollte und schon mit den Hosen in der Hand dastand, war etwas geschehen.
Ola Nordlien war selbst hereingekommen, hatte guten Abend gewünscht und gesagt:
Jetzt bin ich im ganzen oberen Dorf herumgezogen und habe Leute zum Kartoffellesen gedungen, und da wollte ich 'mal vorsprechen, ob vielleicht auch hier ein Knecht zu haben wäre.
Nein, ich habe jetzt keinen Knecht hier, hatte die Mutter gesagt; der Per hat jetzt mit dem Kuhstall auf Opsal zu tun, und ich erwarte ihn vor den Feiertagen nicht zurück.
Hast du niemanden? Ich finde, da steht ein großer Bursche drüben am Bett. Nach ihm dort hatte ich fragen wollen.
Da kann einer glauben, daß Christian sich aufrichtete.
Du willst also mit zum Kartoffellesen? fuhr die Mutter fort.
Ja, und darum habe ich ein ganzes Heer von solchen Kerlen zum Auflesen gemietet, die Kulsvejungen und Sagbakjungen und Jens Perhus.
Die Mutter lächelte und sah zu Christian hinüber.
Ja, ich weiß nicht, was Christian dazu sagt, du mußt mit ihm selbst reden.
Da verstand Christian, daß er durfte.
Ola Nordlien wandte sich dann zu ihm und sagte so ernst, als spräche er zu einem erwachsenen Knecht:
Ja, hast du wohl Lust, morgen zu uns zu kommen und uns beim Kartoffellesen zu helfen, Christian?
Christian zog die Hosen wieder in die Höhe und knöpfte die Klappe zu, so gut es sich in der Eile machen ließ. Dann setzte er sich auf die Bank, schlug die Knie übereinander, spuckte weit aus und sagte:
Ja, eigentlich habe ich nicht viel Zeit, aber da du Mangel an Leuten hast, so muß ich wohl kommen.
Das war der Grund, warum Christian nicht wieder einschlief, -- denn zu spät kommen wollte er nun einmal nicht und dann gab es auch viel anderes zu überlegen, einmal, wie er sich ausrüsten sollte, und dann auch, wie er sich benehmen sollte.
Der Morgen schlich langsam weiter, es kam ihm vor, als ob die Uhr gar nicht von der Stelle rückte -- vielleicht war sie auch stehen geblieben; ein paarmal versuchte er, sich laut zu räuspern oder zu husten, um zu sehen, ob die Mutter nicht aufwachen wollte. Und als die Mutter endlich aufgestanden war und kaum den Kaffeekessel mit Wasser gefüllt hatte, da stand auch Christian mitten im Zimmer.
Er hatte noch viel zu tun. Erst untersuchte er, ob alle Knöpfe an der Hose richtig fest saßen. Nein, einer hing bloß an einem Faden; der mußte befestigt werden; ein Knecht mußte Hosen haben, die es vertrugen, daß er ordentlich zufaßte. Dann kam der Gürtel an die Reihe, -- er mußte ein neues Loch machen, um ihn enger zu bekommen, er war nämlich zu weit, und sollte es zu einer richtigen Kraftanstrengung kommen, so war es am besten, daß er ordentlich eng war. Und den neuen Schal wollte er lose drüber hängen lassen; das würde sich gut machen, wenn er kam, und später wenn er den Rock auszog, und ihn dann schön zusammengefaltet darauf legte.
Lange ehe der Kaffee fertig war, war Christian angezogen und gerüstet, bis auf das Heu in den Stiefeln und die Zipfelmütze auf dem Kopf, und er ging aus und ein und sah aus, als hätte er sehr viel zu tun. Und als der Kaffee endlich fertig war, nahm es nicht lange Zeit ihn herunterzukriegen, obgleich er gewaltig viel essen mußte, um seinen Mann zu stellen und bald stand die Mutter und blickte ihm nach und bat ihn, gehorsam zu sein und sein Bestes zu tun, während er, die Zipfelmütze bis über die Ohren, mit langen, wiegenden Schritten wie ein Erwachsener den Abhang nach Nordlien hinuntertrabte.
Als er nach Nordlien hinunterkam, war es ganz still draußen im Hof, er sah nichts anderes, was sich bewegte, als den Rauch, der langsam in gerader Linie aus der Esse emporstieg, und hörte nichts anderes als das gleichmäßige Kauen der Pferde im Stall, -- sie bekamen ihr Morgenfutter drinnen vor einem so strengen Tag.
Es dauerte indessen nicht lange, bis er hörte, daß Ola Nordlien auf den Beinen war und im Hause herumfuhr und weckte, und als er herauskam und Christian erblickte, sagte er:
Das ist meiner Treu ein richtiger Junge, der zuerst auf dem Platz ist, und da setzte Christian den einen Fuß vor und sagte:
Ja, ich finde, wir hätten schon anfangen müssen, wenn wir bis zum Abend etwas ausrichten wollen.
Allmählich wurde es lebhaft auf dem Hof. Die Leute des Hofes selber waren aufgestanden und kamen heraus, gähnten und dehnten sich, und von dem oberen Dorf kam der eine nach dem andern, Erwachsene und Kinder, Häusler und Häuslerinnen, und Ola Nordlien ging herum und fand Hacken und Eimer und lieferte sie aus, und Trampelpeter, der Knecht, ließ die Pferde heraus, um sie zu tränken.
Christian war der kleinste von ihnen allen, und er hielt sich auch so weit im Vordergrund, daß er ihnen auffiel. Trampelpeter, der ein loses Mundwerk hatte, sagte auch gleich:
Nein, was ist das für eine Kartoffel, die ist ja mächtig groß.
Christian wurde sehr wütend auf den Lümmel, aber sein Zorn legte sich, als Ola Nordlien gleich sagte:
Das ist mein Großknecht. Du, Christian, du mußt ein bißchen ein Auge auf Trampelpeter und die anderen haben.
Christian sah ihn ein wenig unsicher an, und seine Mundwinkel fingen an zu zittern; denn er wußte zwar, daß er ein tüchtiger Junge war, aber eine solche Auszeichnung hatte er trotzdem nicht erwartet.
Ist das dein Ernst, Ola Nordlien?
Ja, natürlich ist es mein Ernst.
Jetzt waren sie alle versammelt, mit Ausnahme von dem Faulpelz Jens Perhus, den sie langsam die Straße herunterschlendern sahen. Christian rief ihm zu, er möchte sich gefälligst beeilen und dann sagte er: