Part 7
Was an Gebäuden zum Anwesen Himmelmühle gehört, ist nicht älter als etwa neunzig Jahre. Denn vordem soll, nach Ausweis der Grundbücher, nichts hier gestanden haben – außer dem Gasthaus jedenfalls. In eine viel tiefere Zeitferne führt freilich die Erzgebirgische Kriegschronik zurück, in der Mag. Christian Lehmann vom Jahre 1639 zu berichten weiß, daß »eine rotte loser bursch« den Vetter des schwedischen Obristen Göcking erschlagen habe, wobei auch ein gewisser Nicol Georg gewesen sei. Dieser, der eigentlich ein »Heußler« zu Falkenbach gewesen, habe sich darauf »mit seinen Viehe und mobilien in morrast bei der Norbsmühle zwischen Neudörfel und Falkenbach retterirt,« wo er aber von den Schwedischen gegriffen wurde. Wenige Tage später hat ihm der Obrist dann zu Annaberg »den Kopf abschmeißen« lassen. In der Norbsmühle ist die Himmelmühle wiederzuerkennen. Es ist dies die älteste Erwähnung der Örtlichkeit.
1834 hat der Chemnitzer Kaufmann G. F. _Oehley_ die Gebäude des heutigen Schokoladenwerkes aufführen lassen. Sie dienten zuerst einer Spinnerei, und die Fabrikation ging einen guten Gang, als Richard Hartmann aus Chemnitz daran beteiligt war. Bis 1913. Während des Krieges brach der Verfall herein. Das Bekleidungsamt Chemnitz quartierte sich in den Gebäuden ein. Es wurde grundsätzlich nichts mehr auf die Erhaltung verwendet. 1921, als der gegenwärtige Inhaber, Herr Martin _Schmidt_ aus Dresden, den Besitz übernahm, wuchsen schon lustige Birken aus dem heutigen Werksgebäude heraus: das Kurze Haus war polizeilich geschlossen; der Gesamtzustand derart, daß der neue Besitzer das Dach des Herrenhauses eines Tages – in der Zschopau wiederfand. So galt es durchgreifenden Neuaufbau, Aufwendung erheblicher Mittel, vornehmlich aber Verständnis für den Wert des Überkommenen und schonsame Rettung dieses Wertes in die Gegenwart hinein. Und mit diesem allen kommt man denn auf den jetzigen Besitzer.
[Illustration: Abb. 4. =Waldpartie im Zschopautale mit Himmelmühle=]
Wer ein Freund der Heimat ist, der hegt oft auch eine stille Schwärmerei für die Herrensitze alter Adelsgeschlechter. Wir erkennen Kultur darin, daß da das Herrenhaus organisch mit der Kirche verbunden zu sein pflegt; es gab noch ein anerkanntes Höchstes über dem Herrentum, und es gab nicht das, was Nietzsche als die Schrankenlosigkeit des modernen Fabrikherrentums in der Selbstsucht erkannte. Wäre der Herr auf der Himmelmühle von der Sorte der zeitgemäßen Industrieritter, er wäre gewiß dem Ratgeber gefolgt, der ihm anno 1921 empfahl, das Spitzdach des Schokoladenwerkes in ein flaches umzuwandeln. Praktischer wäre das gewesen, denn im Winter hätten dann die Eiszapfen keine Ecken mehr gefunden, wo sie sich gefahrdrohend aufbaumeln konnten, – und billiger wäre es am Ende auch gewesen. Es ist nicht nach diesem Ratschlag gehandelt worden, denn der neue Inhaber empfand, daß mit dem Mansardendach der Landschaft ihre eingewurzelte Ländlichkeit verlorengegangen wäre.
[Illustration: Abb. 5. =Gasthaus Himmelmühle mit der neuen Talstraße=]
Und so ist aufgebaut worden in mühsamer, aber auch aufmunternder, erfreuender Arbeit. Der Dresdner Architekt Oskar Röhle, daneben der Dresdner Kunstmaler Paul Ricken, sind die verantwortlichen Werkmeister gewesen, und alle drei, Architekt, Maler und Bauherr, haben nach dem Grundgedanken geschafft, daß erst eine _Wohnstätte_ für die Menschen, dann _Wasser_ und _Verpflegung_ und dann neuzeitliche _Gesundheitlichkeit_ vorhanden sein müßten, ehe wieder Leben auf dem Himmelmühlhof einziehen dürfte. Wirklich, man ist betroffen, wenn man das fertige Werk betrachtet.
Überkommenes Stiltum ist mit neuem Stilverständnis erhalten und gepflegt. Die Baumeister von 1834 haben mit köstlicher Festigkeit gebaut. Wenn man die Mauern des Schokoladenwerkes sieht, in die zwei Kraftmeier von heute ihre Brüste hineinstemmen könnten, so durchfährt einen Freude: Gott, muß das warm sein hier im Winter! Die Fabrik ist mit schlichter Farbeneinstimmung ausgemalt; Kontor und Werkräume sind in stillen Farben gehalten. Aber durchgängig bewegt man sich eben nicht in Fabriknüchternheit, sondern in bäuerlicher Breite und Behaglichkeit. Und dabei herrscht doch Zwecksinn. Die Verarbeitung ist so geregelt, daß die Rohstoffe mit Fahrstuhl in das oberste Stockwerk gefahren und von da, je nach dem Fortschreiten der Behandlung, Stockwerk um Stockwerk tiefer gefiltert werden. Es geht alles durch Falltrichter; Menschen brauchen sich nicht abzuhetzen.
[Illustration: Abb. 6. =Wohnzimmer im Herrenhause=]
Eine biologische Kläranlage versorgt jeden Bewohner mit den Grundvoraussetzungen neuzeitlicher Reinlichkeit. Eine helle Freude schafft der Anblick der Arbeiterwohnungen – z. B. im _Kurzen Haus_. In Riesenzimmern, riesenmäßig an Tiefe und Höhe, dabei so hell! liegen die Kinder in ihren Bettchen und schlafen sich stark in der gesunden Luft. Ich werde mich einmal aufmachen und forschen, wo es in der Großstadt eine gleiche Mittelstandswohnung gäbe; ich weiß schon im voraus: da forsche ich vergebens. Die Schule sieht sich von außen sehr sauber und fröhlich an, aber es darf leider zurzeit kein Schulunterricht darinnen gegeben werden. Das junge und rasch zunehmende Geschlecht muß erst groß werden. Eine besondere Beschreibung verdient dann das _Gasthaus_. Es ist in seinen drei Gaststuben mit wahrem Behagen als ländliche Pfleg- und Erholungsstätte aufgerüstet, bauernbunt an den Wänden, mit starken, hölzernen Tischen und derben Stühlen, dazu großen, hellen Fenstern. Hier verzehren die Arbeitsleute ihr Mittagbrot. Steigt man aber die Stiege hinan, so bekommt man mit den Fremdenzimmern eine pure Lustigkeit zu sehen. Jegliches hat seinen Namen erhalten; dem einen steht auf der Türe »’s Herzel«, dem andern »Himmelschlüssel«, einem dritten »Vuglbeer«. Innen enthalten die Zimmer immer die nötigen Wandmalereien. Sie schauen solchergestalt sehr lieb drein und locken zum Dableiben. Gewaltige Böden über den Wohnungen sind ein Besitz aller Himmelmühl-Häuser.
[Illustration: Abb. 7. =Blick auf Warmbad Wiesenbad im Erzgebirge=]
Bliebe noch das Herrenhaus zu erwähnen, wenn man einiges andere wegstreichen wollte. Das Herrenhaus ist die Wohnung des Fabrikherrn. Es ist der eigentliche Adelsbau des ganzen, mit hohen, herrlichen Zimmern, von denen das Biedermeierzimmer ein Stück Liebhaberei verkörpert, indes die anderen im neuen Geschmack gehalten sind, ohne irgendwie Stil zu verleugnen.
Bleiben ein paar Wertstückchen – Nippes, sagt man gebildet. Ich meine vornehmlich den kleinen _Pavillon_ im Garteneck. Über die moosübergangenen Steine einer Mauer sieht man zur Zschopaurinne durch; _vor_ einem aber steht ein romantisches Tempelchen. Es ist rund gebaut, mit dorerartigen Säulen und einer weißgestrichenen Holzbalustrade herum, mit großen Fenstern voll Stabwerkes zum Stübchen inmitten. Und das Stübchen ist ein kleines festliches Gemach. Ringsherum sind bunte Bilder über die Fenster und in die Nischen gemalt; sie stellen im wesentlichen die vier Jahreszeiten dar – der Geschmack zwischen Ludwig Richter und Runge spielend. Wer waren die Künstler zu dem allen? Dies hübsche Häusel verdient noch weiteren Ausbau.
Wandert man aber noch einmal die breite Kastanienallee zum Herrenhaus zurück, so stockt man vor zwei alten runden Säulen am Eingang. Dem Charakter nach sind es Überreste des 18. Jahrhunderts, aus der Gleim- und Höltyzeit, der Überlieferung nach freilich nicht. Bescheiden wir uns beim Rätsel!
Und steigen wir so, Gedanken im Sinne, vom Tale zur Höhe zurück. Lassen wir das _erste Schokoladenwerk_ des Erzgebirges – die Himmelmühle ist es! – liegen in der beschaulichen Friedlichkeit seines Bezirkes von Arbeit und Lebensgenuß. Wir sehen über den spitzen Tannen den Erzgebirgshimmel in hellblauem Flusse, und weiße Wölkchen flattern darüber hin. Die Einsamkeit will uns wieder fangen, und einsam scheint auch das Stück Menschenwerk im Grunde, einsam in seine Traulichkeit gehegt. Nichts weiter als ein Blick Heimat, aber eben Gott sei Dank, trotz vergangener Anfechtung: Heimat!
[Illustration]
Fußnote:
[6] Dieses ist das Schmerzenskind des Besitzers, das Gebäude befindet sich im Verfall. Man sollte meinen, daß es auch höhere Stellen bekümmern müßte, hier keinen Schandfleck entstehen zu lassen.
Bücherbesprechungen
_Franciscus Nagler_, »=Ein lustiger Musikante=« (Nummer 16 der Zellenbücherei im Verlage Dürr und Weber G. m. b. H., Leipzig-Gaschwitz).
Eine meist recht kindische Art Operette, die kunstlose Potpourriform der Kinomusik, Jazzbands, Schlagerlieder und Schlagertänze ohne Lebenskraft, nur einmal aufleuchtend und dann auf immer vergessen – wir wollen es deutlich sagen: das ist die Volksmusik von heute, die Musik, die das Volk aufnimmt. Kein Lied _im Herzen_; keine Melodie, die von Vater und Mutter zu Kindern und Enkeln weiterklingt! – Wir wollen versuchen, es _besser_ zu machen und die Lebensfreude, die ja doch schließlich auch aus der gegenwärtigen Volksmusik spricht, in _richtige_, natürliche Bahnen zu lenken.
Das will der »Lustige Musikante«! Er ist uns daher herzlich willkommen! Heiteren Gemütes wird er uns vorgestellt. Er ist der rechte Musikante aus dem Volke mit dem reichen, warmen Herzen. »Er freuet sich mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden.« Von allem, was zu ihm in Beziehung steht, plaudert der Verfasser: von fahrenden Sängern, Spielleuten, Stadtpfeifern, Dorf- und Bettelmusikanten; dann vom Dorf- und Kleinstadtkantor, von der Kirchenmusik, den Gesang- und Musikvereinen. Ein lustiges Leben mit Sang und Klang! – Inmitten des Frohsinnes aber taucht mancher ernsthafte Gedanke auf. Jeder würde eine Besprechung für sich fordern. Daher kann an dieser Stelle nur auf einzelne hingewiesen werden. Tapfer sagt uns der Verfasser seine trefflichen Meinungen über moderne und klassische Musik, über Gelegenheits-, Schul- und Hausmusik, über Einfachheit und Natürlichkeit auf musikalischem Gebiete, über den Geschmack des Publikums, über die Notwendigkeit einer deutschen volkstümlichen Oper, besonders der komischen Oper und des Singspiels usw.
Angenehm zu lesen ist diese (etwa neunzig Seiten umfassende) Plauderei über volkstümliche Musik. Das Buch ist inhaltlich wertvoll; es regt an zum Nachdenken und ist verständlich für jeden Laien, der nach Bildung strebt. Billig ist es zu erstehen; und lustig ist er auch, der ehrliche Musikante! Was wollt ihr mehr?
Günther Lamm.
_Richard Schlegel_, »=Die Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes=«. Versuch einer Avifauna der Leipziger Flachlandsbucht, zugleich ein Beitrag zur Zoogeographie des Freistaates Sachsen. V und 274 Seiten mit 5 Bildnistafeln. Zu beziehen: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24. Geh. 11.50 M.
Heimatschutz setzt Heimatkenntnis voraus und Naturschutz ist nur möglich, wenn wir die Natur selbst kennen und über das Vorkommen und die Bedingungen des Vorkommens ihrer Geschöpfe unterrichtet sind. Veröffentlichungen, die diese Kenntnisse fördern, dienen immer auch dem Heimat- und Naturschutz, und der Förderer und Freund der Heimat- und Naturschutzbestrebungen wird sich daher auch mit ihnen befassen müssen. Dies trifft auf ein Buch zu, das mir zur Beurteilung vorliegt und das der »Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes« gewidmet ist. Sein Verfasser, _Richard Schlegel_ in Leipzig, ist kein Neuling in der wissenschaftlichen Vogelkunde und im ornithologischen Schrifttum durch manche fleißige Arbeit rühmlichst vertreten. Die Erforschung der Vogelwelt seiner zweiten Heimat – die Wiege Schlegels hat im Erzgebirge gestanden und erzgebirgisches Erbe wohl auch ist seine Freude am Vogel, die Liebe zum gefiederten Volk – ist ihm dabei immer Hauptzweck gewesen, zur Lebensaufgabe geworden. Ein ganzes langes Menschenalter hat er sich dieser Aufgabe gewidmet, und daß sie nicht vergebens gewesen ist, daß Schlegels Tätigkeit reiche Früchte getragen hat, bezeugt sein vorliegendes Buch. Es führt uns in die Vogelwelt eines Gebietes ein, in dessen Bild der in Sachsen in größerer Ausdehnung ja sonst fehlende, der Entwicklung eines reichen Vogellebens aber ganz besonders förderliche Auwald noch einen breiten Raum einnimmt und dessen Vogelbild sich daher auch in manchen wesentlichen Zügen auffallend von den anderer Gegenden unseres sächsischen Vaterlandes unterscheidet, Arten sein eigen nennt, die anderwärts entweder ganz fehlen oder doch zu den Seltenheiten gehören. Der naturschützerischen Fragen nachgehende aufmerksame Leser wird aus den Schlegelschen sehr gründlichen und ins einzelne gehenden Ausführungen bald auch den Einfluß der Kultur herausfühlen, den diese auf das ursprüngliche Vogelbild Nordwestsachsens bereits ausgeübt hat und der in einzelnen Fällen auch schon ein recht verhängnisvoller geworden ist. Machtlos stehen wir ihm meistens gegenüber – die Kultur läßt sich eben nicht zurückschrauben –, oft aber, so will es mir scheinen, könnten wir ihm doch noch Einhalt gebieten, könnten diese oder jene bedrohte Art retten. Nur dürfen wir uns nicht bloß in sentimentalen Klagen ergehen, nicht papierne Resolutionen fassen, sondern müssen handeln, den Stier fest bei den Hörnern packen und vor allem unsere Schutzmaßnahmen spezialisieren, dem Einzelfall Rechnung tragen und ihn nicht nach dem beliebten Schema ~F~ behandeln. Wir dürfen aber auch nicht davor zurückschrecken, zugunsten einer gefährdeten Art auch einmal ein paar Individuen einer nicht gefährdeten, häufigeren zu opfern. Die Nachtigall erhalten wir unserer Heimat nicht durch langatmende Zeitungsartikel und Vogelschutzgehölze, sondern einzig und allein durch die Pflege noch vorhandener, ihren Ansprüchen genügender Pflanzengemeinschaften und der Fernhaltung des der Nachtigall unwillkommenen lärmvollen übrigen gefiederten Volkes von diesen Stellen. Diese, mir hier nur so gekommenen Gedanken jedoch nur nebenbei, ich hoffe, sie später ausführlicher einmal bei einer anderen Gelegenheit behandeln zu können. – Dem Schlegelschen Buche wünsche ich die verdiente Verbreitung besonders auch unter den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen; des Verfassers auf die Arbeit verwandter Fleiß kommt besonders dem zum Bewußtsein, der zwei ähnliche, nach dem Schlegelschen Buche erschienene Arbeiten: »Krohns Vogelwelt Schleswig-Holsteins« und Genglers »Vogelwelt Mittelfrankens« kennengelernt hat – die »Vogelwelt des nordwestlichen Sachsenlandes« überragt beide um ein ganz gewaltiges, und in die Anerkennung der Schlegelschen Leistung darf sich daher auch die aufrichtige Freude des Sachsen über die vorbildliche Arbeit des Landsmannes mischen.
Rud. Zimmermann.
=Mitteilungen des Vereins sächsischer Ornithologen.= Sonderheft, der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zur Feier ihres 75jährigen Bestehens dargebracht. VIII und 72 Seiten mit 3 Textkarten, 2 Notenbeispielen und 5 Tafeln.
Der 1922 gegründete Verein sächsischer Ornithologen, der seine Hauptaufgabe in der Erforschung der sächsischen Vogelwelt erblickt und auf diese Weise die wissenschaftlichen Unterlagen für ihren Schutz zu schaffen versucht, hinsichtlich dessen zielbewußter Förderung er sich mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz einig weiß – die gründliche und ja auch so erfolgreiche Bestandsaufnahme der heute noch in Sachsen horstenden Wanderfalkenpaare z. B. unternahm er mit Unterstützung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz – konnte im verflossenen Herbst seinen bisherigen, der Vogelkunde Sachsens gewidmeten »Mitteilungen« eine umfangreichere Veröffentlichung angliedern: ein Sonderheft, das er der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, der ältesten sich der Vogelkunde widmenden Körperschaft des Erdballs, zur Feier ihres 75jährigen Bestehens widmete. Das Heft eröffnet eine historische Studie; _Rudolph Zaunick_ untersucht mit der ihm eigenen Gründlichkeit »F. A. L. Thienemanns Anteil am Zustandekommen der ersten Versammlungen deutscher Ornithologen« und liefert damit zugleich auch die erste eingehendere Lebensschilderung Thienemanns, diesen bei weitem nicht nach Gebühr gewürdigten älteren sächsischen Vogelkundigen. Dem _Zaunick_schen Beitrag schließt sich eine, vielleicht gerade den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen besonders willkommene, Untersuchung von _Hans Förster_ »Beobachtungen über das Vorkommen der Wasseramsel als Brutvogel in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz« an, in der der Genannte neunzehn Brutpaare, die sich aber wohl noch um eine Anzahl weiterer erhöhen werden, für unser Felsengebirge nachweist, eine Zahl, die zweifellos im Herzen jedes Vogelfreundes helles Entzücken auslösen muß. Faunistischer Natur, wie die _Förster_sche, ist auch die _Erich Dittmann_sche Arbeit »Zur Verbreitung des Brachpiepers in Ostsachsen nebst Mitteilungen über seine Lebensweise«, während _Richard Heyder_, der Sachsens Ornithofaun ist, dem wir ja die erste gründliche Gesamtdarstellung der sächsischen Vogelwelt verdanken, in einer Arbeit »Über die Durchzugsfrequenz nordischer Stelzvögel im Binnenlande« einer der heute umstrittendsten Zugsfragen, dem Zugstraßenproblem, zu Leibe geht und überzeugend nachweist, daß auch der Zug der Stelzvögel nicht straßenförmig, sondern in breiter Front verläuft. Mit der »Stimme des Fichtenkreuzschnabels« befaßt sich _Bernh. Hoffmann_, den Lesern der Heimatschutz-Mitteilungen durch seine zahlreichen Beiträge auch in diesen ja längst kein Fremder mehr, brutbiologische Arbeiten haben _Richard Schlegel_ (Über ein bei Röhrbach-Belgershain gefundenes und irrtümlich als Rohrdommelei bestimmtes Ei der Stockente) und _P. Bernhardt_ (Eine zweite Brut des Eisvogels), beides ebenfalls wieder bekannte Mitarbeiter an den Heimatschutz-Mitteilungen, sowie der Unterzeichnete (Beobachtungen am »Rohrsänger«kuckuck; ein Beitrag zur Kuckucksfrage) beigesteuert, während _E. Mayr_ die Vogelwelt Sachsens mit derjenigen Vorpommerns vergleicht. – Das in sauberem Druck hergestellte Heft, das auf seinen fünf Kunstdrucktafeln außer einem Bildnis Thienemanns Naturaufnahmen von P. Bernhardt und dem Unterzeichneten bringt, dürfte seines reichen und vielseitigen Inhaltes wegen manchem Vogelfreund Sachsens, der dem Verein sächsischer Ornithologen noch fern steht, einen willkommenen Lesestoff bieten; es ist aus diesem Grunde vom Verein auch in erhöhter Auflage herausgegeben worden und für 3.-- M. portofrei durch den Unterzeichneten (Dresden-A., Marienstraße 32) oder die Geschäftsstelle des Heimatschutzes zu beziehen.
Rud. Zimmermann.
Naturschutz
Göttliche Tat.
Nach dem Willen von lichten Mächten, In der Formen wunderbarer Pracht, Ist aus Ur- und tiefen Nächten In Schönheit die Erde einst erwacht.
Menschliche Tat.
Die Axt schlägt im Walde, Die Kugel-Büchse kracht – – – Öd und trauernd liegt die Halde – Das hast du, o Mensch, vollbracht!
Folgen.
Vernichtet und mordet nur ruhig weiter, Solang’ bis die letzte Eiche sinkt, Solang’ bis als heimatloser Todesreiter Deutsches Wesen im Meere des Grauens ertrinkt!
(Verfaßt und verbreitet vom Ring deutscher Jugend.)
Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden – Photographische Platten »Sigurd« und »Satrap«, photographische, sowie kinematographische Aufnahme- und Wiedergabeapparate »Ernemann«
Photographische Aufnahmen: Max Nowak
_Einbanddecken_
Jahrgang 1925 (Band XIV)
Mark 1.50
und 30 Pfg. Postgeld und Verpackung
Landesverein Sächsischer Heimatschutz
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Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 32: B. → IV. {IV.} Familiennamen als Gattungsnamen.
S. 79: ein Halt → Einhalt könnten wir ihm doch noch {Einhalt} gebieten