Part 11
Prachtvoll eigenartig ist diese Trennwand, noch vollständig, in St. Cristina de Lena bei Oviedo. -- Dort tragen die schlanken Säulchen weitgespannte Bögen und diese wieder eine noch höher gehende reich durchbrochene Steinwand, die mit Rundbögen nach oben frei abschließt (Abb. 134). Die Brüstung ist aus weißem Marmor und mit feinem Kerbornament geschmückt.
[Sidenote: Altäre]
Im Raume hinter der Brüstung steht der Altar. In ältesten Zeiten wie es scheint ein niedriger Tisch, hinter dem der Priester mit dem Gesicht gegen die Gemeinde amtierte. Erst mit den steigenden Aufbauten des Altars veränderte sich dies. -- Solche niedrige Altäre sind noch vorhanden, so einer aus der Ostgotenzeit in S. Giovanni Evangelista zu Ravenna, eine Platte auf einem geschlossenen Unterteil mit Pilastern an den Ecken und einem Schrank in der Mitte (für Reliquien oder heilige Gefäße), ein ähnlicher in S. Apollinare in Classe, nur auf freistehenden Ecksäulen, dann in S. Martino in Cividale der Altar, den König Ratchis zu Ehren des Herzogs Pemmo errichtete, mit höchst charakteristischen Skulpturen auf allen vier Seiten reich geschmückt. Auf der Vorderseite Christus in der Glorie, rechts die Anbetung der Könige, links die Heimsuchung, auf Rückseite von Ornament umgebene Kreuze; alles von höchst dekorativer Wirkung und in echtest langobardischem Stile (s. Abb. 100, 101, Tafel XXVII).
[Illustration: Abb. 66. Regensburg. St. Stephan. Altar.]
Tischförmige Altäre, auf Säulen ruhend, bestehen noch in Vaison in Frankreich und Mettlach bei Trier, beide mit vertiefter oberer Fläche, um Wegfließen des Abendmahlweins zu hindern. -- Ein uralter, auf fünf Säulchen in Tarascon. Manche nordische zeigten, wie die genannten ostgotischen, nach vorn eine Öffnung, um das in ihnen ruhende Reliquien-Heiligtum den Gläubigen zu zeigen (S. Wiperti Quedlinburg), andere fensterartige Öffnungen, um einen Blick wie durch Fenster in die Krypta darunter zu gestatten: Hildesheimer Dom, St. Stephan in Regensburg (Abb. 66). Ähnlich ist der Altar in Orléansville in Algier angeordnet. Auf der Rückseite des Ratchisaltars zu Cividale ein Schränkchen.
Ein großes mit Goldblech überzogenes reichgetriebenes Kreuz aus S. M. in Valle zu Cividale (Abb. 67, Tafel XVI) dürfte einen solchen niedrigen Altar geziert haben, den man in der allerersten Zeit nur mit einem Tuche bedeckte, auf dem der Kelch stand. Dann kamen solche Kreuze und Leuchter dazu.
Der dekorative Aufbau hinter dem Altar, der die Stellung des Priesters mit dem Rücken nach dem Volke mit sich brachte, stellte sich sofort ein; er enthielt dann wohl gleich die Reliquien, wie eine solche Rückwand zu Aquileja es zeigt (Abb. 68).
[Illustration: Abb. 68. Aquileja. Altarrückwand.]
[Illustration: Abb. 69. Germigny-des-Prés. Weihwasserbecken.]
[Sidenote: Ziborienaltäre]
[Illustration:
XVI
Abb. 67. Silbernes Kreuz. Cividale.]
Den reichsten Schmuck der Altäre aber bildeten die Ziborien, tempelartige Überbauten auf vier Säulen oder Pfeilern. Auch ihrer gibt es eine Reihe, dazu eine Menge Reste von solchen. Vortrefflich erhalten vor allen das echt langobardische des Leocadius in S. Apollinare in Classe, ein Prachtwerk mit reichen Skulpturen auf kanellierten Säulen. Das Flechtwerk der Bögen, das Ornament der Bogenzwickel mit ihren mannigfaltigen Tiergestalten gehören mit zum Besten der flachen Langobardenskulptur. Reiche Reste von solchen Ziborienbögen und andere Teile von ihnen sind in Oberitalien noch zahlreich vorhanden.
Inmitten des mit einem Gewölbe (Kuppel) oder einer Flachdecke bedeckten Ziboriums hing in einem Gefäße von oben die Eucharistie an Ketten herab; die Bögen ringsum waren mit Vorhängen versehen.
[Sidenote: Ambonen]
Ambonen oder Kanzeln sind ebenfalls noch in Resten oder ganz, manchmal mit gut germanischem Ornament geschmückt, vorhanden; so die in S. Elia zu Nepi, in Ravenna in S. Apollinare dentro und S. Spirito, beide wohl noch aus ostgotischer Zeit, im Dom und Museum Reste von solchen; auch in S. Giovanni und Paulo daselbst; in Grado Ähnliches. Diese Ambonen waren auf Säulen freistehende Balkone mit meist mitten nach vorn flachgebogener Vorderbrüstung. Der letzte Nachkomme dieser Art wird die Kanzel Kaiser Heinrichs II. in Aachen sein.
Andere Kanzelformen, die germanisch sein können, finden wir in S. M. in Castello, einen Rest in S. Ambrogio zu Mailand, einen anderen zu Besançon.
In Spanien dagegen hat sich keine Spur eines Ambo gefunden; in manchen Fällen mag da die starke Erhöhung des Santuario, das durch Treppen zugänglich war, für die Predigt und Verlesung genügt haben.
[Illustration: Abb. 70. Moschee zu Cordoba. Weihwasserbecken.]
[Sidenote: Weihwasserbecken]
Weihwasserbecken scheinen meist frei gestanden zu haben; die französischen sind eine Art kurzer Säule mit ausgehöhltem Kapitell (Abb. 69); das spanische aus Cardona bei Barcelona zeigt ein Vierpaßbecken in einen Würfel gehöhlt, der auf vier kurzen Säulen ruht (vgl. Abb. 1).
Ein anderes steht noch in der Moschee in Cordoba; ein längliches viereckiges, unten abgeschrägtes Becken auf einem rechteckigen hohen Fuße, dessen vier Seiten mit gekerbtem Ornament bedeckt sind (Abb. 70).
[Sidenote: Taufbecken]
Taufbecken ältester Zeit, reine Eintauchbecken, sind nachweisbar. In St. Jean zu Poitiers befindet sich mitten in der Kirche die achteckige Vertiefung, in die man über hohe Stufen hinabstieg; darin Wasserzufluß und Abfluß unterirdisch. Später waren große runde oder polygone auf dem Boden stehende Steinbecken mit hoher, oft reicher Brüstung üblich; glatt in S. Miguel de Lino; in Verona (S. Giovanni in Fonte) steht der Priester in einem besonderen kleeblattförmigen Becken trocken inmitten des gefüllten Achtecks; hier jedenfalls aus jüngerer Zeit, doch eine alte Idee, die schon in dem Baptisterium der Orthodoxen in Ravenna ähnlich ausgebildet ist.
Das interessanteste Beispiel der ältesten Art ist das Becken zu Cividale im Dom, achteckig, unter einem offenen Tempel (Ziborium auf acht Säulen) befindlich (s. Abb. 97, Tafel XXV). Die acht Bögen sind genau entsprechend solchen von Altartempeln geschmückt, noch aus dem 8. Jahrhundert.
Allzu viel bergen die Gotteshäuser jener Zeit sonst nicht mehr für unsere Betrachtung. Prachtvollen Mosaikbilderschmuck freilich hat schon Theoderich der Große seinen Kirchen, insbesondere S. Apollinare dentro in Ravenna, gestiftet; doch natürlich Werke nicht germanischer Künstler. -- Die Mosaikfußböden seines Palastes (s. Abb. 86, Tafel XIX), seiner Kirchen, die späteren aus der Langobardenzeit, so in Grado und Torcello, die aus Ravenna geholte Marmorplättung des Aachener Münsters, die von Alt-S.-Quirin zu Neuß und vieles Ähnliche -- alles ist nicht von Germanen gemacht. Doch ist zu rühmen, daß diese sich solcher Mittel gerne bedienten und so das Fortleben dieser Künste förderten.
[Sidenote: Bischofsstühle]
Vielleicht aber stoßen wir in anderen Gegenständen, die sich in den Kirchen öfters finden, noch hie und da auf germanische Einwirkung. So scheint mancher steinerne oder marmorne bischöfliche Stuhl -- wenn auch die meisten nur Nachbildungen antiker sein mögen -- eigene nordische Art zu atmen; darunter der einfache im Dom zu Cividale, einst zu Aquileja, dessen obere Zapfen und Hufeisenbögen an der Seite wohl nicht antike Reminiszenz sind (Abb. 71).
Karls des Großen Stuhl zu Aachen aber ist in keiner Hinsicht nordisch; der Spätling im Goslarer Kaiserhause nur eine reichere Nachbildung davon.
[Sidenote: Sarkophage]
Dagegen haben wir an zahlreichen Sarkophagen, vor allem fränkischen, viel germanische Originalität. Der der Teodata in Pavia ist noch mit rein langobardischem Ornament überall bedeckt; von fränkischen gibt es eine unzählbare Menge in Frankreich, deren Schmuck sich freilich oft auf einfache holzmäßige Flächenverzierung oder gar nur Parallelrippung des Steins beschränkt. -- Oft ist ein Kreuz über die Fläche des Deckels gestreckt. Reichere finden wir in Menge in S. Jean zu Poitiers, auch in Bordeaux, andere in Köln, Mainz.
Die Herrscher freilich, schon Gisulf in Cividale, aber auch Karl der Große und Ludwig, sein Sohn, ließen sich lieber in römischen Prachtsärgen mit oft heidnischen Reliefs bestatten. (Proserpina-Sarkophag Karls des Großen.)
An kleineren Grabsteinen aber ist manches übrig, was uns anmutet; einfache Steinplatten, die mit Zierat, meist in Geflecht, bedeckt sind; davon bemerkenswerte in Gallia cis- und transalpina. So in Narbonne der, den ein treuer Liebhaber oder Gatte sue Siniofredae gesetzt hat.
Wenn wir von ein paar Brunneneinfassungen in langobardischer Dekoration, wie sich solche in Venedig, aber selbst in Rom finden, absehen, so mag hiermit, was von Kleinarchitektur der Germanen noch übrig sein wird, wohl ziemlich erschöpft sein.
[Illustration: Abb. 71. Cividale. Dom. Patriarchenstuhl.]
[Sidenote: Möbel]
An Möbeln und hölzerner Ausstattung scheint natürlich so gut als alles dahin. Nur in S. Paulin zu Trier haben wir noch ein zartes Holzkästchen, recht nordisch, dessen Flächen in ganz flachem Flechtwerk gradlinig bedeckt sind; und in Terracina könnte sich in einer beträchtlichen Truhe vielleicht ein Möbel aus langobardischer Zeit -- also von vor 1000 -- erhalten haben, eine Truhe von 1,05 m Länge, 0,67 m Breite und 0,58 m Höhe, aus Zedernholz; ihre Seiten sind mit ganz flacher Schnitzerei in zwei Arkadenreihen übereinander geschmückt, die Architektur sehr zimmermannsmäßig, in den Feldern phantastische Tiere, Greifen, Löwen und allerlei, miteinander kämpfend, nordisch märchenhaft, doch offenbar auch durch östliche Vorbilder stark beeinflußt. Jedenfalls aber für die ganze germanische Welt höchst verehrungswürdig, sollte es sich wirklich als fast ältestes germanisches Möbel in Holz erweisen[27].
Es ist ja sicher, daß es der Holzmöbel, vor allem in den Wohnungen, einst viele und schöne gab. Der bronzene Dagobertstuhl aus St. Denis hat in seiner feinen Gestalt ja sicher viel Antikes, ist aber doch ein Beweis des einstigen Vorhandenseins solcher Stühle, die wir uns sonst mehr in nordischer Erscheinung, nach Art der sogenannten Wikingerstühle, an denen es in Skandinavien noch nicht fehlt, denken müssen. Bänke und Tische gab es von jeher, auch Betten, alles im Sinne des heutigen Gebrauchs, aus Holz, oft reich geschmückt. Der hortus deliciarum der Herrad von Landsberg gibt ein reiches Material romanischer Möbelformen in Drechslerarbeit; die ältesten germanischen Miniaturen enthalten eine Menge verschiedenster Darstellungen, die beweisen, daß die germanische Tischlerarbeit hoch entwickelt war. An anderen Möbeln, kleinen und großen Stühlen jeder Form, Schränken, Truhen und sonst allem nur Erwünschten ist da kein Mangel.
Soweit das Holz also in Frage kommt, haben wir das Kunstgewerbe der Germanen im 5.-9. Jahrhundert als durchaus auf respektabler Höhe stehend anzusehen.
[Illustration]
[2] Der Schatz wurde damals von dem gelehrten Arzt Dr. Chiflet untersucht, beschrieben und auf Kupferstichen dargestellt; sein berühmtes Buch heißt: Anastasis Childerici I Francorum regis sive thesaurus sepulcralis Tornaci Nerviorum effosus et commentario illustratus, Antwerpiae 1655.
[3] Die Musterung, die durch die Goldstreifen erzeugt wird, ist dabei oft sehr mannigfaltig. Es kommen darunter nicht selten sogar Vierpässe vor, ganz denen des Mittelalters ähnlich (Abb. 14). Daraus schließen einzelne, der Name des gotischen Stiles könne vielleicht gar durch späteres Nachbilden solcher uralter Motive entstanden sein.
[4] Bedeutet im Gotischen wahrscheinlich: Haus, Familie, Gatte.
[5] Die Ergebnisse beider Grabungen heute im Thermenmuseum zu Rom.
[6] Zufällig im Walde gefunden, also nicht aus einem Grabe stammend.
[7] Was man schon 1799 in Nagy-Szent-Miklos gefunden hatte an überreichen Goldwerken, die man als den Schatz des Attila zu bezeichnen liebt: Kannen mit Figuren, andere mit Kettenornamenten und Buckeln, Schalen, Trinkgefäße in Muschelform und reichem Kleinwerk, das kennzeichnet sich allerdings als ungermanisch, weshalb man es den Hunnen zuschrieb. Neuerdings neigt man der Vermutung zu, daß dieser Schatz späteren bulgarischen Ursprunges sei.
[8] Von Bedeutung ist ein schönes goldnes Reliquiar in St. Maurice (Wallis) von Kästchenform, ganz mit Juwelen in Goldzellen bedeckt und überreich; es trägt die Inschrift: Teudericus presbiter in honore sci Maurici fieri jussit amen -- Nordoalaus et Philindis ordenarunt fabricare -- Undiko et Ello ficerunt. Also hier die Namen zweier deutscher Goldschmiede, wenigstens germanischer. Mit dem des obengenannten Gundbald eine erfreuliche Erhaltung uralter deutscher Künstlernamen.
(Abgebildet bei Venturi, storia dell’arte in Italia).
[9] Die großen Deckel des Evangeliars der Königin Theudelinde im Dome zu Monza sind mit Friesen von Juwelen in Zellen, mit Kreuzen in ähnlicher Art, mit Saphiren, Smaragden, Perlen und antiken Kameen auf das reichste geschmückt (Abb. 26, Tafel XI); sie tragen die Inschrift: De donis Dei offerit Theodolinda regina gloriosissima Sancto Johanni Baptiste in baselica quam ipsa fundavit in Modica prope palatium suum. -- Die Königin betont also, daß dies Werk für ihre Kirche gemacht sei.
[10] „VVOLVINIVS MAGISTER PHABER.“
[11] Woher Lindenschmitt den Gedanken nimmt: „oder in Zinn“ -- scheint unklar. Für unsere Betrachtung wäre dies übrigens unerheblich, da dies weiche Metall sicher ganz in der gleichen Schnitzmanier bearbeitet worden sein müßte.
[12] Die Literatur ist an besonderer Stelle eingehend angegeben. Ich vermeide absichtlich die „wissenschaftliche“ Verbrämung mit Noten und Quellen.
[13] Ich unterlasse es, das verschiedenartige frühe Vorkommen dieses Motivs hier näher zu untersuchen. Es ist im 8. Jahrhundert schon überall dekorativ angewandt; so als Balkenschmuck ca. 770 (Cattaneo, Fig. 82), als Bogeneinfassung aber schon um 500 in Syrien, Kalb-Luseh (Holtzinger, Fig. 167), um dieselbe Zeit am Theoderichdenkmal zu Ravenna als Fries um die Mitte des Gebäudes. Bei den Germanen am Geräte und der Waffe ist aber der Bogenfries schon 1000 Jahre früher im Gebrauch (Montelius, Fig. 195); für spätere Zeit s. Lindenschmitt, S. 247, 252.
[14] Man vergleiche das schöne Portal von N. Dame du Port zu Clermont-Ferrand; XI. Jahrhundert (Abb. 57).
[15] Daß in Syrien, dem Lande des Bauens in ganz großen Steinen, das Ausschneiden der Bögen, nicht minder ihre Herstellung durch Überkragen ebenfalls ein paarmal vorkommt, ist bei der Natur des dortigen Steinmaterials um so weniger ein Wunder, als man dort vom Wölben auch nicht allzu gerne Gebrauch machte. -- Gleiche Auffassung führt von alters her überall zu gleichen Ergebnissen, denn sonst kämen schließlich hier auch die ähnlichen Gepflogenheiten in Mykene und Tiryns in Betracht, die doch gewiß nicht hierher gehören.
[16] Dort läßt sich diese Anordnung auch damit erklären, daß solcher Vorsprung zum Auflagern von Querbalken (für Vorhänge u. dgl.) bestimmt gewesen sein könnte.
[17] Ganz gleiches gilt ja auch für das Flechtwerkornament, dessen wir oben gedacht haben.
[18] Der an frühen Bauwerken der Araber im Nillande, z. B. an der Amru-Moschee in Kairo, bereits auftretende Hufeisenbogen ist doch dort überall jünger als die spanische Eroberung, und dabei zuerst noch ganz zaghaft angedeutet. Wir haben in ihm nur das Ergebnis eines Zurückströmens neuer Formen aus den neueroberten Ländern nach den früher gewonnenen in Afrika zu erkennen; er ist denn auch überall meistens ein Jahrhundert jünger, als die Moschee zu Cordoba.
[19] Von verwandter Art sind die Stuckumrahmungen der Nischen im Grabe Kaiser Heinrichs in Quedlinburg.
[20] Die (fränkische) Abtwohnung in Tours war mit Metallfenstern, deren Öffnungen verglast waren, versehen. Hölzerne Läden schützten sie von außen.
[21] Von den Langobarden wissen wir außerdem, daß bei ihnen die Fensterverschlüsse für ihre Wohnhäuser vom Tischler in Gitterwerk gefertigt wurden; die steinernen Vergitterungen der Kirchenfenster waren davon gewiß die monumentale Übertragung.
[22] Nach Strzygowski sogar an mesopotamische.
[23] Die ravennatischen Kirchen Theoderichs des Großen sind eben nur Spätlinge des altchristlichen Kirchenbaues des Südostens.
[24] Später St. Germain des Prés, die alte Grabkirche merowingischer Fürsten.
[25] Im Süden, wie auch bei besseren Bauwerken des Nordens, liebte man die Täfelung der unteren Wände mit Marmorplatten nach altchristlichem Vorbild.
[26] Rh. Maurus, de universo 1, XXI. C. 8.
[27] Doch macht Strzygowski darauf aufmerksam, daß dies Möbel koptischer Herkunft sein könne, was heute wohl noch nicht sicher zu entscheiden ist.
[Illustration: BAUWERKE]
Von den Gebäuden, welche die germanischen Völker in den von ihnen eroberten Ländern errichteten, ist fast alles durch die folgenden Zeitfluten wieder hinweggeschwemmt und verschwunden. Von den Holzgebäuden versteht sich dies bei der Vergänglichkeit des Materials schon von selber; aber auch den steinernen Bauwerken war bei ihrer Kleinheit und Primitivität als ersten Versuchen auf einem den Nordländern fremden Gebiete leichtes Vergehen gewiß. Um so mehr, als sich an ihre Stelle im Fortschreiten des Könnens und der Ansprüche, wie ihrer gesteigerten Bedeutung stets neue schönere Nachfolger setzten. Für die anfangs ganz kleinen Kirchen erstanden größere, oft mehrere hintereinander, in wachsenden Abmessungen; die germanischen Schlösser und Hallen draußen fielen in Ruinen, wenn sie nicht mehr dienten; standen sie in volkreichen Städten, so verschwanden sie, um anderen Gebäuden Platz zu machen. An die Statt von Theoderichs Palast in Ravenna trat außer anderen Gebäuden ein kleines Kloster und ein weiter Gartenbezirk, da der Bau im ewig wachsenden Erdboden versank und unbewohnbar wurde; in Verona war später eine mittelalterliche Burg, dann eine Kaserne an der Stelle, da Theoderichs Schloß geprangt hatte. Wo die Westgotenkönige in Toledo einst Hof hielten, dehnt sich jetzt ein großer Platz neben wildem Gewirr regelloser Wohnhäuser; wo in Aachen Merowingerkönige, später Karl der Große thronten, wo der kaiserliche Saal sich oberhalb des Münsters erhob, lastet heute die schwere Masse des Rathauses; den einstigen Platz der fränkischen Dome zu Tours, Paris, St. Denis, Köln, Fulda füllen seitdem mittelalterliche oder jüngere Riesenbauten; die große Schar der Kirchen in der merowingischen Hauptstadt Austrasiens, Metz, ist bis auf eine den Festungsbauten und dem Wandel der Zeiten zum Opfer gefallen; die langobardischen Hauptkirchen zu Pavia, Mailand sind durch wiederholte Umbauten völlig erneuert, die westgotischen in den wichtigeren Städten haben Moscheen, diese nachher wieder neueren Kathedralen weichen müssen.
Und doch erzählen alte Schriftsteller von reicher Bautätigkeit der jungen germanischen Völker, und nicht nur auf kirchlichem Gebiete; so bauten nach Theoderich d. Gr. der Westgotenkönig Theoderich II., die Vandalenkönige Thrasamund und Gelimer, spanische Westgotenherrscher wie Leovigild, Recared, Reccesvinth und Wamba Paläste und Städte, deren Größe und Pracht gerühmt wurde; von den Merowingern wissen wir Ähnliches; noch die Karolinger bis auf Ludwig den Frommen folgten in gleichem Sinne.
Aber auch die großen kirchlichen Bauten der germanischen Eroberer wurden hoch gerühmt, und die einzigen, die noch stehen, die Theoderichs zu Ravenna und Karls des Großen zu Aachen, sind bis heute ragende Zeugen reicher und bedeutungsvoller Bau- und Kunsttätigkeit, wenn auch leider die künstlerischen Formen gerade dieser übriggebliebenen Bauwerke am wenigsten von eigener germanischer Kunst zeugen. An den anderen haben wir unersetzlichsten Verlust erlitten; vielleicht auch hat die kirchliche Sonderart der germanischen Völker, die anfänglich sämtlich, mit Ausnahme der Franken, nicht orthodoxe Katholiken, sondern Arianer, also Ketzer, waren, wo sich dies erkennbar aussprach, zur Vernichtung ihrer Hauptdenkmäler in den rasch folgenden Zeiten der reinen römischen Kirchenherrschaft besonders beigetragen.
So sind uns von Kirchen fast nur die in Winkeln vergessenen und unscheinbaren geblieben. Doch einiges wenige läßt sich auch von diesen sagen, was sie außer ihrer Kleinheit charakterisiert und für uns von Wert und Bedeutung sein muß.
[Sidenote: Grundrißeigentümlichkeit der Kirchen]
So insbesondere über die Grundrißanordnung.
Es fällt auf, daß diese da, wo sie sich nicht direkt an ein italisches oder hellenistisches Vorbild anschließt, besonders im höheren Norden und fernen Westen, wohin jener Kulturstrom nicht mehr in gleicher Stärke wirkte, häufig eine zwar höchst einfache, doch ganz eigenartige ist. Schon Seesselberg macht darauf aufmerksam, daß die ältesten skandinavischen Kirchen der Regel nach aus einem langen Rechteck bestehen, von dem ein kleinerer östlicher Teil durch eine Quermauer als Chorraum oder Altarhaus abgetrennt ist, durch eine verhältnismäßig enge Öffnung mit dem größeren Gemeinderaum verbunden; dieser Chorraum wird im Laufe der Entwicklung schmaler, also zur rechteckigen Apsis; die Öffnung aber, freilich langsam, immer breiter, bis sie zu weitem Chorbogen geworden ist. Erst dann tritt an die Stelle der rechteckigen die hufeisenförmige oder halbrunde Apsis, die den nordischen Holzkirchen wie unseren ältesten Kirchlein noch fehlte.
Seesselberg macht ferner darauf aufmerksam, daß diese einfache Grundgestalt der nordischen Kirchen mit der der letzten germanischen Tempel übereinstimme. Nur daß dort der Chorraum, das Allerheiligste, ohne Verbindung mit dem Schiffraum blieb.
[Sidenote: Heidnische Tempel]
Solche Tempelreste haben sich in dem äußersten Winkel, wohin die germanische Götterwelt floh, ehe sie ganz verschwand, in Island, gemeinsam mit den Trümmern der germanischen Mythologie und Sage, die in die Edda gerettet sind, noch erhalten und beweisen, daß in der Tat diese Tempel nicht ohne Bedeutung waren.
Sie bestanden aus zwei rechteckigen Räumen nebeneinander. Der kleinere chorartige Raum war für die Aufstellung der Altäre der Götter bestimmt und die Stätte der eigentlichen Opferung; der größere umfaßte die Gemeinde, welche nachher in langen Reihen längs der Wände um den mittleren Feuerherd versammelt das Opfermahl unter Leitung des Opferspenders beging, der an der Wand nach dem Altarraum zu seinen Hochsitz hatte.
Grundmauern solcher Tempel sind noch erhalten, oft mit denen einer an einer Seite an das Schiff angebauten Vorhalle oder Nebenkapelle. Es bedurfte nur der Errichtung eines stattlichen hölzernen Aufbaus, um ein Gebäude zu erhalten, welches ohne weiteres auch als christliche Kirche zu benutzen war, sobald man nur eine Öffnung in die Mitte der Trennungswand brach, um die Verbindung beider Räume herzustellen.
Und die nordischen ältesten Kirchlein haben in der Tat diese Anordnung. Die Öffnung des Chors -- des Altarraums -- nach dem Schiff zu ist anfänglich ganz klein, nur eine Tür, bisweilen noch wirklich mit einem Türflügel zu verschließen (auch bei den ältesten angelsächsischen Kirchen oft weniger als 1 m breit), manchmal sind selbst zwei Türen vorhanden, mit Pfeiler dazwischen, so daß der Altar hier offenbar an das Ostende des Schiffes gerückt worden sein muß. -- Und so sieht man deutlich, daß diese Verbindung zwischen Chor und Schiff anfänglich fast ohne Bedeutung war und der Chorraum eher als eine Art Sakristei dienen mochte.
Daher ist es tatsächlich wahrscheinlich, daß in ganz nordisch-germanischen Landen man sich entweder vielleicht kurzerhand der alten Tempel für die Einrichtung des ersten christlichen Kirchendienstes bediente oder an Stelle der verbrannten neue Gebäude desselben Aufbaus errichtete, wie ja die neue Religion sich überall gern der altheiligen Stätten bemächtigte. Nur die Tür zwischen Schiff und Chor war neue Zutat.
Erst langsam drang vom Süden herauf die breite Öffnung des Chors bis zur völligen Beseitigung der trennenden Wand oder Pfeiler.
Aber das scheint in der Tat richtig: die christliche Religion bediente sich im Lande der zu bekehrenden Nordgermanen öfters für ihre ersten kirchlichen Gebäude einer ganz ähnlichen Grundform, wie sie die heidnischen Tempelgebäude auch gehabt hatten.
Und wohin auch die Sendboten des Christentums ihren Fuß zuerst niedersetzten, gerade da finden wir noch solche uralte Form der Missionskirchlein, so selbst am Bodensee -- wohl lange ehe die Insel Reichenau der Mittelpunkt des dortigen Christenwesens wurde -- zu Goldbach, gleich bei den „Heidenhöhlen“; ein winziges Kirchlein, das sich wohl hier als Vorbote des kommenden Evangeliums an wichtigster weithin schauender Stelle eingenistet hatte und in karolingischer Zeit dann mit der prächtigsten Ausmalung geschmückt wurde.
Das Eindringen der italienischen Basilika und der zentralen aus dem Osten stammenden Gestalt des Martyrions oder des heiligen Grabes gehört dagegen erst der folgenden Zeit an, der der völligen Ausbreitung des Christentums über die germanischen Länder, der gesicherten Besitznahme von Grund und Boden und der dauernden Einrichtung von Kirchen und Wohnstätten durch die Geistlichkeit nach südlichem Muster.
So dürfen wir jene erste Form als die der germanischen Heidenkirchlein betrachten.
[Sidenote: Nebenräume]
Zu dieser einfachen Grundform tritt dann an der Westseite die später fast unentbehrliche Vorhalle -- der Narthex -- die in karolingischer Zeit sich öfters zu einer selbst mehrstöckigen Vorkirche entwickelte: Werden, Essen, Korvey, Köln (S. Pantaleon), Büdingen, St. Menoux in Frankreich. -- Weitere Vorhallen werden nicht selten auch links und rechts an das Schiff angebaut, so daß eine kreuzförmige Gestalt entsteht, wie in Bradford-on-Avon (s. Abb. 182, hier ohne Westhalle).
Diese Vorräume wandeln sich öfters zu Kapellen oder Nebenräumen, Sakristeien und dergleichen, wie sie ja unentbehrlich waren. So in S. Pankras (Canterbury), Sta. Cristina de Lena (Spanien, s. Abb. 133).
Tritt wie später auf der iberischen Halbinsel die aus Italien und dem Osten stammende Anordnung der Seitenschiffe, die Basilikenform an Stelle des einen Schiffes, so entsteht ein Typus, der ganz logisch die zwei Nebenräume als Apsiden neben den Chor (links und rechts) schiebt, unter Beibehaltung der westlichen Vorhalle. Findet man eine ähnliche Grundform auch bereits in Syrien, so ist doch dort die mittelste der Apsiden so gut wie immer polygon oder rund. Es ist daher sehr wohl möglich, daß diese zwei nachher scheinbar so ähnlichen Grundrißtypen nichts miteinander zu tun haben; es kann vielmehr der spanische sich selbständig zu ähnlicher Gestalt entwickelt haben, während der im Osten nur eine Weiterbildung der querschifflosen Basilika darstellt.
Über der Vorhalle oder gleich dahinter im Schiff erhebt sich in Spanien der Regel nach eine Sängerempore. Die höchste Ausbildung dieses Systems haben wir dort, wo zahlreiche Vorstufen dazu vorhanden sind, wohl in S. Miguel de Lino bei Oviedo zu sehen. Hier war ein ziemlich quadratisches Schiff, das fast den Eindruck eines Zentralbaus macht, nach Osten mit drei rechteckigen Apsiden geschlossen (die mittlere war zweistöckig); westlich erhob sich eine Empore über der Eingangshalle, oben neben den beiden Treppenausgängen noch zwei gewölbte Kammern (Bibliotheken?) enthaltend. Dazwischen dann das völlig quadratische Schiff von drei Jochen, auf vier mittleren Säulen ruhend (s. Abb. 124).
Bei Erwähnung dieser Kirche muß auf eine technisch bedeutsame Leistung und Errungenschaft hingewiesen werden, welche den germanischen Architekten jener Zeit, die der karolingischen direkt voranging, hoch anzurechnen ist: die Ausbildung eines eigenartigen Gewölbebaus.
[Sidenote: Gewölbebauten]