Chapter 4 of 8 · 3879 words · ~19 min read

Part 4

Wir stärken uns. Dann wandern wir im herrlichen Prießnitzgrunde mit seinen malerischen Biegungen abwärts. Hier kann die Fichte ihre ganze Schönheit entfalten. Am Wege bis unten begrünt, erhebt sie sich stolz bis zu bedeutender Höhe. Und während wir im feierlichen Dunkel eines Fichtendomes wandeln, erhebt sich lichtgebadet vor uns ein Hang voll grünen Jungholzes. Darüber kreist im Himmelsblau ein Bussard, stolz und sicher. Dazu des Wassers traulich Murmeln, als wollte es erzählen. Und auch im Winter, wenn Rauhreif oder Schnee die dunkelgrünen Bäume schmückt, ist dieser Grund nicht ohne Reiz. – Am Steinbruch angelangt, gehen wir links über die Holzbrücke nach dem Hochmoor, das Wollgras trägt und Moosbeeren. Hier entdecken wir den weißgesäumten Häubling (~Galera paludosa~). Sein honiggelber Glockenhut ist ein Zentimeter breit, durchscheinend gerieft und hat einen hellgelben Rand. Der gelbliche Stiel (innen braun) trägt blasse Flocken und erreicht zwischen diesen Torfmoosen eine Länge von zehn Zentimeter. Die gelblichen Lamellen stehen gedrängt, sind hinten sehr breit und etwas herablaufend. Unweit davon, aber auf trockenem Boden, können wir auch seinen zierlichen Stiefbruder, den roststieligen Häubling (~Galera tenera~) finden; Stiel und Hut ockerbräunlich, Lamellen zimtgelb, Gestalt wie jener. – Vor Hitze matt, strecken wir uns zwischen hohen Adlerfarnen am Rande des Moores lang und träumen von vergangenen Zeiten. Nebelgeister und Irrlichter huschen übers Moor. Auerochsen und Wildschweine waten im Schlamme. Wir hören von weitem Jagdhörner und Hundekläffen. Vorüber rast der weiße Hirsch und hinterdrein der Reiter schweißbedeckte Schar. Vorbei! Wir gehen in die Pilze und wandern stadtwärts nun gen Süden. Im Heidelbeergestrüpp ein Strubbelkopf (~Boletus strobilaceus~, Abb. 3). Schwärzlich und ruppig der ganze Kerl. Nur seine Röhren schimmern grau, sind eckig und weit. Schöner ist der hier neben der dicken Buche: der goldflüssige Milchling (~Lactarius chrysorheus~). Goldorange sein mittelgroßer Hut und mit dunkleren Zonen. Gleichfarbig aber blasser der kahle Stiel, gleichfarbig auch die schmalen, gedrängten Lamellen. Wir stellen fest, daß die Milch schwefelgelb wird und scharf schmeckt. – Nun kommen wir zum Saugarten, wo unter uralten Eichen junge Fichten aufwachsen. Hier scheinen auch Wildschweine gewühlt zu haben. Aber ihre Zahl nahm mit Eichen und Buchen gleichermaßen ab. Wenn der Forstmann hier und da noch einzelne oder ganze Gruppen dieser Baumarten stehen läßt, so geschieht das nicht bloß aus Schönheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen: durch Laubabwurf gewinnt der Boden. Das freut den Pilzmann auch, sein Reich wird dadurch bunter. Auf Eichenwurzeln sitzend hier ein Rübling, der spindelige (~Collybia fusipes~); Hut und Stiel englischrot, der spindelige Stiel ist tief gefurcht; die rötlichen, angehefteten Lamellen stehen sehr entfernt. Das geruchlose Fleisch dieses glockenhütigen Pilzes ist genießbar. – Nun auf der alten Vier weiter nach Süden! Im Sande hier eine Schar unscheinbarer Gesellen, büschelige Rißpilze (~Inocybe umbrina~). Der drei Zentimeter breite, glockige, gebuckelte Hut ist rehbraun und gefasert. Die bräunlichen Lamellen haben eine blasse, flockige Schneide. Der gelbbräunliche Stiel trägt ein scharf abbiegendes Knöllchen und eine weißkleiige Spitze. Von seinen Gattungsbrüdern kommen außer den genannten noch ~lacera~, ~maritima~ und ~dulcamara~ vor. Im Moose hier am Wegrand zwei winzige Arten mit glockigen Hütchen. 1. Der Sternmooshäubling (~Galera mniophila~) mit einem braungelben, gerieften, glatten Hute und olivgelbem, schlankem Stiele, 2. der Astmooshäubling (~Galera hypnorum~), der ganz ähnlich aussieht. Aber seine bräunlichen Lamellen sind am Stiele verschmälert angeheftet, die seines Doppelgängers dagegen breit angewachsen. Nichts für den Kochtopf! Dasselbe gilt von der kleinen Gesellschaft hier, von den gesäten Tintlingen (~Coprinus disseminatus~). Dicht gedrängt stehen am Wege graue, winzige, gefaltete Glöckchen, gestützt von weißlichen, dünnen Stielchen. Die Lamellen der jungen sind blaßrötlich, die der alten braunschwarz. Klein ist auch der folgende, der seidige Rübling (~Collybia cirrhata~), der gern auf faulenden Pilzen wächst. Hut rötlichweiß, etwa ein Zentimeter breit, konzentrisch-rinnig, Lamellen weiß, gedrängt, schmal, etwas herablaufend; Stiel blaßrötlich, dünn, verbogen, flaumig. Wenn wir ihn tief ausstechen, bemerken wir, daß unten am Stiel wurzelartige Fädchen hängen, die aus gelblichen Klümpchen (~Sklerotien~) hervorwuchsen. – Etwas größer ist der Rübling, den wir nun finden: der gemeine (~Coll. dryophila~). Er foppt uns oft durch seine Veränderlichkeit. Gewöhnlich sieht sein Hut rötlichgelb aus, der Stiel etwas dunkler. Die gelbweißen Lamellen sind schmal und dicht stehend. – Schließlich finden wir noch den grubigen Rübling (~Coll. radicata~). Auf seinem weißlichen, langen, gerillten Stiele, der nach unten wurzelartig verlängert ist, sitzt ein bräunlicher, stark gerunzelter Glockenhut, der etwa acht Zentimeter breit ist und weiße, breite, entfernte Lamellen trägt. Sein Fleisch ist weiß, mild und geruchlos. Zum Essen empfiehlt sich nur der Hut, nicht der harte Stiel.

[Illustration: Abb. 5. =Ziegenlippe=]

[Illustration: Abb. 6. =Orangegelber Ziegenbart=]

Die zweite Pilzfahrt beginnen wir Mitte Juli nach Verlassen der Straßenbahn 9 an der Marienallee. Lautes Knallen verrät die Nähe der Militärschießstände, die wir rechts liegen lassen, um den Kannhenkelweg nordöstlich bis zur Hofewiese zu verfolgen. Viel Kiefern. Da steht der Sandröhrling (~Boletus variegatus~). Sein Hut ist ledergelb und trägt winzige braune Schüppchen. Sein glatter, fester gleichdicker Stiel hat dieselbe Farbe, oft mit einem Stich ins Rötliche. Seine engen, am Stiel herablaufenden Röhren sind olivbraun. Das genießbare Fleisch sieht blaßgelb aus und blaut etwas. Dann finden wir den süßriechenden Milchling (~Lactarius glyciosmus~). Die Farbe seines violettgraubraunen, undeutlich gezonten Hutes variiert sehr. Der etwas blassere Stiel ist bereift und ausgebaucht. Aus seinen gelblichen, dicht stehenden Lamellen fließt nach dem Anritzen eine weiße, unveränderliche Milch, erst mild, dann scharf schmeckend. – Weiter oben gibts auch Birken. Wie zierlich sie sich abheben vom ernsten Dunkel des Nadelwaldes! Hier wird gesucht. Ein Birkenpilz mit braunem Hut und schwarzweiß gesprenkeltem Stiel! (~Tubiporus scaber~, Abb. 4). Nicht weit davon leuchtet der ockerrötliche Hut des Rothäubchens (~Tubiporus rufus~). Dort noch mehr! Unsere Freude steigert sich zur Mykomanie. – Nun schweifen wir nach links zum Lärchenhain. Richtig, da lacht er uns schon entgegen: der Lärchenröhrling (~Boletus elegans~), der auch schöner Röhrling genannt wird. Sein goldgelber, schmieriger Hut trägt schwefelgelbe, enge Röhren und sitzt auf einem gleichfarbigen, faserigen Stiele, der einen weißlichen Ring trägt. Eßbar. Wir spähen auch nach dem rötenden Gelbfuß (~Gomphidius maculatus~), finden ihn heute aber nicht. Aber der Birkenreizker ist schon heraus (~Lactarius torminosus~). Giftreizker nennen wir ihn deshalb nicht mehr, weil Versuche ergaben, daß er nach Abgießen des Kochwassers als Salat- oder Mischpilz verwendet werden kann. Der gelbrötliche, vertiefte Hut hat zottigen Rand und eine braungezonte Scheibe. Der gleichfarbige, hohle Stiel ist oft grubig; die etwas helleren Lamellen sind schmal und gedrängt. Später können wir hier auch den lebhaft gelben Lärchenschneckling finden (~Limacium lucorum~). – Wir schwenken nun halbrechts und sammeln dabei mehrere Ziegenlippen (~Boletus subtomentosus~, Abb. 5). Ihr dünner Stiel, unten rötlich und oben gelb, trägt einen olivgrauen, samtigen, oft gefelderten Hut, der goldgelbe, weite, eckige Röhren hat. Willkommene Beute! – Dort ist ein Stumpf mit dottergelben, korallenartigen Gebilden geziert: wurzelnde Händlinge (~Calocera viscosa~). Im Volksmunde heißen alle geweihartigen Pilze Ziegenbart, obwohl die meisten einer anderen Gattung angehören, nämlich den Korallenpilzen (~Ramaria~). Von letzterem birgt die Heide den zitronengelben (~flava~), den orangegelben (~aurea~, Abb. 6), den grauenden (~cinerea~), den rauchgrauen (~grisea~), den kammförmigen (~cristata~), den grünspitzigen (~abietina~) und endlich den Hahnenkamm (~botrytis~). – An einer grasbedeckten, lichten Stelle am Wege steht herdig der eßbare gemeine Fälbling (~Hebeloma crustuliniforme~), der früher tränender Hautkopf genannt wurde. Sein Name deutet auf eine mattgelbbräunliche Färbung. Die gelbbraunen, schmalen, dünnen, gedrängt stehenden Lamellen haben eine gekerbte Schneide und tränen. Dieser Pilz riecht nach Rettich und ist am sichersten an den weißen Pünktchen des Oberstieles zu erkennen. – Auf Pferdedünger am Wege erfreut sich ein herdig auftretender Knirps seines kurzen Daseins, der Eintags-Tintling (~Coprinus nycthemerus~). Der zuletzt schirmartig ausgebreitete, graue, radialfaltige Hut mit gelbem Scheitel wird nur einen Zentimeter breit. Die grauen, schmalen Lamellen gehen bis an den weißen, dünnen, flockig-bereiften Stiel heran. – Na, endlich auch einmal ein kahler Krempling (~Paxillus involutus~). Der gelbbraune Geselle mit seinem filzigen, eingebogenen Hutrande ist hinreichend bekannt. Von Ricken wird er empfindlicher Krempling genannt, weil die gedrückten Stellen rasch rotbraun werden. Er schmeckt etwas säuerlich und leimig, weshalb ihn nicht jeder mag. Links vor der Prießnitzbrücke steht an einem alten Stumpf der vielumstrittene Balken-Blättling (~Lenzites trabea Pers.~). Hut halbkreisförmig, umbra, runzelig, flaumig, wellig gezont, dünn; Lamellen bräunlich, ganzrandig; Substanz lederig. – Nun in nordöstlicher Richtung aufwärts zur Hofewiese – aber schnell, weil ein Gewitter droht. Da ein mächtiger Samtfuß-Krempling (~Paxillus atrotomentosus~, Abb. 7~a~), an faulendem Stubben. Erkenntlich an dem dunkelbraunen Filze seines Unterstieles. Die gelben Lamellen seines rostbraunen Hutes gehen weit am Stiel herunter. Roh schmeckt er bitter, gebraten scheint er manchen zu munden. – Dort winken weiße Pilze! Pfeffermilchlinge (~Lactarius piperatus~, Abb. 7~b~). Dieser stattliche, getrichterte, weiße Pilz mit beißender, weißer Milch unterscheidet sich von dem kurzstieligen Wollschwamm (~Lactarius vellereus~) besonders durch seine sehr dicht stehenden Lamellen. – Lassen wir die bissige Gesellschaft, denn der Himmel verdunkelt sich mehr und mehr. Kurz vor dem Zaune, der die Hofewiese und ihre Wirtschaftsgebäude umschließt, erhebt sich ein Sturm, der brausend durch die Wipfel rast, als ob die wilde Jagd der Sage auferstanden wäre. Spornstreichs eilen wir zur niedrigen Wirtsstube und nehmen keuchend am grünen Kachelofen Platz. Nun, mein Donar, tob dich aus! Er tuts mit Blitz und Donner, indes wir gemütlich Kaffee trinken und das mitgebrachte Butterbrot verzehren.

[Illustration: Abb. 7~a~. =Samtfuß-Krempling=]

[Illustration: Abb. 7~b~. =Pfeffer-Milchling=]

Endlich ist’s vorbei, das grause Spiel der Götter. Die Sonne lacht und wir mit ihr. Wir gehen nach Langebrück zu und suchen emsig weiter. Da steht ein dunkelbrauner Röhrling, der porphyrsporige (~Tubiporus porphyrosporus~). Der zylindrische Stiel ist noch etwas dunkler als der samtige, dicke Hut, an dessen Unterseite gelbgraue Röhren sitzen, die, wie wir später feststellen, porphyrbraune Sporen enthalten. Er wird daheim verspeist. Der Specht da oben scheint darob zu lachen. – Wir biegen nun nach Südwest ab, um Klotzsche zu erreichen. In einem Pflanzengarten stehn in Menge große Schirmlinge, die der undeutsche Deutsche immer noch Parasolpilze nennt (~Lepiota procera~, Abb. 8). Wir wissen, daß er einen großen, braunschuppigen Hut, weißliche, freie Lamellen und einen bräunlichen, nach oben verjüngten Stiel hat, der mit einem verschiebbaren Doppelring geziert ist. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend. Der dumme Zaun! Als Wohlerzogene steigen wir nicht über und suchen weiter. In Buchennähe hier der weiße Mehlpilz (~Paxillus prunulus~), auch Moosling oft genannt. Wir ziehen den ersten Namen vor, weil er bezeichnend ist. Der Mehlgeruch dieses weißen Kremplings ist so auffällig wie bei keinem andern. Außerdem erkennen wir ihn an den rötlichen, herablaufenden Lamellen. Da wir eine Menge davon einheimsen können, vergessen wir den Schmerz von vorhin. Ein zweiter Trost: ein Brätling (~Lact. volemus~) unter Fichten. Zimtorange Stiel und Hut. Wir ritzen die gelblichen Lamellen dieses derben Pilzes an und finden, daß die weiße Milch strotzend fließt. Mild wie sie schmeckt auch das Fleisch. Ein Leckerbissen! Dort steht ein Stock voll goldner Glöckchen. Sind es Blumen? Nein. Eine Kolonie vom rostgelben Nabeling (~Omphalia campanella~). Der rotgelbe Glockenhut, kaum zwei Zentimeter breit, ist schön gerieft. Die gelben Lamellen stehen fast entfernt. Das kastanienbraune, nach unten verjüngte Stielchen scheint in Fuchspelz zu stecken, so behaart ist sein Fuß. – Mittlerweile haben wir die Gegend von Klotzsche erreicht und hören links vom Prießnitzbad herüber den vielstimmigen Jubel der Badenden. Nun mit dem Flüßchen abwärts! Hier ein kanariengelber Täubling (~_Russ. flava_ Rom.~). Weil er nicht im Ricken steht, sei er genau beschrieben. _Hut_ zitronengelb, glatt, fünf bis zehn Zentimeter breit, erst gewölbt, dann ausgebreitet, schließlich schwach vertieft, Rand glatt. _Lamellen_ erst fast weiß, später mattneapelgelb, von einigen kürzeren unterbrochen, schwachbogig angeheftet, fast gedrängt. _Stiel_ erst weiß, später schwach hellgrau, zart längsriefig, gleichdick oder nach unten zugespitzt, schwammig ausgefüllt, 4–5 : 1,5–2 Zentimeter, außen derb. _Fleisch_ weiß, wird bald grau, ziemlich starr, schmeckt mild und angenehm, riecht kaum. _Sporen_ weißlich, kugelig, stachelig, 8–10: 7–9 µ, Basidien 40–43: 9–12 µ, Cystiden keulig mit aufgesetztem Spitzchen, 60–70: 10–14 µ. – Auch den fleischroten Täubling (~R. depallens~) ergattern wir. Dieser milde Weißsporer ist vor allem an der bräunenden Basis des weißen Stieles zu erkennen. Die gedrängten Lamellen sehen weißlich aus. Der violettpurpurne Hut bekommt bald gelbe Flecke, namentlich in der Mitte. Dann finden wir den Stink-Täubling (~R. foetens~), ein scharfer Weißsporer ohne Küchenwert. Sein braungelber, schmieriger Hut mit höckerig gerieftem Rande sitzt auf einem gelblichen, derben Stiele. Die gelblichen, ungleichlangen Lamellen tränen oft. Er riecht nach bitteren Mandeln. – Im Bereich der Laubbäume am Prießnitzufer pflücken wir den Gelbmilcher (~Lactarius quietus~). Auf rötlichem, höckerigem Stiel ein rotbräunlicher, klebriger, undeutlich gezonter Hut, der rötliche, weißbestäubte Lamellen zeigt. Dem rötlichen, eßbaren Fleische entquillt eine blaßgelbe, unveränderliche Milch. Zum Schlusse erbeuten wir noch eine stattliche Anzahl vom rötenden Schirmling (~Lepiota rhacodes~). Er sieht dem großen Schirmling (~Lepiota procera~) ähnlich, unterscheidet sich aber von diesem durch das rötende Fleisch, den glatten, nicht schraffierten Stiel und die derbe Fußknolle.

[Illustration: Abb. 8. =Großer Schirmpilz=]

Unser dritter Ausflug erfolgt Anfang August und beginnt bei dem Bühlauer Rathaus, wo wir die Linie 11 verlassen. In der Richtung des Nachtflügels gehen wir zunächst nach Ullersdorf. Viel Fichtenwald. Da steht am Grabenrand der Pfeffer-Röhrling (~Boletus piperatus~), deshalb so genannt, weil sein bleibendgelbes, saftiges Fleisch pfefferig schmeckt. Darum kann er höchstens als würzender Zusatz verwendet werden. Der bräunlichgelbe, kahle Hut wird nur drei bis fünf Zentimeter breit. Die rötlichen, weiten, eckigen Röhren laufen am Stiel etwas herab. Der gelbbräunliche Stiel sieht unten zitronengelb aus. – An einem Stumpf in Massen der eßbare Glimmertintling (~Coprinus micaceus~): auf gelblichem Stiel ein rostgelber, faltiger Glockenhut, der jung mit weißlichen Körnchen besetzt ist und drei bis vier Zentimeter breit wird. Die anfangs blassen Lamellen bräunen und schwärzen schließlich. – Am grasigen Waldrand da die dottergelbe Keule (~Clavaria similis~), ein gelbes, zungenförmiges, sieben Zentimeter hohes Pilzchen, das im getrockneten Zustande fast wie Leuchtgas riecht. – An abgefallenen Ästchen der gemeine Spaltblättling (~Schizophyllum commune~). Ein grauweißes, fächerförmiges, filziges Hütchen mit rötlichgrauen Lamellen, deren Schneide gespalten, sitzt stiellos am Holz. – Im Fichtengebüsch steht der seltene wieselfarbige Täubling (~Russ. mustelina~), ein milder Weißsporer mit orangebraunem, glanzlosem Hute, der glattrandig und im Alter eingedrückt ist. Die gelbweißlichen Lamellen stehen gedrängt, der weißliche Stiel ist zylindrisch und derb, das weiße Fleisch schmeckt angenehm. – An Reisern hier winzige, graubraune Glöckchen auf hellgrauem, glattem Stiel: der fadenstielige Helmling (~Mycena filopes~). – Auch den purpurschneidigen Helmling (~Mycena sanguinolenta~) könnten wir hier finden. Dieser blaßrötliche, kleine Helmling zeichnet sich dadurch aus, daß seine entfernt stehenden, weißlichen Lamellen eine purpurrote Schneide haben. – Kurz vor Ullersdorf finden wir noch einen kleinen: den honiggelben Schnitzling (~Naucoria melinoides~). Sein zwei Zentimeter breiter, ockergelblicher, glatter Hut sitzt auf einem rostbräunlichen, schlanken Stiele, dessen Spitze bereift ist. Die ockerhellen, schmalen Lamellen stehen gedrängt und haben eine gekerbte Schneide. – Das Dorf in Sicht. Freitag heute. Da gibt’s im Gasthof frisches Wellfleisch. Der Magen fordert seine Rechte – und soll sie haben.

[Illustration: Abb. 9. =Kartoffel-Bovist=]

Nach vollbrachter Stärkung biegen wir am nördlichen Dorfende westlich ab, um in der Nähe des Bischofsweges zu suchen. Inwieweit dieser Wegname berechtigt ist, bleibe dahingestellt. Jedenfalls haben die Meißner Bischöfe auf der Reise nach ihrem Schlosse Stolpen diesen Weg weit weniger benutzt als den weiter südlich gelegenen Dresdner Bischofsweg. – Auf braunem Tangel violette Pilze? Aha, der Rettich-Helmling (~Mycena pura~). Ein blaurötlicher riefrandiger Glockenhut, vier Zentimeter breit, sitzt auf einem blassen, nackten Stiel. Die weißlichen, breiten Lamellen sind durch Queradern verbunden. Er riecht nach Rettich und ist eßbar. – Weniger schön als dieser ist sein Nachbar, der rasige Schwindling (~Marasmius confluens~). Er steht büschelig. Hut rotgelblich, glockig, zartgerieft, zwei bis vier Zentimeter breit, Lamellen braungelblich, sehr gedrängt und schmal; Stiel bräunlich, filzig und verdreht. – Da drüben Rehe! In diesem stadtfernen Waldwinkel können wir das geheimnisvolle Schweigen im Walde mit Behagen genießen. Höchstens, daß der Schrei eines Raubvogels uns an den Kampf ums Dasein erinnert. Wir suchen schlendernd weiter. Ein seltener Fund hier: der vierteilige Erdstern (~Geaster coronatus~), wie eine graubraune Kugel mit kurzem Stiel, gestützt auf vier braune, breite, gebogene Lappen. – Sodann zinnoberrote Täublinge (~Russ. lepida~). Ihr zartbereifter Hut sitzt auf einem weißen, harten Stiele, der oft auch zinnoberrot angelaufen ist oder ganz so rot aussieht wie der Hut. Von allen anderen roten Täublingen unterscheidet sich dieser durch sein sehr hartes Fleisch, das nach Terpentin schmeckt. – Und dort der graustielige Täubling (~Russ. decolorans~), dessen weißer, oft rosa angehauchter Stiel stark gerunzelt ist und im Alter grau wird. Sein Fleisch läuft an den Bruchstellen bräunlich an. Sein ockerrötlicher, derber Hut bekommt im Alter einen gerieften Rand und wird sechs bis zehn Zentimeter breit. Seine Lamellen sind neapelgelb und ziemlich breit. – Und dort, wo das Eichhorn die Buche erklimmt, ein Heer von gelblichen Stachelpilzen: der Stoppelpilz (~Hydnum repandum~). Die verbogenen Hüte sind zum Teil ineinander gewachsen; ihre Unterseiten zeigen gelbliche Stacheln; ihr weißlicher Stiel steht oft exzentrisch. Eßbar. Auch der Habichtschwamm ist hier heimisch (~Hydnum imbricatum~). Sein umbrabrauner, ruppiggeschuppter Hut steht auf einem kurzen, grauen Stiele. Die hellgrauen, pfriemlichen Stacheln werden später braun. Auch er kann für die Küche gesammelt werden. Nur muß man sich hüten, den sehr ähnlichen bitteren Stacheling mit in die Schachtel zu bekommen. – Am ~C~ angekommen, gehen wir auf diesem nach Südwest bis zum Ochsensteig, der uns zur Heidemühle führt. In einer birkenreichen Fichtenschonung steht herdig der rötliche Lacktrichterling (~Clitocybe laccata~), von Ricken wegen seiner Veränderlichkeit Chamäleon genannt. Hut englischrot, etwa vier Zentimeter breit; Lamellen blasser und mit violettem Scheine, dick, entfernt, weißmehlig; Stiel gleichfarbig, schlank, faserig gestreift. Eßbar. Auch die violette Form (~amethystina~) kommt in der Heide vor. – Nachdem wir uns an der Purpurpracht des massenhaft blühenden Weidenröschens (~Ep. angustifol.~) satt gesehen, wandern wir westwärts weiter. Der halbgiftige Kartoffel-Bovist (~Scleroderma vulgare~, Abb. 9), der leider immer noch als Trüffel verkauft wird, ist hier nicht selten. Da er einer warzigen Kartoffel ähnelt, erübrigt sich eine Beschreibung. Noch häufiger tritt der olivbraune Milchling (~Lactarius turpis~) auf, der nicht mehr Mordschwamm genannt werden sollte, weil er diesen abschreckenden Namen nicht verdient. Er wird sogar in manchen Gegenden Deutschlands gern gegessen. Hut und Stiel olivbraun; Lamellen gelblich; Milch weiß, graufleckend. Schärfer als dieser schmeckt der ebenfalls vorkommende perlblättrige Milchling (~Lactarius pyrogalus~), dessen weiße Milch oft tropfenweise an den ockerblassen Lamellen hängen bleibt und eintrocknet. Sein violettbraungrauer Hut ist undeutlich gezont, fünf bis sieben Zentimeter breit, feucht. Der Stiel ist gleichfarbig, aber blasser, runzlig, kahl, nach unten meist verjüngt und zuweilen hohl. – An faulenden Ästchen wuchs herdig ein graugelber, topfförmiger: der Tiegel-Teuerling (~Cyathus crucibulum~), der fünf bis acht Millimeter breit wird. Er ist mit winzigen Scheibchen (~Peridiolen~) gefüllt, die wie verkleinerte Münzen aussehen und zu allerlei Aberglauben Anlaß gegeben haben. – Die Heidemühle wird sichtbar. Wir begrüßen sie mit Jodeln.

Nachdem wir uns gestärkt haben, streben wir östlich von der Radeberger Straße stadtwärts. Eine sehr alte Straße. Was alles mag sie schon gesehen haben? Reihen schwerer Kaufmannswagen, von bewaffneten Reitern beschützt. Scharen beutegieriger Hussiten, bewaffnet mit Spießen und Stachelkeulen. Fürstliche Jagdzüge mit Hunden und Falken. Soldaten verschiedener Zeiten und zahllose Wanderer. Und jetzt knattern die Autos bergauf und bergab. – Nun links in den Wald hinein! Beim eifrigen Suchen streichelt uns ein Fichtenzweig nach seiner eigenen Art. Rechts von dem Ameisenhaufen dort stehen Kampfer-Milchlinge (~Lactarius camphoratus~). Dieser mittelgroße Pilz sieht im ganzen dunkelpurpurn aus. Sein ungezonter, runzliger Hut ist meist spitz gebuckelt, seine gelblichen Lamellen sind oft bestaubt. Das Fleisch riecht nach dem Urteil mancher Nasen wie Zichorie, nach dem anderer wie Kampfer. Seine weiße Milch ist mild. – Und was steht dort? Ein Stink-Schirmling (~Lepiota cristata~). Auf silberweißem Stiel mit abfälligem Ring ein weißlicher, drei Zentimeter breiter Kegelhut, den rostgelbe, konzentrisch gereihte Schüppchen schmücken. Die weißen Lamellen haben eine flockige Schneide. Riecht heringsartig. Auch den wolliggestiefelten Schirmling (~Lepiota clypeolaria~) können wir hier finden. Er ist etwas größer als der vorige und hat einen gelblichen Glockenhut, der einen beschuppten, ockerrötlichen Scheitel und einen zottigen Rand hat. Der unberingte, schlanke, hohle Stiel ist schuppig. – Und hier in Menge der gelbstielige Helmling (~Mycena epipterygia~). Ein weißliches, schleimiges, gefurchtes Glockenhütchen sitzt auf einem zitronengelben, schlanken Stiele, der mit einer klebrigen, gummiartigen Haut überzogen ist. – Im Fichtengebüsch da der echte Reizker (~Lactarius deliciosus~), Stiel und Lamellen orangerot, Hut orangerötlich mit grünlicher Mitte, Milch orangerot und mild. Sie alle werden arretiert.

[Illustration: Abb. 10. =Violettlicher Milchling=]

Ende August ist gekommen, und Regen fiel in Menge. Darum frischauf zur Pilzpirsch! Diesmal verlassen wir die Linie 11 bei der Saloppe, um durch den Schotengrund zu gehen und dann dem Fuße des Wolfshügels zuzustreben. Die Buchen im Grund begünstigen eine eigenartige Pilzflora. So finden wir hier das Hasenohr (~Otidea leporina~), ein ohrähnlicher, ockerrötlicher Pilz mit kurzem, zottigem Stiele. Wegen seiner Seltenheit lassen wir ihn stehen, obwohl er verspeist werden kann. – Nicht weit davon der dunkle Schleimkopf (~Phlegmacium obscurocyaneum~). Er hat einen violettbraunen, klebrigen, dunkler geflammten Hut, der etwa fünf Zentimeter breit ist. Die sepiabraunen, gekerbten Lamellen stehen entfernt und sind abgerundet angewachsen. Der kurze, keulige Stiel sieht unten blaßviolettbraun aus, oben aber violett. Sein geruchloses, mildes Fleisch ist in der Jugend überall violett, blaßt aber im Alter aus. Seine Genießbarkeit ist noch nicht erprobt. Aber den sehr ähnlichen eingeknickten Schleimkopf (~Phlegmacium infractum~) habe ich schadlos gegessen. Das Dunkelbraun seines glockigen Hutes neigt etwas ins Grüne, und der Hutrand ist eingebogen. Die olivbraunen, ganzrandigen Lamellen sind buchtig angewachsen. Der blaßbraune, graugestreifte Stiel ist oben bläulich und hat unten eine dicke Knolle. – Östlich nach dem Wolfshügel abbiegend, finden wir am Talrande einen anderen Seltling: den violettlichen Schwindling (~Marasmius Wynnei~). Er wechselt seine Farbe öfter als ein strebsamer Ministerkandidat. Sein anfangs weißer, drei bis sechs Zentimeter breiter Glockenhut verfärbt über rosa zu trübviolett, ist dünn, zäh und runzlig. Die entfernten, dicken, freien Lamellen sind erst weiß und werden später violettbräunlich. Die zugespitzte Basis des weißlichen Stieles ist erst fuchsrot und später braun, der Oberstiel ist kleiig, bereift und an der Spitze erweitert. – Am Fuße des Wolfshügels finden wir noch einen seltenen: den rötlichen Röhrling (~Tubiporus rubellus Krombh.~). Hut rötlich, drei bis sieben Zentimeter breit, flachgewölbt, oft eingedrückt, Rand nach unten gebogen; Röhren gelb, eng, rund, um den Stiel herum vertieft; Stiel wie Hut gefärbt, am Fuße braungelb, glatt, oft verbogen, netzlos, zylindrisch, sechs bis zwölf Zentimeter hoch; Fleisch bleibendgelb, mild, genießbar. – Auf den Turm des Wolfshügels steigen wir heute nicht, weil für Pilzsucher die Aussicht unten besser ist.

[Illustration: Abb. 11. =Schafeuter=]

Nun verfolgen wir das ~C~, rechts und links abweichend. Da, wo der Ameisenlöwe »andern eine Grube gräbt«, steht der stumpfe Glöckling (~Nolanea proletaria~). Der bräunliche, durchscheinend geriefte, drei Zentimeter breite Glockenhut mit dunkelzottigem Scheitel sitzt auf einem braunen, glatten, kahlen Stiele, der meist breitgedrückt erscheint. Die rötlichen Lamellen stehen entfernt. – Auch den tranigen Glöckling (~Nolanea mammosa~) können wir in der Heide antreffen. Hut olivbraun, mit spitzem Höcker, durchscheinend gerieft, zwei bis vier Zentimeter breit; Stiel gleichfarbig aber blasser, schlank, steif; Lamellen rötlich, sehr breit. Er riecht tranartig und wächst wie der vorige auf faulenden Blättern. – Hierauf entdecken wir einen violettlichen Milchling (~Lactarius flexuosus~, Abb. 10); Hut und Stiel hellviolettbraun, auch ins Rötliche spielend. Der kahle, trockne, eingeknickte Hut ist nicht immer gezont; die rotgelblichen, dicken Lamellen stehen entfernt; die Milch ist bleibendweiß und scharf. – Der Schwefelmilchling (~Lactarius theiogalus~) kommt in dieser Gegend auch vor. Er heißt deshalb so, weil seine Milch langsam schwefelgelb wird. Sein rosagelblicher, ungezonter, zart gerunzelter Hut sitzt auf einem gleichfarbigen, wellig-unebenen Stiele, dessen Fuß purpurbraun aussieht. Die rotgelblichen dünnen Lamellen stehen gedrängt. Das gilbende, scharfe Fleisch gilt als verdächtig. – Weiterhin der Semmelpilz (~Polyporus confluens~): mehrere semmelgelbe Hüte, die oft verwachsen sind, kommen aus einem derben, weißlichen Strunke. Die weißlichen, engen, kurzen Röhren laufen etwas am Stiele herab. – Auch das ähnliche Schafeuter (~Polyporus ovinus~, Abb 11), ist hier heimisch. Hut, Stiel und Röhren gelblichweiß, oft schwach grünlich; im Bau dem vorigen ähnlich.

[Illustration: Abb. 12. =Flaschenstäubling=]