Part 5
Auf schwellendem Moospolster lagern wir uns, um unser Frühstück zu verzehren und dem Rauschen der heute besonders stark bewegten Wipfel zu lauschen. Diese eigenartige Musik erinnert uns an das Meer, dem der Wald in manchem ähnelt. Machen doch beide den Eindruck geheimnisvoller Unendlichkeit. – Nun weiter bis zur Kreuzung des Blaurot-Weges, der uns nach Klotzsche führen soll. An einem Buchenstumpf der angebrannte Porling (~Polyporus adustus~) in mehreren Exemplaren. Dieser olivgraue, runzlige, undeutlich gezonte Pilz sitzt wie eine halbkreisförmige Muschel am Stamm. Die jungen sind weiß berandet. Die weißen Röhren werden nach Berührung schwarz, daher der Name. – Auf weichem Tangel weiterschreitend, kommen wir zu einem rötenden Porling (~Polyporus leucomelas~): auf grauem Stiel ein schwärzlicher, schuppiger, unregelmäßiger Hut, dessen Unterseite hellgraue, ziemlich weite Röhren zeigt. Nach Anbruch rötet das weiße Fleisch des Hutes, während das des Stieles schwärzt. – Dort braunrote Milchlinge in Menge (~Lactarius rufus~): Hut und Stiel braunrot und rauh; Lamellen rötlichgelb. Obwohl die bleibendweiße Milch und das gelbrötliche Fleisch roh sehr beißend schmecken, kann dieser Pilz nach zweistündiger Wässerung gegessen werden, besonders als Salat zubereitet. – In der Nähe der schönen Quelle können wir das grüngelbe Gallertköpfchen (~Leotia gelatinosa~) sammeln. Das darmartig gewundene, grüngelbe Hütchen sitzt auf einem gelben, schuppigpunktierten, oft breitgedrückten Stiele, der fünf bis sechs Zentimeter hoch und zuletzt hohl ist. Im Juni hätten wir hier auch den Sumpfhaubenpilz (~Mitrula phalloides~) finden können. Auf weißlichem Stiel ein orangegelbes Köpfchen. – Oh, da auch eine krause Glucke (~Sparassis crispa~): ein badeschwammähnliches, weißes Gewirr von Zweigen, deren Enden umgeschlagen und gesägt sind, etwa zwanzig Zentimeter breit im Durchmesser. – Häufig tritt der ockerblättrige Täubling auf (~Russ. alutacea~), ein milder, stattlicher Gelbsporer, dessen Lamellen sehr früh ockergelb werden. Sein weißer, zylindrischer Stiel kann auch rosa angelaufen sein. Der trübpurpurne, klebrige Hut hat eine gelbliche Scheibe und gefurchten Rand. – Noch häufiger ist der Speiteufel (~Russ. emetica~). Auf einem weißen, nach unten meist verdickten Stiele sitzt ein blutroter, mittelgroßer Hut mit gerieftem Rande und weißen, entfernten Lamellen. Er schmeckt zwar sehr scharf, aber seine Giftigkeit wird in Zweifel gezogen. Da es zwischen ihm und dem ähnlichen, aber kleineren gebrechlichen Täubling (~Russ. fragilis~) eine Menge Zwischenstufen gibt, verursacht dieser Pilz den Forschern noch viele Streitigkeiten, in die wir uns heute nicht mengen wollen. – Nach Überschreitung der Radeberger Straße nähern wir uns dem Vogelherde, der aber links liegen bleibt. Weiterhin beobachten wir Bauern, die (nach Einholung eines bezahlten Erlaubnisscheines) dem Waldboden Spreu entnehmen, und zwar nicht bloß Gras. Der Pilzfreund bedauert das. – Weitergehend gewahren wir den Dauerporling (~Polystictus perennis~), der von Ricken gebänderter Schillerporling genannt wird. Ein zimtbrauner, buntgebänderter, lederiger Trichterhut sitzt auf einem rostbraunen, samtigen, dünnen Stiele, der abwärts verdickt ist. Die anfangs gelblichen, später rostbraunen, kurzen Röhren haben enge, eckige Poren. Ungenießbar wie der, den wir unweit davon finden: der Eichen-Knäuling (~Panus stipticus~.) Zimtgelbe, kleine Fächer mit aufwärts verdickten, kurzen Stielen an einem Eichenstumpfe sitzend. Eigenartig an den gleichfarbigen, gedrängten Lamellen sind die verbindenden Querwände. – Sehr häufig ist der blutblättrige Hautkopf (~Dermocybe anthracina~). Der zimtbraune, vier bis sechs Zentimeter breite Glockenhut hat dunkelkarmin gefärbte Lamellen, einen gelblichen Stiel, der blutrot gefasert ist und oben ockerrote Schleierreste trägt. Dieser Pilz bekommt uns so schlecht, daß man ihn zu den Giftpilzen rechnen kann. Von oben gesehen, ähnelt ihm der zimtbraune Hautkopf (~Dermocybe cinnamomea~). Aber sein Fleisch ist gelb, nicht rötlich wie bei jenem. Stiel zitronengelb; Lamellen zimtgelb. Seine große Veränderlichkeit narrt sogar den Pilzkenner. – Birken zieren den Weg und darunter das Violettrosa des Heidekrautes, von dem wir uns einen Strauß mitnehmen dürfen, weil es massenhaft vorkommt. – Sehr häufig begegnen wir dem Heideschleimfuß (~Myxacium mucosum~), von Ricken kompakter Schleimfuß genannt. Er fällt schon von weitem durch den zimtgelben Hut auf. Seine zimtbraunen, fast gedrängten Lamellen sind meist ausgebuchtet angewachsen. Obwohl sein blaßvioletter Stiel und sein Hut mit Schleim überzogen sind, wird er oft gegessen. – Von ferne ähnelt ihm der hier auch wachsende, aber viel seltenere goldgelbe Gürtelfuß (~Telamonia gentilis~). Er hat einen goldgelben, zwei bis vier Zentimeter breiten Hut, der meist spitz gebuckelt ist. Sein innen und außen goldgelber Stiel ist schwefelgelb gegürtelt. Lamellen zimtgelb, breit und sehr entfernt. – Etwas häufiger als dieser ist der rotgebänderte Gürtelfuß (~Telamonia armillata~). Ihn erkennt man sofort an den zinnoberroten Ringen, die den bräunlichen Stiel schmücken. Sein feinschuppiger Hut sieht rotbräunlich aus. – Hurra, auch den Blut-Egerling (~Psalliota silvatica~), den viele noch Wald-Champignon nennen, finden wir in größerer Anzahl. Sein Name weist auf das Rotanlaufen seines wohlschmeckenden Fleisches hin. Auf einem bräunlichen, feinbeschuppten, braunberingten Stiele ein gelbbrauner, fünf bis acht Zentimeter breiter Hut mit umbrabraunen Schuppen. Das Rotgrau der Lamellen geht über rotbraun zu sepia über. – Der viel größere hohlstielige Riesen-Egerling (~Psalliota perrara~), der am braungelben, flockigen Hute und am gelbberingten, blassen, hohlen Stiele erkenntlich ist, kommt in der Dresdner Heide selten vor. Dasselbe gilt von einem anderen großen Pilze, dem Riesen-Ritterling (~Trichol. colossus~). Zinnoberbräunlich sind bei ihm Hut, Stiel und Lamellen. Das Fleisch nimmt nach Anschnitt langsam eine ziegelrote Färbung an. Den obersten Teil des sehr dicken und kurzen Stieles bildet eine weißliche, kleiige Zone. Dieser Riese, dessen Hut bis zwanzig Zentimeter breit wird und der selten ganz aus der Erde hervorkriecht, kann gegessen werden. Daß er und viele andere Pilze in der Dresdner Heide immer seltener werden, liegt nicht bloß an dem rücksichtslosen Ausbeuten, sondern auch an der Unart mancher Menschen, alle Pilze umzustoßen. Sie denken nicht daran, daß damit die Vermehrungsfähigkeit der Pilze gemindert wird. Sie wissen vermutlich auch nicht, daß die Pilze durch die Tätigkeit ihres Mycels den Boden erschließen helfen. – In der Nähe des Sandschluchtweges finden wir zwei sehr umstrittene Täublinge, die wir aus dem bereits erwähnten Grunde bis auf weiteres nach Ricken benennen. Der eine ist der glänzende (~R. nitida~), so genannt, weil sein dunkelpurpurner, meist gebuckelter, riefrandiger Hut glänzt. Die neapelgelben Lamellen stehen gedrängt und sind am Grunde aderig verbunden. Der weißliche, glatte, zylindrische Stiel ist gebrechlich. – Der andere heißt anlaufender (~R. Linnaei~), weil sein weißes Fleisch an der Luft bräunlichgelb anläuft. Außerdem ist er am Heringsgeruch und an dem stark gerunzelten, meist geröteten Stiel erkenntlich. Sein blutroter Hut hat immer eine glanzlose, schwarze Scheibe und einen kaum gerieften Rand. – Leichter zu bestimmen ist der kohlige Täubling (~R. nigricans~). Ihn erkennt man an den gelblichen, dicken, entfernten, ungleichen Lamellen, deren Schneide nach Berührung erst rötlich und später schwarz wird. Der bis zu vierzehn Zentimeter breit werdende Hut ist erst graubraun, wird aber bald schmutzigsepia. Dasselbe gilt von seinem kurzen, harten Stiele. Das Fleisch rötet. Aber der sonst ähnliche angeräucherte Täubling (~R. adusta~) hat unveränderliches Fleisch und dünne, gedrängte Lamellen. Beide sind zwar eßbar, stoßen aber durch die Härte ihres Fleisches ab. In der Nähe des Prießnitzbades sichten wir noch den Feld-Trichterling (~Clitocybe dealbata~). Das Weiß des vier Zentimeter breiten Hutes neigt in grau, der Hutrand ist eingerollt. Die weißlichen Lamellen sind dünn, gedrängt und kaum herablaufend. Der weiße, zylindrische, flockige Stiel ist vier Zentimeter hoch. Das weiße, milde, eßbare Fleisch riecht und schmeckt nach Mehl. Ricken schreibt zwar, daß er außerhalb des Waldes vorkomme, aber ich habe ihn mit Herrmann hier am Wege gefunden. –
[Illustration: Abb. 13. =Hallimasch=]
Nun kehren wir im Klotzscher Bahnhof ein. Hernach durchstöbern wir den zur Heide gehörigen Klotzscher Waldpark und das südlich davon gelegene Waldgebiet. Da entnehmen wir einem prächtigen Moospolster den keulenfüßigen Trichterling (~Clitocybe clavipes~): auf einem braungrauen Stiele mit dickkeuliger Basis sitzt ein ebenso gefärbter, tiefgetrichterter, schwachgebuckelter Hut, der gelbweiße, schmale, herablaufende Lamellen hat. – Und dort vor der stattlichen Buche eine Menge Flaschenstäublinge (~Lycoperdon gemmatum~, Abb. 12), bovistähnliche, flaschenförmige, weißliche Pilze, die mit zerbrechlichen Stacheln massig bedeckt sind. Jung genießbar. Die älteren haben eine graubräunliche Färbung. – Von feuchten Stellen leuchtet uns der orangerote Schüsselpilz entgegen (~Aleuria aurantiaca~), zwei bis zehn Zentimeter große, orangerote Näpfchen, deren Außenseite etwas blasser ist. In der Farbe ähnlich, aber kleiner und flacher ist der spindelsporige Schüsselpilz (~Humaria ollaris~), den wir in dieser Gegend auch finden können. – Weiter nach Süden zu fallen uns noch einige Schnitzlinge auf, der weißschneidige (~Naucoria tenax~): ein höchstens drei Zentimeter breiter, ockerbräunlicher, durchscheinend geriefter Glockenhut mit rostbraunen, weißschneidigen Lamellen sitzt auf einem rotbraunen, gleichdünnen Stiele, der blasse Schüppchen trägt. Sodann der braungrüne Schnitzling (~Naucoria myosotis~) auf Buchenlaub. Ihn erkennen wir sofort an den blaugrünlichen Stellen des sonst bräunlichen, im Alter gilbenden Glockenhütchens. Seine anfangs weißen, später rostbraunen Lamellen haben eine weiße, gesägte Schneide. Sein blaßbräunlicher, gefaserter, schlanker Stiel hat eine bereifte Spitze. – Nachher einer, der uns durch seinen braunschwarzen Stiel und seinen gurkenähnlichen Geruch sofort auffällt, es ist der Gurken-Schnitzling (~Naucoria cucumis~). Der drei Zentimeter breite, kastanienbraune Kegelhut hat einen gelblichen Rand, der im feuchten Zustande durchscheinend gerieft ist. Seine rötlichgelben Lamellen sind breit und frei.
[Illustration: Abb. 14. =Großer Gelbfuß=]
September! Unser Pilzeifer wächst in demselben Maße, wie die Tageshelle abnimmt. Wir verlassen die Linie 11 bei der Saloppe und gehen nochmals durch den Schotengrund. Hier finden wir zunächst den galligen Täubling (~Russ. fellea~), ockerblaß in allen Teilen und scharf schmeckend, während der ähnliche Ocker-Täubling (~Russ. ochracea~) mild ist. – Am Südende des Eisenborngrundes wächst der graugrüne Milchling (~Lactarius blennius~), erkenntlich am graugrünen, schmierigen Hute, der oft rötliche Flecke zeigt und weißliche, sehr gedrängte, herablaufende Lamellen hat. Der etwas blassere Stiel ist schmierig, gleichdick und fast grubig. Seine weiße, scharfe Milch sieht eingetrocknet graugrün aus. – Weiter oben guckt aus dem Laube des Buchenwaldes ein winziges, schwarzes Kerlchen: der bereifte Helmling (~Mycena atroalba~). Hut schwarzbraun, ein bis zwei Zentimeter breit, wie bereift, runzlig-gerieft, glanzlos, glockig; Lamellen grau, dick, entfernt, angeheftet; Stiel unten schwarz, oben grau, oft verdreht, knorpelig, hohl; Fleisch graubraun, mild, geruchlos, saftreich. – An den Absperrungsstangen des ersten Teiches wächst die Fenchel-Tramete (~Trametes odorata~). Sie sitzt am Stamm wie eine rotbraune, filzige, konzentrisch gefurchte Konsole, deren schlitzlöcherige Unterseite zimtfarbig aussieht. – Und gleich daneben der schmucke Zaunblättling (~Lenzites saepiaria~). In Gestalt dem vorigen ähnlich, unterscheidet er sich durch seinen kastanienbraunen, gezonten, filzigen Hut, der einen orangerötlichen Rand hat. Seine rotgelben, dicken Lamellen sind verzweigt. Sein zimtfarbiges, lederhartes Fleisch ist ungenießbar. – An einem Stumpfe sitzen rillstielige Helmlinge (~Mycena polygramma~). Ein drei bis vier Zentimeter breiter, hellgrauer, geriefter, nackter Glockenhut sitzt auf einem bläulichgrauen, schlanken, glänzenden Stiele, der regelmäßige Längsriefen zeigt. Seine weißlichen Lamellen nehmen oft einen rötlichen Ton an. – Nach Überquerung der Radeberger Straße streifen wir nördlich dem Forstehrenmale zu. In Mengen der blaßgelbe Täubling (~Russ. ochroleuca~). Der blaßockergelbe, sechs bis acht Zentimeter breite Hut mit schwach gerieftem Rand sitzt auf einem weißlichen, gerunzelten Stiel. Lamellen weiß, Fleisch scharf. – Ein anderer beißender Täubling steht nicht weit davon: der tränende (~Russ. sardonia~), über den die Spezialforscher auch noch nicht einig sind. Ihn erkennt man am sichersten an dem schwefelgelblichen Tone der oft tränenden Lamellen, denn dieses Gelb haben andere Täublingslamellen nicht. Kennzeichnend ist ferner das Rotviolett des Stieles. Die Farbe des Hutes ist veränderlich, meist ist es ein trübes Violettrot. Manche halten ihn für giftig, was noch zu beweisen wäre. – Lieber als diesen finden wir den eßbaren bereiften Täubling (~Russ. xerampelina~). Sein blaupurpurner Hut ist zart bereift; sein weißer, oft rosa angelaufener Stiel hat weißes, nicht verfärbendes Fleisch, das am Stielfuße nach Jodoform riecht (Schäffer). – Und dort in Massen der Hallimasch (~Clitocybe mellea~, Abb. 13), von allen Baumfreunden gehaßt, weil er als gieriger Holzzerstörer großen Schaden anrichtet. Das Honiggelb seines beschuppten, fünf bis zehn Zentimeter breiten Hutes spielt oft ins Grünliche; Lamellen rötlichgelb; Stiel braungelb mit aufsteigendem Ring und schwärzender Basis. Seine als ~Rhizomorpha subcorticalis~ bekannten Mycelstränge dringen meist von der Wurzel aus in den Stamm ein. Der Forstmann läßt die erkrankten Bäume fällen oder durch Stichgräben von ihren gesunden Nachbarn absondern. Der Hallimasch wird gern gegessen. – An einem alten Stumpf der Gallert-Stacheling (~Tremellodon gelatinosus~), von Dr. E. Ulbrich kurz und gut Zitterzahn genannt. Ein bräunlicher, gallertartiger, stielloser Hut, der körnigrauh und halbkreisförmig ist, zeigt auf der Unterseite bläulichgraue Stacheln. Eßbar. An einem anderen Stumpfe eine weiße, breite Haut, die am Rande befranst ist, ein großer Rindenpilz (~Corticium giganteum~). Nachher Kuhpilze (~Boletus bovinus~), die zwar eßbar aber wenig begehrt sind. Ein mittelgroßer, rotgelbbräunlicher, schmieriger Hut sitzt auf einem gleichfarbigen, kurzen, glatten Stiele, der im Alter unten trübkarmin wird. Seine graugelben, kurzen, weiten Röhren sind zusammengesetzt und fast herablaufend. – Auch den infolge eifriger Nachstellung immer seltener werdenden Maronenpilz (~Boletus badius~), können wir sammeln. Bekanntlich trägt er auf seinem gelbbraunen, glatten, gleichdicken Stiele einen kastanienbraunen Hut mit blaßgelben Röhren, die nach Druck blau anlaufen. Bläulich wird an der Luft auch das weißliche Fleisch. Weitersuchend gelangen wir an das neue Kriegerdenkmal, das in ergreifender Waldeinsamkeit zwischen uralten Buchen errichtet ist. Ein verzierter Sandsteinblock, in weitem Bogen von einfachen Steinbänken umgeben, zeigt auf der Vorderseite die Inschrift: »In ihren geliebten Wald kehrten nicht zurück:« (folgen die Namen der im Weltkrieg gefallenen Forstleute). Nachdem wir ihnen ein ehrendes Gedenken gewidmet, setzen wir unsere Forschung fort – in der Überzeugung, daß nur ernste Arbeit auf allen Gebieten die Schäden des Krieges heilen kann. In nördlicher Richtung weitergehend, entdecken wir den Erdfaserkopf (~Inocybe geophylla~), einen kleinen, blaßvioletten Pilz mit faserigem Hut und schmutzigbraunen, gedrängten Lamellen. Er kommt auch weiß vor. Sein widerlicher Geruch erstickt jede Lust zum Genießen. Von allen Faserköpfen wird nicht ein einziger gegessen. – Anders beim folgenden, dem Schmerling (~Boletus granulatus~). Dieser schleimige Röhrling ist gekennzeichnet durch die purpurbraunen Wärzchen, die seinen gelben Stiel oben bedecken. Sein bräunlichgelber, fast geflammter Hut hat zitronengelbe Röhren, die später olivgelb werden. Genießbar wie dieser ist der Butterpilz (~Boletus luteus~), der sich durch seinen dunkelbraunen, geflammten Hut von dem schönen Röhrling unterscheidet. Beide sind schleimig und haben gelbe, beringte Stiele. Aber der Ring des Butterpilzes sieht fast heidelbeerfarbig aus, während der seines orangegelben Doppelgängers blaßgelb ist. – Aus dem Grün einer Fichtenschonung leuchtet das Rot einiger Fliegenpilze, genau so eine Waldschönheit wie das herbstliche Ockergelb des massig vorhandenen Waldgrases. Brr, Fäden im Gesicht! »Altweibersommer!« Vielleicht blicken die winzigen Spinnen auf diesen fliegenden Fäden mit Mandarinenstolz auf den hoch oben vorüberknatternden Postflieger, weil ihre Flugfertigkeit die ältere ist. – Wir lagern uns auf blühender Heide und frühstücken. Womit bezauberst du uns nur, o Wald? »Ist es dein Grün, dein heimlich Dunkel, dein buntes Blühn, dein wirres Sonngefunkel?« … Oder steckt in uns ein Erbteil aus den Zeiten unserer Urväter, die hier ihre Götter suchten? – Nun auf und weiter! Wir finden den großen Gelbfuß (~Gomphidius glutinosus~, Abb. 14), auch Schmierling oder Kuhmaul genannt; er ist ein durchaus schleimiger, aber eßbarer Pilz, der uns durch seine lilagrauen, sehr entfernten, dicken, weit herablaufenden Lamellen auffällt. Gelbfüßler nennt Ricken die ganze Gattung, weil bei allen der untere Teil des Stieles gelb ist. Der Hut unseres Pilzes zeigt ein violettliches Schokoladenbraun. – Zwischen Heidelbeersträuchern der grüngelbe Knollenblätterschwamm (~Amanita mappa~, Abb. 15), dessen Hut mit weißen Hüllresten bedeckt ist. Erkenntlich vor allem daran, daß sein Fleisch nach rohen Kartoffeln riecht. Ob dieser gefährliche Giftpilz wirklich manchen Menschen bekommt, ist noch zu beweisen. – Unter den Eichen des Saugartens, den wir nun erreichen, finden wir auch den sehr giftigen olivgrünen Knollenblätterschwamm (~Amanita phalloides~, Abb. 16~a~), der sich vom grünen Täubling schon durch den Ring und die weitrandige Fußknolle am grünlichen Stiel unterscheidet. – Nun schwenken wir halblinks nach Hochmoor und Prießnitzgrund. Hier wächst der giftige Pantherpilz (~Amanita pantherina~). Hut schwarzbraun mit vielen hellen Hüllresten und gerieftem Rand; Lamellen weißlich, gedrängt, fast frei; Stiel weiß, schlank, aufwärts verjüngt, mit weißem Ring und einer Fußknolle, deren obere Ränder fast vom Stiele abstehen. – Ganz ähnlich sieht der eßbare gedrungene oder graue Wulstling aus (~Amanita spissa~), dessen braungraue Hutfarbe auch dunkel sein kann, der aber glatten Hutrand und gerieften Oberstiel hat. Gewöhnlich ist er nicht so schlank wie sein glattstieliger Doppelgänger. Da Verwechselungen nicht ausgeschlossen sind, mag der Unkundige beide unverspeist lassen. – Von ihren Verwandten kommt hier noch der porphyrbraune Wulstling vor (~Amanita porphyrea~), der schon am Lilabraun des Hutes erkannt werden kann. Lamellen weiß, fast gedrängt, angeheftet; Stiel violettgrau mit feiner Zickzackschraffierung, schmalsaumiger Knolle und einem weißlichen Ring, der auf der Unterseite violettgrau aussieht. – Indem wir absteigend der Prießnitz zustreben, finden wir in großer Anzahl Zigeuner, nicht solche die stehlen, sondern die gestohlen sein wollen. Wir geben unserer Freude durch Jodeln Ausdruck, das unsere ebenfalls suchenden Nebenbuhler dort ärgert, aber bei dem gleichgestimmten Echo drüben im Steinbruch Mitfreude auszulösen scheint. Dieser Pilz (~Pholiota caperata~), der von Ricken Runzel-Schüppling genannt wird, weil sein braungelblicher, bereifter Hut gerunzelt ist, gehört zu den wohlschmeckenden. Sein gelblicher, fast zylindrischer Stiel trägt einen dauerhaften, hängenden Ring. Seine gelbrötlichen Lamellen haben eine gekerbte Schneide. – Nun wandern wir im Prießnitzgrunde ein Stück aufwärts. Da hat sich ein Knirps im Grase versteckt: der ledergelbe Schwindling (~Marasmius lupuletorum~). Sein gelbliches, kahles, gewölbtes Hütchen ist etwa drei Zentimeter breit und hat einen ausgebogten Rand, so daß er an einen Regenschirm erinnert. Der rotbraune, unten fast schwarze Stiel ist flockig und hat eine weißkleiige Spitze. Die gelblichen, dicken, breiten Lamellen stehen sehr entfernt und sind breit angeheftet. Das gelbliche Fleisch schmeckt herb und ist nicht genießbar. – An feuchten Stellen wächst der linsenförmige Rübling (~Collybia clusilis~): auf einem grauen, knorpeligen Stiele ein braungrauer, genabelter, ausblassender Hut, der etwa zwei Zentimeter breit ist und einen eingebogenen Rand hat; die weißlichen, breiten Lamellen stehen gedrängt und laufen etwas am Stiel herab. – Dort, wo die Bachstelze aufflog, scheint auch etwas zu stehen. Ganz recht, der ungestielte Krempling (~Paxillus panuoides~): ein ockerbräunliches, flaumiges, unregelmäßiges Hutgebilde mit olivgelben, verästelten Lamellen, die in einem exzentrischen Punkte strahlig zusammenlaufen. – Auf einer Brandstelle, wo vielleicht Wandervögel freventlich abgekocht haben, der Kohlen-Nabeling (~Omphalia maura~): auf schwarzem Stiel ein olivschwärzlicher, glänzender, faseriger Hut, der vier Zentimeter breit ist; Lamellen weiß. Er riecht nach Mehl. – Ah, bist du auch schon heraus, schwarzpunktierter Schneckling? (~Limacium pustulatum~). Unter seinem grauen Hute mit braunem, warzigem Scheitel gewahren wir blauweißliche, dicke, entfernte Lamellen, die weit herablaufen. Der weiße Stiel dieses eßbaren Pilzes hat oben schwarze Pustelchen. – Auf morschem Laub der grüne Träuschling (~Stropharia aeruginosa~). Sein spangrüner, schmieriger, mittelgroßer Hut ist meist mit weißen Schüppchen besetzt. Der gleichfarbige Stiel ist unterhalb des bräunlichen Ringes schuppig. Die Lamellen sind erst rötlichgrau, dann kaffeebraun. Dieser eßbare Pilz gilbt im Alter oft so sehr, daß man ihn kaum wiedererkennt. – Der schuppige Träuschling (~Stropharia squamosa~), den wir an seinem strohgelben, regelmäßig beschuppten Hute erkennen, ist hier auch anzutreffen. – Dasselbe gilt vom zimtfuchsigen Wasserkopf (~Hydrocybe jubarina~), den wir aber heute nicht finden können. –
[Illustration: Abb. 15. =Grüngelber Knollenblätterschwamm=]
Auf weichem Moose ruhn wir aus. »Über allen Wipfeln ist Ruh …, die Vögelein schweigen im Walde«. Doch da kommt Ersatz. Es ist eine Mädchenschar, die da singend wandert. Alte Lieder aus jungem Munde, sie preisen die Schönheit der Welt. – Auch wir setzen unsere Wanderung fort, biegen kurz vor der Heidemühle links ab, um erst den rotgrün markierten Hutungsweg und dann den Kuhschwanzweg bis zum Dachsenberg zu verfolgen. Bald zeigt sich uns der Lila-Dickfuß (~Inoloma traganum~, Abb. 16~b~), erkenntlich am safrangelben Fleische. Der derbe, seidige, später gilbende Hut und der keulige Stiel sind blaßlila, die gekerbten, breiten, entfernten Lamellen erst safrangelb und später olivbraun. Er gilt als ungenießbar, aber ich aß ihn mit anderen gemischt – ohne Schaden. – Am Stumpfe da der samtige Tannenflämmling (~Flammula sapinea~). Der am Rande orangegelbe, nach der Mitte zu orangebräunlich werdende Hut ist samtig und drei bis neun Zentimeter breit. Die angewachsenen, breiten Lamellen sind erst gummiguttgelb, später ockerrot und bräunen an Wundstellen. Der gefurchte Stiel ist oben gelb und unten braun. Ungenießbar. – In dieser Gegend wächst auch der Nadel-Flämmling (~spumosa~), sowie der derbfleischige (~fusa~). – Dann bemerken wir den Runzelhut (~Myxacium elatius~), auch hoher Schleimfuß genannt. Auf einem blaßvioletten, hohen, in der Mitte ausgebauchten Stiele sitzt ein gelbbrauner, gerunzelter Kegelhut, der rostbraune, quergerunzelte, breite Lamellen hat und wie der Stiel schmierig ist. Eßbar. – Und was steht dort am Stumpf? Der blauende Porling (~Polyporus caesius~): kleine, bläuliche, scharfrandige Muscheln mit weißen, kurzen Röhren, die nach Berührung blaufleckig werden. Selbst das Fleisch ist bläulich durchzogen. – Auch der Lackporling (~Placodes lucidus~) kann in der Heide gefunden werden, besonders am Grunde der Eichen. Hut und Stiel sind bei ihm mit einer glänzenden, braunroten Schicht überzogen, als wäre er lackiert. – Ah, dort lockt uns der orangerote Milchling (~Lactarius aurantiacus~). Wir erkennen ihn an dem Orangerot seines ungezonten Hutes, der etwa vier Zentimeter breit und fast gebuckelt ist. Sein gleichfarbiger Stiel ist bereift und grubig, seine Lamellen sind etwas blasser und weißstaubig. Die bleibendweiße Milch schmeckt mild, so daß wir ihn genießen können. – Häufiger als dieser ist der ebenfalls orangegelb gefärbte falsche Eierschwamm (~Cantharellus aurantiacus~), der nach neuerer Forschung (Neuhoff) zu den Trichterlingen gehört. Von dem bekannten echten Eierschwamm unterscheidet er sich besonders durch die gelbrote Färbung seiner Lamellen. Er kann auch gegessen werden. – Aufgeschaut! Dort oben kreuzen Hirsche unsern Pfad! Sie ahnen kaum, wie hold wir ihnen sind. – Nicht weit vom Weg der violette Stacheling (~Hydnum violascens~). Der weißrandige Hut ist trübviolett und samtig. Die spitzen, dünnen Stacheln sind und bleiben weiß. Der ungleichdicke, kurze Stiel sieht wie der Hut aus. Seltener ist hier der schwarze Stacheling (~Hydnum nigrum~), dessen Hut und Fleisch fast schwarz aussehen. Mitten im Preißelbeergewimmel hocken kastanienbraune Rüblinge (~Collybia butyracea~), auch Butterrüblinge genannt. Wir erkennen diesen mittelgroßen Pilz an dem rotbraunen, furchigen, keulig verdickten Stiele und den gekerbten, gelblichen, breiten Lamellen. Er ist genau so gut eßbar wie sein Systemnachbar, der horngraue Rübling (~Collybia asema~), der auf einem graubraunen, gerillten, keuligen Stiele einen grauen, gerieftrandigen, gebuckelten Hut trägt, welcher drei bis sechs Zentimeter breit wird. – Am Ochsenkopfweg angelangt, schwenken wir westlich ab nach dem Lerchenweg und der Hofewiese zu, weil der bewaldete Dachsenberg keine Aussicht bietet. Dabei entdecken wir den dunkelgenabelten Anis-Trichterling (~Clitocybe suaveolens~). Sein bräunlicher, kleiner Trichterhut hat dunkelbraunen Nabel und durchscheinend gerieften Rand. Die gelblichen, gedrängten Lamellen laufen herab. Der braunrötliche Stiel ist unten verdickt. Dieser gesellig wachsende Trichterling duftet nach Anis und verblaßt bei trockenem Wetter. – Vor dem Farnkraut, wo soeben eine Ringelnatter verschwand, steht ein seltener Wasserkopf: der gelbgeschmückte (~Hydrocybe saniosa~). Der ockerrötliche, vier bis fünf Zentimeter breite Hut fällt durch seine hohe Spitze auf. Der rötlichgelbe, schlanke, verbogene Stiel ist mit gelben Schuppen geschmückt. Die zimtgelben, hellschneidigen Lamellen sind buchtig angewachsen und stehen fast entfernt. – Von seinen Verwandten gibt es hier noch den eingeknickten Wasserkopf (~Hydrocybe angulosa~): Stiel und Hut orangerötlich, Rand eingeknickt, sowie den violettblättrigen (~castanea~), den wir außer an seinen violetten Lamellen an dem sepiabraunen Hute erkennen. Den samtigen Wasserkopf (~Hydrocybe Junghuhnii~) habe ich nur einmal in der Dresdner Heide gefunden. Er hat auf rostbraunem, schlankem Stiele einen etwa drei Zentimeter breiten, zimtbraunen, samtigen, spitzgebuckelten Kegelhut, der trocken gelblich aussieht und zimtgelbe Lamellen hat. Sein ungenießbares Fleisch ist dunkelrostbraun. – Als große Grasinsel mitten im Wald liegt vor uns die Hofewiese, die wir nun betreten. Hier finden wir den schwärzenden Saftling (~Hygrocybe conica~), dessen spitzer, später schwärzender Kegelhut wie eine orangerote Blume aus dem grünen Grase hervorleuchtet. Sein Stiel ist goldgelb und oft verdreht. Seine dicken, freien Lamellen sehen blaßgelb aus. Er ist eßbar. Dasselbe gilt von dem daneben stehenden stumpfen Saftling (~Hygrocybe chlorophana~), der einen zitronengelben, später verblassenden, schmierigen Glockenhut hat, welcher auf einem grünlichgelben, glanzlosen Stiele sitzt. Die blaßzitronengelben, dicken, entfernten Lamellen sind ausgerandet = angeheftet. – Endlich Rast und Atzung. Der Rucksack liefert Wurst und Brot, die Wirtin kocht den Kaffee.
[Illustration: Abb. 16~a~. =Olivgrüner Knollenblätterschwamm=]