Part 3
Der +Meister+ ist zur Regierung der Loge im Vereine mit der Meisterloge berufen. In allen Dingen hat er das erste Wort, in manchen, sofern der Lehrlingsloge nicht Bestätigung zusteht, auch das letzte. Er sieht auf das Leben zurück und zugleich auf dessen Ende und auf die Unsterblichkeit voraus, daher Selbstveredlung seine Bestimmung ist. Der Hammer als oberstes Werkzeug kommt ihm allein zu; er versinnbildlicht die Macht im Bruderkreise. Die Weisheit, die seine Tugend sein soll, lehrt ihn, der rauher Arbeit nicht mehr bedarf, auf dem Reißbrett zu zeichnen, d. h. den unter ihm stehenden Brrn. ihre Arbeiten anzuweisen und ihnen in allen Dingen voranzuleuchten. Sinnbildlich also kann er, ohne sich selbst zu überschätzen, Freiheit in Anspruch nehmen, die leuchtende Sonne als sein Vorbild und den a. B. a. W. als sein großes Licht zu verehren. In Übereinstimmung mit diesen Zügen hat die Erhebung zum Meister einen hochernsten, ja düsteren Charakter und wird von dem Gedanken an den Tod und der Vorbereitung auf diesen beherrscht, mit der vorwiegenden Rücksicht darauf, daß es ein schönes, ein heldenhaftes Ende des Lebens sein möge, wobei die Hoffnung auf die Unsterblichkeit nicht außer acht gelassen, vielmehr betont wird. Die Verknüpfungen des Meistergrades mit den indischen Brahmanen, den persischen Magiern, den Priestern der ägyptischen und griechischen Mysterien, dem Salomonischen Tempel, den Tempelrittern u. s. w. sind natürlich wohlmeinende, aber grundlose Phantasien. --
~b~) Die Hochgrade.
Die Entstehung der über den Meistergrad hinausgehenden sog. Hochgrade, die eine den Meistern angeblich noch unbekannte höhere Kenntnis der Freimaurerei bieten sollten, ist mit der Geschichte der Lehrarten (Systeme), die uns weiterhin beschäftigen werden, innig verknüpft. Die Hochgrade haben eine verschiedene Stellung in den germanischen und in den romanischen Ländern. Dort sind sie (allerdings mit Ausnahme des sog. schwedischen Systems) von den alten Graden (soweit sie nämlich überhaupt dort bestehen) getrennt, ohne Einfluß auf sie und eine Sache der Freiwilligkeit, beziehungsweise Eitelkeit. In den romanischen Ländern dagegen beanspruchen sie eine höhere Fortsetzung der Johannisgrade und beherrschen diese vollständig.
Gewissermaßen ein Embryo der Hochgrade sind gewisse Abteilungen des Meistergrades nach den Systemen Feßlers und Schröders, die sich als +Engbünde+ und +Erkenntnisstufen+ bezeichnen, eine gründlichere Kenntnis der freimaurerischen Geschichte und Lehre bezwecken und auch über die Hochgrade anderer Systeme ihre Mitglieder belehren, aber keine Vorrechte vor den übrigen Meistern erstreben.
Die Hochgrade werden auch +rote Grade+, im Gegensatz zu den blauen, nach der vorherrschenden Farbe ihrer Abzeichen genannt. Was sie bieten, geht durchweg über die Freimaurerei hinaus und stammt aus den traurigen Zeiten ihrer Verirrungen. Den Inhalt ihrer Lehren bilden Entlehnungen, meist entstellte, aus den verschiedensten Religionen und Philosophien und aus einfachen Erdichtungen, die zum Teil von Aberglauben und geschichtlicher Unwissenheit nicht frei sind. Ihre Selbstüberschätzung zeichnet sich am besten durch die Anmaßung, die 3 alten Grade nur als Vorschule für ihren Gallimathias gelten zu lassen. Sie nennen sich „+Orden+“, +nicht Bund+.
Wir geben nun ein Verzeichnis aller Grade der beiden am weitesten verbreiteten Hochgradsysteme.
~A.~ Das +Schwedische System+, in Schweden, Norwegen, Dänemark und Preußen, in jedem dieser Länder von einer Großen Landesloge geleitet, hat folgende Abteilungen.
I. Die St. Johannisloge mit den 3 Graden: 1. Lehrling. 2. Geselle. 3. Meister.
II. Die St. Andreas- oder Schottenloge, mit 3 Graden: 4. Andreas-Lehrling.[5] 5. Andreas-Geselle. 6. Andreas-Meister.
III. Die Stewards- (d. h. Verwalter-, mißverständlich Stuarts-) Loge oder das Kapitel (so heißen die Oberbehörden der Hochgrade), mit 4 Graden: 7. Stewardsbrüder. 8. Vertraute Brr. Salomos. 9. St. Johannis-Vertraute. 10. St. Andreas-Vertraute.
IV. oder 11. Grad: Höchsterleuchtete Brr. Architekten (Ritter und Kommandeure vom roten Kreuz), die Regierung des Ordens. Der oberste Beamte nennt sich ~Vicarius Salomonis~ oder weisester Ordensmeister.
~B.~ Das +Schottische System+, an der Spitze der Großlogen (oder Großoriente) von Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und der mittel- und südamerikanischen Länder, -- +neben+ den Großlogen von Belgien, Ungarn, England, Schottland, Irland und Nordamerika, hat 33 Grade (wir beginnen gleich mit dem vierten):
4. Geheimer Meister (beschäftigt sich mit dem Tempel Salomos).
5. Vollkommener Meister (Beschäftigung: Die Bestattung des Baumeisters Hiram in Jerusalem und die Rache für seinen Mord).
6. Vertrauter Sekretär (weiteres von Hiram).
7. Vorsteher und Richter (Aufsicht Salomos über den Tempelbau).
8. Intendant der Gebäude (die Ersetzung des ermordeten Hiram).
9. Erwählter der Neun (Bestrafung derjenigen, die sich einen Grad unberechtigterweise anmaßen).
10. Erwählter der Fünfzehn (Fortsetzung).
11. Erhabener Auserwählter (die Belohnung der treuen Arbeiter Salomos).
12. Großmeister-Architekt (höhere Regeln der Baukunst).
13. Royal-Arch (königliches Gewölbe; Auslegung des apokryph. Buches Henoch und Astrologie).
14. Großer schottischer Ritter oder Erhabener Maurer (die Fabel, daß Nachkommen der salomonischen Maurer die Kreuzfahrer unterstützt hätten).
15. Ritter vom Osten (Wiederaufbau des Tempels unter Serubabel).
16. Großfürst von Jerusalem (Fortsetzung).
17. Ritter vom Westen (handelt von den Tempelrittern).
18. Souveräner +Fürst vom Rosenkreuz+ (Verbindung der Freimaurerei mit christlicher Orthodoxie, mit Feier des Abendmahls).
19. Großer Oberpriester oder Erhabener Schotte (grübelt über die Offenbarung des Johannes und baut am Neuen Jerusalem).
20. Großmeister auf Lebenszeit (angebliche Auswanderung der christlichen Maurer unter Titus nach Schottland).
21. Noachit oder Preußischer Ritter (verhandelt nur bei Vollmond ohne anderes Licht und zwar über -- die Zerstörung des babylonischen Turmes!)
22. Fürst vom Libanon oder Ritter der königlichen Axt (Fällung der Zedern im Libanon zum Bau der Arche Noahs und der beiden Tempel von Jerusalem).
23. Haupt des Tabernakels (Einsetzung des jüdischen Hohenpriestertums durch Aron).
24. Fürst des Tabernakels (Bau der Stiftshütte).
25. Ritter der ehernen Schlange (aus Anlaß des Schlangendienstes in der Wüste: über die Krankenpflege durch die geistlichen Ritterorden).
26. Fürst der Gnade (über die Bünde Gottes mit den Juden und Christen).
27. Souveräner Großkommandeur des Tempels (befaßt sich abermals mit den Tempelrittern).
28. Ritter der Sonne (Betrachtung über die Wohltaten Gottes).
29. St. Andreas-Ritter oder Patriarch der Kreuzzüge (bezieht sich angeblich auf die schottisch-stuartistischen Umtriebe).
30. +Ritter Kadosch+ oder Ritter des weißen und schwarzen Adlers (über den Untergang der Tempelritter und Zusammenfassung des ganzen Systems, angeblich mit Bekämpfung des Aberglaubens).
31. Groß-Inquisitor-Kommandeur.
32. Erhabener Fürst des königl. Geheimnisses.
33. Souveräner General-Groß-Inspektor.
Dieser ganze Pomp ist indessen trotz seiner hochtrabenden Namen nur +Schein+; denn zwei einzige Grade, der 18. und der 30., haben wirkliche Gebräuche; das System hat also tatsächlich mit den 3 alten nur 5 Grade. Die drei obersten beziehen sich bloß auf die Leitung des Ordens.
[5] Nach dem Apostel Andreas, der von Johannes dem Täufer zuerst zu Jesus übergegangen sein soll.
Zweiter Abschnitt.
~Die Bestandteile der Symbolik (Schönheit).~
5. Die Zeichen.
Umsonst, daß trocknes Sinnen hier die heil’gen Zeichen dir erklärt.
+Goethe+ Faust I.
~a~) Die Erkennungszeichen.
Zeichen zur Erkennung gewisser Eigenschaften von Orten und Personen, zur Mitteilung von Gedanken und zur Aufbewahrung von Dingen verschiedenster Art hatten die Menschen schon seit grauester Urzeit im Gebrauche. Die Tatuierungen bei Völkern geringer Kultur verkündeten den Stamm und die Taten der Leute, auf deren Haut sie eingeätzt waren. Verschiedenfarbige, in Kerben geknüpfte Schnüre hielten im alten Peru die Erinnerung an Tatsachen wach. Krause, Zeichnungen und Malereien an Felsen findet man in allen Erdteilen. Bilder von Gegenständen oder die solche vorstellen sollten, in Ägypten die Hieroglyphen, in Babylonien die Keilzeichen, in China die sonderbaren Silbenzeichen, waren die ältesten Schriften. Diese vereinfachten sich nach und nach, so daß keine Bilder mehr zu erkennen waren. Solche für den Uneingeweihten rätselhafte Zeichen waren die germanischen Runen und sind noch die heute gebräuchlichen Buchstaben aller Sprachen. Zeichen, die nicht zur Gedankenmitteilung dienen, sind die Hausmarken, die das Eigentum an einer Sache, die Künstlerzeichen, die den Verfertiger eines Werkes anzeigen, wohin auch die Steinmetzzeichen an den Arbeiten der Bauleute gehören, sowie die Fabrikzeichen und anderes. Die Logenzeichen erfüllen denselben Zweck, nur daß die Angehörigen sie bloß in den Versammlungen tragen. Die Freimaurerei verfügt aber auch über Erkennungszeichen, die keine Dauer haben und nur zum augenblicklichen Eindruck auf die Sinne des Gesichts, Gehörs und Gefühls bestimmt sind, wie sie schon bei den alten Steinmetzen gebräuchlich waren. Die einfachen dieser Erkennungsmerkmale sind die mit der +Hand+ gegebenen, das Freimaurerzeichen und der Griff oder Händedruck. Die Hand ist überhaupt derjenige Körperteil, der in der Freimaurerei die meiste Anwendung findet. Sie ist das Organ des Schaffens, Gestaltens, Wirkens und Ordnens. Das maurerische Zeichen für das Gesicht besteht in einer Bewegung der Hand am Körper, das für das Gefühl im herzlichen Drucke zweier rechten Brüderhände. Beides verändert sich in gewissem Maße mit dem Übertritt in die oberen Grade. Der Handschlag besiegelt auch außerhalb des Bundes eine Freundschaft, ein Geschäft, einen Vertrag; unter Brrn. ist er ebenfalls eine Bekräftigung der Zusammengehörigkeit. Ja man spricht figürlich von der Hand Gottes, des Schicksals u. s. w. Man bietet die Hand zur Hilfe, ohne daß dies wörtlich gemeint ist. Die offene Hand bedeutet den Frieden, die als Faust geballte den Kampf. Bei den Römern bedeutete ~Manus~ die väterliche Gewalt über die Kinder und die des Gatten über die Frau. Noch eine andere Bestimmung hat in der Freimaurerei die Hand, die des Anklopfens, das wieder je nach dem Zwecke und nach dem Grade verschieden ist und das Nahen brüderlichen Besuchs versinnbildlicht.
Umständlicher sind schon die maurerischen Erkennungszeichen für das Gehör, und zwar gibt es da wieder einfachere und verwickeltere. Das einfachere ist das +Wort+, das ebenfalls mit dem Grade wechselt und unter Umständen buchstabiert wird, um die Eigenschaft als Freimaurer zu beurkunden.
Diese Worte sind alle dem Hebräischen entnommen und haben eine auf das Maurertum übertragene Bedeutung. Wichtiger ist das Wort, das ein Br. als Beteurung oder Versprechen abgibt; es ist so bindend wie irgend eines, das von einem Ehrenmanne gegeben wird, ja noch bindender, weil es unter Brüdern lebt. Ausführlicher sind die als Mittel der Erkennung von Brrn. durch Fragen und Antworten gegebenen Sätze, die den Inhalt der +Katechismen+ aller Grade ausmachen und eine Zusammenfassung aller in diesen erteilten Lehren enthalten. Jedenfalls aber steht über dem Wortlaute der +Geist+, der durch selbes zum Ausdrucke kommt.
+Übersicht:+
+Leitende +der +Soziale Idee:+ Erkennungszeichen:+ Bedeutung:+
Weisheit. Wort. Freiheit. Schönheit. Handzeichen. Gleichheit. Stärke. Händedruck. Brüderlichkeit.
~b~) Das Not- und Hilfszeichen.
Einzig und allein den Meistern wird ein gewisses Zeichen mitgeteilt, durch das sie in Notfällen von solchen, die es verstehen, Hilfe verlangen können.
Rührende Geschichten werden von Zeit zu Zeit in maurerischen Zeitschriften erzählt, wie dieses Zeichen gewirkt habe und wie schön es sei, so einem Br. helfen zu können! Es liegt dieser Auffassung aber ein Irrtum zu Grunde, der tiefer sitzt als nur im Not- und Hilfszeichen, ein Irrtum, der leider in vielen, wo nicht in den meisten Logen großgezogen wird. Dieser Irrtum besteht darin, daß Freimaurerei und Humanität miteinander verwechselt werden, also Form und Inhalt, gerade wie bei den kirchlich Gläubigen, welche ebenfalls Kirche und Religion verwechseln. Dies bringt die Letzteren dahin, außerhalb ihrer Kirche keine Religion anzuerkennen, so daß sie die Menschen, die nicht ihres Glaubens sind, verachten und sie von Glück und Seligkeit, ja von allen Menschenrechten ausschließen. Gerade so denken und handeln traurigerweise auch die meisten Freimaurer. Alles was die Füße nicht in den r. W. stellt, ist ihnen „profan“. Dieses häßliche und abscheuliche Wort, welches die aufgeblasenste Selbstvergötterung und die empörendste Menschenverachtung bei denen kundgibt, welche die Priester und Apostel der Humanität sein sollen, ist aus unseren Schriften längst verbannt. Wir haben auch dahin zu wirken versucht, daß die deutschen Maurer es überhaupt aufgeben, aber umsonst. Sogar die freisinnigsten Maurerzeitschriften, welche jeden Zopf in der Maurerei unbarmherzig bekämpfen, hängen fortwährend an der Bezeichnung „profan“ für die untergeordnete Menschenklasse, welche die Logen nicht besucht, -- mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre. Man sieht daraus, daß diese Maurer die Nichtmaurer gründlich verachten und auf sie mit demselben mitleidigen Hochmut herabsehen, wie die Gläubigen irgend einer Religion auf die Ungläubigen, Ketzer und Schismatiker. Und dies ist wahrlich kein Wunder. Der in den Logen gewöhnlich herrschende Ton erzieht die Brr. förmlich dazu, in den „Aufgenommenen“ eine Art höherer Menschheit anzustaunen. In den meisten freimaurerischen Reden und Vorträgen, die man liest und hört, ist nur von den Pflichten der Brr. gegen Brr. und selten oder nie von denjenigen gegen alle Menschen die Rede. Man hört nur von der Erziehung der Brr. zur Selbsterkenntnis und Selbstveredlung, niemals von derjenigen anderer Menschen. Und so kommt es denn auch, daß in freimaurerischen Kreisen meist allgemein geglaubt wird, der Begriff der Humanität bestehe lediglich in demjenigen der Freimaurerei, diese beide seien identisch oder es gebe keine Humanität außerhalb der Freimaurerei, und die nichtmaurerische Menschheit wisse daher nichts von Humanität. Denn letztere ist eben den hier gemeinten Brrn. nur unter dem Namen der Freimaurerei bekannt und diese haben keine Ahnung, daß sie schon Jahrtausende vor der Existenz des Bundes gelehrt wurde und heutzutage außerhalb desselben viel ausgebildeter ist, viel folgerichtiger und allseitiger geübt wird als innerhalb der Logen. Denn in welcher andern Gesellschaft der zivilisierten Welt werden noch Nichtchristen oder Farbige oder Uneheliche (wie in England) oder Freidenker von der Aufnahme ausgeschlossen? Ja in dem freigesinnten Teile der nichtmaurerischen Welt ist die Humanität bereits eine so selbstverständliche Sache, daß ihrer kaum gedacht wird. Ja sogar ganz dieselben moralischen Lehren, welche die Maurer in Schule und Kirche, wie in nichtmaurerischen Büchern tausend und abertausendmal gehört und gelesen haben, -- ganz dieselben einfach menschlichen Regeln, Gebote und Vorschriften halten sie allen Ernstes in der ▭ für etwas ganz Neues, dem Freimaurerbunde Eigentümliches! Es wäre wirklich unglaublich, wenn es nicht erwiesenermaßen wahr wäre! Mit heiligem Ernste muß man zu hunderten von Malen wiederholen hören, die ▭ allein sei der heilige Boden, auf welchem sich Männer aller Religionen, Nationen und Stände treffen; man muß es sogar von solchen begeistert ausrufen hören, welche einzelne dieser Menschenklassen vom Bunde ausschließen, -- und die große Menge der Brr. denkt nicht daran, daß dasselbe in nichtmaurerischen Gesellschaften in noch viel weitherzigerm Maße der Fall ist!
Und aus diesem dünkelhaften Wahne stammt denn auch das unglückselige Not- und Hilfszeichen. Dasselbe kann und wird niemals einen andern Sinn haben, als daß man nur +Brrn.+ helfen müsse, anderen Menschen aber nicht. Derjenige, der auf das N. u. H. Z. hin helfend eingreift, würde also in demselben Falle nichts tun, d. h. unter Umständen den Betreffenden ruhig zu Grunde gehen lassen, wenn derselbe kein Maurer wäre! Soll das irgend etwas mit Humanität zu tun haben? Steht da der verächtlich behandelte „Profane“ der ohne Zeichen und Ausweis als Mensch hilft, nicht weit höher? Ein Br., der als Soldat den, der das Zeichen macht, schont, den Andern aber niederhaut, -- ein Br., der als Lootse ein Schiff mit der dem Zeichen gleichstehenden maurerischen +Notflagge+[6] (Z. u. W. auf blauem Grunde) rettet, das eines Nichtmaurers aber untergehen läßt, -- handelt er aus irgend welchen menschlichen Regungen, aus humanem Pflichtgefühl, und nicht vielmehr aus ungern und zögernd beobachtetem Logengehorsam?
Wir halten daher das N. u. H. Z. für eine ganz inhumane und daher, weil Humanität der Inhalt der freimaurerischen Form ist, auch unmaurerische Erfindung und befürworten die gänzliche Abschaffung dieser ohnehin veralteten und unpraktischen, vor allem aber die Humanität fälschenden und höhnenden Einrichtung.
Ist ein Br. in äußerer persönlicher Gefahr -- -- und nur diesen Zweck hat das N. und H. Zeichen -- so reicht bei sittlich zuverlässigen Menschen der Hilferuf vollkommen aus.
Wir haben nichts mehr beizufügen, als die Hoffnung, die Brr. möchten immer mehr erkennen, daß sie nicht besser sind als andere Menschen, daß niemand das Recht hat, andere als „profan“ zu verachten und daß wir Freimaurer höhere Pflichten und einen höhern Beruf haben, als längst breitgetretene und überall bekannte moralische Lehren immer noch breiter zu treten und zum Überdruß zu wiederholen und uns selbst zu betören, daß damit etwas Verdienstliches geschehe, ohne daß jedoch darin der mindeste Nutzen für irgend jemanden bewirkt wird!
[6] Diese hat indessen noch mehr Berechtigung, indem sie die Nähe von Brüdern anzeigt.
6. Die Zieraten.
Mit unsern Gunsten, sei’s mit unserm Willen, der schauen will, was wir verhüllen.
+Goethe Faust+ II.
~a~) Der Loge.
Unter „Zieraten“ verstehen verschiedene freimaurerische Quellenschriften ziemlich verschiedenes. Im allgemeinen kann angenommen werden, daß unter „Zieraten“ die Ausschmückungsgegenstände der Loge verstanden werden, während man unter „Kleinodien“ die von den einzelnen Brrn. getragenen Verzierungen (Dekorationen, Ornamente) zusammenfaßt. Wir bringen hier beides unter +einen+ Titel, erlauben uns aber, davon dasjenige auszunehmen, was nach unserer Ansicht besser in ein anderes Kapitel fällt, und das um so mehr, als der Name wie gesagt, ohnehin schwankend ist. Meistens ist das, was hier wegfällt, dasjenige, was nach unserer Auffassung eine höhere, ideale und historische Bedeutung hat.
Als Sammelplatz der Logenzieraten, wie auch der nachher zu behandelnden Werkzeuge und Sinnbilder, jedoch in einer nach den Lehrarten verschiedenartigen Anordnung und Zahl, ist der +Teppich+ (~Tapis~) zu betrachten. In den ersten Zeiten des Bundes wurde in Mitte der Loge, gewissermaßen als ihr verkleinertes Abbild, oder wie man sagte, als solches des Salomonischen Tempels, vor Beginn der Arbeit mit Kohle oder Kreide ein längliches Viereck auf den Boden gezeichnet und nach Beendigung der Arbeit wieder ausgewischt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann man, um diese mühsame Arbeit zu ersparen, an die Stelle des länglichen Vierecks einen ebenso geformten Teppich zu legen, den man nach den Teppichen der mosaischen Stiftshütte (2. Mos. 26) erklärte. Seit 1761 wurden auf den Teppich je nach dem Geschmacke oder der Lehrart Gegenstände der freimaurerischen Symbolik gemalt, an manchen Orten erst später; hier und da begnügte man sich statt des T. gemalter und zusammengefügter Bretter. Der T. wird auch Lehrlingstafel genannt, weil den Lehrlingen die auf ihm angebrachten Zeichnungen als Sinnbilder von Tugenden und religiösen Ideen erklärt werden.
Das verhältnismäßig junge Alter des T. hat gelehrte Brr., trotz der Verschiedenheit seiner Darstellungen, nicht verhindert, aus diesen tiefe Geheimnisse einer alten Religionslehre herauszulesen. Weil es den Gründern des Bundes, welche insgesamt orthodoxe Christen, und zwar nach englischer Art mit besonderer Vorliebe für das Alte Testament waren, gefiel, den Teppich als Bild des Tempels Salomos zu betrachten, sollte er nach früher allgemein herrschender Ansicht auch aus diesem Bauwerke stammen. Damit aber waren die Brr. M. S. Polak in Amsterdam und ~Dr.~ Joh. Leutbecher (1801-1878) in Erlangen noch lange nicht zufrieden. Diese Brr. gehen von den Geheimnissen (Mysterien) einer Urreligion aus, die sich in Indien durch in patriarchalischen Anstalten erzogene Führer ausbildete und von dort aus durch Kolonien nach allen Himmelsgegenden verbreitet wurde, wo dann überall solche Anstalten entstanden, die den Logen ähnlich waren. So kamen sie über Persien und Syrien nach Griechenland und Westeuropa, ja sogar nach Amerika vor dessen Entdeckung, wie auch nach Ägypten und Palästina. Die Fabeln, die in den Schriften der ersten Freimaurer figurieren, werden für bare Münze gehalten und kommen den Teppicherklärern wohl zu statten. So pflanzte sich nach dieser Lehre das, was heute Freimaurerei ist, unter verschiedenen Formen von einer geheimen Gesellschaft auf die andere fort und ist in den heutigen Logengebräuchen ungeachtet mancher Änderungen noch vorhanden. So sieht z. B. Polak den Ursprung der 3 freimaurerischen Reisen in den Reisen Abrahams, Jakobs und Josephs nach Ägypten, wo die Hebräer am rohen Steine gearbeitet und nach Begehung der Wasser-, Feuer- und Gewitterprobe durch Moses die Weihe erhalten haben sollen. An dieser Probe von Konfusion möge es genügen.
Am westlichen Rande des T. befindet sich als Zierrat das sog. +musivische+ (d. h. aus Mosaik bestehende, fälschlich mosaische) +Pflaster+, das den Vorhof im Tempel Salomos (1. Kön. 6,36) vorstellen und an den Reichtum und die Mannigfaltigkeit der göttlichen Gaben, aber auch an die Wandelbarkeit des menschlichen Glücks erinnern und uns mahnen soll, im Glück demütig und im Unglück stark, allzeit aber hilfreich zu sein gegenüber der Not unserer Brüder.
Das den Osten, Norden und Süden des T. umziehende ineinander geschlungene und mit Fransen gezierte +Seil+ (das an die den Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel Salomos dienende Schnur abbilden soll) hat die Bestimmung, alle Brr. zur Ehre Gottes, zur Ausübung der Tugend und zur Wohlfahrt des Menschengeschlechts zu vereinigen und zusammenzuhalten.
Die gezackte +Einfassung+ des T. gilt als Symbol einerseits des die im T. dargestellte Erde umflutenden Weltmeers, anderseits der mannigfaltigen Annehmlichkeiten des Lebens und der im Jenseits zu erhoffenden.
Die +Troddeln+ in den Ecken des T. sollen die vier Haupttugenden der Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Standhaftigkeit und Klugheit bedeuten.
Die nur in England auf dem T. abgebildete +Jakobsleiter+ gilt als Sinnbild des Weges zum Himmel. Sie erscheint dort mit 3 Sprossen, während sie nach der Legende vom Traume des flüchtigen Betrügers Jakob, da auf ihr die Engel auf- und abstiegen, deren unzählige haben müßte. An diesen Traum schließt sich der Vertrag Gottes mit Jakob, dem unverdienterweise die noch heute nicht erlangte Weltherrschaft seines Volkes verheißen worden wäre, sofern er (wenn er sich besserte!) die Gebote Gottes getreu erfüllte. Nach dem englischen Ritual ruht die Leiter auf der Bibel, um den Lehrling zu erinnern, daß er nur mit Hilfe der Bibel den Weg zum Himmel finden werde! Die drei Sprossen sollen Glauben, Liebe, Hoffnung bedeuten. Der geistliche Schriftsteller Honorius (um 1100) nahm zehn Stufen (Städte, wie er sie nannte) auf der Himmelsleiter an, die er nach soviel „freien Künsten“ benannte: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie, Physik, Mechanik und Ökonomik (vergl. oben S. 22 die 7 fr. K. u. S. 8 die Ansicht des Celsus vom Mithrasdienste).
Wie im 1. Gr. die Jakobsleiter, so nimmt das engl. System im 2. Gr. die +Wendeltreppe+ aus dem Tempel Salomos (1. Kön. 6,8) als Weg zu Höherem, hier zur Erforschung der Geheimnisse der Wissenschaft an und gibt ihr 3 Stufen (Geburt, Unwissenheit und Lehre) oder 5 (die Ordnungen der Baukunst) oder 7 (nach den Planeten, den Tagen der Woche, den Jahren des Tempelbaues u. s. w.). Die Gesamtheit dieser Stufenzahlen (15) hat ebenfalls sinnbildliche Bedeutung, indem sie bei den in ein Quadrat gestellten 9 Ziffern in jeder Richtung als Summe herauskommt.
+---+---+---+ | 8 | 1 | 6 | +---+---+---+ | 3 | 5 | 7 | +---+---+---+ | 4 | 9 | 2 | +---+---+---+
Zu den Zieraten der Loge zählen wir auch deren +Abzeichen+. Als +Farben+ der Freimaurerei (in den 3 alten Graden) sind blau (Treue) und weiß (Unschuld) anerkannt. Es kommen auch Farben einzelner Grade und Logen vor, sowie die 4 Farben der Stiftshütte, welche die 4 Elemente bedeuten (weiß die Erde, purpur das Wasser, blau die Luft und scharlach das Feuer). In den Hochgraden spielen noch mehr Farben eine Rolle. Auch freimaurerische +Banner+ oder Fahnen gibt es bei den in Amerika üblichen öffentlichen Aufzügen, in den Hochgraden, in französischen Logen u. s. w., in Deutschland bei Festlichkeiten am Logenhause (blau mit Zirkel und Winkelmaß). +Wappen+ und +Siegel+ haben wohl alle Logen mit einem Sinnbilde oder einer den Namen der Bauhütte ausdrückenden Figur.
~b~) Der Brüder.
Was die Logenmitglieder außer ihrem gewöhnlichen Anzuge während der Arbeit tragen, wird meist schlechtweg die maurerische Bekleidung genannt. Wenn Schauberg aus diesem Ausdrucke schließt, daß der +Schurz+, der den wichtigsten und ältesten Teil der maurerischen Bekleidung bildet, ursprünglich die einzige Bekleidung der Menschen gewesen, so ist die Schlußfolgerung überflüssig; man braucht nur die Leute vom Volke auf ägyptischen oder babylonischen Wandbildern (sogar die Könige des Nillandes) und die heutigen Eingeborenen der meisten tropischen Länder anzusehen, um davon überzeugt zu sein. Der Maurerschurz, der seit 1723 bezeugt ist, also wohl schon seit Gründung des Bundes (1717) gebräuchlich war, stammt einfach von den Steinmetzen und ist daher an sich schon ein Nachweis vom wahren Ursprunge der Freimaurerei. Daß er sauberer ist, als jener der Handwerker, hat seinen einfachen Grund im Mangel an rauher Arbeit bei seinem Tragen. Seine weiße Farbe und sein Stoff (Lammfell) bedeuten die Unschuld, mit welcher der Mensch ins Leben tritt (was ja die Aufnahme versinnbildlicht), und die mit den Graden an Umfang zunehmende blaue Verzierung die zunehmende Treue gegen den Bund und seine Grundsätze. Dem pomphaften Wesen der Hochgrade entspricht es, daß diese die Schurze zu einer Art maurerischer Bildergalerie machen.
An manchen Orten gehört auch, oder gehörte früher, aber in den ersten Zeiten des Bundes noch nicht, der aufgesetzte +Hut+ als Zeichen des freien Mannes, wird aber, weil oft lästig, immer mehr weggelassen. Ihn und den Schurz sogar bei der Tafelloge zu tragen, ist eine unnütze, die Heiterkeit störende Quälerei, die, wo sie noch besteht, abgeschafft werden sollte.
Zur maurerischen Bekleidung gehören ferner +Bänder+, in den alten Graden blaue, an denen die Beamtenabzeichen und die Logenzeichen (diese öfter im Knopfloch) getragen werden; besondere Auszeichnungen fügen Goldstickerei dazu. An Großlogenversammlungen tragen Schurzeinfassungen und Bänder oft die Landesfarbe (in der Schweiz rot und weiß).