Chapter 6 of 8 · 3885 words · ~19 min read

Part 6

Der große chinesische Philosoph +Kongfutse+ (genannt Confucius) 551-476 vor Chr., schon in seiner Jugend ein Wunder von Weisheit, zeichnete sich auch durch seine Bescheidenheit aus. Nachdem er den 50 Jahre älteren Weisen +Laotse+, der in seiner Einsamkeit ein Genügen fand, kennen gelernt, sagte er zu seinen Schülern. „Gedanken so hoch wie der Vogel in der Luft erreicht Laotse gleich dem Pfeile, solche so schnell wie der Hirsch holt er ein gleich dem Jagdhunde, solche so tief wie der Fisch im Meere bringt er gleich der Angel ans Licht.“ Und doch ist Laotse beinahe vergessen, und Kongfutse ist noch heute der gefeierte Lehrer seines Landes und der geistige Führer aller Gebildeten, und seine Nachkommen genießen besondere Vorrechte. Seine Moral ist im wesentlichen auch die des echten Christentums und die der Freimaurerei.

Der Indier +Siddhartha+, ein Sohn edelsten Geschlechts (um 560-480 vor Chr.) verließ infolge einer Erleuchtung über die Nichtigkeit des menschlichen Treibens, nach der Sitte der Weisen seines Volkes (allerdings nicht nach heutigem Geschmacke) die Pracht seines Vaterhauses und lehrte, durch den Beinamen +Buddha+ (der Erwachte) ausgezeichnet, als Bettelmönch zahllose Schüler das Geheimnis von der Entstehung und Überwindung des Leidens, neben einer hohen sittlichen Veredlung, und seine Lehre eroberte weitgedehnte Länder Asiens. Obschon sie zeitweise tief entartete und an Boden verlor, ja ihre alte Heimat einbüßte, schwang sie sich in neuester Zeit empor und sucht sogar in Europa und Amerika dem Christentum Wettbewerb zu machen.

Der Athener +Sokrates+ (469-399 vor Chr.) verachtete allen Reichtum und alle Ehrenstellen, um als wandernder Lehrer das Volk und die Jugend über die Erfordernisse eines menschenwürdigen Lebens aufzuklären und besiegelte sein hohes Streben durch den Gifttod, dem ihn sein von Demagogen verblendetes Volk überlieferte. Durch seinen Schüler, den göttlichen +Platon+ und dessen Schüler, den vielseitigen +Aristoteles+ hat er auf Jahrtausende hinaus veredelnd gewirkt.

Für das heutige Europa und seine Kolonien sind diese Meister, so groß sie für ihre Zeit und ihre Völker waren, in den Schatten gestellt durch einen weit größeren, vor dem wir indessen seinen für unsern Bund eine besondere Bedeutung besitzenden Vorläufer nennen müssen.

+Johannes+ der Täufer, der als Schutzheiliger der Steinmetzen von Südengland, wo die Freimaurerei entstand, unseren Logen ihren Namen gab, verzichtete, obschon von priesterlichem Geschlechte, auf alle Annehmlichkeiten des Lebens, ähnlich wie Buddha und Sokrates, und lehrte (29-31 uns. Zeitrechn.), arm gekleidet und sich ärmlich nährend, in der Wüste am Jordan, wohin ihm das Volk zuströmte, taufend und auf einen Höheren hinweisend, bis er aus Wahrheitsliebe unter dem Henkerbeile verblutete.

Jener Höhere war +Jesus+ von Nazareth, dessen unerreichte und unerreichbare sittliche Erhabenheit es uns überflüssig erscheinen lassen, diese Idealpersönlichkeit mit weiteren Worten zu besprechen oder sie gar gegen die Ketzer-, Hexen- und Judenmörder zu verteidigen, die das Andenken dieses einzigen Menschen durch ihre angebliche Anhängerschaft schändeten und deren Nachkommen ihn durch erheucheltes Plappern, hohlen Prunk und politische Umtriebe zu ehren sich einbilden.

Was sollen wir noch von weiteren verdienstvollen Männern sagen, die dem M. v. St. und allen Meistern, ja allen Brüdern zum Vorbilde dienen können, von Männern, die ihre Überzeugungstreue mit dem Feuertode besiegelten, den unwürdige und unwissende Anhänger des Urbildes der Milde und Güte über sie verhängten (wie Arnold von Brescia, Hus, Savonarola, Giordano Bruno und andere) oder unter Mühen und Leiden sich der Belehrung des Volkes widmeten (wie Comenius, der Vorläufer unseres Bundes) oder sich in Sturm und Kampf und teilweise Not als geistige Helden bewährten (wie Luther, Zwingli, Kepler, Spinoza, Rousseau) oder an der Spitze von Völkern für Freiheit kämpften (wie Wilhelm von Oranien, Franklin, Washington) oder gar auf dem Throne für Aufklärung und Menschenliebe glühten (wie Friedrich der Große und Josef II., denen wir noch unsere verewigten Brüder, die Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. anreihen dürfen), oder in geistiger Arbeit Lehrer der Menschheit wurden (wie Milton, Newton, Kant, Lessing, Goethe, Schiller, die Brüder Humboldt, Helmholtz, Mommsen u. s. w.)? Die Weltgeschichte antwortet hierauf.

Der Meister-Katechismus fragt in Nummer 12: „Wodurch soll sich ein Meister von den Gesellen und Lehrlingen unterscheiden?“ und antwortet: „Durch die genaueste Erfüllung seiner Pflichten, wodurch er nicht nur die Liebe seiner Brr., sondern auch die Hochachtung der Welt sich erwirbt.“

Die Meister haben in einigen Lehrarten noch besondere Sinnbilder, die auf Sündhaftigkeit in Gefahren und auf Unerschütterlichkeit in der Überzeugung hindeuten, so z. B. ein +Schiff+ ohne Mast und Segel, das sich aber trotzdem aufrecht erhält, einen +Schlüssel+ von Elfenbein, der die Gerechtigkeit bedeuten soll, ein +Denkmal+, auf dem ein Buch liegt und das eine schwebende Jungfrau mit einem Akazienzweige schmückt, was auf die Vergänglichkeit der menschlichen Dinge hinweist und durch das das Schicksal bedeutende Buch die Hoffnung auf Unsterblichkeit nährt. Auch die Gesellen und Lehrlinge sind berufen, Meister zu werden und das von diesen Gesagte zur Tat zu gestalten.

10. Die Gestirne.

Wölbt sich der Himmel nicht da droben? Liegt die Erde nicht hier unten fest? Und steigen, freundlich blickend Ewige Sterne nicht herauf?

~a~) Die Erde.

Die obigen Worte, die Br. Goethe seinen Faust zu Gretchen sagen läßt, drücken eine längst vergangene Weltanschauung aus, die aber heute noch, durch die Bibel aufrecht erhalten, den Grundzug der herrschenden Religionen bildet. Denn alle Dogmen, namentlich aber die der christlichen Bekenntnisse, beruhen auf der Ansicht, daß Gott den Planeten Erde vor allen übrigen Weltkörpern bevorzuge, ja man darf sagen, seinen Bewohnern beinahe allein seine Fürsorge widme. Nach dieser Auffassung, auf der allein das Dogma der Dreieinigkeit beruht, ist die Erde die +Welt+, was auch die noch heute vorwiegenden Ausdrücke „Weltteile“, „Weltbürgertum“ und „Weltgeschichte“ zeigen und wovon sogar der Name einer so modernen Einrichtung wie der des Weltpostvereins zeugt, der doch keine Sendungen nach anderen Weltkörpern übernimmt. Und das trotzdem, daß die Ansicht von der Stellung der Erde im Weltall so riesenhafte Umgestaltungen durchbracht hat, wie folgende Übersicht zeigt.

1. Zeitraum, von Moses bis Ptolemäus (um 140 uns. Zeitrechn.): die den Alten bekannte Erde ist eine +Scheibe+ (worauf sie ruhe ist unbekannt), die der Ocean umgibt und über der sich der Himmel wie eine Glasglocke wölbt, an dem die Sterne befestigt sind, während die 7 Planeten (Sonne Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) sich um eine Erhöhung im Norden bewegen.

2. Zeitraum, von Ptolemäus bis Kopernikus (geb. 1473 gest. 1543): die Erde ist eine +Kugel+ (was indessen schon Pythagoras und die auf ihn folgenden griechischen Philosophen wußten), um welche die 7 Planeten und der ganze gestirnte Himmel sich im Kreise bewegen.

3. Zeitraum, seit Kopernikus: die Erde ist ein +Planet+, der zwischen Venus und Mars, gleich den übrigen Planeten um die Sonne kreist, nur der Mond allein um die Erde. Ohne Einfluß auf die Erde ist die seit Kepler allmählich weitergehende Auffassung, daß unser Sonnensystem nicht im Mittelpunkte des Weltalls schwebt, sondern nur eines unter unzähligen ist; alle Sterne außer den Planeten und Kometen sind Sonnen, die ihre Planetensysteme haben können und sich fortwährend im Weltraume bewegen, in vorläufig noch unbekannten Bahnen.

So ist denn die alte Entgegensetzung von „Himmel und Erde“, auf der die Weltanschauung des ersten Kapitels der Bibel beruhte, längst aufgegeben. Die Erde ist nur noch ein Pünktchen im unendlichen Weltall, das auch als Himmel bezeichnet wird, und von dessen entferntesten bekannten Punkten sogar das blitzschnelle Licht, das in einer Sekunde dreihunderttausend Kilometer zurücklegt, vieler tausend Jahre bedarf, um auf der Erde sichtbar zu werden.

Und doch ist unsere liebe Erde im Vergleiche zu den auf ihr lebenden Geschöpfen ein ungeheurer Körper, dessen Umfang 5395 geogr. Meilen (zu 7420,4 Meter), dessen Durchmesser 12741 Kilometer, und dessen Oberfläche rund 510 Millionen Quadratkilometer beträgt.

In der Freimaurerei gilt die Loge als ein kleines Bild der Erde, auf das zu beiden Seiten des Altars +Sonne+ und +Mond+ freundlich leuchtend herabblicken. Die Heimat der Freimaurerei aber ist die gesamte +Oberfläche der Erde+, die alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens, der Rasse und des Standes wie eine Familie verbindet. An der Tafelloge wird aller Brüder auf der ganzen Oberfläche der Erde gedacht, und Fragestück 23 des Lehrlings-Katechismus sagt auch, die Loge reiche von der Oberfläche bis zum Mittelpunkte der Erde.

Auf den beiden Säulen der Abendseite ruhen als Knäufe in vielen, besonders englischen Logen auf der einen ein +Himmels-+ und auf der andern ein +Erdglobus+, oder sie werden wenigstens so benannt, um die Brüder beständig an die weltbürgerliche Eigenschaft des Bundes zu mahnen.

Bildet der Freimaurer-Bund auch keine einheitliche Gesellschaft, hat er auch keine gemeinsame Behörde, wissen auch vielfach oder meistens die Brüder eines Landes nichts von den freimaurerischen Einrichtungen entfernter Gegenden, ja anerkennen sogar manche Bundesbehörden andere solche gar nicht, so besteht doch über die ganze Erde eine Gemeinschaft der Brüder durch die Erkennungszeichen, sowie durch gemeinsame brüderliche Gesinnung und durch freundliche Aufnahme fremder und reisender Brr., die sich als rechtmäßige Logenmitglieder ausweisen. Und so wird es auch bleiben!

Die Erde kann als Sinnbild gelten: der +Schönheit+, die wir nur auf +ihr+ kennen, der (oben S. 71 abgegrenzten) +Vergangenheit+, die außer ihr von keinem andern Weltkörper näheres wußte, und des +Lehrlings+, der erst zum Lichte zugelassen ist, ohne es noch recht erfaßt zu haben. Lehrlinge waren aber in den älteren Zeiten die gescheitesten Leute in ihrem Wissen noch immer.

~b~) Der Mond.

Wenn wir einfach vom kleinern und abhängigern zum größern und unabhängigen Gestirn vorschreiten wollten, müßten wir eigentlich den Mond voransetzen und ihm die Erde, wie dieser die Sonne folgen lassen. Da uns jedoch die Erde am nächsten liegt und diese für uns lichtlos ist, der Mond aber sowohl beleuchtet wird, als infolge dessen selbst leuchtet, mußte zwischen ihm und der Erde die richtigere Reihenfolge vertauscht werden. Für Bewohner des Mondes würde die Erde die Stelle einnehmen, die er bei uns einnimmt; nur erscheint sie dort weit größer.

Der Mond unserer Erde, vorzugsweise so genannt, obschon auch andere Planeten Monde (Trabanten oder Satelliten), aber meist kleinere besitzen, ist von der Erde, seiner Mutter, 60,27 Erdhalbmesser entfernt und umkreist sie in 27,32 Tagen. Da er dieses tut, während die Erde sich weiter um die Sonne bewegt, so beschreibt er seine Bahn in Spirallinien. Sein Durchmesser ist so groß wie die Länge und zugleich wie die Breite Europas und gleich drei Elfteln desjenigen der Erde. Steht der Mond zwischen Erde und Sonne, so ist er für uns unsichtbar, es ist Neumond; sind Erde und Sonne auf derselben Seite des Mondes, so ist er für uns vollbeleuchtet (Vollmond). Die Zwischenerscheinungen heißen: im Zunehmen der Lichtfläche erstes und im Abnehmen letztes Viertel. Diese Unbeständigkeit seines Anblicks lehrt uns, sein Licht besser zu schätzen, wenn es wieder erscheint, nachdem es uns ganz fehlte oder uns nur teilweise erfreute. Es ist ein Wechselspiel, dessen Mannigfaltigkeit einst die Grundlage der menschlichen Zeitrechnung bildete, die sich aber bei uns längst nach der Sonne richtet (nur die Mohammedaner hängen am Mondjahr, dessen Anfang in etwa 33 Jahren durch alle Jahreszeiten wandert). Der Mondwechsel ist daher für uns sehr belehrend und übt auch seinen Einfluß, wie auf die Ebbe und Flut unserer Meere, so auf Dichten und Trachten der Menschen. Namentlich in der Dichtkunst spielt er eine große Rolle.

Der Mond ist seit mehr als Menschengedenken ein erstarrter Körper, was er einst nicht war. Er besitzt weder eine merkliche Atmosphäre, noch Wasser und daher auch keinen Pflanzenwuchs und beherbergt überhaupt kein lebendes Wesen. Infolge dieser Erstarrung kehrt er, weil er sich während seines Umlaufs nur einmal um seine Achse dreht, was früher nicht der Fall war (denn er drehte sich einst viel schneller um), was aber hier zu erklären nicht der Ort ist, der Erde stets +dieselbe Seite+ zu, während die andere für uns ewig unsichtbar sein wird. Obschon dies nicht beabsichtigt ist, können wir darin ein Sinnbild der Treue gegen seine Mutter, die Erde, erblicken, wie in der unsichtbaren Seite ein solches des Geheimnisses und der Verschwiegenheit. In ungezählten Millionen Jahren wird, so hat man berechnet, die Erde dasselbe Schicksal erleiden; die Erstarrung des Mondes belehrt uns also auch über die Vergänglichkeit alles Irdischen. Da der Mond 13-14 Tage Nacht hat, ist er auch in dieser Zeit ein ungemein kalter und bei dem ebenso langen Tage ein sehr heißer Körper, dessen Temperatur um 280 Grad schwankt, der uns daher die gleichmäßigen Wärmen der Erde um so kostbarer erscheinen läßt.

Für die Freimaurerei ist das milde Licht des Mondes ein wohltätiger Gegensatz zu dem verzehrenden und blendenden Lichte der Sonne.

Unter den Idealtugenden entspricht, wie der Erde die Schönheit, dem Monde die +Stärke+; denn die „Stärke des Maurers vollbringt, gleich der des Mondes, in nächtlicher geheimnisvoller Stille ihre segensvollen Werke; in stiller, geräuschloser Wirksamkeit findet die Freimaurerei ihre Freude und ihren Lohn.“ Unter den Graden ähnelt dem Monde der +Geselle+, der das geistige Licht vom Meister erhält und dem Lehrling weiter reicht. Unsere +Gegenwart+ gleicht dem Monde, weil die ungeheuere Mehrheit der Menschen noch blind ist für Kunst und Wissenschaft, daher kein Licht zu geben weiß und das der Sonne, d. h. des höheren Wissens, noch nicht versteht, was bisher nur einer geringen Minderheit erleuchteter Geister verliehen ist, so daß die Meisten noch Gesellen sind, ja auch viele, die sich schon Meister wähnen.

~c~) Die Sonne.

Die Mutter aller Planeten und ihrer Trabanten, die Erzeugerin und Ernährerin alles Lebens auf ihnen, das sie selbst nur von der Allmacht erhielt, ist ein so riesenhafter Weltkörper, daß in ihrem Innern, wenn es hohl wäre, nicht nur alle Planeten Platz hätten, sondern verschwinden würden, ja darin der Mond bequem um die Erde kreisen könnte. Die Sonne ist ein Licht, dem kein Auge ohne angemessene Bewaffnung Stand halten kann, ein brennendes Feuer, dem nichts widersteht, für uns eine Offenbarung über alle Offenbarungen und die dafür gehalten werden. Wohl gibt es im Weltall noch weit mächtigere Sonnen, wie Sirius und viele andere, die aber bei ihrer unfaßbaren Entfernung für uns nur Lichtpunkte sind.

Die Sonne war, so sehr dies von gewisser Seite bestritten wird, der älteste Gott der höherstehenden alten Völker, denen ihre Kraft männlich erschien, wie der sanfte Mond weiblich; Helios und seine Schwester und Gattin Selene waren das erste Götterpaar der Hellenen, dem erst später der abstrakte „Himmel“ und sein Donner (Zeus) übergeordnet wurden. Nur den in kälterem Klima lebenden Germanen galt das umgekehrte Verhältnis („Herr Mond und Frau Sonne“, dagegen +der+ Tag und +die+ Nacht). Helios mußte heiß kämpfen, bis er, lange genug ein Planet geschimpft, durch den Domherrn von Thorn sein Recht als Herrscher im Planetensystem eroberte, das aber noch lange brauchte, bis es allgemein anerkannt war. Herr des Jahres war er schon früher geworden; diese Krone konnte ihm von der Erde und dem Monde nicht mehr bestritten werden; denn schon lange war das Jahr seine Lebensgeschichte, die sich jährlich erneuert und auf das scheinbare Erlöschen die Wiedergeburt folgen läßt. Auf seinen heidnischen Geburtstag (25. Dez.), in dessen Zeit die Tage wieder wachsen, verlegten die Christen den unbekannten ihres Gottessohnes.

Die Entfernung zwischen der Sonne und ihrem von uns bewohnten Kinde, der Erde, beträgt zwanzig Millionen und hundertundzwanzigtausend geogr. Meilen oder 149 Millionen Kilometer, die Lichtwirkung dauert acht Minuten, die des Schalles 14 Jahre! Die für einen mittelschnellen Eisenbahnzug erforderliche Zeit würde für jene Strecke über zwei Jahrhunderte betragen. Der Durchmesser der Sonnenkugel ist 110 Erddurchmesser oder 1400000 Kilometer lang; ihr Körperinhalt übertrifft den der Erde um mehr als das Millionenfache. Die Hitze dieses glühenden Körpers, von dessen Glut ja unser Leben abhängt, wird verschieden angegeben; die Berechnungen drehen sich um etwa hunderttausend Grad! Ein fester Körper scheint die Sonne nicht zu sein, eher ein gasförmiger.

In der Freimaurerei ist die Sonne bisher als „kleines Licht“ bezeichnet worden. Man könnte es für Hohn halten, wenn man nicht wüßte, daß der Ausdruck von ehrlichen Leuten herrührt. Wenn auch nicht als das größte, darf sie doch als Sinnbild des +größten+ Lichtes, der +Gottheit+ betrachtet werden. In ihr kommt die +Weisheit+ zur höchsten Geltung. Sie ist eine unleugbare Offenbarung, gegenüber der das bisher für das erste „große Licht“ gehaltene Buch nicht aufkommen kann. Ein solches Werk wie die Sonne (und die Sonnen des Weltalls überhaupt) kann von den allerinspiriertesten Menschen nicht geschrieben werden. Es spricht Millionen Bände und bringt unermeßliches Leben an das Tageslicht. Es ist wirklich Zeit, in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen in der Logensprache einer naiven Zeit, die noch keine blasse Ahnung von dem hatte, was seither im Reiche der Geister geschaffen worden und in +Zukunft+ noch geschaffen werden kann. Die Sonne ist daher auch ein Bild einer erleuchtetern +Zukunft+, von der sogar die heutige Gegenwart nur in einer beschränkten Zahl auserlesener Geister einen kleinen Begriff hat. Es sind Geister, die (s. oben S. 97 ff.) die +wahren Meister+ sind und denen nachzustreben, statt auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, der höchste Ehrgeiz der freimaurerischen Meister werden sollte.

Man vergißt viel zu viel, daß es ohne die Sonne keine Erde, also auch keine Menschen, keine Kultur, keine Kunst, keine Wissenschaft, keine Religion, keine Bibel und keine Freimaurerei geben könnte. Und sie sollte ein „kleines Licht“ genannt werden dürfen und die Bibel ein großes? Warum? Weil sie mit Sinnen wahrnehmbar und nur zeitweise sichtbar ist? Ist etwa die Bibel nicht mit Sinnen wahrnehmbar, ist sie nicht großenteils dunkel? Selbst wenn man annähme, daß die Bibel von Gott geoffenbart sei, welcher Begriff übrigens sehr unklar und bestritten ist, so müssen wir fragen: Ist die Sonne nicht viel sicherer und unendlich viel früher von Gott geoffenbart, und erleuchtet sie nicht eine Welt von Planeten, während die Bibel nur Juden und Christen, soweit sie gläubig genug sind, erleuchtet? Und dennoch nennen wir die Sonne nicht das größte Licht, sondern nur +ein+ Licht, oder ein Sinnbild, ein Abzeichen des größten Lichtes, des a. B. d. W. Welche Auffassung ist wohl die höhere? --

Eine ebenfalls sehr naive freimaurerische Zusammenstellung, aber immer noch weit anmutender als die der gr. und kl. Lichter ist die des M. v. St. mit der Sonne, der beiden Aufseher mit dem Monde und der übrigen Brüder mit den Sternen. Es ist doch ein +poetisches+ Bild statt einer trockenen +dogmatischen+ Lehre. Man findet daher auch in Logen außer Sonne und Mond eine Darstellung des Sternenhimmels an der Decke. Damit geht doch die Freimaurerei in schöner Weise über das Alltägliche hinaus. Dahin gehört auch das Bild des +Siebengestirns+ (den Namen tragen die Plejaden und der große Bär) auf freimaurerischen Denkmünzen und Büchern unter dem Auge Gottes, als Hinweisung auf die Ewigkeit und die Hoffnungen der Menschen, die sich an sie knüpfen.

Übersicht:

Erde. Mond. Sonne. Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft. Schönheit. Stärke. Weisheit. Lehrlinge. Gesellen. Meister. ----------------------------------------- | im weitern und höhern Sinne.

11. Die Welträtsel.

Wer darf sagen: Ich glaub’ an Gott? Magst Priester oder Weise fragen, und ihre Antwort scheint nur Spott über den Frager zu sein.

+Goethe+, Faust I.

~a~) Der a. B. d. W.

„Weh! Wo ist Gott“ ruft klagend der junge Parsifal (Parzival) in Wolfram von Eschilbachs (Eschenbachs) unsterblicher, christlich frommer Heldendichtung. Ja, wo ist +Er+? Schnell ist die Antwort bereit: „+Überall+!“ Ganz richtig! Er ist überall. Aber war er es für die Menschen stets? Die Geschichte der Religion antwortet darauf (natürlich vom subjektiv-menschlichen Standpunkte) mit Nein. Es bedurfte einer langen, an Irrwegen und Straucheln reichen, überreichen Entwicklung des Gottesgedankens, bis der Mensch bei der Allgegenwart Gottes angelangt war.

Den Anfang einer Verehrung von Dingen außer sich machte der noch lallende Mensch mit dem noch heute bei den Naturvölkern nicht ausgestorbenen Fetischdienste (lat. ~facticius~, portug. ~feitiço~, Amulett, Talisman, Zauberding), d. h. der Anbetung eines Geistes wie einem Dinge. Heilige Steine und heilige Bäume, wir wissen nicht, ob zugleich oder nacheinander, waren die ersten Gegenstände dieser ursprünglichen Religion; wir finden ihre Spuren auf der ganzen Erde. Der schwarze Stein der Kaaba in Mekka ist den Mohammedaner noch jetzt heilig. Aus den Baumgeistern wurden bei den Griechen die reizenden Dryaden (Waldnymphen). Von den unbeweglichen Dingen schritt der Mensch zur Verehrung der Tiere. Im alten Ägypten blühte dieser so unwürdig erscheinende Dienst unter den zivilisierten Völkern wohl am längsten; aber schon neben ihm tauchen die sonst menschlich geformten Gottwesen mit Tierköpfen, endlich auch mit voller Menschengestalt auf. Aber auch, wo wir nur menschlich geformte Götter finden, wie bei den Griechen, verrät sich ihre frühere Tiergestalt noch in den Tieren, die ihnen beigesellt werden, so dem Zeus der Adler, der Aphrodite die Taube, dem Apollon der Wolf u. s. w., während untergeordnete mythische Wesen noch aus Tier und Mensch gemischt sind, wie die Kentauren, Harpyien, Nereiden u. s. w.

Daß die verehrten Wesen zur Menschengestalt gelangten, dazu hat wahrscheinlich das Auftreten bedeutender Menschen, „Übermenschen“ beigetragen, die Völkern Gutes taten wie Prometheus, der ihnen das Feuer brachte, oder sie von gefährlichen Tieren, Riesen, Ungeheuern und dergl. befreiten, wie Herakles (Herkules). Diese wurden später zu Heroen, Halbgöttern.

In weiten oder sehr verzweigten Ländern, wie Ägypten, Babylonien, Hellas hatte ursprünglich jeder Stamm, Ort oder Gau seinen eigenen Gott oder Halbgott. Dieser Henotheismus wurde durch Zusammenfassung der Gaue zu Staaten oder Bünden zum Polytheismus; die Götter wurden zur Vielgötterei versammelt.

Bei den +Israeliten+, die uns hier als Vorläufer des Christentums am meisten interessieren müssen, fällt die Stufe der Vielgötterei weg, weil ihre Stämme schon früh einen gemeinsamen Gott hatten, Jahve, (Jehova). Aber auch dieser Gott trug, wie die neuere Forschung zur Gewißheit erhoben hat, „alle entscheidendsten Merkmale des +Heilbringers+ an sich.“ So nennt Prof. Breysig in Berlin „eine Gestalt der Überlieferung, von der man menschen-, oder teils menschen-, teils tierhaftes Auftreten auf der Erde erzählt, der man schon während ihres irdischen Lebens übermenschliche Kräfte beimißt und die zumeist nach ihrem Entschwinden in die Gestalt eines Geistes von sehr hohen Kräften übergeht.“ -- „Die Umschaffung der Erde ist eine der bezeichnendsten Eigenschaften des Heilbringers schon bei den Urvölkern.“ Die wahrscheinlich ältesten Bestandteile der hebräischen Überlieferung von Jahve feiern ihn als den siegreichen Drachentöter (so im zweiten Jesaias, ähnlich im 89. Psalm, sogar in dem später entstandenen Hiob).

Der Drache ist sonst überall die Nacht, die vom Sonnengotte überwunden wird, hier ist er das Urmeer, nach anderer Ansicht ein wirkliches Ungeheuer. Mag es der streng Gläubige nun gern hören oder nicht, -- Zeugnisse der Bibel selbst beweisen den Ursprung Jahves aus einer Naturgottheit,[13] in ältester Gestalt eines Sturm- und Windgottes (Jahve = er weht oder er vernichtet). Seine wichtigsten Taten, Schöpfung und Flut, haben ihr Vorbild im heidnischen Babylon und sind nur ethisch und monotheistisch umgearbeitet, wodurch sie eine höhere, edlere Auffassung erhielten. Die Erzählung genau betrachtet, erscheint die Schöpfung der Genesis keineswegs als eine Erschaffung aus Nichts. Beide Formen der Schöpfungssage (Genesis 1,1 ff. u. 2,4 ff.) wissen nichts vom Nichts. Die zweite Form ist ihrer ganzen Fassung nach die ältere, rein menschliche, die erste aber eine jüngere priesterliche Umarbeitung. Beide lassen durchblicken, daß die Erde (die damalige „Welt“) bereits in Gewalt einer trockenen Wüste (nach der älteren), einer Wasserwüste (nach der jüngeren Form) vorhanden war, daß also nur von einer Umformung die Rede sein kann. Ebenso verhält es sich mit dem Himmel, denn wo sonst sollte Jahves, des Ewigen Wohnung gewesen sein? Doch gewiß nicht im Nichts! Ähnlich sind die Schöpfungssagen vieler, selbst amerikanischer Völkerstämme.

Aber noch ein anderer Umstand ist zu beachten, der geeignet ist, die hergebrachte Anschauung stutzig zu machen. In mehreren Stellen des A. T. ist von Göttersöhnen die Rede, die bald mit Jahve den Himmel, (z. B. Psalm 89,6-8 und Hiob 1,6 u. 38,6 f.), bald neben den neugeschaffenen Menschen die Erde bewohnen, die Töchter der Menschen ehelichen und mit ihnen Kinder, die „Helden“, zeugen (Genesis 6,1 ff.). Ja sogar in der jüngeren Schöpfungssage (Gen. 1,26) spricht Gott von sich in der Mehrzahl, und sein Name (Elohim) hat eine Mehrzahlform. Er ist also ursprünglich nicht allein. Doch ist dies nicht eine Vielgötterei im Sinne zusammengebrachter Stammesgötter, sondern eine urzeitliche Vervielfältigung der einheitlichen Gottheit.