Chapter 11 of 18 · 5400 words · ~27 min read

ZWEITES KAPITEL.

AUSRÜSTUNG DER EXPEDITION.

Schwierigkeiten Nachrichten zu erhalten. -- Indienstnahme von J. W. Shaw und W. L. Farquhar. -- Mbarak Bombay. -- Besuch im Palast des Sultans. -- Einschiffung nach Bagamoyo. -- Charakteristik des Sultans.

Ich kannte das Innere durchaus nicht und es war daher schwer zu wissen, was ich brauchte, um eine Expedition nach Central-Afrika zu unternehmen. Auch war die Zeit kostbar und ich konnte nicht viel auf Erkundigung und Nachforschung verwenden. In einem solchen Falle wäre es, nach meiner Ansicht, ein grosses Glück gewesen, wenn einer der drei Herren, Kapitän Burton, Speke oder Grant, uns irgendeine Belehrung über diese Punkte gegeben hätte, wenn sie ein Kapitel darüber geschrieben hätten, wie man eine Expedition nach Central-Afrika auszurüsten habe. Der Zweck dieses Kapitels ist also mitzutheilen, wie ich es anfing, damit andere Reisende, die nach mir kommen, von meinen Erfahrungen Nutzen ziehen mögen.

Einige der Fragen, die ich mir vorlegte, wenn ich mich nachts im Bett herumwälzte, lauteten: wie viel Geld ist nöthig? wie viele Pagazis oder Lastträger? wie viele Soldaten? wie viel Tuch? wie viel Perlen? wie viel Draht? welche Sorten Zeug sind für die verschiedenen Stämme nöthig? -- Ich mochte mir diese Fragen noch so häufig stellen, so kam ich dem Punkt doch nicht näher, den ich zu erreichen wünschte. Ich beschrieb ganze Buch Papier mit Schätzungen, mit Verzeichnissen von Material, mit Berechnungen der Kosten für hundert Mann pro Jahr, à so und so viel Meter verschiedener Zeugsorten, ich studirte Burton, Speke und Grant umsonst; zwar konnte ich ein gut Theil Geographie, Ethnologie und dergleichen, was zum Studium Inner-Afrikas gehört, aus ihnen lernen, aber ich fand in keinem Buche etwas in Bezug auf die Ausrüstung einer Expedition, ehe man nach Afrika geht. Unwillig warf ich die Bücher von mir. Die Europäer in Zanzibar wussten so wenig als möglich hierüber. Es gab nicht einen Weissen in Zanzibar, der mir sagen konnte, wie viel Dotis per Tag eine Truppe von 100 Mann für ihren Unterhalt auf der Reise bedurfte. Auch brauchten sie das in der That gar nicht zu wissen. Aber was sollte ich denn anfangen? Das war eine grosse Frage.

Ich beschloss als das beste, einen arabischen Kaufmann aufzutreiben, der mit Elfenbein handelt oder der vor kurzem aus dem Innern angekommen war.

Scheikh Haschid war ein Mann von Bedeutung und Reichthum in Zanzibar. Er hatte selbst eine Anzahl Karavanen ins Innere gesandt und war infolgedessen mit verschiedenen hervorragenden Händlern bekannt, die in sein Haus kamen und sich mit ihm über ihre Abenteuer und Gewinne unterhielten. Auch war er der Besitzer des grossen Hauses, das Kapitän Webb bewohnte, und lebte selbst auf der andern Seite der engen Strasse, die sein Haus vom Consulate trennte. Scheikh Haschid war also vor allen andern der Mann, dessen Rath einzuholen war, und daher wurde er auch aufgefordert, mich im Consulat zu besuchen.

Von diesem graubärtigen, ehrwürdig aussehenden Scheikh habe ich über afrikanische Tauschwerthe, die Art mit ihnen umzugehen, die Menge und Qualität der Stoffe, die ich brauchte, mehr Auskunft erhalten, als aus einem dreimonatlichen Studium von Büchern über Central-Afrika. Auch von andern arabischen Kaufleuten, mit denen der alte Scheikh mich bekannt machte, erhielt ich sehr werthvolle Andeutungen und Winke, welche mich schliesslich in den Stand setzten, meine Expedition auszurüsten.

Der Leser darf nicht vergessen, dass ein Reisender nur das braucht, was für die Reise und Forschung nöthig ist, und dass ein Ueberfluss an Gütern oder Mitteln ihm ebenso verderblich wird wie der Mangel an Vorräthen. Gerade diese Frage der Qualität und Quantität ist es, welche der Reisende zuerst mit Vorsicht und Kritik klarstellen muss.

Meine Berather gaben mir zu verstehen, dass hundert Menschen mit 10 Doti oder 40 Meter Tuch täglich für ihre Nahrung auskommen; es war also das Richtige, 2000 Doti amerikanische Leinwand, 1000 Doti Kaniki und 650 Doti farbige Zeugsorten, wie z. B. Barsati, das in Unyamwezi beliebt ist, Sohari, das in Ugogo genommen wird, Ismahili, Taudschiri, Dschoho, Schasch, Rehani, Dschamdani oder Kunguru-Kutsch, blau sowol als rosa zu kaufen. Dies hielt man für völlig ausreichend für den Unterhalt von 100 Mann auf 12 Monate. Nach diesem Maassstabe würden also für zwei Jahre 4000 Doti, oder 16000 Meter amerikanische Leinwand, 2000 Doti oder 8000 Meter Kaniki, 1300 Doti oder 5200 Meter verschiedene farbige Zeuge nöthig sein. Dies war eine bestimmte und ausserordentlich werthvolle Kunde für mich und mit Ausnahme einiger Nachrichten über die Qualität der Leinwand, des Kaniki und der farbigen Zeuge hatte ich alles über diesen Punkt erfahren, was ich wünschte.

Die zweite wichtige Frage war: wie viele und welche Perlen nöthig wären. Perlen sollten unter einigen Stämmen des Innern die Stelle des Zeuges einnehmen. Der eine Stamm zieht weisse Perlen den schwarzen, braune den gelben, rothe den grünen, grüne den weissen u. s. w. vor. So nimmt man in Unyamwezi rothe Perlen (Sami-Sami) mit Freuden, während man alle andern nicht annimmt. Schwarze Perlen (Bubu) sind Geld in Ugogo, bei allen andern Stämmen aber nichts werth; die Eierperlen (Sungomazzi) gelten in Udschidschi und Uguhha, werden aber in allen andern Ländern nicht angenommen. Die weissen Perlen (Merikani) haben Geltung in Ufipa und einigen Theilen von Usagara und Ugogo, werden aber in Useguhha und Ukonongo nicht geachtet. Daher musste ich genau den Aufenthalt meiner Expedition in den verschiedenen Ländern erforschen und berechnen, damit ich genug von jeder Gattung hätte und doch einen zu grossen Ueberschuss vermiede. Burton und Speke z. B. mussten einige hundert Fundo Perlen als werthlos wegwerfen.

Nimmt man z. B. an, dass von den verschiedenen Völkern Europas jedes seine eigenen Geldwerthe hätte, ohne die Mittel zu besitzen, sie zu wechseln, und dass jemand Europa zu Fuss durchwandern wollte, so müsste er, ehe er die Reise anträte, im Stande sein zu berechnen, wie viel Tage er durch Frankreich zu reisen habe, wie viele durch Preussen, Oesterreich und Russland, und dann die Ausgabe, die er pro Tag zu machen hätte, feststellen. Wenn er seine Ausgaben auf einen Napoleondor pro Tag berechnete und seine Reise durch Frankreich 30 Tage in Anspruch nähme, so würde die Summe, die er für den Hin- und Rückweg brauchte, auf 60 Napoleons zu fixiren sein, und da Napoleons in Preussen, Oesterreich und Russland keinen Curs hätten, so würde es für ihn völlig unnütz sein, sich mit einer Ladung von mehreren tausend Napoleons in Gold zu beschweren.

Meine Besorgnisse über diesen Punkt waren sehr peinigend. Ich studirte die schweren Namen und Maasse wiederholt durch, lernte die vielsilbigen Worte auswendig und hoffte im Stande zu sein, allmählich zu einem Verständniss der Bezeichnungen zu gelangen. Ich wiederholte im Geiste die Worte Mukunguru, Ghulabio, Sungomazzi, Kadunduguru, Mutunda, Sami-Sami, Bubu, Merikani, Hafde, Lunghio-Rega und Lakhio beständig, bis ich ganz ausser mir gerieth. Endlich jedoch kam ich zu dem Schluss, dass, wenn ich meine Bedürfnisse zu 50 Khete oder 5 Fundo per Tag auf 2 Jahre berechnete und wenn ich nur 11 verschiedene Sorten kaufte, ich mich für geborgen halten konnte. Ich machte also meine Einkäufe und 22 Säcke der besten Arten wurden wohl verpackt in Kapitän Webb’s Wohnung gebracht, sodass sie nach Bagamoyo transportirt werden konnten.

Nach den Perlen kam die Drahtfrage. Ich machte nach bedeutender Mühe die Entdeckung, dass die Nummern 5 und 6, die fast die Dicke von Telegraphendraht haben, als die besten für Handelszwecke gelten. Perlen vertreten in Afrika die Kupfermünzen, Zeuge das Silber, Draht gilt als Gold in den Ländern jenseits des Tan-ga-ni-ka.[3] 10 Frasileh oder 350 Pfund Messingdraht hielt mein arabischer Rathgeber für völlig ausreichend.

Nachdem ich meine Einkäufe an Zeug, Perlen und Draht gemacht hatte, überblickte ich mit nicht geringem Stolz die stattlichen Ballen und Packete, welche reihenweis in dem geräumigen Vorrathszimmer des Kapitän Webb aufgehäuft lagen. Damit war aber meine Arbeit nicht zu Ende, sondern fing erst an. Noch waren Provisionen, Kochgeräthe, Boote, Seile, Bindfaden, Zelte, Esel, Sattel, Packleinwand, Segeltuch, Theer, Nähnadeln, Handwerkzeug, Munition, Flinten, Reisegeräth, Beile, Arzneimittel, Bettzeug, Geschenke für Häuptlinge, kurz tausenderlei einzukaufen. Die Feuerprobe, die ich beim Schachern und Feilschen mit hartherzigen Banyanen, Hindus, Arabern und Mischlingen auszustehen hatte, war sehr angreifend. Ich kaufte z. B. 22 Esel in Zanzibar, wofür mir 40-50 Dollars abgefordert wurden, was ich mit einem ungeheuern Aufwand an Argumenten, die einer bessern Sache werth waren, auf 15-20 herabdrücken musste. Meine Erfahrungen mit den Eselhändlern wiederholten sich bei den Kleinkrämern, selbst der Preis eines Packets Stecknadeln musste um 5% herunter gehandelt werden, was natürlich sehr viel Zeit und Geduld erforderte.

Nachdem ich die Esel zusammengebracht hatte, entdeckte ich, dass man in Zanzibar keine Packsattel haben könne. Nun waren aber die Esel ohne Packsattel für mich ganz nutzlos. Ich erfand also einen Sattel, den ich und mein weisser Diener Farquhar einzig und allein aus Segeltuch, Stricken und Baumwolle fabriciren mussten. Drei bis vier Frasileh Baumwolle und 10 Stück Segeltuch waren für die Sattel nöthig. Ich selbst machte einen Mustersattel zur Probe, darauf wurde ein Esel gesattelt und ihm eine Last von 140 Pfund aufgepackt, und obgleich das Thier, eine wilde Bestie aus Unyamwezi, sich bäumte und wüthend geberdete, so blieb doch die ganze Last fest sitzen. Nach diesem Experiment liess ich Farquhar noch 21 Sattel nach demselben Muster fabriciren. Auch wurden wollene Polster angekauft, um die Thiere vor dem Wundwerden zu schützen, doch muss ich hier wol erwähnen, dass die Idee zu dem Sattel, den ich fertigte, von dem Otagosattel hergenommen ist, den die englische Armee zu ihren Transporten in Abessinien benutzt hat.

John William Shaw, ein geborener Londoner, der bisher dritter Steuermann auf dem amerikanischen Schiffe „Nevada“ gewesen war, wandte sich an mich, um Beschäftigung zu erlangen. Obgleich seine Entlassung von der „Nevada“ etwas verdächtig war, besass er doch alle die Eigenschaften eines Menschen, wie ich ihn brauchte, war vertraut mit der Nadel und verstand aus Segeltuch alles zu machen, war ein vorzüglicher Schiffer und willig, soweit seine Kunst reichte. Ich sah keinen Grund, seine Dienste abzuweisen und nahm ihn daher für ein Jahresgehalt von 300 Dollars als zweiten im Range nach William L. Farquhar an.

Farquhar war ein ausgezeichneter Schiffer und vorzüglicher Rechner; er war kräftig, energisch und gescheit, aber leider ein starker Trinker. Während unseres Aufenthalts in Zanzibar war er jeden Tag benebelt und das wüste, lasterhafte Leben, das er hier führte, wurde ihm, wie wir sehen werden, bald nachdem wir ins Innere kamen, verderblich.

Meine nächste Aufgabe bestand darin, eine zuverlässige Escorte von 20 Mann für die Reise anzuwerben und mit Waffen und andern Dingen auszurüsten. Dschohari, der erste Dragoman des amerikanischen Consulats, sagte mir, er wisse, wo man einige von Speke’s „Getreuen“ auffinden könne. Es war mir schon vorher klar geworden, dass es am besten sein würde, wenn es mir gelänge, einige mit den Sitten der Weissen vertraute Leute in Dienst zu nehmen, welche andere veranlassen könnten, sich der Expedition anzuschliessen. Besonders hatte ich dabei an den Sidy Mbarak Mombay, gewöhnlich Bombay genannt, gedacht, der trotz seines „Holzkopfes“ und seiner „plumpen Hände“ für den „Getreusten der Getreuen“ galt.

Mit Hülfe des Dragomans Dschohari nahm ich in Zeit von ein paar Stunden Uledi, Kapitän Grant’s frühern Bedienten, Ulimengo, Baruti, Ambari, Mabruki (Muinyi Mabruki, der stierköpfige Mabruki, Kapitän Burton’s frühern unglücklichen Diener), also fünf von Speke’s „Getreuen“ in meine Dienste. Als ich sie fragte, ob sie bereit wären, abermals an der Expedition eines Weissen nach Udschidschi theilzunehmen, erwiderten sie bereitwilligst, dass sie sehr gern mit einem Bruder von Speke reisen wollten. Der englische Consul Dr. John Kirk, der zugegen war, sagte ihnen darauf, dass ich kein Bruder von Speke sei, sondern nur seine Sprache rede; aber auf diese Unterscheidung legten sie keinen Werth und ich hörte, wie sie mit grosser Freude ihre Bereitwilligkeit erklärten, überall mit mir hinzugehen und alles zu thun, was ich wünschte.

Mombay, wie sie ihn nannten, oder Bombay, unter welchem Namen wir Wasungu ihn kennen, war nach Pemba, einer Insel im Norden von Zanzibar, gegangen. Uledi aber war der bestimmten Ueberzeugung, dass Mombay bei der Aussicht auf eine neue Expedition vor Freuden Luftsprünge machen würde. Dschohari erhielt daher den Auftrag, ihm nach Pemba zu schreiben und ihn von dem ihm bevorstehenden Glück zu benachrichtigen.

Am 4. Morgen nach Abgang des Briefes erschien der berühmte Bombay, dem die „Getreuen“ von Speke ihrem Range gemäss folgten. Vergeblich sah ich nach dem Holzkopf und den Alligatorzähnen, von denen sein früherer Herr gesprochen hatte. Ich sah einen schlanken, kurzen Mann von etwa 50 Jahren, mit grauem Kopf, ungewöhnlich hoher, enger Stirn und grossem Munde, der sehr unregelmässige, weit auseinanderstehende Zähne zeigte. Eine hässliche Lücke an der obern, vordern Zahnreihe Bombay’s war durch die geballte Faust vom Kapitän Speke in Uganda bewirkt, als ihm die Geduld riss und sofortige Bestrafung nöthig erschien. Kapitän Speke hatte ihn offenbar durch Güte verwöhnt, was aus der Thatsache hervorgeht, dass Bombay die Frechheit hatte, ihn zu einem Boxerkampf aufzufordern. Aber das fand ich erst einige Monate später heraus, als ich selbst genöthigt war, ihn gründlich zu bestrafen. Bei seiner ersten Erscheinung war ich von Bombay, trotz seines rauhen Gesichts, seines grossen Mundes, seiner kleinen Augen und seiner platten Nase, sehr eingenommen.

„Salaam aleikum!“ waren die Worte, mit denen er mich begrüsste.

„Aleikum salaam!“ antwortete ich mit allem Ernst, den ich aufbieten konnte. Dann benachrichtigte ich ihn, dass ich ihn zum Hauptmann meiner nach Udschidschi gehenden Soldaten zu haben wünsche. Seine Antwort lautete, er sei bereit, allen meinen Befehlen nachzukommen, überall hinzugehen, wo ich ihn hinschicke, kurz ein Muster von einem Diener und ein gutes Beispiel für die Soldaten abzugeben. Er hoffe, ich werde ihn mit einer Uniform und einem guten Gewehr versehen, was ich ihm beides versprach. Als ich mich nach den übrigen „Getreuen“, welche Speke nach Aegypten begleitet hatten, erkundigte, sagte man mir, dass ihrer nur sechs in Zanzibar wären. Ferradschi, Maktub, Sadik, Sunguru, Manyu, Matadschari, Mkata und Almas wären todt, Uledi und Mtamani in Unyanyembé, Hassan sei nach Kilwa gegangen und Ferahan wäre wahrscheinlich in Udschidschi.

Von den sechs „Getreuen“, von welchen ein jeder noch seine Medaille für die Entdeckung der Nilquellen besass, war einem, dem armen Mabruki, ein grosses Misgeschick widerfahren, von dem ich fürchtete, dass es ihn unfähig machen würde, nützlich und thätig zu sein.

Mabruki, der Stierköpfige, besass nämlich ein Schamba (Haus mit Garten), auf das er sehr stolz war. Dicht neben ihm wohnte ein Nachbar in ähnlichen Verhältnissen, ein Soldat von Seyd Madschid, mit dem der zanksüchtige Mabruki einen Zwist hatte, der damit endete, dass der Soldat zwei bis drei Kameraden dazu veranlasste, ihm bei der Bestrafung des bösartigen Mabruki behülflich zu sein; und dies wurde in einer Weise ausgeführt, die nur von einem Afrikanergemüth ersonnen werden kann. Sie banden den unglücklichen Kerl an den Handgelenken an einen Baum und nachdem sie ihre Rachgier dadurch befriedigt hatten, dass sie ihn marterten, liessen sie ihn in solcher Stellung zwei Tage hängen. Am Ende des zweiten Tages wurde er zufälligerweise in einem höchst jammervollen Zustande aufgefunden; seine Hände waren zu einer furchtbaren Grösse angeschwollen und da die Vene der einen geplatzt waren, so konnte er sie nicht mehr brauchen. Es versteht sich von selbst, dass, als die Sache zu Seyd Madschid’s Ohren kam, die Uebelthäter schwer bestraft wurden. Dem Dr. Kirk, der den armen Kerl in Behandlung nahm, gelang es, die eine Hand einigermassen wiederherzustellen, sodass sie so ziemlich ihre alte Gestalt wiedergewann, aber die andere ist arg verstümmelt und völlig unbrauchbar.

Trotz seiner verkrüppelten Hand, seiner Hässlichkeit und Eitelkeit und trotz des schlechten Zeugnisses, das Burton ihm ausstellte, nahm ich Mabruki in meine Dienste, weil er einer von Speke’s Getreuen gewesen war; denn wenn er auch nur seine Zunge in meinen Diensten in Bewegung setzte, die Augen offen hatte und den Mund zur richtigen Zeit öffnete, so war ich überzeugt, dass er mir nützlich sein könne.

Bombay, meinem Escortanführer, gelang es, noch 18 freie Männer als Askari (Soldaten) anzunehmen, Leute, von denen er wusste, dass sie nicht desertiren würden und für die er sich verantwortlich erklärte. Es waren lauter sehr stattliche Burschen und weit intelligenter in ihrem Aussehen, als ich jemals von afrikanischen Barbaren hätte glauben mögen. Sie stammten hauptsächlich aus Uhiyau, einige aus Unyamwezi, andere aus Useguhha und Ugindo. Als Sold wurden einem jeden von ihnen 36 Dollars für das Jahr ausgesetzt, oder 3 Dollars für den Monat; jeder Soldat sollte eine Feuerschlossmuskete, Pulverhorn, Kugeltasche, Messer, Beil und hinreichend viel Pulver und Kugeln für 200 Schüsse erhalten. Bombay bekam, aus Rücksicht auf seinen Rang und seine frühern treuen Dienste gegen Burton, Speke und Grant, 80 Dollars pro Jahr, wovon er die halbe Summe im voraus erhielt, einen guten, gezogenen Vorderlader und ausserdem eine Pistole, ein Messer und ein Beil. Die andern fünf „Getreuen“, Ambari, Mabruki, Ulimengo, Baruti und Uledi, wurden zu 40 Dollars pro Jahr und mit der gehörigen Ausrüstung als Soldaten in Dienst genommen.

Da ich alle auf Ost- und Mittelafrika bezugnehmende Reisebeschreibungen ziemlich gründlich studirt hatte, so hatte ich einen einigermassen deutlichen Begriff von den Schwierigkeiten, die sich mir beim Aufsuchen von Dr. Livingstone entgegenstellen würden. Diese so weit zu vermeiden, als Menschenwitz es könnte, war das beständige Ziel meiner Gedanken.

„Soll ich mich, wenn ich von Udschidschi über die Wasser des Tanganika-Sees aufs andere Ufer blicke, auf der Schwelle des Erfolges durch die Unverschämtheit eines Königs Kannena oder die Launen eines Hamed bin Sulayyam aufhalten lassen?“ fragte ich mich. Um mich gegen solche Zufälligkeiten zu schützen, entschloss ich mich, meine eigenen Boote mitzunehmen. „Dann“, dachte ich, „kann ich, wenn ich höre, dass Livingstone auf dem Tanganika ist, meine Boote vom Stapel lassen und ihm folgen.“

Ich kaufte mir also vom amerikanischen Consul ein grosses Boot für 80 Dollars, das im Stande war, 20 Leute mit hinreichenden Vorräthen und Waaren für eine Seefahrt zu beherbergen, und ein kleineres von einem andern Amerikaner für 40 Dollars. Das letztere konnte bequem 6 Mann mit den dazu gehörigen Vorräthen aufnehmen.

Die Boote wollte ich aber nicht ganz mitführen, sondern die Breter herausnehmen und blos das Gerippe transportiren. Als Surrogat für die Breter wollte ich jedes Boot mit einem Ueberzug von wohlgetheertem doppelten Segeltuch versehen. Die Arbeit, die Boote auseinanderzunehmen und von den Bretern zu befreien, fiel mir zu und diese kleine Aufgabe beschäftigte mich ungefähr fünf Tage; auch packte ich sie für die Pagazis zusammen, sodass jede Last sorgfältig gewogen nicht mehr als 68 Pfund betrug.

John Shaw zeichnete sich in der Bearbeitung des Segeltuchs für die Boote aus; als die Ueberzüge fertig waren, passten sie genau zu den Gerippen. Das Segeltuch dazu -- und zwar 6 Stück englisches Hanfsegeltuch Nr. 3 -- wurde mir von Ludha Damdschi besorgt, der es sich aus dem Magazin des Sultans zu verschaffen wusste.

Ein unübersteigliches Hinderniss für das rasche Fortkommen in Afrika ist der Mangel an Lastträgern, und da Eile ein Hauptzweck der unter meinem Befehl stehenden Expedition war, so war es meine Pflicht, diese Schwierigkeiten soviel als möglich zu verringern. Lastträger konnte ich mir zwar erst bei meiner Ankunft in Bagamoyo auf dem Festlande verschaffen, doch hatte ich mehr als 20 gute Esel in Bereitschaft und glaubte, dass ein für die Ziegenpfade Afrikas eingerichteter Karren nützlich sein könnte. Daher liess ich einen Karren bauen, der 18 Zoll breit und 5 Fuss lang war, den ich mit zwei Vorderrädern eines leichten amerikanischen Wagens versah, hauptsächlich, um die schmalen Munitionskisten zu befördern. Ich meinte, wenn ein Esel eine Last von 4 Frasileh oder 140 Pfund nach Unyanyembé tragen könne, so müsse er im Stande sein, 8 Frasileh auf einem solchen Karren fortzuziehen, eine Last, die der Tragkraft von vier starken Pagazis oder Lastträgern gleichkommen würde. Die spätern Ereignisse werden beweisen, wie meine Theorie sich in der Praxis bewährte.

Nachdem ich meine Einkäufe vollendet hatte und alles reihenweise geschichtet aufgehäuft sah, hier Kochgeräthe, da Bündel von Stricken, Zelten, Satteln, dort wieder Koffer und Kisten, die alles Mögliche enthielten, gestehe ich, dass ich über meine eigene Kühnheit verlegen wurde. Da lagen wenigstens 6 Tonnen Material! „Wie wird es nur möglich sein“, dachte ich, „diese ganze träge Masse durch die zwischen dem Meere und den grossen Seen von Afrika befindliche Wildniss zu transportiren? Doch wirf nur alle deine Zweifel hinter dich, Mensch, und lass’ sie fahren! Jeder Tag hat genug an seinen eigenen Sorgen, ohne dass er noch die des nächsten hinzuzunehmen braucht.“

Der Reisende, der einen See in der Mitte jenes weiten afrikanischen Continents vor sich hat, muss natürlich in ganz anderer Weise reisen, als er es von andern Ländern her gewöhnt ist. Er muss das mit sich nehmen, was ein Schiff braucht, wenn es auf eine lange Reise ausgeht. Er muss sich eine Kiste mit Thee, einen kleinen Vorrath wohlverwahrter Leckerbissen, Arzneien, ausserdem Flinten, Pulver, Kugeln mitnehmen, um, wenn nöthig, auch verschiedene Kämpfe gehörig bestehen zu können. Er muss Leute haben, die ihm diese mannichfachen Gegenstände transportiren, und da das höchste, was ein einzelner Mann tragen kann, nur 70 Pfund ist, so braucht man, um 11,000 Pfund zu transportiren, gegen 160 Leute.

In Europa und im Orient, ja selbst in Arabien und Turkestan sind die Arten zu reisen im Vergleich mit denen von Afrika ganz ausgezeichnet. Ueberall nimmt man in jenen Ländern baares Geld, wodurch ein Reisender in den Stand gesetzt wird, seine Subsistenzmittel bei sich zu tragen. Ost- und Mittelafrika hingegen verlangt ein Halsband statt eines Cent, zwei Meter amerikanischer Leinwand statt eines halben Dollar oder Gulden und ein Kitinki von dickem Messingdraht statt eines Goldstücks.

Der afrikanische Reisende kann sich weder Wagen noch Kameele, weder Pferde noch Maulesel miethen, die ihn ins Innere führen. Seine Transportmittel sind auf nackte Schwarze beschränkt, die wenigstens 15 Dollars pro Kopf für den Transport von 70 Pfund bis nach Unyanyembé verlangen.

Meine Vorgänger hatten es unter anderm verabsäumt, Leute, die nach Afrika gehen, mit einem Umstände von grosser Wichtigkeit bekannt zu machen, dass nämlich kein Reisender daran denken sollte, sein Geld anders als in Gestalt von Goldmünzen nach Zanzibar zu bringen. Mit Creditbriefen, Circular-Anweisungen und derartigen civilisirten Dingen kommt man, nach meiner Erfahrung, den Bewohnern von Zanzibar noch um ein Jahrhundert zu früh.

Die 20 bis 25 Cents, welche mir von jedem Dollar, den ich zu wechseln hatte, abgezogen wurden, gehören zu den unangenehmsten Erinnerungen, die sich meinem Gedächtniss dauernd eingeprägt haben; denn Zanzibar liegt weit ab von allen Zugängen des europäischen Handels, und man bezahlt viel Agio für baares Geld. Trotz Wechseln, Cheques und Creditbriefen, oder einer Carte blanche für alle Bedürfnisse wendet man alle seine Reden und Bitten umsonst an; 20 bis 25, ja 30 Cents werden doch von jedem Dollar, wie man mir sagte und wie ich es selbst erfahren habe, abgezogen. Wie schade, dass es hier keine Bankfiliale gibt!

Ich hatte gewünscht, meine Reise incognito zu machen. Aber die Thatsache, dass ein Weisser, ja ein Amerikaner, im Begriff stand, nach Afrika zu reisen, war bald in ganz Zanzibar bekannt. Sie wurde tausendmal in den Strassen wiederholt, in allen Läden und im Zollhause besprochen. Der Bazar der Eingeborenen erhielt Kunde davon und besprach es Tag und Nacht bis zu meiner Abreise. Die Fremden, mit Einschluss der Europäer, wünschten die Gründe und alle Einzelheiten meiner Ankunft und Abreise zu wissen.

Meine Antwort auf alle gehörigen und ungehörigen Fragen lautete: ich gehe nach Afrika, und trotz meiner Karte, die

_~Henry M. Stanley~_

_New York Herald._

so aussah, glaube ich doch, dass nur wenige die Worte „New York Herald“ mit einer Expedition zur Auffindung des Dr. Livingstone in Zusammenhang brachten. Das war aber doch nicht meine Schuld.

Was für eine schwere Arbeit ist es aber für einen einzelnen, eine solche Expedition in Bewegung zu setzen! Wenn der Tag vorüber und ich durch die Glühhitze einer unbarmherzigen Sonne von Laden zu Laden geeilt war, mich mit viel Ausdauer und Geduld für das Feilschen mit dem dunkeln Hindu gerüstet, allen Muth und Witz zusammengenommen hatte, um den schurkischen Goanesen einzuschüchtern und dem listigen Banyanen ein Paroli zu bieten; wenn ich den Tag über ganze Bände zusammengesprochen, Abschätzungen corrigirt, Rechnungen gemacht, die Ablieferung von gekauften Gegenständen überwacht und sie gemessen und gewogen hatte, um zu sehen, dass sie vollwichtig seien; wenn ich endlich die Aufsicht über Farquhar und Shaw geführt hatte, welche Eselsattel, Segel, Zelte, Boote für die Expedition machten -- dann fühlte ich wohl, dass Körper und Geist der Ruhe bedurften. So mühte ich mich, ohne Unterlass, einen ganzen Monat ab.

Nachdem ich Tratten auf Herrn James Gordon Bennett im Betrage von mehreren tausend Dollars für Zeuge, Perlen, Draht, Esel und tausend andere Bedürfnisse verhandelt, die weisse und schwarze Begleitung meiner Expedition besoldet, Kapitän Webb und seine Familie mehr als genug mit dem Lärm der Vorbereitung belästigt und sein Haus mit meinen Gütern angefüllt hatte, blieb mir nichts übrig, als formell von den Europäern Abschied zu nehmen und dem Sultan und den Herren, die mir beigestanden hatten, ehe ich mich nach Bagamoyo einschiffte, zu danken.

Am Tage vor meiner Abreise von Zanzibar ging der amerikanische Consul, im schwarzen Rock und mit einem aussergewöhnlich schönen schwarzen Hut geschmückt, um im Staatsanzuge zu erscheinen, mit mir in den Palast des Sultans. Der Fürst war sehr gütig gegen mich gewesen, er hatte mich mit einem arabischen Pferde beschenkt, mit Einführungsbriefen an seine Agenten und Hauptrepräsentanten im Innern versehen und sich mir in mancher andern Weise wohlgeneigt erwiesen.

Der Palast ist ein sehr grosses, geräumiges, hohes, viereckiges Haus, das in der Nähe des Forts liegt, aus Korallen gebaut und stark mit Kalkmörtel beworfen ist. Das Aeussere desselben ist halb arabisch, halb italienisch. Lebhaft grüngefärbte Jalousien bilden die Laden, die sehr von den weissgetünchten Mauern abstechen. Vor der grossen, hohen, breiten Thür standen in zwei Halbkreisen verschiedene Belutschen und persische Söldlinge, die mit grossen Schwertern und Schilden aus Rhinozeroshaut bewaffnet waren. Ihr Anzug bestand aus einem grauweissen baumwollenen Hemde, das bis auf die Knöchel reichte und von einem reichlich mit Silberbuckeln besetzten Ledergurte zusammengehalten ward.

Als wir in Sicht kamen, wurde jemandem, der sich innerhalb des Einganges befand, ein Zeichen gegeben und als wir 20 Meter von der Thür entfernt waren, kam der Sultan, der auf uns wartete, die Stufen herunter und an den Soldatenreihen vorbei auf uns zu, streckte die rechte Hand aus und bewillkommnete uns mit freundlichem Lächeln. Wir zogen unsere Hüte, drückten ihm die Hand, gingen darauf auf seinen Befehl voran und erreichten alsbald die oberste, nahe bei der Eingangsthür befindliche Stufe. Er wies uns weiter, wir verbeugten uns und kamen an den Fuss einer ungemalten engen Treppe, wo wir uns noch einmal dem Sultan zuwandten. „Gehen Sie weiter“ -- sagte er, und wir gingen die Treppe hinauf, was meinem Gefühl widerstrebte, da der Sultan, der unmittelbar hinter mir herging, dadurch in eine für einen Souverän höchst unpassende Situation gebracht wurde. Der Consul ging, wie ich sah, seitwärts hinauf, wodurch er augenscheinlich dem Anstand und der Würde wenigstens zum Theil ihr Recht widerfahren lassen wollte. Ich machte es ihm nach, so gut ich konnte, hielt aber trotzdem meine Stellung für etwas sonderbar. Oben an der Treppe warteten wir, die Gesichter dem heraufkommenden Fürsten zugewandt; wieder winkte er uns hochherzig, vorwärts zu gehen, denn vor uns lag die Empfangshalle und der Thronsaal. Ich bemerkte, wie ich bis ans äusserste Ende vorwärts ging, dass das Zimmer hoch, im arabischen Stil gemalt, die dicken Teppiche persische Arbeit waren und das Ameublement aus einem Dutzend vergoldeter Stühle und einem Armleuchter bestand.

Wir setzten uns. Ludha Damdschi, der banyanische Steuereinnehmer, ein würdig aussehender Greis mit intelligentem Gesicht, sass zur Rechten des Sultans. Neben ihm befand sich der grosse mohammedanische Kaufmann Tarya Topan, der nicht nur in seiner Eigenschaft als Rath Seiner Hoheit, sondern auch weil er ein lebhaftes Interesse an dieser amerikanischen Expedition nahm, zu der Unterredung gekommen war. Dem Ludha gegenüber sass Kapitän Webb und neben diesem sass ich, Tarya Topan gegenüber. Der Sultan sass auf einem vergoldeten Stuhle, zwischen dem Amerikaner und seinen Räthen. Dschohari, der Dragoman, stand demüthig vor dem Sultan, bereit, ihm das zu verdolmetschen, was wir dem Fürsten mitzutheilen hatten.

Der Sultan könnte, was seinen Anzug betrifft, für einen mingrelischen Mann von Stande gelten, mit Ausnahme seines Turbans, dessen reiche Falten, abwechselnd in roth, gelb, braun und weiss, sein Haupt umgaben. Sein langes Gewand war von dunkelm Tuch und um die Taille von einem reichen Schwertgürtel umschlossen, von dem ein türkischer Säbel mit goldenem Griffe herabhing, der in einer gleichfalls mit Gold verzierten Scheide stak. Seine Beine und Füsse waren kahl und hatten ein schwerfälliges Aussehen, da er an der Elephantiasis, dieser merkwürdigen Heimsuchung Zanzibars, litt. An den Füssen trug er ein Paar Watta (arabisch für Pantoffeln) mit dicken Sohlen und einem starken ledernen Riemen über dem Spann. Seine helle Gesichtsfarbe und regelmässigen intelligenten Züge verrathen den arabischen Patricier. Uebrigens weisen sie nur auf hohe Abkunft und Geburt, man erkennt an ihnen keinen bestimmten Charakter, es sei denn ein Ausdruck von Liebenswürdigkeit und vollständiger Zufriedenheit mit sich selbst und der eigenen Umgebung. So erschien mir Fürst oder Seyyid Barghasch, Sultan von Zanzibar und Pemba und der Ostküste von Afrika vom Somali-Lande bis nach Mozambique.

Kaffee wurde in Tassen, die auf goldenen Findschans standen, servirt, ebenso Kokosnussmilch und prächtiger süsser Scherbet.

Die Unterhaltung begann mit der Frage an den Consul: „Sind Sie wohl?“

Consul. „Ja, ich danke Ihnen; wie befindet sich Ihre Hoheit?“

Hoheit. „Ganz wohl.“

Hoheit zu mir. „Sind Sie wohl?“

Antwort. „Ja wohl, ich danke.“

Der Consul fängt nun an Geschäftliches zu sprechen und es folgen Fragen Seiner Hoheit über meine Reise.

„Wie gefällt Ihnen Persien? Haben Sie Kerbela, Bagdad, Masr und Stambul gesehen? Haben die Türken viel Soldaten? Wie viele hat Persien? Ist Persien fruchtbar? Wie gefällt Ihnen Zanzibar?“

Nachdem ich jede Frage zur Befriedigung Seiner Hoheit beantwortet hatte, gab er mir Einführungsbriefe an seine Beamten in Bagamoyo und Kaole, und einen allgemeinen Einführungsbrief an alle arabischen Kaufleute, die ich unterwegs treffen könnte, und schloss seine an mich gerichteten Worte mit der ausdrücklichen Hoffnung, dass es mir, was auch der Zweck meiner Mission sei, gut gehen möge.

Wir gingen mit denselben Verbeugungen von ihm fort, mit denen wir hereingekommen waren, und er begleitete uns bis an die Eingangsthür.

Ein seit langer Zeit in Zanzibar lebender amerikanischer Kaufmann, Herr Goodhue von Salem, schenkte mir, als ich ihm Adieu sagte, ein edles kastanienbraunes Pferd, das vom Cap der Guten Hoffnung importirt und in Zanzibar mindestens 500 Dollars werth war.

Am 4. Februar, 28 Tage nach meiner Ankunft in Zanzibar, war die Expedition des New York Herald vollständig ausgerüstet und organisirt; die Zelte und Sattel waren fabricirt, die Boote und Segel fertig. Die Esel schrien und die Pferde wieherten ungeduldig nach der Reise.

Die Etikette verlangte, dass ich noch einmal meine Karte bei den europäischen und amerikanischen Consuln in Zanzibar abgab und jedermann Adieu sagte.

Am 5. ankerten vier Dhows vor dem amerikanischen Consulat; in eins derselben wurden die zwei Pferde gebracht, in zwei andere die Esel, in das vierte, welches das grösste war, die schwarze Begleitung und die viel Raum einnehmenden Tauschwerthe der Expedition.

Als ich eben den Befehl zur Abfahrt ertheilen wollte, fehlten die beiden Weissen, Farquhar und Shaw. Nach eifriger Nachforschung fand man sie irgendwo in den Schenken, in Gesellschaft von etwa einem Dutzend guter Kameraden. Dort hielten sie Reden über die Grösse der Kunst, Afrika zu erforschen und suchten sich vermittelst des Branntweins die schrecklichen Vorahnungen abzuwehren, welche sich ihnen heimtückisch hin und wieder aufdrängten und ihnen warnend zuraunten: es könne doch in den neuen Ländern, die sie kennenlernen sollten, trotz aller Romantik, mit der die Phantasie dieselben ausstatte, etwas stecken, was ... nun was ... --

„Kerls, macht, dass Ihr sofort in die Dhows kommt! Das ist ein schlechter Anfang, nachdem Ihr Eure Contracte unterzeichnet habt“, -- sagte ich, als ich sie in Gesellschaft von Bombay und 4 bis 5 Mann von der neuangeworbenen Escorte zum Ufer wanken sah.

„Bitte, Herr, darf -- darf -- darf ich Sie wol fragen, glauben Sie, dass ich ganz richtig gehandelt habe, als ich Ihnen versprach, Sie nach Afrika zu begleiten?“ fragte Shaw in zögerndem und bewegtem Tone.

„Habt Ihr nicht vorausbezahlt bekommen? Habt Ihr nicht den Contract unterzeichnet?“ fragte ich, „und jetzt wollt Ihr Euch zurückziehen? Macht, dass Ihr ins Boot kommt, rasch! Jetzt sind wir alle daran gebunden und müssen zusammen schwimmen oder untergehen, leben oder sterben. Keiner darf sich seiner Pflicht entziehen!“

Kurz vor 12 Uhr segelten wir ab. Die amerikanische Flagge, ein Geschenk der gütigen Frau Webb an die Expedition, wurde am Mast aufgehisst; der Consul, seine Frau und seine prächtigen Kinderchen Mary und Charley befanden sich auf dem Dache ihres Hauses und schwenkten das Sternenbanner, sowie Hüte und Taschentücher mir und den Meinigen als Abschiedsgruss zu. -- Glückliche und gute Menschen, möge Euer Lebenslauf und der unserige vom Glück begünstigt sein und möge Gottes Segen auf uns allen ruhen!

[3] Ich weiche, wie man sieht, vom Kapitän Burton im Buchstabiren dieses Wortes ab, da ich den Buchstaben y für überflüssig halte.

[Illustration: LAGER IN BAGAMOYO.]