Part 15
Der Schwamm bildet gewöhnlich baum- oder buschförmig verzweigte Massen auf einer krustenförmigen Basis von geringerer (Fig. 36) oder grösserer (Fig. 37 S. 212) Ausdehnung. Unter Umständen, z. B. an stark fliessenden Stellen, kommt es nicht zur Ausbildung der charakteristischen fingerförmigen Fortsätze und Zweige, sodass klumpenförmige Massen entstehen (Fig. 38). Kleinere Exemplare sind einfach krustenförmig, ebenso gestaltete Exemplare von nicht unbeträchtlicher Grösse findet man selbst in ruhigen Gewässern um Teichrohrstengel gewachsen; an solchen Exemplaren in ruhigem Wasser tritt aber früher oder später die Bildung von Ästen auf. Die Farbe ist grasgrün, gelblich, grauweiss oder braun. Das Skelett besteht aus Gerüst- und Fleischnadeln. Die Gerüstnadeln sind gerade oder leicht gekrümmt, scharf, aber allmählich zugespitzt und glatt. Sie sind zu Bündeln mit einander vereinigt, welche durch stark entwickelte Spongiolinsubstanz ganz eingehüllt werden und lange, starke Stäbe bilden (Hauptfasern), welche die Zweige der Länge nach durchziehen und nach der Peripherie derselben dünnere Äste aussenden. An ihren Enden laufen diese Hauptfasern dünn aus. Die stärkeren Bündel in der Achse eines Zweiges am Schwamme bestehen aus 20-30 vollständig in der Kittsubstanz liegenden Nadeln. Diese Längsfaserzüge oder Hauptfasern sind durch wenige kurze Nadelbrücken mit einander verbunden, welche in unregelmässigen Abständen von einander entfernt sind. Diese Verbindungsfasern sind meist nur an ihren Enden durch Spongiolinsubstanz an die Hauptfasern angekittet oder sie liegen ganz in der Kittmasse eingeschlossen. Bei solchen Exemplaren, welche einfache Krusten bilden, stehen die Hauptfasern senkrecht auf der Unterlage. -- Durch den geschilderten Bau des Gerüstes erlangt der Schwamm eine gewisse Festigkeit und ist schwieriger zerreissbar als _Sp. fragilis_ und _Eph. fluviatilis_. -- Die Spongiolinsubstanz ist in Kalilauge unlöslich, wodurch sich _Eusp. lac._ von allen anderen Arten unterscheiden lässt (+Dybowski+). -- Die Fleischnadeln sind in wechselnder Anzahl vorhanden; sie können in einem Schwamm in ungeheuerer Menge auftreten (_var. Lieberkühnii_ Noll), in anderen häufig, in noch anderen sehr sparsam sein. Sie sind meist leicht gekrümmt und vollständig mit feinen Dörnchen besetzt, selten sind sie glatt. Die Gemmulae treten in verschiedenen Formen auf. Es giebt nackte, d. h. einer äusseren Luftkammerschicht entbehrende, die nur wenige oder gar keine Nadeln tragen. Andere Gemmulae sind mit einer dünneren oder dickeren Luftkammerschicht bedeckt, welche nach aussen durch eine deutliche Membran abgeschlossen ist, in anderen Fällen fehlt dieselbe. In dieser Luftkammerschicht liegen die Belagsnadeln entweder in radiärer oder in tangentialer Lage auf der Gemmula oder sie sind auf ihr ohne alle Ordnung zerstreut. Sie stellen kurze, weniger oder mehr, mitunter bis zum Kreise gekrümmte und mit dicken Dornen versehene Spikula dar, und sind nur selten ganz glatt. Die Gemmulae liegen im ganzen Schwamme zerstreut, dessen Weichteil nach ihrer Ausbildung vollständig zu Grunde geht, während das Skelettgerüst mit den Gemmulae in seinen Maschen oft den Winter hindurch erhalten bleibt. In anderen Fällen zerfällt auch dieses. -- In stehendem und fliessendem Wasser in ganz Deutschland. Es scheint die gemeinste Art zu sein und ist auch im finnischen Meerbusen im Brackwasser gefunden worden (+Dybowski+).
[Illustration: Fig. 36.
_Euspongilla lacustris_ (Autt.). ½ nat. Grösse. Nach dem Leben. An einem Mauersteine. (19. Juli 1890 gefunden in der Spree, Berlin: Jannowitzbrücke, Stadtbahnbögen.)]
[Illustration: Fig. 37.
_Euspongilla lacustris_ (Autt.). Nach dem Leben. ½ natürlicher Grösse. (6. Juni 1890 Tegelsee.)]
[Illustration: Fig. 38.
_Euspongilla lacustris._ Auf einem dicken Wollenfaden gewachsen, der an einer Seite an einem Brückenpfahl eingeklemmt an der Oberfläche des Wassers flottierte. Spree, Berlin: Waisenbrücke, 26. Aug. 1886. ½ natürlicher Grösse. (Alkoholexemplar.)]
Als eine Lokalform von dieser Art betrachten wir die von +Retzer+ beschriebene „_Spongilla rhenana_“. Dieser bisher nur am Faschinengesträuch im Altrhein bei Eggenstein unweit Karlsruhe gefundene Schwamm überzieht als dünne Kruste Holzstücke, Gesträuch und dergl. und sendet wenige, kleine Fortsätze aus oder wächst auch an manchen Stellen zu dicken Klumpen an. Seine Farbe ist grün. Die Skelettnadeln sind gerade oder leicht gebogen und gehen entweder plötzlich in eine scharfe oder allmählich in eine weniger scharfe Spitze über. Sie bilden zu Bündeln vereinigt ein dichtes Netz. Die Gemmulae haben die Form und Grösse derjenigen von _Eusp. lacustris_, der Porus zeigt aber einen breiten flachen Trichter. Auf der inneren Hülle der Gemmulaschale liegt eine sehr dünne Luftkammerschicht, in welcher die Zellen in zwei- bis dreifacher Lage übereinander liegen. In dieser Schicht sind die Belagsnadeln gewöhnlich tangential, wenige radiär angeordnet. Die sehr variable Gestalt lässt drei Hauptformen unterscheiden. Die häufigsten sind solche, welche den Skelettnadeln ähneln, andere, in geringer Anzahl vorhandene, die sich auch einzeln im Weichteil finden, sind glatt und in gleichen, nicht sehr grossen Abständen an den Enden zweimal geknickt, drittens giebt es leicht gebogene, in der Mitte verdickte Nadeln. Die Gemmulae liegen überall im Schwamm zerstreut. Bemerkenswert ist, dass an ihnen Nebenpori vorkommen, deren drei bis sechs gesehen wurden. Ungefähr jede zehnte Gemmula hat neben dem Hauptporus einige seitliche Trichter.
Dieser aus +Vejdovsky+ und +Retzer+ entnommenen Beschreibung fügen wir nur hinzu, dass der Schwamm auch grössere, verzweigte Äste treibt und dass unter den doppelt geknickten Gemmulaenadeln auch fein bedornte vorkommen. -- +Vejdovsky+ hat diese Retzersche Art beibehalten. +Wierzejski+[80] betrachtet dieselbe nur als eine „lokale Form, vielleicht eine Abnormität der _Euspongilla lacustris_“. Wir schliessen uns der Auffassung, dass man es hier mit einer Lokalform zu thun habe, an.
b) Untergattung _Spongilla_ (+Wierzejski+).
Zwei bis dreissig Gemmulae liegen in einer stark entwickelten, deutlich zelligen Luftkammerschicht eingebettet oder die Gemmulae bilden eine pflastersteinartige Kruste in ebenso gestalteter Luftkammerschicht an der Basis des Schwammes. In der Luftkammerschicht liegen rauhe und glatte Nadeln zerstreut.
2. _Spongilla fragilis_ (+Leidy+) (Fig. 39).
Der Schwamm ist nie verzweigt und scheint meist eine glatte Oberfläche zu haben. Die Farbe ist weisslich, hellgrau, graubraun, braun, seltener grün. Die Skelettnadeln sind fast gerade oder nur leicht gebogen, scharf zugespitzt und glatt. Die Spongiolinsubstanz ist schwach entwickelt, der Schwamm ist daher sehr leicht zerreissbar. Die Belagsnadeln der Gemmulae bilden eine dichte Kruste auf ihr, sie sind gerade oder gekrümmt und tragen viele kleine Dornen. Sie übertreffen gewöhnlich an Länge und Dicke diejenigen von _Eusp. lacustris_. Die kleinen, rundlichen Gemmulae tragen ein verlängertes, gewöhnlich etwas gebogenes Porusrohr, welches aus der dicken Luftkammerschicht hervorragt. Die grossen Zellen der Luftkammerschicht sind radiär um die Gemmulae geordnet. Diese erscheinen in zwei Formen, die an der Basis des Schwammes liegenden sind flach, die im Schwammkörper in Gruppen zu zwei oder drei bis dreissig und mehr vereinigten Gemmulae bilden kugelige oder halbkugelige Massen.
Lebt in stehendem und fliessendem Wasser und gehört in Deutschland zu den gemeineren Arten.
B. Unterfamilie Meyeninae (Carter.)
Gemmulae gewöhnlich einzeln. Sie sind von einer Luftkammerschicht umgeben, in welcher Amphidisken (Stäbe mit einer Querscheibe an jedem Ende) in einer oder in mehreren Lagen übereinander vorkommen. Die Amphidisken haben gezackte oder ganze Ränder.
[Illustration: Fig. 39.
_Spongilla fragilis_ (Leidy). Nach einem in Alkohol konservierten Stück. ½ natürl. Gr. (Tegelsee, 6. Juli 1888.)]
II. Gattung _Trochospongilla_ (+Vejdovsky+).
Ausgezeichnet durch die glatten (bei einer ausländischen Art) oder rauhen Skelettnadeln und durch den glatten Rand der Amphidisken, welche an der Basis einer hohen Luftkammerschicht eingebettet liegen.
3. _Trochospongilla erinaceus_ (+Ehrenberg+) (Fig. 40).
Der Schwamm überzieht als weissliche oder strohgelbe Kruste von geringerer oder grösserer Ausdehnung fremde Körper. Die Skelettnadeln sind scharf zugespitzt und bis auf die beiden Enden mit sehr starken Dornen besetzt. Die Spongiolinsubstanz ist stark entwickelt und setzt dem Zerreissen des Schwammes einen Widerstand entgegen, der grösser als bei den übrigen Meyeninen ist. Die Amphidisken haben die Form einer Garnspule. Die Luftkammerschicht besteht aus radiär gestellten Säulen, deren jede aus übereinander liegenden Zellen gebildet wird. In dieser Schicht liegen oft Nadeln, welche den Gerüstspikula gleichen, aber von geringeren Dimensionen sind.
Auch diese Art lebt in stehenden und fliessenden Gewässern Deutschlands und scheint selten zu sein. Sie wurde bei uns bisher gefunden: Sabor in Schlesien (+Ehrenberg+), Spree in Berlin (+Lieberkühn+, +Weltner+), Tegelsee bei Berlin (+Weltner+), Hellensee bei Lanke (+Weltner+).
III. Gattung _Ephydatia_ (+Lamouroux+).
Die Skelettnadeln sind entweder ganz glatt oder ganz rauh oder es finden sich beide Sorten in einem Schwamm. Die mit gezackten Rändern versehenen Amphidisken liegen in ein-, zwei- oder selbst dreifacher Schicht in der Luftkammerschicht. Die Amphidisken sind entweder alle von gleicher Länge oder sie sind ungleich lang. Fleischnadeln vorhanden oder fehlend.
[Illustration: Fig. 40.
_Trochospongilla erinaceus_ (Ehrenberg) nach Vejdovsky. ½ natürl. Grösse.]
4. _Ephydatia Mülleri_ (+Lieberkühn+).
Diese Art bildet Krusten mit einer glatten oder unregelmässigen Oberfläche, an der man oft kurze Zapfen (Fig. 41) oder blattförmige oder mäandrisch gewundene Fortsätze sieht. Selten scheinen verzweigte Exemplare vorzukommen. Die Farbe ist weiss, gelb, gelbbraun oder hellgrün. Die Skelettnadeln sind entweder ganz glatt oder ganz rauh, oder es finden sich sowohl glatte als rauhe Nadeln in ein und demselben Schwamme. Die Rauhigkeit der Nadeln ist entweder nur eine geringe oder sie tritt sehr deutlich als kleine Höcker auf, die aber stets kleiner sind als bei _Trochosp. erinaceus_. Die Nadeln sind gerade oder schwach gekrümmt, scharf zugespitzt und zu Bündeln vereinigt, deren Kittmasse weniger stark als bei der eben genannten ist. Die Luftkammerschicht ist in geringerer oder grösserer Mächtigkeit vorhanden. Die Amphidisken bilden entweder nur eine, zwei oder selten drei Lagen um die Gemmula. Im letzteren Falle ist die dritte Lage keine ununterbrochene. Die Amphidisken haben einen dicken Schaft; die Zähne der Endscheiben sind entweder glatt oder an ihren Rändern gezähnt. -- Ganz charakteristisch für diese Art sind die Blasenzellen des Weichteiles, welche modifizierte, mit einer sehr grossen, amylumhaltigen Flüssigkeitsalveole ausgestattete Zellen der Bindesubstanzschicht sind [+Wierzejski+[79]].
Diese Art wurde von +Lieberkühn+ nach Exemplaren aus der Spree aufgestellt. Die Amphidisken der in diesem Flusse lebenden _Eph. Mülleri_ zeigen einen kurzen Schaft und Endscheiben, welche wenig aber tief eingezackt sind.
[Illustration: Fig. 41.
_Ephydatia Mülleri_ (Lieberkühn). ½ natürl. Grösse, nach einem getrockneten Exemplar. (Tharandt, Schlossteich.)]
In stehenden und fliessenden Gewässern verbreitet in ganz Deutschland.
5. _Ephydatia fluviatilis_ (+Autt.+).
Krustenförmige Massen von sehr wechselnder Gestalt bildend, es kommen ganz flache Krusten vor, daneben andere, die mehr klumpige Form erreichen. Die Oberfläche ist entweder glatt (Fig. 42) oder mit seichten Buckeln, oder mit spitzigen kurzen Fortsätzen (Fig. 43), oder mit rippenförmigen, öfters gewundenen Erhabenheiten versehen. Wenn der Schwamm Verzweigungen zeigt, so rühren diese von dem Substrat her, welches derselbe überzogen hat (Fig. 44).
[Illustration: Fig. 42.
_Ephydatia fluviatilis_ (Autt.) nach dem Leben. ½ natürl. Grösse. (6. Juni 1890, Tegelsee.)]
[Illustration: Fig. 43.
_Ephydatia fluviatilis_ (Autt.) nach einem in Alkohol konserv. Stück. ½ natürl. Grösse. (Spree, Berlin: Waisenbrücke, 26. Aug. 1886.)]
Die Farbe ist smaragdgrün, hellgrün, hellisabellgelb, schmutzig-weiss oder weiss. Die glatten, schlanken, allmählich oder plötzlich scharf zugespitzten, leicht gekrümmten Skelettnadeln sind wie bei _Sp. fragilis_ nur durch wenig Spongiolinsubstanz mit einander verbunden; der Schwamm ist daher leicht zerreissbar und brüchig. Öfters finden sich unter den Nadeln auch kurze, dicke oder auffallend lange und dicke Formen. Die Gemmulae sind gelblich und haben eine dicke Hülle, die Luftkammerschicht hat eine äussere Kutikula. Die Amphidisken sind daher ganz in der Luftkammerschicht eingeschlossen und bilden eine einfache Lage in derselben. Der Schaft ist dünn, glatt oder bedornt und oft in der Mitte etwas eingezogen. Er ist doppelt so lang, als der Durchmesser der Scheiben beträgt. Diese sind am Rande durch ihre zahlreichen, nicht tiefen Einschnitte ausgezeichnet. Doch finden sich häufig Exemplare, bei denen die mit langem Schafte ausgestatteten Scheiben nur wenige tiefe Einschnitte zeigen.
Sehr gemein in stehenden und fliessenden Gewässern in Deutschland. Auch im Brackwasser, so in der Untertrave bei Travemünde, deren Wasser 0.34% Salzgehalt zeigt (+Lenz+). Auch in der Dievenow bei Cammin in Pommern, welche bis zu der genannten Stadt von dem eindringenden Seewasser durchschnittlich 2-3mal im Monat während eines Jahres schwach versalzt werden soll (+Weltner+).
[Illustration: Fig. 44.
_Ephydatia fluviatilis._ Alkoholexemplar, ½ natürl. Grösse. (29. Nov. 1886, Spree, Berlin, 4 Fuss tief.)]
6. _Ephydatia bohemica_ (+Petr+).
Der Schwamm bildet kleine grüne Polster. Die Skelettnadeln sind gerade oder leicht gekrümmt und mitunter fein bedornt. Diese Art ist durch ihre zahlreichen Fleischnadeln von den übrigen Meyeninen unterschieden. Die Nadeln sind gerade oder ein wenig gebogen und mit dornenähnlichen, oft am Ende gerundeten Fortsätzen bewehrt. Die Gemmulae tragen eine grosse Pore, deren Rand nach oben in einen breiten Trichter ausläuft, selten ist an Stelle des Trichters ein kurzes Rohr entwickelt. Die Amphidisken sind fast alle gleich lang, die längeren ragen über die Luftkammerschicht hervor. Ihre gedornten Schäfte sind schlank und länger als der Durchmesser der Scheiben, welche ziemlich regelmässig und tief gezackt sind. Die Zacken sind fein gekerbt.
Dieser Schwamm, welcher vielleicht nur eine Übergangsform zu der folgenden Gattung darstellt, ist bisher nur bei Kvasetice im Bezirk Deutschbrod (Böhmen), an _Euspongilla lacustris_ sitzend, von +Fr. Petr+ gefunden.
IV. Gattung _Carterius_ (+Potts+).
Mit glatten Skelettnadeln und dornigen Fleischspikula. Die Gemmulae tragen ein langes, gerades Porusrohr, dessen Spitze eine unregelmässig gelappte Scheibe trägt. In der Luftkammerschicht liegen Amphidisken von zweierlei Länge, die einen haben eine Länge, welche der Dicke der Luftkammerschicht gleichkommt, die anderen sind länger und ragen mit ihrer Scheibe über jene Schicht hinaus.
[Illustration: Fig. 45.
_Cart. Stepanowi_ (Dyb.). ½ natürl. Grösse n. d. Leben. (Nach Petr.)]
7. _Carterius Stepanowi_ (+Dybowski+) (Fig. 45).
Der Schwamm ist nur von geringen Dimensionen und bildet (selbständige?) Verzweigungen. Die Farbe ist blassgrün. Die Skelettnadeln sind glatt, gerade oder gebogen und scharf zugespitzt. Die zahlreich vorhandenen Fleischnadeln haben eine gebogene oder gerade Gestalt und sind mit Dornen besetzt, welche in der Mitte der Nadel am stärksten sind. Das Porusrohr an den Gemmulae ist gerade oder leicht gebogen und endet in eine gelappte Scheibe. Die Luftkammerschicht besteht aus zahlreichen kleinen Zellen. Es sind zweierlei Amphidisken vorhanden; die längeren, über die Oberfläche der Gemmula hinausragenden betragen etwa ein Drittel oder die Hälfte aller Amphidisken, welche sämtlich an den Schäften mit starken Dornen bewehrt sind.
Gefunden in Europa bisher nur in einem See (Wilikoje) bei Charkow (+Dybowski+) und in einem Teich bei Deutschbrod in Böhmen (+Petr+).
Anhang.
Wir müssen hier noch einer von +Joseph+ erwähnten _Spongilla stygia_ gedenken. Diese neue Form wurde in der Grotte Gurk in Unterkrain von +Joseph+ gefunden und ist völlig durchsichtig. Die Nadeln sind glatt und an einem Ende keulenförmig verdickt. Nach +Marshall+[85] sollen die Gemmulae wirklich fehlen. Es wäre wünschenswert, diese neue Art genauer zu studieren.
* * * * *
Tabellen zur Bestimmung von Spongilliden sind nach dem jeweiligen Standpunkte unserer Kenntnis dieser Tiere von +Dybowski+ 1878[86], +Vejdovsky+[87], +Potts+ und +Girod+[88] gegeben worden. Wir entwerfen hier einen Schlüssel für die europäischen Formen.
0 [ Gemmulae mit Amphidisken 1 { Gemmulae ohne Amphidisken 5
{ Die Ränder der Amphidisken sind ganzrandig, Skelettnadeln { mit starken Dornen besetzt 1 { _Trochospongilla erinaceus._ { Die Ränder der Amphidisken sind gezackt, Skelettnadeln { glatt oder rauh 2
{ Fleischnadeln vorhanden; unter den Amphidisken lassen { sich deutlich zwei Sorten, längere und kürzere, unterscheiden 3 2 { Fleischnadeln fehlend; Amphidisken alle ziemlich gleich { lang 4
{ Porus der Gemmula in ein langes Rohr ausgezogen { _Carterius Stepanowi._ 3 { Porus der Gemmula in einen breiten Trichter ausgehend { oder (selten) in eine kurze Röhre verlängert { _Ephydatia bohemica._
{ Amphidisken mit langem Schaft, Endscheiben meist mit { zahlreichen aber nicht sehr tiefen Einschnitten. Luftkammerschicht { mit dünner Kutikula umschlossen. { Skelettnadeln glatt. Spongiolinsubstanz schwach entwickelt { _Ephydatia fluviatilis._ 4 { Amphidisken mit kurzem Schaft, Endscheiben oft nur { mit wenigen aber tiefen Einschnitten. Luftkammerschicht { ohne äussere Kutikula. Skelettnadeln glatt { oder rauh oder beide Sorten vorhanden. Spongiolin { ziemlich reichlich _Ephydatia Mülleri._
{ Gemmulae zu 2-30 in Gruppen in einer dicken, deutlich { zelligen Membran eingeschlossen. Der grösste Teil { der Gemmulae bildet an der Basis des Schwammes { eine kontinuierliche einfache Lage, in einer ebenso 5 { gestalteten Membran eingebettet. Fleischnadeln fehlen { _Spongilla fragilis._ { Gemmulae immer einzeln in den Maschen des Schwammgerüstes { steckend. Fleischnadeln vorhanden { _Euspongilla lacustris._
7. Verbreitung.
Wenn diejenigen Spongien, welche man, vielleicht nicht ganz mit Recht, als eine eigene Familie der _Spongillidae_ anderen Familien gegenübergestellt hat, auch vorzugsweise Bewohner des süssen Wassers sind, so haben wir doch schon erfahren, dass auch einzelne Arten im brackischen Wasser leben können. Wir fügen dem jetzt hinzu, dass auch in den Gewässern Floridas Spongilliden gefunden worden sind, welche gelegentlich in versalztem Wasser zu leben gezwungen sind (+Potts+ 1890). Ja, es fehlt auch nicht an solchen Arten, die sowohl das süsse Wasser als das Meer bewohnen, da die von +Pallas+ im Baikalsee entdeckte _Spongia baicalensis_ (Pall.) nunmehr auch im Behringsmeer entdeckt worden ist (Dybowski).
Alle Süsswasserschwämme leben vorzugsweise auf festen, abgestorbenen oder doch nicht mehr lebenden Gegenständen; eine Auswahl wird dabei nicht getroffen. Es kommt ihnen nicht darauf an, einen alten Schuh, einen Nagel, ein Stück Leder, einen Fetzen Tuch, eine alte Muschel oder Eierschale zur Unterlage zu benutzen. Seltener wachsen sie auf lebenden Baumwurzeln oder Konchylien. Schlamm ist ihr ausgesprochener Feind und nur +Potts+ erwähnt einen Fall, in welchem sich eine Spongillide auf Schlammboden angesiedelt hatte. Auch in der Spree lebt _Eusp. lacustris_ im Schlamm; an solchen Exemplaren ist aber stets der im Schlamme steckende Teil abgestorben.
Die Tiefen, in denen diese Schwämme leben, sind sehr verschieden. Bei uns werden sie dicht unter der Wasseroberfläche gefunden und sie steigen bis 4 _m_ hinab. +Forel+ fand im Lac de Joux noch in 20 _m_ Tiefe eine Spongillide, vermisste die Schwämme aber in der Tiefenregion des Genfersees (von 15 _m_ an bis zur grössten Tiefe des Sees von 334 _m_). Auch bei uns scheinen die Schwämme in der Tiefe der Seen zu fehlen; Grundproben, in denen Schwammnadeln gefunden wurden, beweisen nicht das Vorkommen von lebenden Schwämmen am Boden, da, wie wir in der Einleitung erwähnt haben, absterbende Spongillidenstücke häufig auf der Wasseroberfläche treiben können. Dagegen hat +Dybowski+ den Baikalseeschwamm in einer Tiefe von 100 _m_ gefunden. Dieser Schwamm ist hier in 2-6 _m_ Tiefe rasenförmig, in 6-25 _m_ baum- oder strauchförmig und in 25-100 _m_ wieder rasenförmig. Fügen wir noch hinzu, dass die im Bodensee in 12-15 Klaftern Tiefe lebende _Spongilla friabilis_ von +Wartmann+ (+Esper+, „Pflanzenthiere“ II. 1794), das sogenannte „Fischbrot“, wohl kaum ein Schwamm ist, so hätten wir über die Tiefenverhältnisse das wichtigste erwähnt.
Wir haben schon Gelegenheit gehabt, den Einfluss des Lichtes auf die Farbe unserer Schwämme zu betonen. Viele und wohl die meisten sind am Lichte lebend grün. Andere ebenfalls dem Lichte ausgesetzte zeigen statt des grünen ein braunes Pigment, welches ganz anders gestaltet ist als jenes. Sowohl die grünen als die braunen Formen sind an immer beschatteten Lokalitäten gelblich oder gänzlich farblos. +Kräpelin+ sammelte gelbliche und farblose Exemplare in den Röhren der Hamburger und +de Vries+ reinweisse Stücke in den Kanälen der Rotterdamer Wasserleitung.
Die Höhen, in denen Süsswasserschwämme vorkommen, erstrecken sich nach den bisherigen Beobachtungen bis auf etwa 1900 _m_. +Al. Brandt+ erwähnt (Zool. Anzeiger 1879 u. 1880) ihr Vorkommen in zwei armenischen Alpenseen. In zahlreichen Seen der Schweiz hat man sie gefunden (+Du Plessis-Gouret+, +Forel+, +Imhof+). Sie fehlen auch in unseren Gebirgsseen nicht, wie ihr Vorkommen im Schwarzwald (+Retzer+) und in den Maaren der Eifel (+Zacharias+) beweist, während sie im Kleinen und Grossen Teiche des Riesengebirges vermisst werden.
Die Art der Verbreitung.
Die Verbreitung kann durch Teilung, Larven und Gemmulae geschehen. Was es mit der Teilung auf sich hat, ersieht man aus den Auseinandersetzungen auf S. 200. -- Die Verbreitung durch Larven und Gemmulae wird bei den in Flüssen lebenden Schwämmen vorwiegend auf passivem Wege geschehen; die Fortpflanzungskörper werden, dem Laufe des Stromes folgend, flussabwärts schwimmen, bis sie an einem Gegenstande haften bleiben. Nur in den stillen Buchten können die Larven, wie es im allgemeinen in den von der Strömung weniger beeinflussten Teichen und Seen der Fall ist, aktiv zur Verbreitung der Art dienen. Auch hier wird diese eine langsame sein, da die Larven schwerlich grössere Reisen in horizontaler Richtung auszuführen imstande sind. Dazu ist ihre Schwärmzeit zu kurz. Wir haben zwar Larven, welche im Oktober ausgeschwärmt waren, noch längere Zeit lebend im Aquarium beobachtet; nach tagelangem Umherirren starben sie aber, ohne sich festzusetzen, am Boden des Gefässes ab.
Weit wichtiger für die räumliche Verbreitung der Art sind die Gemmulae und wir sehen nun, dass diese einem doppelten Zweck dienen. Sie ermöglichen erstens die Fortexistenz der Spezies überhaupt (s. oben S. 201) und zweitens deren Verbreitung. Wenn es auch eine Anzahl Arten giebt (z. B. _Sp. fragilis_ und _Troch. erinaceus_ bei uns), bei denen ein Teil der Gemmulae ganz fest an ihre Unterlage gekittet ist, so fallen doch auch hier die lose im Skelett liegenden aus, wie es bei den meisten Gemmulae der übrigen Arten der Fall ist. Es wird also an einem Süsswasserschwamm der eine Teil der Gemmulae den Schwamm an derselben Stelle wieder erzeugen, an welcher der Mutterschwamm wuchs, der andere Teil der Gemmulae wird zerstreut. Isoliert man frische, ausgebildete Gemmulae unserer Arten, so sieht man, dass der eine Teil an die Oberfläche des Wassers steigt, während der andere untersinkt. Wir kennen die Ursache dieser Erscheinung noch nicht, obwohl schon +Turpin+ (1838) schwimmende Gemmulae bekannt waren. -- Die Art, in welcher die sich vom Schwamme loslösenden Gemmulae verbreitet werden können, hängt vom Bau der Hüllen dieser Körper ab. Sie ist in einer kurzen Schrift vorzüglich erläutert worden [+Marshall+[85]], deren Resultate wir hier wiedergeben.
Bei einer Anzahl tropischer Arten sind die Gemmulae mit einer dicken Luftkammerschicht ausgerüstet. Zur Zeit der Trockenheit werden solche Gemmulae leicht durch den Wind hinweggetragen und zerstreut. „Passiv beweglich mit aërostatischem Apparat -- Flugform (der trockenen Jahreszeit).“
Dann giebt es Gemmulae, welche auf dem Wasser schwimmend zur Verbreitung dienen. Das ist z. B. bei _Eusp. lacustris_ der Fall. Die Gemmulae dieser Kategorie tragen Belagsnadeln, mit denen sie sich hie und da anheften. „Passiv bewegliche Schwimmform mit Ankerapparat zum Treiben auf der Oberfläche vor dem Winde.“
Wieder andere Gemmulae, z. B. _Ephyd. fluviatilis_, sind durch ihren Amphidiskenbelag schwerer und besser geschützt als die der vorhergehenden Sorte. Sie sinken zu Boden und werden fortgerollt; sie kommen ihrer Schwere wegen eher zur Ruhe. „Schwimmform mit Hemmapparat zur langsamen Fortbewegung in fliessendem Wasser.“
Die geologische Verbreitung der Spongilliden scheint sich bis in den Jura zu erstrecken. Wenigstens weisen einige Nadeln, die man in jurassischen Süsswasserablagerungen gefunden, darauf hin (+Young+). Auch hat +Carter+ im Diluvium von Altmühl in Bayern Nadeln beschrieben, welche fast ganz den Spikula von _Spongilla Mackayi_ gleichen.
8. Parasiten und Kommensalen der Süsswasserschwämme.
Zur Zeit der Gemmulabildung stellen sich zahlreiche niederste Tiere ein, um an dem im Zerfall begriffenen Weichteil unserer Schwämme Mahlzeit zu halten. +Lieberkühn+ hat eine Anzahl solcher Wesen aufgeführt, welche er besonders in Spongilliden zur Winterzeit antraf. Wir wiederholen ihre Namen nicht, da ihre Reihe nicht erschöpfend ist und wir selbst durch Hinzufügen einiger anderer die Liste nicht beenden würden.
Dagegen leben an und in einer frischen, in üppigem Wachstum befindlichen Spongillide eine Anzahl Organismen, die wir zweckmässig in zwei Gruppen sondern: +Parasiten+ und +Kommensalen+.
Der Parasiten sind nur wenige. +Dybowski+ schildert einen Flohkrebs, den er _Gammarus parasiticus_ nennt, und der auf der Oberfläche des von uns schon so oft genannten Süsswasserschwammes des Baikalsees lebt. Dieses Tier ist von grüner Farbe und wird, wenn man es isoliert hält, gelblich. Es nährt sich also von dem grünen Pigment (Zoochlorellen) der Spongillide. Auch eine andere Art, einen _Gammarus violaceus_ Dyb., ebenfalls vom Baikalsee, lernen wir durch diesen Forscher als einen gelegentlichen Bewohner des Schwammes kennen, er zeigt sich dann in grüner Färbung, _var. virens_. -- Ein anderer Parasit ist von +Jackson+ in England beobachtet. Es ist ein peritriches Infusor, _Cyclochaeta spongillae_ tauft es der Autor, welches auf der Oberfläche und den oberflächlichen grünen Partien der _Euphyd. fluviatilis_ lebt. -- Ein diesem sehr nahestehendes Infusor, vielleicht eine _Trichodina_, lebt nach +Alenitzin+ in Süsswasserschwämmen (+Bütschli+, +Bronn+, „Klass. u. Ordn. d. Tierreichs“. Bd. I, p. 1808). -- Auch bei uns nährt sich ein Tier vom Süsswasserschwamm. Zur Winterzeit sammelt man öfters im Tegelsee Exemplare des perennierenden Schwammes, welche grosse Gänge einer Phryganidenlarve zeigen. Wir haben ein solches Exemplar mit zwei dieser Larven in Fig. 46 abgebildet. Diese Tiere fressen sich gewöhnlich vom Rande her in den Schwamm hinein und bohren sich mit dem Kopfe so tief in das Gewebe, dass man die Gehäuse erst ablösen muss, um der Tiere selbst sichtbar zu werden. Sie nähren sich, vielleicht aus Not, von dem grünen Schwamme, denn sie zeigen einen grüngefärbten Leib. Sie scheinen seit ihrer Erwähnung von +Pallas+, „Elenchus Zoophytorum“, 1766, nicht wieder gefunden worden zu sein.