Chapter 13 of 13 · 2926 words · ~15 min read

Part 13

»Wie kam es denn,« sagte Miß Ophelia, »daß Du Dein Pflanzerleben ganz aufgabst?«

»Wohl, wir trabten eine Weile mit einander fort, bis endlich Alfred deutlich genug sah, daß ich kein Pflanzer sei. Er hielt es für albern, daß ich, nachdem er fortwährend geändert, reformirt und verbessert hatte, um meinen Ideen zu genügen, immer noch unzufrieden war. Allein dies hatte darin seinen Grund, daß ich die ganze Sache haßte, -- den Gebrauch der Männer und Weiber, die Fortführung dieser Unwissenheit, Brutalität und Laster, -- nur, um Geld für mich zu verdienen! Ueberdies mischte ich mich fortwährend in die einzelnen Fälle. Da ich selbst einer der trägsten Sterblichen bin, so hatte ich zu viel natürliche Bruderliebe für die Trägen; und wenn arme, faule Bursche Steine in die Baumwollenkörbe thaten, um ihr Gewicht schwerer zu machen, oder wenn sie ihre Säcke mit Schmutz füllten, und obenauf nur Baumwolle legten, so kam mir dies genau so vor, als wenn ich es in ihrer Stelle selbst thun würde, so daß ich die armen Bursche deshalb nicht auspeitschen lassen konnte und wollte. Die Folge davon war natürlich, daß alle Disciplin in der Plantage aufhörte; und ich kam mit Alf ziemlich auf denselben Punkt zu stehen, auf dem ich mit meinem Vater in früheren Jahren gestanden hatte. Er sagte mir, daß ich ein weibischer Sentimentalist sei, und nie für ein derartiges Geschäft passen würde, und rieth mir deshalb, das in der Bank befindliche Vermögen mit dem Familiensitz in New-Orleans zu übernehmen, und Gedichte zu schreiben, während er die Plantage bewirthschaftete. So trennten wir uns und ich kam hierher.«

»Aber weßhalb hast Du denn Deine Sklaven nicht freigelassen?« fragte Ophelia.

»Ich weiß nicht, ich konnte mich nicht dazu verstehen. Sie zu halten, um für mich Geld zu verdienen, war mir nicht möglich; -- allein sie zu haben, um Geld mit ausgeben zu helfen, schien mir nicht ganz so häßlich. Manche unter ihnen waren überdies alte Dienstboten des Hauses, für die ich Anhänglichkeit fühlte, und die Jüngeren waren deren Kinder. Alle waren auch mit ihrer Lage wohl zufrieden.«

Hier hielt er inne und schritt gedankenvoll im Zimmer auf und ab. Nach einer Pause fuhr er fort:

»Es gab einmal in meinem Leben eine Zeit, wo ich Pläne und Hoffnungen hegte, etwas mehr in dieser Welt zu sein, als ein bloßes Stück Treibholz, das sich hin und her werfen läßt. Ich fühlte eine dunkle Sehnsucht danach, ein Befreier zu werden, -- mein Geburtsland von diesem Schandfleck zu reinigen. Ich glaube, alle jungen Männer haben einmal solche Fieberanfälle gehabt, -- aber dann --«

»Weßhalb führtest Du es nicht aus?« sagte Miß Ophelia; »Du hättest Deine Hand nicht an den Pflug legen sollen, und rückwärts blicken.«

»Ganz recht; aber es ging nicht mit mir, so wie ich erwartet hatte, und ich verzweifelte am Leben wie Salomo. Ich glaube, es war bei uns Beiden eine nothwendige Folge der Weisheit; kurz, statt eine handelnde Person auf der Bühne der menschlichen Gesellschaft zu werden, und deren Wiedergeburt zu bewirken, wurde ich nichts als ein Stück Treibholz, das sich seitdem von Fluth und Ebbe hat umherwerfen lassen. Alfred macht mir wohl Vorwürfe, so oft wir uns sehen, und er hat recht, denn er steht wirklich über mir, -- er thut etwas, er wirkt. Sein Leben ist eine logische Folge seiner Ansichten, während das meinige nichts als ein verächtliches +non sequitur+ ist.«

»Mein lieber Vetter, kannst Du Dich mit einer solchen Rechtfertigung zufrieden stellen?«

»Zufrieden stellen? Sagte ich Dir nicht eben, daß ich sie verachte? Aber um auf diesen Punkt wieder zurückzukommen, -- wir sprachen von dem Befreiungsgeschäfte. Ich glaube nicht, daß meine Ideen über Sklaverei besonderer Art sind, denn ich finde Viele, die in ihren Herzen grade ebenso empfinden wie ich. Das Land seufzt unter der Last, und so schwer sie auch den Sklaven drückt, so leidet der Herr doch noch mehr darunter. Es bedarf keiner Vergrößerungsgläser, um zu erkennen, daß eine zahlreiche Klasse lasterhaften, sorglosen, entarteten Volkes ein großes Uebel für uns ist. Die Aristokraten und Kapitalisten in England können das nicht so empfinden wie wir, weil sie mit der Klasse, die sie entarten, in keinen solchen Verkehr kommen wie wir. Sie sind in unsern Häusern, sie sind die Gesellschafter unserer Kinder, und bilden deren Geister schneller, als wir es können. Wenn Eva nicht mehr Engel, als gewöhnliches Kind wäre, so würde sie ruinirt werden. Wir könnten ebensowohl die Pocken unter ihnen grassiren lassen und glauben, daß unsere Kinder nicht angesteckt werden sollten, wie sie in einem unwissenden und lasterhaften Zustande lassen, und annehmen, daß unsere Kinder davon nicht leiden werden. Allein unsere Gesetze verbieten ganz ausdrücklich jede Art eines allgemeinen Erziehungssystemes für dieselben, und zwar aus einem sehr weisen Grunde; denn habe nur erst eine Generation gründlich erzogen, so würde die ganze Sache wie eine Pulvermine in die Luft fliegen. Sie würden sich dann die Freiheit nehmen, wenn wir sie ihnen nicht geben wollten.«

»Und was denkst Du denn, daß das Ende von dem Allen sein wird?« sagte Ophelia.

»Ich weiß es nicht. So viel ist gewiß, -- daß eine Musterung der Massen jetzt auf der ganzen Erde gehalten wird, und daß ein +dies irae+ früher oder später kommen muß. Es ist dasselbe in Europa, in England und in Amerika. Meine Mutter pflegte mir von einem tausendjährigen Reiche zu erzählen, das kommen, und wo Christus herrschen werde, und alle Menschen frei und glücklich sein sollten. Und sie lehrte mich, als ich ein Knabe war, beten: »»Dein Reich komme!«« Zuweilen ist mir, als sei alles dieses Seufzen und Stöhnen eine Ankündigung dessen, was da kommen müsse, wie sie mir sagte. Aber »»wer wird den Tag Seiner Zukunft erleiden mögen?««

»Augustin, zuweilen denke ich, daß Du vom Reiche Gottes nicht sehr fern bist,« sagte Miß Ophelia, während sie ihr Strickzeug niederlegte und ihn mit tiefem Gefühle anblickte.

»Danke Dir für Deine gute Meinung; allein es geht mit mir auf und nieder, -- aufwärts bis an die Himmelspforten in der Theorie, und nieder in den Staub der Erde in der Ausübung. Aber da erschallt die Glocke zum Thee! Komm! laß uns gehen, und sage nur nicht wieder, daß ich nie in meinem Leben ein ernstes Gespräch geführt habe.«

Am Theetische erwähnte Marie des Vorfalles mit Prue. »Ich glaube, Cousine,« sagte sie, »Sie werden uns hier für Barbaren halten.«

»Ich halte dieses Ereigniß allerdings für eine barbarische Handlung,« entgegnete Ophelia; »allein ich glaube nicht, daß Sie alle Barbaren sind.«

»Ich weiß,« sagte Marie, »daß es durchaus unmöglich ist, mit manchen von diesen Geschöpfen fertig zu werden. Sie sind so schlecht, daß sie nicht zu leben verdienen. Wenn sie sich ordentlich betrügen, würde so etwas nicht vorkommen.«

»Aber, Mamma,« sagte Eva, »die arme Frau war unglücklich, deshalb hatte sie sich dem Trunk ergeben.«

»Ach, Possen, als wenn das eine Entschuldigung wäre! Ich bin sehr oft unglücklich. -- Ich glaube,« fügte sie sinnend hinzu, »daß ich größere Leiden erduldet habe, als sie je empfunden hat. Es liegt nur daran, daß sie alle so schlecht sind. Manche von ihnen lassen sich sogar durch keinen Grad von Strenge bändigen. Ich besinne mich, Vater hatte einen Mann, der so faul war, daß er stets davonlief, nur um der Arbeit zu entgehen, und trieb sich dann in den Sümpfen umher, und stahl und verübte Schändlichkeiten aller Art. Dieser Mensch wurde eingefangen und gepeitscht, wieder und wieder, und es half alles nichts. Das letzte Mal kroch er nur davon, denn er konnte nicht mehr gehen, und starb im Sumpfe. Hier war nun gar kein Grund dazu vorhanden, denn Vaters Arbeiter wurden alle sehr gut behandelt.«

»Ich habe einmal einen Burschen zu Paaren getrieben,« sagte St. Clare, »an dem alle Aufseher und Herren ihre Kräfte vergeblich versucht hatten.«

»Du?« sagte Marie; »ich möchte wohl wissen, wann Du je so Etwas ausgeführt hättest!«

»Es war ein kräftiger, riesengroßer Kerl, -- ein geborener Afrikaner, der den rohen Instinkt der Freiheit in einem ungewöhnlichen Grade in sich trug, -- ein ächter afrikanischer Löwe. Sein Name war Scipio. Niemand konnte etwas mit ihm anfangen, und er wurde deshalb von einem Aufseher an den andern verkauft, und kam so endlich in Alfred's Hände, weil dieser glaubte, er könne ihn bändigen. Wohl, eines Tages schlug er den Aufseher zu Boden, und war fort in die Sümpfe. Ich befand mich grade auf Alf's Plantage zum Besuch, denn es fand Statt, nachdem wir unsere Geschäftsverbindung bereits aufgelöst hatten. Alfred war aufgebracht im höchsten Grade; allein ich sagte ihm, daß es seine eigne Schuld sei, und machte eine Wette mit ihm, daß ich den Menschen bändigen wolle. Wir kamen endlich dahin überein, daß, wenn ich ihn einfinge, ich ihn haben solle, um meinen Versuch an ihm zu machen. Es wurde also eine Gesellschaft von sechs oder sieben Leuten mit Hunden und Gewehren ausgewählt, und die Jagd begann. Ihr müßt wissen, daß die Menschen mit demselben Eifer auf eins ihrer Mitgeschöpfe Jagd machen, wie auf einen Rehbock, sobald es Gewohnheit geworden ist. Die Hunde bellten und heulten, und wir streiften durch Busch und Wald, und jagten ihn endlich auf. Er lief und sprang wie ein Rehbock, und ließ uns eine lange Zeit hinter sich; allein endlich blieb er in einem undurchdringlichen Rohrgebüsch stecken, und dann wandte er sich um, und setzte sich zur Wehr, und kämpfte, versichere ich Euch, brav gegen die Hunde. Rechts und links schmetterte er sie nieder, und tödtete drei mit seinen bloßen Fäusten, als ein Schuß ihn zu Boden streckte, und er verwundet und blutend beinahe dicht vor meinen Füßen zusammenstürzte. Der arme Mensch schlug sein Auge mit männlicher Verzweiflung zu mir auf. Ich hielt die Hunde und die übrigen Jäger zurück, als diese herankamen, und sich um ihn drängten, und verlangte ihn als meinen Gefangenen. Alles was ich thun konnte, war, daß ich sie verhinderte, ihn in ihrer heftigen Aufregung niederzuschießen; allein ich bestand auf mein Fangrecht, und Alfred verkaufte ihn an mich. Nunmehr fing ich meine Kur mit ihm an, und in Zeit von vierzehn Tagen hatte ich ihn so zahm und unterwürfig gemacht, wie man es nur wünschen konnte.«

»Was in aller Welt hast Du denn mit ihm gemacht?« fragte Marie.

»Es war ein sehr einfacher Prozeß. Ich nahm ihn in mein eignes Zimmer, ließ ein gutes Bett für ihn herrichten, und verband seine Wunden, und pflegte ihn selbst, bis er wieder aufstehen konnte; und nach einiger Zeit ließ ich Freischeine für ihn ausfertigen, und sagte ihm, daß er gehen könne wohin er wolle.«

»Und ging er?« fragte Miß Ophelia.

»Nein; der närrische Mensch riß die Papiere entzwei, und weigerte sich durchaus, mich zu verlassen. Ich hatte nie einen besseren Diener um mich, -- zuverlässig und treu wie Stahl. Er ging später zum Christenthume über, und wurde so sanft wie ein Kind. Längere Zeit war er Aufseher über meine Besitzung am See, und stand seinen Geschäften musterhaft vor. Ich verlor ihn in der ersten Cholerazeit. Er opferte eigentlich sein Leben für mich; denn ich war krank, beinahe todtkrank, und als alle Anderen von Schrecken ergriffen flohen, blieb Scipio bei mir allein zurück, und arbeitete an meinem Körper wie ein Riese, und brachte mich richtig wieder in das Leben zurück. Aber der arme Mensch wurde angesteckt, und es war keine Rettung für ihn. Nie habe ich einen Verlust schmerzlicher empfunden, als diesen.«

Eva war allmählig näher und näher an ihren Vater herangekommen, als er diese Geschichte erzählte, während ihre schmalen Lippen halb geöffnet waren, und aus ihren großen, ernsten Augen das tiefste Interesse sprach.

Als er geendet hatte, warf sie sich plötzlich um seinen Hals, brach in Thränen aus, und schluchzte krampfhaft.

»Eva, liebes Kind! was ist Dir denn?« sagte St. Clare, während ihr zarter Körper von der Heftigkeit ihrer Empfindungen bebte und flog. »Dieses Kind,« fügte er hinzu, »müßte eigentlich nie so etwas hören, -- es ist zu nervenschwach.«

»Nein, Papa, ich bin nicht nervenschwach,« sagte Eva, plötzlich sich sammelnd, mit einer für ein solches Kind wunderbaren Willenskraft. »Ich bin nicht nervenschwach, aber solche Dinge ~sinken mir in's Herz~.«

»Was meinst Du damit, Eva?«

»Ich kann es Dir nicht sagen, Papa; ich habe viele, viele Gedanken. Vielleicht kann ich es Dir später einmal sagen.«

»Nun, so denke immer zu, Kind, -- nur weine und quäle Deinen Papa nicht,« sagte St. Clare. »Sieh' hier, sieh', was für eine wunderschöne Pfirsich ich für Dich habe!«

Eva nahm die Frucht und lächelte, obgleich um ihre Mundwinkel noch immer ein fieberhaftes Zucken schwebte.

»Komm', sieh' hier den Goldfisch,« sagte St. Clare, ihre Hand nehmend, und mit ihr auf die Veranda hinaustretend. Einige Augenblicke später erscholl lautes Lachen durch die seidenen Gardinen, während Eva und ihr Vater sich einander mit Rosen warfen, und sich durch die Baumgänge des Hofes jagten.

* * * * *

Wir dürfen unsern Freund Tom über die Begebenheiten der höher Geborenen nicht ganz vergessen. Wenn uns deshalb unsere Leser nach seinem kleinen Verschlage über dem Stalle begleiten wollen, so können sie etwas von seinen Angelegenheiten erfahren. Es war ein einfaches, kleines Gemach, welches ein Bett, einen Stuhl, und ein rohes Gestell enthielt, auf dem Toms Bibel und Gesangbuch lagen, und wo er jetzt sitzt, mit seiner Tafel vor sich, in einer Beschäftigung begriffen, die ihm schweres Nachdenken zu verursachen scheint. Toms Sehnsucht nach Hause war nämlich so stark geworden, daß er sich von Eva einen Bogen Briefpapier erbeten hatte, und unter Aufbietung seines gesammten kleinen, wissenschaftlichen Schatzes, den er sich in Georg's Unterricht erworben, die kühne Idee gefaßt hatte, einen Brief zu schreiben; und jetzt grade war er beschäftigt, den ersten Entwurf dazu auf seiner Tafel niederzuschreiben. Tom war in nicht geringer Verlegenheit, denn er hatte die Figuren mancher Buchstaben ganz vergessen, und was er noch wußte, verstand er nicht anzuwenden. Und während er sich abmühte, und in seinem Eifer schwer athmete, stieg Eva wie ein Vogel hinter ihm auf seinen Stuhl, und blickte über seine Schulter.

»O, Onkel Tom! was für sonderbare Figuren machst Du da!« sagte sie.

»Ich versuche, an meine arme, alte Frau zu schreiben, Miß Eva, und an meine kleinen Kinder,« sagte Tom, während er mit der Kehrseite seiner Hand über die Augen fuhr; »aber ich fürchte, ich werde nicht damit fertig werden.«

»Ich wollte, ich könnte Dir helfen, Tom! Etwas schreiben kann ich. Voriges Jahr konnte ich alle Buchstaben machen; aber ich fürchte, ich habe sie wieder vergessen,« sagte Eva, indem sie ihren goldenen Kopf dicht an den seinigen hielt, worauf Beide sodann, gleich eifrig und gleich unwissend, das ernste Geschäft begannen, und unter vielfachen Zweifeln und Berathungen von Wort zu Wort schritten, und sich lebhaft über ihre Produktionen freuten.

»Ja, Onkel Tom, jetzt fängt es an, hübsch zu werden,« sagte Eva, während sie mit Entzücken darauf blickte. »Wie Deine Frau sich freuen wird, und die armen kleinen Kinder! O, es ist eine Schande, daß Du von ihnen hast fortgehen müssen! Ich will nächstens Papa darum bitten, daß er Dich zurückgehen lasse.«

»Missis sagte, sie wollte Geld für mich herunterschicken, sobald sie es zusammenbringen könnten. Ich denke, sie wird es thun. Junge Master Georg sagte, er wollte mich holen, und gab mir diesen Dollar zum Zeichen,« erwiederte Tom, indem er den kostbaren Dollar unter seinen Kleidern hervorzog.

»O, dann kommt er gewiß!« sagte Eva. »Ich freue mich so!«

»Und ich wollte gern einen Brief hinschicken, daß sie wissen, wo ich bin,« sagte Tom, »und Chloë zu wissen thun, daß es mir gut geht, -- denn sie war so unglücklich, das arme Wesen!«

»Tom!« rief St. Clare's Stimme, der in diesem Augenblicke in die Thür trat.

Tom und Eva sprangen auf.

»Was gibt's hier?« fragte St. Clare, indem er näher kam, und auf die Tafel blickte.

»O, es ist Toms Brief. Ich helfe ihm schreiben,« sagte Eva, -- »ist es nicht hübsch?«

»Ich will keinem von euch den Muth nehmen,« entgegnete St. Clare, »aber ich denke, Tom, es wird besser sein, wenn ich den Brief für Dich schreibe. Ich will es thun, wenn ich von meinem Spazierritt zu Hause komme.«

»Es ist sehr nothwendig, daß er schreibt,« sagte Eva, »denn seine Mistreß will Geld herunterschicken, um ihn auszulösen, -- verstehst Du, Papa? sie hat ihm das versprochen.«

St. Clare dachte im Stillen, daß dies wahrscheinlich nichts als eine solcher Verheißungen sei, die gutmüthige Herrschaften ihren Dienstboten machen, um deren Schrecken vor dem Verkauftwerden zu mildern, ohne wirklich die Absicht zu haben, diese Erwartung je zu verwirklichen; aber er äußerte keine Bemerkung darüber, sondern befahl Tom nur, die Pferde aus dem Stalle zu holen.

Toms Brief wurde an demselben Abende in bester Form geschrieben, und auf die Post befördert.

Miß Ophelia fuhr inzwischen in ihren Haushaltungsarbeiten fort. Alle Dienstboten, von Dinah abwärts bis zum jüngsten Zwerge, waren darüber einverstanden, daß Miß Ophelia entschieden sehr »curios« sei, -- eine Bezeichnung, durch welche die Dienstboten des Südens zu verstehen zu geben pflegen, daß ihre respectiven Vorgesetzten ihnen nicht zusagen.

Der höhere Cirkel des Haushalts, -- wie Adolph, Jane und Rosa, -- waren der Meinung, daß sie keine Dame sei, da Damen nie solche Arbeiten verrichteten, wie sie, und daß sie auch gar nicht das Aeußere einer Dame habe, und wunderten sich, daß sie überhaupt eine Verwandte St. Clare's sein könne. Selbst Marie erklärte, daß es für sie in hohem Grade ermüdend sei, die Cousine fortwährend so geschäftig zu sehen. Und in der That war Miß Ophelia's Thätigkeit so ununterbrochen, daß sich beinahe darin etwas Grund zur Klage finden ließ. Sie nähte vom Morgen bis in die Nacht mit einem Eifer, als wäre ein besonders dringender Grund dazu vorhanden; und wenn es dunkel wurde, und sie ihre Arbeit zusammengelegt hatte, so kam im Nu der ewig bereite Strickstrumpf zum Vorschein, und sie begann von Neuem mit demselben Eifer. Es war wirklich eine Arbeit, ihr zuzusehen.