Part 10
Bei der Anfertigung der Holztiere achte man zunächst auf geeignetes Material. Die Holzfaser ist entscheidend; paßt man bei der Auswahl des Holzes nicht genau darauf auf, daß die Richtung der Holzfaser mit der Form des Modells übereinstimmt, so kann es geschehen, daß das Stück schon während der Arbeit zerbricht, jedenfalls wird es, wenn es die Herstellung übersteht, keine lange Lebensdauer haben; Spielzeug muß manchen Fall, manchen harten Griff vertragen können. Wenn ein Anfänger mit diesen Begriffen noch nicht recht vertraut ist, ist es ratsam, einen Fachmann darüber zu befragen, jeder Tischler weiß damit Bescheid.
Wenn man Zeit und Geld sparen will, versuche man die +einfache+ Ausführung der Holztiere, das heißt, man schneide die Silhouette des Tieres aus einem Brett, dessen Stärke sich nach der Größe des Modells richten muß. Wir zeigen auf unseren Abbildungen einen +Elefanten+ (Abb. 116) und einen +Pfau+ (Abb. 117). Für den Elefanten geben wir auf der Zeichnung (Abb. 119) ein gebrauchsfertiges Schnittmuster und eine Einzelzeichnung (Abb. 120), aus denen man die Größenverhältnisse und alles Notwendige ersehen kann. Außerdem bringen wir das Muster von einem +Kaninchen+ in natürlicher Größe (Abb. 118). Die Zeichnung wird auf das Holz übertragen; man macht zunächst eine Pause auf Pauspapier und überträgt das Muster mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift über Graphit-, Blaupaus- oder rotem Ölpauspapier auf das Holz, dann werden die Umrißlinien ausgesägt. Will man ein ganz besonders widerstandsfähiges Spielzeug herstellen, so verwende man nicht nur +ein+ Brett, sondern +drei+ Bretter von derselben Art. Alle drei Bretter werden einzeln ausgeschnitten, man braucht aber nicht dreimal dieselbe Silhouette auszuführen. Es genügt meist, nur den Rumpf mit den Beinen beiderseits auf das Mittelstück zu leimen, das Rumpf, Hals, Kopf und Schwanz darstellen soll. Das Mittelstück soll stärker als die Seitenteile sein, die Seitenbretter hält man etwa halb so stark wie das Rumpfbrett, man kann auch 1 bis 2 Millimeter zugeben; das Rumpfbrett wird am besten 10 bis 12 Millimeter dick gehalten.
Wenn man die Tiere einfach aus +einem+ Holzbrett aussägt, müssen sie auf einem Standbrett angebracht werden, ein Zapfen verbindet Standbrett und Holztier. Notwendig ist es, den Zapfen mit der Silhouette gleichzeitig auszusägen, zum Anleimen wird Tischlerleim verwendet. Wenn die Tiere aus mehreren Holzbrettern angefertigt sind, braucht man +keine+ Standbretter, sie sind breit genug, um das Gleichgewicht zu halten.
Die Kinder freuen sich am meisten mit den Spielsachen, die möglichst beweglich sind, darum lieben sie besonders die Tiere, die sie auf Rädern herumfahren können. Die Mühe ist so gering, daß man die notwendigen vier Räder gern anbringen wird. Man sägt sie aus einem Brett, durchbohrt ihren Mittelpunkt mit einem Bohrer, befestigt in dem so entstandenen Loch eine passende Schraube, die in das vorgebohrte Standbrett hineingeschraubt wird. Am Standbrett wird außerdem in der Mitte der Vorderseite eine Metallöse eingeschraubt, damit das Holztier an einer darin befestigten Schnur gezogen werden kann. Man kann die Räder auch beim Drechsler herstellen lassen, am einfachsten ist es, wenn man aus großen oder kleinen Garnrollen Räder macht, indem man die beiden radähnlichen Teile absägt und mit einer Schraube am Standbrett anbringt. Für größere Tiere verwendet man die großen Schneidergarnrollen, für kleine Tiere genügen die Garnrollen, die im Haushalt gebraucht werden. Um die Reibung der Räder zu vermindern, legt man auf jede Seite des Rades ein Metallplättchen.
[Illustration: Abb. 117. Pfau in Laubsägetechnik.]
[Illustration: Abb. 118. Kaninchen.]
Tiere, die aus dreifachem Holz hergestellt werden, können zwar auch ohne Standbrett „von selber“ stehen, wenn sie aber Räder erhalten sollen, ist ein Standbrett notwendig.
Die Holzflächen sollen glatt sein; gerade da es sich um Spielzeug handelt, das sehr häufig angefaßt werden soll, muß die Glätte besonders betont werden, damit die Holztiere auch nicht die geringsten Verletzungen hervorrufen, nur ausgesprochen glatte Gegenstände sind wirklich handlich. Darum empfiehlt es sich, die rohen Bretter mit der Ziehklinge abzuziehen oder sie vom Tischler abhobeln zu lassen. Die einzelnen Umrißlinien werden am besten mit Sandpapier nachgeschliffen, wobei alle Feinheiten berücksichtigt werden müssen, damit die Konturen unter dem Nachschleifen nicht leiden.
Zum Schluß werden die Holztiere bemalt, am besten „nach der Natur“. Wer nicht ganz sicher ist, nehme Naturgeschichtsbücher zu Hilfe, in denen die einzelnen Tiere, die hergestellt werden sollen, genau beschrieben sind. Wer nach unseren Angaben einige Übungen gut bestanden hat, kann die verschiedensten Tiere mit der Laubsäge herstellen; wer Freude daran findet, wird sich spezialisieren, das heißt man kann einen Geflügelhof, eine Schafherde, einen zoologischen Garten, eine Serie Teichvögel, eine Viehherde anfertigen. Solche Arbeit macht nicht nur den Kleinen, sondern auch den Großen selber Vergnügen.
Das +Bemalen+ der einzelnen Stücke ist sehr einfach. Man benutzt dazu die +billigen Leimfarben+, einfache Wasserfarben würden nicht decken, Guasch- und Temperafarben stellen sich dafür zu teuer. Wenn man die höheren Kosten nicht scheut, sind Email+lackfarben+ zu empfehlen, sie haben eine starke Leuchtkraft und eignen sich besonders gut für Spielsachen, weil sie immer wieder abgewaschen werden können, was gerade bei dieser Art Spielzeug sehr angebracht ist. Auch +Ölfarben+ verwendet man vielfach zum Bemalen der Holztiere, sie müssen aber längere Zeit trocknen, ehe die Spielsachen in Gebrauch genommen werden können.
+Leimfarben+ werden in den einschlägigen Geschäften oder in Drogerien in Pulverform gekauft. Man macht zunächst eine Lösung aus dünnflüssigem Leim, das heißt, man kocht +Tischlerleim+, den man mit Wasser stark verdünnt, und vermischt damit die Farbpulver, am besten in einer alten Tasse oder einem ausrangierten Töpfchen. Ist die Farbmischung gut verrührt, so streicht man die Holztiere mit einem +Borstenpinsel+ an; zuerst kommt die Grundfarbe an die Reihe, zum Schluß die kleinsten Farbflecke. Kleine Holztiere taucht man vorsichtig in die Farblösung ein, um das Grundieren zu vereinfachen.
Der +Elefant+ ist grau, das Auge ist schwarz auf weißem Grund, der Stoßzahn ist weiß, einige Konturen werden, wie die Photographie zeigt, mit Hellgrau eingezeichnet, man benutzt dazu einen spitzen Borstenpinsel und zeichnet die Linien beiderseits recht flott. Das Standbrett und die Räder streicht man feuerrot oder briefkastenblau an, auch Schwefelgelb eignet sich recht gut dafür.
[Illustration: Abb. 119. Schnittmuster für den Elefanten.]
Der +Pfau+ (Abb. 117) kann etwas phantastischer bemalt werden. Man hält den Rumpf pfauenblau, die eingezeichneten eckigen Schmucklinien werden abwechselnd giftgrün und briefkastenblau gehalten. Die „Pfauenaugen“ im Schweif und in der Krone haben weiße Halbkreise, die sich scharf vom Hintergrund abheben. Die Augen sind weiß mit schwarzem Mittelpunkt, den Schnabel malt man gelb oder feuerrot, die Füße dunkelgrau.
Das +Kaninchen+ (Abb. 118) wird weiß angestrichen, die Konturen hält man schwarz oder dunkelgrau, nach Belieben kann man es auch grau grundieren oder tiefschwarz mit weißen Konturen.
Die fertig gemalten Holztiere werden lackiert, um die Farben zu schonen; lackierte Gegenstände färben nicht, wenn sie gelegentlich feucht werden; die Farben behalten durch das Lackieren nicht nur ihre Leuchtkraft, die sonst leicht verloren geht, sie treten auch unter dem Lack noch ganz besonders hervor.
[Illustration: Abb. 120. Der Elefant. (Einzelzeichnung.)]
Für die Leimfarben verwendet man Spirituslack, er trocknet schnell und genügt meist, besonders wenn nach jedesmaligem Auftrocknen der Anstrich zwei- bis dreimal wiederholt wird. Der Lack muß aber vollständig aufgetrocknet sein, ehe man den nächsten Aufstrich beginnen darf, sonst wird er streifig und unansehnlich. Spirituslack ist fertig käuflich, im Haushalt kennt man ihn, weil man damit Strohhüte auffrischt. Man kann Spirituslack selber herstellen: In einer Medizinflasche mischt man ein Viertel Schellack mit drei Viertel Brennspiritus. Für größere Gegenstände dürfte diese Menge indessen nicht ausreichen, es empfiehlt sich, in den Geschäften, in denen man den Schellack kauft, die Größe des Gegenstandes anzugeben, um die genügende Quantität zu erhalten und die Mischung dementsprechend vorzunehmen. Bei einiger Übung wird man sehr bald die richtige Mischung selbst zusammenstellen können, sie hängt von der Stärke des Brennspiritus ab.
Auch +Ölfarben+ werden +lackiert+, aber nicht mit Spirituslack; für Ölfarben erhält man in Farbenhandlungen den geeigneten Lack, der aus Leinöl und Kopal oder Bernstein besteht. Gegenstände, die mit Ölfarben bemalt sind, kann man, wenn man +Hochglanz+ erreichen will, mehrmals lackieren. Die Ölfarben werden zum Bemalen mit Terpentinöl verdünnt; je mehr Terpentinöl verwendet wird, desto dünner wird der Anstrich, man achte daher darauf, daß sie nicht allzu flüssig werden, damit das Holz nicht durchscheine.
Auch +Emaillackfarben+ werden mit Terpentinöl verdünnt und wie diese behandelt, aber nicht lackiert.
Eine andere Art, Holztiere herzustellen, ist folgende: Man zeichnet die Konturen des Modells auf Sperrholz auf, für die Übertragung benutzt man Graphit-, Öl-, Paus- oder Schreibmaschinenpapier. Ein Laufbrettchen gehört zu den Tieren; man verlängert die Füße der Holztiere nach unten in der Stärke des Laufbrettchens und sägt aus diesem Laufbrettchen genau in der Mitte die entsprechenden Teile aus, damit die verlängerten Füße hineinpassen. Hat man das Modell ausgesägt, so steckt man die verlängerten Teile in die ausgesägten Schlitze, die vorher mit heißem Tischlerleim bestrichen wurden. Die oberen Kanten des Laufbrettchens werden vor dem Einsetzen der Holzteile schräg abgefeilt. Die Räder werden in der bereits beschriebenen Weise angefertigt, auch die Bemalung wird in denselben Techniken ausgeführt. Dasselbe gilt vom Lackieren.
Nach dem Bemalen und Lackieren müssen alle Gefäße gereinigt und alle Pinsel sorgfältig ausgewaschen werden. Ölfarbenpinsel und Öllackpinsel werden mit Terpentinöl gesäubert, Spirituslackpinsel behandelt man mit Brennspiritus. Bleiben die Pinsel ungereinigt, so werden sie steif, und die Borsten brechen ab, ein Verlust, der sich bei sorgfältiger Behandlung des Arbeitsmaterials sehr lange hinausschieben läßt.
38. Holzbasteleien
~a~) Geburtstagsleuchter
Holz ist ein außerordentlich dankbares Material; man kann mit einiger Übung allerlei nützliche und hübsche Gegenstände aus Holz herstellen; wenn man Holzarbeiten ausführen will, hat man eine große Auswahl, sowohl was die Gegenstände als auch was die Techniken anbetrifft.
Besonders gut eignet sich das Holz für +Basteleien+, für kleine, amüsante Stücke, die ihrer Nützlichkeit wegen kein Krimskrams genannt werden dürfen, die aber nicht unbedingt notwendig sind und schließlich eine niedliche Spielerei darstellen. Einige solcher Modelle zeigen wir im Bilde (Abb. 121 bis 123); sie lassen sich leicht nacharbeiten und eignen sich für +Vielliebchengeschenke+, für „+Überraschungen+“ und +Lotteriegewinne+ bei festlichen Anlässen im Freundeskreise. Einiges davon dürfte man auch als +Tafelschmuck+ verwenden.
[Illustration: Abb. 121 Geburtstagsleuchter. Von Liselotte Volk.]
Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt. Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+ an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest. Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird, eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt, die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün. Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem Bohrer erweitert werden.
~b~) Sparbüchse
Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb. 122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für +Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+, auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung finden.
Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5 Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen 8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen, die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9 mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar. Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+, die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt +Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben, die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden. Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen, mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden. Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau, Zitronengelb und Zinnoberrot.
[Illustration: Abb. 122. Sparbüchse aus Holz.]
Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein gelber Grund mit schwarzem Ornament.
Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die +Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten.
Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist, wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben, danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht, so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller Hochglanz erreicht ist.
~c~) Brieföffner
Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123), der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als „ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht, zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien, Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten.
[Illustration: Abb. 123. Brieföffner.]
Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+ aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung.
Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden, überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind. Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau.
Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird, am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde.
39. Hampelmann
[Illustration: Abb. 124. Hampelmann.]
Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden. Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und +Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und +Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden, wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein +Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen- und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen, indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen. Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung, ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist.
40. Flaschenkork
Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen +Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann. Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-, Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot, die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen.
Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt.
[Illustration: Abb. 125. Glücksvogel als Flaschenkork.]
VI. Kapitel
Papp- und Papierarbeiten
41. Allerlei Spiele
Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren. Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“ als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele, die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben.
[Illustration: Abb. 126. Lottospiel.]
Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben.