Chapter 11 of 14 · 3677 words · ~18 min read

Part 11

Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen. Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6 Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal 6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt. Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung, die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder gezeichnet werden.

Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden. Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+.

[Illustration: Abb. 127. Dominospiel. Von Liselotte Volk.]

Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+, bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch +Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen. Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt, damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut- oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen, andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln.

[Illustration: Abb. 128. Domino.]

[Illustration: Abb. 129. Fische für das Angelspiel.]

[Illustration: Abb. 130. Spiel: Fliegende Hüte.]

Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“ (Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben. Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht, mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger. Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten, sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man, damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben; verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite, so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will, zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst Ecken und Kanten stehen bleiben würden.

[Illustration: Abb. 131. Schnitt eines Hütchens.]

42. Geduldspiele

Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+ in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+ und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell anfertigen läßt.

43. Feine Buntpapierarbeiten

Da in vielen Schulen Klebearbeiten gelehrt werden und sich manches junge Mädchen für diese hübsche, saubere Technik interessiert, bringen wir auf unsern Bildern einige Anregungen für moderne Formen und geschmackvolle Ausstattung solcher Kleinarbeiten. In der Biedermeierzeit waren Buntpapierarbeiten besonders beliebt. Es gab damals die sogenannten „Papeterien“, das waren bunte Kassetten, in denen verschiedene Karten und Kärtchen zu mancherlei Gelegenheiten eingeordnet waren. Diese „Papeterien“ waren nahe Verwandte unserer heutigen Briefkassetten, auf alle Fälle waren es sehr oft Meisterwerke der Buchbindekunst. Auch kleine Döschen und Rähmchen, Schachteln und Schächtelchen zeigten bunten Papierschmuck, der in späteren Jahren in einer verkommenen Art wieder auftauchte, als man begann, Kammkästen, Schmucktruhen und so weiter aus Pappe herzustellen und dies Machwerk mit farbigen Tapeten zu bekleben. Das war nun wirklich sehr geschmacklos, und diese Kulturgreuel kamen sehr schnell wieder ab.

[Illustration: Abb. 132. Fusselkörbchen für die Nähmaschine.]

Jahrzehntelang hat man sich mit derartigem Kunstgewerbe nicht mehr beschäftigt, jetzt beginnt es langsam wieder hochzukommen und größeres Interesse zu erregen. Es gibt viele junge Mädchen, die es verstehen, ihre kleine Bibliothek selbst einzubinden, Schreibmappen herzustellen, Markenkästen, Briefkassetten zu arbeiten. Das sind nützliche Beschäftigungen, die gefördert werden sollen, denn hier kommt es darauf an, das Augenmaß zu verbessern, die peinlichste Akkuratesse zu üben und den Geschmack zu heben. Das Handwerkliche ist dabei die Hauptsache; wenn der Deckel auf dem Kästchen nicht paßt, ist die schönste Farbe kein Heilmittel dagegen.

Auf unsern Bildern zeigen wir eine Anzahl von gefälligen Mustern, die zum Nacharbeiten empfohlen werden können. Da ist ein Fusselkörbchen (Abbildung 132) für die Nähmaschine; das Papier ist grün-lila-gelb, der Innenraum grün tapeziert.

[Illustration: Abb. 133. Schmuckschachtel.]

Das zweite Modell (Abb. 133) ist eine Schmuckschachtel, sehr modern in der Linie mit dem hohen zuckerhutförmigen Deckel. Dieser kleine Behälter ist hellblau, rötlichgelb abgepaspelt, der Deckel ist grau, das Innere rötlichgelb.

Etwas einfacher ist der schalenartige, deckellose Behälter, den unsere umseitige Abbildung 134 zeigt. Er ist sechseckig, für Besuchskarten und andere trockene Kleinigkeiten bestimmt, und gehört auf einen Dielentisch oder auf einen Ankleidetisch, wo er sich zum Aufbewahren von Nadeln und dergleichen recht gut eignet. Er ist grau, rötlichgelb abgepaspelt und hellgrün.

[Illustration: Abb. 134. Schale für die Diele oder den Ankleidetisch.]

[Illustration: Abb. 135. Bonbonniere.]

Unser viertes Muster (Abb. 135) eignet sich als Bonbonniere, wenn man es recht sorgfältig mit auswechselbarem Stanniol- oder Seidenpapier auslegt, um es sauber zu erhalten. Sonst paßt es auch für den Spiegeltisch, für Nadeln und andere Kleinigkeiten. Es ist hellblau mit Gold gehalten, innen ist gelbes Papier mit Goldpunkten; die Füße sind schwarz. Das geschmackvoll gemusterte Papier wirkt sehr hübsch, solche Papiere sollte man den andern, weniger ausdrucksvollen Papieren vorziehen.

[Illustration: Abb. 136. Markenkästchen für den Schreibtisch.]

Unser letztes Modell (Abb. 136) zeigt ein Markenkästchen für den Schreibtisch. Indessen eignen sich auch andere Formen für diesen Zweck, wenn die quadratischen Einteilungen gemacht werden. Es ist mit lederartigem gelbem Papier beklebt. Der Innenteil zeigt lila-gelb-braunes Batikpapier, die Füße sowie der Deckelknopf sind schwarz gehalten.

44. Behälter aus Kartonpapier

Häufig kommt es vor, daß man Kleinigkeiten verschenken oder verschicken muß. Die einfache Papierpackung soll durch eine geschmackvolle Umhüllung ersetzt werden; diese Umhüllung darf nicht viel kosten, man will sie recht schnell herstellen, sie soll nicht wie eine Handarbeit wirken, darf keineswegs zu Gegenleistungen verpflichten; da kommt es nun wirklich darauf an, seine Geschicklichkeit zu zeigen.

[Illustration: Abb. 137. Schälchen aus grauem Karton mit Ausschneidemuster.]

Wir geben auf unsern Bildern (Abb. 137 bis 139) einige Beispiele, wie solche Behälter für Kleinigkeiten, die noch „im letzten Augenblick“ angefertigt werden können, aussehen. Da ist ein +Schälchen+ (Abb. 137) und ein +Kästchen+ (Abbildung 138), beide Modelle sind sehr niedlich und praktisch. Wenn man Geburtstags- und Weihnachtspakete zusammenstellt, wenn für die Sommerreise allerlei verpackt werden soll, wenn etwas für den Umzug gestiftet werden soll, ist solch ein Behälter sehr brauchbar; er kann nicht nur leicht hergestellt, sondern ebenso leicht wieder zusammengelegt werden, und -- überhaupt -- wer spricht da noch viel über solche Kleinigkeiten! Sie passen für trockenes +Konfekt+, +Pfefferminzplätzchen+, +Süßigkeiten+, die noch schnell ins Abteil gereicht werden, wenn man Freunde und Verwandte zur Bahn begleitet. Man verwendet sie in Kästchenform für kleines +Nähzeug+, +Briefmarken+, +Spielpfennige+, für +kleine Reiseandenken+, einfachen +Schmuck+, +Fingerhüte+, die man mitbringt, besonders wenn es sich um Kleinigkeiten für Kinder handelt. Die Verwendungsmöglichkeit solcher Kartonschälchen und -kästchen ist fast unbegrenzt. Man kann sie in verschiedenen Größen herstellen, mehr oder weniger farbig, ganz nach Belieben. Auch für +Schreibtischutensilien+ eignen sich die offenen und geschlossenen Kartonarbeiten recht gut.

Als +Grundmaterial+ wird Kartonpapier verwendet, darauf zeichnet man den Schnitt sorgfältig auf (Abb. 139). Dann ritzt man die Seiten, die geknickt werden sollen, auf der +äußeren+ Seite ein, schließlich schneidet man die Kästchen mit dem Messer aus, leimt die Seiten mit Tischlerleim zusammen oder befestigt sie mit Metallklammern, wie wir es auf unsern Bildern zeigen. Zum Schluß bemalt man die Innenseite der Schale oder den Deckel des Kästchens mit einer Wasserdeckfarbe, am besten Guasch- oder Temperafarbe. Viel malerischer ist die Wirkung, wenn man Buntpapier ausschneidet und das Ornament mit einem Papierleim, zum Beispiel Fischleim, möglichst sauber aufklebt. Das Ornament muß in der Mitte stehen und darf nicht krumm und schief aussehen. Sehr einfach ist die Verzierung auf dem +Kästchen+; da sehen wir +Kugeln+ aus Buntpapier, die in regelmäßigen Abständen voneinander in einem Kreise aufgeklebt sind. Mit Geldstücken erzielt man die runde Form, der Kreis wird mit dem Zirkel gezogen, mit dem Zirkel teilt man auch die Abstände ein. Statt Buntpapier kann man für diese kleinen Ornamente auch farbiges Papier verwenden, wie wir es von Schokolade-, Seifen-, Konfekt- und Kerzenverpackungen her kennen, je bunter, desto besser. Das Grundmaterial -- Kartonpapier -- finden wir in jedem Haushalt vor, wenn wir uns umsehen; es kommt nicht so sehr auf die Farbe an, wenn es nur nicht fleckig ist.

[Illustration: Abb. 138. Behälter aus Karton mit aufgeklebten Mustern.]

Will man die niedlichen Behälter kleineren Kindern schenken, so genügt es schließlich, wenn man auf Klebe- und Maltechnik verzichtet und die Kartons mit bunten Bildchen, sogenannten Oblaten verziert. Man kann auch aus Reklame- oder Ansichtskarten geeignete Motive, zum Beispiel Tiere, Tierköpfe, Blumen und so weiter ausschneiden und auf den Karton kleben. Die hübschen Basteleien eignen sich auch für Kinderbeschäftigung; sie lassen sich leicht erklären, machen viel Spaß und gehören zu den nützlichen Handfertigkeiten, die von groß und klein geschätzt werden. Wir fügen einige Schnitte bei (Abb. 139), aus denen zu ersehen ist, wie eine Bleistiftschale, ein Kästchen mit angeschnittenem Deckel, als Markenkästchen gedacht, eine einfache Mappe in dieser Technik am besten nachgearbeitet werden können.

[Illustration: Abb. 139. Schnitte für Kartonarbeiten.]

45. Schmuckpapier

+Schmuckpapier+ gehört in das Buchbinderfach. Seine Herstellung ist altes Kunsthandwerk, das mit dem Buchgewerbe eng zusammenhängt und als +Handwerk+ in früheren Jahren außerordentlich in Gunst stand. +Bücher+ mit +Einbänden+ aus +Schmuckpapieren+ waren sehr beliebt, Buchhändler und Büchersammler legten großen Wert auf schöne Schmuckpapiere; es gehörte zum Buch wie der gute Druck.

Als die Maschine sich auch des Schmuckpapiers bemächtigte, gingen die +handgearbeiteten+ Papiere zurück. Die Maschinendruckpapiere wurden so billig hergestellt, daß es sich nicht mehr lohnte, handgearbeitete Schmuckpapiere anzufertigen; so kam ein uralter Handwerkszweig fast in Vergessenheit.

In allerletzter Zeit ist man wieder darauf zurückgekommen, man findet wieder Gefallen am +handgebundenen Buch+, an +handgeschriebenen+ Texten, an +handgearbeiteten+ Vorsatzpapieren. Bücher, die in dieser Art geschmückt sind, bilden den Stolz der Hausbibliotheken; die Jugend hat Freude an solchem Handwerk, sie hat auch Zeit dazu, es auszuüben, sie lernt schnell alle Handgriffe und bringt bei einiger Übung mancherlei Geschmackvolles zustande.

[Illustration: Abb. 140. Schmuckpapier.]

Hübsche Schmuckpapiere kann man sehr vielseitig verwenden, nicht nur als Buchschmuck. Zum Bekleben von +Kassetten+ verschiedener Art, +Dosen+, +Mappen+, +Kalenderrückwänden+, +Notizblöcken+ eignen sie sich ganz besonders; wer sorgfältig arbeitet, wird auf diesem Gebiet sicherlich manchen Erfolg haben.

Das einfachste Schmuckpapier, das auch von Anfängern gern hergestellt wird, ist das +Kleisterpapier+. Es besteht aus Papier, Farbe und Kleister und kann schnell und fast kostenlos angefertigt werden.

Als +Grundmaterial+ kommen verschiedene Arten Papier in Frage: +Zeichen-+, +Ton-+, +Pack-+, +Konzept-+ und +Einwickelpapier+. Soll das Schmuckpapier stark sein, so verwendet man starkes Papier, für kleine Gegenstände genügt meist dünnes Grundmaterial.

Zum +Aufstreichen+ verwendet man sogenannte +Leimpinsel+, das sind Borstenpinsel, die in beliebiger Stärke in Farbengeschäften und Drogerien erhältlich sind.

Den +Kleister+ kann man selber herstellen; Stärkekleister eignet sich für diese Zwecke am besten; Reisstärke, die in jedem Haushalt gebraucht wird, benutzt man auch zur Anfertigung von Schmuckpapieren. In einem halben Glase Wasser löst man einen Eßlöffel voll Reisstärke auf, man nimmt dazu kaltes Wasser, damit die Stärke nicht kleine Klümpchen bildet. Dann läßt man ½ Liter Wasser kochen, am besten in einer sauberen Konservenbüchse, die das Doppelte faßt, und gießt, wenn es kocht, die aufgelöste Stärke unter ständigem Rühren in das Wasser hinein. Sehr bald entsteht ein dünner Brei, der nach dem Aufkochen vom Feuer genommen wird. Erst wenn der so entstandene Kleister völlig erkaltet ist, darf man ihn verwenden.

Um dem Kleister die entsprechende +Farbe+ zu geben, benutzt man +Leimfarben+, die in Pulverform in den Drogerien und Farbengeschäften erhältlich sind. Das Auflösen dieser Farben geschieht in kleinen Näpfen, in Salbentöpfchen, in Tassen oder irgendwelchen Töpfchen; mit Wasser wird ein dicker Brei hergestellt, den man mit einem ausgedienten Federhalter oder einem Pinselgriff so lange verrührt, bis er flüssig ist und keine Klümpchen mehr zeigt. Wenn man die Farben nicht sehr sorgfältig verrührt, werden sie körnig, die Farbkörnchen lösen sich auf dem Papier beim Aufstreichen auf und verderben das Muster. Da sich die Farben meist nicht lange halten, sondern leicht schimmelig werden, soll man nur so viel anrühren, wie man braucht, was sich bei einiger Übung sehr bald feststellen läßt.

[Illustration: Abb. 141. Vorsatzpapier.]

Ist das Material zusammengestellt, so beginnt die Arbeit: Man vermengt in einer Untertasse so viel Kleister mit der Farbe, daß er einen kräftigen Ton zeigt; am besten ist es, erst den Kleister in entsprechender Menge in das Gefäß zu füllen und nach und nach die Farbe dazuzugeben, unter ständigem Verrühren, damit die Mischung gleichmäßig wird. Dann macht man auf billigem Papier allerlei Pinselübungen, unter möglichster Schonung der Tischplatte, die durch Unterlagen (Zeitungsbogen) vor Kleisterspritzern geschützt werden muß.

Zuerst streicht man mit dem Pinsel gerade Linien und Wellenlinien auf; wenn man beim Streichen den Pinsel kräftig aufdrückt, entstehen Muster, wenn man den Pinsel steil oder schräg aufstellt, ihn auf dem Papier dreht und hin und her schiebt, entstehen wieder andere Formen. Wird nun der Bogen glatt zugestrichen und darauf solche Pinselübung regelrecht betrieben, so entstehen immer weitere Muster, die schließlich nach Belieben aufgesetzt werden.

Bei diesen Pinselübungen braucht es nicht zu bleiben, man kann allerlei „+Stempel+“ verwenden, die man selber herstellen kann, wenn man mit einem scharfen Messer Kreuze und andere leichte Muster in Flaschenkorke schneidet und diese „Stempel“ auf das grundierte Papier drückt. Außer Kork gibt es noch andere geeignete Materialien, zum Beispiel +Gummistücke+, +Radiergummi+, +Kartoffel+- und +Mohrrübenscheiben+, in die man beliebige Stempel hineinschneiden kann. Wenn man in bestimmten Abständen mit der +Fingerspitze+ auf das Papier tupft oder bestimmte Linien zeichnet, entstehen Muster; aus +Knöpfen+, +ungespitzten Bleistiften+, +dicken Buntstiften+ in Holzfassung, mit +Schwämmen+, die in Farbe eingetaucht und über dem Papier ausgedrückt oder ausgespritzt werden, kann man gute Formen und Farbwirkungen erzielen. Eine Art +Batik+ erreicht man, wenn man das gefärbte Papier zusammenballt und wieder ausbreitet. Will man ein +geädertes+ Schmuckpapier haben, so bespritzt man das Papier mit verschiedenen Farben und hält es so lange senkrecht, bis durch das Herunterlaufen der Farben das gewünschte Adermuster entstanden ist.

Sehr originelle Musterungen erzielt man mit +kleinen Blechdosen+, Schuhputz- und Cremedosen, mit +Zigarettenspitzen+ aus +Papier+, mit +Weidenkätzchen+; auch +Streichhölzer+, +Hasenpfoten+, +Watte+ und +Pappstreifen+ kann man verwenden. +Pappstreifen+ ergeben je nach ihrer Form schmale und breite, gerade, gebogene oder Wellenlinien.

Wird ein Bogen gleichmäßig mit Kleisterfarbe bemalt, in der Mitte gebrochen, mit den nassen Hälften wieder zusammengelegt, daß er ganz schnell zusammenklebt, und wieder auseinandergenommen, so entsteht beim Auseinanderziehen ein brauchbares Muster.

+Marmorierungen+ erzielt man, wenn man mit großen +Vogelfedern+ arbeitet; ähnliche Wirkungen kommen heraus, wenn man +Seidenpapier+ zusammenbauscht und darüber fährt; statt des zerdrückten Seidenpapiers kann man auch +Watte+ zum Marmorieren benutzen.

Wenn man aus starker Pappe einen „Kamm“ ausschneidet und über das Grundierte fährt, entstehen allerlei Muster; es kommt darauf an, ob man den Kamm gerade oder schräg aufsetzt, ob die „Zähne“ des Kamms schmal oder breit sind.

Wer sich mit solchen Kleisterpapieren beschäftigt, wird sehr bald selber auf mancherlei Möglichkeiten kommen; mit einiger Phantasie gelingen die amüsantesten Muster, und wenn noch eine längere Übung dazukommt, können die Papiere kaum mißlingen.

[Illustration: Abb. 142. Schmuckpapier.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Man kann die Papiere in +Quadrate+, +Zickzacklinien+ und +Wellenlinien+ aufteilen. +Helle Bänder+ entstehen, wenn man mit einem leicht zugespitzten Stück Pappe in die grundierte Fläche hineinzeichnet. Diese Bänder können beliebige Formen haben.

Ist ein Muster mißlungen, gefällt die Farbe nicht, so ist der Schaden sehr schnell behoben. Man streicht das Muster wieder zu und beginnt von neuem; Grundfarben muß man mit dem nassen Schwamm abwaschen.

Wenn ein Ton zu dunkel geworden ist, so wird er wieder aufgelichtet, indem man reinen Kleister darüberstreicht. Ist der Kleister zu dick, so gibt man mit einem Pinsel oder einem Schwamm reines Wasser auf das Papier; Wasser hilft auch, wenn die Kleisterfarben zu zäh und dickflüssig geworden sind. Je fester der Kleister ist, desto schärfer und dünner werden die Formen; will man also verschwimmende Ornamente erzielen, so muß man den Kleister verwässern.

[Illustration: Abb. 143. Aufsetzen des Grundes.]

Das +Trocknen+ der Kleisterpapiere dauert nicht lange; man breitet sie über Nacht über einigen Lagen Zeitungspapier aus, dann beschwert man sie mit dicken Büchern; dadurch werden sie gleichmäßig glatt und können, nachdem sie getrocknet sind, verwendet werden.

Die +Gerätschaften+ muß man sehr sorgfältig behandeln; die +Farbentöpfe+ werden am besten mit Seifen- oder Sodawasser heiß ausgewaschen, ebenso die +Pinsel+, deren Borsten lang ausgezogen werden, ehe man sie, mit den Borsten aufwärts, wegstellt. Bleiben sie mit den Borsten im Kleister stehen, so verbiegen sie sich und brechen sehr bald ab.

Statt der beliebten +Leimfarben+ kann man auch +Tempera-+ und +Aquarellfarben+ verwenden; für Übungszwecke dürften sie indessen zu teuer sein. Sehr gut wirken die feurigen +Anilinfarben+, die sich besonders für solche Schmuckpapiere eignen, die zum Beziehen von kleinen Arbeiten, von Kassetten und Dosen verwendet werden. Mit ein paar Tropfen der in heißem Wasser aufgelösten Farbe kann man den Kleister sehr lebhaft färben. Das Farbpulver wird in heißem Wasser flüssig. Man achte darauf, daß die entstandene Farbflüssigkeit nicht zu dünn wird, da sie sonst nicht genügend färbt.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 140 bis 143) vier +Kleisterpapiere+, die nach den obigen Beschreibungen entstanden sind. Nummer 1 ist grün mit Goldtupfen; die Goldtupfen sind in Bronzefarbe aufgesetzt, ebensogut kann man auch Silberfarbe verwenden.

Das zweite Papier ist in Rot und Grün gehalten, das dritte in Grau, Blau und Weiß, das vierte in Rot mit schwarzen Kreisen. Nebenstehend sieht man, wie der Grund mit breiten Pinselstrichen aufgesetzt wird. Die Kreise werden mit kleinen Blechdosen aufgestempelt.

46. Lampenschirme aus Papier