Chapter 6 of 14 · 3992 words · ~20 min read

Part 6

+Lack+: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man verwendet +Temperalack+, der sowohl offen in Drogengeschäften, als auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder ~Spiritus vini~ und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus kann auch im Notfall +Brennspiritus+ benutzt werden, wenn er nicht gar zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde. Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen.

+Schablonen+: Schablonen für einfache Borten sind in den Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich. Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten.

+Malnäpfe+ und +Palette+: Malnäpfe aus Porzellan sind in den verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden.

+Mallappen+ aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für derartige Zwecke am brauchbarsten.

+Die Technik+: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-, Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-, Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche Halbtöne sind am besten zu vermeiden.

Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen. So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt, ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren, das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht man ein Verblassen der Flecke.

Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets zum Trocknen +aufstellen+, damit sich der Lack nicht stellenweise verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise, von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen. Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die Malerei verderben würde.

21. Porzellanmalerei

Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte.

Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie jede andre Technik auch richtig erlernt werden.

Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen, es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb. 75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden.

Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl, ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist dabei vor Kälte und Staub zu schützen.

[Illustration: Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried, München.]

Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet, Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen, Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben.

Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken- und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen, da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert.

Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein.

Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden, wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier; als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden. Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage.

[Illustration: Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy Seyfried, München.]

Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann, und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß nebeneinander aufzutragen sind.

[Illustration: Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.]

Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken, so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt, recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken.

[Illustration: Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.]

Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach +Porzellananhänger+ mit +Malerei+, die, besonders wenn es sich um +Handmalerei+ handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster, sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe stammen aus den Werkstätten von +Kurt Severin+, sie sind in der Porzellan-Manufaktur von +Ph. Rosenthal+, Selb in Bayern, ausgeführt worden.

22. Malerei mit Emailfarben

+Emailfarben+ sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir zeigen auf unserm Bilde ein +Tablett+ (Abb. 79) aus Metall, das durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden müssen. +Tablett+, +Untersetzer+, +Blumenkübel+, +Blumenkästen+ kann man mit dieser Malerei verzieren, auch +Glasgegenstände+, zum Beispiel +Teller+, +Gläser+, +Flaschen+, am besten mit Punktmustern, wie wir sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des +Tabletts+ ist briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten. Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen besteht.

In dieser einfachen Art kann man +Gläser+, +Flaschen+ und +Glasteller+ verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem +Tablett+ sehen; in den einschlägigen Geschäften sind +Glasschalen+ in verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen wurden, als dies modern war. Solch glatte +Glasschälchen+ sind für die +Emailmalerei+ sehr geeignet, man verwendet sie als +Konfektteller+, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch als +Nadelbehälter+. Auch +Glasflaschen+ kann man mit Emailfarben bemalen, es gibt +Likörflaschen+, die sehr hübsch geformt sind, auch +Toilettewasserflaschen+ haben häufig geschmackvolle Formen; solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen +Parfümflaschen+, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind, daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen.

[Illustration: Abb. 79. Tablett in Emailfarben.]

Zum +Aufzeichnen+ der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten, die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind. +Glasteller+ und +Schalen+ werden auf der linken Seite bemalt, dafür wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann.

23. Osterkarten mit Malerei

Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige +Tischkarten+ mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen ohne viel Mühe hergestellt werden.

[Illustration: Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.]

Als +Grundmaterial+ verwendet man weißes, nicht zu starkes Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen, indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die Umrisse zeichnen.

[Illustration: Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.]

[Illustration: Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen und Eiern.]

Die +eiförmige Karte+ (Abb. 80) ist mit einer +Girlande+ in Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen, Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa, Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen.

Die +Hühnchenkarte+ (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb, mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun, die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in verschiedenen Tönen.

Der +Hahn+, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem +Kranz+ aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot.

Die +Ostereikarte+ und die +Hahnkarte+ passen am besten für die Speisenfolge, die +Kükenkarte+ eignet sich mehr zur Tischkarte, alle drei Muster können als Osterkarten verwendet werden.

III. Kapitel

Handfertigkeiten

24. Linoleumschnitt

Der +Linoleumschnitt+, auch +Linolschnitt+ genannt, entspricht dem +Holzschnitt+; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten. Dieses Material besteht aus möglichst dickem +Linoleum+, es können auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste Werkzeug ist ein +Messer+ (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom +Exlibris+ bis zur +Glückwunschkarte+, vom bescheidenen Bildchen bis zum Schmuck von +Gästebüchern+ und +Sammelmappen+ gibt es mancherlei Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam, wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische, von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten kann:

Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen, die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist, mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich, die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten +Bütten-+ oder +Japanpapier+, jedes saugfähige, dünne Papier; im Notfall kann sogar +Seidenpapier+ dazu verwendet werden. Dagegen kommen Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier überdeckt und dann mit einem +Reiber+ (Abb. 83) so lange gerieben, bis die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des Reibers kann ein +Falzbein+ verwendet werden. Den Reiber stellt man selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend.

[Illustration: Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.]

[Illustration: Abb. 84. Linoleumschnitt.]

Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in +Linoleumschnitt+, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in +Linoleumschnitt+ mancherlei sehr reizvolle +Bucheinbände+, +Vorsatzpapiere+ und +Einbände+ für +Notizbücher+ und +Blocks+ herstellen; +Linoleumdruck+ paßt auch zur Verzierung von +Rückwänden+ für +Kalender+ und für +Stundenpläne+. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik finden.

25. Ausschneidetechnik

Bei der +Ausschneidetechnik+ werden die Formen mit der Schere möglichst genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere, malerische Wirkung: Man schneidet das +Buntpapier+ nach den Formen, die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt, zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird.

Als Arbeitsmaterial verwendet man +Buntpapier+, das in verschiedenen Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, +Kartonpapier+, ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes +Klebemittel+.

Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben, möglichst vereinfacht in der Form.

Die +Verwendungsmöglichkeit+ der +Ausschneidetechnik+ ist sehr verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als +Wandschmuck+ unter Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden- und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie als Verzierung von +Gratulationskarten+; man kann +Widmungsblätter+ für +Gästebücher+, +Lichtschirme+, +Notizbücher+, +Bucheinbände+, +Telegramm-+ und +Sammelmappen+ damit schmücken, sie passen für +Erinnerungsbücher+, als +Einlagen+ für +Tablett+ und +Untersetzer+, wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer mit Goldband zu umranden, kann die +Ausschneidetechnik+ für die runden oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf +Kassetten+ für +Briefpapier+, +Taschentuchbehältern+ und +Handschuhkästen+ kann man farbige Ausschneidebilder anbringen.

[Illustration: Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.]

Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden, allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird.

Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier zeigen sich die Feinheiten der +Ausschneidearbeit+ sehr genau, es sind vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene.

Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund -- Kartonpapier -- stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume, die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch, der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig vom Grundton ab.

Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist, darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene.