Chapter 9 of 14 · 3971 words · ~20 min read

Part 9

+Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger, sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln.

Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-, Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt.

Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen „+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind, sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie +gewachst+ werden kann.

Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt; man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren. Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde.

[Illustration: Abb. 108. Fensterbild in Laubsägearbeit.]

Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig. Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er mißlungen ist.

Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken.

Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild verwendet werden.

33. Handgearbeiteter Lampenschirm

Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide, andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß gefüttert.

Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt.

[Illustration: Abb. 109. Arbeitsprobe zum handgearbeiteten Lampenschirm.]

Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird. Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-, Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes Holz sich ziehen würde.

Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert, gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen.

+Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun, Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten. Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür verwendbar.

Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften.

Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht man jedes Stäubchen auf der Arbeit.

Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren.

Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet, eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des Stoffes.

Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und „durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen.

[Illustration: Abb. 110. Handgearbeiteter Lampenschirm mit ausgesägtem Holzrand. Von Liselotte Volk.]

[Illustration: Abb. 111. Handgearbeiteter Lampenschirm. Der ausgesägte Rand ist aufgestellt.]

Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin. Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal aufzukräuseln.

Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben, damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen, damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen, um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum, zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff, zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede Herstellungsart.

V. Kapitel

Bastelarbeiten

34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn)

An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen; da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu sein.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame +kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen Gegenstände herzustellen.

Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus +Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches, großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden.

Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen, aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln. Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+ besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+ bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht, daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+ bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben. Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund, mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt.

[Illustration: Abb. 112. Ein Dorf aus Streichholzschachteln. Von Liselotte Volk.]

Besonders malerisch wirken die +Bäume+. Der Baumstamm besteht aus Holzstöckchen in entsprechender Höhe, die auf Holzknöpfe geleimt werden, damit sie feststehen. Man kann auch viereckige Holzstückchen dafür verwenden. Das +Laub+ besteht aus grünem Seidenpapier; ein langer Streifen Seidenpapier wird an einer Längsseite in Abständen von ½ Zentimeter eingeschnitten. Der Baumstamm wird mit Kleister oder Leim bestrichen, soweit das „Laub“ reicht, und nun wird der Seidenpapierstreifen, von oben anfangend, nach unten darüber gewickelt, bis ein voller Wipfel entsteht. Der Stamm wird braun angestrichen, ebenso der Knopf oder das Standbrettchen. Noch einfacher ist die Herstellung der Bäume, wenn man Luffaschwamm in grüner Beize färbt und an den Baumstämmchen befestigt.

[Illustration: Abb. 113. Eisenbahn aus Streichholzschachteln.]

Die +Eisenbahn+ (Abb. 113) ist ein Spielzeug, das in jedem Kinderzimmer helle Begeisterung auslösen dürfte; besonders Jungen sind immer für Eisenbahnen zu haben, die ihre Phantasie anregen und die man nach Belieben bewegen kann. Die +Wagen+ bestehen aus Streichholzschachteln, die mit braunem oder dunkelgrünem Papier, mit Hilfe von Kleister, Dextrin oder irgend einem anderen Klebestoff, verkleidet werden. +Fenster+ und +Türen+ werden aus schwarzem oder braunem abstechenden Papier sorgfältig ausgeschnitten und aufgeklebt. Um gerade Linien zu erzielen, nimmt man das Lineal zu Hilfe, die Linien werden mit einer Stricknadel längs des Lineals eingeritzt oder mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift vorgezogen. Die +Räder+ bestehen aus Pappe; zum Aufzeichnen verwendet man runde Schachteln (Pillenschachteln), legt sie unter die Pappe und zieht mit Bleistift den Kreis. Die Zündholzschachteln werden zum Anbringen der Räder an geeigneter Stelle durchlocht, die Räder durchlocht man genau in der Mitte und befestigt sie mit Streichhölzern oder Zahnstochern an den Wagenwänden, am einfachsten ist es, wenn man die Räder mit Reißnägeln anbringt. Die +Lokomotive+ erhält einen +Schornstein+ aus einer Garnrolle, die einzelnen Wagen werden mit Bindfaden miteinander verbunden, man durchlocht die Schachteln und zieht den dünnen Bindfaden durch. Die Wagenreihe kann beliebig verlängert werden, man kann auch Nummern auf die einzelnen Abteile pinseln, um sie nach Klassen einzuteilen.

35. Knebelpuppen

[Illustration: Abb. 114. Puppen aus Paketknebeln und Streichhölzern.]

Die niedlichen +Knebelpuppen+, die wir auf Abb. 114 zeigen, eignen sich sehr gut als +Tafelschmuck+, besonders als +Tischkartenhalter+. Man kann damit eine sehr lustige „bunte Reihe“ erzielen. Die Herstellung ist sehr einfach und kostenlos; im letzten Augenblick gelingt es geschickten Händen noch, solche farbige Figürchen anzufertigen. Bei einiger Übung kann man sie dutzendweise nacharbeiten. Man nagelt die bekannten +Paketholzknebel+ auf +Holzknöpfe+ auf; es genügt auch, sie mit Tischlerleim aufzukleben. Die Arme bestehen aus abgebrannten +Streichhölzern+, die ebenfalls an beiden Seiten des Knebelrumpfes angeleimt werden. Sollen sie beweglich sein, so befestigt man sie mit Draht. Die +Paketknebel+ werden durchbohrt, der Draht wird durchgezogen, und die Streichhölzer werden am oberen Teil fest umwickelt; es muß aber so viel Raum bleiben, daß die Arme bewegt werden können. Die „Dame“ auf unserer Photographie hat solche beweglichen Arme, während die Arme ihrer beiden Kavaliere fest angeleimt sind. Man malt die Knebelpuppen mit Guasch-, Leim- oder Temperafarben recht bunt an und lackiert sie mit +Spirituslack+, möglichst mehrmals, damit ein harter Hochglanz entsteht. Nach jedem Lackieren muß der Anstrich auftrocknen, ehe man mit dem nächsten beginnt. Die +Gesichter+ werden rosa angepinselt, mit roten Backen und rotem Mund, die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, die Haare sind braun oder ockergelb. Die +Jacken+ hält man tütenblau oder feuerrot, auch Kirschrot und Orangegelb sind passende Töne. Sollen sie grün bemalt werden, so verwendet man am besten einen giftigen Ton, auch Grasgrün kommt in Frage. Die +Hosen+ werden in einer abstechenden Farbe angepinselt und mit einem braunen oder schwarzen Strich getrennt. Hübsche Farbenzusammenstellungen sind Kirschrot und Tütenblau, Giftgrün und Orangegelb, Zitronengelb und Feuerrot.

Die „+Dame+“ bekommt ein angekraustes weites +Röckchen+ aus Seidenpapier, das mit bunten Tupfen bepinselt wird. Irgend ein Seidenstoffrestchen kann ebenfalls verwendet werden. Die +Holzknöpfe+, die als Standbrett dienen, werden in einer der genannten Farben angestrichen, möglichst abstechend, da der Hauptreiz der Knebelpuppen in ihrer Buntheit besteht. Will man sie als +Lotteriegewinne+ paarweise verwenden, so schlinge man farbige Woll- oder Perlgarnfäden um ihre eingekerbten Taillen und verbinde je ein Pärchen durch diese zu Schleifen verschlungenen, entsprechend langen Fäden. Man kann auch schmale, bunte Seidenbandreste dazu verwenden, indessen soll man dabei beachten, daß es sich um eine scherzhafte Spielerei handelt und kein wertvolles Material dafür benutzen. Will man die Figürchen als +Tischkartenhalter+ verwerten, so stecke man die Karte mit einer Stecknadel an dem Holzknopf fest, damit sie nicht herunterfällt. Als +Kinderspielzeug+ werden die +Knebelpuppen+ von den Kleinen sehr geschätzt, man kann mit ihnen die Puppenstuben beleben; auch in ein selbstgebasteltes Dorf, in einen Geflügelhof, möglichst „von eigener Hand“, passen sie recht gut. Will man sie in sehr kleinem Format herstellen, so halbiert man die Paketknebel und die Streichhölzer, benutzt kleine Holzknöpfe als Ständer und verfährt im übrigen genau wie bei den andern Figürchen. Die kleinen Leute sind besonders für +Silvesterscherze+ zu empfehlen; man kann Namen auf die Knöpfe pinseln und mancherlei Ulk damit treiben; bei Tanzstundenbällen und ähnlichen Festen wird man sehr viel Fröhlichkeit damit hervorrufen.

36. Kreisel

+Kreisel+ sind ein altes Spiel, das sowohl von Knaben, als auch von Mädchen sehr geliebt wird. Wer solches Spielzeug selber herstellen kann, wird viel Freude haben und sich sehr beliebt machen. Junge Mädchen, die in Familien mit Kindern verkehren, werden ihnen sicherlich gern etwas „mitbringen“ ein selbstgemachter Kreisel macht keine Kosten und wird gern angenommen, oftmals lieber als Süßigkeiten, mit denen man sich im allgemeinen behilft.

[Illustration: Abb. 115. Kreisel.]

Der eine +Kreisel+, den wir im Bilde (Abb. 115 rechts) zeigen, besteht aus einem +Paketknebel+ und einer +Garnrolle+, die mit kräftigen Farben angemalt ist, das andere Modell ist aus einem +Paketknebel+ und einem +Pappstern+, der zum Zwirnwickeln gedient hat, hergestellt; auch dieses Modell ist bunt angepinselt. Haltbarer ist der erste Kreisel. Die breiten Teile einer Garnrolle werden mit der Laubsäge abgesägt, die Flächen reibt man mit Sandpapier glatt, man kann sie auch abfeilen.

Ein +Paketknebel+ wird durchgeschlagen, damit er fest sitzt. Dann streicht man den fertigen Knebel mit einer haltbaren Farbe an, am besten mit +Emailfarbe+, die nicht lackiert wird. Es genügt indessen auch +Ölfarbe+, die mit Terpentinöl verdünnt und aufgetragen wird; das Holz darf nicht durchscheinen. Ist die Ölfarbe aufgetrocknet, so lackiert man den Kreisel mit +Ölfarbenfirnis+, der sehr langsam auftrocknet. Man darf den Kreisel nicht eher anfassen, als bis der Lack vollständig aufgetrocknet ist.

Auch der andere +Kreisel+ (Abb. 115 links) wird in dieser Weise angepinselt; man kann die Kreisel mit bunten Tupfen verzieren. Den Holzkreisel schmückt man am besten, wenn man den Garnrollenteil in mehrere Felder aufteilt und jedes Feld in einer anderen Farbe anstreicht; doch genügen auch Strich- und Punktornamente.

Am hübschesten sehen die +Kreisel+ aus, wenn sie recht grell bemalt sind; als Grundton verwendet man Feuerrot, Kirschrot, Tütenblau, Briefkastenblau oder Grasgrün. Die Tupfen hält man in Gelb und Blau, wenn der Grund rot ist, in Rot und Grün, wenn er blau ist, in Weiß und Gelb, wenn er grün ist. Teilt man den +Kreisel+ in Felder auf, so streiche man sie rot, blau, grün, gelb, weiß an und trenne sie mit schwarzen Strichen. Man kann auch zwei der genannten Farben zum Grundieren verwenden, wenn man den +Paketknebel+ und die +Garnrolle+ oder den +Zwirnhalter+ in zwei voneinander abstechenden Tönen bemalt.

37. Holztiere

Es ist eine alte Erfahrung, daß man, wenn es sich um Spielzeug handelt, für Mädchen viel eher etwas Passendes findet als für Knaben. Wenn man die Spielsachen nun gar noch selber herstellen möchte, wird die Auswahl immer geringer, und wenn man außerdem Zeit und Kosten beschränken will, bleibt bestimmt sehr wenig übrig.

Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 116 und 117) zwei Holztiere, die als Spielzeug für Knaben großen Beifall finden dürften, umso eher, als auch das Schwesterchen und alle Freunde und Freundinnen damit spielen können. Es ist ein Spielzeug, das weder auf das Haus, noch auf den Spielplatz im Freien beschränkt ist; ihre vielseitige Verwendung in Kinderhänden ist es, die solche Tierfiguren so sehr beliebt macht, abgesehen davon, daß das Tier in der Kinderstube überhaupt eine große Rolle spielt. Unsere Modelle sind aus +Holz ausgesägt+; da die Laubsägearbeit in letzter Zeit in Jungmädchenkreisen vielfach ausgeführt wird, dürften solche Anregungen sicherlich gern aufgenommen werden, umso eher als auch Anfänger damit Versuche machen können.

[Illustration: Abb. 116. Elefant.

Von Liselotte Volk.]