Part 3
In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material. Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt. Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit weißen Pikots umrandet.
[Illustration: Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.]
Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis 30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“ und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+ und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+ eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem ersten Bilde.
[Illustration: Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.]
8. Künstlerische Blumen
In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt. Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch -- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen. Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen, am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts- und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+ und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für +Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines +Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte „+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für +Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+, +Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten „Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für +Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie „Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke +Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist, kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich, ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder +Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr leicht geschehen kann.
[Illustration: Abb. 31. Rosenknospen.]
[Illustration: Abb. 32. Glockenblüten.]
[Illustration: Abb. 33. Seidenblüten.]
Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle, die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden, doch sollen sie nicht bäurisch wirken.
[Illustration: Abb. 34. Wollblumen.]
Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die, langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter, oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.
[Illustration: Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.]
Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig größer.
Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb. 33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe. Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.
[Illustration: Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.]
Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32) herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht, angebracht.
Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.
9. Teepuppen
Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe, diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte, nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk, ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas schwieriger ist.
[Illustration: Abb. 37. Jettchen Gebert.
Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.]
Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+ stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes „Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind.
Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht, diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden dazu.
Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt, dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt; damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells. Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten, über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten, die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht. Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden, nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band, näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche, Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre, wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten. Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend, in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu beschaffen sind.
[Illustration: Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)]
Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter, alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.
Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt. Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es auch aus dünnem Gold oder Silber.
[Illustration: Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)]
[Illustration: Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)]
Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.
Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem Arm.
Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau herabhängt.
Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt, blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt Ansprüche.
10. Nadelmärchen
In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet, und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.
[Illustration: Abb. 41. Marienkind.]
Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter, die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.
Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist, wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter. Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden, sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien, außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei übersetzt worden.
Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende +Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt, der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.
[Illustration: Abb. 42. Dornröschen.]
Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch (Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.
Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll. Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen wird.
Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben, das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz naturalistisch wirken.
[Illustration: Abb. 43. Aschenbrödel.]
Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung. Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.
11. Kissen aus bunten Wollresten
In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+ und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.
[Illustration: Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.]
Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster, bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt, wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten, doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen. So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau, Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+, +Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden +Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen.
[Illustration: Abb. 45. Das fertige Kissen.]
12. Körbchen mit duftenden Rosen