Part 12
+Lampenschirme+ aus Papier sind seit einigen Jahren sehr beliebt; diese Mode wird sich voraussichtlich noch längere Zeit halten, denn der +Papierlampenschirm+ ist eine sehr stimmungsvolle Bereicherung unserer Wohnungseinrichtung, vorausgesetzt, daß er wirklich geschmackvoll wirkt. Wenn er nicht sehr sauber gearbeitet und in schönen Farben gehalten ist, hat er gar keinen Zweck, dann fällt er nur peinlich auf und kommt als Zimmerschmuck gar nicht in Betracht. Wenn man einen +Papierlampenschirm+ verschenken will, verzichte man darauf, „überraschen“ zu wollen; im Gegenteil, man soll sich erst einmal genau erkundigen, welche Form und Farbe für die betreffende Lampe erwünscht ist, damit der Schirm auch wirklich verwendet werden kann und nicht unbenutzt in die Rumpelkammer wandert, weil er „unmöglich“ ist. Unmöglich wird er sehr leicht, wenn das Papier schlecht gefaltet ist, wenn es eine unfeine Tönung hat und womöglich kitschig bepinselt ist. Das beste Material ist +Pergament-+ oder weißes +Zeichenpapier+, das meist einen leichten gelblichen Ton zeigt. Das Papier wird mit Fischleim oder einem beliebigen Papierklebemittel in der notwendigen Länge zusammengeklebt, diese Länge richtet sich nach der Größe der Lampe. Dann knifft man es in möglichst regelmäßigen Abständen; von der Regelmäßigkeit dieser Abstände hängt der „gute Sitz“ des Lampenschirms ab. Mit einem Falzbein werden die Falten scharf angeglättet; nach Belieben plissiert man flache oder tiefe, große oder kleine Falten, dies richtet sich nach der Größe des Lampenschirms, der nach der Größe der Lampe berechnet wird. Durch das gefältelte Papier werden mit einem Locher die Löcher für die Schnur geschlagen, damit -- an der oberen Kante des Schirms -- eine entsprechend starke Seidenschnur durchgezogen werden kann; sie wird zu einer Schleife mit lang herunterfallenden Enden geknüpft; diese Enden werden verknotet, nach Belieben wird je eine +Holzperle+ als Abschluß vor dem Knoten aufgenommen. Der fertige +Papierlampenschirm+ sieht wie ein steifes, plissiertes Röckchen aus, das mit Metallklammern oder Druckknöpfen geschlossen wird. Man kann die Endstreifen auch mit Papierleim aneinanderkleben. Meist genügt ein weißer Lichtschirm indessen nicht, man tönt das Papier mit Wasserfarben in einer Farbe, die zu der Lampe, zu dem Gesamtraum passen muß. Am feinsten wirkt Grün, Wasserblau, Altgold, Zitronengelb, Orange, Dunkelgelb; man kann am oberen und am unteren Rand leichte Abschlußstreifen aufmalen. Sehr häufig wird die ganze Schirmhülle bepinselt, mit Vögeln oder Blumen, mit Schmetterlingen oder Landschaften. Das ist viel zu viel, denn schließlich sind es durchaus nicht immer Kunstwerke, die dem Pinsel entfließen; außerdem kann der Charakter des Lampenschirms durch solch überflüssiges Gepinsel sehr leicht verwischt werden. Je einfacher, desto besser; ein paar leichte Randleisten in Silber oder Bronze wirken oft sehr viel besser als die gut gemeinten Malereien, denn die steife Form des Lampenschirms gestattet nur eine sparsame Verzierung. Die Innenseite des Schirms bleibt weiß, sonst verdunkelt sie das Licht. Streifig bemalte Lampenschirme können sehr geschmackvoll sein, verlangen indessen einige Übung, denn das Streifige soll sich nicht auf die Technik beziehen; das wäre ein Fehler, gemeint ist ein gestreifter Hintergrund in mehreren Tönen, die recht fein zueinander abgestimmt werden müssen, zum Beispiel Pfauenblau und Türkis, Orangegelb und Wasserblau; doch muß man sich vorher erkundigen, ob solche oder andere Farbenzusammenstellungen erwünscht sind. Für den eigenen Gebrauch ist es ebenfalls notwendig, die Farben des Lichtschirms zur Farbe der Tapeten, der Möbel und der im Zimmer befindlichen Webwaren abzustimmen. Man tönt und bemalt das Papier, bevor es plissiert wird; die Farben müssen vollständig aufgetrocknet sein, Lampenschirme werden nicht lackiert.
Wir bringen zum Papierlampenschirm keine Abbildung, da die Herstellungsart sehr deutlich beschrieben ist, und betonen nochmals zum Schluß, daß vor dem Zuschneiden des Papiers genau Maß genommen werden muß, damit er weder zu eng noch zu weit, zu lang oder zu kurz wird. Es empfiehlt sich, zu Übungszwecken zunächst Modelle aus Zeitungspapier herzustellen, das starke Katalogpapier eignet sich besonders gut dafür.
47. Bemalte Deckchen und Papierservietten
Bei Picknicks und andern zwanglosen Vergnügungen macht es den Töchtern des Hauses Vergnügen, nicht nur die Tafel festlich zu decken, sondern nach eigenem Geschmack etwas „Besonderes“ dazuzustiften. Es gibt da allerlei, was als Damenspende, als Tafelschmuck von eigener Hand hergestellt werden kann; am beliebtesten dürften die selbstbemalten +Papierservietten+ sein, wenn sie wirklich hübsch sind. Die Herstellung ist indessen nur dann angebracht, wenn die Tafelrunde nicht zu groß ist, die +selbstbemalten Papierservietten+ eignen sich mehr für einen intimeren Kreis, in dem sich alle recht gut untereinander kennen, sonst würde sich die Mühe der fleißigen Haustochter auch kaum lohnen.
Man verwendet am besten ausgebogte weiße, einfache +Papierservietten+, die man mit farbiger Ausziehtusche und einem spitzen Marderhaarpinsel recht sorgfältig bemalt. Statt Ausziehtusche kann auch Aquarellfarbe verwendet werden. Man macht zunächst ein paar Skizzen von den Zeichnungen, die dafür in Betracht kommen, dann pinselt man die Muster direkt auf die Papierservietten, nachdem man sich ein paar Anhaltspunkte und Linien mit feingespitztem harten Bleistift, wenn dies notwendig ist, gemacht hat. Nun bemalt man die Papierserviette mit einem bunten Rand oder einer farbigen Ecke. Auf unsern Bildern zeigen wir zwei ganz besonders geschmackvolle Muster, die sich dafür eignen.
Nummer 1 (Abb. 144) ist mit einem +Randmuster+ verziert, kurze, ineinander greifende Linien in Kobaltblau dunkel, Zinnoberrot und Schwarz.
Ganz besonders hübsch ist die andere Papierserviette bemalt (Abb. 145), ein +laufendes Muster+; die äußeren Formen sind kobaltblau hell, die inneren zinnoberrot gehalten.
[Illustration: Abb. 144. Bemalte Papierserviette; Randmuster.]
Diese Ornamente wirken so reizvoll, weil sie sehr geschickt, ohne Vorzeichnung, aus freier Hand dahingepinselt sind. Man sieht die Leichtigkeit des Entwurfs, die schnelle Ausführung; da ist nicht lange herumgetiftelt, und so muß auch die Wirkung sein, wenn es sich um improvisierte kleine Handfertigkeiten handelt.
[Illustration: Abb. 145. Bemalte Papierserviette; laufendes Muster.]
Diese Muster kann man indessen auch anderweit verwenden: für +Taschentücher+, sowohl in als auch in Batist oder einem andern feinen Gewebe; für diese Art Kunstgewerbe ist indessen Übung notwendig, denn es ist ein Unterschied, ob eine ungeratene Papierserviette fortgeworfen wird oder ein verklextes Taschentuch. Wenn ein Taschentuch oder ein +Brotkorbdeckchen+ bemalt werden soll, werden keine Ausziehtuschen und keine Wasserfarben verwendet, sondern +waschechte Farben+, die in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Am besten ist es, eine genaue Bleistiftzeichnung zu machen, sie unter das Gewebe zu schieben, mit Reißnägeln rechts und links zu befestigen, damit sie nicht verrutscht, und nun mit dem Pinsel die Formen nachzuziehen, die man durch den dünnen Stoff hindurchsehen kann. Das gilt sowohl für +Deckchen+ als auch für +Taschentücher+. Die Muster eignen sich auch für +Kinderkleider+ und +Schürzen+, die ebenfalls waschecht bemalt werden müssen; auch für +Porzellanmalerei+ kann man die einfachen, zierlichen +Rand-+ und +Eckmuster+ verwenden.
[Illustration: Skizzen für Randmuster.]
48. Papierpuppen
[Illustration: Abb. 146. Papierpuppe mit Papierkleidern.]
Für die jüngeren Mädchen gibt es ein Beschäftigungsspiel, das besonders dann sehr angebracht ist, wenn sie, zum Beispiel bei schlechtem Wetter, im Zimmer bleiben müssen oder wenn sie krank und sich selbst überlassen sind. Dieses hübsche Spielzeug besteht aus +Papierpuppen+, die man aus Modenzeitungen ausschneidet, und für die man passende Kleidungsstücke herstellt. Ein Spielzeug, das keinen Spektakel macht und das von den Kindern ohne Unterbrechung stundenlang gehandhabt wird, ohne sie zu ermüden. Erwachsene brauchen sich an diesem Spiel nicht zu beteiligen, es braucht nicht erklärt zu werden, es ist ohne Kosten herzustellen und macht allen Beteiligten viel Spaß. Am geeignetsten dafür sind +Kindermodefiguren+, die in jedem Modenheft und in vielen Katalogen und Zeitungsanzeigen anzutreffen sind. Man schneidet sie aus und klebt sie mit Papierleim auf festes weißes Papier auf. Nicht zu stark verdünntes Gummiarabikum ist ebenfalls dafür verwendbar. An den Füßen soll das Papier überstehen, an einem Fuß wird es nach vorn, am anderen Fuß nach hinten gebogen, damit die Puppe stehen kann. Auf weißes +Zeichenpapier+ werden +Kleider+, +Schürzen+, +Mäntel+ und so weiter aufgezeichnet, angepinselt und ausgeschnitten. An den Schultern und Hüften läßt man kleine Streifen überstehen, die -- nach hinten gebogen -- die Kleidungsstücke an den Puppen festhalten. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 146) einige Beispiele, in welcher Art solche +Papierpuppen hergestellt+ und angekleidet werden; zum Anpinseln verwendet man einfache +Tuschwasserfarben+ aus einem billigen Tuschkasten oder billige +Buntstifte+. Um die runden Linien recht schnell und sauber auszuschneiden, benutzt man eine gebogene Nagelschere.
VII. Kapitel
Buntes Allerlei
49. Bildstickereien
In vergangenen Jahrzehnten war es Mode, eine bestimmte Art der Nadelmalerei zu bevorzugen. Der Jugendstil war gerade aufgekommen und mit ihm die gespreizten, langstengeligen Formen, in die mit Vorliebe Schwertlilien, Alpenveilchen, Mohn, Tulpen und ähnliche Blüten hineingezwängt wurden.
Inzwischen ist man längst von diesen gequälten Linien abgekommen, und wenn die Mode sich aufs neue der Nadelmalerei zuwendet, so meint sie damit ganz etwas anderes. Einige Malerinnen, die sich bereits einen Namen gemacht haben, wandten sich der Stickerei zu und bringen modern aufgefaßte Blumen und Landschaften in dieser Technik auf die Fläche. So zum Beispiel Frau Hanna Schreiber de Grahl, die als Schülerin des märkischen Meisters Hagemeister an der Havel malte und hier ihre Eindrücke empfangen hat. Sie hat als Bildstickerin verschiedene ausgezeichnete Arbeiten hervorgebracht.
[Illustration: Abb. 147. Bildstickerei; roter Mohn.]
[Illustration: Abb. 148. Bildstickerei; blühender Apfelbaum.]
An zwei Modellen solcher gestickter Bilder (Abb. 147 und 148) wollen wir ihre Technik zeigen. Freilich fehlt der Hauptreiz, die Farbe, ohne die man sich solche Arbeiten nur sehr schwer vorstellen kann. Es ist daher hier nicht möglich, einen Vorhang wie den „Roten Mohn“ (Abb. 147) zu beschreiben; die Phantasie muß uns helfen, die Wirkung zu ergänzen. Auf alle Fälle ist dieses Stück Mohnfeld ausgezeichnet empfunden; die großen und kleinen Blüten, die Mohnkapseln, die schlanken Stiele und massigen Blätter sind durchaus naturalistisch wiedergegeben. Hier ist nichts aufgebaut oder aus dem Gedächtnis gearbeitet; die Künstlerin hat solch ein Mohnfeld studiert, aus vielen mühevollen Skizzen ist die Stickerei entstanden, die so leicht und zierlich wirkt. Der zweite Wandbehang, „Blühender Apfelbaum“ (Abb. 148), ist von gleicher Art. Das Motiv steht im Vordergrund auf einer Wiese; Bäume, Sträucher, Wolken bilden den malerischen Hintergrund für den prächtig blühenden Apfelbaum, der das ganze Bild beherrscht. Die weiten Flächen des Himmels sind geschickt durch Linien und Formen unterbrochen. Die gesamte Komposition ist sehr reizvoll und, wie bei dem ersten Wandbehang, ebenfalls durchaus naturalistisch. Hier sehen wir zwei Nadelmalereien, die dem modernen Geschmack entsprechen und -- obgleich sie rein bildhaft wirken -- dennoch als Stickerei technisch völlig einwandfrei ausgeführt worden sind.
Wenn wir solche Bilder zeigen, wollen wir geschickten Stickerinnen eine Anregung geben; es sind sicherlich viele unter ihnen, die recht hübsch nach der Natur zeichnen und aquarellieren können. Da müßte einmal der Versuch gemacht werden, ein kleines Stilleben, ein paar Blumen, einen Ausschnitt aus einer Landschaft zu sticken; für den Anfang genügen kleine Motive, die möglichst sorgfältig behandelt werden müssen. Von der handgestickten +Tischkarte+ bis zum +Wandbild+ ist ein weiter Weg, indessen kommt es vor allem darauf an, einen Versuch zu machen. Es ist auch gar nicht notwendig, solche Stickereien als Wandschmuck zu verwenden, kleine Arbeiten passen als Einlage für +Kassetten+, +Andenken-+ und +Depeschenmappen+, für +Einbände+ zu +Gästebüchern+, für +Schmucktruhen+ und ähnliche Gegenstände, die eine persönliche Note tragen sollen.
50. Pinseldruck
Zu den einfachsten und hübschesten Verzierungen, die vielfach Verwendung finden, gehört der +Pinseldruck+. Die Technik ist nicht schwierig, wenn man sie erst einmal erfaßt hat, und es kommt nur darauf an, dem Pinsel allerlei Stellungen zu geben und ihn geschmeidig zu machen, damit er die verschiedenen Figuren willig ausführt. Unser Bild (Abb. 149) zeigt einige Muster, deren farbige Ausführung der Phantasie jedes einzelnen überlassen bleibt.
[Illustration: Abb. 149. Muster für Pinseldrucke.]
Man verwendet Pinsel von mittlerer Stärke, die mit Wasserfarben, am besten Deckfarben, gut angefeuchtet werden. Durch Aufdrücken in verschiedener Stellung des Pinsels werden die Muster ausgeführt. Solche Ornamentik eignet sich recht gut zum Schmuck von +Spanschachteln+, von +Holzkassetten+, +Pillenschachteln+, +Zigarrenkisten+, +Holzleisten+, die als +Schlüsselbretter+ benutzt werden sollen, überhaupt für einfache Gegenstände, die einfach verziert werden sollen. Solche Muster kommen aber auch für +Seidenbänder+, zum Beispiel für +Hutbänder+, +Gürtel+, +Blusenbändchen+ und ähnliches Modebeiwerk in Betracht; in diesem Fall verwendet man am besten waschechte Farben, die in den einschlägigen Geschäften für diese Zwecke käuflich sind. Diese Technik eignet sich ganz besonders für +Lampenschirme+, für +Untersetzer+, +Tablette+ und ähnliche +Einlagen+, die zum Schutz vor Staub und Feuchtigkeit unter Glas gerahmt werden. In Emailfarben ausgeführt, kann man die Technik sowohl auf +Glas+ als auch auf +Metall+, +Ton+ und +Holz+ verwenden, es gibt dafür vielerlei Möglichkeiten; auch +Schals+ und +Halstücher+ lassen sich in dieser Art je nach Übung und Geschick mit geeignetem Farbenmaterial recht geschmackvoll verzieren. Wer noch nicht sehr geübt ist, macht am besten ein paar leichte Aufzeichnungen auf den Hintergrund; bei Ton, Metall und Holz ist +Kreide+ oder +Kohle+ sehr zu empfehlen; beide Hilfsmittel können wieder entfernt werden, ohne Spuren zu hinterlassen.
Der +Pinseldruck+ paßt besonders zur Verzierung von +Blumentöpfen+, +Blumenkübeln+ und +Topfuntersetzern+, auch +Tonkästen+ können in dieser Weise geschmückt werden.
51. Schattenrisse
Im achtzehnten Jahrhundert stand der +Schattenriß+ in seiner höchsten Blüte, und im achtzehnten Jahrhundert bekam er auch den Namen „+Silhouette+“, den er noch heute trägt, und unter dem er in der ganzen gebildeten Welt bekannt ist. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich. Dort forderte der Finanzminister Etienne de Silhouette energische Sparmaßnahmen in den Gesetzen, er wollte Ordnung in die zerrütteten Finanzen des Reiches bringen und wollte es durchsetzen, daß an Stelle der farbigen Porträte des Königs nur noch Schattenrisse, die sich billiger stellten, als Ehrengaben verliehen werden sollten. Dieser sparsame Finanzminister machte sich bei den Parisern sehr unbeliebt, und nach seinem Sturz kam der Spottname +Silhouette+ auf, den nun alle Schattenrisse tragen.
[Illustration: Abb. 150. Schattenriß.]
Die Mode begünstigte die Silhouette, man fand Ende des achtzehnten Jahrhunderts Gefallen an der Neubelebung der Antike; die griechischen Vasenbilder, damals sehr beliebt, zeigten Ähnlichkeit mit den Schattenrissen, die dadurch noch begehrter wurden. Nicht nur Personen wurden in Schattenrissen wiedergegeben, auch Säulen, Sträuße, Landschaften, Stilleben hat man ausgeschnitten. Diese Mode hielt sich bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts; wir können noch heute in alten Stammbüchern und auf den vergilbten Freundschaftsbändern solche schwarze Kunst bewundern, die in der Biedermeierzeit besonders von den bürgerlichen Kreisen hochgeschätzt wurde. Da sind Porträte und sentimentale Kränze, gebrochene Säulen und flammende Herzen, zärtliche Girlanden, die sich um ebenso zärtliche Widmungen schlingen, üppige Füllhörner und andere Sinnbilder einer in Gefühlen schwelgenden Zeit.
Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Daguerreotypie aufkam, verdrängte sie den Porträt-Schattenriß nach und nach, bis die Silhouette in ihren verschiedenen Formen ganz und gar in Vergessenheit geriet und nur noch bei Antiquitätensammlern und in alten Familienbüchern zu finden war.
Die Mode wechselt, alles kehrt wieder. Die Nachkriegszeit mit ihrer Wohnungsnot bedingt Verhältnisse, die denen am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, nach den Napoleonischen Kriegen, ähnlich sind. Mit der Raumnot und der verringerten Kaufkraft, mit der Verarmung und der Vereinfachung der Lebenshaltung, kam die Freude an alten Erbstücken, an antiken Möbeln und Urväterhausrat auf. Zwischen praktischen Sekretären und liebevoll betreuten Vitrinen zeigte sich die Silhouette, vereinzelt schon vor dem Kriege, als große Mode in den nachfolgenden Jahren, nachdem sie bis dahin nur auf Jahrmärkten ein halb verstecktes, unbeachtetes Dasein geführt hatte. Man schnitt wieder +Porträtsilhouetten+, aber man begnügte sich nicht mit diesen Übungen. Die Schattenrisse paßten sich zunächst der Mode an, es wurden weniger Bildnisse als Genrebilder geschnitten. Buchillustrationen in dieser Technik kamen wieder auf, in Form und Linie modernisiert, man schnitt Bilder, Szenen aus Theaterstücken, aus Volksliedern und Gedichten, und schließlich, ganz unsentimental, hat sich auch in allerletzter Zeit der Film des Schattenrisses bemächtigt.
In den bürgerlichen Kreisen herrscht das +geschnittene Bild+, das als Wandschmuck und im Zierschränkchen hinter blanken Scheiben Bewunderung erregt und dessen Technik je nach Geschmack, Geschick und Übung immer wieder gern erlernt wird. Es gehört eine sichere Hand und ein sicheres Auge dazu, und wer im Anfang bescheidene Motive wählt, kann, wenn die Vorbedingungen zutreffen und wenn die Geduld nicht erlahmt, schließlich recht gute Erfolge erzielen. Man braucht dafür keine großen Vorkenntnisse und wenig Material; die Silhouette wird mit der Schere geschnitten, man trägt die Zeichnung auf der Rückseite des Silhouettenpapiers auf, für schwarzes Papier verwendet man helle Kreide. Am besten läßt man rund herum einen schwarzen Rand stehen, an den auch die anderen Teile anstoßen.
Den sogenannten „+Papierschnitt+“ führt man mit einem scharfen Messer aus, es gibt dafür auch Federn in Messerform. Man legt die Aufzeichnung aus dünnem Pauspapier auf das Silhouettenpapier und schneidet nun die Teile, die weiß bleiben sollen, mit dem Messer heraus.
[Illustration: Abb. 151. Schattenriß.]
Wir geben zwei Modelle wieder (Abb. 150 und 151), die dem modernen Geschmack entsprechen und die sich zum Raumschmuck eignen. Derartige Bilder werden möglichst anspruchslos eingerahmt, Kaliko, schmale weiße und schwarze Leisten, ganz dünne, unverzierte Goldleisten passen dafür am besten. Schattenrisse in der Art der Blumenranken kann man zum Schmuck von Glückwunschkarten, für die Widmungsseite von Gästebüchern, Sammelmappen und für Kassettendeckel -- unter Glas -- verwenden. Sie eignen sich auch für Tablette und Untersetzer.
52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug
Wer kennt es nicht, das lustige Spielzeug, das in den letzten Jahren unter dem Namen „Bi-ba-bo“ in den Handel gekommen ist und durch seine natürliche Beweglichkeit die Herzen von jung und alt gewonnen hat, denn die Bi-ba-bo-Spiele sind für Erwachsene ebenso unterhaltend wie für Kinder.
Nun ist eine Neuheit aufgekommen. Maria Skutsch, die bekannte Berliner Kunstgewerblerin, hat sehr niedliche Dackel entworfen und selbst ausgeführt, die als Bi-ba-bo-Spielzeug viel Anklang finden. Wenn man sie in Bewegung setzen will, so steckt man den Zeigefinger in die Höhlung des Kopfes, auf Daumen und Mittelfinger werden die Vorderfüße gezogen, während die untere Hand unter dem verschränkten Arm versteckt ist. So täuscht ein solcher Bi-ba-bo-Teckel einen lebendigen Männe vor, der mit den Ohren wackelt, mit dem Kopf nickt und sich wie ein richtiges Hundebaby gebärdet.
An solchem Spielzeug (Abb. 152) finden sowohl Jungen wie Mädel ein rechtes Vergnügen, und dieses Vergnügen steigert sich, wenn man das amüsante Spielzeug selber herstellt oder wenigstens dabei hilft. Das Fell der kleinen Hunde besteht aus schwarzem und braunem Tuch oder Satin. Den Rumpf fertigt man aus einer 24 mal 21 Zentimeter langen Röhre, die sorgfältig zusammengenäht wird, ein ovales Stück mit untergelegter Pappe fügt man als Sitzboden ein. Mit Lumpen und Holzwolle wird der Rumpf fest ausgestopft, damit keine leeren Stellen entstehen, und schließlich oben fest zugenäht; dabei schrägt man die Schultern leicht ab. Für den Kopf schneidet man zwei Teile der Profilansicht etwa 12 mal 9 Zentimeter groß zu, dazwischen wird ein Streifen, 2,5 mal 3 Zentimeter breit, am vordern Ende in ein Dreieck auslaufend, genäht. Die nach oben spitz auslaufende „Kehle“ wird als ein 4 mal 6 Zentimeter großes Stück Stoff zwischen die unteren vorderen Ränder eingenäht. Die Nähte werden links in dichtem Stich ausgeführt. Zum Schluß wird der Kopf umgewendet, fest ausgefüllt und auf den Rumpf genäht. Die Schlappohren werden verkehrt angenäht und zurückgeklappt, nachdem man an der hinteren Seite vorher eine kleine Falte genäht hat. Die Augen bestehen aus Jettplättchen, die in der Art aufgenäht werden, daß die Augenwinkel mit weißer Wolle angedeutet werden. Über den Augen und seitlich der Nase stickt man gelbbraune Flecke mit Wolle ein. In dieser Art wird auch die Schnauze dunkelgrau gehalten. Die Pfötchen bestehen aus zwei Gliedern. Das obere ist ein zusammengestepptes, doppelt gelegtes Stück schwarzes Tuch; die eigentliche Pfote wird aus gelbbraunem Tuch geschnitten, links zusammengenäht und nach dem Wenden mit Watte ausgestopft. In den Kopf wird eine über das obere Glied des Zeigefingers zu ziehende Pappröhre mit eingenäht. Sie wird so dicht mit Stoff umwickelt, daß sie die Halsweite des Dackels ziemlich ausfüllt.
[Illustration: Abb. 152. Selbstgemachtes Kinderspielzeug; kleine Dackel in Bi-ba-bo-Art.
Entworfen und ausgeführt von Maria Skutsch, Berlin.]
Maria Skutsch hat mit diesen Hunde-Bi-ba-bos etwas Reizendes geschaffen. Geschickte Hände werden daraus manch frohes Spiel für die Kleinen gestalten.
53. Schattenspiele
Ebenso unterhaltend und phantastisch sind die +Schattenspiele+, an denen sich die „Großen“ stets sehr gern beteiligen. Wir wollen dazu keine Illustrationen bringen, sondern nur kurz darauf hinweisen und die Erinnerung daran wecken, falls diese reizvolle, harmlose Beschäftigung, dieser fröhliche Zeitvertreib an traurigen Regenabenden, an Wintertagen, wenn es noch zu früh zum Schlafengehen ist und die Schularbeiten erledigt sind, nicht bekannt sein sollte. Wie manche Stunde vergeht viel zu schnell beim +Schattenspiel+, das die Einbildungskraft aufrüttelt und schon vor hundert Jahren zu den beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört hat. In einer Tür wird ein Bettlaken mit Reißnägeln festgespannt; zwischen der Spannung und einer hellen Lampe wird Theater gespielt, möglichst in einer Reihe. Die Begebenheiten müssen sich +nebeneinander+ abwickeln, da der Zuschauer nur die im Vordergrunde Auftretenden sehen kann; was sich im Hintergrund abspielt, kann er nicht beobachten. Auf das Publikum wirkt das Ganze silhouettenhaft; es ist im Interesse des Spiels, wenn es schnell aufgeführt wird; je flüchtiger und schattenhafter es wirkt, desto besser ist es. Wer Phantasie besitzt, kann es -- mit Musikbegleitung -- außerordentlich reizvoll gestalten, denn das alte +Schattenspiel+ ist nicht nur ein Zeitvertreib für Kinder von Kindern, es kann auch für die Heranwachsenden und für die Großen zur fröhlichen Unterhaltung werden.
54. Bilderbuch von eigener Hand
In dieses Kapitel gehört das „+Bilderbuch von eigener Hand+“, dem man eine besondere persönliche Note geben kann, wenn man unter die einzelnen Bilder lustige +Unterschriften+ setzt oder -- wenn es irgend möglich ist -- passende +Knittelverse+ darunterschreibt. Als Grundmaterial verwendet man +Kartonpapier+, für kleinere Kinder eignet sich ein Bilderbuch aus +Pappbogen+ noch besser, weil Pappbogen haltbarer sind. Man klebt mit +Fischleim+ oder +Dextrin+ Bilder auf die Bogen, die Bilder schneidet man aus illustrierten Zeitschriften, Katalogen, Reklameblättern, Ansichtskarten und Zeitungen aus. Es kommt gar nicht darauf an, daß die Bilder gleich groß sind, es genügt, wenn sie +deutlich+ sind. So kann man zum Beispiel den Katalogen von Blumen- und Tierhandlungen sehr gutes, leicht verständliches Bildermaterial entnehmen. +Dextrin+ zum Aufkleben stellt man selber her, indem man das gelbe Dextrinmehl -- es besteht aus fein gemahlenen, getrockneten Roßkastanien -- in einer Tasse oder in einer sauberen Konservenbüchse mit lauwarmem Wasser dünn verrührt und mit einem breiten, kleinen +Leimpinsel+, einem sogenannten +Bureauleimpinsel+, aufstreicht. Die Bilder werden sorgfältig ausgeschnitten, am besten im Quadrat; es macht zu viel Mühe, ihre Umrißlinien auszuschneiden, bei manchen Bildern dürfte das gar nicht möglich sein. Man klebt eine Seite voll mit Illustrationen und belegt sie mit schweren Büchern, damit sie glatt auftrocknen. Dann schreibt man die Knittelverse unter die Bilder, es genügt indessen, wenn man verständliche Unterschriften gibt, die von den kleinen Lesern sicherlich ebensogern in ihre Gedankenwelt aufgenommen werden; phantasiebegabte Kinder erfinden mehr oder weniger hübsche Geschichten dazu. Auf alle Fälle sind solch selbsthergestellte Bilderbücher sehr anregend. Pinselfreudige Knaben und Mädchen können die Schwarzweißzeichnungen selber nach Belieben mit und ohne Hilfe der Erwachsenen antuschen; ein billiger kleiner Tuschkasten mit entsprechenden Pinseln als Beigabe zu diesem originellen Bilderbuch dürfte seinen Zweck kaum verfehlen.
Man hält das Buch am besten in Mappenform, das heißt, man durchbohrt die einzelnen Bogen mit dem Locher und zieht eine feste Schnur durch, die auf dem Deckel zu einer Schleife verknüpft wird. Dies Verfahren hat den Vorteil, daß man, wenn man Zeit und Lust hat, das Buch immer wieder erweitern kann; vielleicht macht es den Kindern Freude, selber ans Werk zu gehen und nach eigenem Belieben ein recht dickes, unterhaltsames Bilderbuch herzustellen. Als Umschlag verwendet man besonders starke Pappdeckel, die mit einem hübschen Titel und einer passenden Widmung versehen werden. Dies +Bilderbuch+ kann man auseinandernehmen, so daß sich mehrere Parteien damit beschäftigen können, ohne in Streit zu geraten. Wir bringen von diesem eigenartigen Buch keine Abbildung, da die ausführliche Beschreibung wohl genügen dürfte; außerdem steht es jedem frei, solch Kinderbuch nach Belieben auszugestalten, es gibt viele Möglichkeiten dafür.
55. Purzelmann